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Räuberische Bakterien

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Auch Mikroben werden krank: In tiefen Sedimenten werden sie zum Opfer winziger Bakterien.

Winzige, räuberische Bakterien fallen über Mikroorganismen her. Diese Ultramikrobakterien sind beispielsweise in Kläranlagen und im Meeresboden weit verbreitet. Das zeigen Forschende des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen, ihre Ergebnisse stellen sie jetzt in der Zeitschrift Applied and Environmental Microbiology vor.

Den meisten Menschen sind Mikroben eher als Krankmacher und nicht als Opfer von Infektionen bekannt. Doch tatsächlich können auch sie Opfer von Bakterien werden, die sie krank machen und sogar fressen. Ein solches räuberisches Bakterium beschreibt nun der Bremer Forscher Jens Harder mit seinem Team vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie.

Der Täter: Lange undercover
Seit über zwanzig Jahren leben die räuberischen Bakterien schon weitgehend unbemerkt im Labor von Jens Harder am Bremer Max-Planck-Institut in einer sogenannten Anreicherungskultur. Sie leben davon, Limonen – den Duftstoff von Orangen – zu Methan umzuwandeln. Die Bakterien stammen ursprünglich aus dem Faulturm der Kläranlage in Osterholz-Scharmbeck. „Wir haben die neue Mikrobe Velamenicoccus archaeovorus genannt”, so Harder. „Es handelt sich dabei um ein Ultramikrobakterium – also einen besonders winzigen Vertreter aus der Welt der Mikroben, der nur 200 bis 300 Nanometer groß und damit im normalen Mikroskop unsichtbar ist.“ Zum Vergleich: Ein Mensch ist fast zwei Milliarden Nanometer groß. Ein paar Geheimnisse dieser winzigen Bakterien konnten nun gelüftet werden.

Das Opfer: Wichtig für die Biogasherstellung
Auch die zweite Hauptperson dieser Geschichte, das Opfer, finden wir in Kläranlagen: Methanosaeta, eine der häufigsten Mikroben der Welt, spielt dort eine entscheidende Rolle. Diese Archaee ist in Kläranlagen hauptsächlich für die Biogasherstellung verantwortlich. Zellen von Methanosaeta leben aneinandergereiht in einem schützenden Schlauch, einem Filament. Harder und sein Team konnten nun in Untersuchungen mit besonderen Farbstoffen und einem Spezialmikroskop nachweisen, dass einzelne Zellen in den Methanosaeta-Filamenten krank oder tot waren. Sie waren erschlafft und enthielten weder ribosomale Nukleinsäuren noch Erbgut – typische Bestandteile lebender Mikrobenzellen. Die Zellen waren vermutlich den Ultramikrobakterien zum Opfer gefallen: „Die Krankheitsverursacher sind aller Wahrscheinlichkeit nach anhaftende Bakterien, und diese anhaftenden Bakterien sind Velamenicoccus archaeovorus-Zellen“, erklärt Harder.

Die Tatwaffe? Ein riesiges Eiweiß
„Velamenicoccus archaeovorus ist keine Unbekannte“, so Harder weiter. „Wir kennen Teile des Erbguts aus tiefen Sedimenten und anderen sauerstofffreien Lebensräumen. Was sie da tut, war aber bislang nicht bekannt.“ Nun konnten die Forschenden des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie das Erbgut dieses Ultramikrobakteriums entschlüsseln und seine Eiweiße identifizieren und dadurch einige Geheimnisse des winzigen Räubers lüften. Besonders bemerkenswert ist ein auffallend großes Gen. „Während Proteine, wie wir die Eiweiße wissenschaftlich nennen, durchschnittlich aus 333 Aminosäuren bestehen, kodiert dieses Gen ein Protein mit 39678 Aminosäuren“, erklärt Harder. Damit wäre es eines der größten bekannten Proteine. Es wird in die Zellwand eingebaut und enthält auf seiner Oberfläche Proteinbereiche mit Enzymfunktionen, die ihm die Auflösung von Zellen ermöglichen. Hier liegt also vermutlich das tödliche Geheimnis von Velamenicoccus.

Ökologisch bedeutsam in tiefen Sedimenten?
Die Erkenntnis, dass wir es hier mit einem so „gefährlichen“ Bakterium zu tun haben, erlaubt auch einen neuen Blick auf eine ökologische Frage: Sedimente stecken voller Mikroorganismen, aber ihre Zahl nimmt mit zunehmender Tiefe ab. Je tiefer man kommt, desto weniger Zellen findet man. Bislang vermutete man, dass fortschreitendes Absterben von Zellen die Ursache ist. Nun eröffnet sich eine andere Möglichkeit: Mikroorganismen nutzen andere Mikroorganismen als Nahrungsquelle, und weil das nicht besonders effizient ist, geht das organische Material zusehends als Kohlendioxid und Methan verloren. „Ultramikrobakterien spielen demnach in Sedimenten eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung und Wiederverwertung von Biomasse und bewirken insgesamt eine Verringerung der Biomasse mit der Tiefe“, schließt Harder.

Übrigens: Velamenicoccus archaeovorus, die archaeenfressende Mikrobe, gehört zum Stamm der Omnitrophica – auf Deutsch der Allesfresser. Die Erkenntnis, dass sie als Räuber leben, zeigt jetzt erstmals, dass diese Bezeichnung wirklich zutreffend ist.

Beteiligte Institutionen
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen, Deutschland
Electron Microscopy Core Facility, EMBL Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
Institut für Chemie und Biologie des Meeres, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Abteilung für Pharmazeutische Biotechnologie, Institut für Pharmazie, Universität Greifswald, Deutschland
Max Planck Genome centre Cologne, Köln, Deutschland

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Jens Harder
Abteilung Molekulare Ökologie
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen
Telefon: +49 421 2028-7020
E-Mail: jharder@mpi-bremen.de

Dr. Fanni Aspetsberger
Pressereferentin
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen
Telefon: +49 421 2028-9470
E-Mail: presse@mpi-bremen.de
Dr. Fanni Aspetsberger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie 

https://idw-online.de/de/news790648

Unser Abwasser: Giftcocktail oder Goldgrube?

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Durch die Adern der Städte rauscht ein toxischer Cocktail: unser Abwasser. Doch in der stinkenden Brühe verstecken sich Schätze, deren Bergung helfen könnten, unser Leben gesünder zu gestalten. Doch was genau steckt eigentlich im Abwasser, welche Giftstoffe, welche Informationen? Wissenschaftler vermessen die Abwässer von Berlin und Paris in noch nie gekannter Dimension.

Eine Gruppe von Forschern ist unterwegs im größten Klärwerk Europas – der Kläranlage Achères nordwestlich von Paris. Hier werden 80 Prozent der Pariser Abwässer gereinigt. Tausend Kilometer nordöstlich, vor den Toren Berlins, spielt sich zur gleichen Zeit eine ganz ähnliche Szene ab: Auch hier begibt sich ein Team renommierter Forscher auf Spurensuche in der Kloake. Mit erstaunlichen Ergebnissen.
Der Nachweis von Spurenstoffen im Abwasser hilft, mehr über eine Bevölkerung zu erfahren: welche Drogen Menschen konsumieren und welchen Chemikalien sie ausgesetzt sind. Mit den gleichen Analysemitteln heftet sich das Bundeskriminalamt auf die Spuren von Drogen- und Sprengstofflaboren. Für diese Dokumentation gewähren die Fahnder einen Einblick in die relativ neue kriminalistische Methode.
Und auch die Ausbreitung von Viren lässt sich anhand des Abwassers nachverfolgen. Eines der ersten Abwassermonitorings für SARS-CoV-2 führte die Stadt Paris ein. Diese Dokumentation trifft einen der leitenden Wissenschaftler des Projekts.

https://www.arte.tv/de/videos/104835-000-A/unser-abwasser-giftcocktail-oder-goldgrube/

Startup verwandelt Klärschlamm zu Putzmittel

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Direkt neben der Kläranlage von Budapest stellt der aus Indien stammende Unternehmer Sunny Bhasin unter der Marke „Cycle“ seine recycelten Reinigungsprodukte her. Die Standortwahl neben einem Klärwerk kommt dabei nicht von ungefähr. Die Putzmittel von Cycle werden aus Biomasse hergestellt, einem Beiprodukt von Kläranlagen.

Aus dem Klärschlamm werden biologische Essigsäuren destilliert, die den Putzmitteln ihre Reinigungskraft verleihen. Einzige Zusatzstoffe…mehr:

Cycle: Startup verwandelt Klärschlamm zu Putzmittel

Abwasserwiederverwendung – der Weg aus der weltweiten Wasserknappheit?

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In großen Teilen der Welt wird Wasser aus Grund- oder Oberflächengewässern gewonnen, um den Wasserbedarf der Bevölkerung zu decken. Diese Wasserressourcen stehen jedoch nicht unbegrenzt zur Verfügung. Der steigende Bedarf an Wasser ist mit der zunehmenden Bevölkerungszahl und der damit einhergehenden steigenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Energie und Industrieprodukten zu erklären. Außerdem nehmen zusätzlich Dürrephasen klimawandelbedingt immer weiter zu. Es ist deshalb dringend notwendig, die bisherigen Wassermanagementansätze zu überdenken. Ein Projekt zur Abwasserwiederverwendung an der Hochschule Hof nimmt sich dieser Problematik an.

Besonders für die Landwirtschaft haben die Zeiträume mit Wasserknappheit negative Auswirkungen. Da durch den Mangel an Wasser das Pflanzenwachstum eingeschränkt ist, ist die Ertragssicherheit gefährdet. Um ein nachhaltiges Wassermanagement in allen Lebensbereichen zu gewährleisten, rückt deshalb die Abwasserwiederverwendung immer weiter in den Fokus. „Abwasserwiederverwendung bedeutet, dass Abwasser so aufbereitet wird, dass es an den späteren Nutzen und dem daraus resultierenden Qualitätsanspruch angepasst sein muss“, sagt Prof. Günter Müller-Czygan, Stiftungsprofessor an der Hochschule Hof und Leiter der Forschungsgruppe „Wasserinfrastruktur und Digitalisierung“.

Kommunales Abwasser für Abwasserwiederverwendung interessant
Da kommunales Abwasser mengenmäßig die größte zur Verfügung stehende Wasserquelle ist, sie gleichzeitig aber stets stark verschmutzt ist, muss moderne Technik zum Einsatz kommen. Diese macht es heutzutage möglich, dass wiederaufbereitetes Abwasser eine deutlich höhere Qualität aufweist als manch eine „natürliche“ Wasserquelle. „Die Aufbereitung des Wassers von kommunalen Quellen ist mittlerweile meist unkompliziert, aber je nach Verschmutzungsgrad technisch aufwendig und kostenintensiv“, so Prof. Günter Müller-Czygan. Technologien und notwendige Systeme sind aber verfügbar und bereits etabliert. Die Nutzung dieser Wasserquelle bietet somit erhebliche Vorteile: Neben der Schonung und damit nachhaltigeren Nutzung natürlicher Wasserressourcen sind durch die Aufbereitungsschritte auch der Eintrag von Schadstoffen in die Umwelt geringer und Temperaturveränderungen und Versalzung, die ebenfalls für einen gestörten Stoffhaushalt von Gewässern verantwortlich sein können, können minimiert werden. „Die Nutzung von wiederaufbereitetem Abwasser könnte also ein wirksamer Lösungsbaustein für die zunehmende Wasserknappheit darstellen“, so der Forschungsgruppenleiter.

Abwasserwiederverwendung scheitert nicht an Technik, sondern an Akzeptanz
Ziel des Vorhabens FlexTreat (Flexible and reliable concepts for sustainable water reuse in agriculture) an der Hochschule Hof ist es daher, durch die Entwicklung und Demonstration flexibler und an die landwirtschaftlichen Bedürfnisse angepasster technischer und naturnaher Aufbereitungssysteme die sichere Abwasserwiederverwendung in der Landwirtschaft zu fördern. „Viele Projekte zur Abwasserwiederverwendung scheitern aber nicht an Fragen zur Aufbereitungstechnik, sondern am Mangel eines rechtlichen Rahmens sowie an der Akzeptanz auf Nutzerseite“, erklärt Prof. Müller-Czygan.

International etabliert – in Deutschland noch in den Kinderschuhen
International ist die Abwasserwiederverwendung bereits etabliert und wird vielfach eingesetzt. In Deutschland hemmen unterschiedliche Rahmenbedingungen, fehlendes Wissen oder nicht bekannte Erwartungshaltungen auf Nutzerseite deren möglichen Einsatz. Ein konstruktiver Austausch zwischen Wasseranbietern, Behörden und Nutzern wie zum Beispiel Landwirten und Anwohnern ist für die Akzeptanz einer Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser zwingend notwendig. „Die Darstellung der Nutzervorteile wie auch die Sicherstellung eines geeigneten Risikomanagements inkl. Monitoring spielen hier eine wichtige Rolle. Vor dem Hintergrund des sich vollziehenden Klimawandels und einer zu erwartenden Verringerung der Wasserverfügbarkeit ist für die Abwasserwiederverwendung zukünftig eine erhöhte Akzeptanz notwendig. Diese stellt sich allerdings nicht von selbst ein, sondern ist neben der Bereitstellung ausgereifter Technik auch das Ergebnis einer zielgerichteten Kommunikation und Informationspolitik“, so Stiftungsprofessor Müller-Czygan. Um Maßnahmen zur Akzeptanzerhöhung definieren zu können, übernimmt die Forschungsgruppe „Wasserinfrastruktur und Digitalisierung“ als Unterauftragnehmer der Pegasys Gesellschaft für Automation und Datensysteme mbH die Akzeptanzuntersuchung im Projekt FlexTreat.

Die Akzeptanz für wiederaufbereitetes Wasser von Emotionen abhängig
Allgemein ist die Akzeptanz in der Bevölkerung von verschiedenen Faktoren abhängig, die regional und kulturell sehr unterschiedlich sind. Somit lassen sich keine generellen Schlüsse ziehen. Jeder Einzelfall müsste zu Beginn auf die verschiedenen Faktoren überprüft werden. Je häufiger die Wiederverwendung in Zukunft erfolgt, desto eher werden sich allgemein übertragbare Akzeptanzmuster finden und übertragen lassen. In der internationalen Literatur gibt es bereits identifizierte und wissenschaftlich abgesicherte Faktoren, die häufig als Grund für eine ablehnende Haltung gegenüber wiederaufbereitetem Wasser genannt wurden. Deren Übertragbarkeit auf Deutschland werden wir prüfen“, erklärt Dr. Julia Frank, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe „Wasserinfrastruktur und Digitalisierung“.Sie ist für die Durchführung des Projektes verantwortlich.

Der „yuck factor“
Hier sind soziotechnische, demographische, psychologische, ökologische, ökonomische und kulturelle Faktoren zu nennen, die die Akzeptanz für die Abwasserwiederverwendung beeinflussen. Der bestuntersuchte Faktor ist psychologischer Natur, und wird in der Literatur als „yuck factor“ bezeichnet. Er drückt den Grad der Ablehnung, bzw. des Ekels aus, und geht mit einer geringen Akzeptanz einher. „Der Grad der Ablehnung wird mit einem vermeintlichen persönlichen Gesundheitsrisiko in Verbindung gebracht“, so Frank.

Die kulturelle Prägung erschwert die Übertragbarkeit von regionalen Studien
Aber auch Faktoren wie Alter, Erziehung, Religionszugehörigkeit, Einstellung zum Umweltschutz oder auch das Vertrauen in die Politik spielen beim Thema Abwasserwiederverwendung eine große Rolle. Sie sind so individuell, kulturell und regional unterschiedlich, so dass Studien nur beim „yuck factor“ einen klaren Zusammenhang mit der Akzeptanz erkennen lassen. Bei den Strategien, die Akzeptanz in der Bevölkerung hinsichtlich des Themas Abwasserwiederverwendung zu erhöhen, werden meist Aufklärungskampagnen durchgeführt. In der Bevölkerung fehlt häufig das Wissen generell um die Abwasserreinigung und das Thema ist ohne ausreichend Hintergrundwissen umso emotionaler behaftet. Wichtig in diesem Zusammenhang ist hier, die Bevölkerung über den Prozess der Abwasserreinigung zu informieren. Die Terminologie, die in Informationsveranstaltungen oder Aufklärungskampagnen verwendet wird, ist dabei wichtig zu beachten. Um die Voraussetzungen für eine hohe Nutzerakzeptanz zu schaffen, bedarf es eigener Untersuchungen und eines gezielten Stakeholder-Dialogs auf regionaler Ebene. Genau dafür legt die Forschungsgruppe „Wasserinfrastruktur und Digitalisierung“ mit ihrer Forschung in FlexTreat den Grundstein.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Günter Müller-Czygan
Ingenieurwissenschaften
Umweltingenieurwesen

Hochschule Hof
Alfons-Goppel-Platz 1
95028 Hof
Fon: +49 (0) 9281 / 409 4683
E-Mail: guenter.mueller-czygan@hof-university.de

Rainer Krauß Hochschulkommunikation
Hochschule Hof – University of Applied Sciences

Zurück in den Kreislauf: Menschlicher Urin wird zu Recyclingdünger für Berliner Gemeinschaftsgärten

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„Urban Cycles“, ein Citizen Science Projekt zu nachhaltiger Düngung mit urinbasiertem Recyclingdünger in Berliner Gemeinschaftsgärten, ist als eine von 15 partizipativen Projektideen im Hochschulwettbewerb ausgezeichnet worden.
In teilnehmenden Berliner Gemeinschaftsgärten wird ein Recyclingdünger aus künstlichem Urin getestet – das Besondere daran ist, dass die Experimente von den Gärtnernden selbst durchgeführt und die Ergebnisse gemeinsam mit Forschenden ausgewertet werden. Ziel des Projekts ist es, Gärtnernden interaktiv Wissen zu nachhaltiger Düngung zu vermitteln und sie partizipativ in den wissenschaftlichen Prozess und gesellschaftspolitischen Dialog zu Recyclingdüngern einzubinden.

Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) im Rahmen des Wissenschaftsjahres ausgerufen. In diesem Jahr lautet das Thema „Nachgefragt“ und passend dazu wurden 15 partizipative Projektideen ausgezeichnet. Zu den diesjährigen Gewinner*innen gehört auch das Projekt „Urban Cycles: ein Citizen Science Projekt zu nachhaltiger Düngung mit urinbasierten Recyclingdüngern in Berliner Gemeinschaftsgärten“, koordiniert vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in Großbeeren.

Für die sozial-ökologische Transformation ist eine zirkuläre Betrachtung der Dünger- und Nahrungsproduktion zentral. Eine wichtige Nährstoffressource ist menschlicher Urin, der sich in einen sicheren, schadstofffreien und wirksamen Recyclingdünger umwandeln lässt. Im Projekt „Urban Cycles“ soll in Berliner Gemeinschaftsgärten ein Recyclingdünger aus künstlichem Urin getestet werden. Den teilnehmenden Gemeinschaftsgärten wird dafür kostenlos der vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) entwickelte C.R.O.P®-Dünger (Combined Regenerative Organic Food Production) zur Verfügung gestellt. Der neue Recyclingdünger stammt aus Forschungsanlage des DLR, die aktuell noch mit künstlichem Urin betrieben werden. Die Gärtner*innen führen dann mit dem C.R.O.P®-Dünger selbst Experimente durch und dokumentieren ihre Ergebnisse. In Dialogrunden werten sie ihre Beobachtungen gemeinsam mit Forschenden aus. Ziel des Projekts ist es, Gärtner*innen interaktiv Wissen zu nachhaltiger Düngung zu vermitteln und sie partizipativ in den wissenschaftlichen Prozess und gesellschaftspolitischen Dialog zu Recyclingdüngern einzubinden. Durch offene Formate und das Prinzip “von Gärtnernden für Gärtnernde” soll das gemeinsam erarbeitete Wissen möglichst vielen weiteren Interessierten zugänglich gemacht werden.

