Start Blog Seite 159

Energieeinsparung durch Einsatz eines hocheffizienten Belüftungssystems mit alternierend/intermittierender Nitrifikation/Denitrifikation

0

Energieeinsparung ist das Thema unserer Zeit. Wenn gleichzeitig die Reinigungsleis-tung einer Kläranlage verbessert wird ist das revolutionär.

Zur diesjährigen IFAT präsentiert die WVE GmbH ein innovatives System zum Betrieb von Belebungsbecken am Fallbeispiel der Kläranlage Kaiserslautern.

Beschreibung:
Betriebs- und Energieoptimierung durch Systemänderung der biologischen Reinigungsstufe (Umbau: März 2008 – November 2008, Ausbaugröße: 210 000 EW).
Die Stadtentwässerung Kaiserslautern betreibt auf der Zentralkläranlage Kaiserslautern drei Belebungsbecken mit einem Gesamtvolumen von 22.500 m³ zur biologischen und weitergehenden Abwasserreinigung. Altersbedingt stand der Tausch der feinblasigen Membranbelüfter an. Bei der Variantenprüfung fiel die Entscheidung auf das „System MESSNER“, welches das gesamte bisher im Einsatz befindliche Verfahren grundlegend ändert. Die Betriebsweise wurde von einer kaskadierten, vorgeschalteten Denitrifikation auf eine Rohrströmungstechnologie mit intermittierender Stickstoffelimination in Verbindung mit einer flächendeckenden Belüftung ohne Rührwerk und interner Rezirkulation umgestellt. Die Bestandsbelüftung wurde durch die hocheffizienten MESSNER-Plattenbelüfter ersetzt und alle Rührwerke in den Belebungsbecken wurden entfernt.

Bezüglich der Reinigungsleistung wurde eine NGes-Konzentration im Ablauf der Kläranlage von < 10 mg/l sowie eine Verringerung des Energieverbrauchs der Turboverdichter von 20% garantiert. Weitere Einsparungen sollten durch Wegfall der Rührwerke erzielt werden. Bewertung:
Durch die neue Betriebsweise und MSR-Technik wurde eine Energieeinsparung weit über die garantierten Werte hinaus im Bereich der Turboverdichter von 40% erzielt. Hinzu kommen noch weitere Einsparungen durch die entfallenen 42 Rührwerke von ca. 420 MWh/a. Das garantierte Reinigungsziel NGes < 10 mg/l wird sicher eingehalten. Weitere positive Effekte sind: Entfallene Instandhaltungs- und Wiederbeschaffungskosten der Rührwerke, verfahrensbedingt zu keiner Jahreszeit Probleme mit Fadenbakterien und Schaumbildung auf den Belebungsbecken und im Faulbehälter, Verbesserung des Schlammindizes, stark reduzierte Schwimmschlammbildung auf den Nachklärbecken, bessere Stabilisierung des Schlamms im Faulbehälter, Steigerung der Entwässerbarkeit des Faulschlamms, um die wesentliche Vorteile zu nennen. Nach fast einem Jahr Betriebszeit der zuerst umgebauten Biologie ist erkennbar, dass in den Bereichen Energie und Reinigungsleistung, trotz der bereits erreichten Werte noch weiteres Potential durch Optimierung der Mess-, Steuer- und Regeltechnik besteht - insbesondere durch die nun vorhandene Überkapazität der Turboverdichter. Dieses System steigert nicht nur die Effizienz in den Bereichen Energie und Reinigungsleistung, es kann bei vorhandenen Anlagen auch aufwendige Neubaumaßnahmen wie z. B. die Schaffung von zusätzlichem Beckenvolumen überflüssig machen. Weiterhin hat die WVE GmbH Dienstleistungen in den Bereichen Polymervertrieb, Regenerative Energien sowie Wasser- und Abwassermanagement in ihrem Portfolio. Besuchen sie unsere Internetseite www.wve-kl.de.

WVE GmbH Kaiserslautern
Blechhammerweg 50
67659 Kaiserslautern
Tel: 0631-7500573

 

Bio-P auf dem Rückzug?

