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Recycling von Klärschlamm

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Das Bundesforschungsministerium fördert das innovative Verbundprojekt „KlimaPhoNds“, das maßgeblich vom Clausthaler Umwelttechnik Forschungszentrum (CUTEC) der TU Clausthal umgesetzt wird, mit 4,6 Millionen Euro. Beginn des Forschungsvorhabens ist in diesem Oktober.

Klärschlamm ist ein wertvoller Energie- und Rohstoffträger. Im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft muss es das Ziel sein, sämtliche Ressourcen aus dem Klärschlamm zu nutzen. Hierzu gehört nicht nur Phosphor, sondern zum Beispiel auch Stickstoff, Metalle und Mineralstoffe, aber auch die im Klärschlamm gebundene Energie. Das Projekt „KlimaPhoNds“ zielt auf eine vollständige energetische und rohstoffliche Klärschlammverwertung und der Realisierung von Stoffkreisläufen für Magnesium, Stickstoff und insbesondere Phosphor.

„Wir werden dazu mehrere Innovationen im großtechnischen Maßstab umsetzen, um die Klimaneutralität und Ressourceneffizienz des entwickelten Konzeptes nachzuweisen“, sagt Professor Michael Sievers. Der Leiter der Abteilung Abwasserverfahrenstechnik im Forschungszentrum CUTEC der TU Clausthal wird das Projekt koordinieren, das am 1. Oktober beginnt und auf fünf Jahre ausgelegt ist. Auch die CUTEC-Abteilungen Thermische Prozesstechnik sowie Ressourcentechnik und -systeme bringen sich in das Vorhaben ein. An der TU Clausthal passt das Vorhaben ideal zum neuen Leitthema Circular Economy – nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Industriepartner sind die Parforce Engineering & Consulting GmbH, Lukson AG und Knoke-Industrie-Montage GmbH.

Im Hinblick auf eine zukunftsweisende Industriegesellschaft wird das neue klimafreundliche, rohstoffeffiziente Konzept am Beispiel der Kläranlage Northeim – auch die Stadt Northeim ist Projektpartner – entwickelt und umgesetzt. „Die Klimafreundlichkeit beruht auf einer innovativen, nahezu wärmeneutralen Trocknung von Klärschlamm und dessen energetischer Verwertung“, so Professor Sievers. Zur verbesserten Ressourceneffizienz tragen die stoffliche, reststofffreie Nutzung des getrockneten Klärschlamms sowie mehrere Materialkreisläufe für Phosphor, Stickstoff und Magnesium bei. Voraussetzung für das Konzept ist eine vermehrte biologische Phosphorelimination bei der Abwasserbehandlung.

Das als Magnesium-Ammonium-Phosphat anfallende Fällungsprodukt wird zentral mit einer thermischen Behandlung (Kalzinierung) und Zugabe von Säure nahezu reststofffrei in die drei Wertstoffe Ammoniakwasser, Magnesiumchlorid und Phosphorsäure veredelt. Phosphorsäure soll in hochwertiger Qualität der chemischen Industrie insbesondere für die Düngemittelherstellung zur Verfügung gestellt werden. Das beim Parforce-Verfahren anfallende Nebenprodukt Magnesiumchlorid geht zur Kläranlage Northeim zurück und wird anhand von Vergleichsversuchen mit kommerziellen Produkten bewertet. Das Ammoniakwasser wird auf dessen Nutzung zur Düngemittelherstellung oder zur Entstickung von Verbrennungsabgasen untersucht.

Die Produktion phosphatarmen Klärschlamms ermöglicht eine flexible energetische und auch stoffliche Verwertung, die meist mit niedrigeren Kosten verbunden ist. Dank dem erstmaligen Einsatz einer sogenannten Wirbelschichtverdampfungstrocknung, das heißt einer Klärschlammtrocknung bei Überdruck und unter reiner Wasserdampfatmosphäre, erfolgt eine besonders effiziente Wärmerückgewinnung und eine nahezu wärmebilanzneutrale Volltrocknung. Um trotz des Zusatzaufwandes für die Ressourcenschonung eine Emissionsminderung des gesamten CO2 zu erreichen, kann der getrocknete Klärschlamm als Brenn- und Zuschlagstoff in der Zementindustrie verwertet oder als Zusatzbrennstoff in Kraftwerken genutzt werden.

Gefördert wird das Projekt durch die Maßnahme „RePhoR – Regionales Phosphor Recycling“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Maßnahme ist Teil des Programms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ (FONA).

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Michael Sievers
Clausthaler Umwelttechnik Forschungszentrum der TU Clausthal
Abteilung Abwasserverfahrenstechnik
E-Mail: michael.sievers@cutec.de

Weitere Informationen:
https://www.klimaphonds.de/

Quelle: https://idw-online.de/de/news755586

Christian Ernst Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Clausthal

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– Explosionen verhindern
– Explosionsschutzdokument
http://www.nb207.de/download/exdoc.pdf

Das Belebtschlammverfahren in Industriekläranlagen

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Vortrag zur 4. VDI Konferenz „Optimierung industrieller Kläranlagen“ am 6. und 7. März 2019 in Düsseldorf 

1. Zusammensetzung von Belebtschlammflocken

Das Belebtschlammverfahren ist das am häufigsten eingesetzte Verfahren zur Reinigung kommunaler Abwässer. Die Qualität des Ablaufwassers ist sehr stark von der Effizienz der Fest/Flüssig-Trennung im Nachklärbecken abhängig. Diese ist nur hoch, wenn die Bildung von Belebtschlammflocken im Belebungsbecken ungestört funktioniert.

Belebtschlammflocken bestehen aus:
➢ lebenden Mikroorganismen (Bakterien, Protozoen und Mehrzeller),
➢ toten Mikroorganismen,
➢ extrazellulären polymeren Substanzen (EPS),
➢ anorganischen Bestandteilen.

Die mikrobielle EPS ist der wichtigste Bestandteil für die Flockenbildung. Die Biopolymere haben funktionelle Gruppen wie Hydroxyl-, Carboxyl- und Phosphatgruppen, die die negativ geladenen Oberflächen der Bakterien über so genannte „Brücken“ verbinden.

2. Belebtschlammflockenbildung

Vor allem zweiwertige Kationen überbrücken die negativ geladenen Enden der EPS und verbinden sie so mit den Oberflächen der Mikroorganismen.
Bild FW-AWT-Belebtschlammverfahren-01.jpg

Abbildung 1: Zusammensetzung von Belebtschlammflocken¹
¹ Braune Kreise: organische Partikel; schwarze Kreuze: anorganische Partikel; schwarze Linien: EPS;
rote Striche: negative Ladungen an der EPS

Die Ladung, Größe und der Durchmesser der Hydrathülle der Kationen bestimmt deren „Bindevermögen“. Wenn die Größe der Ionen zunimmt, nimmt die Dicke der Hydrathülle ab. Große Ionen mit hoher Ladung und dünner Hydrathülle können leichter die negativ geladenen Oberflächen der Mikroorganismen mit den negativ geladenen Enden der EPS verbinden als kleine Ionen mit niedriger Ladung und dicker Hydrathülle. Bezüglich der Flockulationskraft der Kationen ergibt sich folgende Reihenfolge:

Ca2+ > Mg2+ > K+ > Na+

3. Flockenzerfall durch Natriumionen

Natrium ist ein vergleichsweise schlechter Flockenbildner, weil es nur einwertig geladen ist, klein ist und die dickste Hydrathülle hat. Bei vielen Untersuchungen des Einflusses von Ionen auf die Belebtschlammstruktur (siehe Literaturliste) konnte gezeigt werden, dass vor allem Natrium einen negativen Einfluss auf die Schlammstruktur hat. Die Zugabe von einwertigen Kationen führt mit steigender Konzentration zu einer vermehrten Verdrängung von zweiwertigen Kationen durch Ionentausch und nachfolgend zu Flockenzerfall.

Folgende Abbildung 2 zeigt, wie deutlich Natriumionen z.B. die Flockenstabilität (gemessen als Scherstabilität) schädigen (weitere Parameter siehe Kara et.al.):
Bild FW-AWT-Belebtschlammverfahren-03.jpg

Abbildung 2: Verschlechterung der Scherstabilität durch Natriumionen [2]

Der Grund dafür ist, dass es zu einem Ionentausch in den Belebtschlammflocken kommt, bei dem die in den Flocken befindlichen Calciumionen durch die von außen kommenden Natriumionen verdrängt werden. Da Natriumionen wesentlich schlechter für den Flockenzusammenhalt sind als Calciumionen, wird der Belebtschlamm in der Folge deutlich feiner, leichter und scherempfindlicher.

Dieser Zustand bessert sich erst wieder, wenn sich die Belebtschlammflocken wieder mit Calcium anreichern können. Dazu muss man oft Kreide, Kalk oder Calciumchlorid dosieren.

