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Die Waschmaschine als „Kultur“gut

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96% aller privaten Haushalte in Deutschland besitzen eine Waschmaschine. Was viele Verbraucher nicht wissen: Waschmaschinen, die Textilien eigentlich sauber machen sollen, können verkeimen. Die Hochschule Furtwangen hat nun eine kulturelle Studie zum Keimgehalt in Waschmaschinen veröffentlicht.

Feuchtigkeit, Wärme und ein großes Angebot an Nährstoffen schaffen in Waschmaschinen ideale Lebensbedingungen für das Wachstum von Mikroben wie Bakterien oder Pilzen. Aktuelle Trends wie das Waschen bei niedrigen Temperaturen, Wassersparprogramme und der Einsatz Bleiche-freier Flüssigwaschmittel begünstigen das Keimwachstum zusätzlich.

„Obwohl bekannt ist, dass Waschmaschinen anfällig für Verkeimungen sind, gab es bislang kaum Studien, die den Keimgehalt an verschiedenen Stellen von Waschmaschinen einmal konkret gemessen hätten. Da wollten wir Abhilfe schaffen.“, erläutert Studienleiter Prof. Dr. Markus Egert, der an der Hochschule Furtwangen Mikrobiologie und Hygiene lehrt. Im Fokus standen dabei vier leicht erreichbare Stellen: Die Einspülkammer und ihre Schublade sowie der obere und untere Teil der Bullaugendichtung.

Für die Studie wurden 10 häusliche Waschmaschinen aus dem Großraum Villingen-Schwenningen mit Tupfern beprobt. Aus den Abstrichen wurden Mikroorganismen auf Agarplatten kultiviert, gezählt und auf die beprobte Fläche hochgerechnet. Die isolierten Bakterien wurden anschließend noch anhand von Proteinspektren mittels MALDI-TOF-Analyse identifiziert.

Gemittelt über alle Probenahmestellen wurden 21.000 Keime pro cm2 bestimmt.
„Dabei wurden Spitzenwerte von bis zu 337.000 Keimen pro cm2 gefunden. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Bielefeld“, so der Studienleiter Prof. Egert. Mit 111 Keimen pro cm2 die geringsten Keimzahlen zeigte der obere Teil der Bullaugendichtung. Diese Stelle trocknet sehr schnell ab, so dass den Mikroben hier vermutlich einfach die Lebensgrundlage fehlt.

Mehr als die Hälfte der in der Studie idenifizierten 40 Arten von Mikroorganismen ist als potentiell pathogen eingestuft und kann v.a. immungeschwächte Menschen krank machen. Bakterien in der Waschmaschine sind zudem eine bekannte Quelle für schlechten Geruch. Mit Pseudomonas oleovorans, Acinetobacter parvus, Moraxella osloensis und Rhizobium radiobacter wurden vier Bakterienarten gefunden, die bereits in einer früheren, rein molekuarbiologischen Studie der AG Egert als dominant in Waschmaschinen erkannt wurden. Diese Bestätigung kennzeichnet sie als wichtige Waschmaschinenbakterien, die man nun z.B. zum praxisnahen Testen antimikrobieller Reinigungsmaßnahmen oder Oberflächenbeschichtungen für Waschmaschinen nutzen kann.

„Unsere kleine Studie belegt eindrucksvoll die dichte und hygienerelevante Verkeimung von Waschmaschinen, und unterstreicht die Bedeutung von Feuchtigkeit. Waschmaschinen sollten regelmäßig gereinigt werden, z.B. durch Auswischen mit Allzweckreiniger, aber auch durch regelmäßiges Waschen bei mind. 60°C mit einem bleichehaltigem Pulverwaschmittel. Zum Austrocken sollten Bullauge und Einspülkammer zwischen den Wäschen offen gelassen werden.“, fasst Prof. Egert zusammen.