0

Der Abwasserzweckverband Heidelberg umfasst die Städte Heidelberg, Eppelheim und Neckargemünd sowie die Gemeinde Dossenheim. Er ist zuständig für die Abwasserableitung und die Abwasserreinigung im Verbandsgebiet. Hauptaufgabe ist daher der Betrieb des Großklärwerkes mit einer Ausbaugröße von 380.000 E + EGW. Die Anlage ging 1983 in Betrieb und war ursprünglich ausgelegt auf den Abbau der organischen Abwasserinhaltsstoffe CSB und BSB sowie des Phosphors mittels Simultanfällung durch
Eisenchloridsulfat. Die zusätzlichen Anforderungen an die Nährstoffelimination, insbesondere von Stickstoff, wurde in Heidelberg  durch Verfahrensoptimierung erfüllt. Durch Verkürzung und Umbau der Vorklärung in Grobentschlammung und anoxische Zonen ließ sich der Stickstoffablaufwert von 13 mg/l einhalten. Zudem stellte sich eine biologische P-Elimination ein, die 2005 durch eine chemische P-Elimination ersetzt wurde. Gründe und Betriebserfahrungen sind im Nachfolgenden zusammengestellt.

Nach Umbau der Vorklärung in Grobentschlammung und anoxische Zonen stellte sich neben der gezielten Stickstoffentfernung gleichzeitig eine biologische Phosphorelimination
ein. Ein Verfahrensbild ist in Abb. 1 dargestellt. Mit dieser Betriebsweise wurde die Anlage bis 2005 betrieben.

Biologische P-Elimination
Unterstützt und positiv beeinflusst wurde dieser Prozess durch die Abwasserzusammensetzung. Im Einzugsgebiet der Kläranlage befindet sich ein Lebensmittebetrieb, der Fruchtsäfte
und Fruchtsaftkonzentrate herstellt. Das Abwasser des Betriebes war sehr hoch belastet mit leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen (70.000 EGW). Zur Unterstützung und Sicherstellung des Ablaufwertes wurden Fällmittel in der Größenordnung von 0,3 mol Fe pro mol P zugegeben. Unter
diesen Voraussetzungen ist es gelungen, einen P-Ablaufwert von kleiner 1 mg/l einzuhalten. Bei mittleren Zulaufkonzentrationen von 9 mg P/l betrug der Ablaufwert bei dieser
Betriebsweise 0,7 mg P/l im Jahresdurchschnitt.

Im Jahr 2005 veränderte sich die Abwasserzusammensetzung im Zulauf der Kläranlage deutlich. Der Lebensmittelbetrieb hatte eine eigene Vorbehandlungsanlage gebaut, was zu einer deutlichen Reduzierung der Abwasserfracht bzw. Belastung, insbesondere der leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen führte (Tabelle1). Die biologische P-Elimination war unter
diesen Umständen nicht aufrechtzuerhalten. Neben der reduzierten Zulauffracht machten insbesondere auch Belastungsschwankungen am Wochenende Probleme. Versuche einer belastungs- und/oder zuflussabhängigen Zudosierung von C-Quellen führten nicht zum Erfolg, so dass man sich
entschied, die Phosphorelimination wieder auf chemischem Wege zu betreiben.

Chemische P-Elimination
Die Umstellung von biologische auf chemische P-Elimination erfolgte im Jahr 2005. Bei analogen Zulaufwerten wie vor der Umstellung von 9 mg P/ l betrug der Ablaufwert im Jahresmittel
0,45 mg P/l. Als Fällmittel wurde bzw. wird Eisen-IIIChloridsulfat in der Größenordnung von 1,4 Mol Fe pro Mol P eingesetzt.

Vergleich biologische versus chemische P-Elimination
Im Nachfolgenden sind erste Erfahrungen und Daten der unterschiedlichen Verfahren zusammengestellt. In den Jahren 2003 und 2004 erfolgte die P-Elimination wie beschrieben auf biologische, im Jahr 2006 auf rein chemische Weise. Die Umstellung geschah im Jahr 2005. Nach einem Jahr Betrieb
hat die Umstellung im Wesentlichen folgende Faktoren beeinflusst: Prozessstabilität, Fällmittelmenge, Schlammmenge, Entwässerungseigenschaften des Faulschlamms (Flockungsmittelmenge und Entwässerungsgrad).