Das „Urban Cycles“-Projektteam am IGZ ist eine Kooperation zwischen der Forschungsgruppe „Gartenbausysteme der Zukunft“ und dem Wissenschaftsmanagement. Unterstützt wird das Projekt außerdem vom DLR in Köln.
Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) in Kooperation mit dem Bundesverband Hochschulkommunikation und der Hochschulrektorenkonferenz ausgerufen und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahres gefördert. Im Hochschulwettbewerb 2022 – Wissenschaftsjahr „Nachgefragt!“ laden junge Forschende Bürger*innen dazu ein, sich aktiv am Forschungsprozess zu beteiligen und gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Aus 270 Einreichungen hat die Jury nun die besten 15 Projektideen gekürt. Die Gewinnerteams erhalten jeweils 10.000 Euro, um damit bis Ende des Jahres ihre Ideen in die Praxis umzusetzen.

Für das Urban Cycles-Projektteam und die 14 andere Gewinner*innenteams geht es nun direkt weiter: Im März nehmen sie an einem Auftakt-Workshop von Wissenschaft im Dialog zum Thema Wissenschaftskommunikation teil, im Laufe des Jahres folgen weitere Schulungen und Veranstaltungen, bei denen sich die Teams auch untereinander vernetzen können.
Die Fortschritte, Erfahrungen und Ergebnisse des Projekts können über die Projektwebsite, die sozialen Medien und den Blog des Hochschulwettbewerbs verfolgt werden. Genaue Einzelheiten dazu werden in einer separaten Pressemitteilung bekannt gegeben, sobald das Projektteam die ersten Schritte unternommen hat.

Ine Haesaert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ)

Weitere Informationen:
https://www.igzev.de/aktuelles/aktuelles/neuigkeiten/ Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) e.V.
http://www.dlr.de Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) e.V.
http://www.wissenschaft-im-dialog.de/projekte/hochschulwettbewerb-mitforschen-er… Wissenschaft im Dialog: Hochschulwettbewerb 2022 – Die Gewinner*innen
http://www.hochschulwettbewerb.net/2022 Hochschulwettbewerb: Blog

https://idw-online.de/de/news788920

Meldungen zu Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlamm

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Sachsen-Anhalt fördert innovative Anlage zur Phosphor-Rückgewinnung in Schkopau

Die Phosphorgewinnung Schkopau GmbH (PGS) erhält vom Umweltministerium Sachsen-Anhalt eine Förderung über 27,1 Mio. € für den Bau der ersten Phosphorrückgewinnungsanlage nach dem Ash2Phos-Verfahren. Die PGS ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Partner EasyMining und Gelsenwasser. Die Gesamtinvestition für die Anlage liegt im hohen zweistelligen Millionenbereich, die Anlage soll Anfang 2027 in Betrieb gehen. Das Ash2Phos-Verfahren stellt einen Paradigmenwechsel in der Technologie zur Phosphorrückgewinnung dar: Die umweltschonende, nachhaltige und effiziente Kreislaufführung steht dabei im Vordergrund.

mehr: https://www.gelsenwasser.de/foerderung-einer-anlage-zur-phosphor-rueckgewinnung-in-schkopau

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Phosphor-Rückgewinnung: Kiel wird Pilotregion

Ab 2029 müssen große Kläranlagen ein Verfahren für Phosphorrecyling haben. Die Zeit drängt also, zumal viele technische Fragen offen sind. Das Kieler Projekt hat jetzt ein hohe Förderung erhalten.

Die Klärschlammverordnung schreibt ab 2029 schrittweise die Phosphor-Rückgewinnung vor. Für alle Kläranlagen mit einer Anschlussgröße von mehr als 100.000 Einwohnern gilt die Verpflichtung schon ab 2029, bei mehr als 50.000 Einwohnern ist ab 2032 keine landwirtschaftliche Verwertung mehr möglich.

Kleinere Kläranlagen dürfen weiterhin ihren Klärschlamm landwirtschaftlich verwerten, wenn sie die Grenzwerte aus dem Düngemittelrecht und der Klärschlammverordnung einhalten. Die Kläranlage in Kiel mit 365.000 Einwohnerwerten gehört in die erste Kategorie und muss deshalb bis 2029 eine Lösung für das Phosphorrecycling etablieren.

mehr: https://www.zfk.de/wasser-abwasser/abwasser/phosphor-rueckgewinnung-kiel-wird-pilotregion

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16. VDI-Fachkonferenz Klärschlammbehandlung

Die VDI-Fachkonferenz „Klärschlammbehandlung“ findet im Jahr 2025 zum 16. Mal statt. Die Veranstaltung findet vom 10. – 11. September 2025 in Bad Soden statt.

Die Fachkonferenz wird fachlich von Prof. Dr.-Ing. Markus Grömping, Fachhochschule Aachen und Dr. Daniel Frank, Inhaber, daniel frank communications, Frankfurt geleitet. Die DPP unterstützt die Veranstaltung als Kooperationspartner.

Neben gesetzlichen Neuerungen werden technische Lösungen für die mechanische und thermische Behandlung von Klärschlämmen vorgestellt. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Gewinnung und Nutzung von Wertstoffen aus Schlammwasser, entwässertem Klärschlamm oder Klärschlammaschen, unter anderem Stickstoff, aber im Besonderen die Ressource Phosphor. Die praktische Umsetzung der Regelungen aus der Klärschlamm- und Düngemittelverordnung stehen im Mittelpunkt der Klärschlamm-Konferenz. Für die Teilnehmenden ist in jedem Jahr eine Anlagenbesichtigung geplant.

mehr: https://www.deutsche-phosphor-plattform.de/jetzt-anmelden-16-vdi-fachkonferenz-klaerschlammbehandlung/

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EEW weiht Monoverbrennungsanlage für Klärschlamm in Stavenhagen ein

Die EEW Energy from Waste GmbH (EEW) hat am Standort Stavenhagen ihre neue Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage (KVA) eingeweiht. Damit hat das Helmstedter Unternehmen die dritte von fünf genehmigten KVA in Betrieb genommen. Zur Einweihung seien neben Vertretern kommunaler Partner, beteiligter Behörden und Unternehmen auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) gekommen, teilte EEW mit.

mehr: https://www.euwid-recycling.de/news/wirtschaft/eew-weiht-monoverbrennungsanlage-fuer-klaerschlamm-in-stavenhagen-ein-090525/

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Rechtsgutachten legt fundierte Kriterien für Abfallende von Phosphorrezyklaten vor

Das Abfallende von Phosphorrezyklaten hängt primär vom konkreten Einsatzzweck und der Einhaltung des einschlägigen Produktrechts ab. Während die Verwendung als Düngemittel durch die EU-Düngeprodukteverordnung bereits umfassend geregelt ist, fehlt für industrielle Anwendungen bislang ein vergleichbar klarer Rechtsrahmen. Genau hier sieht ein aktuelles Rechtsgutachten weiteren gesetzgeberischen Handlungsbedarf, insbesondere in Form spezifischer Abfallendekriterien jenseits des Düngemittelrechts.

mehr: https://www.euwid-wasser.de/news/politik/rechtsgutachten-legt-fundierte-kriterien-fuer-abfallende-von-phosphorrezyklaten-vor-020525/

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Rechtsgutachten zur Frage des Endes der Abfalleigenschaft von Phosphorrezyklaten

Das Gutachten wurde im Rahmen der Fördermaßnahme RePhoR von KOPP-ASSENMACHER Rechtsanwälten angefertigt und analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Übergang von Phosphorrezyklaten aus der Abfalleigenschaft hin zum Produktstatus regeln. Es beleuchtet die gesamte Rückgewinnungs- und Verwertungskette und geht insbesondere auf die spezifischen Anforderungen ein, die sich aus der EU-Düngemittelverordnung ergeben. Ein weiterer Fokus liegt auf industriellen Anwendungen von Phosphorrezyklaten, für die aktuell keine einheitlichen Regelungen existieren. Das Gutachten zeigt den bestehenden Forschungs- und Gesetzgebungsbedarf auf, um das Recycling von Phosphor weiter voranzutreiben und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.

zum pdf: https://www.bmbf-rephor.de/wp-content/uploads/2024/10/Rechtsgutachten_Abfallende_Phosphorrezyklat.pdf

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Klärwerk virtuell

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Virtueller Rundgang durch ein Klärwerk.

In einem Pilotprojekt wurde ein virtueller Schulausflug zu einem Klärwerk erstellt. Eine weitere Möglichkeit das Thema z.B. in der Schule oder Ausbildung etwas näher zu bringen.

Eine spannende Sache, die nicht nur für Schüler faszinierend ist!
Probieren Sie die vielen Möglichkeiten der Darstellung aus und sehen Sie sich die Kläranlagenteile aus den verschiedenen Blickwinkeln an. Lassen Sie sich durch die Panoramabilder von der Kläranlage Ulm-Steinhäule beeindrucken.

https://vr-easy.com/tour/usr/220113-virtuellerschulausflug/#pano=24

Weltwassertag: Grundwasser ist Gewässertyp des Jahres 2022

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Deutschlands wichtigster Trinkwasserspender und Garant für Ökosysteme muss dauerhaft geschützt werden

Der Internationale Tag des Wassers 2022 steht unter dem Motto “Groundwater: Making the Invisible Visible – Unser Grundwasser: der unsichtbare Schatz”. In Deutschland werden rund 70 Prozent des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Unsere Ökosysteme, vor allem die Wälder, sind auf eine ausreichende Menge an Grundwasser angewiesen. Deshalb kürt das Umweltbundesamt „Grundwasser“ zum Gewässertyp des Jahres 2022. Verunreinigungen, zum Beispiel durch Nitrat oder Pflanzenschutzmittel, Klimawandel und Wasserentnahmen gefährden die Qualität und Menge dieses lebenswichtigen Gutes.
 
In den Sommern 2018 und 2019 führten die geringen Niederschläge und die Hitze bei gleichbleibenden und teils steigenden Wasserentnahmen dazu, dass viele Grundwasserspiegel sanken. Das hatte vielerorts große Ertragsverluste in der Landwirtschaft und negative Auswirkungen für die Wälder zur Folge. Deshalb sind Maßnahmen zu ergreifen, um das verfügbare Wasser wieder länger in der Landschaft zu halten und den Landschaftswasserhaushalt zu stabilisieren.

Die Qualität des Grundwassers wird hierzulande insbesondere durch hohe Nitrat- und Pflanzenschutzmittel-Einträge gefährdet. Rund ein Drittel der Grundwasserkörper in Deutschland sind wegen zu hoher Nitratbelastung in einem schlechten chemischen Zustand. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln lassen sich an mehr als jeder zweiten Messstelle nachweisen. Um Grundwasser auch weiterhin ohne teure Aufbereitung als Trinkwasser nutzen zu können, dürfen in Zukunft deutlich weniger Nitrat und Pflanzenschutzmittel ins Grundwasser gelangen.

Auch aus ökologischer Sicht ist das Grundwasser Gewässertyp des Jahres: Der Untergrund ist ein wichtiger nutzbarer Wasserspeicher und Lebensraum, den eine vielfältige Organismengemeinschaft besiedelt. Im Grundwasser erstreckt sich das wohl größte von Süßwasser bestimmte ⁠ Ökosystem ⁠ weltweit. Dabei hat das Grundwasser wichtige Funktionen im globalen Wasserkreislauf. Zum Beispiel leben dort für uns nicht sichtbar zahlreiche Grundwassertiere, die sich in den wassergefüllten Lücken und Klüften des Untergrundes bewegen und diese offen halten und so wichtige Beiträge zur Grundwasserqualität leisten. Auch diese Lebewesen müssen vor Belastungen durch schädliche Chemikalien und durch Temperaturveränderungen geschützt werden.
 
Themenseite zum Gewässertyp des Jahres 2022 – Grundwasser
Scrollytelling: Grundwasser – der unsichtbare Schatz
Kartendienst zum Gewässertyp des Jahres
Radio O-Töne

Quelle: Umweltbundesamt

 

Meldungen zu Labor 2021

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Meldungen 2017 Meldungen 2018 Meldungen 2019 Meldungen 2020
Dezember 2021
Charakterisierung von Legionellen
Corona: INNOVATION IN WATER PURIFICATION
Mikrolabor auf einem Chip: Wasser gerne, aber bitte sauber
Schnelltest auf Legionellen-Befall Legionellen in Wasserleitungen ohne Laboruntersuchung entdecken
November 2021
Hach: Gesamt-Organischer Kohlenstoff
Sicherung der Wasserqualität durch TOC-Überwachung im Ablaufwasser von Abwasseraufbereitungsanlagen
Juli 2021
Eawag: Test mit Fischzellen ersetzt Tierversuche
Januar 2021
Übersichtsstudie zum Einsatz von Biotests zur Beurteilung von Abwässern aus Industrie und Gewerbe
Einsatzgebiete von Prozess-TOC-Systemen

 


Charakterisierung von Legionellen

Molekularbiologische Methoden
In der Praxis werden Legionellen primär mittels kultivierungsbasierter Methoden im Wasser nachgewiesen und quantifiziert. Nun rücken neue Entwicklungen vermehrt auch molekularbiologische Methoden in den Fokus, die bisher vor allem im Forschungskontext eingesetzt wurden. Sie bergen das Potenzial, einige Aspekte der Kultivierungsmethoden zu ergänzen, vervollständigen oder allenfalls sogar zu ersetzen. Zudem ermöglichen molekularbiologische Methoden die Ökologie von Legionellen in Trinkwassersystemen besser zu verstehen. Mehr:

https://www.aquaetgas.ch/wasser/trinkwasser-grundwasser/20211126_ag_charakterisierung-von-legionellen/

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Corona: INNOVATION IN WATER PURIFICATION

The company focuses on innovative filtration systems tailored to the needs of different industries and laboratories. Since the outbreak of the COVID-19 pandemic, we realized that our filtration technology can also contribute to enhance wastewater-based epidemiology. Today, one of the primary aims of inuvai is to support the fight against SARS-CoV-2 and other threats to public health.

Find out who we are and where we come from.

https://www.inuvai.com/

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Mikrolabor auf einem Chip: Wasser gerne, aber bitte sauber

Ein mikrofluidischer Chip nimmt eine Wasserprobe auf, versetzt ihn mit den erforderlichen Chemikalien und befördert ihm zum Ort der Detektion. Wozu das Ganze? Auf diese Weise soll das Wasser vollautomatisiert und mit verschiedenen Parametern analysiert werden und das auch möglichst kostengünstig. Im Projekt MICROCHIP ist aus diesem Vorhaben ein weiterentwickelter Chipprototyp für Wasseranalysegeräte entstanden.

Ob im Wasserwerk, Labor, in einem Schwimmbecken oder aus dem Wasserhahn – wer möchte da nicht eine schnelle und einfache Wasseranalyse zur Hand haben. Mit dem im Projekt MICROCHIP entwickelten mikrofluidischen Lab-on-a-Chip lassen sich Proben aus wenigen Tropfen in kurzer Zeit vollautomatisiert analysieren. Wenn dann auch noch Personal ohne Schulung in die Lage versetzt wird, sechs für die Wasseranalytik relevante Parameter parallel mit einem kostengünstigen Messgerät zu detektieren, spart das zusätzlich Zeit und Kosten. Zudem sind bei dieser Methodik Anwenderfehler ausgeschlossen. Reagenzien können nicht verwechselt werden und die zu dem Verfahren passende Wassermenge ist durch den Chip fest vorgegeben.

Spiegel statt Durchsicht
Der Chip erreicht eine hohe Messgenauigkeit. Dazu verhelfen ihm unter anderem eine verlängerte sogenannte Pfadlänge und ein angepasstes Design, die den Chip kompakt halten. An Stelle einer ursprünglich geplanten Durchsichtlösung setzten die Projektpartner auf eine sogenannte Spiegellösung. Das Re-Design der Hardware mit verschiedenfarbigen LEDs ermöglicht letztlich eine Analytik für das auf Photometrie basierende Messverfahren, bei dem gefärbte Wasserproben ausgewertet werden.

Kreditkartenformat voll mit Technik
Der Chip erreicht letztlich ungefähr die Größe einer Kreditkarte, verbunden mit einer Menge Technik wie eine Elektronikplatine mit photometrischen Sensoren, Ultraschallmischer, Druckreservoirs sowie eine Schlauchpumpe Einschub für den Chip nebst Andruckmechanismus im kleinen Gehäuse untergebracht werden mussten. Im Vergleich zu bisherigen Lösungen ist diese wesentlich kostengünstiger. Die Projektpartner zeigen, dass es möglich ist, multi-Parameter Wasseranalysen in einem Kunststoffchip durchzuführen. Sie verzichten auf aufwendige und teure Technologien wie Blister und Gefriertrocknung. Sie trocknen die Reagenzien stattdessen direkt in Kammern im Kunststoffchip. Mit einer einfachen Schlauchpumpe wird die Messflüssigkeit gezielt durch den Chip dirigiert. Dadurch messen die Sensoren die durch die Reagenzien gefärbte Flüssigkeit in derselben Messkammer wie die zuvor farblose Vergleichsprobe. Hergestellt wird der Chip im Spritzgussverfahren. Damit der Chip nach außen hin auch druckdicht ist, werden die Kanäle im einer schwarzen Ober- und einer transparenten Unterschale mittels Laserstrahlverfahren verschweißt.

Bisherige vergleichbare Systeme für die automatisierte Wasseranalyse nach Zugabe der Wasserprobe in Polymerchips sind entweder zu voluminös, analysieren weniger Parameter parallel. Bereit für eine Massenfertigung ist der im Konsortium entwickelte und umgesetzte Demonstrator zwar noch nicht. Die Ergebnisse der Entwicklung und Tests fließen allerdings bereits bei einem der Projektpartner, der Water-i.d. GmbH, bei der Herstellung von weiteren Wasseranalysegeräten und –Reagenzien mit ein.