4. Problematische Einleiter bzw. Industrien

Probleme mit der Belebtschlammflockenbildung sind besonders ausgeprägt, wenn im Zulauf der Kläranlage weiches Wasser (Wasserhärte 1-10 °dH) ansteht und zusätzlich von hohe Natriumfrachten (Natronlauge, natriumhaltige Reiniger, Salz) eingeleitet werden. In diesem Fall ist die Belebtschlammflockenbildung zumeist erheblich beeinträchtigt. Folgende Industriezweige liefern hohe Natriumfrachten:

1. Betriebe, die Lebensmittel herstellen oder verarbeiten, z.B. Molkereien, Schlachthöfe, Fischverarbeiter, Feinkosthersteller, Konservenfabriken, Gemüseverarbeiter, Ölmühlen, Gewürzfabriken etc. Diese Betriebe setzen natriumhaltige Laugen und Tenside zur Reinigung ihrer Fertigungsanlagen ein. Insbesondere Natronlauge (NaOH) ist ein preiswertes und sehr leistungsfähiges Entfettungsmittel.
2. Betriebe, die Natronlauge zur Neutralisation saurer Abwässer einsetzen. Das sind häufig ebenfalls Lebensmittelbetriebe wie unter (1), aber auch Getränkehersteller, Brauereien, Gerbereien, Metallverarbeiter, Spezialpapierhersteller etc.
3. Betriebe, die natrium- oder Kochsalz(NaCl)-haltige Produkte herstellen oder verarbeiten, wie Tensidhersteller, Gewürzfabriken, Düngemittelfirmen etc.
4. Deponiesickerwasser, Abwässer aus Biogansanlagen etc.

5. Typische Natriumwerte auf Kläranlagen

Folgende Tabelle 1 zeigt typische Kationenkonzentrationen im Ablauf von kommunalen und industriellen Kläranlagen:

Tabelle 1: Ca/Na-Verhältnis kommunaler und industrieller Kläranlegen (eigene Messungen)

Parameter  Einheit  Mittelwerte  Min Max Werte  1
2
3
4
Bemerkungen Fischind. Brauerei Spezialpapier Deponie
Calcium  mg/l 96,3 31-146 80 27 22,7 561
Magnesium mg/l 12,8  2-60 22 7,9 <3 208
Natrium  mg/l 113,4 35-540 540 47 431 2.924
Kalium mg/l 22,8 < 8-158 43 7,9 86,6 1.710
Ca/Na-Verh.  k.E.
0,94
0,15-2,2  0,15  0,57
0,05
0,19
Chlorid  mg/l 166 48-721 721 63 133 3.795

In der Praxis zeigt sich, dass die Belebtschlammflockenbildung etwa ab einem Ca/NaVerhältnis von < 0,6 problematisch wird.

Dann kommt es im Kläranlagenbetrieb zur Verschlechterung folgender Parameter:
– Absetzgeschwindigkeit der Belebtschlammflocken im Nachklärbecken
– Scherstabilität der Belebtschlammflocken (Flockenzerfall beim Pumpen)
– Sichttiefe und Trübung im Nachklärbecken (Flockenzerfall)
– CSB- und P-Konzentrationen im Ablauf (Flockenzerfall)
– Standzeiten der Probenaufbereitung von Online-Messgeräten (Membranen verstopfen)
– Filterlaufzeiten der Flockungsfiltrationen
– Fällmittelverbrauch
– Flockungshilfsmittelverbrauch bei der Schlammentwässerung.

In Abhängigkeit davon, ob das Ca/Na-Verhältnis dauerhaft ungünstig ist oder durch ein einmaliges Ereignis verschlechtert wurde, sind die Gegenmaßnahmen zu wählen. Nach einem einmaligen Natriumeintrag ist ein kurzfristiger Kreide- oder Kalkeinsatz zu empfehlen. Bei dauerhaft ungünstigen Ca/Na-Verhältnissen ist entweder ein dauerhafter Calciumzusatz oder eine Limitierung der Natriumeinleitungen notwendig. So kann z.B. geprüft werden, ob der Einsatz von NaOH zur Neutralisation durch Kalkhydrat oder Kreide ersetzt werden kann.

6. Natriummessung (Betriebsmethode)

Hat man den Verdacht, dass der oben beschriebene Problemkreis auf der eigenen Kläranlage eine Rolle spielen könnte, bekommt man schnell den Wunsch, die relevanten Kationen Ca2+/Mg2+/K+ und Na+ sowie Cl selbst vor Ort mit geeigneten Betriebsmethoden zu messen. Aber Natriumionen können nicht photometrisch bestimmt werden. Dafür eignet sich nach unseren Erfahrungen die ionenselektive Sonde der Fa. Hach.

Bild FW-AWT-Belebtschlammverfahren-05.jpg

Abbildung 3: Arbeitsplatz Natriummessung

Bei unseren Messungen im Medium „Ablaufwasser“ kommunaler und industrieller Kläranlagen gab es im Messbereich zwischen 20 und 3000 mg Na/l keine nachweisbaren Störeinflüsse, so dass man davon ausgehen kann, dass das Messverfahren für diese Anwendung sehr gut geeignet ist. Es ist durchaus empfehlenswert, bei bekanntem, dauerhaft erhöhtem Natriumeintrag oder wiederkehrenden kurzfristigen Beeinträchtigungen der Belebtschlammflockenstruktur regelmäßige Na-Messungen durchzuführen. Das gilt insbesondere dann, wenn man feststellt, dass

– die Belebtschlammflocken sich schlecht absetzen, obwohl unter dem Mikroskop keine Fadenbakterien zu sehen sind.
– der Fällmittelverbrauch für die P-Elimination bei ß-Werten > 1,2 liegt (Natrium verzögert Fällungsreaktionen deutlich)
– der Flockungshilfsmittelverbrauch für die Überschussschlammeindickung oder die Faulschlammentwässerung
vergleichsweise hoch ist,
– die Schlammentwässerungsergebnisse vergleichsweise schlecht sind.

In diesen Fällen steht der Aufwand für die regelmäßige Natriummessung in keinem Verhältnis zu den erzielbaren Einsparungen.

7. Nährstoffe der biologischen Abwasserreinigung

[15] (Autor der Originalversion: Michael Winkler († 2018), Bioserve GmbH, Mainz)

Neben den physikalischen und chemischen Verfahren beruht die industrielle Abwasserreinigung im Wesentlichen auf der biologischen Reinigung durch Belebtschlamm. Für eine optimale biologische Reinigungsleistung sind daher Kenntnisse über die Nährstoffbedürfnisse und die Zusammensetzung des Belebtschlamms von großer Bedeutung. Damit die Abwasserbakterien optimal arbeiten können, müssen die einzelnen Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander vorliegen. Die Hauptnährstoffe sind Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor.

Kohlenstoff (C)
Der Kohlenstoff ist ein Bestandteil der organischen Abwasserinhaltsstoffe. Er wird von den Mikroorganismen im Belebtschlamm unter anaeroben Bedingungen (Bio-P), im anoxischen Milieu (Denitrifikationszone) und im belüfteten Teil der biologischen Stufe (Nitrifikationszone) der Kläranlage eliminiert. Die Kohlenstoffverbindungen werden von den Mikroorganismen zum Aufbau der eigenen Zellstrukturen und zur Energiegewinnung benötigt.

CSB (chemischer Sauerstoffbedarf); er entspricht in etwa der Sauerstoffmenge zur vollständigen Oxidation der Kohlenstoffverbindungen; es werden auch reduzierte anorganische Verbindungen miterfasst.

BSB5 (biologischer Sauerstoffbedarf); er gibt Auskunft, wie viel elementarer Sauerstoff beim Abbau durch Mikroorganismen unter standardisierten Bedingungen nach fünf Tagen verbraucht wird.

TOC (Total Organic Carbon) erfasst den organisch gebundenen Kohlenstoff; im Gegensatz zu BSB5 werden mit TOC auch Verbindungen erfasst, die biologisch schwer abbaubar sind.

Im Folgenden wird nur der Parameter CSB verwendet, weil er schnell, einfach und sicher mit Betriebsmethoden gemessen werden kann.

Stickstoffverbindungen (N)
Im Zulauf zur Kläranlage liegt Stickstoff organisch gebunden und als Ammoniumstickstoff vor. Der Gesamtstickstoff TNb (Laton) gibt zusätzlich zum Kjeldahlstickstoff auch den Nitritund den Nitrat-Stickstoff an.
Bei der biologischen Abwasserreinigung wird der organisch gebundene Stickstoff von Belebtschlammbakterien in Ammonium (NH4+) überführt und zusammen mit dem NH4+ aus dem Zulauf zur biologischen Stufe über Nitrit zu Nitrat umgesetzt. Der überschüssige Teil des Stickstoffs, der nicht biologisch in den Belebtschlamm eingebaut wird, wird unter anoxischen Bedingungen, in Abwesenheit von gelöstem elementarem Sauerstoff, zu elementarem Stickstoff umgesetzt. Er entweicht als N2 in die Luftatmosphäre.

TKN (Kjeldahl-Stickstoff): erfasst den organisch gebunden (org. N) und den Ammoniumstickstoff (NH4+-N) Gesamtstickstoff TNb (Laton): erfasst den organisch gebunden (Norg.), Ammoniumstickstoff (NH4+-N) wie auch Nitrit- (NO2-N) und Nitrat-Stickstoff (NO3-N)

Phosphor (P)
Ähnlich wie Stickstoff ist auch Phosphor ein Bestandteil von anorganischen und organischen Verbindungen. Als Summenparameter kann Phosphor als Pges (GesamtPhosphor) bestimmt werden. Bei der biologischen Abwasserreinigung werden die Polyphosphate und der organisch gebundene in Orthophosphat überführt.
Der Phosphorbedarf der Organismen ergibt sich aus der besonderen Rolle des Phosphors im Energiestoffwechsel (ADP-ATP-Zyklus). Er wird zum Aufbau der Zellmembran und der DNA benötigt.
Ein Teil des Phosphors aus dem Abwasser wird biologisch eliminiert. Der andere Teil kann über die biologischen Phosphoraufnahme hinaus auf chemischem und physikalischem Weg (Phosphatfällung) aus dem Abwasser entfernt werden. Phosphonate können weder biologisch abgebaut noch gefällt werden und sind daher zu vermeiden.