Den ganzen Bericht lesen Sie unter:
http://www.die-wasserlinse.de/download/ausgabe_1210/wl12_komplett.pdf

Zusammenfassung
Der Abwasserzweckverband hat im Jahr 2005 die biologische durch die chemische P-Elimination ersetzt. Dies hat sich sehr positiv auf die Prozessstabilität ausgewirkt. Hinsichtlich der Kosten lässt sich nach einem Betriebsjahr eine leichte Steigerung um etwa 1,2 Cent/m³ gebührenfähige Abwassermenge
feststellen. Sowohl bei der Prozessstabilität als auch bei der Kostenbetrachtung handelt es sich um erste Erkenntnisse, die in der Folgezeit noch weiter betrachtet und vertieft werden müssen.

Autor:
Dipl.-Ing. Jürgen Weber
Abwasserzweckverband Heidelberg

Deammonifikation

0

Das ISAH arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der Deammonifikation. Die Untersuchungen Ende der 80iger Jahre auf der Deponiesickerwasseranlage Mechernich gehören international zu den ersten Untersuchungen zur Deammonifikation.

Ebenso wurde mit der großtechnischen Anlage zur Schlammwasserbehandlung in Hattingen die erste deutsche Deammonifikationsanlage zur Schlammwasserbehandlung durch das ISAH initiiert und anschließend wissenschaftlich betreut.

Im Rahmen der Anlagenoptimierung auf der KA Hattingen wurde u.a. das DIB-Verfahren durch das ISAH entwickelt (Deammonifikation mit intermittierender Belüftung im Biofilm). In den letzten zwanzig Jahren wurden zahlreiche verschiedene Anwendungsfälle im labor- und halbtechnischen Maßstab untersucht. Aktuell liegt der Schwerpunkt bei der Unterstützung verschiedener Anlagenbetreiber bei der Verfahrensauswahl und -umsetzung sowie in der Weiterentwicklung der Verfahren insbesondere im Hinblick auf Verfahrensstabilität und Minimierung treibhausrelevanter Gasemissionen.

Verfahren
In kommunalen Kläranlagen wird Stickstoff bisher hauptsächlich über die klassische Prozesskombination Nitrifikation/Denitrifikation eliminiert, wobei die Wirtschaftlichkeit dieser Verfahrenskombination im wesentlichen durch die Bereitstellung eines ausreichenden Beckenvolumens sowie durch den Energieverbrauch für die Sauerstoffversorgung (Nitrifikation) und die Umwälzung (Denitrifikation) geprägt ist.

Neben der Verkürzung des Abbauweges durch gezielte Unterdrückung der Nitratation ist in den letzten Jahren mit der Einbindung des Deammonifikationsprozesses in die Abwasserreinigung (= Nitritation + anaerobe Ammoniumoxidation) ein wesentlicher Entwicklungsschritt zu Energieeinsparungen bei der Stickstoffelimination gelungen. Inzwischen bestätigen weitreichende Betriebserfahrungen in halb- und großtechnischen Anlagen das erhebliche Potential. Aktuell sind verschiedene Verfahrenskonzepte zur Umsetzung am Markt verfügbar – nach Erfahrungen im kommunalen Bereich nun auch vermehrt im industriellen Einsatz.

Der spezifische Energieverbrauch lässt sich gegenüber den herkömmlichen Verfahren durch die Umstellung auf Nitritation/Denitritation im Teilstrom von 3,6 kWh/kg Neli auf unter 3 kWh/kg Neli reduzieren und durch den Einsatz der Deammonifikation sogar auf unter 1,5 kWh/kg Neli senken.