Die neue Studie wurde durch ein Forscherteam der Hochschule Furtwangen, der Universität Gießen und der Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf, erstellt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (Förderkennzeichen 13FH197PX6). Erschienen ist sie in der Zeitschrift Microorganisms mit dem Titel „Cultivation-based quantification and identification of bacteria at two
hygienic key sides of domestic washing machines”.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Markus Egert, Hochschule Furtwangen

Originalpublikation:
Susanne Jacksch et al. (2021). Microorganisms 9(5), 905;
https://doi.org/10.3390/microorganisms9050905

Der Fluss als Giftschlange: Schadstoffe aus dem Sediment

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Überflutungen wie kürzlich in Deutschland und weiteren Teilen von West- und Mitteleuropa bringen Zerstörung, Chaos – und eine Menge Schlamm. Der behindert nicht nur den Wiederaufbau der betroffenen Gemeinden, sondern birgt auch noch eine andere Gefahr: Giftstoffe, die sich im Sediment abgelagert hatten und nun ans Land getragen wurden. Ein internationales Forscherteam untersucht dieses Gefahrenpotenzial. Mehr:

https://www.laborpraxis.vogel.de/der-fluss-als-giftschlange-schadstoffe-aus-dem-sediment-a-1043849/?cmp=nl-297&uuid=

Originalpublikation:
Sarah E. Crawford, Markus Brinkmann, Jacob D. Ouellet, Frank Lehmkuhl, Klaus Reicherter, Jan Schwarzbauer, Piero Bellanova, Peter Letmathe, Lars M. Blank, Roland Weber, Werner Brack, Joost T. van Dongen, Lucas Menzel, Markus Hecker, Holger Schüttrumpf & Henner Hollert: Remobilization of pollutants during extreme flood events poses severe risks to human and environmental health, Journal of Hazardous Materials 421 (2022);DOI: 10.1016/j.jhazmat.2021.126691

Wassermanagement: Entscheiden trotz Unsicherheiten

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Entscheidungen in der Wassermanagementpraxis sind oft mit grossen Unsicherheiten verbunden. Die Quantifizierung und Kommunikation dieser Unsicherheit ist von entscheidender Bedeutung für die Unterstützung transparenter gesellschaftlicher Entscheide durch die Wissenschaft.

Wie kann die Forschung Entscheidungen in der Wassermanagementpraxis unterstützen, auch wenn vieles noch unsicher ist? Beim Managen von Flüssen sind etwa die Prognosen, welche Konsequenzen verschiedene Massnahmen haben werden, oft mit Unsicherheiten behaftet. Auch ist nicht immer klar, welcher Zustand bei Flussrevitalisierungsprojekten am Ende erreicht werden soll, denn die involvierten Akteure verfolgen teilweise unterschiedliche Ziele – etwa Erholung, Naturschutz, Hochwasserschutz, Fischfang oder Energiegewinnung – und beurteilen daher mögliche Resultate widersprüchlich. Dennoch gilt es am Ende, trotz der Unsicherheiten eine Entscheidung zu fällen.

Entscheidungsunterstützung statt Handlungsempfehlungen
Die Forschung versucht in solchen Situationen, Verwaltung und Politik mit formalen Verfahren bei den Entscheidungen zu unterstützen. Statt Handlungsempfehlungen zu geben, ist es das Ziel dieser Verfahren, die Vielfalt an möglichen Massnahmen offen darzulegen und aufzuzeigen, welche der vorgeschlagenen oder neu entwickelten Alternativen die gesellschaftlichen Ziele bestmöglich erfüllen. So sollen die Gründe für die Entscheidungen transparent gemacht werden, um sie vor der Gesellschaft rechtfertigen zu können.

Die Forschenden nutzen dazu einerseits wissenschaftliche Prognosen, um die Konsequenzen der Handlungsoptionen aufzuzeigen, zum Beispiel wie sich eine Flussrevitalisierung auf die Organismen im Gewässer, die Chemie und die Morphologie auswirkt. Andererseits kommen wissenschaftliche Methoden zum Einsatz, um die oft breite Palette an gesellschaftlichen Zielvorstellungen zu erfassen, strukturiert zu diskutieren und anschliessend ein klares Ziel zu formulieren. Denn oft steht am Anfang eines Flussrevitalisierungsprojekts nur ein eher vages Ziel, nämlich ein «guter Gewässerzustand». Doch was genau bedeutet das für die Fische im Fluss, für die Wirbellosen, die Wasserqualität und die morphologischen Merkmale? Mit qualitativen Analysen der verschiedenen Zielgrössen können die Forschenden die Entscheidungsträger und involvierten Akteure unterstützen, eine Zielhierarchie zu erstellen und schliesslich ein gemeinsames Ziel zu definieren.  

