Weihnachten steht vor der Tür und das Jahr 2020 ist schon in Sichtweite. Das Team von klärwerk.info wünscht allen Lesern eine Frohe Weichnachten und einen Guten Rutsch ins neue Jahr. Für das neue Jahr wünschen wir Ihnen Gesundheit, Glück und Erfolg.
Denen, die zu diesen Fest- und Feiertagen im Schichtdienst auf den Anlagen arbeiten oder Rufbereitschaft haben, wünschen wir entspanntes Arbeiten und wenig Einsätze.
Das Team von klärwerk.info
Weihnachten – die schönste Zeit, wo im Schimmer vieler Kerzen wir vergessen sollen Stress und Streit – dann zieht Friede ein in unsre Herzen!
Am 3. Mai 2023 veranstaltete der ÖWAV gemeinsam mit der Haslinger/Nagele Rechtsanwälte GmbH das Seminar „Wasserrecht in der Praxis“ – das jährliche Update für alle, die mit dem Wasserrecht zu tun haben. ÖWAV-GF DI Dr. Daniel Resch und Dr. Wolfgang Berger (Haslinger/Nagele Rechtsanwälte GmbH) begrüßten das interessierte Auditorium im Roomz Hotel Wien Prater zur …mehr:
Am 13. April veranstaltete der ÖWAV auch heuer wieder das Seminar Kanalmanagement. Univ.-Prof. DI Dr. Thomas Ertl und ÖWAV-Präsident Roland Hohenauer begrüßten das Auditorium an der Boku Wien zur Veranstaltung, die aufgrund der Störungen im öffentlichen Verkehrsnetz kurzfristig auch im Livestream mitverfolgt werden konnte. Zum Auftakt des Seminars durfte…mehr:
Die Verordnung des Bundesministers für Arbeit und Wirtschaft über die Berufsausbildung im Lehrberuf Abwassertechnik (Abwassertechnik-Ausbildungsordnung), BGBl. II Nr. 113/2023, wurde am 24. April 2023 kundgemacht.
Der Lehrberuf Abwassertechnik ersetzt den alten Lehrberuf Entsorgungs- und Recyclingfachmann/frau – Abwasser. Das neue Berufsbild weist die folgenden Kompetenzbereiche auf:
Fachliche Kompetenzbereiche: Ökologie und Wasserwirtschaft (Ökologie; Rechtliche Grundlagen der Wasserwirtschaft), Abwasserbehandlung (Grundlagen der Abwasserbehandlung; Bedienen und Überwachen von Abwasserbehandlungsanlagen; Automatisierung von Abwasserbehandlungsanlagen; Abfall, Abluft und Lärmschutz in Abwasserbehandlungsanlagen; Lagerung in Abwasserbehandlungsanlagen; Betriebsaufzeichnungen), Abwasseranalytik (Labortechnische Grundlagen; Analytik), Instandhaltung von Abwasserbehandlungsanlagen (Werkzeuge, Maschinen, Geräte und Einrichtungen; Instandhaltung).
Fachübergreifende Kompetenzbereiche: Betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation (Betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation; Leistungsspektrum und Eckdaten des Lehrbetriebs; Branche des Lehrbetriebs; Ziel und Inhalte der Ausbildung sowie Weiterbildungsmöglichkeiten; Rechte, Pflichten und Arbeitsverhalten; Selbstorganisierte, lösungsorientierte und situationsgerechte Aufgabenbearbeitung; Zielgruppengerechte Kommunikation und zielgruppengerechtes Agieren; Kundenorientiertes Agieren), Qualitätsorientiertes, sicheres und nachhaltiges Arbeiten (Betriebliches Qualitätsmanagement; Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz; Hygiene), Digitales Arbeiten (Datensicherheit und Datenschutz; Software und weitere digitale Anwendungen; Digitale Kommunikation; Datei- und Ablageorganisation; Informationssuche und -beschaffung; Bewertung und Auswahl von Daten und Informationen). Die Verordnung tritt – mit Ausnahme der §§ 4 bis 13 – mit 1. Mai 2023 in Kraft, die §§ 4 bis 13 am 1. Jänner 2025.
Einen Tag nach Veröffentlichung des Bundes-Abfallwirtschaftsplans fand am 17.1.2023 das gleichnamige ÖWAV-Seminar in Wien statt. Univ.-Prof. DI Dr. Roland Pomberger (Montanuniversität Leoben / ÖWAV-Vizepräsident) und SC DI Christian Holzer (BMK / Mitglied des ÖWAV-Präsidiums) begrüßten die Seminarteilnehmer:innen im Festsaal des Bundesamtsgebäudes zur Veranstaltung.
Im Rahmen des Seminars wurde nicht nur der neue BAWP 2023 vorgestellt und diskutiert, sondern auch auf die Vorarbeiten, Datengrundlagen, Bedeutung und Einordnung des BAWP in der abfallwirtschaftlichen Praxis eingegangen.
Seminar „Klimawandel – Folgen für Siedlungswasserwirtschaft“
Am 7. Februar 2023 veranstaltete der ÖWAV das Seminar „Klimawandel – Folgen für die Siedlungswasserwirtschaft“ an der Universität Innsbruck. Seminarleiter Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Rauch (Uni Innsbruck), DI Markus Federspiel (Amt der Tiroler Landesregierung) und ÖWAV-GF DI Dr. Daniel Resch begrüßten das Auditorium zur Veranstaltung. In vier Veranstaltungsteilen beleuchteten die Vortragenden die „Randbedingungen“, „Planungsgrundlagen“, „Anpassungsmaßnahmen“ und das „Stadtklima“.