Mengen- und Spurenelemente
Alle anderen zum Zellaufbau notwendigen Mengenelemente, wie Kalium, Calcium und Magnesium, Mangan, Eisen sowie Spurenelemente wie Kupfer, Molybdän, Zink, Kobalt, Nickel, Vanadium, Bor, Chlor, Selen, Silicium und Wolfram sind in kommunalem Abwasser meist ausreichend vorhanden, können aber in einseitig zusammengesetztem Industrieabwasser fehlen. Das trifft v.a. auf Calcium, Magnesium und Eisen zu – in anaeroben Behandlungsanlagen fehlen jedoch oft Spurenelemente wie Nickel, Selen, Kupfer, Molybdän, Cobalt und Vanadium.

Schwefelverbindungen
Angefaulte häusliche und industrielle Abwässer enthalten reduzierte Schwefelverbindungen (Schwefelwasserstoff H2S, Sulfid S2-, Thiosulfat und andere anaerobe Eiweißabbauverbindungen). Schwefel ist immer ein Bestandteil von Eiweiß. In Kläranlagen werden reduzierte Schwefelverbindungen neben der chemischen Oxidation zu Sulfat von einigen – leider meist fädigen – Bakterien unter Energiegewinnung biologisch zu Schwefel oxidiert und als Reservestoff im Zellinneren gespeichert (Thiothrix spp., Beggiatoa spp., Typ 021 N).

Somit fördert angefaultes Abwasser ganz stark die Bildung von Fadenbakterien.

Viele Eiweißabbauverbindungen (Thio-Verbindungen, Amine etc.) stinken nicht nur furchtbar, sondern viele hemmen auch die Nitrifikation (v.a. die Ammoniumoxidation).

Die folgende Tabelle 2 zeigt eine Auswahl von Nitrifikationsgiften in aufsteigender Reihenfolge der toxischen Konzentrationen (soweit diese bekannt ist). Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben!

Tabelle 2: Nitrifikationshemmer (Auswahl; [19]) 

Stoff/Verbindung  CAS Nummer  anderer Name  Konzentration, ab der
deutliche Hemmungen zu
erwarten sind [mg/l]
Kupfer  7440-50-8 0,005
Zink  7440-66-6 0,08
Chrom (VI)  7440-47-3 Chrom 0,25
Cyanid  13306-05-3 0,34
Cyanid  528-58-5 0,34
Blei  7439-92-1 0,5
Natriumcyanid  143-33-9 0,65
Methylisothiocyanat  556-61-6 0,8
Allylthioharnstoff  109-57-9 Thioharnstoff 1
Dodecylamin  124-22-1 1
Mercaptobenzothiazol  149-30-4 2-Mercaptobenzothiazol 1
N-Methylalanin  149-30-4 2-Mercaptobenzothiazol 1
m-Nitrophenol  554-84-7 3-Nitrophenol 1
Allylisothiocyanat  57-06-7 1
Methylisocyanat  624-83-9 1
Thioacetamid  62-55-5 1
Thioharnstoff  62-56-6 1
Quecksilber  7439-97-6 1
Natriummethyldithiocarbamat  7440-23-5 1
Methylamin  74-89-5 1
Thiosemicarbazid  79-19-6 1
Dithiooxamid  79-40-3 Rubeanwasserstoff 1
Phenol  108-95-2 3
2-Ethylanilin  103-69-5 N-Ethylanilin 5
Toluidin  106-49-0 p-Toluidin 5
p-Phenylendiamin  106-50-3 1,4-Diaminobenzol 5
Toluidin  108-44-1 m-Toluidin 5
m-Phenylendiamin  108-45-2 1,3-Diaminobenzol 5
o -Fluoranilin  348-54-9 2-Fluoranilin 5
p -Fluoranilin  371-40-4 4-Fluoranilin 5
m -Fluoranilin  372-19-0 3-Fluoranilin 5
Anilin  62-53-3 5
o-Ethyltoluidin  94-68-8 N-Ethyl-o-toluidin 5
Toluidin  95-53-4 o-Toluidin 5
o-Phenylendiamin  95-54-5 1,2-Diaminobenzol  5
2,4-Toluylendiamin  95-80-7 2,4-Diaminotoluol 5
Nitrobenzol  98-95-3 5
p-Benzochinon  106-51-4 1,4-Benzochinon 10
Skatol  83-34-1 10
Methylthiuroniumsulfat  867-44-7 10
Chinolin  91-22-5 10
1-Naphthylamin 134-32-7 15
2,2-Bipyridin 366-18-7 15
o-Nitrophenol 88-75-5 2-Nitrophenol 15
Ethylendiamin 107-15-3 17
Trichlormethan 67-66-3 Chloroform 18
Hydrazin 10217-52-4 20

8. Optimale Nährstoffzusammensetzung im Zulauf zur biologischen Stufe

Das Verhältnis der einzelnen Nährstoffe im Zulauf von biologischen Kläranlagen sollte den Anforderungen der Bakterien des Belebtschlammes entsprechen und ein ausgewogenes Verhältnis von Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor aufweisen. Dieses ist maßgeblich für die Effektivität der biologischen Abbauvorgänge.
Für die aerobe Abwasserreinigung mit Belebtschlamm liegt das notwendige CSB:N:P Verhältnis bei 200:5:1.
Weist ein Abwasser im Zulauf zur biologischen Stufe einen Mangel an einem der Hauptnährstoffe (C, N und P) auf, können aufgrund des unausgewogenes Nährstoffverhältnisses vielfältige Probleme auftreten.

Tabelle 3: Ursachen von und Maßnahmen bei Nährstoffmangel

Mangel an:   Ursachen/Abwasserherkunft   Mögliche Folgen   Gegenmaßnahmen  
Kohlenstoff  • Lange Aufenthaltszeit
im Kanalnetz
• Weitgehende
Vorklärung des Abwassers
• Industrieabwässer mit
hohem Stickstoffanteil, z. B.
aus Milch- und
Fleischverarbeitung
• Starke Entwicklung
von fadenförmigen
Bakterien (Blähschlamm und Schaum)
• Unzureichende
Denitrifikation
• Umgehung der Vorklärung
• Vergrößerung
des Denitrifikationsvolumens unter
Beibehaltung von
ausreichendem Volumen
für die Nitrifikation
(Mindestschlammalter
von 9 Tagen)
Stickstoff   Stickstoffarme Abwässer aus:
• Papierindustrie
• Obst- und
Gemüseverarbeitung
• hohe CSB/ TOCWerte im Ablauf der Kläranlage
• Fadenbakterien
Ausgleich des
Nährstoffverhältnisses:
• Dosierung von NVerbindungen
(preiswerte technische
Produkte, wie Harnstoff),
• Zugabe von
Haushaltsabwässern,
Trübwasser aus dem
Faulbehälter
Phosphor  • Deponieabwässer,
Abwasser aus Obst- und
Gemüseverarbeitung
• erhöhte CSB/ TOC Werte im Ablauf
• Fadenbakterien
Ausgleich des
Nährstoffverhältnisses
durch:
• Dosierung von PVerbindungen
(preiswerten technischen
Produkten, wie
Phosphorsäure oder
Phosphatdünger für die
Landwirtschaft)
• Zugabe von
Haushaltsabwässern

Für die Umsetzung vom Nitrat zum elementaren Stickstoff (Denitrifikation) ist der Anteil an biologisch leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen maßgeblich. Im kommunalen vorgeklärten Abwasser beträgt das CSB:N-Verhältnis 200_25=8. Unterschreitet das Verhältnis den Wert 200_40=5, wird der Denitrifikationsprozess limitiert und hohe Nitratwerte im Ablauf der Kläranlage sind die Folge.

Führen die Reduktion der Vorklärung oder die Vergrößerung des Denitrifikationsvolumens nicht zu einer Verbesserung der Nitrateliminierung, sollte über eine Dosierung von leicht abbaubarem Substrat (externe C-Quelle) nachgedacht werden.

Rechenbeispiel
Eine kommunale Kläranlage mit einem hohen Anteil an Industrieabwasser hat im Zulauf zur biologischen Stufe folgende Nährstoffparameter (Tagesmittelwerte):

Tabelle 4: Zulaufwerte (Beispiel)

Parameter  Konzentration 
Zulaufmenge [m³/d]  10.000
CSB Zul Bel. [mg/l]  220
TNb Zul Bel. [mg N/l]  60
CSB Zul Bel. TNb Zul Bel. = 220 / 60 = 3,7

Das CSB:N-Verhältnis ist im Zulauf zur biologischen Stufe für eine ausreichende Denitrifikation mit 3,7 zu niedrig. Für eine zufriedenstellende Denitrifikation ist ein Wert von > 5 notwendig und somit ist eine Dosierung von externem Kohlenstoff erforderlich.