Der Schritt von qualitativen zu quantitativen Entscheidungsunterstützung
Für kleinere Entscheidungsprojekte ist eine qualitative Analyse meist ausreichend. Wenn es jedoch um grössere oder mehrere ähnliche Projekte geht, wünschen Verwaltung und Politik oft genauere Aussagen. Auch für die Entwicklung des Modulstufenkonzepts, einer Methode für die kantonalen Gewässerschutzfachstellen, um Fliessgewässer systematisch zu untersuchen und zu bewerten, sind präzisere Analysen vorteilhaft. Verantwortliche vom Bundesamt für Umwelt BAFU haben daher in den vergangenen Jahrzehnten gemeinsam mit Forschenden der Eawag und Mitarbeitenden kantonaler Gewässerschutzämter und Umweltberatungsbüros solche Methoden erarbeitet. In den letzten Jahren wurden erste derartige Verfahren basierend auf einer Zielhierarchie und der Bewertung des Grades der Zielerreichung formuliert. Im Modulstufenkonzept sind das bisher die Module für die Makrophytenbewertung von Fliessgewässern und für die morphologische Bewertung von Seeufern.

Unsicherheiten quantifizieren und verständlich kommunizieren
Gelingt es, Prognosen und gesellschaftliche Werte mithilfe mathematischer Formeln zu quantifizieren, bleibt das Problem, dass jetzt zwar präzisere Aussagen vorliegen, diese aber weiterhin die in der Grundproblematik innewohnenden Unsicherheiten beinhalten. Diese mathematischen Unsicherheiten klar und verständlich zu formulieren und zu kommunizieren, ist eine der grossen Herausforderungen, vor der die Forschung steht – nicht nur im Umweltmanagement.

Peter Reichert, Physiker und Leiter der Gruppe Systemanalyse und Wassermanagement an der Eawag, setzt genau hier an. Er entwickelt erweiterte Methoden, um diese Unsicherheiten umfassender zu quantifizieren und kommunizieren zu können. Hierzu kombinierte er etablierte und selten angewandte statistischen Techniken. Dieses Konzept publizierte er im Artikel «Towards a comprehensive uncertainty assessment in environmental research and decision support» in der Zeitschrift Water Science & Technology.

Wie reagiert die Praxis auf komplexere Ergebnisse?
In einem neuen, vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Projekt, entwickelt er diese Methoden nun gemeinsam mit Ambuj Sriwastava, Postdoc an der Eawag, weiter (siehe Projektbeschreibung unten). Wenn die mathematischen Grundlagen erarbeitet sind, wird es interessant sein, die neuen Methoden auf einen realen Fall anzuwenden und zu sehen, welche Vorteile und Herausforderungen die umfassende Berücksichtigung von Unsicherheiten mit sich bringt. Und eine grosse Frage bleibt am Schluss: Sind die Entscheidungsträger bereit, die etwas komplexeren Ergebnisse zu akzeptieren und ihre Entscheidungen darauf zu stützen?

SNF-Projekt «Comprehensive Uncertainty Assessment in Environmental Decision Support»
In konventionellen Entscheidungsunterstützungsverfahren werden in der Regel nur die Unsicherheiten der wissenschaftlichen Prognosen berücksichtigt. Wegen der grossen Unsicherheiten der Zielformulierungen und der Unsicherheit der Quantifizierung der Unsicherheit der Prognosen werden damit die Unsicherheiten nur unvollständig erfasst. Dieses Projekt hat das Ziel, aufzuzeigen, wie man die Unsicherheiten umfassender berücksichtigen kann und wie sich diese Methoden in der Praxis bewähren.
In einem ersten Schritt geht es darum, die Methoden für die Erfassung von Präferenzen und die Beschreibung deren Unsicherheit durch Wahrscheinlichkeitsverteilungen zu verbessern. Damit wird man der Tatsache gerecht, dass nicht nur wissenschaftliche Prognosen, sondern auch die gesellschaftlichen Ziele unsicher sind. Wichtige Gründe dafür sind die unterschiedlichen Ziele verschiedener Personen, die sich über die Zeit wandelnden gesellschaftlichen Werte und die Schwierigkeit, diese Werte mathematisch zu beschreiben.
Als nächster Schritt sollen die Unsicherheiten in den Wahrscheinlichkeiten berücksichtigt werden, die unsichere gesellschaftliche Werte aber auch unsichere wissenschaftliche Prognosen beschreiben. Als letzten Schritt soll eine Testanwendung der erarbeiteten Methoden auf Aspekte der Flussrevitalisierungsplanung die Praktikabilität der vorgeschlagenen Methoden zu beurteilen helfen. 