Der generelle Temperaturanstieg durch den Klimawandel hat signifikante Auswirkungen auf unser Wettergeschehen. Die Häufigkeit und Intensität von Starkniederschlägen aber auch Länge und Intensität von Trocken- und Hitzeperioden steigen massiv. Diese Effekte wurden in den letzten Jahren bereits sichtbar, werden sich aber in Zukunft unweigerlich verstärken. Für die Siedlungswasserwirtschaft hat dies unmittelbare und teilweise dramatische Folgen, primär Überschwemmungen und Wassermangel. Seit geraumer Zeit werden daher Anpassungsstrategien entwickelt, um den Folgen der Klimaänderung zu begegnen. Diese Strategien umfassen sowohl traditionelle technische Lösungen als auch naturnahe (blau-grüne) Infrastruktur. Beides ist aufwendig und kostenintensiv. Im Seminar wurde der gesamte Themenkomplex praxisnah und mit einem Fokus auf den alpinen Bereich diskutiert.
Seminar „Koordination im Hochwasserrisikomanagement“
Der ÖWAV veranstaltete am 07. Dezember 2022 im Plenarsaal der Wirtschaftskammer in Salzburg das Seminar „Koordination im Hochwasserrisikomanagement – Wasserkraft, Landwirtschaft, Raumplanung“ unter der Leitung von Ass.-Prof. DI Dr. Walter Seher von der BOKU. Die rund 80 Teilnehmenden erhielten einen Überblick über die Ergebnisse und Schlussfolgerungen des Forschungsprojekts PoCO-FLOOD, das von der Akademie der Wissenschaften gefördert und von der BOKU durchgeführt wurde. Nach Betrachtung der 3 im Projekt untersuchten Einflussbereiche auf das Hochwasserrisikomanagement wurden die damit einhergehenden Fragestellungen in Form einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion gemeinsam mit dem Publikum vertieft.
Immer mehr Menschen zieht es in die Städte – die Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Agrarprodukten ist eine große Herausforderung. Besonders in urbanen Räumen ist es schwierig, dem Trend zu nachhaltigen, lokalen und qualitativ hochwertigen Produkten nachzukommen. Daher sind neuartige Agrarsysteme notwendig. Im BMBF-Verbundprojekt SUSKULT geht das Fraunhofer UMSICHT gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Praxis einen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Weg, der sich bei genauerem Hinsehen allerdings als geniale Idee entpuppt.
Die Auftaktveranstaltung zu SUSKULT fand mit 35 Teilnehmenden des Projektverbunds und des Projektbeirats in Oberhausen statt.
Qualität und Nachhaltigkeit der Ernährung stehen vermehrt im Fokus. Was in landwirtschaftlich geprägten Regionen noch relativ einfach umzusetzen ist, gestaltet sich in den Städten jedoch weitaus schwieriger. Darüber hinaus besteht eine zentrale Zukunftsfrage, wie Ertragssteigerungen in der Agrarwirtschaft bei endlichen Phosphatressourcen, hohem Energieaufwand bei der Düngemittelproduktion und der Verschmutzung von Gewässern und Böden durch Phosphor und Stickstoff künftig möglich sein werden. Ein Team unter Koordination des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT will dieses Problem nun lösen und entwickelt im Rahmen des im April gestarteten BMBF-Verbundprojekts SUSKULT ein neuartiges Agrarsystem. »Das Besondere dabei ist der Standort: Wir docken das Agrarsystem an städtische Kläranlagen an«, erklärt Volkmar Keuter, Leiter der Abteilung Photonik und Umwelt beim Fraunhofer UMSICHT und Koordinator von SUSKULT. Am 10. Mai fand die Auftaktveranstaltung mit 35 Teilnehmern des Projektverbunds und des Projektbeirats in Oberhausen statt.
Doch warum gerade Kläranlagen? Hierzu lohnt sich ein Blick auf die Komponenten, die für eine Pflanzenkultivierung benötigt werden: Für den geschlossenen Anbau von gartenbaulichen Produkten, z. B. in Gewächshäusern, sind das im wesentlichen Nährstoffe (Dünger), CO2, Wärme und Wasser. »All diese Ressourcen sind auf Kläranlagen zu finden«, so Keuter. Hinzu komme der Standortvorteil. Zunächst am Stadtrand gebaut, sind Kläranlagen mittlerweile – bedingt durch das Wachstum der Städte und Metropolregionen – häufig zentrumsnah verortet.
Die Agrarwirtschaft in die Stadt bringen Die Idee, Ressourcen aus Kläranlagen im Sinne der Kreislaufführung zu nutzen, ist nicht neu. So gibt es bereits Verfahren, die Phosphor aus Schlamm und Asche in Kläranlagen – teils unter erhöhtem Energieeinsatz – rückgewinnen, um ihn in Form von Dünger oder Futterzusatz in die Agrarwirtschaft zu bringen. »Allerdings wird Phosphor dabei aus der Stadt in agrarwirtschaftlich geprägte Regionen transportiert, von wo aus später dann Obst und Gemüse wieder zurückgebracht werden«, erklärt Keuter. Um eine agrarwirtschaftliche Produktion direkt an Kläranlagen andocken zu können, entwickelt ein interdisziplinäres Konsortium im Rahmen von SUSKULT ein entsprechendes Bausteinsystem. Das Ergebnis soll regional angebautes, qualitativ hochwertiges Gemüse sein.