Der zu mit Hilfe der ext. Kohlenstoffquelle zu denitrifizierende Stickstoff lässt sich mit Hilfe der folgenden drei Berechnungen ermitteln:

Berechnung des nicht zu denitrifizierenden Stickstoffs

N eingebaut in Biomasse (3,5 % von CSB Zul. Bel.): 5,5 mg N/l
Norg, im Ablauf (angenommen) 2 mg N/l
NH4-N im Ablauf (Zielgröße) 0 mg N/l
NO3-N im Ablauf (Zielgröße) 8 mg N/l
Summe: 
15,5 mg N/l

Berechnung des über die normale Abwasserreinigung denitrifizierten Stickstoffs (ohne externen Kohlenstoffquelle)
Den theoretischen Umfang der Denitrifikation kann man in Abhängigkeit vom Verhältnis Denitrifikations-/Belebungsbeckenvolumen und Art der Prozessführung der folgenden Tabelle entnehmen (in Anlehnung an ATV-A 131, Richtwerte für Trockenwetter und Temperaturen von 10 bis 12 °C):

Tabelle 5: Umfang der Denitrifikationskapazität nach ATV 131 (Richtwerte für >Trockenwetter und Temperaturen von 10-12 °C)

VD/VBB
Volumen Deni/ Volumen Belebung
Denitrifikationskapazität in kg NO3-ND /kg CSB
Vorgeschaltete Denitrifikation Simultane und
intermittierende Denitrifikation
0,2 0,055 0,030
0,3 0,065 0,045
0,4 0,070 0,060
0,5 0,075  0,075

Die Denitrifikationskapazität, die durch den im Abwasser enthaltenen CSB theoretisch möglich ist, ergibt für ein VD/VBB-Verhältnis von 0,5:

Denitrifikationskapazität * CSB Zul Bel. = 0,075 * 220 mg/l = 16,5 mg/l.

Berechnung des Bedarfs an externem Kohlenstoff
Um die Denitrifikation der verbleibenden 28,0 mg N/l zu ermöglichen, muss den Bakterien im Belebungsbecken externer Kohlenstoff zur Verfügung gestellt werden.

Der Bedarf an leicht abbaubarem Kohlenstoff beträgt in der Praxis ca. 1-1,5 kg CSB/ kg NO3-N.

Aus 28,0 mg N/l zusätzlich zu denitrifizierendem Stickstoff und einer täglichen Abwassermenge von 10.000 m³ ergibt sich eine Stickstofffracht von 280 kg am Tag. Hierfür werden 280-420 kg CSB aus der ext. C-Quelle benötigt.
Für Essigsäure wären dies 233 – 350 l/d und für 80%iges Glycerin 172 – 258 l/d. Die Dosierung der ext. C-Quelle wird im Idealfall über eine Messung des Nitrats und Nitrits mit einer entsprechenden Sonde z.B. im vorgeschalteten Denitrifikationsbecken bzw. gegen Ende der Denitrifikationsphase geregelt.

Essigsäure Methanol Ethanol Glycerin 80%ig
CSB kg/kg 1,13 1,50 2,09 1,30
Dichte bei 20°C kg/l 1,06 0,79 0,78 1,25

CSB:BSB5 – Verhältnis
Sind die organischen Kohlenstoffverbindungen biologisch schwer abbaubar, weist das Abwasser ein ungünstiges CSB:BSB5-Verhältnis auf. Es beträgt für kommunales Abwasser etwa 2,0.

Tabelle 6: Ursachen und Wirkung ungünstiger CSB:BSB5-Verhältnisse

Ursachen/Abwasserherkunft  Mögliche Folgen  Gegenmaßnahmen 
• z.B. Deponiesickerwasser, Abwässer aus Kompostwerken, Restabfallbehandlung und chemischer Industrie
• starker BSB5-Abbau im Kanalnetz
• intensive Vorklärung des Abwassers
• ungenügende Denitrifikation (hohe Nitrat-Ablaufwerte)
• hoher CSB im Ablauf der Kläranlage
• schlechte Bio-P Eliminationsleistung
• Zugabe von C-Quellen zur Verbesserung der Denitrifikation
• bei biologisch schwer/ oder nicht abbaubaren Stoffen Anwendung von chemischen/physikalischen Verfahren (OzonBehandlung, Aktivkohlefilter, Membrantechnologie)

Schwefel
Hohe Konzentrationen an reduzierten Schwefelverbindungen können auf Kläranlagen zu erheblichen Problemen führen:

Tabelle 7: Ursachen und Wirkung hoher Schwefelkonzentrationen

Ursachen/Abwasserherkunft
Mögliche Folgen
Gegenmaßnahmen
• hohe Konzentrationen an Schwefelverbindungen aus chemischer und Eiweiß-verarbeitender Industrie (z.B. Fleisch und Milchverarbeitung)
• anaerobe Vorgänge im Misch- und Ausgleichsbecken oder im Kanalnetz mit Reduzierung der Schwefelverbindungen zu Schwefelwasserstoff
• Korrosion der Kanäle und Beckenwände in Kläranlagen
• Geruchsbelästigung der Anwohner
• verstärktes Wachstum von Schwefelbakterien (z.B. Typ 021 N) • Störungen der Nitrifikation
• Vermeidung des Anfaulens des Abwassers (Redoxpotential < -250V)
• Dosierung von zweiwertigen oder dreiwertigen Eisensalzen oder Nitrat

9. Blähschlamm

Unter “Blähschlamm” versteht man einen Belebtschlamm mit einem Schlammindex > 150 ml/g. Schlammindices > 150 müssen jedoch nicht unbedingt zu Schlammabtrieb o.ä. Betriebsproblemen führen. Das hängt sehr von den hydraulischen Gegebenheiten einer Kläranlage ab. Für manche Kläranlagen ist ein Schlammindex > 100 ml/g bereits ein Problem, andere Anlagen kommen mit Schlammindices > 200 ml/g immer noch gut zurecht. Entscheidend für den Erfolg einer Kläranlage ist immer die Güte der Fest-Flüssig-Trennung im Nachklärbecken. Diese muss möglichst bei allen Wetterlagen und in allen Jahreszeiten gut funktionieren, sonst kommt es leicht zu Grenzwertüberschreitungen bzgl. Phosphor und BSB5 bzw. CSB durch abtreibende Belebtschlammflocken. Das gilt insbesondere dann, wenn die geforderten P-Grenzwerte im Kläranlagenablauf sehr niedrig sind – wie dies z.B. seit einiger Zeit in Hessen der Fall ist. Bei länger andauerndem Schlammabtrieb können für die Abwasserreinigung wichtige Bakterien verloren gehen (z.B. Nitrifikanten, Spezialbakterien für den Abbau schwer abbaubarer Verbindungen wie z.B. Tensiden, Öl, etc.). Da diese Spezialisten in der Regel nur langsam wachsen, ist ein Verlust dieser Bakterien häufig die Ursache mehrwöchiger Betriebsstörungen. Daher ist jeder Suspensa- bzw. Schlammabtrieb ein sehr ernstzunehmendes Problem und möglichst sofort einzudämmen.

10. Ursachen für Blähschlamm

Blähschlamm wird fast immer durch Fadenbakterien verursacht. Wie wir aus unserer langjährigen Erfahrung wissen, sind die von uns festgestellten Fadenbakterienarten und deren Eigenschaften einem ständigen Wandel unterworfen, der wiederum mit den auf den Kläranlagen eingestellten Betriebsbedingungen direkt in Verbindung zu bringen ist. Bevor fast alle Kläranlagen mit Nitrifikation/ Denitrifikation (3. Reinigungsstufe) ausgerüstet wurden, dominierten ganz andere Fadenbakterienarten die Belebtschlämme als heutzutage, wo z.B. das Thema „Energieeffizienz“ allgegenwärtig ist. Vor der Umrüstung auf die 3. Reinigungsstufe wurde Blähschlamm sehr häufig von so genannten „Hochlast-Fadenbakterien“ verursacht. Diese wachsen z.B. bei

• Sauerstoffmangel,
• hoher Schlammbelastung (> 0,15 kg BSB5/kg TS *d),
• niedrigem Schlammalter,
• gestörtem CSB:N:P-Verhältnis im Zulauf,
• schlechter Durchmischung der Belebungsbecken,
• Einleitung angefaulten Abwassers,
• generell gestörter Flockenbildung,
• ungünstigem Ca/Na-Verhältnis,
• dispergierenden Abwasserinhaltsstoffen (Desinfektionsmittel, Tenside).

Hochlast-Fadenbakterien sind u.a. Typ 021 N, Sphaerotilus natans, Thiothrix, Beggiatoa, Alysiosphaera. In kommunalen Kläranlagen findet man diese Fadenbakterienarten eher selten und nur dann, wenn man Hochlaststufen (z.B. bei A/B-Anlagen) oder Kläranlagen mit hohem Industrieabwasseranteil untersucht (Lebensmittel, Weinbau etc.). Allerdings erlebt der Typ 021 N momentan ein „Comeback“, weil immer mehr kleine Kläranlagen geschlossen werden und das Abwasser dann über Druckleitungen größeren Kläranlagen zugeführt wird. In den Druckleitungen fault das Abwasser schnell an und fördert so die Bildung von Typ 021 N, weil dieses Sulfid für seine Entwicklung braucht. Dieses Sulfid (riecht nach „faulen Eiern“) entsteht, wenn Eiweißverbindungen anfaulen. Mit der flächendeckenden Inbetriebnahme der 3. Reinigungsstufe wurden aufgrund der für die Stickstoffelimination notwendigen Betriebsparameter mit Schlammbelastungen < 0,12 kg BSB5/kg TS*d und relativ langen/ großen unbelüfteten Zeiten/ Zonen andere Fadenbakterienarten dominant. Dazu gehören Microthrix parvicella, Nocardioforme Actinomyceten, Nostocoida limicola, alle Fadenbakterien der Chloroflexi-Gruppe (Typ 0041, Typ 1851, Typ 0803 etc.) und auch völlig neue, in der einschlägigen Fachliteratur bisher nicht beschriebene Arten wie Alphaproteobakterien (oft „unbekannt“), die erst durch die Anwendung von Gensonden von den bisher bekannten Fadenbakterien unterschieden werden können.

