Europas Gewässer sind in schlechtem Zustand: Über die Hälfte von ihnen ist chemisch stark belastet. Forschende der Universität Duisburg-Essen haben jetzt eine neue Methode entwickelt, um verschmutzte Gewässer zu reinigen.
Über 500 Chemikalien finden Forschende in Europas Flüssen, sie gelangen durch Industrie und Landwirtschaft ins Gewässer und bedrohen die aquatischen Lebensräume. Das Team um Juniorprofessorin Dr. Anzhela Galstyan an der Universität Duisburg-Essen will die Chemikalien jetzt mit Algen beseitigen. „Kieselalgen sind mikroskopisch kleine einzellige Organismen, die in Gewässern leben und eine Zellwand aus Kieselsäure (Siliziumdioxid) besitzen. Dank seiner porösen Struktur kann es eine Vielzahl von Schadstoffen aufnehmen“, erklärt Galstyan.
Wie Algen Europas Flüsse von Chemikalien befreien können
DryRivers-Projektergebnisse bei „Wasserwirtschaft im Dialog“–Veranstaltung am 25. Juni 2025
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wasserwirtschaft im Dialog“ werden am 25. Juni 2025 aktuelle Ergebnisse aus dem WaX-Forschungsverbund DryRivers vorgestellt. Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt auf dem Thema „Niedrigwasserrisikomanagement“.
Beginn ist um 13:00 Uhr am Institut für Wasserwirtschaft und Ökotechnologie (IWO) der Hochschule Magdeburg-Stendal. Eine Online-Teilnahme ist ebenfalls möglich.
Anmeldung unter http://www.iwo.h2.de
Erfolgreicher Abschluss des Forschungsprojekts zur Entfernung von Medikamentenrückständen aus Abwasser
Was tun gegen Medikamenten-Reste? / Multiresistenzen eindämmen
HAMBURG WASSER, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) haben ihr gemeinsames Forschungsprojekt zur Entfernung von Medikamentenrückständen aus Abwasser abgeschlossen. Das Projekt untersuchte die Effizienz verschiedener Reinigungsmethoden zur Entfernung von Medikamentenrückständen, Keimen und anderen Mikroschadstoffen aus Krankenhausabwasser.
Dabei wurden in den vergangenen gut zweieinhalb Jahren biologische Reinigungsstufen sowie erweiterte technische Verfahren wie Behandlung mit Aktivkohle (Adsorption) und Membranfiltration getestet und wissenschaftlich ausgewertet. Die Untersuchungen fanden in einer speziell eingerichteten Forschungsanlage auf dem Gelände des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf statt. Der Standort wurde bewusst gewählt, da Krankenhausabwasser eine höhere Konzentration von Stoffen wie Medikamentenrückständen aufweist. Die Forschungsergebnisse werden in die Planung der Aufrüstung des Klärwerks Hamburg fließen, die HAMBURG WASSER aktuell vorbereitet. Das UKE hat zudem untersucht, wie sich multiresistente Erreger im Krankenhausabwasser verhalten.
Grünes Methan: Wie Kläranlagen zur Energiewende beitragen können
Durch innovative Technik könnte jede Kläranlage umweltfreundlich Methan aus Kohlendioxid produzieren. Das Methan kann wiederum wie Erdgas in der vorhandenen Infrastruktur genutzt werden.
Versorgt man die Mikroorganismen, die in Kläranlagen das Wasser aufbereiten, zusätzlich mit etwas Wasserstoff und Kohlendioxid, stellen sie reines Methan her. Damit kommen Erdgasheizungen und -fahrzeuge klar, ohne dass es technischer Anpassungen bedarf. Die beiden Arbeitsgruppen der Ruhr-Universität Bochum von Dr. Tito Gehring bei Prof. Dr. Marc Wichern und Prof. Dr. Ulf-Peter Apfel haben gemeinsam ein technisches Zusatzmodul entwickelt, dass im Prinzip jede Kläranlage auf umweltfreundliche Weise zu einer CO2-Senke und dezentralen Methan-Erzeugungsanlage machen kann. Sie berichten in der Zeitschrift Cell Reports Physical Science vom 16. August 2023.