NEWtrient®-Center Insgesamt 15 Partner arbeiten bei SUSKULT in vier Teilprojekten an dem Vorhaben. Die Arbeitspakete beinhalten neben der Weiterentwicklung der Kläranlagen zu sogenannten NEWtrient®-Centern und der Entwicklung einer Aufbereitungstechnik eine angepasste Nahrungsmittelproduktion in geschlossenen Kultursystemen und die dazugehörige Umfeld- und Systemanalyse. Um möglichen Schwankungen in Menge und Konzentrationen im Abwassersystem möglichst frühzeitig begegnen zu können, sind auch eine intelligente Prozesssteuerung und entsprechende Vorhersagemodelle im Projektplan verankert. Keuter wagt einen Ausblick: »Wir haben die Vision, dass 2050 keine Kläranlagen mehr im Sinne einer Entsorgungsanlage existieren, sondern NEWtrient®-Center. Ressourcenströme, die sämtliche Nährstoffe in Städten umfassen, können hier gehandelt werden.« Auf dem Weg zum Agrarsystem der Zukunft nach der SUSKULT-Vision ab dem Jahr 2050 gibt es eine Vielzahl an Herausforderungen. Nicht nur die technischen Ziele stehen im Fokus, bereits jetzt müssen die normativen Grundlagen erarbeitet und möglichst viele Stakeholder in den Entwicklungsprozess eingebunden werden. Direkt am Projekt beteiligt sind auch die Partner Metro AG und REWE Markt GmbH, hinzu kommen zahlreiche Interessensvertreter im Projektbeirat. Weite Teile der Zivilgesellschaft sind im Rahmen von Dialogprozessen involviert. Gemeinsam betrachten sie auch den zukünftigen Weg der Produkte zu den Kunden: »Ich kann mir z. B. ganz neue Standorte von Wochenmärkten vorstellen«, schildert Keuter eine weitere Vision von SUSKULT.
40 t Gemüse pro Jahr In den ersten drei Jahren legen die Forschenden den Grundstock für das neue Agrarsystem. Im Anschluss soll dann eine Demonstrationsanlage auf dem Gelände des Klärwerks Emschermündung an der Stadtgrenze zwischen Dinslaken, Oberhausen und Duisburg aufgebaut werden. Das Ziel ist ehrgeizig: »Nach einer Phase der Optimierung der einzelnen Komponenten möchten wir vor Ort pro Jahr mehrere Tonnen Gemüse produzieren«, so Keuter. Wenn alles optimal funktioniert, könnte man damit beispielsweise den jährlichen Bedarf an Blattsalaten der Gemeinde Anröchte[1] im Kreis Soest decken (durchschnittlicher jährlicher Verbrauch in Deutschland: etwa 3 kg Blattsalat/Kopf[2]).
SUSKULT: die Partner Unter der Koordination vom Fraunhofer UMSICHT arbeiten 15 Partner in den vier Teilprojekten »TP1 NEWtrient®-Center«, »TP2 NEWtrient®-Aufbereitungssystem«, »TP3 Nahrungsmittelproduktion« und »TP4 Umfeld- und Systemanalyse« zusammen: • Fraunhofer UMSICHT (Verbundkoordinator) • A3 water solutions GmbH • Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz GmbH – DFKI • Emschergenossenschaft K. ö. R • Helmholtz Zentrum für Umwelt-forschung GmbH – UFZ • Hochschule Osnabrück • ILS-Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung • Justus-Liebig-Universität Gießen • Metro AG • Montanuniversität Leoben • PACELUM GmbH • Rewe Markt GmbH • Ruhrverband • TU Kaiserslautern • Yara GmbH & Co. KG
Förderhinweis Das Projekt »SUSKULT – Entwicklung eines nachhaltigen Kultivierungssystems für Nahrungsmittel resilienter Metropolregionen« (FKZ 031B0728) wird im Rahmen der Fördermaßnahme »Agrarsysteme der Zukunft« im Rahmen der »Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030« der Bundesregierung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert…mehr:
E_OS als Smart-City-Vorzeigebeispiel: Neue Schlammbehandlungsanlage der ebswien hauptkläranlage liefert ab 2020 saubere Energie.