Schwachlast-Fadenbakterien profitieren von
• einem hohem Schlammalter,
• einer niedrigen Schlammbelastung (< 0,12 kg BSB5/kg TS*d),
• einer hohen Verdünnung durch Fremdwasser, Niederschläge etc.,
• zu langen unbelüfteten Zeiten,
• niedrigen Sauerstoffgehalten (Stromeinsparung),
• Bio-P und Fällmitteleinsparung,
• dispergierenden Stoffen (Desinfektionsmittel, Tenside),
• einem ungünstigem Ca/Na-Verhältnis,
• niedriger Säurekapazität bzw. weichem Wasser,
• Komplexbildnern im Abwasser.

Wie man sieht ist die obenstehende Liste der möglichen Selektionsfaktoren lang und einen Großteil dieser Faktoren hat man als Betreiber selber in der Hand. Daher sind Fadenbakterienprobleme heutzutage sehr häufig „hausgemacht“, weil man z.B. versucht Strom zu sparen oder die Stickstoff-Einleitwerte so weit wie möglich zu senken. Um diese Ziele zu erreichen, werden Betriebsbedingungen eingestellt, die den Fadenbakterien unabsichtlich sehr entgegen kommen (hier niedrige Sauerstoffgehalte, lange unbelüftete Zeiten). Auch die Industriebetriebe selbst sind häufig indirekt für die Fadenbakterienprobleme mitverantwortlich, z.B. wenn sie viel Natronlauge einsetzen (vgl. Kapitel 3). Bei Störungen der Belebtschlammflockenbildung kommt es sehr oft zu vermehrtem Fadenbakterienwachstum, weil die Natur dann mit Hilfe der Fadenbakterien versucht, den Zusammenhalt der Flocken sicher zu stellen. Damit ist jedoch fast immer ein höherer Schlammindex verbunden, als wenn die Schlammflocke über positive Ionen (v.a. Calcium und Eisen) zusammengehalten wird.

Alles was den Flockenbildnern schadet, spielt den Fadenbakterien in die Hände!

11. Aktuell relevante Fadenbakterienarten

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Fadenbakterienarten, die wir üblicherweise in den uns zugesandten Proben finden (diese Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

Tabelle 8: Fadenbakterienarten, Selektionsfaktoren und Gegenmaßnahmen (Stand: 2018)

Fadenbakterienart  Hoch- oder
Schwachlast (HL/SL)
Typische Ursachen indirekte Gegenmaßnahmen  direkte Gegenmaßnahmen 
unbekannte Alphaproteobakterien ??? ??? evtl. PAC ??? ???
Alysiosphaera (ein Vertreter der
Alphaproteobakterien; speziell ein Nostocoida Typ)
tendenziell HL hohes C:N:P-Verhältnis oft nicht notwendig, da Alysiosphaera meist nur in den Flocken wächs
Beggiatoa, Thiothrix, Typ 021 N HL (Schwefel) reduzierte Schwefelverbindungen, Sauerstoffmangel, Totzonen, gestörtes C:N:PVerhältnis Beseitigung der vorgenannten Ursachen Sulfidfällung im Zulauf zur Biologie, P- oder NDosierung; Zugabe von Alusulfat gegen Typ 021 N
Chloroflexi (Typ 0041/0675; Typ 1851; Typ 0803/0914) SL niedrige Schlammbelastung, zu hohes Schlammalter, lange unbelüftete Zeiten; gestörte Flockenbildung oft nicht notwendig, da Chloroflexi in den Flocken wachsen und als „Back-bone-Fäden“ gute Dienste leisten PAC, bei zu viel Typ 1851: unbelüftete Zeiten verkürzen; Schlammalter optimieren
Haliscomenobacter hydrossis HL Sauerstoffmangel, gestörtes C:N:P-Verhältnis Intensivierung der Belüftung P- oder N-Dosierung
Microthrix parvicella SL Fett, Tenside, hohes Schlammalter, niedrige Schlammbelastung (< 0,1 kg CSB/kg TS*d), AmmoniumStoßbelastungen, lange unbelüftete Zeiten, schlechte Flockenbildung, viel Niederschlag, Temperaturstürze, Schneeschmelze etc Erhöhung der Schlammbelastung, Optimierung des Schlammalters, vollständige Nitrifikation, höhere Sauerstoffgehalte, dosierte Zugabe der Schlammwässer, Kreide + Eisen (vorbeugend) monomere Aluminiumsalze (Aluminiumchlorid, Aluminiumsulfat); PAC häufig unwirksam
Nocardioforme Actinomyceten SL Fett, Tenside, kein freier Abfluss, hohes Schlammalter Fettabscheider, Indirekteinleiterkontrolle, Besprühen (Wasser, NaOH) kontinuierlicher Schaumabzug, Flockungshilfsmittel, freier Abfluss (Beseitigung von Tauchwänden etc.)
Nostocoida limicola tendenziell SL Molkereiabwasser, Lebensmittelindustrie, hohes C:N-Verhältnis oft nicht notwendig, da Nostocoida meist nur in den Flocken wächst Eisensalze
Sphaerotilus natans HL hohe Konzentrationen an leicht abbaubaren Kohlenhydraten, Fettsäuren oder Alkoholen, hohes C:N:P-Verhältnis, Sauerstoffmangel Intensivierung der Belüftung P- oder N-Dosierung
Typ 0092 SL kurzkettige org. Säuren, hohes Schlammalter, niedrige Schlammbelastung (< 0,1 kg CSB/kg TS*d), Temperatur > 15 °C; hohes C:N-Verhältnis. oft nicht notwendig, da Typ 0092 meist nur in den Flocken wächst Aluminiumchlorid, Aluminiumsulfat, PAC

12. Ausblick

Wir bekommen immer wieder Gensondenbefunde, in denen „unbekannte Fadenbakterien“, oft vom Typ Alphaproteobakterien angegeben sind. Ab und zu sind auch andere wenig bekannte Fadenbakterien wie Monolitus batavus oder Alysiosphaera zu finden. Doch auch bei den solitären Bakterien gibt es ungewöhnliche Befunde wie „quittegelbe“ Rhodocyclaceen in einer kommunalen Kläranlage oder massenhaft Fermentationsbakterien in Misch- und Ausgleichsbecken, die das Abwasser je nach Jahreszeit vorabbauen (im Sommer) oder nicht verändern (im Winter).
All diese weitgehend unerforschten Bakterienarten entwickeln sich zunehmend zu einem Problem, da sie bisher kaum einer kennt und wenig über die relevanten Selektionsfaktoren bekannt ist. Daher sind auch keine zuverlässigen Gegenmaßnahmen beschrieben. Die Forschung auf dem Gebiet der Fadenbakterien wurde jedoch –nicht nur in Europaweitestgehend eingestellt. Mikroskopiert wird auf Kläranlagen immer weniger – manche Bundesländer haben das mikroskopische Bild aus der Selbstüberwachungsverordnung herausgenommen.
Wir stellen jedoch in unserer täglichen Arbeit fest, dass die betrieblichen Probleme mit Fadenbakterien und/oder der Belebtschlammqualität nicht kleiner, sondern eher immer größer und auch kostenrelevanter werden. Die Entsorgungspreise für entwässerten Klärschlamm liegen inzwischen oft über 100 €/t und Fadenbakterien können bei der Faulung und der Schlammentwässerung erheblich stören. Fadenbakterien und/oder eine schlechte Flockenstruktur führen zu folgenden Problemen im Kläranlagenbetrieb:

• Schlammabtrieb, Suspensaabtrieb,
• erhöhte Ges-P-Konzentrationen im Ablauf,
• Verlust der Nitrifikanten und anderer „Spezialisten“,
• Nitritprobleme,
• ineffiziente oder instabile Nitrifikation,
• Schaumbildung,
• hoher Fällmittelverbrauch,
• hoher Polymerverbrauch,
• schlechte Eindick- und Entwässerbarkeit,
• hoher Klärschlammanfall,
• hohe Entsorgungskosten,
• etc.

Wir plädieren daher ausdrücklich dafür, die Mikroskopie von Belebtschlamm wieder häufiger durchzuführen und mehr Geld in die Erforschung der biologischen Zusammenhänge auf Kläranlagen zu investieren. Wir sind dabei gern mit Rat und Tat behilflich.

