Das Fraunhofer IGB berichtete in einer Presseinformation im Dezember von den Ergebnissen des RoKKa Verbundprojekts, die eindrucksvoll zeigten, wie bestehende Kläranlagen modernisiert und nachhaltiger gestaltet werden können, um ihre Klimabilanz zu verbessern und wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen. RoKKa macht sich die Klärschlammfaulung zunutze, bei der organische Stoffe aus dem Abwasser vergärt werden, um Biogas als erneuerbaren Energieträger zu produzieren.
Mit neuen Verfahren können Kläranlagen zu einer kommunalen Kreislaufwirtschaft und zum Klimaschutz beitragen. Dies zeigt das durch das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB und Umwelttechnik BW koordinierte Verbundprojekt RoKKa: Auf der Kläranlage der Stadt Erbach (Donau) haben zehn Projektpartner sieben Pilotanlagen betrieben, um Phosphor- und Stickstoffverbindungen für die Düngemittelproduktion zurückzugewinnen, CO2 aus dem Faulgas als Rohstoff für neue Produkte zu nutzen und Lachgasemissionen auf der Kläranlage zu reduzieren.
Welche Verfahren der vierten Reinigungsstufe können zur Elimination von Spurenstoffen aus dem Abwasser eingesetzt werden und mit welchen lassen diese sich am besten eliminieren? Welche Rückschlüsse lassen sich auf die Beziehungen zwischen den molekularen Stoffeigenschaften und der Eliminierbarkeit ziehen? Diesen und weiteren Fragestellungen widmet sich ein kürzlich gestartetes Forschungsprojekt.
Spurenstoffe können nachteilige Auswirkungen auf das Leben in Gewässern haben und die Gewinnung von Trinkwasser negativ beeinflussen. Ein erheblicher Teil der Spurenstoffe gelangt über das Abwassersystem in die Gewässer, wobei die bislang übliche konventionelle Abwasserbehandlung diese Substanzen meist nicht ausreichend entfernt.
Daher werden seit einigen Jahren Lösungen zur Erweiterung der konventionellen Behandlungsstufen um eine zusätzliche, sogenannte vierte Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination entwickelt, erprobt und angewandt. Diese weitergehende Abwasserbehandlung besitzt das Potenzial, einen bedeutenden Beitrag zur effizienten Entfernung oder Unschädlichmachung von Spurenstoffen zu leisten und so die Ökosysteme und auch die menschliche Gesundheit zu schützen.
Neue Studie zeigt Probleme und Chancen beim Schutz der Fließgewässer-Biodiversität Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Senckenberg-Wissenschaftlers Prof. Dr. Peter Haase hat die Ergebnisse weltweiter Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt in Flüssen ausgewertet. Ihre jetzt im renommierten wissenschaftlichen Journal „Nature Reviews Biodiversity“ erschienene Studie zeigt, dass viele Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen zu kurz greifen und oft nur geringe Erfolge bringen. Um Flussökosysteme nachhaltig zu schützen und den gravierenden Biodiversitätsverlust aufzuhalten, seien ganzheitliche Maßnahmen in größerem, auch länderübergreifendem Maßstab nötig, die verschiedene gesellschaftliche Gruppen einbeziehen.
Zürich: Netto-Null – Stadt will Projekt zur CO2-Abscheidung umsetzen
Um klimaneutral zu werden, benötigt die Stadt Zürich CO2 Negativemissionen. Dazu will der Stadtrat das CO2 der Klärschlammverwertungsanlage ab dem Jahr 2028 abscheiden und dauerhaft speichern. Für dieses Vorhaben beantragt er dem Gemeinderat zuhanden der Stimmberechtigten neue einmalige Ausgaben von 35 474 000 Franken und ab 2028 neue wiederkehrende Ausgaben von jährlich 14 212 000 Franken.
Die Stadt Zürich will bis im Jahr 2040 klimaneutral werden. Die Stimmbevölkerung hat dem Klimaschutzziel am 15. Mai 2022 zugestimmt. Weil auch künftig nicht alle Treibhausgasemissionen fossilen Ursprungs vermieden werden können, muss die Stadt CO2 Negativemissionen realisieren. Dies geschieht durch die Abscheidung und Speicherung von klimaneutralem CO2 biogenen Ursprungs.