Seit April 2015 wird gebaut, nun nähert sich das Projekt „E_OS – Energie_Optimierung Schlammbehandlung“ der ebswien hauptkläranlage der Fertigstellung: Nach Reinvestition in die Becken der Vorklärung und der 1. biologischen Reinigungsstufe und der Neuerrichtung einer Schlammbehandlungsanlage wird Wiens Kläranlage ab 2020 aus Klärgas mehr Öko-Energie erzeugen als sie zur Abwasserreinigung benötigt. Bürgermeister Michael Ludwig und Umweltstadträtin Ulli Sima überzeugten sich am 16. September 2019 in Simmering vom Baufortschritt. „Wien gilt weltweit als Vorreiter in Sachen Smart City. Dabei verfolgen wir eine klare Strategie, bei der die Anliegen und Ideen der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner, aber auch die Impulse aus Wirtschaft, Technologie und Forschung unter ein gemeinsames Ziel gestellt werden“, erklärte Bürgermeister Ludwig: „Was das ganz konkret bedeutet und welchen Nutzen wir daraus ziehen, machen Projekte wie E_OS in der Wiener Hauptkläranlage deutlich. Durch den intelligenten Einsatz von modernen Technologien wird hier schon in wenigen Monaten mehr Energie produziert als tatsächlich verbraucht. Die Abwasserreinigung, die in anderen Städten einen der größten kommunalen Energieverbraucher darstellt, erfolgt bei uns zukünftig energieautark. Wir gewinnen auch noch sauberen Strom und Wärme und senken damit auch deutlich den CO2-Ausstoß.“
Kläranlagen gehören in der Regel zu den größten kommunalen Energieverbrauchern, die Wiener Hauptkläranlage benötigt zur Reinigung der gesamten in der Stadt anfallenden Abwässer knapp ein Prozent des Wiener Gesamtstromverbrauchs. Die zuständige Stadträtin Ulli Sima: „Die Hauptkläranlage wird mit E_OS zum Öko-Kraftwerk. Davon profitiert die Wiener Klimabilanz erheblich: Der Ausstoß von CO2-Äquivalenten sinkt um rund 40.000 Tonnen pro Jahr.“ Das Projekt E_OS stellt eine logistische Herausforderung dar, so Sima: „Der Bau erfolgt bei laufendem Betrieb der Kläranlage. Die Qualität der Abwasserreinigung muss dabei zu jedem Zeitpunkt garantiert sein. Diese schwierige Aufgabe hat das Team der ebswien bisher perfekt gemeistert.“ Genauso erfreulich sei ein weiterer Aspekt, ergänzte die Stadträtin: „Die Schlammbehandlungsanlage wird Mitte 2020 ihren Betrieb aufnehmen, die ebswien hält bei E_OS damit sowohl Zeit- als auch Kostenplan ein.“
Ab dem ersten vollen Betriebsjahr 2021 stellt sich die Energiebilanz der ebswien hauptkläranlage wie folgt dar: Verbrauch Erzeugung Strom 63 GWh/a 78 GWh/a Wärme 40 GWh/a 82 GWh/a
Innovation: Mehr Energie durch gute Ideen „Bei Schlammfaulungsanlagen stand früher vor allem die Reduktion des Klärschlamms, der als >Reststoff< bei der Abwasserreinigung anfällt, im Mittelpunkt des Interesses", erläuterte ebswien-Generaldirektor Christian Gantner, „die gewonnene Energie war dabei nur ein angenehmer Nebeneffekt. Bei E_OS war hingegen von Anfang die größtmögliche Energieausbeute unser Ziel." So entwickelte die ebswien hauptkläranlage gemeinsam mit dem Institut für Gewässergüte der Technischen Universität Wien ein innovatives Verfahren. Bevor der Schlamm in die Faulbehälter gelangt, muss ihm Wasser entzogen werden. Je „dicker" der Schlamm dabei ist, desto besser für die Energiebilanz. Der Schlamm muss für die Faulung nämlich einschließlich des enthaltenen Wassers erwärmt werden. Ein geringerer Wasseranteil spart dabei Energie. Zu „dick" darf der Schlamm aber auch nicht werden, da er sonst nicht mehr gepumpt werden könnte. Gantner: „Umfangreiche Versuche haben unsere Annahmen eindrucksvoll bestätigt, wir können die neuen Faulbehälter mit einem doppelt so hohen Feststoffgehalt wie üblich betreiben." Gute Ideen bringen also nicht nur mehr Energie, sie sparen auch (Bau-)Kosten: Durch das neue Verfahren kommt die ebswien mit halb so vielen Faulbehältern aus.
So funktioniert die neue Schlammbehandlungsanlage Im Klärschlamm sind die bei der Abwasserreinigung entfernten Schmutzstoffe gebunden, pro Jahr fallen in Wien rund zwei Millionen Kubikmeter davon an. Das sichtbarste Zeichen der neuen Schlammbehandlungsanlage sind die sechs jeweils 30 Meter hohen Faulbehälter mit einem Gesamtvolumen von 75.000 Kubikmeter. Dorthin gelangt der „voreingedickte“ und auf 38 Grad Celsius erwärmte Schlamm. Unter Luftabschluss bauen Bakterien die organischen Inhaltsstoffe des Klärschlamms ab. Während des 25 Tage dauernden Faulungsprozesses – der „anaeroben Stabilisierung“ – entsteht Klärgas, das zu zwei Drittel aus dem energiereichen Methan (CH4) besteht. Davon fallen 20 Millionen Kubikmeter pro Jahr an! Der ausgefaulte Schlamm wird aus den Faulbehältern abgezogen und verbrannt. Das Klärgas hingegen gelangt über Filteranlagen von den Gasbehältern in Blockheizkraftwerke, wo es in Gasmotoren verbrannt wird. Dabei entsteht nicht nur mechanische Energie, die mittels Generatoren in elektrischen Strom umgewandelt wird, sondern auch Wärme, die für Heizung und Warmwasserbereitung verwendet werden kann. Dadurch bringen es die Blockheizkraftwerke auf einen hohen Gesamtwirkungsgrad von mehr als 80 Prozent.
Platz für den Klimaschutz Seit 1980 standen sie im Dauerbetrieb: Die Becken der Vorklärung und der 1. biologischen Reinigungsstufe hatten das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Die nötige Reinvestition in diese „Ur“-Anlage bringt auch in diesem Teil der Hautkläranlage mehr Energieeffizienz, steigert die Ausfallssicherheit und senkt die Instandhaltungskosten. Das Volumen der Becken im zehn Hektar großen Baufeld wurde im Rahmen von E_OS um 50 Prozent vergrößert. Da die Belebungs- und Zwischenklärbecken aber nun deutlich höher sind, kommen sie mit einer wesentlich kleineren Grundfläche aus. Der dadurch freiwerdende Platz konnte für die neue Schlammbehandlungsanlage – und damit für den Klimaschutz – genutzt werden.