Originalpublikation
Reichert, P. (2020) Towards a comprehensive uncertainty assessment in environmental research and decision support, Water Science and Technology, 81(8), 1588-1596, doi:10.2166/wst.2020.032, Institutional Repository

Links
REFORM – Restoring rivers for effective catchment management, Eawag-Projekt
Modulstufenkonzept – Informationen vom Bundesamt für Umwelt BAFU
Erstellt von Bärbel Zierl

https://www.eawag.ch/de/news-agenda/news-plattform/news/wassermanagement-entscheiden-trotz-unsicherheiten/

Blaupause für die Sektorenkopplung – Ein Klärwerk wird mit grünem Wasserstoff zum Innovationstreiber der Energiewende

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Niedersachsens ältestes Klärwerk versorgt bald nicht mehr nur Hannover mit sauberem Wasser, sondern auch den öffentlichen Nahverkehr mit grünem Wasserstoff. Im großangelegten Modernisierungskonzept will die Stadtentwässerung Hannover unter anderem den eigenen Energieverbrauch des Klärwerks in Herrenhausen drastisch senken und selbst grünen Wasserstoff produzieren. Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz fördert das Investitions- und Forschungsprojekt mit 6,37 Mio. Euro. 


Bildquelle: ©SEH / creanovo – motion & media design GmbH

„Mit großer Freude unterstütze ich dieses Leuchtturmprojekt in der Region Hannover. Wasserstoff ist der Treibstoff der Energiewende. Es zeigt beispielhaft, wie die Transformation der niedersächsischen Wirtschaft hin zur Klimaneutralität neue Kooperationen und Chancen hervorbringt. Wir werden künftig nicht nur Wasserstoffproduktion im großen, industriellen Maßstab brauchen, sondern auch im Rahmen solcher dezentraler Projekte, wenn wir den Bedarf für die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft decken und so den Standort und die Arbeitsplätze hier zukunftssicher machen wollen. Das Projekt hat darüber hinaus eine enorme Strahlkraft für kommunale Betriebe in ganz Deutschland“, sagte der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies, der die Förderung heute beim „Zukunftsforum der Wasserwirtschaft“ in Hannover übergab.

Für die Stadt Hannover ist dieses Projekt ein wichtiger Meilenstein. „Als Landeshauptstadt Hannover setzen wir auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz bei der Bewältigung unserer Aufgaben und machen diese Zielsetzung zur Grundlage unseres Handelns. Dazu gehören Investitionen in zukunftsweisende Technologien. Wir sind sehr stolz auf dieses kreative und innovative Projekt in Hannover. Es zeigt, wie kommunale Partnerschaften uns unserem Ziel der Klimaneutralität in Hannover bis 2035 einen ganzen Schritt näher bringen“, sagte Belit Onay, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover.

Zukunftsweisend an diesem Leuchtturmprojekt ist vor allem die Sektorenkopplung. So will die Stadtentwässerung primär den Sauerstoff zur Abwasseraufbereitung nutzen, der bei der Produktion von Wasserstoff als Nebenprodukt entsteht. Derzeit wird dieser in den meisten Klärwerken mit Turboverdichtern aus der Umgebungsluft gewonnen – ein Prozess, für den ein Großteil des Energieverbrauchs des Klärwerks nötig ist. Neben den Belebungsbecken stehen Filtratwasser und Ozon bei einer vierten Reinigungsstufe im Fokus des Projektes.