Potenzial von 25 000 Tonnen CO2 pro Jahr Auf dem Areal der Abwasserreinigungsanlage Werdhölzli betreibt die Stadt Zürich die kantonale Klärschlammverwertungsanlage (KSV). Rund 100 000 Tonnen Klärschlamm der Kläranlagen im Kanton Zürich werden dort jährlich verbrannt. Dabei entstehen pro Jahr gut 20 000 Tonnen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid – besser bekannt als CO2. Das CO2 aus der Klärschlammverwertung ist zu 100 % biogenen Ursprungs. Heute wird das CO2 über den Kamin in die Luft abgegeben. Die Stadt Zürich möchte es in Zukunft abscheiden und dauerhaft speichern, damit es nicht mehr in die Atmosphäre gelangt und als Negativemission an die Klimabilanz angerechnet werden kann. Dazu soll eine Anlage zur Abscheidung des CO2 aus dem Rauchgas erstellt und betrieben, das abgeschiedene CO2 sicher wegtransportiert und dauerhaft eingelagert werden. Dafür beantragt der Stadtrat neue einmalige Ausgaben von 35 474 000 Franken und ab 2028 neue wiederkehrende Ausgaben von jährlich 14 212 000 Franken. Nach der Behandlung im Gemeinderat wird das Vorhaben der Stimmbevölkerung zur Abstimmung vorgelegt. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten auch die rund 5000 Tonnen CO2 Emissionen der Biogasaufbereitungsanlage integriert werden. Gesamthaft beträgt das Potenzial der Anlage somit 25 000 Tonnen CO2 Negativemissionen pro Jahr.
Speicherung in Recyclingbeton und unter dem Meeresboden Für den Transport und die Speicherung der 25 000 Tonnen CO2 pro Jahr hat die zuständige Dienstabteilung Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) eine öffentliche Ausschreibung durchgeführt (Medienmitteilung vom 26. Mai 2023). Das Angebot, das den Zuschlag erhalten soll, sieht vor, rund die Hälfte der jährlichen CO2 Menge in Recyclingbeton von diversen Schweizer Betonwerken permanent zu binden. Das Verfahren ist von «The Gold Standard», einem unabhängigen Qualitätsstandard, der hochwertige Klimaschutzprojekte auszeichnet, genehmigt und zertifiziert. Die andere Hälfte soll in eine Speicherstätte im Ausland, voraussichtlich in der dänischen Nordsee, eingebracht werden. Das CO2 wird dabei etwa 2000 Meter unter dem Meeresboden unter einer Schicht aus Deckgestein verpresst und verbindet sich dort mit dem Basaltgestein – d. h. es wird fest. Die gesetzliche Grundlage für die Ausfuhr und Speicherung hat der Bundesrat Ende 2023 geschaffen (Medienmitteilung BAFU vom 22. November 2023). Negativemissionen für Netto-Null https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/departement/medien/medienmitteilungen/2024/01/netto-null-stadt-will-projekt-zur-co2-abscheidung-umsetzen.html
Abwasser in der Reuss: Surfer klagen über Magen-Darm-Grippe
Kläranlagen reinigen unser Abwasser, doch bei Regen gelangt regelmässig ungeklärtes Abwasser in unsere Gewässer. So auch das Abwasser aus Luzern in die Reuss. Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Buholz in Emmen LU reinigt das Abwasser der Stadt Luzern und der umliegenden Gemeinden. Insgesamt sind über 180’000 Personen sowie zahlreiche Industriebetriebe angeschlossen. Normalerweise bewältigt die ARA Buholz die anfallenden Abwassermengen problemlos, doch bei starken Regenfällen stösst das System an seine Grenzen. https://www.20min.ch/story/bremgarten-ag-abwasser-in-der-reuss-surfer-klagen-ueber-magen-darm-grippe-103160848
In Payerne entsteht die neue regionale ARA « L’Eparse », die sieben bestehende Anlagen ersetzt und das Abwasser von 42’000 Einwohnergleichwerten aus 16 Gemeinden der Kantone Waadt und Freiburg behandeln wird. Die neue ARA wird den Bedarf an Abwasserbehandlung der ganzen Region decken und gleichzeitig den Gewässerschutz deutlich verbessern. Das Abwasser wird mit dem Verfahren der alternierender/intermittierender Nitrifikation/Denitrifikation (A/I-Verfahren) biologisch gereinigt. So werden die künftigen Einleitungsnormen für Stickstoff antizipiert und der Stromverbrauch wird gesenkt. Die Mikroverunreinigungen werden durch Aktivkohlefilter entfernt. https://holinger.com/projekte/neue-regionale-ara-in-payerne-leparse/
Recycling und Energiegewinnung Müll macht erfinderisch
Für das Team des Limmattaler Regiowerks Limeco ist klar: Kehrichtverbrennung und Kläranlagen sind die Kraftwerke der Zukunft. Vier Mitarbeiter – vom Geschäftsführer bis zum Platzwart – erzählen aus ihrem Beruf.