Projektverlauf E_OS 2010 Auftrag an die ebswien hauptkläranlage zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie 2011 ebswien legt positive Machbarkeitsstudie vor 2012 Umsetzung des Projekts E_OS wird einstimmig im Wiener Gemeinderat beschlossen 2013 Inbetriebnahme Versuchsanlage, Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) 2014 positiver UVP-Bescheid; europaweite Ausschreibungsverfahren 2015 Grundsteinlegung & Baubeginn 2016 Inbetriebnahme Vorklärung West 2017 Inbetriebnahme 1. biologische Reinigungsstufe Süd 2018 Vorklärung zur Gänze in Betrieb, Inbetriebnahme Belebung 1. biologische Reinigungsstufe Nord 2019 Fertigstellung 1. biologische Reinigungsstufe Nord (Zwischenklärung) 2020 Maschinentechnische Ausrüstung Schlammbehandlung 2020 Inbetriebnahme Schlammbehandlung
Studie: Ausbaugrad der Mischwasserkanalisation in Österreich
Gegenstand der vom BMLUK beauftragten und durch das Projektteam der Universität Innsbruck durchgeführten Untersuchung „Ausbaugrad der Mischwasserkanalisation“ ist die Abschätzung des Ausbaugrads der Mischkanalisation in Österreich und des allfälligen Anpassungsbedarfs zur Erfüllung der Anforderungen aus der EU-Richtlinie über kommunales Abwasser „KARL – Kommunale Abwasserrichtlinie“. Der nationale Handlungsbedarf wird, unter Berücksichtigung von Unsicherheiten, für verschiedene Szenarien dargestellt und Handlungsempfehlungen daraus abgeleitet.
Am 12. Juni fand das erste Event der ÖWAV-Initiative „Frauen in der Wasser- und Abfallwirtschaft“ nach dem erfolgreichen Auftakt-Workshop im Jänner statt.
Doris Maybach, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Potenzialentfaltung, begeisterte die insgesamt über 90 Teilnehmerinnen mit ihrem Vortrag „Selbstbewusst, sicher, stark. Frauen gestalten Zukunft.“ und einem anschließenden Q&A.
Sie zeigte auf, wie Frauen – wie Königinnen – mit Klarheit, Präsenz und Fokussierung ihre Selbstwirksamkeit und Sichtbarkeit stärken können. Dabei standen Themen wie Priorisieren, Fokussieren und das konsequente Umsetzen eigener Ziele im Mittelpunkt: „Die beste Art, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu gestalten.“
Seit Anfang Juni 2025 darf die Gesellschaft für Wasser- und Abfallwirtschaft (GWAW), die Tochtergesellschaft des ÖWAV, das Österreichische Umweltzeichen für Bildungseinrichtungen führen – als sichtbares Zeichen unseres Engagements für Umwelt- und Klimaschutz in der Aus- und Weiterbildung.
Bereits im Mai wurde im Rahmen eines umfassenden Audits die Einhaltung sämtlicher Kriterien geprüft: von nachhaltigem Ressourcenmanagement über ökologische Beschaffung bis hin zu Umweltbildung im Schulungsalltag. Besonders hervorgehoben wurde das große Engagement des gesamten Teams, das Umwelt- und Klimaschutz nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich in den Bildungsalltag integriert.
Mit dem Ziel, den interdisziplinären Austausch über den aktuellen Wissensstand zu Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen zu fördern, die gesellschaftlichen und technischen Herausforderungen im Bezug auf diese Ewigkeitschemikalien zu diskutieren und offene Fragen zu identifizieren, fand am 24. Juni 2025 der 1. Österreichische PFAS-Tag des ÖWAV statt.
Die vom Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) unter dem Titel „PFAS in der Wasserversorgung, Abwasserwirtschaft und Abfallwirtschaft“ organisierte Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft durchgeführt.
Am 22. Mai 2025 fand in Brüssel die Jubiläumskonferenz zum 50-jährigen Bestehen von EurEau statt – ein bedeutender Meilenstein für die europäische Wasserwirtschaft. Der ÖWAV war mit Bereichsleiterin Fruzsina Földes bei dieser hochkarätigen Veranstaltung vertreten und blickt auf einen inspirierenden Tag voller Austausch, Rückblick und Zukunftsvisionen zurück.
Unter dem Motto „Waterproofing our Future“ diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis über die Herausforderungen und Chancen der europäischen Wasserwirtschaft. Die Veranstaltung bot nicht nur spannende Keynotes und Podiumsdiskussionen, sondern auch Raum für persönliche Gespräche und fachlichen Austausch und Geburtstagskuchen!
Der ÖWAV stellt, wie mit der Wirtschaftskammer Österreich vereinbart, eine Themenliste zur Vorbereitung der Prüflinge auf das mündliche Fachgespräch der neuen Lehrabschlussprüfung Abwassertechnik zur Verfügung.
Erstellt wurde die Liste von den Kursleitern DI Thomas Baumgartner, Dr. Wilhelm Frey und Prof. Norbert Kreuzinger.
ÖWAV-Merkblatt: Befahren (Ein- und Aussteigen) von Behältern, Schächten, Kanälen, Dükern und dgl. und Durchführen von Arbeiten in solchen Einrichtungen (§§ 23a, 23b Arbeitsmittelverordnung – AM-VO)
Überarbeitete Auflage 2025.
Das Merkblatt steht zum Gratisdownload zur Verfügung. Erscheinungsjahr: 2025
Österreichische Abfallwirtschaftstagung 2025 – Kreislaufwirtschaft im Fokus
Mit über 500 Teilnehmer:innen aus ganz Österreich startete die Österreichische Abfallwirtschaftstagung 2025 am 9. April in der Grazer Messe/Stadthalle – dieses Mal unter dem Leitthema „Kreislaufwirtschaft – Herausforderungen, Potenziale und Grenzen“.