Schlechter Ruf, gute Eigenschaften
Methan hat als klimaschädliches Gas einen schlechten Ruf. Es bringt aber einige gute Eigenschaften mit, die es dazu befähigen, ein Baustein der Energiewende zu werden: Es ist leichter zu handhaben und besser zu speichern als Wasserstoff, weil die Moleküle größer sind und es daher weniger leicht flüchtig ist. Seine Energiedichte ist viermal höher als die von Wasserstoff, und es lässt sich ohne Anpassung in die vorhandene Erdgasinfrastruktur einspeisen. „Erdgasfahrzeuge oder -heizungen können ohne Schwierigkeiten mit Methan betrieben werden“, verdeutlicht Tito Gehring vom Lehrstuhl Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik. Er führt noch einen weiteren Vorteil des Gases gegenüber Wasserstoff an, der in südlichen, wasserarmen Gegenden hergestellt wird: Exportiert man ihn und nutzt ihn hier, hat man gleichzeitig auch Wasser exportiert. Dies wird durch das Methan als Energieträger stark gemildert, wodurch der Wasserverlust um etwa die Hälfte reduziert wird.
Methan kann durch Bakterien sehr effizient hergestellt werden und fällt zum Beispiel in Kläranlagen als Bestandteil von Biogas an. „Manche Kläranlagen gewinnen dadurch ihren eigenen Energiebedarf und sind somit energetisch autark“, erklärt Tito Gehring. Das Biogas enthält allerdings nur 60 Prozent Methan und verschiedene andere Stoffe. Hier kommt das Konzept der Bochumer Arbeitsgruppen ins Spiel: Damit hochkonzentriertes Methan entsteht, brauchen die Mikroorganismen neben CO2 auch Wasserstoff, der dem System zugeführt werden muss. Um ihn herzustellen, entwickelte die Gruppe um Ulf-Peter Apfel von der Arbeitsgruppe Technische Elektrochemie und der Abteilung Elektrosynthese des Fraunhofer UMSICHT eigens einen Elektrolyseur mit einem edelmetallfreien Katalysator, der langlebig und energieeffizient für die Wasserstoffzufuhr sorgt.
Phosphonate: Kläranlagen wandeln Waschmittelzusatz in Glyphosat um
Aus Zusätzen in gängigen Waschmitteln kann der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat entstehen. Das haben Fachleute jetzt nachgewiesen. Die Entdeckung wirft Fragen nach unserem Umgang mit Chemikalien auf.
Am Anfang war es nur ein Verdacht. Daten, die nicht mit einer gängigen Annahme zusammenpassten. Jetzt haben Fachleute experimentell bestätigt: Aus Waschmittelzusätzen entsteht der Unkrautvernichter Glyphosat. Das geschieht in Kläranlagen, vielleicht aber auch bereits in der Kanalisation. Von dort aus gelangt das Glyphosat in unsere Bäche und Flüsse. Wie groß die Mengen sind, die sich auf diese Weise bilden, ist noch nicht bekannt. Die Entdeckung wirft eine Reihe von Fragen auf – einerseits für die Wissenschaft, andererseits nach unserem Umgang mit Chemikalien und deren Regulierung.