Grenchen: Grösste faltbare Solaranlage entsteht in Grenchen
Solarpanels werden nicht nur auf Dächern gebaut. Mit einer speziellen Technik klappt es auch auf Kläranlagen. Solaranlagen sind nicht überall willkommen. Sie benötigen Platz, könnten Eingriffe in das Landschaftsbild bedeuten oder der Denkmalschutz erlaubt sie nicht immer. Warum also nicht Solarpanels auf Autobahnen, über Parkplätzen oder Obstplantagen montieren? Das wird zum Teil schon praktiziert. Auch über Kläranlagen entstehen vermehrt solche Anlagen. Diese müssen aber beweglich sein, zeigt ein Augenschein in Grenchen…mehr: https://www.srf.ch/news/schweiz/faltbare-photovoltaik-groesste-faltbare-solaranlage-entsteht-in-grenchen
Startschuss für die nächste Etappe in der Tarifauseinandersetzung für den öffentlichen Dienst der rund 2,5 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen
ver.di geht mit einer Forderung nach einem Volumen von acht Prozent mehr Geld, mindestens aber ein Plus von 350 Euro monatlich für Entgelterhöhungen und höhere Zuschläge für besonders belastende Tätigkeiten in die Verhandlungen. Die starten im Januar. Jetzt kommt es darauf an, in den Dienststellen und Betrieben Mehrheiten zu organisieren, die mit uns gemeinsam unsere Forderungen durchsetzen.
Die rund 100 Mitglieder der Bundestarifkommission öffentlicher Dienst (BTKöD) haben außerdem am 9. Oktober 2024 mit großer Mehrheit beschlossen, dass auch die Ausbildungsvergütungen und Entgelte für Praktikantinnen um 200 Euro monatlich steigen sollen. Darüber hinaus fordert ver.di drei zusätzliche freie Tage, um die zunehmende Arbeitsbelastung auszugleichen. Für mehr Zeitsouveränität und Flexibilität soll ein „Meine-Zeit-Konto“ sorgen, über das Beschäftigte selbst verfügen können. Das Ergebnis soll natürlich auch zeit- und wirkungsgleich auf Beamtinnen übertragen werden. ver.di erwartet zusätzlich, dass die Arbeitszeit der Beamt*innen von derzeit 40 bzw. 41 Stunden auf das bestehende Tarifniveau von 39 Stunden reduziert werden.
Tarifverhandlungen öffentlicher Dienst: Nächste TVöD-Runde ab Anfang 2025
Die nächsten Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst stehen Anfang 2025 an. Im Herbst werden die Gewerkschaften ihre Forderungen vorstellen. Um die Verhandlungen vorzubereiten, hat ver.di die Beschäftigten im öffentlichen Dienst befragen, welche Themen sie wichtig finden. Diese beginnt voraussichtlich im Januar 2025 für die rund 2,3 Millionen Angestellten bei Bund und Kommunen. Der im letzten Jahr abgeschlossene TVöD endet am 31. Dezember 2024. Im Anschluss an die Tarifverhandlungen wird in der Regel die Besoldung der Bundesbeamten per Gesetz angepasst. Diese folgte in der Vergangenheit stets dem Tarifergebnis.
Tarifrunde 2025: Die Fakten im Überblick Interne Debatte über Tarifforderungen für Bund und Kommunen startet im Juni 2024 ver.di und Co. veröffentlichen am 9. Oktober 2024 die Tarifforderungen für den öffentlichen Dienst Beginn der Tarifverhandlungen voraussichtlich Januar 2025
Am vergangenen Montag lud die Stadtverwaltung Bad Wurzach zu einer Einwohnerversammlung ins Kurhaus ein. Im Mittelpunkt des Abends stand das wichtige Thema „Starkregengefahrenkarten“.
Bürgermeisterin Alexandra Scherer begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und gab einen Überblick über die bisherigen Maßnahmen der Stadt im Bereich Regenmanagement. In den vergangenen Jahren wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt und wertvolle Handlungsempfehlungen erarbeitet.
Für die Erstellung und Auswertung der Starkregengefahrenkarten konnte die Stadtverwaltung mit Herrn Michael Augenstein von der RBS wave, einem Unternehmen der EnBW Energie Baden-Württemberg, einen erfahrenen Fachplaner gewinnen. Herr Augenstein präsentierte die Ergebnisse seiner Analysen aus den letzten Monaten und stellte verschiedene Szenarien für die einzelnen Ortschaften sowie für die Stadt Bad Wurzach vor. Die komplexen Darstellungen basieren sowohl auf dem aktuellen Ist-Zustand als auch auf geplanten Entwicklungen im Hinblick auf Starkregenereignisse.
DryRivers-Projektergebnisse bei „Wasserwirtschaft im Dialog“–Veranstaltung am 25. Juni 2025
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wasserwirtschaft im Dialog“ werden am 25. Juni 2025 aktuelle Ergebnisse aus dem WaX-Forschungsverbund DryRivers vorgestellt. Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt auf dem Thema „Niedrigwasserrisikomanagement“.
Beginn ist um 13:00 Uhr am Institut für Wasserwirtschaft und Ökotechnologie (IWO) der Hochschule Magdeburg-Stendal. Eine Online-Teilnahme ist ebenfalls möglich.
WaX-Abschlusskonferenz: Ergebnisse aus drei Jahren Forschung zum Umgang mit Wasserextremen
Nach rund drei Jahren Laufzeit fand am 12. und 13. März 2025 die Abschlusskonferenz der Fördermaßnahme Wasser-Extremereignisse, kurz WaX, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt. Seit Februar 2022 forschen in WaX zwölf Verbünde mit insgesamt 81 Partnerinstitutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis an Ansätzen, um die negativen Auswirkungen von Dürreperioden, Starkregen- und Hochwasserereignissen zu verringern und neue Perspektiven für die Wasserwirtschaft zu eröffnen.