Eröffnet wurde die Tagung durch Roland Pomberger (Montanuniversität Leoben / ÖWAV-Vizepräsident), Bürgermeisterin Elke Kahr, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner und SC Christian Holzer (BMLUK). Alle Eröffnungsredner:innen betonten die Bedeutung einer funktionierenden Abfallwirtschaft als zentrale Grundlage für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft.
Sicherheitsfragen bei offenen Wasserflächen im Siedlungsgebiet
Bei der Förderung von naturnahen Massnahmen zur Bewirtschaftung des Regenwassers und zur Minderung von Hitzeinseln (Versickerungsmulden, multifunktionale Flächen, offene Gewässerläufe / Biotope, usw.) taucht im Planungsprozess häufig die Frage nach der Sicherheit vor Ertrinkungsunfällen auf.
Gut funktionierende Infrastrukturen zur Ableitung und Reinigung von Abwasser sind zentral für die Gesundheit der Bevölkerung und die Qualität der Gewässer. Die Eawag trägt mit ihrer Forschung dazu bei, diese Systeme zu optimieren. Das Abwasser enthält aber auch Ressourcen, die sich rückgewinnen lassen und es ist ein Spiegel unserer Gesundheit und unseres Konsumverhaltens, in dem sich etwa Infektionskrankheiten überwachen lassen. Auch daran forscht die Eawag.
Das Netzwerk Schwammstadt – ein engagiertes Orchester für die Wassermusik
Für viele Fachleute wurde in der ersten Phase des Projekts Schwammstadt klar, dass Regenwasser als eines der Leitmotive in der Siedlungsentwicklung verankert werden muss. Entsprechend engagieren sie viele weiterhin in der lancierten 2. Projektphase. Der Fokus wird in den nächsten Jahren auf die Verstärkung der Tätigkeiten im Bereich bestehender Bauten und Sensibilisierung weiterer Berufsgruppen wie der Architekt/-innen liegen. Eine neue Checkliste für nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung in Quartieren» enthält wertvolle Hinweise, Fragestellungen und konkrete Indikatoren zur Regenwasserbewirtschaftung. Fachleute haben zudem die Möglichkeit, mit der neuen Ausbildung «Koordinator/-in Schwammstadt» sich fundiert weiterzubilden und wichtige Kompetenzen zu erwerben.
Der DWA-Landesverband Baden-Württemberg hat den „Praxisleitfaden Funktionsstörungen auf Kläranlagen“ neu aufgelegt.
Funktionsstörungen auf Abwasserreinigungsanlagen haben häufig die Überschreitung von Überwachungswerten zur Folge und können dadurch zu strafrechtlichen wie abgaberechtlichen Konsequenzen für den Betreiber führen.Eine frühzeitige Information und die Einbindung aller Beteiligten (Dienstvorgesetzte, Wasserbehörde etc.gemäß Alarmplan) bei relevanten Störungen kann helfen, die daraus resultierenden Auswirkungen auf das Gewässer und die Konsequenzen für den Anlagenbetreiber zu minimieren.
In diesem Leitfaden werden Empfehlungen für das Betriebspersonal von Abwasserreinigungsanlagen gegeben, mit deren Hilfe auf Abwasserreinigungsanlagen ein systematisches Vorgehen zur Ermittlung und Behebung von Funktionsstörungen möglich wird.Das Vorgehen orientiert sich an den Symptomen und ermöglicht so einen raschen Einstieg in die Lösungsfindung mit dem Ziel, im Zuge der Fehlerbehebung Zeit und Kosten zu sparen.
Praxisleitfaden Funktionsstörungen auf Kläranlagen, 2. Aufl. 2017, 156 Seiten DIN A4, ISBN 978-3-88721-4-486-9 55 Euro (20 % für fördernde DWA-Mitglieder), zzgl. Versandkosten
Quelle: www.dwa-bw.de/bestellformular.html
Bakterium nutzt spezialisierte Zellen zur Verbreitung Im Küstenbereich der Meere lebt das Bakterium Vibrio parahaemolyticus, einer der Hauptverursacher von Magen-Darm-Infektionen beim Menschen. Ein Forscherteam um Simon Ringaard vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg untersucht, wie sich die Bakterien an die wechselnden Umweltbedingungen der Gezeitenzone anpassen. Ein spezieller Zelltyp, die „Abenteurer“-Zelle, sorgt für die Verbreitung des Erregers. Die neuen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage, um die Erkrankung künftig eindämmen zu können.
Vibrio-Infektionen zählen in Mittel- und Nordeuropa zu den „emerging diseases“, deren Aufkommen jüngst gestiegen ist oder wahrscheinlich in naher Zukunft steigen wird. Gründe dafür sind der weltweite Handel und die durch die globalen Klimaveränderungen bedingten höheren Wassertemperaturen…mehr:
SchülerInnen und Auszubildende tauschen sich auf Augenhöhe zu Ausbildungsberufen aus Urkundenübergabe für Kooperationsschulen
Am 19. November ist der Welttoilettentag. Diesen Anlass nutzte der Abwasser-Zweckverband Südholstein, um einen Tag zuvor 16 Schülerinnen und Schüler mit Ihren Schulleitungen zum „Azubi-Café“ im Klärwerk Hetlingen einzuladen. Unter dem Motto „Schnuppern erlaubt“ tauschten sie sich dort mit Auszubildenden über typische Berufsbilder in der Wasserwirtschaft aus. Die Jugendlichen der Klassenstufen 8 und 9 kamen von der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule Elmshorn, der Gemeinschaftsschule Rosenstadtschule Uetersen, der Gemeinschaftsschule Am Himmelsbarg in Moorrege, der Beruflichen Schule Pinneberg und von der Ernst Barlach Gemeinschaftsschule in Wedel. Bei dieser Gelegenheit übergab Christine Mesek, Verbandsvorsteherin des AZV Südholstein, den Schulen eine Urkunde über die weitere Kooperation.