mehr: https://www.spektrum.de/news/klaeranlagen-wandeln-waschmittelzusaetze-in-glyphosat-um/2257188
https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/klaeranlagen-produzieren-den-unkrautvernichter-glyphosat/
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S004313542500377X
https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/forschungsmagazin-attempto/das-glyphosat-raetsel/
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/glyphosat-aus-waschmittel-100.html
Meldungen zur Spurenstoff-Elimination
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2025
- Mikroplastik im Rhein – Untersuchungsbericht des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK)
- Breite europäische Allianz für konsequente Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung
- Pharmafirmen sollen auch rückwirkend für Kläranlagen-Aufrüstung zahlen
Mikroplastik im Rhein – Untersuchungsbericht des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK)
Bericht der Landesregierung: Primäres Mikroplastik im Abwasser industrieller Einleiter – eine Pilotstudie am Rhein – Untersuchungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK)
Vorbemerkung
Bezüglich Mikroplastik im Rhein wurde der Landtag zuletzt mit der Antwort der Landesregierung (Drucksache 18/57081) vom 01.09.2023 auf die Kleinen Anfrage 2210 vom 28.07.2023 „Was unternimmt die Landesregierung gegen Mikroplastik im Rhein?“ informiert. Der nun vorgelegte Bericht des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) mit dem Titel „Primäres Mikroplastik im Abwasser industrieller Einleiter – eine Pilotstudie am Rhein“ wurde dort bereits angekündigt.
mehr: https://opal.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV18-4097.pdf
Breite europäische Allianz für konsequente Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung
Mit der Novelle der EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) soll das Verursacherprinzip europaweit verbindlich umgesetzt werden: Hersteller von Arzneimitteln und Körperpflegeprodukten sollen künftig an den Kosten der sogenannten Viertbehandlung in Kläranlagen beteiligt werden – also an der Entfernung von Mikroschadstoffen aus dem Abwasser. Ein bedeutender Fortschritt für den Gewässerschutz und ein gerechter Beitrag der Industrie zur Finanzierung von Milliardeninvestitionen. Seit 1. Januar 2025 ist die Richtlinie in Kraft. Die Umsetzung in nationales Recht läuft. Dennoch sind auf europäischer Ebene zunehmend Stimmen wahrzunehmen, die an einer konsequenten Umsetzung der Herstellerverantwortung Zweifel aufkommen lassen.
Der VKU hat deshalb in den vergangenen Wochen seine Aktivitäten auf europäischer Ebene nochmals intensiviert, um sich für den Erhalt der erweiterten Herstellerverantwortung starkzumachen. Gemeinsam mit 14 Verbänden aus zehn EU-Mitgliedstaaten (darunter Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Luxemburg, Österreich, Polen, Schweden, Spanien und Tschechien) setzt sich der VKU für eine zügige Umsetzung der Richtlinie ein. Die Allianz vertritt kommunale und regionale Behörden sowie Abwasserentsorger und spricht sich klar gegen Versuche aus, die Herstellerverantwortung im Rahmen eines sogenannten Umwelt-Omnibusverfahrens auszuhebeln oder abzuschwächen.
Pharmafirmen sollen auch rückwirkend für Kläranlagen-Aufrüstung zahlen
Nach landläufiger Meinung sind die Taschen der Industrie nicht nur tief sondern auch unerschöpflich. Was die mittelständischen Arzneimittelhersteller dementieren: Immer weitere Belastungen im Kontext der europäischen Umweltpolitik seien inakzeptabel.
Der Industrieverband „Pharma Deutschland“ befürchtet neue, unvorhergesehene Kostenbelastungen für Arzneimittelhersteller. Abwasserbetriebe hätten jetzt gefordert, heißt es, für 52 bereits fertiggestellte und auch schon mit einer 4. Reinigungsstufe ausgerüstete Kläranlagen diese vierte Stufe rückwirkend durch Pharma- und Kosmetikproduzenten finanzieren zu lassen. Laut heutiger Mitteilung soll sich bei einer Fachtagung der EU-Kommission Ende Januar das Umweltbundesamt gleichlautend geäußert haben.
Eigentlich Waschmannsdorf
Klärwerk Waßmannsdorf: Investitionen in mehr Platz und für saubere Gewässer
Termingerecht und im Kostenplan haben die Berliner Wasserbetriebe den Ausbau des Klärwerks Waßmannsdorf abgeschlossen. In einem Paket im Umfang von fast 300 Mio. Euro hat das Unternehmen seit 2017 zwei zusätzliche Reinigungslinien, Anlagen zur weitergehenden Stickstoff- und Phosphorentfernung sowie einen riesigen Mischwasserspeicher errichtet.