WBGU-Gutachten „Wasser in einer aufgeheizten Welt“: Dringender Handlungsbedarf für ein zukunftsfähiges Wassermanagement
„Die Auswirkungen des Klimawandels, die Übernutzung der Wasserressourcen, die ungleiche Verteilung von Wasser, der Verlust von Ökosystemleistungen sowie damit verbundene Gesundheitsrisiken führen zunehmend zu regionalen Wassernotlagen.“ Das ist eine der Kernaussagen des neuen WBGU-Gutachtens “Wasser in einer aufgeheizten Welt“. Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) wurde im Oktober 2024 veröffentlicht und an das BMUV und das BMBF übergeben. Das Gutachten wirft einen Blick auf den Einfluss des Klimawandels und veränderter Nutzungsmuster auf die globale Wasserverfügbarkeit und bietet klare Handlungs- und Forschungsempfehlungen für die Bundesregierung, um die nationale und internationale Wasserpolitik zu reformieren und ein klimaresilientes Wassermanagement zu etablieren.
22. Münchner Runde 2025 Die Anforderungen an die Wasserwirtschaft wachsen: Blaue und Grüne Infrastruktur sind zusammen zu sehen. Klimawandel, Urbanisierung und digitale Technologien verändern die Rahmenbedingungen. Kanäle müssen nicht nur baulich saniert werden, sondern auch hydraulisch. Damit befasste sich die 22. Münchner Runde 2025 am 16. Oktober in Fürstenfeldbruck.
Das Expertenforum Kanalsanierung wurde in Expertenforum Wasser | Abwasser umbenannt. Wie Professor Wolfgang Günthert in seiner Einführung zur 22. Münchner Runde 2025 – mit 300 Teilnehmenden und 63 Ausstellern – erläuterte, sollten infolge des Klimawandels Blaue und Grüne Infastruktur zusammen und ganzheitlich gedacht werden. Die Fachtagungsreihe Münchner Runde richtet sich danach aus und hat nicht mehr nur Vorträge zur reinen Kanalsanierung und -instandhaltung im Programm, sondern im Kontext auch Entwässerung und Flächentsiegelung sowie die Schaffung von Schwammstädten und Grünflächen als Rückhalteraum für Wasser zum Thema. Kanäle müssen in Zukunft nicht nur baulich saniert werden, sondern auch hydraulisch.
„Wir müssen Wasser und Abwasser gemeinsam sehen, für uns nutzen und nicht einfach weglaufen lassen“, appellierte Günthert (Deutscher Expertenrat für Umwelttechnologie und Infrastruktur e. V.). „Die Veränderung des Klimas ist die große Herausforderung unserer Zeit. Mehr Niederschläge, Starkregen, Hochwasser, Überschwemmungen – und auf der anderen Seite Hitzewellen, Trocken- und Dürreperioden: Die Infrastruktur- und Städteplanung muss sich darauf einstellen, dass die Durchschnittstemperatur steigt und Extremwetterereignisse zunehmen werden.“
Auf neue Füße gestellt
Das Vortragsprogramm der Münchner Runde 2025 startete mit Dr. Martin Burger (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz), der über die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) und die damit einhergehenden Veränderungen informierte. So wurde der Rechtsrahmen für die europäische Siedlungswasserwirtschaft auf neue Füße gestellt und das bestehende Regelwerk aus dem Jahr 1991 umfassend erweitert.
Kernelelemente der KARL-Novellierung sind: integrierte Pläne für die kommunale Abwasserbewirtschaftung für Anlagen größer 10.000 Einwohner sowie deutlich verschärfte Grenzwerte für Phosphor und Stickstoff, eine vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen zum Abbau von Spurenstoffen wie Arzneimittelrückständen aus dem Abwasser, eine geforderte Energieneutralität der Abwasserbehandlung bis zum Jahr 2045 und die Erweiterte Herstellerverantwortung. Diese sieht vor, dass die Kosten der vierten Reinigungsstufe verursachungsgerecht zu mindestens 80 Prozent von der Pharma- und Kosmetikindustrie übernommen werden müssen.
Schwammstädte sind Zukunftsvorsorge
Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der DWA sind 86 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vom Schwammstadtkonzept überzeugt. Die Bürger wollen mehr Grün, Blau und Wasserrückhalt in ihren Wohnorten.