Projektinformation
Das Projekt wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen: 01QE1721C) gefördert. Die Arbeiten wurden als EUROSTARS-Verbundvorhaben durchgeführt, welches aus dem deutschen Konsortium unter Führung der WATER-i.d GmbH, mit Beteiligung der Firma 420nm UG, dem Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM sowie der britischen Firma Water Treatment Products Ltd und dem türkischen Partner ENELSA Endüstriyel Elektronik Ins bestand.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM
Rainer Gransee
Carl-Zeiss-Straße 18-20
55129 Mainz
Telefon +49 6131 990-219
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Dr. Stefan Kiesewalter Kommunikation
Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM

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Schnelltest auf Legionellen-Befall Legionellen in Wasserleitungen ohne Laboruntersuchung entdecken

Stehende Wasserleitungen und sommerliche Temperaturen – ideale Brutstätte für das Legionella-Bakterium. Damit ein solcher Bakterienbefall schneller entdeckt werden kann, wird am Bremerhavener Institut für angewandte Molekularbiologie ein Legionellen-Schnelltest …mehr:

https://www.laborpraxis.vogel.de/legionellen-in-wasserleitungen-ohne-laboruntersuchung-entdecken-a-1047903/?cmp=nl-297&uuid=

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Hach: Gesamt-Organischer Kohlenstoff

Was ist der Gesamte Organische Kohlenstoff (Total Organic Carbon) TOC? 
TOC ist ein Summenparameter und gibt die Summe des gesamten organischen Kohlenstoffs in einer Wasserprobe an. Damit ist er ein Maß für die organischen Verbindungen. Diese können entweder gelöst im Wasser vorliegen oder als ungelöste im Wasser suspendierte Partikel auftreten. Organische Masse kann auf natürliche Weise im Wasser enthalten sein oder durch unterschiedliche Prozesse eingetragen werden. Organische Stoffe können von Pflanzen und Tieren stammen oder eben jegliche Art synthetischer organischer Verbindungen sein. Auch anorganische Stoffe können Kohlenstoff enthalten, in aller Regel aber in anderen Bindungsformen.

TOC – Warum messen?
Für die Überwachung und Kontrolle von Wasserströmen in der Wasser- und Abwasseraufbereitung eignet sich vor allem der gesamte organische Kohlenstoff (TOC) als Summenparameter. Er ist ein vielseitiger Überwachungsparameter und ein zuverlässiger Indikator, um Veränderungen in Wasserströmen schnell zu erfassen.

TOC – Wofür die ermittelten Analysewerte?
Mit Hilfe der TOC – Analysewerte können Sie die gesetzlichen Vorgaben zuverlässig einhalten, einen sicheren Betrieb Ihrer Anlagen gewährleisten und neben Kosteneinsparungen Ihre Prozesse effizienter verwalten.

TOC – Welche Vorteile?
Die Messung von TOC ermöglicht Ihnen einerseits einzuhaltende Grenzwerte und die Effizienz Ihrer Abwasserreinigungsanlage zu überwachen, andererseits können Sie auftretende Leckagen feststellen und zeitnah auf Ereignisse reagieren. Produktverluste werden aufgedeckt bzw. können vermieden werden und der Wasserverbrauch wird verringert.

TOC – Online oder im Labor?
Egal ob fürs Labor oder als Online-Messgerät, Hach® bietet Ihnen Lösungen zur Bestimmung von TOC, die den spezifischen Anforderungen aus Labor und Prozess gerecht werden. Nur so gewährleisten Sie eine zuverlässige Überwachung der organischen Fracht und haben Ihren Prozess unter Kontrolle.

https://de.hach.com/parameters/toc

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Sicherung der Wasserqualität durch TOC-Überwachung im Ablaufwasser von Abwasseraufbereitungsanlagen

Problem:
Bei industriellen und kommunalen Abwasseraufbereitungsprozessen kann der Ablaufstrom zahlreiche organische und anorganische Verunreinigungen enthalten. Da der Ablaufstrom in der Regel in die Umwelt eingeleitet wird, muss die Qualität des Ablaufs behördlichen Vorschriften entsprechen, damit hohe Bußgelder und Umweltrisiken
vermieden werden.

Hintergrund:
Der Abwasserablauf ist das Endprodukt vorangegangener Aufbereitungsprozesse. Wenn der Ablauf bestimmten Qualitätsstandards entspricht, kann er in ein Gewässer eingeleitet werden, beispielsweise in Bäche, Flüsse oder Feuchtgebiete.
Seit in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten der Clean Water Act in Kraft trat und die Reinhaltung des Wassers weltweit behördlich geregelt wird, sind die laufenden Anforderungen an die Qualität des Ablaufstroms
und damit an die Abwasseraufbereitungsprozesse sowohl im kommunalen als auch im industriellen Bereich immer strenger geworden. Das bedeutet eine ständige Herausforderung, da aufgrund steigender Bevölkerungszahlen
und industriellen Wachstums mehr Wasser verbraucht wird und mehr Abwasser anfällt. Infolgedessen müssen Nebenprodukte und Verunreinigungen auf immer effizientere Weise entfernt werden, um geltende behördliche Umweltgrenzwerte
einzuhalten.
Der Ablaufstrom von Abwasseraufbereitungsprozessen kann bezüglich des Durchflussvolumens sowie der Art und Menge der Verunreinigungen Unterschiede aufweisen. Abwasser wird durch verschiedene Konzentrationen gekennzeichnet,
die sich aus der Menge der Verunreinigungen im Strom ergeben. Abwasser aus industriellen Prozessen weist in der Regel eine stark schwankende chemische Zusammensetzung auf und hat oft eine hohe Belastung.

Lösung:
Eine Überlastung mit organischen Substanzen kann sich negativ auf die Effizienz des Abwasseraufbereitungsprozesses auswirken. Mithilfe einer zuverlässigen Methode zur Online- Messung, wie sie der Hach® BioTector TOC-Analysator bietet, können die Prozesse in Abwasseraufbereitungsanlagen verfeinert und verbessert werden. Dadurch kann man besser auf eine schwankende Belastung des Ablaufwassers reagieren.

https://desupport.hach.com/app/answers/answer_view/a_id/1021594/~/anwendungsbericht%3A-sicherung-der-wasserqualit%C3%A4t-durch-toc-%C3%9Cberwachung-im

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Eawag: Test mit Fischzellen ersetzt Tierversuche

Die OECD gibt grünes Licht für den an der Eawag entwickelten Fischzelllinientest. Damit ist der Weg frei für Unternehmen und Behörden auf der ganzen Welt, die Umwelttoxizität von Chemikalien zu bestimmen, ohne dabei auf Tierversuche zurückgreifen zu müssen

In Produkten des Alltags, in der Landwirtschaft oder der Industrie kommen eine Vielzahl von Chemikalien zum Einsatz. Viele davon gelangen irgendwann auch in die Umwelt. Damit diese Stoffe für den Markt zugelassen werden dürfen, müssen die Hersteller vorab beweisen können, dass sie für Mensch und Natur unbedenklich sind. Dies geschieht mit Toxizitätstests, bei denen Lebewesen der Wirkung der Chemikalien ausgesetzt werden. Dabei sterben jedes Jahr Tausende Fische, weil an ihnen die Wirkung auf aquatische Wirbeltiere getestet wird.

Dank einem vom Wasserforschungsinstitut Eawag in den letzten Jahren entwickelten Testverfahren dürfte dies bald Vergangenheit sein. Dieser Test, der auf isolierten Kiemenzellen der Regenbogenforelle beruht, wurde jetzt von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als neueste Leitlinie im Bereich der Umwelttoxikologie freigegeben. Damit ist der Weg bereitet für tierversuchsfreie Zulassungsverfahren.

Grosses Interesse der Wirtschaft
Bei dem sogenannten Fischzelllinientest handelt es sich um die weltweit erste Alternative zu Versuchen mit lebenden Fischen. Die neue OECD-Richtlinie ermöglicht es Unternehmen, den Fischzelllinientest für die Produktentwicklung und als Teil der Dossiers für die Chemikalienzulassung einzusetzen. «Es besteht seitens der Industrie ein grosses Interesse an tierversuchsfreien Tests», bestätigt Prof. Kristin Schirmer, Abteilungsleiterin an der Eawag, die zusammen mit Melanie Fischer (ebenfalls Eawag) diese Pionierarbeit federführend vorangetrieben hat. Denn einerseits wachsen die Ansprüche an die Umweltrisikobewertung, andererseits steigt die Anzahl neuer Chemikalien und Produkte, die getestet werden müssen, stetig. Darüber hinaus schont der Fischzelllinientest auch Ressourcen: Die Miniaturisierung durch den Einsatz der Zellen erlaubt, Chemikalien, Wasser und Zeit einzusparen.

«Es besteht seitens der Industrie ein grosses Interesse an tierversuchsfreien Tests.»
Kristin Schirmer

Kristin Schirmer geht davon aus, dass auch die Zulassungsbehörden, so etwa die ECHA in Helsinki oder die US EPA in den USA, den Fischzelllinientest zunehmend als gleichwertigen Ersatz zum regulären Fischtest akzeptieren werden: «Die OECD-Empfehlung war der letzte wichtige Schritt von unserer Seite, nachdem unsere Methode vor zwei Jahren bereits von der ISO zertifiziert wurde. Damit dürfte einem tierversuchsfreien Zulassungsverfahren nichts mehr im Wege stehen».

Damit trägt die Eawag dazu bei, die Toxikologie weiterzuentwickeln und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion von Tierversuchen. Denn für ökotoxikologische Tests wurden im Jahr 2019 allein in der Schweiz Versuche an knapp 8000 Fischen durchgeführt.

Die erste Idee
Dies setzt den Schlusspunkt unter eine lange und intensive Zeit, die Beharrlichkeit und ein unterstützendes Umfeld erforderte. Die Idee zu diesem Testverfahren hatte Schirmer bereits während ihrer Doktorarbeit Mitte der 1990er-Jahre: An der University of Waterloo (CAN) arbeitete sie damals mit exakt der gleichen Zelllinie, auf der die Methode heute noch beruht. Die Zelllinie geht zurück auf Schirmers Doktorvater Niels C. Bols, der die Zellen aus den Kiemen der Regenbogenforelle erstmals isolierte und so kultivierte, dass man sie beliebig oft vermehren kann

https://www.aquaetgas.ch/de/aktuell/branchen-news/20210625_eawag-test-mit-fischzellen-ersetzt-tierversuche/

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Übersichtsstudie zum Einsatz von Biotests zur Beurteilung von Abwässern aus Industrie und Gewerbe

Grundsätzlich können durch chemische Analysen einzelne Substanzen gezielt detektiert werden. Da aber der Grossteil der Stoffe und Transformationsprodukte aus Industrie und Gewerbe nicht identifiziert sind, gestaltet sich dieser Ansatz als herausfordernd. Auch werden die Kombinationswirkungen von Stoffmischun-gen durch eine rein chemisch-analytische Herangehensweise nicht abgedeckt.

Als vielversprechender Ansatz gilt daher die Untersuchung von Industrieabwasser mit Biotests um kritische bzw. toxische Abwasser-ströme zu identifizieren. In Folgeuntersu-chungen bietet es sich dann an Biotests in Ergänzung zur chemischen Analytik anzu-wenden. Biotests sind Testmethoden, die einzelne Zellen oder ganze Organismen einsetzen, um Wirkungen auf eine spezifische Exposition (z.B. einer Abwasserprobe) abzu-schätzen.

In einigen Schweizer Betrieben werden Biotests bereits gezielt eingesetzt, um die Toxizität von Betriebsabwässern einzuschätzen. Es ist daher wünschenswert, dass diese Erfahrungen auch anderen Betrieben zur Verfügung gestellt werden können. Die Arbeitsgruppe Ökotoxi-kologie von Professorin Miriam Langer am Institut für Ecopreneurship der Hochschule für Life Sciences FHNW führt zu diesem Zweck das Projekt «Biotests und Industrie» mit Unter-stützung der Plattform «Verfahrenstechnik Mikroverunreinigungen» im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) durch. Das Ziel des Projekts ist es, das nationale und internationale Wissen zum Einsatz von Biotests für die Beurteilung von Industrie- und Gewerbeabwasser zu sammeln und die daraus gewonnenen Erkenntnisse in einer Übersichts-studie zusammenzustellen. Neben Erfahrungen und Bedürfnissen aus Befragungen der Betriebe fliessen auch wissenschaftliche Daten aus einer Literaturrecherche in die Studie mit ein, um schliesslich praxisorientierte Vor-gehensempfehlungen für den künftigen Einsatz von Biotests zur Beurteilung von Industrie-abwasser zu entwickeln.

https://micropoll.ch/Mediathek/newsletter-n17/

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Einsatzgebiete von Prozess-TOC-Systemen

Wasser spielt in industriellen Prozessen eine enorm wichtige Rolle. Die Qualität muss deshalb an vielen Stellen überwacht werden. Für die Überwachung und Kontrolle von Wasserströmen eignet sich vor allem der Summenparameter TOC, ein vielseitiger Überwachungsparameter in Wasser- und Abwasseraufbereitung.

Entscheider-Facts
Der TOC ist ein hervorragender Überwachungsparameter, um Veränderungen in Wasserströmen schnell zu erfassen.
Heute werden autarke und wartungsarme Prozessanalysensysteme zur TOC-Messung genutzt.
Selbstüberprüfung, Selbstkalibrierung oder eine automatische Verdünnungsfunktion sorgen für lange Standzeiten.
Der Summenparameter TOC (Total Organic Carbon = gesamter organischer Kohlenstoff) beschreibt in nur einem Analysenwert die gesamte Verunreinigung durch organische Komponenten in seiner Matrix. Er lässt sich nicht nur im Labor analysieren, sondern auch im Prozess „online“ bestimmen. Das macht den TOC zu einem vielseitigen und universellen Überwachungsparameter.

Um den TOC zu bestimmen, stehen verschiedene Bestimmungsmethoden zur Wahl – die meistgenutzte Bestimmungsweise ist die sogenannte NPOC-Methode. Das Kürzel steht für Non Purgeable Organic Carbon und meint nicht ausblasbaren organischen Kohlenstoff. Dabei wird die Wasserprobe zunächst mit einer Mineralsäure versetzt, um die anorganischen Kohlenstoffverbindungen wie

Der Summenparameter TOC (Total Organic Carbon = gesamter organischer Kohlenstoff) beschreibt in nur einem Analysenwert die gesamte Verunreinigung durch organische Komponenten in seiner Matrix. Er lässt sich nicht nur im Labor analysieren, sondern auch im Prozess „online“ bestimmen. Das macht den TOC zu einem vielseitigen und universellen Überwachungsparameter.

Um den TOC zu bestimmen, stehen verschiedene Bestimmungsmethoden zur Wahl – die meistgenutzte Bestimmungsweise ist die sogenannte NPOC-Methode. Das Kürzel steht für Non Purgeable Organic Carbon und meint …mehr:

https://www.chemietechnik.de/einsatzgebiete-von-prozess-toc-systemen/

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Meldungen zur Spurenstoff-Elimination 2021

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November 2021
Pools als Bromidquelle
Pilot- und Modelvorhaben NiersFluX
Abklärungen Verfahrenseignung Ozonung – Empfehlung
Betrieb von Ozonanlagen auf ARA: Erkennen von kritischen Entwicklungen im Einzugsgebiet – Empfehlung
PAK-Direktdosierung ins Belebungsbecken – Betriebserfahrung mit grosstechnischer Anlage
Zusätzliche Reinigungsstufe zeigt Wirkung
VSA Online Seminar «Ozonung auf ARA: Problematische Reaktionsprodukte erkennen und vermeiden» 28.9.21
PEAK-VSA-Tagung: Aktivkohle zur Spurenstoffelimination – Verfahrensvarianten zu GAK und PAK – 22. resp. 23. Juni 2021
September 2021
Kläranlagen filtern Mikro-Verunreinigungen aus dem Wasser
Erstes persönliches Treffen im F+E-Projekt „Einbindung eines Photo-Fenton-Prozesses in die 4. Reinigungsstufe“
Kläranlagen mit einer Reinigungsstufe zur gezielten Spurenstoffelimination in Baden-Württemberg 21 Anlagen in Betrieb
Elimination von Spurenstoffen durch granulierte Aktivkohle-Filtration (GAK) – Grosstechnische Untersuchungen auf der ARA Furt, Bülach
August 2021
Hydro-Ingenieure: Mikropellets
PEAK-Kurs «Aktivkohle» für die Praxis erfolgreich durchgeführt
Die Version 2 der VSA-Empfehlung «Abklärungen Verfahrenseignung Ozonung» ist nun verfügbar
Juni 2021
PAK-Direktdosierung ins Belebungsbecken – Betriebserfahrung mit grosstechnischer Anlage
Dem Abbau von Mikroverunreinigungen durch Kleinstlebewesen auf der Spur
Mai 2021
Neues Bundeszentrum für Spurenstoffe beim UBA nimmt Arbeit auf
April 2021
Dritte Reinigungsstufe in Kläranlagen: Aktivkohleverfahren beseitigt selbst Spurenstoffe aus dem Abwasser
Februar 2021
Langzeiterfahrungen zum Einsatz von GAK-Filtern bei der Spurenstoffelimination
ARA Esslingen, Egg-Oettwil – Steckbrief
ELIMINATION VON MIKROVERUNREINIGUNGEN DURCH GRANULIERTE AKTIVKOHLE IM WIRBELBETT – BETRIEBSERFAHRUNGEN VON DER ARA PENTHAZ
Umweltverträgliches Antibiotikum: Uni sucht Pharmafirma
Ganzheitliches Aktivkohleverfahren beseitigt Spurenstoffe in Kläranlagen
Neues Aktivkohleverfahren zur Elimination von Spurenstoffe auf Kläranlagen
Gemeinsam stark: Zusammenspiel von verschiedenen Hefearten ermöglicht bio-ökonomischen Nachweis von Arzneimittel­rückständen
Januar 2021
ARA Glarnerland/CH: Pilotversuch
Mikroverunreinigungen.de im neuen Layout von Hydro-Ingenieure übernommen
Elimination von Spurenstoffen durch granulierte Aktivkohle-Filtration (GAK)
Umweltminister fordern Förderung der 4. Reinigungsstufe
Inbetriebnahme der ersten Ozonung in der Westschweiz auf der ARA Porrentruy
ARA-Ausbau Schweden
MS2field: Mikroverunreinigungen mobil messen

 


Pools als Bromidquelle

Auf der ARA Birmensdorf soll eine Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen erstellt werden. Für die Prüfung der Verfahrenseignung einer Ozonung wurden umfangreiche Bromid-Messkampagnen durchgeführt. Es wurden einzelne erhöhte Werte im Frühling und Herbst gemessen.

Mit der Revision des Gewässerschutzgesetzes [1] und der Gewässerschutzverordnung [2] hat das Parlament die Grundlagen geschaffen, um ausgewählte kommunale Abwasserreinigungsanlagen (ARA) mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen (EMV) zu erweitern. Die ARA Birmensdorf fällt dabei unter die dritte Kategorie von Anlagen, die bis 2035 eine EMV-Stufe erstellen müssen (Box). Die Hunziker Betatech AG wurde 2019 durch den Zweckverband Kläranlage Birmensdorf beauftragt, ein Variantenstudium mit nachfolgendem Vorprojekt für die EMV-Stufe zu erstellen. Im Rahmen des Variantenstudiums wurde eine Ozonung mit nachfolgender Sandfiltration als Bestvariante evaluiert.

ARA-Katagorien, die gemäss GSchV [2] Massnahmen gegen Mikroverunreinigungen ergreifen müssen:
1. Anlagen ab 80’000 angeschlossenen Einwohnern;
2. Anlagen ab 24’000 angeschlossenen Einwohnern im Einzugsgebiet von Seen; der Kanton kann Ausnahmen bewilligen, wenn der Nutzen einer Reinigung für die Umwelt und für die Trinkwasserversorgung klein ist;
3. Anlagen ab 8000 angeschlossenen Einwohnern, die in ein Fliessgewässer mit einem Anteil von mehr als 10% bezüglich organischen Spurenstoffen ungereinigtes Abwasser einleiten; der Kanton bezeichnet die Anlagen, die Massnahmen treffen müssen, im Rahmen einer Planung im Einzugsgebiet;
4. andere Anlagen ab 8000 angeschlossenen Einwohnern, wenn eine Reinigung aufgrund besonderer hydrogeologischer Verhältnisse erforderlich ist.