Mit dem produzierten Wasserstoff selbst sollen u.a. ab 2023 Busse der ÜSTRA und regiobus Hannover GmbH angetrieben werden, um Emissionen in Hannovers öffentlichem Nahverkehr zu senken. „Wir setzen auf Wasserstofftechnologie, um in Hannover einen nachhaltigen und zukunftssicheren Nahverkehr zu ermöglichen. Mit der Stadtentwässerung Hannover haben wir den idealen Partner, um lokal grünen Wasserstoff zu beziehen“, sagte Elke Maria van Zadel, Vorstandsvorsitzende der ÜSTRA und regiobus-Geschäftsführerin.

Die beim Elektrolyseprozess entstehende Abwärme wird ins Fernwärmenetz eingespeist. Teil des Projekts ist auch die Entwicklung einer intelligenten Anlagensteuerung von Elektrolysesystemen durch die Partner Aspens GmbH und Leibniz Universität Hannover.

Als Energiequelle für die Elektrolyse wird ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien verwendet, sodass die gesamte Wertschöpfungskette CO2-neutral aufgestellt ist. Darüber hinaus nutzt die Stadtentwässerung für die Wasserstoffproduktion Betriebswasser statt wertvollem Trinkwasser und leistet so einen zusätzlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit. „Als kommunaler Betrieb tragen wir Verantwortung und investieren in die nachhaltige Zukunft der Landeshauptstadt Hannover. Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen ressourcenschonend und mit modernsten Methoden einen sauberen Wasserkreislauf gewährleisten und damit die Wasserqualität für rund 750.000 Menschen in Hannover und Umgebung sicherstellen“, sagte Betriebsleiter Matthias Görn von der Stadtentwässerung Hannover.  

Quelle:
Niedersächsisches Wasserstoff-Netzwerk
Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen GmbH
Osterstraße 60
30159 Hannover

Web: https://www.wasserstoff-niedersachsen.de/
Mail: netzwerk@wasserstoff-niedersachsen.de

Video: SeWAGE H2 – das Wasserstoff-Projekt der Stadtentässerung Hannover

Projekt gegen textilbasiertes Mikroplastik legt Ergebnisse vor

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Waschen und Stricken für die Umwelt – das galt drei Jahre lang im Forschungsinstitut Textil und Bekleidung der Hochschule Niederrhein (FTB). Als Partner des Projekts TextileMission, einer mit rund 1,7 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Initiative gegen Mikroplastik in der Umwelt, ging es den Forscherinnen und Forschern der Hochschule Niederrhein um Vermeidungsstrategien beim Waschen – und um neue Materialien, die weniger Mikroplastik absondern.

Mikroplastik sind kleine Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 5mm. Sie befinden sich unter anderem in Sporttextilien und gelangen beim Waschen mit dem Abwasser in die Kläranlangen und im schlimmsten Fall bis ins Meer. Nach drei Jahren Forschung wurden nun im Rahmen einer ganztägigen digitalen Abschlusskonferenz die wesentlichen Erkenntnisse der Forschungsarbeit in Fachvorträgen vorgestellt. Über 200 Interessierte aus Wirtschaft, Forschung, Lehre und Politik aus der ganzen Welt nahmen an der Konferenz teil.

Dr. Jens Meyer und Dipl.-Ing. Stefan Brandt, wissenschaftliche Mitarbeiter am FTB, haben im Waschlabor der Hochschule Niederrhein über 1000 Waschvorgänge an Sport- und Outdoortextilien aus 100 Prozent Polyesterfasern durchgeführt und ausgewertet. „Die mit Abstand höchsten Emissionen treten in den ersten drei Wäschen eines Textils auf“, betonen sie. Die Versuche zeigen, dass Textilien zwischen 50 bis 850 mg faseriges Mikroplastik pro kg Textil über die Anzahl von zehn Wäschen in Summe in das Abwasser emittieren.