Quelle: Berliner Wasserbetriebe
Dem Klärwerk Waßmannsdorf vertrauen rund 1,2 Millionen Berliner:innen und etwa 120.000 Menschen aus Brandenburg ihr Abwasser an. Täglich werden in der Anlage in Sichtweite des Flughafens Schönefeld bis zu 230.000 Kubikmeter am Tag gereinigt. Das ist gut ein Drittel der Abwassermenge, die täglich in den sechs Klärwerken der Berliner Wasserbetriebe gesäubert und in den Wasserkreislauf zurückgegeben wird. Ähnlich groß wie Waßmannsdorf ist das Klärwerk Ruhleben.
„Die wachsende Einwohnerzahl im Einzugsgebiet und steigende Ansprüche vor allem an die Nährstoffentfernung infolge der EU-Wasserrahmenrichtlinie gaben den Ausschlag für diese Investition“, sagt Frank Bruckmann, Vorstand der Berliner Wasserbetriebe. „Der Ausbau von Waßmannsdorf fügt sich in unser laufendes Klärwerksprogramm, das Um-, Erweiterungs- und Neubauten im Umfang von rund 2 Mrd. Euro umfasst.“ Bruckmann verweist darauf, dass etwa alle Klärwerke des Unternehmens bis 2028 mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe zur weitergehenden Phosphorentfernung ausgerüstet würden: „Damit schaffen wir klare Verhältnisse für unsere Gewässer.“
Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey erklärt: „Die Berliner Wasserbetriebe tragen mit ihrem milliardenschweren Programm zum Ausbau und Neubau von Klärwerken maßgeblich zum Gewässerschutz bei und sichern damit die zukünftige Trinkwasserversorgung. Sie beweisen mit dem Ausbau des Klärwerks Waßmannsdorf Weitsicht mit Blick auf steigende Bedarfe und rechtliche Anforderungen. Mit modernsten Standards kann jetzt mehr Wasser noch gründlicher gereinigt werden. Die Milliardeninvestitionen – nicht nur hier in Waßmannsdorf – sichern unser Trinkwasser und schützen unsere Gewässer auch in Zukunft. Hiermit wird ein zentraler Baustein des Masterplans Wasser Berlin umgesetzt.“
„Anbau“ hat Großstadtklärwerks-Dimension
Seit April 2017 ist das Klärwerk um zwei auf zehn Beckenlinien und damit in seiner Tages-Kapazität um 50.000 m³ auf 230.000 m³ gewachsen. Was klingt wie ein Anbau meint zusätzliche Reinigungskapazität für eine Großstadt mit etwa 250.000 Menschen. Der neue Mischwasserspeicher fasst bei starkem Regen rund 50.000 m³ mit Regen vermischtes Abwasser aus der Kanalisation. So schützt er die Innenstadt-Spree vor Mischwasserüberläufen und hilft, die Reinigungsleistung des Klärwerks durch einen gleichmäßigen Abwasserfluss zu verstetigen und auf hohem Niveau zu sichern.
Zwei neue Anlagen entziehen Algen die Nährstoffe
Zudem erhielt das Klärwerk zusätzliche Reinigungsstufen für die weitere Verminderung der in Gewässern unerwünschten weil Algen düngenden Nährstoffe Phosphor und Stickstoff. Die Flockungsfiltration entfernt die von den Bakterien in der biologischen Stufe noch nicht komplett abgebauten Phosphorverbindungen fast vollständig. Außerdem verbessert sie den ohnehin schon hohen Mikroplastik-Rückhalt und wird sogar die Abbauprodukte künftiger Spurenstoff-Entfernungsverfahren zurückhalten. In ihren Becken wird im schon weitestgehend gereinigten Abwasser der restliche Phosphor mit Metallsalzen ausgeflockt und dann in einem Sandfilter abgeschieden. Diese probate Technik sorgt in Berlin schon lange für die Reinheit der Grunewaldseen oder des Tegeler Sees.