Da bei der Deammonifikation im Gegensatz zur Denitrifikation kein Kohlenstoff zur Umwandlung des Stickstoffs zu N2-Gas benötigt wird, bieten sich nicht nur direkte, sondern auch indirekte energetische Vorteile durch die weitgehende Ausnutzung vorhandenen Kohlenstoffs zur Biogasbildung. Die Anwendung vorgeschalteter Anaerobverfahren in Kombination mit innovativen Stickstoffeliminationsprozessen ermöglicht so, dass sich Energiegewinn durch Biogasbildung mit geringerer CO2-Emission koppeln lässt. Mehr:

http://www.isah.uni-hannover.de/pages/forschung/deammonifikation.shtml

Schlecht absetzbare Belebtschlammflocken – Ursachen und Lösungen

0

Das Belebtschlammverfahren ist das am weitesten verbreitete Verfahren zur Reinigung kommunaler Abwässer. Die Qualität des Ablaufwassers hängt sehr stark von der Effizienz der Fest/Flüssig-Trennung im Nachklärbecken ab. Diese ist nur hoch, wenn die Bildung von Belebtschlammflocken im Belebungsbecken ungestört funktioniert. Im Zuge der weitergehenden Abwasserreinigung ist auf Kläranlagen die Stickstoff- und Phosphorelimination eingeführt worden. Besonders für die Optimierung der Nitrifikation ist der Parameter „Säurekapazität“ von großer Bedeutung, da die nitrifizierenden Bakterien Säure produzieren. Verfügt das Abwasser nicht über eine ausreichend hohe Säurekapazität, kann der pH-Wert unter 7,0 fallen. In diesem pH-Bereich sind jedoch sowohl die Nitrifikationsleistung als auch die Belebtschlammflockenbildung stark beeinträchtigt. Doch nicht immer ist eine zu geringe Säurekapazität die alleinige Ursache für kleine, leichte und scherempfindliche Belebtschlammflocken. Fast genau so häufig sind erhöhte Natriumkonzentrationen im Zulauf für schlecht absetzbare Belebtschlammflocken (mit)verantwortlich. Wodurch entstehen schlecht absetzbare Belebtschlammflocken?

Ursache für die ungünstige Flockenstruktur ist in der Regel die Aneinanderreihung folgender Umstände: • Niedrige Härtegrade im Einzugsbereich der Kläranlage und/ oder ein hoher Anteil an Niederschlagswasser im Zulauf führen zu niedrigen Calciumgehalten im Zulauf der Kläranlage.
• Der Belebtschlamm und das zufließende Abwasser kommen in Kontakt und die Calciumionen im Schlamm und im Wasser verteilen sich gemäß dem Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht auf beide Fraktionen.
• Ist die Calciumkonzentration im Zulauf gering – was bei hohem Niederschlagswasseranteil die Regel ist – wird dem Belebtschlamm viel Calcium entzogen und gelangt in den Vorfluter. Da das Calcium jedoch für den Zusammenhalt der Belebtschlammflocken entscheidend verantwortlich ist, werden die Flocken mit der Zeit immer kleiner, leichter und scherempfindlicher.
• Aufgrund der Nitrifikation, bei der Salpetersäure (HNO3) entsteht, wird Calcium zur Bildung von Puffersubstanzen (Calciumhydrogencarbonat) benötigt und bei Bedarf aus dem Belebtschlamm herausgelöst. Je mehr nitrifiziert wird, desto mehr Calcium muss aus dem Schlamm herausgelöst werden. Das ist vor allem dann der Fall, wenn man Trübund Filtratwässer behandelt.
• Bei der Denitrifikation wird Lauge produziert, wodurch die Hälfte der bei der Nitrifikation verbrauchten Säurekapazität zurückgewonnen werden kann. Ist die Denitrifikationsleistung aufgrund von „Futtermangel“ (Mangel an leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen) nur eingeschränkt möglich, wird auch wenig Säure abgepuffert. Der pH-Wert im Ablauf sinkt.
• Bei niedrigen Temperaturen löst sich Sauerstoff im Belebungsbecken wesentlich besser als bei hohen Temperaturen. Deshalb kann die Belüftungsintensität reduziert werden. Infolgedessen wird jedoch auch weniger CO2 aus der Belebung herausgestrippt und bleibt als Kohlensäure im Wasser. Diese Kohlensäure verbindet sich ebenfalls mit Calcium zu Calciumhydrogencarbonat und gelangt in den Vorfluter.
• Reicht das im Zulaufwasser und im Belebtschlamm verfügbare Calcium nicht mehr aus, um sowohl die bei der Nitrifikation entstehende Salpetersäure als auch die beim C-Abbau entstehende Kohlensäure anzupuffern, sinkt der pH-Wert des Abwassers, wodurch die Nitrifikation deutlich verlangsamt wird, bis sie zum Erliegen kommt.
• Bei einem pH-Wert < 6,8-7,0 im Belebungsbecken ist das Wasser in der Belebung in der Regel „kalkaggressiv“ und löst alle verfügbaren Kalk- bzw. Calciumverbindungen sowohl im Belebtschlamm als auch im Beton der BeckenBeckenwände auf. Die gelösten Calciumverbindungen gelangen in den Vorfluter. Mit der Zeit können so erhebliche Schäden am Beton entstehen.
• Ohne Calciumverbindungen im Schlamm gibt es keine wirksame Belebtschlammflocke. Der Belebtschlamm treibt bei hydraulischer Belastung der Kläranlage in Form von Feinsuspensa ab. Der Ablauf ist trüb, die CSB- und Ges.-PGehalte steigen deutlich an.
• Kommt der durch oben genannte negative Einflüsse vorgeschädigte Belebtschlamm mit Natriumionen etwa aus industriellen Abwässern oder durch Streusalzeinsatz im Einzugsgebiet in Kontakt, tauschen die Natriumionen die verbleibenden Calciumionen im schlimmsten Fall innerhalb weniger Stunden aus, sodass der Belebtschlamm vollends seine Flockungsfähigkeit verliert.