Beim Ozonverfahren besteht das Risiko der Bildung von toxischen Reaktionsprodukten [3, 4]. Aus diesem Grund wurde parallel zum Variantenstudium das Abwasser der ARA Birmensdorf der sogenannten «Verfahrenseignung» für die Behandlung mit Ozon unterzogen [5]. Die Resultate des mehrstufigen Testverfahrens zeigten, dass sich das Abwasser der ARA Birmensdorf für eine Ozonung eignet. Gleichzeitig wurden aber erhöhte Bromidkonzentrationen (> 0,1 mg/l Br) in vier von insgesamt 27 Wochenmischproben gemessen. Das Bromid ist deshalb problematisch, weil es in der Ozonung zum potenziell krebserregenden Bromat reagieren kann.

Für Einzugsgebiete ohne problematische Einleiter werden Bromidkonzentrationen aus Wochenmischproben im ARA-Ablauf unter 0,1 mg/l Br erwartet [4]. Bei der Ozonung solcher Abwässer ist die zu erwartende Bromatbildung im tiefen einstelligen µg/l-Bereich. Daher wird der Wert von 0,1 mg/l Br als Schwellenwert zur Definition erhöhter Bromidkonzentrationen im ARA-Ablauf verwendet.

Bereits vor der Erarbeitung des Vorprojekts mit Verfahrensevaluation wurde das Abwasser der ARA Birmensdorf durch das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft AWEL untersucht. Dabei wurden keine Auffälligkeiten festgestellt, die eine Ozonung in­frage gestellt hätten. Grundsätzlich ist das Abwasser im Zulauf der ARA Birmensdorf kommunal geprägt.

Das Vorprojekt wurde dem Bundesamt für Umwelt BAFU zur Prüfung eingereicht. Aufgrund der Erkenntnisse aus dem Vorprojekt wurde am 7. Februar 2020 vom BAFU beantragt, dass die Bromideinleiter im Einzugsgebiet im Rahmen des Bauprojekts identifiziert werden müssen. Daraufhin wurde 2020 eine weitere Messkampagne im gesamten Kanalnetz zur ARA Birmensdorf gestartet.

Im vorliegenden Artikel werden die Erkenntnisse aus den Messkampagnen von 2018 bis 2021 und die identifizierten Bromidquellen aufgezeigt.

MESSKAMPAGNE BROMID
Die aus den Wochenmischproben bestimmten Bromidkonzentrationen im ARA-Ablauf sind über alle Messkampagnen (2018, 2019, 2020 sowie 2021) in Figur 1 dargestellt.

Messkampagne September 2018 bis März 2019
Vom 15. September 2018 bis zum 22. Februar 2019 wurden auf der ARA Birmensdorf im Ablauf der Nachklärung Wochenmischproben entnommen und auf den Gehalt an problematischen Inhaltsstoffen in Anbetracht einer Ozonung untersucht. Diese Messungen wurden im Rahmen der stufenweisen Abklärung zur Verfahrenseignung der Ozonung vorgenommen. Die Stufen umfassen die Betrachtungen im Einzugsgebiet (Stufe 1), die Messungen im Zulauf der geplanten Ozonung (Stufe 2), die Abklärungen im Labor (Stufe 3) sowie Biotests (Stufe 4) [5]. Ursprünglich sollte die Beprobung bis Ende 2018 abgeschlossen werden, allerdings wurden bereits kurz nach Start der Messkampagne in zwei Wochenmischproben im Oktober erhöhte Bromidkonzentrationen gemessen. Daraufhin wurde die Messkampagne bis Mitte Februar 2019 verlängert und aufgrund keiner weiteren Auffälligkeiten beendet. Ende März 2019 wurde für die Durchführung der Biotests (Stufe 4) eine weitere Wochenmischprobe aus dem ARA-Ablauf entnommen, die erneut eine erhöhte Bromidkonzentration aufwies.

Parallel zu den Messungen und den Analysen im Labor wurde im Einzugsgebiet nach potenziellen Bromideinleitern gesucht (s. Kap. «Untersuchung Einzugsgebiet»). Die Bromidquelle konnte jedoch nicht eindeutig eruiert werden.

Das Vorprojekt wurde dem BAFU zur Prüfung eingereicht. Anfang 2020 beantragte das Bundesamt in einem Schreiben, dass die Bromidquellen im Einzugsgebiet ausfindig gemacht werden müssen. Daraufhin wurde im Rahmen des Bauprojekts eine Messkampagne im Kanalnetz gestartet.

Messkampagne 2020 
Das Ziel dieser Messkampagne war, durch den Einsatz mobiler Probenehmer in den Hauptsträngen des Kanalnetzes die Quelle des Bromids einzugrenzen, um mögliche Grosseinleiter zu identifizieren. Parallel dazu wurden auch wieder Proben aus dem Zu- und Ablauf der ARA entnommen.

Die Messkampagne startete im März 2020. Trotz stets entnommener Tagesproben wurden nur Wochenmischproben zur Analyse ans Labor geschickt. Waren diese auffällig hoch (> 0,1 mg/l), wurden die entsprechenden Tagesproben ebenfalls ausgewertet, um den Zeitpunkt und die Dauer der Bromidspitze zu ermitteln. Ende August 2020 wurde der letzte mobile Probenehmer im Kanalnetz abgebaut. Der Ablauf der ARA wurde bis Ende 2020 weiter beprobt.

Resultate
Die Resultate der Messkampagne 2020 sind in den Figuren 2–4 dargestellt. Figur 2 zeigt die gemessenen Bromidkonzentrationen im Zu- und Ablauf der ARA. Gleich zu Beginn der Messkampagne wurde der Schwellenwert von 0,1 mg Br/l in den Wochenmischproben überschritten, worauf auch die Tagesproben analysiert wurden. Die Bromidkonzentrationen im Zulauf zur ARA weisen mehrere Spitzen auf. Im Ablauf zeigen sich diese Bromidspitzen, wie erwartet, verzögert und geglättet. Ab Ende Mai wurden keine erhöhte Bromidkonzentrationen mehr gemessen. In Figur 3 sind die gemessenen Bromidkonzentrationen in den verschiedenen Kanalsträngen dargestellt. In mehreren Kanalsträngen wurden an verschiedenen Tagen erhöhte Bromidkonzentrationen gemessen. Die Konzentration im Kanal 2 stieg innerhalb eines Tages von 0,18 auf 2,9 mg Br/l, was einem Faktor 16 entspricht. Die Resultate zeigen, dass mehrere Bromideinleiter an verschiedenen Kanalsträngen vorhanden sind. Die im Kanal 4 und Kanal Industrie gemessenen Werte blieben über die gesamte Messkampagne unauffällig. Die Lücken zu Beginn der Messkampagne für die mobilen Probenehmer Kanal 1 und Kanal 3 sind auf eine Umplatzierung aufgrund von ungeeigneten Bedingungen in den Messschächten zurückzuführen.

Figur 4 zeigt eine Überlagerung der gemessenen Bromidkonzentrationen im Zulauf zur ARA und im Kanalnetz für den Zeitraum vom 13. April bis 8. Juni 2020. Die Bromidspitzen im Zulauf zur ARA können eindeutig denjenigen im Kanalnetz zugeordnet werden. Dabei muss beachtet werden, dass die Kanalstränge unterschiedliche Durchflussmengen aufweisen.

Es ist ersichtlich, dass es sich nicht nur um eine, sondern um mehrere Quellen an verschiedenen Kanalsträngen handelt. Damit war klar, dass nicht nach einem grossen Bromideinleiter gesucht werden musste, sondern nach mehreren Einleitern in allen Gemeinden, die saisonal bedingt im Frühling und im Herbst Bromid einleiten.

Messkampagne 2021
Der Ablauf der ARA wurde von März bis Mai 2021 nochmals für drei Monate beprobt. Damit sollte überprüft werden, ob es im Frühling 2021 wiederum zu erhöhten Bromidkonzentrationen im ARA-Zulauf kommen würde. Von Ende März bis Ende April wurden erhöhte Bromidkonzentrationen festgestellt.Mehr:

https://www.aquaetgas.ch/wasser/abwasser/20211006_ag10_pools-als-bromidquelle/

FAZIT
Die Ergebnisse der Messkampagnen zeigen, dass die Entleerung von privaten Pools, die mit Brom das Badewasser aufbereiten, Bromidspitzen im Zulauf zur ARA verursachen können. Einzelne Bromidspitzen im Frühling 2021 konnten klar einer Pool-Entleerung zugeordnet werden. Damit erklärt sich auch der saisonale Anfall der Bromidspitzen im Frühling (Reinigung vor Sommerbetrieb) und Herbst (Teilentleerung nach Saisonende). Diese Erkenntnis gilt für die Anlagengrösse der ARA Birmensdorf von 33’000 Einwohnerwerten. Bei grösseren Einzugsgebieten dürfte der Effekt verschwinden.
Die vorgesehene Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen der ARA Birmensdorf ist weiterhin mit einer Ozonung und anschliessender Sandfiltration geplant. Bei den erhöht auftretenden Bromidkonzentrationen im ARA-Zulauf handelt es sich um saisonal beschränkte Einzelwerte. Im Rahmen der «Abklärungen Verfahrenseignung Ozonung» wurde bei der Ozonexposition einer Abwasserprobe mit erhöhten Bromidkonzentrationen im Labor keine nennenswerte Bromatbildung festgestellt und das Abwasser als unauffällig eingestuft.
Eine Sensibilisierung der Pool-Besitzer für die Bromidthematik durch das Aufzeigen der vorliegenden Erkenntnisse ist im Rahmen einer Informationsveranstaltung geplant.

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Pilot- und Modelvorhaben NiersFluX

Hochaufgelöste Spurenstoffbilanz im Einzugsgebiet der Niers zur Quantifizierung direkter und indirekter Eintragspfade und Ableitung von Handlungsoptionen

In Nordrhein-Westfalen wird die Perspektive eines weiteren Ausbaus von Kläranlagen zur Spurenstoffelimination diskutiert. Messkampagnen und Stoffeintragsmodelle lassen erwarten, dass Spurenstofffrachten über weitere, zeitlich variable Eintragspfade in die Gewässer eingetragen werden. Die Wiederherstellung des guten ökologischen und chemischen Zustands von Oberflächengewässern erfordert die Identifizierung der entscheidendsten direkten und indirekten Eintragspfade von gewässerrelevanten Spurenstoffen. Die Bestimmung dieser Faktoren dient als Grundlage für die Untersuchung von effizienten und quellenorientierten Maßnahmen zur gezielten Eliminierung von Mikroschadstoffen. Aufgrund der zeitlichen Variabilität der Eintragspfade spielt die Messfrequenz des Gewässermonitorings eine entscheidende Rolle. Gegenwärtig erfolgt das Monitoring oftmals mit unzureichender zeitlichen Frequenz, um Stofffrachten aus unterschiedlichen Quellen zuverlässig quantifizieren zu können.

An diesem Punkt setzt das im Dezember 2020 gestartete Pilot- und Modelvorhaben NiersFluX an. Übergreifendes Projektziel ist die Stofffrachtbilanzierung und dadurch die Identifizierung von charakteristischen indirekten und direkten Eintragspfaden in drei qualifizierten Gewässerabschnitten bzw. Bilanzräumen der Niers. Um dieses Ziel zu erreichen, führt der Niersverband im Rahmen von NiersFluX eine werktägliche Probenahme von 24-h Mischproben an vier qualifizierten Probenahmestellen durch. Der festgesetzte Untersuchungsumfang umfasst alle Niers-relevanten Spurenstoffe der Oberflächengewässerverordnung sowie der Beobachtungsliste der EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU 2015/495), mit dem Schwerpunkt der Untersuchung auf Arzneimitteln, PBSM, PFT, PAK und Kationen. Die Ergebnisse der Spurenstoffanalytik sind bei unter allen hydraulischen Bedingungen (Trocken- und Regenwetter) und Eintragssituationen auszuwerten.

Die durch die Stofffrachtbilanzierung erzeugte Ergebnisse werden zur Validierung und Weiterentwicklung der vom LANUV betriebenen Modellen bereitgestellt. Dadurch wird die Identifizierung von bis jetzt ggf. unberücksichtigten Spurenstoff-Eintragspfaden für die Weiterentwicklung der Monitoringplanung des LANUV unterstützt und die möglichen Handlungsoptionen bewertet. Die im Rahmen des Projekts gewonnenen Erkenntnisse werden zur Unterstützung bei der Konkretisierung des Bewirtschaftungs- bzw. Maßnahmenplans im Nierseinzugsgebiet dienen. Weiterhin stellt die Untersuchung der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf vergleichbare Flusseinzugsgebiete einen zusätzlichen Mehrwert dar.

Das Projekt wird vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) gefördert und von der Bezirksregierung Düsseldorf begleitet. Der Antragssteller Niersverband ist für die umfangreiche Probenahme und Analytik sowie die Projektsteuerung zuständig, während das Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW) e. V. die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens übernommen hat.

https://www.fiw.rwth-aachen.de/aktuelles-veranstaltungen/aktuelles/pilot-und-modelvorhaben-niersflux

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Abklärungen Verfahrenseignung Ozonung – Empfehlung

Erstausgabe VSA, 2017, angepasst 2021 (Version 2)
Erklärungen zu den Anpassungen, A&G-Artikel 10/20 Grelot et al.,

VSA-Empfehlung, erstellt von P. Wunderlin (VSA) und J. Grelot (VSA) in Zusammenarbeit mit C. Abegglen (VSA/ERZ), E. Durisch-Kaiser (AWEL ZH), C. Götz (früher Envilab, jetzt AWEL ZH), A. Joss (Eawag), C. Kienle (Oekotoxzentrum), M. Langer (früher Oekotoxzentrum, jetzt FHNW), A. Peter (WVZ), S. Santiago (Soluval), F. Soltermann (früher Eawag, jetzt BAFU), U. von Gunten (Eawag), M. Weil (ECT), S. Zimmermann-Steffens (BAFU), H. Bleny (früher BAFU, jetzt UWE LU), L. Kovalova (AWEL ZH), A. Piazzoli (Envilab), J. Margot (RWB), J. Helbing (WVZ)

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Zusammenfassung
Mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe zur Elimination der Mikroverunreinigungen wird eine grosse Bandbreite von Stoffen aus dem Abwasser entfernt und die Wasserqualität signifikant verbessert. Als mögliche Verfahren stehen aktuell die Adsorption an Aktivkohle oder die Ozonung zur Verfügung. Es ist bekannt, dass sich gewisse Abwässer nicht für eine Ozonung eignen, insbesondere bei bedeutenden Industrie- oder Gewerbeabwasser- einleitern. In diesen Fällen können unerwünschte Oxidationsnebenprodukte in erhöhten Konzentrationen gebildet werden, was vermieden werden muss. Aus diesem Grund ist es wichtig, frühzeitig abzuklären, ob sich ein bestimmtes Abwasser für eine Ozonbehandlung eignet oder nicht. Dies ist im Sinne eines sachgemässen Gewässerschutzes – neben anderen Aspekten, wie beispielsweise Kosten oder Energieverbrauch – eine relevante Randbedingung und muss in der Verfahrenswahl mitberücksichtigt werden.

Das Vorgehen bei diesen Abklärungen wird nachfolgend detailliert beschrieben. Die Untersuchungen sind stufenweise aufgebaut und gliedern sich in folgende Bereiche:
(1) Betrachtungen zum Einzugsgebiet
(2) Messungen im Zulauf zur geplanten Ozonung
(3) Abklärungen im Labor
(4) Biotests

Ausgehend von einer allgemeinen Betrachtung zum Einzugsgebiet werden die Untersuchungen zunehmend spezifischer, damit die Abklärungen bei ungeeigneten Abwässern jederzeit abgebrochen und somit Kosten eingespart werden können.

Diese Empfehlung richtet sich an alle Akteure, die im Rahmen eines Ausbauprojekts in die Verfahrenswahl involviert sind.

Publikationsjahr:  2017
https://micropoll.ch/Mediathek/abklaerungen-verfahrenseignung-ozonung-empfehlung/

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Betrieb von Ozonanlagen auf ARA: Erkennen von kritischen Entwicklungen im Einzugsgebiet – Empfehlung

VSA, 2021
Empfehlung des Verbands Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) bearbeitet durch J. Grelot, P. Wunderlin (VSA) mit fachlicher Unterstützung von C. Abegglen (ERZ/VSA), A. Benacloche (Stadt Neuchâtel), H. Bleny (früher BAFU, jetzt uwe Luzern), D. Dominguez (BAFU), E. Durisch-Kaiser (AWEL), C. Jaquerod (Kanton VD), N. Kheyar (Kanton GE), H. Lecoultre (Kanton NE), P. Locher (Kanton BE), V. Lanz (Kanton AR), R. Manser (Kanton BE), J. Margot (RWB), P. Perdaems (SIG), A. Piazzoli (Envilab), P. Ramaciotti (SIG), M. Schachtler (ARA Neugut), D. Thonney (SIGE), U. von Gunten (Eawag).

Empfehlung Herunterladen
Erklärungen dazu: VSA Online Seminar, präsentierte Folien

Zusammenfassung
Die Ozonung hat sich als Verfahren zur Elimination von Mikroverunreinigungen auf Abwasserreinigungsanlagen (ARA) bewährt. Neben dem erwünschten Spurenstoffabbau können jedoch bei der Ozonung von Abwasser, abhängig von der Abwasserzusammensetzung, problematische Oxidationsnebenprodukte gebildet werden. In Schweizer ARA werden Ozonanlagen nur realisiert, wenn das Abwasser gemäss der VSA-Empfehlung „Abklärungen Verfahrenseignung Ozo-nung“ (VSA, 2017) als geeignet eingestuft wird. Durch Veränderungen im Einzugsgebiet (z.B. ein neuer Industriebetrieb oder eine sich ändernde industrielle Aktivität) kann sich die Abwasserzusammensetzung jedoch signifikant ändern. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass auch nach der Inbetriebnahme die Abwasserzusammensetzung und deren Eignung für eine Ozonung überwacht werden.

Publikationsjahr:  2021
https://micropoll.ch/Mediathek/betrieb-von-ozonanlagen/

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PAK-Direktdosierung ins Belebungsbecken – Betriebserfahrung mit grosstechnischer Anlage

Aqua & Gas No° 4, 2021
Fachbeitrag von Nicole Unkan (Holinger AG), Thomas Bhend (ARA Flos Wetzikon), Johanna Obrecht, Karina Liechti (Holinger AG)

Zusammenfassung
Anfang 2019 wurde die grosstechnische Pulveraktivkohle-Direktdosierungsanlage auf der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Flos in Wetzikon erfolgreich in Betrieb genommen. Mit der Anlage wurden die Spurenstoffe in den letzten zwei Jahren zuverlässig eliminiert. Gleichzeitig konnten Betriebserfahrungen gesammelt werden, womit die Stufe zur Elimination vom Mikroverunreinigungen noch weiter optimiert werden konnte.

https://micropoll.ch/Mediathek/pak-direktdosierung-ins-belebungsbecken-betriebserfahrung-mit-grosstechnischer-anlage/

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Zusätzliche Reinigungsstufe zeigt Wirkung

Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser belasten die Gewässer und führen regelmässig zu Überschreitungen von gesetzlichen Anforderungen. Deshalb werden Abwasserreinigungsanlagen mit zusätzlichen Reinigungsstufen zur Elimination von Mikroverunreinigungen ausgerüstet. Mit einer auf Messungen im Gewässer basierten Wirkungskontrolle können erste Erfolge nachgewiesen werden.