Zwar würden bis zu 95 Prozent der Kleinstpartikel in Kläranlagen zurückgehalten werden, dennoch müsse man mit 2,1 bis 49 Tonnen Eintrag in die Umwelt pro Jahr in Deutschland allein durch Haushaltswäsche rechnen, so Prof. Dr.-Ing. Maike Rabe, eine der Leiterinnen des Projekts. Textilien müssten so konstruiert und verarbeitet werden, dass der Austritt von Mikroplastik deutlich minimiert wird. Um Textilien überhaupt im Hinblick auf ihren Gehalt an faserigem Mikroplastik bewerten zu können, wurde in globalen Teams die Entwicklung eines harmonisierten Schnelltests zur Bewertung und Verbesserung von Textilien im Rahmen des Vorhabens vorangetrieben.

An diesem Punkt setzte der Vortrag von Professorin Ellen Bendt, ebenfalls Projektleiterin, an, die sich der Materialoptimierung und neuen Konstruktionen widmete. Ziel war es, insbesondere für den Sportbereich emissionsärmer gestaltete Materialien zu entwickeln. Das Forscherteam konzentrierte sich hierbei besonders auf die Fleece-Textilien. Aufgrund der hohen Funktionalität sind sie kaum vom Markt wegzudenken.

Auf der Suche nach Lösungsansätzen zur Verringerung des Mikroplastikaustrags bei Fleece, konzentrierte sich das Forschungsteam auf den Einsatz von biologisch abbaubaren Fasern. „Diese stellen eine mögliche Alternative zu synthetischen, nicht abbaubaren Fasern dar“, erklärte Ellen Bendt.

Neben der Hochschule Niederrhein waren der Bundesverband der Deutschen Sportartikelindustrie e. V (BSI), WWF Deutschland, VAUDE Sport GmbH und die TU Dresden an der Initiative beteiligt. Auch die assoziierten Partner des Forschungsprojekts Adidas, Miele, Henkel und Polartec nahmen an dem Austausch der Forschungsergebnisse teil.

https://www.fona.de/de/projekt-gegen-textilbasiertes-mikroplastik-legt-ergebnisse-vor-

Senergie Technologies GmbH

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Gerwigstraße 8
78234 Engen

T +49 7733 5019-250
F +49 7733 5019-254
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www.senergie.tech

Energieeffizienz ist unser Ehrgeiz – der intelligente Umgang mit Ressourcen und ein nachhaltiges Wirtschaften mit Energien unser Ziel.

Die Senergie Technologies GmbH ist einer der führenden Hersteller von BHKWs für Sondergasanwendungen mit dem Schwerpunkt Klär- und Deponiegas sowie für die wirtschaftliche Energienutzung in den Bereichen Biogas, Erdgas und Wasserstoff.

Am Standort in Engen produzieren wir hochwertige Blockheizkraftwerke im Leistungsspektrum von 33 bis 330 kWel für den industriellen, gewerblichen und kommunalen Einsatz.

Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung und über 1000 realisierten Projekten bieten wir modulare BHKW-Grundmodelle in großer Vielfalt und maßgeschneiderte KWK-Systemlösungen für individuelle Anforderungen.

Kläranlagentechnik Ansmann

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Aschaffenburger Straße 42
63857 Waldaschaff

Tel.: +49 (0) 151 708 39 789
E-Mail: info@ansmann.tech
Web: www.ansmann.tech

Als Service- und Dienstleistungsunternehmen für die Wasser- und Abwasserbranche bündeln wir alle Aufgaben, die zu einem effizienten, sicheren und nachhaltigen Anlagenbetrieb notwendig sind.
Wir sind Partner für Anlagenbetreiber, Hersteller und Ausrüster.

Unsere Dienstleistungen:
→ Wartung und Instandhaltung von Klärgassystemen
     • → NEU – wir digitalisieren Ihre Wartung. Direkte Kommunikation, Schadensmeldungen, Terminvergaben, usw. in Echtzeit.
→Klärgastechnik
     • → Fertigung, Lieferung und Montage aller Komponenten für die Fassung, den Transport, die Aufbereitung und die Verwertung – Gasfackeln, Faulturmhauben, Grob- und Feinfilter, Gastrocknung, Gasreinigung, ……….
→ Ersatzteilservice
     • → Ersatzteilmanagement – Lagerhaltung, Logistik, Lieferung und Montage
→ Rohrleitungs- und Anlagenbau
→ Service für Hersteller und Ausrüster

Projektleitung, Projektüberwachung, Aufmaßservice, komplette Abwicklung, Montage
Wir arbeiten auch unter EX-Bedingungen und führen Reparaturen, Montagen sowie komplette Sanierungen durch.