Anschrift des Verfassers:

Kirsten Sölter
Bioserve GmbH
Rheinhessenstraße 9a
D-55129 Mainz
Tel.: 06131/28 910-16
Fax: 06131/28 910-17
Soelter@bioserve-gmbh.de
www.bioserve-gmbh.de

Literatur: 
1. Sölter, K.: Ursachen für schlecht absetzbare Belebtschlammflocken und was man dagegen tun kann; Vortrag für den Erfahrungsaustausch der Obleute norddeutscher Kläranlagen am 4./5. Mai 2010 in Lüneburg
2. Kara, F. et al: Monovalent cations and their influence on activated sludge floc chemistry, structure and physical characteristics; Biotechnology and Bioengineering Volume 100, No. 2, June 1, 2008, Seite 231-238
3. Wilen, B.-M. et.al.: Influence of flocculation and settling properties of activated sludge in relation to secondary settler performance, Wat. Sci. Tech, Vol. 54, No. 1, 2006, Seite 147-155
4. Jarvis, P. et. al.: The duplicity of floc strength, Wat. Sci. Tech, Vol. 50, No. 12, 2004, Seite 63-70
5. Jin, B. et. al.: Impacts of morphological, physical and chemical properties of sludge flocs on dewaterability of activated sludge; Chemical Engineering Journal 98 (2004); Seite 115-126
6. Tixier, N. et. al.: Effect of pH and ionic environment changes on interparticle interactions affecting activated sludge flocs – a rheological approach, Environmental technology, Vol. 24, 2003, Seite 971-978
7. Novak, J.T. et.al: Floc structure and the role of cations, Wat. Sci. Tech, Vol. 44, No. 10, 2001, Seite 209-213
8. Biggs, C.A. et. al.: Activated sludge flocculation: direct determination of the effect of calcium ions, Wat. Sci. Tech, Vol. 43, No. 11, 2001, Seite 75-80
9. Cousin, C.P.: Effect of calcium ion concentrations on the structure of activated sludge flocs, Environmental technology, Vol. 20, 1999, Seite 1129-1138
10. Hänel, K. 1986: Biologische Abwasserreinigung mit Belebtschlamm, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, ISBN 3-334-00023-0
11. Murthy, S.N. et al: Monitoring cations to predict and improve activated sludge settling and dewatering properties of industrial wastewaters; Wat. Sci. Tech., Vol. 38, No.3, 1998, Seite 119-126
12. Murthy, S.N. et al: Influence of cations on activated sludge effluent quality, Annual conference and exposition – water environment federation, No. 455, 1998, Seite 309-324
13. Novak, J.T. et. Al.: Cations and activated sludge characteristics, 12th Annual residuals and biosolids management conference, 12-15 Juli, 1998, Washington
14. Zita, A. et. al.: Effect of ionic strength on Bacterial adhesion and stability of flocs in wastewater activated sludge system, Appl. and Environm. Microbiology, Vol. 60, No. 9, Sept. 1994, Seite 3041-3048
15. Winkler, Michael: Optimale Nährstoffverhältnisse für die Abwasserreinigung; Praxisbericht; HACH Lange GmbH, Düsseldorf; 3/2006
16. ATV-Handbuch: Biologische und weitergehende Abwasserreinigung, Ernst & Sohn-Verlag 1997
17. K. Mudrack, S. Kunst: Biologie der Abwasserreinigung, Gustav Fischer Verlag, 1994
18. Arbeitsblatt ATV-A 131
19. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/dokumente/bvt_abgasabwasser_vv.pdf 
20. S. Kunst, C. Helmer, S. Knoop: Betriebsprobleme auf Kläranlagen durch Blähschlamm, Schwimmschlamm, Schaum, Springer-Verlag 2000
21. D. Jenkins, M. G. Richard, G. T. Daigger: Manual on the causes and control of activated sludge bulking, foaming, and other solids separation problems, Lewis Publishers 2004

Wie viel Aktivkohle kann mit verschiedenen Verfahren zurückgehalten werden?

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Wie und wie oft soll der Aktivkohle-Schlupf ins Gewässer bestimmt werden? Diese Interpretationshilfe liefert Antworten darauf:

Bei Verfahren zur Elimination von Mikroverunreinigungen auf Kläranlagen mit Aktivkohle (AK) muss diese zurückgehalten werden. Ein geringer Anteil davon gelangt trotzdem ins Gewässer, da ein vollständiger Feststoff-Rückhalt nur mit extrem grossem Aufwand möglich ist. Dieser AK-Schlupf soll jedoch analog der Feststoff-Einträge ins Gewässer minimal sein (Art. 63 GSchG, sachgemässer Gewässerschutz). Das bedeutet, dass es im Fall von Pulveraktivkohle (PAK) eine wirksame Feststoffabtrennung braucht und dass bei Verfahren mit granulierter Aktivkohle (GAK) der Feststoffabrieb minimal sein soll.

Die vorliegende Zusammenstellung dient als Anhaltspunkt für Betreiber und Kantone indem sie aufzeigt, welchen AK-Rückhalt die gängigen Abtrennverfahren erreichen. Es handelt sich um eine aktuelle Beurteilung des Aktivkohle-Rückhalts durch die Arbeitsgruppe der Plattform „Verfahrenstechnik Mikroverunreinigungen“, die bei Bedarf mit neuen Erkenntnissen ergänzt und spätestens 2022 erneut überarbeitet werden soll.

Wie misst man den Aktivkohle-Rückhalt?
Da AK zu den Feststoffen gehört, liegt die Vermutung nahe, dass die AK-Konzentration auf Basis der Konzentration der Feststoffe, also mit den gesamten ungelösten Stoffen (GUS), abgeschätzt werden kann. Aber aus den Resultaten des VSA-Projekts «Aktivkohle-Schlupf aus Reinigungsstufen zur Elimination…mehr:

https://www.micropoll.ch/fileadmin/user_upload/Redaktion/Dokumente/02_Faktenblaetter/190620_aktueller_Stand_PAK-Schlupf.pdf

Köln: Vertikale KlimaKlärAnlage – Start der Forschung zur vertikalen Fassadenbegrünung für ein besseres Stadtklima

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Die StEB Köln (Stadtentwässerungsbetriebe Köln, AöR) und die Stadt Köln haben unter Leitung von Björnsen Consult Forschungsgelder zur Entwicklung innovativer Fassadenbegrünungsmodule vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erhalten. Das Projekt wird im Rahmen der Förderrichtlinie „Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft“ gefördert. Das Projekt trägt den Namen Vertikale KlimaKlärAnlage (VertiKKA) und soll unter anderem dazu beitragen, die Hitzeinseln im urbanen Raum zu bekämpfen. Am Projekt sind zusätzlich die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HFWU) Nürtingen-Geislingen, das Photovoltaik Institut Berlin (PI), die Bauhaus Universität Weimar, das Institut für Automation und Kommunikation e.V. (ifak), das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES) und die Technische Universität Chemnitz (TUC) beteiligt.

Gerade urbane und stark verdichtete Räume neigen während der Sommermonate zur Überhitzung. Durch den Klimawandel und die Abwesenheit von kühlenden Grünflächen entstehen Hitzeinseln, welche für die Bevölkerung zur gesundheitlichen Belastung werden können. In vielen Innenstädten kommt es z.B. regelmäßig zu tropischen Nächten mit Temperaturen, welche nicht unter 20 Grad sinken. Während der Sommermonate sind gerade Städte durch Unwetter mit Starkregen bedroht. Durch wärmere Temperaturen kann die Luft mehr Feuchtigkeit und Energie speichern. Folglich haben höhere Temperaturen das Potential stärkere Unwetter mit Starkregenereignissen auszulösen. Lokal kann es zu starken Überflutungen mit Personen- und Sachschäden kommen.

Urbane Räume müssen sich deshalb besonders auf ein sich veränderndes Klima vorbereiten. Hierzu müssen die öffentlichen Verwaltungen verschiedenen Maßnahmen umsetzen, um den sich verändernden Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Grünflächen haben für urbane Räume in vielerlei Hinsicht eine besondere Bedeutung: Durch die Verdunstung von Wasser kann die Umgebung gekühlt werden und die Grünflächen können bei Starkregenereignissen Regenwasser aufnehmen und versickern lassen. Somit kommen Grünflächen eine zentrale Bedeutung bei der Anpassung an den Klimawandel zu. Wie aber kann man die positiven Eigenschaften von Grünflächen an Orten nutzen, welche aus städtebaulicher Sicht keine größeren Grünflächen mehr zulassen?

An diesem Punkt setzt das VertiKKA-Projekt an. Zusammen mit Partnern aus der Wissenschaft und Praxis möchten wir gemeinsam smarte Module zur Fassadenbegrünung entwickeln. Diese Module sollen in vielerlei Hinsicht innovativ sein: Die Module sollen über gereinigtes Regen- und Brauchwasser bewässert werden. Somit ist auch während der heißen Sommermonate eine durchgängige Bewässerung gewährleistet. Bei Starkregen kann ein Teil des Niederschlages in den Modulen gespeichert werden. Die Stromversorgung zur Bewässerung soll über integrierte Solarzellen gewährleistet werden. Überflüssiger Strom soll in das öffentliche Stromnetz abgegeben werden. Die Module sollen leicht zu montieren und wartungsarm sein. Durch die Beteiligung von Biologen am Projekt soll gewährleistet werden, dass die Bepflanzung unterschiedlichen Witterungsansprüchen angepasst ist. Die Soziologen und das Transformationsmanagement sorgen mit verschiedenen Umfragen und Veranstaltungen dafür, dass die Bevölkerung über das Projekt informiert wird, und dass die Wünsche und Anregungen der Bevölkerung bei der Modulentwicklung berücksichtigt werden.

Bei erfolgreicher Umsetzung des Projektes steht den Stadtplanern ein neues Instrument zur nachhaltigen und smarten Stadtentwicklung zur Verfügung. Diese Module erlauben eine Stadtbegrünung auch in urbanen Räumen, welche eigentlich nicht direkt dafür geeignet scheinen. Somit kann die Stadtplanung die Vorteile urbaner Begrünung in allen Teilen der Stadt zur Anpassung an den Klimawandel nutzen. Die Stadt Köln und StEB Köln streben an, dass die Module auf dem Kölner Stadtgebiet nach der dreijährigen Entwicklungsphase zur Anwendung kommen. Hierzu soll ein Folgeantrag beim Ministerium gestellt werden. Das Projekt soll Teil der SmartCity Strategie der Stadt Köln werden.