Die ebenfalls neue sogenannte Prozesswasseranlage rückt vor allem dem Ammonium – eine Stickstoffverbindung – zu Leibe, das beim Entwässern des Klärschlamms anfällt. Die Anlage verspeisen Planctomyceten, hochspezialiserte Bakterien, diesen Nährstoff, was die Diät für die Algen im Teltowkanal verschärft, der das gereinigte Abwasser aufnimmt.
Alle Berliner Klärwerke erhalten weitergehende Reinigungstechnik, etwa bis 2028 Flockungsfiltrationen und bis 2040 Anlagen zur Entfernung von Spurenstoffen, wie sie im Klärwerk Schönerlinde bereits im Bau ist. Mehrere Werke haben auch jüngst Prozesswasserbehandlungsanlagen erhalten. Damit werden die Berliner Klärwerke auch bei der Nähr- und Spurenstoffentfernung fit für die zusätzlichen Anforderungen der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie.
Klärschlammverwertungsanlage geht auf die Zielgerade
Bis 2026 wird im Klärwerk Waßmannsdorf außerdem eine Klärschlammverwertungsanlage für 68.000 Jahrestonnen Klärschlamm und Rechengut fertiggestellt. Gemeinsam mit der im Klärwerk Ruhleben bereits existenten Klärschlammverwertungsanlage können die Wasserbetriebe damit den kompletten Klärschlamm aus den sechs Berliner Kläranlagen selbst verwerten. Die dabei entstehenden Aschen ermöglichen zukünftig eine Rückgewinnung von Phosphor auf hohem Niveau.
Quelle: www.bwb.de
Glyphosat entsteht durch Waschmittel in Kläranlagen – Ganz neue Fakten
Ein Großteil des Glyphosats in unseren Gewässern entsteht offenbar in der Kläranlage – aus Wasserenthärtern, wie sie in haushaltsüblichen Waschmitteln zu finden sind.
Das Herbizid Glyphosat entsteht auch aus Waschmittelzusätzen. Das geschieht in Kläranlagen, oder schon in der Kanalisation. So gelangen erhebliche und konstante Mengen von Glyphosat in Bäche und Flüsse. Über die Entstehung von Glyphosat aus Waschmittelzusätzen haben Wissenschaftler am 11. März 2025 im Fachjournal „Water Research“ auf der Grundlage eines experimentellen Nachweises berichtet.
Bereits im März 2024 hatte das Team um die Chemikerin Carolin Huhn von der Universität Tübingen eine Studie mit Belegen veröffentlicht, aus denen sie die These ableitete: Ein Großteil des Glyphosats in unseren Gewässern entsteht demnach in der Kläranlage – aus Wasserenthärtern, wie sie in haushaltsüblichen Waschmitteln zu finden sind.
Gerichtsentscheide 2024
2024
- Bundesverwaltungsgericht bestätigt Rechtsprechung zum Anschluss- und Benutzungszwang
- OVG: Nur tatsächlich gezahlte Beiträge mindern die Gebühr – 39/24
- Landgericht Baden-Baden: Klage der Gemeinde Hügelsheim wegen PFC-Belastung im Zusammenhang mit Trinkwasserversorgung der Gemeinde dem Grunde nach teilweise berechtigt
Bundesverwaltungsgericht bestätigt Rechtsprechung zum Anschluss- und Benutzungszwang
Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat ein Urteil des Thüringer Oberverwaltungsgerichts (ThürOVG) über die Kosten des Anschlusses an einen Abwasserkanal im Zusammenhang mit der Anordnung des Anschluss- und Benutzungszwangs an die öffentliche Abwasseranlage bestätigt.
Das BVerwG hat mit Beschluss vom 24.09.2024 | Az.: 8 B 12.24 die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision gegen ein Urteil des Thüringer OVG vom 15.11.2023 | Az.: 4 KO 25/17 zurückgewiesen.
