Sonntag, Oktober 24, 2021

Der Einfluss der Abwesenden

Wenn Tiere in ein Ökosystem wandern, verwandelt sich dieses kurzzeitig in ein Schlaraffenland für Raubtiere. Aber auch im Ökosystem, aus dem die Tiere ausgewandert sind, verändern sie durch ihre Abwesenheit die Nahrungsnetze. Das zeigt erstmals eine neue Studie über lokale Fischwanderungen in Nordeuropa.

Am liebsten fressen Hechte in seichten dänischen und schwedischen Seen Rotaugen. Sieben von zehn Fischen, die Forschende in den Mägen der Hechte fanden, waren Rotaugen – im Winter eher noch mehr. Allerdings waren die Rotaugen, welche die Hechte in Seen mit Zu- oder Abflüssen gefressen hatten, im Winter kleiner, und die Hechte wurden im Laufe des Winters etwas magerer. Anders ihre Artgenossen in isolierten Seen: Ihre Kondition blieb das ganze Jahr über etwa gleich.

Das hat ein internationales Forschungsteam um Jakob Brodersen von der Eawag an je vier seichten Seen mit und ohne Verbindung zu Fliessgewässern untersucht. Die Resultate entsprechen den Erwartungen der Forschenden. Denn in den „offenen“ Seen wandert jeweils ein Teil der Rotaugen im Winter in die Zu- oder Abflüsse aus – vor allem die grössten Tiere aus Schwärmen, die im offenen Wasser leben. Während der Abwesenheit dieser grossen Rotaugen fangen die Hechte ufernahe Beute, also besonders kleinere Rotaugen. „In diesen Seen ändern sich die Wege, auf denen Nahrung und Energie durch das Seeökosystem fliessen – von den Algen bis zu den Hechten“, stellt Brodersen fest. Kehren die grossen Rotaugen im Frühling aus den Flüssen zurück, beginnt für die Hechte ein „Fest“: Sie legen schnell wieder Gewicht zu und werden bald sogar noch dicker als ihre Artgenossen in den isolierten Seen.

Abwanderungs-Effekte
Mit der Teilwanderung können sich die grössten und fittesten Rotaugen…mehr:

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