Weitere Informationen können unter den folgenden Links abgerufen werden:
• Bundesministerium für Bildung und Forschung (2019): Ressourceneffiziente Stadtquartiere. Online: https://ressourceneffiziente-stadtquartiere.de/

• VertiKKA (2019): Vertikale-Klima-Kläranlagen. Online: https://www.vertikka.de
Bild Act-Oct19-Verikka.JPG

https://www.steb-koeln.de/Aktuelles/Vertikale-KlimaKlärAnlage-Start-der-Forschung-zur-vertikalen-Fassadenbegrünung-für-ein-besseres-Stadtklima.jsp?ref=/Aktuelles/Aktuelles.jsp

Automatisierter Primärschlammabzug mit Schlammspiegelmessung

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Bei einer konventionellen Kläranlage stellen die Vorklärbecken ein Bindeglied zwischen Biologie und Schlammbehandlung dar. Die Vorklärbecken werden dabei meist nach zwei unterschiedlichen Verfahrensweisen betrieben.
Beim reduzierten Betrieb, mit wenigen Vorklärbecken, wird versucht die Aufenthaltszeit des Abwassers in der Vorklärung zu verkürzen, um mehr leicht abbaubare Kohlenstoffverbindungen für die vorgeschaltete Denitrifikation zu erhalten.
Insbesondere bei Kläranlagen mit einer anaeroben Faulung und Verstromung des Klärgases wird zunehmend versucht, durch eine maximale Anzahl von Vorklärbecken, den Rückhalt von Kohlenstoffverbindungen zu erhöhen. Diese stehen dann für die Klärgasgewinnung zur Verfügung.
In beiden Fällen ist es interessant, wie sich die Schlammspiegel in den Vorklärbecken einstellen. Nachfolgend wird erläutert wie der Primärschlammabzug bei maximalen Vorklärbeckenbetrieb, ohne statischen Voreindicker oder mechanische Eindickverfahren, dennoch an die unterschiedlichen hydraulischen und saisonalen Einflüsse angepasst werden kann.

Wenn eine Kläranlage mehr als ein Vorklärbecken hat, stellt sich das Problem der hydraulischen Verteilung ein, so dass bei einem Abzug nach einem Zeitprogramm entweder in einem Becken der Schlamm zu lange liegen bleibt oder der Schlamm zu dünn abgezogen wird.
Ein weiteres Problem tritt ein wenn sich die zufließende Menge z.B. aufgrund von langen Trockenwetterperioden ändert. Bis die Veränderung realisiert wird ist es meist schon zu spät.

In Grafik 1 ist dargestellt wie der Schlammspiegel im Schlammtrichter des Vorklärbeckens durch den Räumerbetrieb und der unterschiedlichen Zulauffracht steigt. Durch die Ablassvorgänge wird der Schlammspiegel wieder gesenkt. Jedoch schwankt der Schlammspiegel im Tagesverlauf sehr stark. Bei einem starken Absinken wird zunehmend dünnerer Primärschlamm abgezogen.

Grafik1: Schlammspiegel Vorklärbecken bei Primärschlammabzug nach Zeitschaltuhr
Bild VKBGrafik2.jpg

Durch die Messung der Schlammspiegel in allen Trichtern der Vorklärbecken und einem automatischen Abzug, der sich nach dem höchsten Messwert richtet, stellt sich in allen Becken ein Schlammspiegel auf gleichem Niveau ein. Anhand von Vorklärbeckenzeichnungen kann dann nachvollzogen werden, ob die Trichter voll sind oder ob sie noch Schlamm zur Speicherung aufnehmen können.

Grafik 2 zeigt nur noch geringe Schwankungen in den Schlammspiegeln der Vorklärbecken. Es sind praktisch keine starken Anstiege durch den Räumerbetrieb oder größere Senkungen durch Ablassvorgänge zu erkennen.

Grafik 2: Schlammspiegel Vorklärbecken mit autom. Abzug nach Schlammspiegelmessungen
Bild VKBGrafik3.jpg

Mit einer TR-Messung in der Primärschlammabzugsleitung kann zusätzlich die abgezogene TR-Fracht berechnet werden. Damit kann die abgezogene Fracht an Primärschlamm an die tatsächlich anfallende Menge angepasst werden. In Grenzen ist es auch möglich, durch Ausnutzung des Speichervolumens der Trichter, eine Vergleichmässigung der abgezogenen Fracht zu bewirken.
Durch diese Anpassung kann auch der durchschnittliche TR-Gehalt im Primärschlamm gesteigert werden. Dies bedeutet, bei gleichbleibender Fracht, eine Verminderung der abgezogenen Menge. Damit reduziert sich die Menge, die von den Vorklärbecken bis zur Entwässerung gepumpt werden muss. Im gleichen Maße reduziert sich auch der Wärmebedarf, der für die Erwärmung des Primärschlammes auf die Temperatur des Faulbehälterinhaltes notwendig ist.
Die Kosten für die Messtechnik amortisieren sich schon nach geringer Zeit, durch den geringeren Energiebedarf für die Schlammförderung von den Vorklärbecken bis zur Entwässerung.
Insbesondere, wenn für die Erwärmung des Primärschlammes direkt Wärmeenergie aus Klärgas benötigt wird, ist das vorteilhaft, da dann mehr Klärgas für die Verstromung übrig ist.

Tabelle 1: Vergleich Schlammmengen und Gaserzeugung mit Ablass nach Zeitschaltuhr und autom. Abzug nach Schlammspiegelmessung

  Primärschlamm:  Primärschlamm + ÜSS  Gaserzeugung 
TR (%)  Menge (m³/d)  Menge (m³/d)  Fracht (t/d)  Menge (Nm³/d) 
Ablass nach Zeitschaltuhr  5,1 473 764 37,9 12.398
Anzahl Daten:  48 365 365 84 365
Bild 2pxmal5px.JPG
Ablass nach Schlammspiegel:  6,0 365 646 39,0 11.950
Anzahl Daten:  329 331 331 331 331
Bild 2pxmal5px.JPG
Änderung(absolut):  + 0,9 – 108 – 119 + 1,1 – 448
Änderung(%):  + 19 – 23 – 16 + 3 – 4

Grafik 3: Vergleich Schlammmengen und Gaserzeugung mit Ablass nach Zeitschaltuhr und autom. Abzug nach Schlammspiegelmessung
Bild VKBGrafik4.jpg
 
Im Vergleichszeitraum 12.11.06 bis 11.11.07 (Abzug nach Zeitschaltuhr) bzw. 12.11.07 bis 09.10.08 (Abzug nach Schlammspiegel) bedeutete dies eine Reduzierung der Primärschlammmenge mit dem Abzug nach Schlammspiegelmessungen von ca. 23%.
Die Mengenreduktion resultiert aus einer Erhöhung des Trockenrückstands im Primärschlamm von ca. 5,1% auf ca. 6%. Die TR-Fracht-Beschickung der Faulbehälter hat sich dabei, genauso wie die Klärgasproduktion, praktisch nicht verändert.

Je nach Anlage kann die Speicherung in den Trichtern der Vorklärung auch geringfügig an nachfolgende Betriebseinheiten angepasst werden. z.B. Verfügbarkeit von Blockheizkraftwerken, Entwässerung oder Trocknung. Die Spielräume sind dabei zwar nicht allzu groß, aber dennoch ist eine Verbesserung der Gesamtwirtschaftlichkeit in Engpasssituationen möglich.
Dabei darf jedoch der gesamte Faulungsprozeß, mit all seinen Randbedingungen, z.B. Verhältnis Überschussschlamm zu Primärschlamm wegen erhöhter Schaumbildung nicht aus den Augen verloren werden. Die betroffenen Maschinen müssen zusätzlich auf die geänderten Mengen und TR-Gehalte ausgelegt sein, oder sollten ausgetauscht werden, wenn sich dies wirtschaftlich rechnet. Insbesondere im Sommer muss darauf geachtet werden, dass die Vorklärung als Absetzbecken fungiert und nicht zur Flotation neigt.

Zusammenfassung:
Mit der Erfassung der Schlammspiegel in den Vorklärbecken, insbesondere kombiniert mit einer TR-Messung, kann der Primärschlammabzug an den Vorklärbecken optimiert werden. Dadurch lässt sich der Abzug den hydraulischen und witterungsabhängigen Gegebenheiten anpassen. Der frachtabhängige Abzug vergleichmässigt die Faulbehälterbeschickung, was eine gleichmässigere Gasproduktion zur Folge hat. Ist kein Voreindicker oder mechanische Voreindickung vorhanden lässt sich die Menge deutlich reduzieren, was sich auf der energetische Seite durch weniger Pumpenergie oder geringerer Heizwärme für die Faulung niederschlägt. Eine kontrollierte Anpassung des Primärschlammabzugs an nachgeschaltete Anlagenteile z.B. BHWK’s ist möglich. Möglicherweise verbessern sich zusätzlich die Entwässerungseigenschaften des ausgefaulten Schlammes, durch höhere TR-Gehalte im System.