Viele der Mikroverunreinigungen (MV) in unseren Gewässern haben ihren Ursprung in den Siedlungsgebieten. Sie stammen beispielsweise aus Produkten, die in Haushalten, in Pflegeeinrichtungen sowie Industrie und Gewerbe verwendet werden. Dazu gehören Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Medikamente, Kosmetika oder Korrosionsschutzmittel. Da die Wirkstoffe, die in diesen Produkten enthalten sind, in herkömmlichen Abwasserreinigungsanlagen (ARA) nicht oder nicht vollständig aus dem Abwasser entfernt werden, gelangen sie mit dem gereinigten Abwasser in die Gewässer. Besonders im dicht besiedelten und intensiv genutzten Mittelland der Schweiz ist die Belastung der Gewässer durch MV hoch.

Um das Risiko eines einzelnen Stoffes auszudrücken, kann die gemessene Umweltkonzentration durch das chronische Qualitätskriterium (CQK) geteilt und so der Risikoquotient (RQ) gebildet werden. Wenn der RQ eines Stoffes höher als 1 ist, kann eine Schädigung der Wasserlebewesen nicht ausgeschlossen werden. Das Risiko, das von der Gesamtheit der rund 30 untersuchten Stoffe für die Gewässer ausgeht, kann als Summe der Risikoquotienten für die chronische Belastung («chronischer Risikoquotient», CRQ) ausgedrückt werden [1].

Die Produkte, aus denen die MV im kommunalen Abwasser stammen, werden das ganze Jahr über in mehr oder weniger gleichbleibenden Mengen verwendet. Die Konzentrationen der Verbindungen in den Gewässern – und somit das Risiko, das sie für die im Wasser lebenden Organismen darstellen – korrelieren deshalb mit dem jeweiligen Anteil an gereinigtem Abwasser. In Figur 1 ist die maximale Summe der auf Messdaten basierende CRQ in Abhängigkeit des Abwasseranteils bei Trockenwetter dargestellt. Daraus ist ersichtlich, dass für die dargestellten Gewässer Glatt, Reppisch, Aabach und Furtbach von einem erhöhten Risiko für die Wasserlebewesen, das auf MV aus kommunalem Abwasser zurückzuführen ist, ausgegangen werden muss.

In vielen Gewässern überschreiten die Arzneimittel Azithromyzin, Clarithromycin und Diclofenac regelmässig die seit dem 1. April 2020 in der Gewässerschutzverordnung (GSchV) in Anhang 2 festgelegten numerischen Anforderungen. Stellt ein Kanton eine Überschreitung der Grenzwerte fest, ist er aufgrund der GSchV verpflichtet, die Ursachen der Überschreitungen abzuklären und Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität einzuleiten. Wenn Überschreitungen weitverbreitet festgestellt werden, muss der Bund übergeordnete Massnahmen zur Reduzierung der Belastung einleiten, sodass diese weitverbreiteten Überschreitungen nicht mehr auftreten [2].

Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen
Zum Schutz der Wasserlebewesen und der Trinkwasserressourcen in der Schweiz werden deshalb bis 2040 ausgewählte ARA mit zusätzlichen Reinigungsstufen ausgerüstet, welche MV aus dem Abwasser entfernen. Die gesetzlichen Grundlagen zu diesem Vorhaben traten am 1. Januar 2016 in Kraft. Als Verfahren für die weitergehende Abwasserreinigung bieten sich vor allem die Adsorption an Aktivkohle sowie die Behandlung mit Ozon an. Beide Technologien sind in der Lage, eine Vielzahl von MV aus dem Abwasser zu entfernen [3]. Vom Ausbau betroffen sind die grössten ARA, grosse ARA im Einzugsgebiet von Seen sowie ARA, die in Fliessgewässer mit einem hohen Anteil an gereinigtem Abwasser einleiten. Die ausgebauten ARA müssen gemäss Vorgaben der GSchV mindestens 80% der Spurenstoffe, gemessen anhand von zwölf Leitsubstanzen, aus dem Abwasser entfernen. Schweizweit soll so die aus ARA in die Gewässer eingetragene MV-Fracht um 50% reduziert werden.

Im Kanton Zürich werden bis zum Jahr 2035 34 ARA mit einer Reinigungsstufe für die Elimination von Mikroverunreinigungen (EMV-Stufe) ergänzt, Ende 2020 waren fünf davon bereits in Betrieb. In Figur 2 ist der Ausbaustand der ARA im Kanton Zürich Ende 2020 wiedergegeben.

Im Glatttal sind zwei ARA mit einer Stufe zur weitergehenden Abwasserreinigung ausgebaut. Als erste Anlage der Schweiz nahm die ARA Neugut in Dübendorf 2014 eine Ozonanlage in Betrieb. Auf der ARA Eich in Bassersdorf wurde mit dem Ausbauprojekt 2016 bis 2018 eine neue Verfahrensstufe mit Ozonung und Sandfiltration realisiert. Ein Sandfilter nach der Ozonung wirkt als nachgeschaltete biologisch aktive Verfahrensstufe, um abbaubare Produkte, die bei der Ozonung entstehen, zu entfernen. Im Zürcher Oberland wurden die ARA Wetzikon und ARA Esslingen (Egg-Oetwil) mit einer Pulveraktivkohlestufe aufgerüstet, die im Juni 2019 bzw. im November 2020 in Betrieb genommen wurde. Zu den Anlagen, die bereits aufgerüstet sind, gehört auch die grösste ARA im Kanton Zürich, die ARA Zürich-Werdhölzli. Seit Frühjahr 2018 wird dort das gesamte Abwasser vor der Einleitung in die Limmat zusätzlich mit Ozon und anschliessender Sandfiltration behandelt.Mehr:

https://www.aquaetgas.ch/wasser/abwasser/20211007_ag10_-zus%C3%A4tzliche-reinigungsstufe-zeigt-wirkung/

Fazit
Allgemein rechnet man damit, dass die Belastung der Gewässer durch MV aus Industrie, Gewerbe, Pflegeeinrichtungen und Haushalt weiterhin zunehmen wird. Einerseits dürfte sowohl die Vielfalt der Chemikalien als auch derjenigen Produkte, die Chemikalien enthalten, grösser werden, andererseits wächst die Bevölkerung und mit ihr die Verkaufsmengen dieser Produkte. Zudem steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung, was einen höheren Verbrauch an Arzneimitteln nach sich zieht. Verstärkt werden könnte die Problematik durch die Klimaerwärmung. Werden Phasen mit trockener Witterung häufiger, treten auch mehr Niedrigwasserstände in den Bächen und Flüssen auf. Dies bedeutet eine schlechtere Verdünnung des gereinigten Abwassers und somit höhere Konzentrationen von MV in den Fliessgewässern.

Trotz grösser werdender Bevölkerung und damit einhergehendem steigendem Verbrauch von Konsumchemikalien und Arzneimitteln konnte mit dem Ausbau der fünf ARA im Kanton Zürich eine Reduktion der Gesamtfracht einzelner MV um rund 50% erreicht werden. Ein Grossteil dieser Frachtreduktion ist auf den Ausbau der ARA Zürich-Werdhölzli zurückzuführen, die mit rund 470’000 angeschlossenen Einwohnern ca. ein Drittel der Zürcher Bevölkerung abdeckt. Die ARA Dübendorf, Bassersdorf, Wetzikon und Egg leisten mit kumulierten 115’000 angeschlossenen Einwohnern ebenfalls einen substanziellen Beitrag zur Gesamtreduktion der MV-Fracht im Kanton. In der Folge konnte die Wasserqualität in einzelnen Gewässern und Gewässerabschnitten deutlich verbessert werden. So weist die Limmat bei Dietikon seit 2018 eine gute bis sehr gute Wasserqualität auf.

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VSA Online Seminar «Ozonung auf ARA: Problematische Reaktionsprodukte erkennen und vermeiden» 28.9.21

Die Unterlagen zum VSA Online Seminar vom 28.9.21 zu «Ozonung auf ARA: Problematische Reaktionsprodukte erkennen und vermeiden» sind verfügbar:

https://micropoll.ch/Mediathek/vsa-online-seminar-ozonung-auf-ara-problematische-reaktionsprodukte-erkennen-und-vermeiden-28-9-21/

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PEAK-VSA-Tagung: Aktivkohle zur Spurenstoffelimination – Verfahrensvarianten zu GAK und PAK – 22. resp. 23. Juni 2021

Ziel
Der Vertiefungskurs vermittelt Wissen zu aktuellster Verfahrenstechnik mit Aktivkohle zur Spurenstoffentfernung aus kommunalem Abwasser. Forschende der Eawag und Experten aus der Praxis zeigen das Potential der granulierten Aktivkohle (GAK), wobei verschiedene Verfahrensvarianten diskutiert werden. Es werden Schlussfolgerungen aus Schweizer Piltoversuchen und Projektresultate zur Dimensionierung aus dem benachbarten Ausland präsentiert. ARA-Betreiber berichten direkt von ihren aktuellen Praxiserfahrungen mit Pulver- und granulierter Aktivkohle (PAK und GAK).

Tagungsunterlagen
GAK-Filter ARA Furt (Bülach) und ARA Glarnerland – Ch. McArdell
Fazit Auslegung GAK-Filtration – A. Joss
Aussagekraft eines Modells für GAK-Filter – A. Joss
Heutige Projektkosten von granulierter Aktivkohle und aktuelle Entwicklungen – K. Alt
Kosten von volltechnischen PAK-Anlagen in Baden-Württemberg – M. Launay
CO2-Fussabdruck verringern bei der Spurenstoffelimination in der Schweiz – A. Brander
Erneuerbare Aktivkohle (PAK), Vergleich und Leistung verschiedener Produkte – M. Böhler
Projekt EMPYRION: aktivierte Pflanzenkohle in der Schweiz herstellen und als PAK & GAK einsetzen – N. Hagemann
PAK-Einsatz in speziellen Biologie-Systemen – J. Grelot
ARA Schönau – PAK-Dosierung vor der Sandfiltration – Th. Klaus
PAK-Direktdosierung ins Belebungsbecken – Th. Bhend
Spurenstoffelimination bei Regenwetter – Was wir wissen und was wir nicht wissen – I. Schoppe
ARA Penthaz – GAK im Schwebebett – M. Horisberger
ARA Moos – GAK im quasi kontinuierlich gespülten Raumfilter, volltechnische Versuchsergebnisse – S. Bitterwolf
Ozon/GAK: das leistungsfähige Kombiverfahren – Ch. Egli

Publikationsjahr:  2021
https://micropoll.ch/Mediathek/peak-vsa-tagung-aktivkohle-zur-spurenstoffelimination-verfahrensvarianten-zu-gak-und-pak-24-11-2020/

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Kläranlagen filtern Mikro-Verunreinigungen aus dem Wasser

Die beiden Kläranlagen St. Gallen-Hofen und Steinach-Morgental haben am Mittwoch eine zusätzliche Reinigungsstufe in Betrieb genommen. Neu werden auch kleinste Spuren von Medikamenten, Chemikalien, Waschmitteln, Kosmetika und Farben aus dem Wasser gefiltert. Mehr:

https://www.volksblatt.li/nachrichten/Schweiz/Politik/sda/6353647/klaranlagen-filtern-mikro-verunreinigungen-aus-dem-wasser

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Erstes persönliches Treffen im F+E-Projekt „Einbindung eines Photo-Fenton-Prozesses in die 4. Reinigungsstufe“

Nach knapp einjähriger Laufzeit fand am 13.07.21 das erste Projekttreffen live und in Farbe statt – natürlich unter Beachtung der Corona-Regeln und geltenden Hygienekonzepte …

Das hinderte uns allerdings nicht daran, uns konstruktiv zum aktuellen Stand der Forschungstätigkeiten in den beteiligten Projektgruppen

dem Team von der Universität Luxembourg: Silvia Venditti, Paula Nunez Tafalla, Irene Salmerón Garcia & Joachim Hansen,
dem Team von der Wupperverbandgesellschaft für integrale Wasserwirtschaft mbH (WiW): Gerd Kolisch & Yannick Taudien sowie
dem Team der Hydro-Ingenieure aus Düsseldorf: Irene Slavik & Klaus Alt
auszutauschen.

Mit dem Ziel, die Einbindung eines Photo-Fenton-Prozesses in die Weitergehende Abwasserbehandlung zur gezielten Spurenstoffentfernung in einer Luxemburger Kläranlage bewerten zu können, sind Untersuchungen im Labormaßstab sowie im kleintechnischen Maßstab wesentlicher Bestandteil des Forschungsvorhabens. Erste Ergebnisse, die in Versuchsreihen mit einer Laborpilotanlage (siehe Foto) gewonnen worden sind, offenbaren den großen Einfluss der Bestrahlungsstärke auf die Oxidationsleistung. Diesem Sachverhalt kommt eine große Bedeutung zu, da er sich sehr stark auf die Wirtschaftlichkeit des Prozesses, vor allem bei einer Kombination mit Aktivkohleanwendungen, auswirkt.

Auf Basis der im Labormaßstab experimentell ermittelten Daten soll der Prozess modelliert und eine Übertragbarkeit in den Großmaßstab anhand weitergehender Untersuchungen mit einer kleintechnischen Pilotanlage geprüft und validiert werden. Es bleibt spannend!

Bei Rückfragen stehen Ihnen unsere Frau Dr. Slavik unter der Telefonnummer +49 (211) 44991-37 und unser Herr Dipl.-Ing. Klaus Alt unter der Telefonnummer +49 (211) 44991-55 gerne zur Verfügung.

https://www.hydro-ingenieure.de/treffen-f-e-projekt.html

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Kläranlagen mit einer Reinigungsstufe zur gezielten Spurenstoffelimination in Baden-Württemberg 21 Anlagen in Betrieb

Stand Mai 2021 unter:

https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-um/intern/Dateien/Dokumente/3_Umwelt/Schutz_natuerlicher_Lebensgrundlagen/Wasser/2021-05-Karte-zu-Klaeranlagen-BW-mit-Spurenstoffelimination-mit-Link-zur-barrierefreien-Version.pdf

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Elimination von Spurenstoffen durch granulierte Aktivkohle-Filtration (GAK) – Grosstechnische Untersuchungen auf der ARA Furt, Bülach

Zielsetzung und Aufgabenstellung
Um die GAK-Filtration und die Kombination von GAK-Filtration mit vorgeschalteter Ozonung mit anderen Verfahren vergleichen zu können, wurde das Projekt auf der ARA Furt in Bülach lanciert. Durch die breite Unterstützung vieler Partner wie kantonalen Umweltämtern, verschiedener ARA-Betreiber bzw. Wasserwirtschaftsverbände wie auch der Industrie und Beratungsbüros im Bereich Abwasser wurde das Projekt organisiert und finanziert.

Der Lead zur Organisation und Durchführung dabei hatte die Eawag. Ganz bewusst wurde das Projekt bzw. dessen Verlauf anhand der Ergebnisse und Erfahrungen weiterentwickelt. Neuen Projekterkenntnissen wurden mit neuen Fragestellungen Rechnung getragen und mit einer Vielzahl von weiteren Experimenten untersucht. Ein Beispiel hierfür ist die Erkenntnis, dass die hydraulische Aufenthaltszeit des Abwassers bzw. dessen Kontaktzeit mit der Aktivkohle zentral für die Effizienz des Verfahrens ist.
Aber es wurden auch praxisorientierten Fragestellungen nachgegangen wie z.B.: Ist eine Reaktivierung von mit kommunalem Abwasser beladene GAK mit hoher Standzeit reaktivierbar und ist dies auch in der Schweiz machbar?

In der Phase 1 des Projektes wurden erste Erfahrungen im Umbau von Sandfilterzellen in GAK-Filterzellen gewonnen und erste Betriebserfahrungen mit den GAK-Filterzellen erworben. Die zeitliche Entwicklung des Rückhalts von organischem Kohlenstoff und von Mikroverunreinigungen in den GAK-Filterzellen wurde analysiert und die Einflussfaktoren auf die Elimination identifiziert.

In der Phase 2 wurde zusätzlich eine Teil-Ozonung vorgeschaltet, um diese Verfahrenskombination mit der reinen GAK-Filtration zu vergleichen. Verschiedene Ozondosierungsstrategien wurden angewandt. Auch wurde die geringstmögliche Ozondosis zum Erreichen des Qualitätsziels in einer Vollozonung durch stufenweise Erhöhung der Ozondosis identifiziert. Die MV-Elimination der reaktivierten GAK wurde ebenfalls untersucht. In Abschnitt 4 werden die einzelnen Fragestellungen und die entsprechenden Einzeluntersuchungen im Detail aufgeführt.

Publikationsjahr:  2020

Herunterladen: https://micropoll.ch/wp-content/uploads/2020/11/GAK_B%C3%BClach_Schlussbericht_2020_11_26.pdf

https://micropoll.ch/Mediathek/elimination-von-spurenstoffen-durch-granulierte-aktivkohle-filtration-gak-grosstechnische-untersuchungen-auf-der-ara-furt-buelach/

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Hydro-Ingenieure: Mikropellets

Im Projekt „MIKROPELLETS – Untersuchungen von Verfahren zur gezielten, integrierten MIKROschadstoffelimination mit aeroben PELLETS“ sollen Verfahren zur Mikroschadstoffelimination in innovative Pellet-Verfahren zur Abwasserbehandlung integriert werden.

Bei Pellets oder aeroben Granula handelt es sich um eine besondere Form des belebten Schlamms, der leicht sedimentierbar ist. Zudem ermöglichen Pellets als „Biofilme ohne Aufwuchskörper“ durch ihre unterschiedlichen Schichten eine weitergehende simultane Nitrifikation und Denitrifikation. In MIKROPELLETS werden Pellet-Verfahren sowohl im Sequencing Batch Reactor (SBR) als auch in einem kontinuierlichen Prozess entwickelt. Anschließend soll eine Optimierung dieser Verfahren mit dem Ziel der Kosten-, Energie- und Platzeinsparung gegenüber dem konventionellen Belebungsverfahren stattfinden.

Das von Hydro-Ingenieure GmbH begleitende Forschungsvorhaben wird mit dem Institut für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen und dem Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik der RUB Bochum, dem Ingenieurbüro atd GmbH, sowie dem Praxispartner Emschergenossenschaft durchgeführt. Das Projekt wird im Rahmen von ResA II, Förderbereich 6 durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW gefördert.