Die Vorträge von Thies Brunken (Uniola AG) und Sophia Badenberg (DWA-Landesverband Bayern) vertieften das Thema: Schwammstädte sind Zukunftsvorsorge – das zeigen unter anderem wegweisende Projekte in Mannheim, Kopenhagen, Nürnberg, Birsfelden, Zürich und Bern. In diesen Städten ergänzen Schwammstadtkonzepte das Entwässerungssystem und führen zu einem klimaangepassten Regenwassermanagement. Regenwasser wird lokal gespeichert, anstatt es abzuleiten. Versiegelte Flächen werden wieder zu Grünflächen. In der Stadt Bern ist zum Beispiel unter einem Kinderspielplatz ein Wasserrückhaltebecken angelegt worden.
Die Verbändekooperation „Wassersensibles Planen und Bauen“, eine Initiative der Bayerischen Architektenkammer, der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, des DWA-Landesverbandes Bayern und des Bayerischen Handwerkstages, setzt sich dafür ein, die Siedlungsentwicklung im Freistaat klimaresistenter und nachhaltiger zu gestalten, indem Wasser in die Planung integriert wird, um Hochwasser- und Starkregenereignissen vorzubeugen und die Folgen von Dürren zu mildern. Das „Schwammstadtprinzip“, bei dem Wasser aufgenommen, gespeichert und wieder abgegeben wird, kann gefördert werden. Wasser muss nach den Vorstellungen frühzeitig in der Regional- und Bauleitplanung von Siedlungen als auch bei der Planung von Gebäuden und Infrastruktur sowie letztlich bei der Bauausführung berücksichtigt werden: https://www.schwammstadt.bayern
KI unterstützt
Jonas Watzlowik (Dr.-Ing. Pecher und Partner Ingenieurgesellschaft mbH) erörterte, was Künstliche Intelligenz (KI) beim Aufbau eines Generalentwässerungsplans leisten kann – und was nicht. Zu den Stärken einer KI – so die Erfahrung – zählt die Mustererkennung in unstrukturierten Daten. Und das effizient in der Anwendung. Die Lösung komplexer und spezieller Aufgaben ist möglich, doch werden große Datenmengen für das Training der KI benötigt. Training und Validierung sind mit Aufwand verbunden. Weitere Schwachstellen einer KI sind Inkonsistenz und Fehleranfälligkeit. KI unterstützt, ersetzt aber keine programmierte Software, konstatierte Watzlowik.
Teilnehmer der Münchner Runde verwiesen an dieser Stelle auf das Entwicklungspotenzial von KI – dass hier Lösungen schon zum Beispiel erfolgreich in der Kanalinspektion zur Schadensermittlung eingesetzt werden. So lassen sich Aussagen treffen, welche Schäden zu erwarten sind und wann sie eintreten können. Ingenieure können daraus für Kanalsanierungsprojekte Daten gewinnen oder eine ganze Sanierungsplanung darauf aufbauen. Ein spannendes Thema für Planer und Ingenieure, das weiter beobachtet wird.
Fortschrittliche Lösungen
In den letzten Jahren ist es zu zahlreichen Rechtsstreitigkeiten in Fällen gekommen, in denen öffentliche Kanäle beziehungsweise öffentliche Wasserversorgungsleitungen bereits vor längerer Zeit in Privatgrundstücke verlegt wurden. Die Leitungsverlegungen erfolgten in der Vergangenheit oftmals ohne rechtliche Sicherungen. Dr. Rainer Döring (Döring Spieß Rechtsanwälte) berichtete von Streitfällen und stellte Möglichkeiten zur Streitlösung vor. Empfohlen wird der Leitungseinbau in öffentlichem Grund beziehungsweise die Eintragung von Grunddienstbarkeiten.
Dresdens Chipindustrie bekommt einen großen Abwasserkanal. Ulf Uhlig (Aquaproject Consult Ingenieurgesellschaft mbH) zeigte die Besonderheiten bei Planung und Bau des sogenannten Industriesammlers Nord (ISN) auf, der künftig das Abwasser zur Kläranlage Dresden-Kaditz in einer Freigefälle-Druckleitung leitet.
Nach der Mittagspause hatten Fachfirmen die Bühne und Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen vorzustellen. Die traditionellen Unternehmenspräsentationen im Fünf-Minuten-Takt wurden wieder von Professor Bert Bosseler (IKT gGmbH) moderiert, der auch durch das Nachmittagsprogramm der Münchner Runde 2025 mit weiteren Vorträgen führte.
Matthias Falk in Vertretung von Reinhard Brodrecht (Spekter GmbH) befasste sich hier mit den Gefahren von Starkregen. Das Softwareunternehmen Spekter in Herzogenaurach hat dazu ein Frühalarmsystem entwickelt, mit dem Kommunen bereits gute Erfahrungen machen. Die fortschrittliche Lösung wacht über Gemeinden und warnt frühzeitig Bürger und Rettungskräfte vor Starkregenereignissen.
Nur von Fachbetrieben
Ein Dauerthema in der Kanalsanierung ist der Umgang mit Asbestfaserzementrohren, wie sie in Deutschland als Abwasser- und Trinkwasserrohre immer noch im Einsatz sind. Allein in der unterirdischen Infrastruktur Bayerns erstrecken sich AZ-Rohre schätzungsweise auf einer Länge von 5.000 Kilometern.