Meldungen zur Nutzung von (Ab)wärme

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Meldungen 2009 Meldungen 2010 Meldungen 2011 Meldungen 2012
Meldungen 2013 Meldungen 2014 Meldungen 2015 Meldungen 2016
Meldungen 2021 Meldungen 2022    

März 2023
Zum Beitrag „Die Faulung als Wärmespeicher – Ganzheitliche Wärmenutzungdurch saisonale Anpassung der Faulraumtemperatur“, Korrespondenz Abwasser, Abfall 2022, 69 (12), 1028–1036,ging ein Leserbrief ein
Februar 2023
Universität der Bundeswehr München: Die Faulung als Wärmespeicher

 


Zum Beitrag „Die Faulung als Wärmespeicher – Ganzheitliche Wärmenutzungdurch saisonale Anpassung der Faulraumtemperatur“, Korrespondenz Abwasser, Abfall 2022, 69 (12), 1028–1036,ging ein Leserbrief ein

Kommt jetzt die Wärmewende im Faulturm?„(…) die Betrachtung der Effizienz derWärmenutzung spielt oftmals immer noch eine untergeordnete Rolle“. Diese treffende Feststellung aus der Einleitung des Artikels darf man uneingeschränkt auf die Wärmeerzeugung erweitern. Es wäre sinnvoll gewesen, den Ursachen dieser seit Jahren bestehenden Misere mit dem dafür geeigneten Besteck endlich auf den Grund zu gehen. Stattdessen haben die Autoren das Schweizer Messer herausgeholt und priorisieren „Konzepte mit einer ganzheitlichen Wärmenutzung“. Wie will man denn übergeordnete Konzepte entwickeln, wenn man das (dynamische) Systemverhalten weder analysiert noch verstanden hat. Zugegebenermaßen bedarf es neben den thermodynamischen Grundlagenund dem nicht ganz einfachen Fachwissen in der Heizungstechnik einer Menge Erfahrung auf möglichst vielen unterschiedlichen Kläranlagen, um sich einen Einblick in die Materie…mehr:

Autor:
Dr.-Ing. Gerhard Seibert-Erling
Geschäftsführer der setacon GmbH,
Frechen

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Universität der Bundeswehr München: Die Faulung als Wärmespeicher

Die Flexibilisierung der Faulraumtemperatur ermöglicht den Betrieb der Faulung als Wärmespeicher, um die sonst bei konstanten Faulraumtemperaturen saisonal auftretenden Wärmeüberschüsse zwischen zu speichern und Wärmedefizite zu kompensieren. Damit kann die Faulung zu einem ganzheitlichen Energiemanagement auf Kläranlagen beitragen. Die energetische Beurteilung dieses angepassten Betriebs wird auf Basis einer theoretischen Betrachtung für eine Modellkläranlage mit 500.000 EW aufgezeigt. Zusätzliche Auswertungen von drei großtechnischen Kläranlagen in Deutschland sowie ergänzende halbtechnische Versuche zeigen das Potenzial des Betriebs der Faulung als saisonaler Wärmespeicher im Bereich zwischen 33°C und 53 °C unter Beibehaltung der Prozessstabilität.

Die aktuelle Veröffentlichung steht hier zur Verfügung.
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall, Vol. 69, Nr. 12, S. 1028-1036, 2022

Bettina Steiniger, Christian Hubert, Markus Spallek, Martin Michel, Jörg Stanzel, Christian Schaum

Die Faulung als Wärmespeicher – Ganzheitliche Wärmenutzung durch saisonale Anpassung der Faulraumtemperatur

https://www.unibw.de/wasserwesen/swa/aktuelle-nachrichten/waermespeicher-1

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Großer Kanalwärmetauscher geht in Berlin in Betrieb

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E.ON, SIGNA Real Estate und die Berliner Wasserbetriebe starten am Ostbahnhof die Energiewende von unten: Aus der ehemaligen „Galeria Kaufhof“-Filiale in der Berliner Koppenstraße ist ein modernes Bürogebäude (50.000 m²) entstanden, das jetzt nachhaltig mit Wärme und Kälte aus Abwasser versorgt wird. Möglich macht dies ein 200 Meter langer Wärmetauscher im Abwasserkanal neben dem Gebäude.