Bei Fragen stehen Ihnen in unserem Hause Frau Dr.-Ing. Sarah Zydorczyk unter der Telefonnummer +49 (211) 449911-18 und Herr Dipl. Ing. Klaus Alt (Geschäftsführer) unter der Telefonnummer +49 (211) 449911-55 zur Verfügung.

https://www.hydro-ingenieure.de/mikropellets.html

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PEAK-Kurs «Aktivkohle» für die Praxis erfolgreich durchgeführt

Am 22. und 23. Juni wurde erfolgreich der Eawag-PEAK-Kurs «Aktivkohle zur Spurenstoffelimination – Verfahrensvariante zu GAK und PAK» in Zusammenarbeit mit dem VSA durchgeführt.

Die Resonanz der Praxis war groß, was sich an der hohen Anzahl von 92 Teilnehmenden aus Ingenieurbüros, Anlagenbau, Verwaltung und Betreibern von Kläranlagen zeigte, die an zwei Tagen in die Eawag/Empa-Akademie gekommen sind.

Erfolgreicher Erfahrungsaustausch und bereichernde Diskussionen
Neben dem neuesten Wissen und Entwicklungen im Bereich der Spurenstoffelimination durch Adsorption an Aktivkohle, wurde dem Erfahrungsaustausch von ARA-Betreibern mit diesen neuen Reinigungsstufen breiter Raum gegeben. Eine Podiumsdiskussion zeigte, dass es insbesondere bei der Beprobung respektive Überwachung der Reinigungsleistung bei Regenwetterzulauf zu den Kläranlagen noch Fragen zur Repräsentativität und Aussagekraft dieser Messungen gibt.

Ein weiterer spannender Diskussionspunkt war der hohe CO2-Footprint der Anwendung vor allem von Pulveraktivkohle. Hier war man sich einhellig einig, dass biogenen Produkten gegenüber fossilen Aktivkohlen wenn möglich der Vorrang gegeben werden sollte. Klar war auch, dass es in diesem Bereich mehr Anstrengungen geben müsste, um idealer Weise «SWISS made»-Kohlen herzustellen, sowohl für die Anwendung als PAK, als auch als formstabile GAK.

Autor/Kontakt: Marc Böhler
www.eawag.ch
https://www.hydro-ingenieure.de/peak-kurs-aktivkohle.html

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Die Version 2 der VSA-Empfehlung «Abklärungen Verfahrenseignung Ozonung» ist nun verfügbar

Mehr unter: https://micropoll.ch/Mediathek/abklaerungen-verfahrenseignung-ozonung-empfehlung/

Quelle: https://micropoll.ch/

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PAK-Direktdosierung ins Belebungsbecken – Betriebserfahrung mit grosstechnischer Anlage

Zusammenfassung
Anfang 2019 wurde die grosstechnische Pulveraktivkohle-Direktdosierungsanlage auf der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Flos in Wetzikon erfolgreich in Betrieb genommen. Mit der Anlage wurden die Spurenstoffe in den letzten zwei Jahren zuverlässig eliminiert. Gleichzeitig konnten Betriebserfahrungen gesammelt werden, womit die Stufe zur Elimination vom Mikroverunreinigungen noch weiter optimiert werden konnte.

Publikationsjahr: 2021
Fachbeitrag von Nicole Unkan (Holinger AG), Thomas Bhend (ARA Flos Wetzikon), Johanna Obrecht, Karina Liechti (Holinger AG)

https://micropoll.ch/Mediathek/pak-direktdosierung-ins-belebungsbecken-betriebserfahrung-mit-grosstechnischer-anlage/

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Dem Abbau von Mikroverunreinigungen durch Kleinstlebewesen auf der Spur

Der BfG-Wissenschaftler Dr. Arne Wick erhält den Fachgruppenpreis der Wasserchemischen Gesellschaft, gefördert von der Walter Kölle Stiftung, für seine Arbeit zur Aufklärung des mikrobiellen Abbaus organischer Mikroverunreinigungen in Gewässern.

Viele organische Mikroverunreinigungen wie z. B. Arzneimittel, Inhaltsstoffe von Kosmetika, Tenside und Biozide gelangen über das häusliche Abwasser in die Kläranlagen und von dort auch in unsere Oberflächengewässer. Sowohl in der biologischen Abwasserreinigung in Kläranlagen als auch in unseren Gewässern sind komplexe mikrobielle Gemeinschaften am Werk und können die Stoffe zumindest teilweise abbauen. Allerdings führen diese mikrobiellen Abbauprozesse oftmals nicht zu einer vollständigen Entfernung, sondern zur Bildung von teilweise sehr stabilen Abbauprodukten, die auch bis ins Grund- und Trinkwasser gelangen können.

Für eine Einschätzung inwieweit organische Mikroverunreinigungen ein potentielles Risiko für Tiere und Pflanzen unserer Gewässer und die menschliche Gesundheit darstellen können, ist es deshalb sehr wichtig, auch die Abbauprodukte zu kennen. Zudem ist bisher kaum verstanden, wie sich die taxonomische Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaften auf den Abbau auswirkt und wie genau die kleinen „Putzhilfen“ arbeiten. Deshalb schaute der BfG-Wissenschaftler und Leiter des Referats für Gewässerchemie, Dr. Arne Wick, den Mikroorganismen bei ihrer Reinigungsarbeit über die sprichwörtliche Schulter.

Preis für herausragende Forschungsleistung
Für die wissenschaftliche Aufklärung des mikrobiologischen Abbaus organischer Mikroverunreinigungen in wässrigen Systemen zeichnete die Wasserchemische Gesellschaft Wick im Rahmen der Jahrestagung „Wasser 2021“ am 10. Mai 2021 mit dem von der Walter Kölle Stiftung geförderten Fachgruppenpreis des Jahres 2020 aus. Der Fachgruppenpreis wird seit 1970 jährlich zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verliehen und ist mit 3.000 Euro dotiert. Die Fachjury beeindruckte insbesondere die Aufklärung der Abbauwege, die begleitenden Untersuchungen der enzymatischen Prozesse sowie die entdeckten Zusammenhänge zwischen dem Abbaupotenzial und der Zusammensetzung der mikrobiologischen Gemeinschaften.

Die Erkenntnisse erarbeiteten Wick und sein Team in mehreren, voneinander unabhängigen Forschungsprojekten. Die Studien wurden insbesondere im Rahmen der Projekte „Athene“, „CleanWater“, „OPTI“ und „TrinkWave“ durchgeführt.

BfG stellt ihr Know-How vor
Die BfG ist bei der jährlichen Tagung der Wasserchemischen Gesellschaft immer zahlreich mit Beiträgen zu unterschiedlichen Themen vertreten – so auch in 2021. Vor allem die vielen Promovierenden an der BfG nutzten auch in diesem Jahr wieder die Gelegenheit, ihre Arbeiten einem Fachpublikum vorzustellen. Insgesamt war die BfG mit vier Vorträgen und sechs wissenschaftlichen Postern präsent. Bei den Vorträgen ging es unter anderem um den Einfluss anorganischer Matrices auf die Quantifizierung von PET-Mikroplastik in Umweltproben, antikoagulante Rodentizide in der aquatischen Umwelt und das Transformationsverhalten spezieller Moleküle bezüglich oxidativer Halogenierung und deren Bedeutung für die Antifouling-Wirkung bestimmter Nanopartikel.

Ansprechpartner: Dr. Arne Wick

https://www.bafg.de/DE/07_Nachrichten/210526_Wasser21.html?nn=169988

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Neues Bundeszentrum für Spurenstoffe beim UBA nimmt Arbeit auf

Das beim Umweltbundesamt angesiedelte neue „Spurenstoffzentrum des Bundes” mit Sitz in Leipzig nimmt in den kommenden Monaten sukzessive seine Arbeit auf und wird gemeinsam mit einem Expertengremium weitere relevante Spurenstoffe identifizieren. Unter Einbindung von Herstellern und der Wasserwirtschaft sollen an Runden Tischen weitere Maßnahmen zur Eintragsminderung entwickelt und die Länder bei der Einführung der 4. Reinigungsstufe in Kläranlagen beraten werden. Zum Aufgabenportfolio des Spurenstoffzentrums gehört auch, die Forschung im Bereich der Spurenstoffe weiter voranzutreiben und einen strukturierten Informationsaustausch zwischen Ländern, Kommunen, Kompetenzzentren und Hochschulen hinsichtlich quellenorientierter und nachgeschalteter Minderungsmaßnahmen zu entwickeln.

https://www.gfa-news.de/webcode.html?wc=20210322_001

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Dritte Reinigungsstufe in Kläranlagen: Aktivkohleverfahren beseitigt selbst Spurenstoffe aus dem Abwasser

Kläranlagen greifen zur Reinigung des Abwassers auf eine Reihe von wirksamen und etablierten Verfahren zurück, doch eine einheitlich anerkannte, ideale Methode zur Entfernung von Spurenstoffen gibt es bisher nicht. Forschende des Fraunhofer-Instituts…mehr:

https://www.process.vogel.de/aktivkohleverfahren-beseitigt-selbst-spurenstoffe-aus-dem-abwasser-a-996988/?cmp=nl-254&uuid=1DC4B9E7-1718-4A70-B3EA-0C6A17F0F654

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Langzeiterfahrungen zum Einsatz von GAK-Filtern bei der Spurenstoffelimination

Korrespondenz Abwasser, Ausgabe Nr. 11 2020
Fachbeitrag von Yannick Taudien, Gerd Kolisch, Catrin Bornemann (Wuppertal) und Andreas Nahrstedt (Mülheim an der Ruhr)

Zusammenfassung
Zwei Filter der Flockungsfiltration in Wuppertal-Buchenhofen wurden über einen Zeitraum von etwa sechs Jahren mit granulierter
Aktivkohle (GAK) betrieben, und zwar beide mit dynamischen Filtergeschwindigkeiten analog zu den konventionellen Sand/Anthrazit-Filterkammern. Einer der GAK-Filter wurde über ein Pumpwerk mit Filtrat der Flockungsfiltration beschickt, um den Einfluss einer Vorfiltration zu untersuchen. Es wurden jeweils etwa 70 000 Bettvolumina behandelt und über den gesamten Zeitraum mindestens monatlich DOC/CSB und neun unterschiedliche Spurenstoffe analysiert. Die Langzeituntersuchung liefert Durchbruchskurven im technischen Maßstab sowie Betriebserfahrungen zum Filterverhalten. Für die Übertragung der Ergebnisse der Einzelfilter auf einen theoretischen Parallelbetrieb mehrerer Filter wurde ein zeitgewichteter fortlaufender Mittelwert berechnet. Zusätzlich wurde über Massenbilanzen die stoffspezifische Beladung der Aktivkohle bestimmt.

Publikationsjahr: 2020
https://micropoll.ch/Mediathek/langzeiterfahrungen-zum-einsatz-von-gak-filtern-bei-der-spurenstoffelimination/

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ARA Esslingen, Egg-Oettwil – Steckbrief

Die ARA Esslingen, Egg-Oettwil betreibt seit 2020 eine MV-Stufe mit Dosierung von Pulveraktivkohle (PAK) vor die bestehende Sandfiltration mit möglicher Rückführung in die Biologie.

Anbei ein Steckbrief der Anlage:
https://micropoll.ch/wp-content/uploads/2021/01/2020_VSA_S_Projektsteckbrief-ARA-Esslingen-Egg-Oettwil.pdf
https://micropoll.ch/Mediathek/ara-esslingen-egg-oettwil-steckbrief/

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ELIMINATION VON MIKROVERUNREINIGUNGEN DURCH GRANULIERTE AKTIVKOHLE IM WIRBELBETT – BETRIEBSERFAHRUNGEN VON DER ARA PENTHAZ

Auf der ARA Penthaz (VD) wurde für die Elimination von Mikroverunreinigungen eine Anlage zur Behandlung mit granulierter Aktivkohle (GAK) im Wirbelbett (CarboPlus®-Verfahren) gebaut und im Herbst 2018 in Betrieb genommen. Verfahren mit GAK sind technisch und wirtschaftlich interessant: Es ist keine zusätzliche Filtrationsstufe nötig, die beladene Aktivkohle kann reaktiviert werden und der Betrieb sowie die Wartung der Anlage sind einfach. Der zweijährige Betrieb zeigt, dass mit einer Dosierung von 13 g/m3 die geforderte Reinigungsleistung von 80% erreicht werden kann. Dafür waren gewisse Optimierungen bei hohem Durchfluss nötig. Aufgrund der täglichen Dosierung von Aktivkohle in den Reaktor ist das System anpassungsfähig und flexibel. Die Implementierung einer Online-UV-Messung ermöglicht zudem die Überwachung der Reinigungsleistung in Echtzeit. Es wurden auch thermogravimetrische Analysen durchgeführt, um den Anteil der Aktivkohle an den gesamten ungelösten Stoffen (GUS) im ARA-Ablauf zu quantifizieren.
Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen 0 und 3% (im Durchschnitt < 0,5%) der dosierten GAK in den Ablauf gelangen, was dem Stand der Technik und den gemessenen Verlusten bei anderen Aktivkohlebehandlungsverfahren entspricht.

https://micropoll.ch/Mediathek/elimination-des-micropolluants-par-cag-en-lit-fluidise/

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Umweltverträgliches Antibiotikum: Uni sucht Pharmafirma

Lüneburg. Kläranlagen filtern viele Schadstoffe aus dem Wasser, Antibiotika sind aber ein Problem. Sie gelangen über das Abwasser in die Umwelt. In Lüneburg haben Forscher Patente für zwei besser abbaubare Wirkstoffe erhalten.

https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/2214192/umweltvertraegliches-antibiotikum-uni-sucht-pharmafirma

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Ganzheitliches Aktivkohleverfahren beseitigt Spurenstoffe in Kläranlagen

Kläranlagen greifen zur Reinigung unseres Abwassers auf eine Reihe von wirksamen und etablierten Verfahren zurück, doch eine einheitlich anerkannte, ideale Methode zur Entfernung von Spurenstoffen gibt es bisher nicht. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT wollen dies ändern. Mit »ZeroTrace« haben sie einen ganzheitlichen Ansatz mit selbstentwickelten Komposit-Aktivkohlen und einem neuen elektrischen Regenerationsverfahren geschaffen, der Effizienz, Massentauglichkeit und Nachhaltigkeit verspricht.

Öffnet man in Deutschland den Wasserhahn, hat das herausströmende Wasser in der Regel beste Trinkwasserqualität. Dies liegt nicht zuletzt an den vielen Kläranlagen, die unser Abwasser mit mechanischen, biologischen und chemischen Verfahren erfolgreich säubern und verunreinigende Bestandteile wirksam entfernen. Spurenstoffe, wie Arzneimittelrückstände, Haushaltschemikalien oder Röntgenkontrastmittel lassen sich damit bisher jedoch kaum entfernen. Doch gerade diese können Mensch und Tier bereits in sehr geringen Mengen gefährlich werden.

Um diesem Problem zu begegnen, werden Kläranlagen zunehmend mit einer weiteren Reinigungsstufe nachgerüstet, die Spurenstoffe entfernen soll. Neben chemisch-oxidativen Maßnahmen, bei denen problematische Beiprodukte entstehen können, wird hierbei vor allem auf Aktivkohlen gesetzt. Diese haben wegen ihrer porösen Grundstruktur eine enorm große innere Oberfläche – schon bei vier Gramm Aktivkohle entspricht sie in etwa der Fläche eines Fußballfeldes – und können andere Stoffe in Abhängigkeit von deren Ladung adsorbieren, also ähnlich wie ein Schwamm in sich aufsaugen.

Stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten
Doch obwohl Spurenstoffe so in der Regel wirksam aus dem Ablauf entfernt werden können, hat das Verfahren in der Praxis häufig einen Haken, erklärt Ilka Gehrke, Abteilungsleiterin Umwelt und Ressourcennutzung am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen: »Bisher wird meist pulvrige Aktivkohle eingesetzt. Sobald diese voll beladen ist und keine Stoffe mehr adsorbieren kann, wird sie schlichtweg verbrannt. Unter Nachhaltigkeitsaspekten ist das sehr problematisch, zumal Aktivkohle häufig aus nicht-nachwachsenden Rohstoffen, nämlich ganz normaler Steinkohle, hergestellt wird.«

Forschende des Fraunhofer UMSICHT haben es sich daher in Zusammenarbeit mit mehreren Industriepartnern im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt »ZeroTrace« zum Ziel gesetzt, den Einsatz von Aktivkohlen zur Beseitigung von Spurenstoffen im Abwasser zu optimieren und haben hierfür einen ganzheitlichen Ansatz entwickelt. Begleitet wurde der Prozess durch Forschung im Innovations- und Ressourcenmanagement, die es ermöglichte, sozio-ökonomische sowie ökologische Innovationstreiber und -bremser von Anfang an mit zu berücksichtigen.

Als Ausgangsstoff für ihr Verfahren setzen Gehrke und ihr Team auf Aktivkohlen aus nachwachsenden Materialien wie Holz oder Kokosnuss in granulierter Form. Derartige Pellets können im Gegensatz zu Aktivkohlepulver bei sehr hohen Temperaturen reaktiviert, dadurch von den adsorbierten Stoffen befreit und wiederverwendet werden. Derzeit müssen die Aktivkohlen hierfür jedoch meist erst weit transportiert werden und weil sich die Kohlen beim Durchmischen im Wirbelbett gegenseitig abreiben, gibt es hohe Materialverluste.

Von der passenden Regenerationsmethode zum benötigten Ausgangsprodukt
Ziel der Forschenden war es daher ein Regenerationsverfahren zu entwickeln, das direkt vor Ort am jeweiligen Kläranlagengelände durchgeführt werden kann. »Hierfür nutzen wir die physikalische Wirkung von elektrischen Feldern aus«, erklärt Gehrke. »Diesen Gedanken hatten vor uns bereits andere für den Bereich der Gasreinigung und viele dieser Grundlagen konnten wir für unser Vorhaben auf den Flüssigbereich übertragen. Zu der Zeit waren elektrisch betriebene Verfahren aber sehr teuer und derartige Forschungsprojekte wurden nicht weiter verfolgt. Heute dagegen werden wir uns zunehmend den fluktuierenden Stromanfall von regenerativen Energien zunutze machen können. Hier wird in Zukunft erwartet, dass bei Stromspitzen Strom zu niedrigen Kosten verfügbar ist.«

Die Idee hinter dem neuen Verfahren, basierend auf der sogenannten Electric Field Swing Adsorption (EFSA), ist es, die Kohlen elektrisch so zu erhitzen, dass die Schadstoffe auf den Kohlen desorbieren oder schlichtweg verbrennen. Damit dies funktioniert, müssen sowohl die Aktivkohlen als auch der Reaktor bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So müssen die verwendeten Aktivkohlen eine hohe elektrische Leitfähigkeit aufweisen, damit genug Strom durch sie hindurchfließen kann. Trotzdem muss der Materialwiderstand groß genug sein, dass sie sich dabei ausreichend erhitzen. Gehrke und ihr Team entwickelten hierfür eigene Komposit-Aktivkohlen. Dem Grundmaterial Holzkohlenmehl mischten sie Grafit bei und erzielten dadurch eine elektrische Leitfähigkeit, die bei gleichbleibender Adsorptionsfähigkeit dreimal so hoch ist wie bei herkömmlichen Aktivkohlen. Bei der Reaktorkonstruktion bestand die Schwierigkeit darin, diesen so zu bauen, dass er auch hohen Temperaturen von bis zu 650 Grad standhält. In Bezug auf die Funktionsweise setzen Gehrke und ihre Kollegen auf eine kontinuierliche Regeneration: »Die Idee ist, dem Becken laufend über ein Förderband kleine Aktivkohlemengen zu entnehmen, diese zu regenerieren und wieder zurückzuführen. Dazu reicht dann ein verhältnismäßig kleiner Reaktor aus, weil sich nie alle Aktivkohlen gleichzeitig darin befinden und der Regenerationsprozess nur ein paar Minuten dauert. Da sich die Aktivkohlen im Reaktor selbst nicht bewegen, ist der Verschleiß gering und wir rechnen damit, dass wir pro Durchgang mit maximal zehn Prozent neuen Aktivkohlen auffrischen müssen.«

Vielversprechende und anschlussfähige Ergebnisse
Die selbst hergestellten Komposit-Aktivkohlen konnten bei Tests auf der Partnerkläranlage Wuppertal-Buchenhofen bereits erfolgreich mit Spurenstoffen beladen werden. Das Regenerationsverfahren führten die Forschenden an einem Protypenreaktor mit einem Fassungsvermögen von 40 bis 50 Litern außerhalb des Kläranlagengeländes durch und erzielten dabei erfreuliche Ergebnisse. Nach einer fast dreijährigen Projektphase zieht Ilka Gehrke daher ein positives Fazit: »Unsere Tests haben gezeigt, dass unser Verfahren ressourcenschonend und dabei gleichzeitig wirtschaftlich und konkurrenzfähig ist.« Aktuell diskutieren die Beteiligten über mögliche Nachfolgeprojekte mit Umsetzungen im größeren Maßstab direkt vor Ort.