Roland Fischer (ISAS GmbH) informierte, was nach den Vorschriften zum Schutz der Gesundheit zu beachten ist. So dürfen Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an asbesthaltigen Materialien nur von Fachbetrieben durchgeführt werden. Bei den Arbeiten muss mindestens eine weisungsbefugte sachkundige Person vor Ort tätig sein. Sachkundenachweise gelten für den Zeitraum von sechs Jahren. Vor Beginn der Arbeiten muss für alle daran Beteiligten eine Arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge durchgeführt worden sein.
Schäden frühzeitig erkennen
Der Vortrag von Prof. Thomas Braml (Universität der Bundeswehr München) beleuchtete mit Bezug zu Entwässerungsbauwerken aktuelle Entwicklungen bei der Bauwerksprüfung nach DIN 1076. Die Norm schreibt die regelmäßige Untersuchung von Ingenieurbauwerken wie Brücken, Tunneln und Stützwänden vor, um deren Stand- und Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Sie regelt die Prüfungsmethoden, Prüfzyklen und die Anforderungen an das Personal und stellt sicher, dass Schäden frühzeitig erkannt und behoben werden. Zu den festgelegten Prüfungen gehören jährliche Besichtigungen sowie Hauptprüfungen alle sechs Jahre, zu denen der Baulastträger verpflichtet ist.
„Wie viele Sensoren kommen heute typischerweise beim Schlauchliner-Einbau zum Einsatz“, fragte Daniel von Bernstorff (Syscribe GmbH) die Zuhörer – um gleich selbst die Antwort zu geben: Mehr als 15. Das Unternehmen Syscribe in Hamburg ist auf die sensorgesteuerte Qualitätssicherung bei Schlauchlinern spezialisiert und entwickelt dafür smarte Messtechnologien. In der Realität wird die empfohlene Einbautemperatur von 80 Grad häufig deutlich unterschritten. Die Lösungen von Syscribe sind von den Grundsätzen geleitet: Qualität wird produziert, nicht kontrolliert. Richtige Entscheidungen in der Planung und Ausschreibung legen das Fundament, nicht die Baustelle. Sensoren sind das Auge in diesem Prozess, aber nicht das Gehirn und die jeweils ausführende Hand. Eigenes Denken und Handeln bleiben entscheidend. KI und Co. assistieren nur.
Impulse für die Praxis
Die Münchner Runde 2025 – Expertenforum Wasser | Abwasser vermittelte wieder nützliches Wissen aus der Praxis für die Praxis. „Man kriegt ganz viele, verschiedene Impulse und Lösungen zu Problemstellungen, die man aktiv in den eigenen beruflichen Alltag einbringen kann“, bestätigte auch Stefanie Stiegler (InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG) im Filminterview das hohe Niveau der Vorträge mit Networking als Leitfaden. Denn das zeichnet die Fachtagungsreihe Münchner Runde aus: Hier trifft sich die Kanalsanierungsbranche und Wasserwirtschaft zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Topaktuelle Sachverhalte werden aufgegriffen, wissenschaftlich vertieft, kritisch hinterfragt und auch kontrovers diskutiert.
Praxis wird zudem großgeschrieben – und so machten heuer 63 Unternehmen das Thema Entwässerung erlebbar. Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld mit seinem besonderen Ambiente ist einfach die ideale Location für die Präsentationen der Münchner Runde, die auch immer mehr junge Leute anspricht. „Meet the Practice“ ist hier das Angebot für Azubis und Studierende, die später als Facharbeiter, Techniker oder Ingenieure arbeiten wollen. Im Rahmen des Expertenforums können junge Menschen Einblicke in Berufe mit Zukunft gewinnen, mit Branchenprofis ins Gespräch kommen und sich informieren, wie es in der Praxis läuft.
„Dann sind wir auf dem richtigen Weg“
Professor Wolfgang Günthert verwies in diesem Zusammenhang auf den Fachkräftemangel, der auch die Kanalbranche betrifft. Um die Zukunft der Wasser-Kreislaufwirtschaft zu sichern, sind neue Wege in der Nachwuchsförderung und Personalgewinnung gefragt, bemerkte der Moderator der Münchner Runde zum Abschluss des diesjährigen Expertenforums. Die Herausforderung Klimwandel braucht Fachleute, die ihr Tun und Handeln nicht nur sektoral ausrichten – das heißt nur auf Kanal oder Landschaftspflege.
„Blaue und Grüne Infrastruktur ist die Zukunft eines resilienten Entwässerungssystems. Man kann wunderbar Landschaftsplanung und Entwässerungssysteme kombinieren und dabei Synergien schaffen“, machte Günthert deutlich: „Wir müssen künftig mehr gemeinsam und multifunktional denken. Dann sind wir auf dem richtigen Weg.“
Das Filmteam der Münchner Runde unter der Moderation des Journalisten Marc Szombathy hat die Highlights der 22. Münchner Runde 2025 festgehalten und wieder bewegte Bilder von den Aussteller-Präsentationen gesammelt – zu sehen auf: https://www.muenchner-runde.de
Die 23. Münchner Runde findet am 15. Oktober 2026 in Fürstenfeldbruck statt.