„So decken wir nachhaltig etwa 50 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs des Gebäudes und sparen rund 400 Tonnen CO2 ein. Diese Energieanlage mitten in Berlin ist ein Paradebeispiel für die effiziente Nutzung von lokalen Energiequellen“, sagt Nikolaus Meyer, Head of Solution Development bei E.ON.

„Mit unseren Projekten wollen wir unseren Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten und planen unsere Projekte konsequent im Hinblick auf ihre ökologische Nachhaltigkeit“, sagt Reiner Müller, Head of Project Development bei SIGNA Real Estate. „Durch die Beibehaltung der Bestandsstruktur und dem Einsatz modernster Wärme- und Kühltechnik erreichen wir beim UP! eine hervorragende CO2-Bilanz.“

Wärmeversorgung von zentraler Bedeutung für Energiewende
Die Wärmeversorgung von Städten ist ein zentraler Hebel zur Erreichung der Klimaziele und damit für eine gelungene Energiewende. Ein Großteil der Endenergie in Deutschland, knapp 1.220 Terrawattstunden (TWh), wird im Wärmesektor verbraucht. Aber nur 15 Prozent der benötigten Energie stammt bislang aus erneuerbaren Quellen. Allein in Deutschland könnte aus Abwasser gewonnene Energie rechnerisch 14 Prozent des Wärmebedarfs im Gebäudesektor abdecken und für die Kühlung gleichermaßen genutzt werden.

„Abwasserwärme ist ein Baustein der Energiewende im Wärmesektor in Berlin. Der innovative Potenzialatlas der Wasserbetriebe zeigt, dass 586 km des Kanal- und Abwasserdruckleitungsnetzes in Berlin geeignet sind, diese Technik zu nutzen“, sagt Alexander Schitkowsky, Projektleiter der Berliner Wasserbetriebe. „Diesen Schatz wollen wir heben und gemeinsam mit Partnern wie E.ON und Signa entwickeln.“

Die Kanalisation als stets gefüllter Wärmespeicher
Abwasser hat eine ganzjährig konstante Temperatur von bis zu 20°C. Diese Wärme wird normalerweise ungenutzt ins umgebende Erdreich abgegeben. Anders in der Koppenstraße: Hier wird für die Wärme- und Kälteversorgung des Bürogebäudes ein 100 Jahre alter Freispiegelkanal mit einem Durchmesser von zwei Metern genutzt. Dieser ermöglicht eine Entzugsleistung von mehr als 600 Kilowatt (kW). Ein Edelstahlwärmetauscher entzieht dem Abwasser die vorhandene Wärme. Über eine Großwärmepumpe wird die Temperatur der gewonnenen Wärme erhöht und das Gebäude beheizt. Im Sommer wird das Prinzip umgekehrt und der Kanal kann als effiziente Kältequelle genutzt werden. Darüber hinaus werden ein Blockheizkraftwerk zur hocheffizienten und günstigen Versorgung mit Strom, eine Kälteanlage sowie ein Gasbrennwertkessel eingesetzt.

Kostenstabilisierung im Kontext künftiger Gebäudestandards und zunehmender CO2-Kosten
Neben steigenden Ansprüchen an Umwelt- und Energieversorgungsstandards müssen städtebauliche Lösungen auch kostenstabil bleiben. Die Energieversorgungslösung mit dem Abwasserwärmetauscher ist so günstig wie eine herkömmliche Lösung mit fossil erzeugter Fernwärme. Eine dezentrale, platzsparende Energieversorgung aus Abwasser ermöglicht nachhaltige Wärme und Kälte mitten in der Stadt, wo der Platz für Wind- und Solarenergie meist begrenzt ist.

https://gwf-wasser.de/produkte-und-verfahren/energie-grosser-kanalwaermetauscher-geht-in-berlin-in-betrieb/

Autor:
Finn Gidion

Quelle:
EON