Weitere Informationen:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2021/februar-2021/ganzhe…

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Neues Aktivkohleverfahren zur Elimination von Spurenstoffe auf Kläranlagen

ZeroTrace, ein neues ganzheitliches Komposit-Aktivkohleverfahren mit elektrischer Regeneration soll Spurenstoffe effizient auf Kläranlagen aus dem Abwasser entfernen. Entwickelt hat das Verfahren das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Als Ausgangsstoff für ihr Verfahren setzen die Wissenschaftler auf Aktivkohlen aus nachwachsenden Materialien wie Holz oder Kokosnuss in granulierter Form. Derartige Pellets können im Gegensatz zu Aktivkohlepulver bei sehr hohen Temperaturen reaktiviert, dadurch von den adsorbierten Stoffen befreit und wiederverwendet werden. Dies soll direkt vor Ort auf der Kläranlage erfolgen. Zum Einsatz kommt die physikalische Wirkung von elektrischen Feldern, wie sie beispielsweise schon für die Gasreinigung angedacht worden war, dort aber aus Kostengründen nicht weiterentwickelt wurde. Heute kann aber zunehmend der fluktuierende Stromanfall aus regenerativen Energien genutzt werden, die Forscher gehen davon aus, dass bei Stromspitzen Strom zu niedrigen Kosten verfügbar ist. Die Idee hinter dem neuen Verfahren, basierend auf der sogenannten Electric Field Swing Adsorption (EFSA), ist es, die Kohlen elektrisch so zu erhitzen, dass die Schadstoffe auf den Kohlen desorbieren oder schlichtweg verbrennen. Damit dies funktioniert, müssen sowohl die Aktivkohlen als auch der Reaktor bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So müssen die verwendeten Aktivkohlen eine hohe elektrische Leitfähigkeit aufweisen, damit genug Strom durch sie hindurchfließen kann. Trotzdem muss der Materialwiderstand groß genug sein, dass sie sich dabei ausreichend erhitzen. Die Wissenschaftler haben hierfür eigene Komposit-Aktivkohlen entwickelt. Dem Grundmaterial Holzkohlenmehl mischten sie Graphit bei und erzielten dadurch eine elektrische Leitfähigkeit, die bei gleichbleibender Adsorptionsfähigkeit dreimal so hoch ist wie bei herkömmlichen Aktivkohlen. Bei der Reaktorkonstruktion bestand die Schwierigkeit darin, diesen so zu bauen, dass er auch hohen Temperaturen von bis zu 650 °C standhält. In Bezug auf die Funktionsweise setzen die Wissenschaftler auf eine kontinuierliche Regeneration: Die Idee ist, dem Becken laufend über ein Förderband kleine Aktivkohlemengen zu entnehmen, diese zu regenerieren und wieder zurückzuführen. Dazu reicht dann ein verhältnismäßig kleiner Reaktor aus, weil sich nie alle Aktivkohlen gleichzeitig darin befinden und der Regenerationsprozess nur ein paar Minuten dauert. Da sich die Aktivkohlen im Reaktor selbst nicht bewegen, ist der Verschleiß gering. Die selbst hergestellten Komposit-Aktivkohlen konnten bei Tests auf der Partnerkläranlage Wuppertal-Buchenhofen bereits erfolgreich mit Spurenstoffen beladen werden. Das Regenerationsverfahren führten die Forschenden an einem Protypenreaktor mit einem Fassungsvermögen von 40 bis 50 Litern außerhalb des Kläranlagengeländes durch und erzielten dabei erfreuliche Ergebnisse. Nach einer fast dreijährigen Projektphase ziehen die Wissenschaftler ein positives Fazit: Die Tests haben gezeigt, dass das Verfahren ressourcenschonend und dabei gleichzeitig wirtschaftlich und konkurrenzfähig ist.

https://www.gfa-news.de/webcode.html?wc=20210202_002

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Gemeinsam stark: Zusammenspiel von verschiedenen Hefearten ermöglicht bio-ökonomischen Nachweis von Arzneimittel­rückständen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fakultät Biologie der TU Dresden und des Kurt-Schwabe-Instituts für Mess- und Sensortechnik Meinsberg e.V. wollen in dem gemeinsamen Projekt ISAr einen neuartigen biologischen Hefezellen-basierten Ganzzellsensor zum Nachweis von Arzneimittelrückständen in Böden und Abwässern entwickeln.  Das Projekt wird durch den Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Sachsen gefördert.

Der Wirkstoff Diclofenac ist eines der weltweit am häufigsten verbreiteten Medikamente zur Entzündungshemmung. Bei oraler Gabe von Diclofenac werden 60 – 70 % des Wirkstoffes über den Urin wieder ausgeschieden. So gelangt der Wirkstoff in das Abwasser und kann bereits in geringen Konzentrationsbereichen einen negativen Einfluss auf die Umwelt haben, beispielsweise zu Schädigungen der Kiemen und Nieren bei Fischen führen.

In dem Kooperationsprojekt „Implementierung eines Hefe-Pheromon-basierten Signalverstärkersystems zum Umweltmonitoring von Arzneimittelrückständen in Wässern (Akronym: ISAr) wollen die Wissenschaftler:innen der Arbeitsgruppe „Biologische Sensor-Aktorsysteme“ der TU Dresden gemeinsam mit dem Kurt-Schwabe-Institut für Mess- und Sensortechnik Meinsberg e.V. (KSI Meinsberg) einen nachhaltigen und kostengünstigen Hefezellen-basierten Ganzzellsensor zur Detektion von Diclofenac in umweltrelevanten Konzentrationen in Oberflächen und Abwässern entwickeln. Der Detektor basiert auf immobiliserten Hefezellen in einer geeigneten technischen Ausleseeinheit und soll zukünftig als schnelle, vor Ort einsetzbare Alternative zu den bisherigen aufwendigen labordiagnostischen Verfahren zum Einsatz kommen.

Das System beruht auf Hefezellen (Saccharomyces cerevisiae, S.c.), die bei Anwesenheit von Diclofenac ein Fluoreszenzprotein bilden. Zur robusten technischen Auslesung muss das entsprechende Fluoreszenzsignal aber verstärkt werden. Hierfür arbeitet das Team der TU Dresden um Dr. Kai Ostermann an der der Implementierung eines innovativen, intrinsischen, zellbasierten Verstärkungssystems, mit dem eine deutliche Verstärkung des Fluoreszenzsignals erreicht werden soll. „Mit dem im vorherigen Projekt BioSAM entwickelten Messaufbau können wir Diclofenac in einem Bereich von 5 – 50 μM detektieren. Die Sensitivität dieses Systems ist jedoch noch zu gering, um die im Abwasser oder Oberflächenwasser nachzuweisenden Konzentrationen an Diclofenac detektieren zu können. Daher wollen wir die Sensitivität der Diclofenac-Detektion mittels Reporter-Hefen erhöhen, um den nachzuweisenden Konzentrationsbereich soweit abzusenken, dass umweltrelevante Diclofenac-Konzentrationen erkannt werden können. Dafür werden wir zunächst umfangreiche Untersuchungen zur Modulation der Zell-Zell-Kommunikation und Signalverstärkung mittels des von uns erstmalig entwickelten und patentierten Hefe-Pheromon-basierten Systems einer gesteuerten Zell-Zell-Kommunikation vornehmen. Wenn eine Reporter-Hefe vielen anderen Hefezellen verlässlich kommuniziert, dass sie Diclofenac detektiert hat und die anderen Hefezellen dadurch angeregt werden, zu fluoreszieren, können wir eine stabile Signalverstärkung erreichen“, erläutert Ostermann.

Prof. Michael Mertig und sein Team am KSI Meinsberg werden im Anschluss die dabei erreichten Ergebnisse erstmals in einen realen Demonstratoraufbau, der für Vor-Ort-Messungen geeignet ist, sensorisch-technisch umsetzen. „Durch die Erhöhung der Nachweisempfindlichkeit könnte ein solcher Detektor an verschiedenen Stellen vorteilhaft zum Einsatz kommen, unter anderem zur Überwachung der Abwässer von Krankenhäusern und Altenheimen, der Pharmaindustrie sowie in regionalen Kläranlagen“, beschreibt Prof. Mertig das Ziel des Projekts.

Quelle: https://tu-dresden.de/forschung-transfer/news/gemeinsam-stark-zusammenspiel-von-verschiedenen-hefearten-ermoeglicht-bio-oekonomischen-nachweis-von-arzneimittelrueckstaenden

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ARA Glarnerland/CH: Pilotversuch

Die knapp 4-jährigen Pilot- und volltechnischen Versuche auf der ARA Glarnerland wurden diesen Frühling beendet. Nebst Unter-suchungen zur GAK Filtration und der Verfahrenskombination GAK mit Teilozonung in einer ersten Phase, wurde in einer zweiten Phase auch die Kombination GAK mit zusätzlicher PAK-Dosierung eingehend untersucht. Der Schlussbericht ist hier verfügbar.

https://micropoll.ch/Mediathek/newsletter-n17/

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Mikroverunreinigungen.de im neuen Layout von Hydro-Ingenieure übernommen

Eine über viele Jahre gewachsene Wissensplattform des AOL verfolgte das Ziel, kurze und kompakte Informationen u.a. zu den Betriebserfahrungen des erfolgreichen Einsatz von granulierter Aktivkohle der Fachwelt zur Verfügung zu stellen.

Als Ergänzung oder Alternative zu den Schweizer- oder deutschen Infoforen zeigten die Klicks auf die Videos der Homepage, wie wichtig der Erfahrungsaustauch zu betrieblichen Fragestellungen ist (www.micropoll.ch; www.koms-bw.de). Diese Erfahrungen des AOL wurden um aktuelle Projektvorstellungen und Fachvorträge der Hydro-Ingenieure zum Thema der 4. Reinigungsstufe ergänzt und in ein neues Layout überführt. Wir freuen uns, Ihnen die Ergebnisse unter www.mikroverunreinigungen.de/ vorzustellen und wünschen viel Spaß. So gesehen ist „fast“ alles beim Alten geblieben, der Wissensaufbau und -transfer zum Thema Spurenstoffe und deren Elimination aus dem Abwasser war und bleibt das Hauptanliegen.

Bei weiteren Fragen stehen Ihnen gerne Frau Dr.-Ing. Sarah Zydorczyk und Dipl.-Ing. Klaus Alt unter 0211 4499118 / 0211 4499155 gerne zur Verfügung.

http://www.hydro-ingenieure.de/mikroverunreinigungen-de

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Elimination von Spurenstoffen durch granulierte Aktivkohle-Filtration (GAK)

Grosstechnische Untersuchungen auf der ARA Furt, Bülach

Zielsetzung und Aufgabenstellung
Um die GAK-Filtration und die Kombination von GAK-Filtration mit vorgeschalteter Ozonung mit anderen Verfahren vergleichen zu können, wurde das Projekt auf der ARA Furt in Bülach lanciert. Durch die breite Unterstützung vieler Partner wie kantonalen Umweltämtern, verschiedener ARA-Betreiber bzw. Wasserwirtschaftsverbände wie auch der Industrie und Beratungsbüros im Bereich Abwasser wurde das Projekt organisiert und finanziert.

Der Lead zur Organisation und Durchführung hatte die Eawag. Ganz bewusst wurde das Projekt bzw. dessen Verlauf anhand der Ergebnisse und Erfahrungen weiterentwickelt. Neuen Projekterkenntnissen wurden mit neuen Fragestellungen Rechnung getragen und mit einer Vielzahl von weiteren Experimenten untersucht. Ein Beispiel hierfür ist die Erkenntnis, dass die hydraulische Aufenthaltszeit des Abwassers bzw. dessen Kontaktzeit mit der Aktivkohle zentral für die Effizienz des Verfahrens ist. Aber es wurden auch praxisorientierten Fragestellungen nachgegangen wie z.B.: Ist eine Reaktivierung von mit kommunalem Abwasser beladene GAK mit hoher Standzeit möglich und ist dies auch in der Schweiz machbar?

In der Phase 1 des Projektes (siehe dazu Abschnitt 4.4) wurden erste Erfahrungen im Umbau von Sandfilterzellen in GAK-Filterzellen gewonnen und erste Betriebserfahrungen mit den GAK-Filterzellen erworben. Die zeitliche Entwicklung des Rückhalts von organischem Kohlenstoff und von Mikroverunreinigungen in den GAKFilterzellen wurde analysiert und die Einflussfaktoren auf die Elimination identifiziert. In der Phase 2 wurde zusätzlich eine Teil-Ozonung vorgeschaltet, um diese Verfahrenskombination mit der reinen GAK-Filtration zu vergleichen (siehe dazu Abschnitt 5.2). Verschiedene Ozondosierungsstrategien wurden angewandt. Auch wurde die geringstmögliche Ozondosis zum Erreichen des Qualitätsziels in einer Vollozonung durch stufenweise Erhöhung der Ozondosis identifiziert. Die MVElimination der reaktivierten GAK wurde ebenfalls untersucht. In Abschnitt 4 werden die einzelnen Fragestellungen und die entsprechenden Einzeluntersuchungen im Detail aufgeführt.

https://micropoll.ch/ 

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Umweltminister fordern Förderung der 4. Reinigungsstufe

Wenn die Nachrüstung von Kläranlagen mit einer 4. Reinigungsstufe sinnvoll ist, soll diese finanziell gefördert werden. Auf diese Position haben sich die Umweltminister der Länder Mitte November auf der 95. Umweltministerkonferenz (UMK) verständigt. Die Umweltminister fordern den Bund auf, zu prüfen, mit welchen Mitteln und in welcher Form ein „Nationales Gewässerschutzprogramm” zur finanziellen Förderung durch die EU oder durch den Bund ermöglicht werden kann. Gleichzeitig betonen die Umweltminister, dass eine 4. Reinigungsstufe nicht die ausschließliche Lösung sein kann. Die UMK bittet den Bund, die im Spurenstoffdialog abgeleiteten Maßnahmen zur Vermeidung des Eintrages von Mikroschadstoffen in die Umwelt an der Quelle zu intensivieren. Beispielhaft führt die UMK die Zulassung, Herstellung, Anwendung von Arzneimitteln sowie die fachgerechte Entsorgung von Altmedikamenten an. Auch die Hersteller von Stoffen sollen gebeten werden, ihren Beitrag zu leisten. Aber auch die Wasserwirtschaft ist gefordert. Bei der Ausgestaltung eines Nationalen Gewässerschutzprogrammes soll auch berücksichtigt werden, inwieweit hydromorphologische Maßnahmen die Resilienz der Gewässer verbessern können. Eine Ausweitung auf alle Maßnahmen der Wasserrahmenrichtlinie wäre sehr zu begrüßen, heißt es dazu abschließend im UMK-Beschluss.

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Inbetriebnahme der ersten Ozonung in der Westschweiz auf der ARA Porrentruy

Die ARA des Verbands « Syndicat inter-communal pour l’épuration des eaux de Porrentruy et environs » (SEPE, 25’000 EW) hat im Juni 2020 eine neue Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination in Betrieb genommen. Sie ist die erste ARA in der Westschweiz mit einer Ozonung und anschliessender Filtration Die neue Reinigungsstufe ist auf einen Durchfluss von 300 l/s und eine Ozonmenge von 4 kgO3/h dimensioniert. Sie besteht aus einem Ozonreaktor mit einem Volumen von 170 m3 und 4 Filterzellen mit einer Fläche von 27 m2.

Ein ausgeklügeltes hydraulisches Konzept ermöglicht den Betrieb im Freispiegel trotz dem geringen verfügbaren Höhenunterschied. Die Ozonung konnte wie geplant und innerhalb des Budgets umgesetzt werden. Sie kann stabil betrieben werden und ein Reinigungseffekt über 80% wird erreicht. Momentan laufen diverse Tests um die Anlage zu optimieren. Eine aktuelle Übersicht zur Umsetzung der Spurenstoffelimination auf ARA finden Sie hier ARA Ausbau – VSA Micropoll

Quelle: https://micropoll.ch/Mediathek/newsletter-n17/

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ARA-Ausbau Schweden

In Schweden sind bereits mehrere Reinigungsstufen zur Spurenstoffelimination in Betrieb: Linköping (Ozonung), Simrishamn (Ozonung + GAK-Filtration) und Degeberga (GAK-Filtration für 2’000 EW). Bald wird in Kivik eine GAK-Filtration für 7’500 EW in Betrieb genommen. Auf dieser Karte sind zudem die Spurenstoff-Projekte dargestellt, die im Bau sind (blau markiert) und für welche Vorstudien erstellt wurden (rot markiert).

https://micropoll.ch/Mediathek/newsletter-n17/

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MS2field: Mikroverunreinigungen mobil messen

Konzentrationsspitzen von Pestiziden können von grosser biologischer und regulatorischer Bedeutung sein, werden aber selten und nur mit hohem Aufwand erfasst. Die neue MS2field-Plattform ist eine der ersten mobilen Messinfrastrukturen, die kontinuierliche und zeitlich hochaufgelöste Messungen von Mikroverunreinigungen in umweltrelevanten Konzentrationen im Feld erlaubt. Wie vielfältig Konzentrationsdynamiken von Pestiziden sein können und in welchem Ausmass Spitzenkonzentrationen mit konventionellen Probenahme- und Messtechniken bisher unterschätzt wurden, macht eine Messkampagne in einem landwirtschaftlich stark geprägten Bach sichtbar.