Als verantwortungsbewusstes Unternehmen nehmen wir die Problematik der Rattenpopulation in unserer Stadt sehr ernst. Gemäß §11 Abs.1 Nr. 8 e) des Tierschutzgesetzes (TierSchG) verfügen wir über die erforderliche Erlaubnis der Kreisverwaltung Südwestpfalz zur Bekämpfung von Wirbeltieren, insbesondere von Ratten, die als Schädlinge in der Kanalisation und anderen Zuständigkeitsbereichen des Umwelt- und Servicebetriebes (UBZ) auftreten. Beim UBZ arbeiten vier Mitarbeiter, die über die notwendige Sachkunde gemäß §4 Abs. 1 Tierschutzgesetz verfügen und erfolgreich Antikoagulanzien (Gerinnungshemmer) zur Bekämpfung von Nagetieren anwenden dürfen. Zur effektiven Überwachung und Bekämpfung setzen wir das Monitoring-Programm der Firma ball-b im Kanal ein.
Durch den Einsatz moderner Technologie und Datenanalyse werten unsere Mitarbeiter die erfassten Daten von 95 Rattenköderboxen alle 10 Tage mittels Tablets und Datenübertragung an unseren WebService aus. Dies ermöglicht eine präzise Beurteilung der Situation und eine gezielte Reaktion auf Besuche an den Köderboxen.
InSchuKa4.0: Online-Umfrage zur Festlegung von Anforderungen für dynamische Kanalnetzbewirtschaftung bei extremen Wetterereignissen
Das Projekt InSchuKa4.0 zielt auf ein integriertes und transdisziplinäres Risikomanagement gegensätzlicher hydrologischer und städtischer Wasserextreme ab und konzentriert sich auf die Entwicklung einer KI-basierten Lösung für die dynamische Kanalnetzbewirtschaftung. Diese Lösung kombiniert innovative Sensorsysteme zur Überwachung des Kanals, cyber-physische Ausrüstungselemente zur Kontrolle von Wasserstand und -menge sowie historische und prognostizierte Betriebs- und Wetterdaten. Zudem soll das neu entwickelte System Kommunen ermöglichen, automatische vorbeugende Spülungen von Kanalabschnitten durchzuführen und eine unkontrollierte Ausschwemmung von Schadstoffen bei kurzen, starken Regenschauern durch besseren Rückhalt im Kanalsystem zu verhindern.
Starkregenereignisse werden in Deutschland immer häufiger. Dr. Heiko Sieker, Regenwasserexperte und Honorarprofessor am Fachgebiet für Wasserwirtschaft und Hydrosystemmodellierung der TU Berlin, fordert dringende Maßnahmen zur Risikominimierung und stellt moderne Strategien vor, um sich gegen die Wassermassen zu wappnen. „Zuerst müssen wir die Gefahren durch Starkregen schnellstmöglich identifizieren und entsprechende Risikokarten öffentlich zugänglich machen“, betont Dr. Heiko Sieker, Honorarprofessor am Fachgebiet für Wasserwirtschaft und Hydrosystemmodellierung der TU Berlin. Obwohl einige Kommunen bereits aktiv sind, fehlt es noch an einer flächendeckenden Verfügbarkeit. Diese Karten müssen in Planungsprozesse, besonders in der Bauleitplanung, integriert werden, um Überschwemmungsgebiete nicht zu unterschätzen und neue Baugebiete sicher zu planen.
Zukunftsfähiges Regenwassermanagement: Die Schwammstadt Ein modernes Regenwassermanagement nach dem Schwammstadtprinzip ist essenziell. „Regenwasser sollte vor Ort gespeichert werden, um es in Trockenzeiten nutzen zu können“, erklärt der Experte. Dachbegrünung, Versickerung und Zisternen sind effektive Maßnahmen, um sowohl Starkregenprobleme als auch Hitze und Trockenheit zu bekämpfen. Dies sei besonders in niederschlagsärmeren Regionen wie Berlin notwendig. Die Techniken für nachhaltiges Regenwassermanagement sind bekannt und erprobt, doch veraltete Regelwerke und auf Entwässerung fokussierte Verwaltungsprozesse bremsen deren Umsetzung. „Die öffentliche Hand muss hier mit gutem Beispiel vorangehen“, fordert Sieker.