Das OVG hatte hierzu grundsätzlich festgestellt, dass die Frage, wann, ob und wo ein Grundstück im Gebiet des für die Abwasserbeseitigung Zuständigen an dessen öffentlich-rechtliche Entwässerungseinrichtung angeschlossen wird, in seinem gerichtlich nur eingeschränkt überprüfbaren, in Übereinstimmung mit europa- und wasserrechtlichen Vorgaben bzw. wasserwirtschaftlichen Gründen auszuübenden Planungsermessen liegt und das Eigentumsrecht des Grundstückseigentümers, der auf seinem Grundstück eine eigene private Kläranlage betreibt, grundsätzlich von vornherein dahin gehend eingeschränkt ist, dass er seine Anlage nur solange benutzen darf, bis der Abwasserbeseitigungspflichtige von der ihm gesetzlich zustehenden Befugnis Gebrauch macht, die Abwasserbeseitigung im öffentlichen Interesse in seine Verantwortung zu übernehmen und hierfür den Anschluss- und Benutzungszwang anzuordnen.
OVG: Nur tatsächlich gezahlte Beiträge mindern die Gebühr – 39/24
Der 9. Senat des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg hat die Schmutzwassergebührensatzung der Stadt Falkensee vom 7. Dezember 2017 für unwirksam erklärt. Dabei ist er bei der Auslegung des brandenburgischen Kommunalabgabengesetzes (KAG) nicht dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. Oktober 2023 (9 CN 3.22) gefolgt.
Die Gebühren für die Trinkwasserversorgung und die Abwasserkanalisation enthalten rechnerisch Kostenanteile für Abschreibung und Verzinsung. Bei deren Ermittlung bleibt nach § 6 Absatz 2 Satz 5 KAG der “aus Beiträgen aufgebrachte” Eigenkapitalanteil außer Betracht. Insoweit findet keine Abschreibung oder Verzinsung statt, was die Gebühren senkt. Nach ständiger Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg haben nur die tatsächlich gezahlten Beiträge gebührenmindernde Wirkung. Hieran hält der 9. Senat fest. Soweit das Bundesverwaltungsgericht angenommen habe, schon das nach dem Satzungsrecht “angestrebte” Beitragsaufkommen wirke sich unabhängig von der tatsächlichen Zahlung gebührenmindernd aus (insbesondere auch verjährte Beiträge), sei dem nicht zu folgen. Beitrag und Gebühr seien verschiedene Abgaben, deren Verhältnis durch § 6 Absatz 2 Satz 5 KAG bestimmt werde. Diese Vorschrift sei nach Wortlaut, Systematik, Entstehungsgeschichte und Sinn und Zweck dahin zu verstehen, dass sich der brandenburgische Gesetzgeber dafür entschieden habe, nur tatsächlich gezahlte Beiträge gebührenmindernd wirken zu lassen. Dabei habe er sich im Rahmen seines Spielraums bewegt und keine Verfassungsvorgaben verletzt. Nachdem nur die gezahlten Beiträge gebührenmindernd wirkten, bestünden besondere Anforderungen, wenn in erheblichem Umfang Beiträge wegen echter oder hypothetischer Verjährung nicht mehr erhoben werden könnten. In diesem Fall müsse aus Gleichheitsgründen sichergestellt werden, dass von den gezahlten Beiträgen auch nur die Beitragszahler profitierten. Für sie sei ein niedrigerer Gebührensatz vorzusehen als für diejenigen, die keine Beiträge gezahlt hätten. Dies sei im vorliegenden Fall nicht richtig umgesetzt worden, was zur Unwirksamkeit der Satzung führt.
Eine Revision zum Bundesverwaltungsgericht wurde nicht zugelassen.