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Die Oberflächengewässer der Schweiz werden durch eine Vielzahl von organischen Spurenstoffen belastet. Diese Stoffe gelangen aus Siedlungen [1], Industrie und Gewerbe [2] oder aus der Landwirtschaft [3] durch unterschiedliche Transportpfade in die Gewässer. Die quantitative Erfassung dieser Stoffe erfordert eine grosse analytische Breite und Spezifität der Methoden sowie genügend hohe Sensitivität. Um Substanzeinträge in die Umwelt zu erfassen, müssen nicht nur arbeitsaufwendige Probenahmen- und Transporte ins Labor organisiert, sondern auch kostenintensive Labormessungen mit hochmodernen Massenspektrometern durchgeführt werden. Dies führt dazu, dass die Anzahl analysierbarer Proben und damit die zeitliche Auflösung von Messreihen begrenzt ist. Zudem vergehen oft Wochen bis Monate von der Probenahme bis zum Vorliegen der Endergebnisse.
Diese Limitierungen sind sowohl für die Praxis wie die Forschung oft unbefriedigend. Die Konzentrationen unterliegen je nach Quelle und Eintragsweg zum Teil starken zeitlichen Schwankungen. Ökologisch bedeutsame Spitzenkonzentrationen sind deshalb mit traditionellen Probenahme- und Analyseverfahren kaum erfassbar. Eine ungenügende zeitliche Auflösung macht auch eine Unterscheidung von verschiedenen Eintragspfaden oft unmöglich. Die lange Zeitspanne zwischen Probenahme und Vorliegen der Ergebnisse verhindert ausserdem eine zeitnahe Reaktion auf sich schnell ändernde Belastungssituationen.
Um solche Einschränkungen zu überwinden, wurde an der Eawag die mobile, autonome Messplattform MS2field ent­wickelt. Sie erlaubt es, zeitlich hochaufgelöste Messungen von Spurenstoffen vor Ort durchzuführen und Ergebnisse automatisch sofort zur Verfügung zu stellen. In diesem Artikel wird das System vorgestellt und die bisherigen Messkampagnen erläutert. Anhand eines Beispiels wird zudem das Potenzial von MS2field illustriert.

MS2Field: Komponenten und Funktionsweise
MS2field ist eine mobile Messplattform, installiert in einem Autoanhänger und aufstellbar an jedem Messstandort mit Anfahrtsmöglichkeit und Stromnetzanschluss. Im Anhänger sind ein Wasserentnahme- mit integriertem Filtrationssystem sowie ein hochauflösendes Massenspektrometer mit einem vorgeschalteten Flüssigchromatografen inklusive eines Probenanreicherungsmoduls eingebaut (Fig. 1).
Das Probenahmesystem pumpt kontinuierlich ca. 10 l/min Wasser aus dem Gewässer. Alle 20 Minuten wird die Filtration durch ein Ventil aktiviert, und 0,75 ml Probenfiltrat werden nach Zugabe der isotopenmarkierten internen Standards in die Dosiereinheit transportiert. Die Anreicherung geschieht nach Dosierung der Probe auf ein Festphasenextraktionssystem. Die angereicherten Stoffe werden anschliessend chromatografisch getrennt, bevor sie mit dem hochauflösenden Massenspektrometer (Orbitrap-Technologie) gemessen werden. Nach Abschluss der Messung werden die Daten automatisch in wenigen Minuten ausgewertet und verschlüsselt via Mobilfunknetz auf einen Datenserver übermittelt. Die Substanzkonzentrationen können per Browser in Echtzeit verfolgt werden [4].
Mit einer Klimaanlage und Sensoren werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrolliert und eingestellt. Webkameras mit Bewegungssensoren melden unvorhergesehene Eingriffe ins System und lassen eine visuelle Kontrolle per Remoteverbindung zu. Eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) überwacht und kontrolliert die Geräte. Im Fall von Rauch, Wasser auf dem Boden oder Überhitzen des Filtersystems werden die Geräte automatisch abgestellt und eine Warnmeldung via SMS verschickt [4].
Die manuelle Probenahme, Aufbereitung und Messung im Labor werden mit MS2field überflüssig. Die Installation vor Ort dauert etwa zwei Tage, danach sind lediglich einmal pro Woche Kontrolle und Wartung des Systems notwendig [4].

Vor-Ort-Messung– Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten
Zeitlich hochfrequente Messungen organischer Mikroverunreinigungen in Gewässern waren bisher wegen des extrem hohen Probenahme- und Analysenaufwands nur über kurze Zeitspannen möglich. Mit dem vollständig automatisierten Mess- und Auswerteablauf von MS2field wird diese Limitierung aufgehoben. Auch weitere Nachteile konventioneller Probenahmestrategien können mit den Vor-Ort-Messungen umgangen werden.
Bisher war zur Erfassung von organischen Mikroverunreinigungen eine manuelle Entnahme oder eine automatisierte Sammlung durch Autosampler nötig. Bei einer manuellen Probenahme ist nicht nur der Kosten- und Zeitaufwand für Anfahrt, Entnahme und Transport zu beachten, sondern auch die Schwierigkeit, Feldkampagnen ausserhalb der regulären Arbeitszeit zu realisieren. Autosampler sind dagegen hinsichtlich der Probenanzahl limitiert.
Der vermutlich gravierendste Nachteil liegt jedoch darin, dass häufig mehrere Tage von der Entnahme bis zur Analyse im Labor vergehen und die Proben zudem teilweise für Wochen oder Monate zwischengelagert werden. Während dieser Zeit besteht insbesondere für leicht abbaubare Substanzen die Gefahr, dass es aufgrund von Abbauprozessen zu Minderbefunden in den Proben kommt, was wiederum Fehlinterpretationen zur Folge hat. Der zeitliche Versatz zwischen Probenahme und Vorliegen des Analysenwertes verhindert ausserdem eine zeitnahe Reaktion auf eventuell kritische Substanzbefunde im Gewässer.
Vorort-Messungen zur Gewässerüberwachung werden deshalb zwar bereits seit langem durchgeführt, dies allerdings nur mit einfachen Sensorsystemen. Aufwendigere Analysengeräte wie Massenspektrometer sind bisher für den mobilen Feldeinsatz kaum verfügbar.
Im MS2field wird ein hochauflösendes Massenspektrometer verwendet. Dieses ermöglicht die Detektion und Quantifizierung einer nahezu unbeschränkten Anzahl Substanzen und erlaubt zudem eine retrospektive Analyse von bekannten sowie unbekannten Substanzsignalen aus dem digitalen Messdatenarchiv [5]. Da die Analyse direkt nach der Probenahme erfolgt, werden auch potenzielle Fehler wie Verwechslung oder Kontamination der Proben eliminiert.
Um die Leistungsfähigkeit des Systems im Feld bei verschiedenen Anwendungen zu evaluieren, wurde MS2field 2019 in drei Messkampagnen an folgenden Standorten getestet: fünf Wochen im Zu- und Ablauf der Kläranlage Fehraltorf-Russikon, fünf Wochen in einem kleinen Fliessgewässer in einem landwirtschaftlich stark genutzten Gebiet und sieben Wochen im Grenzfluss Doubs.

Abwasser – Abbild der Gesellschaft
Von Mitte Februar bis Anfang April wurden an der Kläranlage Fehraltorf-Russikon zuerst Messungen im Rohabwasserzulauf direkt nach dem Sandfilter (zwei Wochen) und anschliessend für drei Wochen im Ablauf des Nachklärbeckens durchgeführt.
Durch die 20-minütigen Messintervalle konnten erstmals Dynamiken von Mikroverunreinigungen im Abwasser sichtbar gemacht werden, die bisher nur teilweise erahnt werden konnten. Obwohl es sich um ein relativ kleines Einzugsgebiet handelt und man darum grosse kurzfristige Schwankungen erwarten würde, konnten für häufig eingenommene Arzneimittel überraschend systematische Tagesgänge beobachtet werden. Der Blutdrucksenker Candesartan ist ein gutes Beispiel dafür (Fig. 2). Die berechneten Frachten entsprechen rund 100 typischen täglichen Dosen. Im Gegensatz dazu traten bei dem Antibiotikum Clarithromycin in einer Woche nur wenige einzelne Peaks auf. Diese könnten einzelnen WC-Spülungen von wenigen Patienten entsprechen und wären in Sammelproben wegen Verdünnung nicht nachweisbar gewesen (nicht abgebildet).
Zwei weitere interessante Beispiele sind das Herbizid Mecoprop und das Biozid Diuron. Beide werden ihrer Verwendung wegen vor allem bei Regenwetter erwartet. Dies trifft für Mecoprop zu, das in Bitumenbahnen auf Flachdächern als Durchwurzelungsschutz eingesetzt wird [6] (Fig. 2): Ein wesentlicher Peak trat kurz nach dem Beginn des einzigen Regenereignisses in der Messperiode auf. Erhöhte Diuronkonzentrationen wurden hingegen ausschliesslich an Werktagen beobachtet, was eher auf eine industrielle Verwendung hindeutet.

Fluss – Einfluss des Karstes?
Von Ende August bis Anfang Oktober 2019 wurden organische Mikroverunreinigungen im Doubs bei Saint-Ursanne gemessen. Der Fluss fliesst im Jura durch Karstgebiet. Inwieweit das komplexe karsthydrologische Abflussregime die Gewässerqualität des Doubs beeinflusst, ist bisher wenig bekannt [7, 8]. Starkregenereignisse, Gewitter und Schneeschmelze können im Karst zu einem schnellen Abtrag von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln von den landwirtschaftlichen Nutzflächen ins Gewässer führen. Daneben gelangen auch mit dem gereinigten Abwasser aus Kläranlagen Schadstoffe in den Doubs. Bei bisherigen Untersuchungen wurden keine erhöhten Konzentrationen von Mikroverunreinigungen festgestellt. Allerdings basierten alle bisherigen Messkampagnen auf Wochenmischproben und waren damit nicht geeignet, kurzzeitige Konzentrationsspitzen zu erfassen.
Mit MS2field wurden 17 gebietsspezifische Pflanzenschutzmittel sowie typische abwasserstämmige Substanzen kontinuierlich über Wochen hinweg gemessen. Figur 3 demonstriert die Zuverlässigkeit der Daten über eine solche längere Messperiode: Die Wiederfindungsrate des Blutdrucksenkers Candesartan lag in allen aufdotierten Doubs-Proben über sieben Wochen hinweg zwischen 80 und 120%.
Während der Messperiode traten keine kurzzeitigen Konzentrationsspitzen der untersuchten Stoffe im Doubs auf [9]. Abwasserstämmige Mikroverunreinigungen wiesen stabile Konzentrationsverläufe auf, wie die Messungen von Candesartan demonstrieren (Fig. 3): Die Konzentration lag über den gesamten Messzeitraum zwischen 15 und 30 ng/l. Dagegen wurden selbst während Regen­ereignissen keine der untersuchten Pflanzenschutzmittel nachgewiesen. Folglich schien im Untersuchungszeitraum der Einfluss von schnellen Oberflächeneinträgen aus landwirtschaftlichen Flächen auf die Gewässerqualität gering zu sein.

Spitzenkonzentrationen im landwirtschaftlichen Bach 
Der untersuchte Bach entwässert ein kleines, landwirtschaftlich stark genutztes Einzugsgebiet. Frühere Messkampagnen hatten hier bereits eine hohe Pestizidbelastung dokumentiert [3, 10]. Da der Bach zudem im Rahmen des NAWA-Trend-
Programms untersucht wurde, bot sich eine gleichzeitige Messkampagne mit MS2field an. Diese Konstellation erlaubte einerseits einen direkten Vergleich mit dem etablierten Probe- und Analysevorgehen, andererseits konnten die Messwerte auch mit früheren Daten in Bezug gesetzt und das Verständnis für Quellen und Eintragspfade im Gebiet weiter verbessert werden.
Die Messkampagne wurde von Ende Mai bis Anfang Juli 2019 durchgeführt. Dabei wurden circa 3000 Proben gemessen und der Konzentrationsverlauf von etwa 30 Pflanzenschutzmitteln in Echtzeit auf dem Dashboard visualisiert (Fig. 1, rechts).
Anschliessend an die automatisierte Auswertung wurden aus den Analysedaten 60 weitere Substanzen vertieft untersucht. Von diesen wurden 32 während des Messzeitraums in dem Bach nachgewiesen. Die Wiederfindungsrate aller detektierten Substanzen lag in 75% der Fälle zwischen 70 und 130% (80% bei Substanzen mit eigenem isotopenmarkiertem Standard), was die hohe Genauigkeit und Präzision der MS2field-Messungen bestätigt. Da im Rahmen von NAWA Trend parallel zu den MS2field-Messungen vom Kanton 3,5-Tages-Mischproben gesammelt und untersucht wurden, konnte ein direkter Vergleich der beiden Messdatenreihen durchgeführt werden. Trotz unterschiedlicher Probenahmestrategie und Messtechnik stimmten die Konzentrationen für alle untersuchten Substanzen in beiden Datensätzen sehr gut überein, was die Zuverlässigkeit der mit MS2field erzeugten Daten ein weiteres Mal bestätigte.

Veränderte ökotoxikologische Bewertung von Konzentrationsspitzen 
Im April 2020 wurden für 19 Pestizide und 3 Arzneimittel substanzspezifische chronische und akute numerische Anforderungen in der Gewässerschutzverordnung (GSchV) verankert. Die akuten Anforderungswerte (AQK) dürfen zu keinem Zeitpunkt im Gewässer überschritten werden, um so aquatische Organismen vor akut toxischen Schädigungen zu schützen. Diese Vorgaben werden im Rahmen von NAWA Trend mit 3,5-Tages-Mischproben überprüft.
Inwieweit sich die Bewertung der Gewässerqualität nach den Kriterien der GSchV für akut toxische Schädigungen verändert, wenn statt dieser 3,5-Tages-Mischproben zeitlich hochaufgelöste Messungen herangezogen werden, kann an den Konzentrationsmessungen des Insektizids Thiacloprid im untersuchten Bach gezeigt werden. Thiacloprid schwankte über den gesamten Messzeitraum sehr stark (Fig. 4). Die Konzentration veränderte sich innerhalb weniger Stunden und Tage um mehrere Grössenordnungen, und das AQK von 80 ng/l wurde häufig um ein Vielfaches (bis zu 30-fach) überschritten. Demgegenüber wird das AQK kaum oder nicht überschritten, wenn für die Beurteilung 3,5-Tages-Mischproben genutzt werden. Kurzzeitige Maximalkonzentrationen werden in den Mischproben während des Sammelzeitraums verdünnt, womit es zu einer deutlichen Unterschätzung des akuten Risikos kommt.
Auch bei anderen Pestiziden kam es zu einer Unterschätzung dieses Risikos durch 3,5-Tages-Mischproben. In Figur 5 sind Unterschätzungsfaktoren für mehrere Substanzen, die während des Untersuchungszeitraums im Bach detektiert wurden, dargestellt (s. Box). Abhängig vom Pestizid und der damit verbundenen Konzentrationsdynamik sowie der Detektionsfrequenz übertrafen im Extremfall die maximalen Höchstkonzentrationen der 20-minütigen Messung den Konzentrationsmittelwert in einer 3,5-Tages-Mischprobe bis um das 170-Fache.
Das Erfassen von Spitzenkonzentrationen ist für eine ökotoxikologische Bewertung relevant. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einigen Pestiziden kurze Expositionsspitzen von weniger als einer Stunde schon negative Auswirkungen auf aquatische Organismen haben können [11]. Weiterhin kann bei wiederholtem Auftreten von Spitzenkonzentrationen eine zweite, gleich hohe Konzentration grössere Auswirkungen haben als die erste, da sich die Organismen in der Zwischenzeit noch nicht erholen konnten [12]. Dieses Risiko wird in Mischproben übersehen, kann mit den zeitlich hochaufgelösten MS2field-Messungen aber abgedeckt werden.

Identifikation von Stoffquellen und Eintragspfaden
Die zeitlich hochaufgelösten Messreihen im untersuchten Bach zeigen unterschiedliche Dynamiken der detektierten Pestizide. Zusammen mit Informationen zu Niederschlag, Wasserstand und Windstärke kann zurückverfolgt werden, durch welche Prozesse die Substanzen in den Bach gelangt sind.
Pestizide können durch Regenereignisse von den Feldern in Oberflächengewässer ausgewaschen werden. Dieser Prozess ist für die meisten Pflanzenschutzmittel der Haupteintragsweg in den hier untersuchten Bach. Figur 6 zeigt, dass die Konzentrationsspitzen von Dimethenamid mit erhöhtem Wasserstand zusammenfallen. Allerdings wurden auch in Trockenzeiten zwei Konzentrationsspitzen des Herbizids erfasst (26. Juni und 6. Juli). Diese könnten darauf hinweisen, dass hochkonzentrierte Spritzmittelreste durch unsachgemässe Handhabung oder beim Waschen der Spritzgeräte in den Bach gelangt sind. Möglicherweise wurde die Substanz aber auch während der Applikation durch Abdrift von Spritzlösung in das Gewässer eingetragen.

Ausblick
Mit den Fähigkeiten der MS2field-Messplattform eröffnen sich mannigfaltige Einsatzmöglichkeiten im Bereich des Abwassermanagements und des Gewässermonitorings. So können neue Informationen zum Eintrag und zur Elimination von Haushalts- und Industriechemikalien bei der Abwasserreinigung gewonnen werden. Ebenso eignet sich MS2field für die Erfassung von Konzentrations- und Eintragsdynamiken von Pflanzenschutzmitteln und Abbauprodukten in Flüssen und Bächen. Dieses Wissen verschafft ein vertieftes Verständnis zu Transportprozessen und Eintragspfaden. Daraus können zielgerichtet wirksame Vermeidungsmassnahmen abgeleitet werden.
Weitere mögliche Anwendungsmöglichkeiten sind Kontrolle und Optimierung der Reinigungsleistung der vierten Reinigungsstufe (Ozon, Aktivkohle) in Kläranlagen. Das plötzliche Auftreten von toxischen Substanzen in Gewässern, welche zur Trinkwassergewinnung verwendet werden, könnte in Echtzeit verfolgt und zur Alarmierung herangezogen werden. Auch eine Langzeitüberwachung von Gewässern hinsichtlich gesetzlicher Anforderungen bei variierenden hydrologischen Verhältnissen ist machbar.
Darüber hinaus erlaubt die kontinuierliche Erfassung der Konzentrationsverläufe für eine sehr breite Pflanzenschutzmittelpalette eine realistischere Beurteilung der toxikologischen Belastung von aquatischen Organismen. In Zusammenarbeit mit Toxikologen könnten daher Modelle ausgearbeitet werden, welche die aquatische Toxizität realitätsnaher darstellen.
Die neuen Möglichkeiten, die MS2field bietet, werden demnächst verschiedene praxisorientierte Projekte ermöglichen. So wird die Plattform eingesetzt, um die Pestizidbelastung in dynamischen Karstgebieten zu untersuchen, die Spurenstoffdynamik von Mischabwasserentlastungen besser zu verstehen und die Einleitung von Industrieabwässern zu analysieren.
Potenzial, um die Leistungsfähigkeit und den Einsatzbereich von MS2field weiter auszubauen, ist vorhanden. So bestehen Möglichkeiten, die Messfrequenz zu erhöhen oder mittels parallel arbeitender Probenaufbereitungsmodule mehrere Stellen – zum Beispiel den Zu- und Ablauf einer Kläranlage – gleichzeitig zu messen. Zudem könnten Energieverbrauch und Grösse der Plattform reduziert werden, um den Einsatz des Geräts noch flexibler zu gestalten.

https://www.aquaetgas.ch/wasser/gew%C3%A4sser/20201012_ag12_ms2field-mikroverunreinigungen-mobil-messen/

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