Aktuelle Forschung und individuelle Maßnahmen Im Forschungsprojekt „Blue-Green-Streets“ wird an der klimaresilienten Gestaltung von Straßen gearbeitet. Ein weiterer Forschungsfokus liegt auf der intelligenten Steuerung von Regenwasserspeichern, um das Regenwasserdilemma zu lösen. Jeder Einzelne kann ebenfalls beitragen: „Informieren Sie sich über Risiken und treffen Sie Vorsorge, z.B. durch Schutz von Eingängen und Kellerräumen“, rät der Experte. „Auch einfache Maßnahmen wie Regentonnen oder Regenwasserkaskaden sind sinnvoll.“
Lesen Sie das vollständige Interview mit Prof. Dr. Heike Sieker https://www.tu.berlin/go266944/ und erfahren Sie mehr über effektive Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen und zur nachhaltigen Nutzung von Regenwasser.
Kontakt: Hon.-Prof. Dr. Heiko Sieker TU Berlin Institut für Bauingenieurwesen Fachgebiet für Wasserwirtschaft und Hydrosystemmodellierung E-Mail: h.sieker@sieker.de
Gute Aussichten für Wasserstraßennutzer/-innen an Rhein und Elbe: Die interaktive Web-App zur bestehenden 6-Wochen-Vorhersage ging vom Testbetrieb in den operationellen Dienst über. Die Anwendung versetzt die Nutzenden in die Lage, die Vorhersagen individuell zu analysieren und darstellen zu lassen.
Die Web-Anwendung ermöglicht es Binnenschifffahrt und Logistik an Rhein und Elbe, zukünftig noch effizienter auf Niedrigwassersituationen reagieren und Transporte einfacher planen zu können. Sie ist ein Zusatzangebot zur bereits seit einiger Zeit bestehenden 6-Wochen-Vorhersage in Form von PDF-Berichten und wird wie diese jeden Dienstag und Freitag aktualisiert.
Zur Web-Anwendung gelangen Sie hier: https://6wochenvorhersage.bafg.de Neu ist, dass die Vorhersage nun direkt im Browser angezeigt werden kann – ohne vorherigen Download der PDF-Berichte. „Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer im Testbetrieb haben gezeigt, dass die interaktive Darstellung und der einfache Zugang sehr geschätzt werden“, sagt Barbara Frielingsdorf, die maßgeblich an der Entwicklung und dem Betrieb des Dienstes beteiligt ist.
Neue Funktionen ermöglichen individuelle Auswertungen der Wasser-stands- und Abflussvorhersage In der Anwendung können Nutzende insbesondere einen individuell interessierenden Bezugswert des Wasserstandes oder Abflusses für den für sie relevanten Pegel angeben. Die App berechnet daraus anschließend die spezifischen Unterschreitungs-wahrscheinlichkeiten und stellt diese auch grafisch dar. „Schifffahrt und Logistik können mit den neuen Funktionen eine maßgeschneiderte Auswertung der Vorhersage für die eigenen Anforderungen generieren“, erklärt die Hydrologin den Nutzen.
Weitere Neuerungen der App im Überblick – Rückschau: Die Vorhersagen der vergangenen vier Wochen sind verfügbar. – Darstellung optimiert: Festgelegte Bezugswerte, wie der Gleichwertige Wasserstand (GlW) oder statistische Kennwerte, wie z. B. der mittlere Niedrigwasserabfluss (MNQ), können in der Darstellung ein- und ausgeblendet werden. Zu Vergleichszwecken lassen sich zudem die Ganglinien der Wasserstände bzw. Abflüsse der Niedrigwasserjahre 2018 und 2022 hinzufügen. – Szenarien berechnen: In der Darstellung des Bündels individueller Ganglinien, die sich ausgehend vom derzeitigen Zustand infolge der meteorologischen Verhältnisse der Vergangenheit zu diesem Zeitpunkt im Jahr („auf Basis der Klimatologie“) einstellen würden, lassen sich einzelne Jahre hervorheben und identifizieren.
Web-App ergänzt bestehende Angebote an den Bundeswasserstraßen Neben der 6-Wochen-Vorhersage ist seit Juli 2022 auch die sog. 14-Tage-Wasserstandsvorhersage für ausgewählte Rheinpegel verfügbar. Beide Vorhersagedienste schaffen mehr Planungssicherheit für die Wirtschaft und die Binnenschifffahrt an Rhein und Elbe und erfüllen damit den entsprechenden Handlungspunkt des Aktionsplans „Niedrigwasser Rhein“ des Bundesverkehrsministeriums.
Der LAWA-Bericht zur Berücksichtigung von Niedrigwasserphasen oder Extremereignissen bei der Zulassung von Abwassereinleitungen ist gemäß UMK-Beschluss unter Publikationen -> dort unter „Aktuelle Veröffentlichungen“ sowie „Wasserrecht“ verfügbar.
Anlass für die Beschlüsse gab ein massenhaftes Fischsterben im August 2022 in der Oder. Nach den aktuellen Erkenntnissen wurde dieses Fischsterben durch multikausale Wirkmechanismen ausgelöst. Salzhaltige Einleitungen und Niedrigwasser führten zu einer hohen Salzkonzentration in der Oder. Diese begünstigte das rasante Wachstum einer Brackwasseralge, die für Fische und andere Wasserlebewesen tödliche Toxine produziert.