Der Welttoilettentag am 19. November macht darauf aufmerksam, dass laut Angaben der Vereinten Nationen weltweit über 2,5 Milliarden Menschen ohne eine ausreichende und hygienisch einwandfreie Sanitärversorgung leben. Verschmutztes Wasser sowie ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen wie Cholera oder Typhus sind die Folgen. Der sicheren Sammlung von Abwasser und dessen hochwertiger Reinigung kommt also hinsichtlich Gesundheits-, Umwelt- und Ressourcenschutz große Bedeutung zu. Diese wichtige Aufgabe erfüllt die Abwasserwirtschaft mit vielseitigen und sicheren Arbeitsplätzen. Viele der typischen Berufsbilder sind in der Öffentlichkeit allerdings kaum bekannt.
Um das zu ändern, organisierte der Abwasser-Zweckverband Südholstein anlässlich des Welttoilettentags ein Azubi-Cafe´. Schülerinnen und Schüler können bei dieser Veranstaltungsform in lockerer Atmosphäre mit Auszubildenden auf Augenhöhe über deren Berufsweg und ihren Arbeitsalltag sprechen. Eingeladen waren die Schulleitungen und Jugendliche der Klassenstufen 8 und 9 von der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule (Elmshorn), der Gemeinschaftsschule Rosenstadtschule (Uetersen), der Gemeinschaftsschule Am Himmelsbarg (Moorrege), der Beruflichen Schule Pinneberg und der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule (Wedel). Insgesamt nahmen 16 Schülerinnen und Schüler daran teil.
Berufe praxisnah kennenlernen Für das Azubi-Café standen mehrere Themenwände bereit, an denen es jeweils um einen der Ausbildungsberufe beim AZV und seine Anforderungen ging: Fachkraft für Abwassertechnik, Elektroniker/in für Betriebstechnik, Industriemechaniker/in, Fachkraft für Lagerlogistik, Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement und Fachinformatiker/in für Systemintegration. Die Schülerinnen und Schüler besuchten reihum die Wände in Kleingruppen, um sich dort bei den Azubis und den Ausbildern über den entsprechenden Beruf zu informieren. Wie in einem Café gab es Stehtische mit Getränken.
„Es ist nicht einfach, einen Beruf zu finden, der gut zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt. Bei einem Azubi-Café können sich die Schülerinnen und Schüler auf Augenhöhe mit jungen Mitarbeitern über ihren Berufsalltag unterhalten und sich einen ersten Eindruck verschaffen“, erklärt Ute Hagmaier, Referentin für Umwelt und Bildung beim AZV. „Meine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik ist abwechslungsreich und richtig spannend. Ich freue mich, dass ich den Schülern heute davon erzählen und ihnen das Klärwerk zeigen kann“, sagt Azubi Felix Zawada. „Ich wusste gar nicht, dass es den Beruf Fachkraft für Abwassertechnik überhaupt gibt“, ergänzt ein Schüler. „Es war interessant zu hören, wie wichtig dieser Beruf für die Umwelt ist und was da alles zu machen ist.“
Zum Programm gehörte außerdem der Besuch einiger Ausbildungsstätten auf dem Klärwerksgelände. Gemeinsam mit ihren Gastgebern machten die Teilnehmer des Azubi-Cafés einen Rundgang durch die Elektro- und die Metallwerkstätten und warfen einen Blick in die Lagerhalle mit Hochregalen voller Materialien für den Klärwerks- und Kanalnetzbetrieb.
AZV Südholstein und Schulen wollen Zusammenarbeit verstärken Angebote dieser Art werden von den Schulen geschätzt. Das bestätigt beispielsweise Maren Schramm, Leiterin der Elmshorner Anne-Frank-Gemeinschaftsschule: „Wir sind als MINT-Schule froh über die Kooperation mit dem AZV Südholstein, da wir unseren Schülerinnen und Schülern Umweltberufe näherbringen können.“ Die Schulen und der AZV wollen daher die Zusammenarbeit weiter ausbauen: Im Rahmen des Azubi-Cafés erhielten die Schulen eine Kooperationsurkunde von der Verbandsvorsteherin Christine Mesek. „Auch in Zukunft wollen wir Schülerinnen und Schülern einen praxisnahen Einblick in unsere Aufgaben und Tätigkeiten ermöglichen und ihnen Gelegenheit geben, den AZV als interessanten Ausbildungsbetrieb und potenziellen Arbeitgeber kennenzulernen“, so Mesek.
Die Zusammenarbeit gilt neben der Berufsorientierung ebenso für Aktivitäten im Bereich Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung. Als gemeinsame Projekte sind unter anderem Betriebsbesichtigungen, Schülerprojekte oder Lehrerfortbildungen geplant. Der AZV Südholstein ist seit 2010 vom Land Schleswig-Holstein als außerschulische Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit zertifiziert.