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel haben, dann freuen wir uns auf Ihre E-Mail an Fachwissen@klaerwerk.info

Autor: CS

„Kläranlage“ fürs Auge: Wie Pflanzenwände unser Wasser säubern

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In den Hotels dieser Welt wird jede Menge Süßwasser verbraucht – eine Erfindung eines Wiener Forschungsunternehmens reinigt verschmutztes Wasser mithilfe von Pflanzenwänden

Sie schmücken Fassaden und Wände im Inneren, sind hübsch anzusehen und lösen auf ökologisch saubere Weise ein drängendes Problem der heutigen Zeit: Vertikale „Kläranlagen“, die Abwasser durch mikrobiologische Aktivität in den Wurzeln von Pflanzen reinigen und in wiederverwertbares Wasser verwandeln. Erfunden und im Rahmen eines Forschungsprojektes …mehr:

https://derstandard.at/2000100889519/Klaeranlage-fuers-Auge-Wie-Pflanzenwaende-unser-Wasser-saeubern?ref=rss
 

 

Vom Regen zum Hochwasser

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Helmholtz-Forschungszentren starten Messkampagne zu hydrologischen Extremen
Extreme Wetterereignisse wie Gewitter oder starke Regenfälle und darauffolgende Überflutungen beeinflussen Erd- und Umweltsysteme langfristig. Um die Auswirkungen hydrologischer Extreme übergreifend – vom Niederschlag über den Wassereintrag in den Boden und den Abfluss bis hin zum Eintrag ins Meer – zu untersuchen, startet im Mai innerhalb der Helmholtz-Initiative MOSES eine Messkampagne im Müglitztal in Sachsen. Koordiniert wird die Messkampagne vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Ein einzelnes Starkregenereignis kann schwerwiegende Folgen für ein ganzes Flusssystem haben – von Landveränderungen durch Überflutung über Nährstoff- und Schadstofftransporte bis hin zu Veränderungen im Ökosystem. Die aktuelle Messkampagne der Helmholtz-Initiative MOSES untersucht hydrologische Extremereignisse übergreifend von der Quelle in der Atmosphäre bis hin zur Reaktion von Biosystemen. Sie läuft von Mitte Mai bis Mitte Juli 2019 im Müglitztal/Sachsen. In diesem Gebiet im Osterzgebirge kommt es bei bestimmten Wetterlagen zu extremen Niederschlägen und Überschwemmungen, wie bei der Flutkatastrophe 2002. Ausgelöst werden solche Extremereignisse entweder durch Tiefdruckgebiete, die verstärkt durch Staueffekte an Gebirgen kräftigen Niederschlag erzeugen, oder durch kleinräumige konvektive Niederschlagsereignisse, also Gewitter, die Hochwasser in einem begrenzten Gebiet wie einem Gebirgstal mit sich bringen können.

Koordiniert wird die aktuelle Messkampagne in Sachsen vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Ebenso beteiligt sind das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) aus Leipzig, das Forschungszentrum Jülich (FZJ) sowie das Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ.
Das KIT setzt sein mobiles Observatorium KITcube ein. Dieses liefert Informationen über Entstehung und Entwicklung von Starkniederschlägen, Niederschlagsverteilung und Verdunstung. Zum Einsatz kommen unter anderem ein Radar zur Erfassung des Niederschlags in einem Radius von 100 Kilometern, ein Mikrowellenradiometer zur Bestimmung des atmosphärischen Temperatur- und Feuchteprofils sowie ein Lidar-System zur Erfassung des Windprofils mithilfe von Lasern. Radiosonden liefern Informationen über den Zustand der Atmosphäre bis zu einer Höhe von 18 Kilometern. Ein Netz aus Distrometern (spezielle Messgeräte) überwacht kontinuierlich die Niederschlagsintensität und Größe der Regentropfen.

Im Fokus der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des UFZ steht die Bodenfeuchte. Sie ist eine zentrale Steuergröße für den Abfluss des Regenwassers: Ist der Boden sehr feucht oder extrem trocken, fließt das Regenwasser über die Landoberfläche ab und es kommt schneller zu Überflutungen. Um die Entwicklung der Bodenfeuchte optimal überwachen zu können, installiert das UFZ während der Messkampagne ein mobiles, drahtloses Sensornetzwerk, das Bodenfeuchte und Bodentemperatur in verschiedenen Tiefen misst. Gegenüber klassischen Systemen zeichnet sich das Sensornetzwerk dadurch aus, dass sich die Positionierung und Verteilung der Sensoren sowie die Abtastraten genau auf die lokalen Messbedingungen abstimmen lassen. Zusätzlich zu dem fest installierten Sensornetzwerk kommt der mobile Cosmic Ray Rover mit speziell entwickelten Neutronensensoren zum Einsatz. Durch sie können die Forscher die Variation der Bodenfeuchte im Einzugsgebiet der Müglitz auch großräumig beobachten.

Die Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich lassen Ballonsonden bis in 35 Kilometer Höhe steigen, um unter anderem zu ermitteln, wie sich Gewitter langfristig auf das Klima auswirken. Mit Wasserdampf, Ozon und Wolkeninstrumenten untersuchen sie den Spurengastransport durch das Gewitter in die obere Troposphäre – die unterste Schicht der Erdatmosphäre – oder sogar in die darüber liegende Stratosphäre.
Die Forscher des GFZ ermitteln mit mobilen Messeinheiten den Einfluss des gespeicherten Wassers auf den Verlauf eines Hochwassers. Neben Cosmic Ray Sensoren zur Messung des Wassers im Oberboden und Sensoren zur Messung des oberflächennahen Grundwassers verwenden sie dabei auch sogenannte Gravimeter. Diese Geräte detektieren die Änderungen der Schwerkraft der Erde infolge sich ändernder Wassermassen im Untergrund, auch in größeren Tiefen.
MOSES steht für „Modular Observation Solutions for Earth Systems“. In dieser Initiative bauen neun Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft gemeinsam mobile und modular einsatzfähige Beobachtungssysteme auf, um die Auswirkungen zeitlich und räumlich begrenzter dynamischer Ereignisse, wie extremer Niederschlags- und Abflussereignisse, auf die langfristige Entwicklung von Erd- und Umweltsystemen zu untersuchen.

Mehr Informationen zur Messkampagne:
https://blogs.helmholtz.de/moses/de/2019/05/13/wo-bleibt-der-regen/

Als Filter in Klärwerken – Wissenschaftler setzen auf Quallen gegen Mikroplastik

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Rötungen, Quaddeln, Schmerzen: Mit Quallen verbinden Urlauber an Ost- und Nordsee oft getrübte Badefreuden. Wissenschaftler aber sehen Chancen, Quallen als Dünger, Futter, Nahrungsmittel, für Kosmetik und als Biofilter für Mikroplastik einzusetzen.

Mit Quallen ist es wie mit Mücken: Sie werden von vielen Menschen nur als lästig und schmerzhaft empfunden. Dabei könnten die seit rund 500 Millionen Jahren in den Weltmeeren existierenden Nesseltiere eine neue Bedeutung…mehr:

https://www.stern.de/panorama/wissen/als-filter-in-klaerwerken-wissenschaftler-setzen-auf-quallen-gegen-mikroplastik-8787480.html?utm_campaign=alle-nachrichten&utm_medium=rss-feed&utm_source=standard

Der Einfluss der Abwesenden

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Wenn Tiere in ein Ökosystem wandern, verwandelt sich dieses kurzzeitig in ein Schlaraffenland für Raubtiere. Aber auch im Ökosystem, aus dem die Tiere ausgewandert sind, verändern sie durch ihre Abwesenheit die Nahrungsnetze. Das zeigt erstmals eine neue Studie über lokale Fischwanderungen in Nordeuropa.

Am liebsten fressen Hechte in seichten dänischen und schwedischen Seen Rotaugen. Sieben von zehn Fischen, die Forschende in den Mägen der Hechte fanden, waren Rotaugen – im Winter eher noch mehr. Allerdings waren die Rotaugen, welche die Hechte in Seen mit Zu- oder Abflüssen gefressen hatten, im Winter kleiner, und die Hechte wurden im Laufe des Winters etwas magerer. Anders ihre Artgenossen in isolierten Seen: Ihre Kondition blieb das ganze Jahr über etwa gleich.

Das hat ein internationales Forschungsteam um Jakob Brodersen von der Eawag an je vier seichten Seen mit und ohne Verbindung zu Fliessgewässern untersucht. Die Resultate entsprechen den Erwartungen der Forschenden. Denn in den „offenen“ Seen wandert jeweils ein Teil der Rotaugen im Winter in die Zu- oder Abflüsse aus – vor allem die grössten Tiere aus Schwärmen, die im offenen Wasser leben. Während der Abwesenheit dieser grossen Rotaugen fangen die Hechte ufernahe Beute, also besonders kleinere Rotaugen. „In diesen Seen ändern sich die Wege, auf denen Nahrung und Energie durch das Seeökosystem fliessen – von den Algen bis zu den Hechten“, stellt Brodersen fest. Kehren die grossen Rotaugen im Frühling aus den Flüssen zurück, beginnt für die Hechte ein „Fest“: Sie legen schnell wieder Gewicht zu und werden bald sogar noch dicker als ihre Artgenossen in den isolierten Seen.

Abwanderungs-Effekte
Mit der Teilwanderung können sich die grössten und fittesten Rotaugen…mehr:

https://www.eawag.ch/de/news-agenda/news-plattform/news/news/der-einfluss-der-abwesenden/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=13e85648ff13523f3b6284dfd02c2691