Landgericht Baden-Baden: Klage der Gemeinde Hügelsheim wegen PFC-Belastung im Zusammenhang mit Trinkwasserversorgung der Gemeinde dem Grunde nach teilweise berechtigt
Das Gericht hat zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt, dass das Kompostunternehmen und dessen Vorstand in den Jahren 2006 bis 2008 auf die im Streit stehenden landwirtschaftlichen Flächen im Gemeindegebiet der Klägerin ein Gemisch aus von der Papierindustrie bezogenen Papierschlämmen und Kompost nach Rücksprache mit den jeweils die Flächen bewirtschaftenden Landwirten aufgebracht hätten. Das Mischungsverhältnis habe zumindest 1:3 (bei drei Teilen Kompost) betragen. Dazu habe der Vorstand des Unternehmens die vorherige Absprache mit den jeweiligen Landwirten übernommen und entweder Mitarbeiter seines Unternehmens angewiesen oder selbständige Fuhrunternehmer, wie auch den weiteren Beklagten, damit beauftragt, das Papierschlamm-Kompost-Gemisch auf die jeweiligen landwirtschaftlichen Flächen auszubringen. Die Abgabe des Gemischs sei für die Landwirte kostenlos gewesen.
Das Kompostunternehmen habe in den Jahren 2006 bis 2008 zumindest 43.000 Tonnen Papierschlämme aus der Papierindustrie bezogen, die an den Unternehmensstandorten in den Baden-Badener Stadtteilen Oos und Steinbach mit Kompost vermischt und im Anschluss auf landwirtschaftliche Flächen in der Region ausgebracht worden seien.
Auch wenn im Einzelnen keine Feststellungen dazu getroffen werden konnten, wann welche Menge welchen Materials aus welcher Papierfabrik auf welche Flächen durch wen aufgetragen wurden, hat die Kammer aufgrund zahlreicher Indizien…mehr:
https://landgericht-baden-baden.justiz-bw.de/pb/,Lde/21439318?QUERYSTRING=H%26uuml%3Bgelsheim+wegen+der+PFC-Belastung
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Juni 2024
- VTA: KOMMUNAL – Mit VTA Nanocarbon® gegen Mikroverunreinigungen
- Auf dem Youtube-Kanal des VSA finden sich kurze Videoportraits der Mikroverunreinigungsstufen
- Schweiz: ERFA Aktivkohle 6. Treffen – 04. Juni 2024
VTA: KOMMUNAL – Mit VTA Nanocarbon® gegen Mikroverunreinigungen
Die unsichtbare Gefahr in unseren Flüssen
Anthropogene Spurenstoffe sind synthetisch hergestellte Mikroverunreinigungen, die über verschiedene Wege in die Umwelt gelangen. In der EU gibt es zahlreiche Chemikalien auf dem Markt, die als Einzelstoffe oder in Mischungen für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. Kläranlagen sind die letzte technische Barriere, um zu verhindern, dass diese Stoffe in den Wasserkreislauf gelangen. Dafür ist eine kontinuierliche Optimierung notwendig.
VTA bietet innovative Lösungen wie VTA Nanocarbon® auf Basis modernster Nanotechnologie an, um relevante Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser zu entfernen und die Reinigungsleistung der Kläranlage zu verbessern. Dadurch können Mikroverunreinigungen ohne kostspielige Umbaumaßnahmen in der Kläranlage zurückgehalten werden. Zahlreiche praktische Einsätze in Kläranlagen, die auf VTA vertrauen, haben gezeigt, dass VTA Nanocarbon® den Klärprozess in vielerlei Hinsicht optimiert. Mehr:
https://vta.cc/de/news/kommunal-mit-vta-nanocarbon-gegen-mikro-verunreinigungen
Auf dem Youtube-Kanal des VSA finden sich kurze Videoportraits der Mikroverunreinigungsstufen
Auf dem Youtube-Kanal des VSA finden sich kurze Videoportraits der Mikroverunreinigungsstufen der ARA Neugut, ARA Schönau, ARA Werdhölzli und ARA Wetzikon.
https://micropoll.ch/
Schweiz: ERFA Aktivkohle 6. Treffen – 04. Juni 2024
Betreiber:innen von Aktivkohlestufen trafen sich auf der ARA Glarnerland zum 6. Erfahrungsaustausch AK. Das Protokoll und die Beilagen sind in unserer Mediathek verfügbar.
https://micropoll.ch/Mediathek/erfa-aktivkohle-6-treffen-04-juni-2024/