Anlass der Aktion: Der Welttoilettentag Der 19. November 2019 ist ein Tag für große und kleine Geschäfte, denn schließlich ist Welttoilettentag. Funktionierende Toiletten sind für uns selbstverständlich. Zusammen mit einer sicheren Abwasserentsorgung gehören sie zu den Grundvoraussetzungen für einen gesunden und hygienischen Lebensstil – ansonsten können sich Krankheitserreger leicht ausbreiten. Der Welttoilettentag macht darauf aufmerksam, dass jedoch mehr als 40 Prozent der Menschen auf der Welt über keine oder nur mangelhafte sanitäre Einrichtungen verfügen. Als erster Welttoilettentag gilt der 19. November 2001, der Gründungstag der Welttoilettenorganisation. Seit 2013 gehört der Tag zu den offiziellen Aktionstagen der Vereinten Nationen.
In Deutschland ist die sanitäre Versorgung zum Glück sehr gut: Über 96 Prozent der Haushalte sind laut Statistischem Bundesamt an die öffentliche Kanalisation angeschlossen, die restlichen Haushalte verfügen über Kleinkläranlagen oder andere dezentrale Entsorgungseinrichtungen. Aber auch hier kann jeder einen Teil dazu beitragen, dass das Abwassersystem möglichst problemlos funktioniert: Indem die Toilette nicht als Abfalleimer missbraucht wird.
Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bietet weltweit einen der fortschrittlichsten Rechtsrahmen für das Gewässermanagement. Sollten ihre Ziele und Prinzipien in Frage gestellt werden, wäre ein wirksamer Gewässerschutz in Deutschland und der Europäischen Union (EU) ernsthaft gefährdet. Verbesserungen in der Umsetzungspraxis sind jedoch dringend notwendig.
Zu diesem Urteil kommt das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Deutschlands größtes Forschungszentrum für Binnengewässer. Der jetzt veröffentlichte IGB Policy Brief erläutert Stärken und Schwächen der WRRL und zeigt Handlungsoptionen für Politik und Praxis auf. Gemäß der WRRL sollen die Gewässer der EU bis spätestens 2027 in einen mindestens guten chemischen und ökologischen Zustand bzw. in ein gutes ökologisches Potenzial überführt werden. Seit Inkrafttreten vor 19 Jahren hat sich der Zustand der EU-Gewässer jedoch kaum nachweislich verbessert. Nach wie vor besteht bei 60 Prozent aller Gewässer in der EU Handlungsbedarf, in Deutschland sogar bei 93 Prozent der Fließ- und 73 Prozent der Stillgewässer.
„Die Gründe für diese schwache Bilanz liegen jedoch nicht in der Wasserrahmenrichtlinie selbst. Tatsächlich ist sie ein fachlich fundiertes und zielführendes Regelwerk. Die bisher sehr begrenzten ökologischen Verbesserungen weisen vielmehr auf nicht hinreichend austarierte Zielkonflikte zwischen Schutz und Nutzung und auf erhebliche Defizite in der praktischen Umsetzung hin“, erklärt Professor Mark Gessner, kommissarischer Direktor des IGB und Mitautor des IGB Policy Briefs.
Gewässerschutz als Querschnittsaufgabe in anderen Politikfeldern verankern: Das IGB kommt zu der Einschätzung, dass dringend neue integrierende Ansätze auf Ebene der Politik, Verwaltung und Umsetzungspraxis notwendig sind. Renaturierungsprojekte müssen deutlich großflächiger geplant werden – und die durchgeführten Maßnahmen wirksamer sein. Administrative Prozesse müssen systematisch verbessert und Verfahren zur Lösung von Zielkonflikten entwickelt und etabliert werden. Hierfür ist es elementar, die nachhaltige Gewässerbewirtschaftung konsequent als Querschnittsaufgabe in allen relevanten Politikfeldern zu verankern. Dies gilt besonders für die Bereiche Landwirtschaft, Energie (u.a. Wasserkraft), Verkehr (Schifffahrt), Bergbau und natürlich für den Hochwasser- und Naturschutz.
Ohne eine konsequent nachhaltige Bewirtschaftung und ökologische Verbesserung der Gewässer können ihre vielfältigen Funktionen als Lebensraum und Schlüsselressource Europas nicht erhalten oder wiederhergestellt werden. Der Nutzungsdruck schreitet ebenso rasant voran wie Klima- und Umweltwandel, einschließlich Biodiversitätsverlust. „Deshalb muss auch über 2027 hinaus strikt an den Prinzipien und Zielen der WRRL festgehalten werden“, fasst Mark Gessner zusammen und betont gleichzeitig, dass „ungeachtet der hervorragenden Grundlage erhebliche Verbesserungen in der Anwendung der Richtlinie in der Praxis erreicht werden müssen“.
Über den IGB Policy Brief zur WRRL: Das IGB hat sich 2019 im Rahmen des von der EU durchgeführten „Fitness Checks“ der WRRL an der Expertenkonsultation beteiligt. Der hier vorliegende IGB Policy Brief greift aus diesem Anlass sechs aus Sicht des IGB zentrale Punkte zu Stärken und Schwächen der WRRL auf und stellt diese Analyse für die öffentliche Diskussion zur Verfügung.
„Forschen für die Zukunft unserer Gewässer“ ist das Leitmotiv des IGB. Dazu gehört die objektive und evidenzbasierte Information und Beratung von Politik, Behörden, Verbänden, Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und der Öffentlichkeit. Mit den IGB Policy Briefs macht das Institut forschungsbasiertes Wissen kostenfrei für die Öffentlichkeit zugänglich.
Über das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB): Das IGB ist das bundesweit größte und eines der international führenden Forschungszentren für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten und die Auswirkungen des Klimawandels, die Renaturierung von Ökosystemen, der Erhalt der aquatischen Biodiversität sowie Technologien für eine nachhaltige Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. https://www.igb-berlin.de