Zusammenfassend führen folgende Faktoren zu schlecht absetzbaren Belebtschlammflocken in Kläranlagen:
• niedrige Wasserhärte im Trinkwasser des Einzugsgebiets,
• hoher Niederschlagswasseranteil im Zulauf,
• geringe Temperaturen,
• hohe Stickstoffgehalte im Zulauf,
• Behandlung von Trüb- und Zentratwässern,
• eingeschränkte Denitrifikation aufgrund von „Futtermangel“,
• häufiger Schneefall mit Streusalzeinsatz,
• hohe Natriumgehalte im Zulauf,
• ineffektive Belüftungssysteme. Leider treffen alle Faktoren vor allem im Winter, aber teilweise auch im Sommer zu. Die einzige Möglichkeit, den oben beschriebenen Teufelskreis zu durchbrechen, ist eine gezielte Calciumzugabe mit Hilfe eines geeigneten calciumhaltigen Produkts.

Dafür kommen folgende Kalkprodukte in Frage:
• Kreide (CaCO3),
• Kalkhydrat,
• Dolomit (CaCO3+MgCO3)
…mehr:

http://www.die-wasserlinse.de/download/ausgabe_1210/wl12_komplett.pdf

Autor:
Kirsten Sölter
Bioserve GmbH
Tel. +49 (0)6131/90622-68
soelter@bioserve-gmbh.de

 

Nanoschicht filtert Bakterien und Einzeller aus dem Abwasser

0

Ein weltweit einzigartiges Filtrationssystem für die biologische Abwasserreinigung und Wasseraufbereitung wurde jetzt auf der Mittelmeerinsel Malta installiert. Das Besondere an der Technologie: Nanobeschichtete keramische Flachmembranen fischen sämtliche Bakterien und Einzeller aus dem Wasser.

Malta hat ein natürliches Problem: Laut Vereinten Nationen ist es das wasserärmste Land der Erde. Zwischen April und September gibt es im Durchschnitt kaum mehr als zehn Regentage, zudem hat der Mittelmeerstaat weder Flüsse noch Seen. Während Malta früher von Wasserimporten aus dem benachbarten Italien und vom Grundwasser abhängig war, setzen die Verantwortlichen mittlerweile auf Meerwasserentsalzung und Abwasserfiltration.
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wurde in der vergangenen Woche unternommen: Der staatliche Wasserkonzern Water Service Corporation (WSC) hat mit der saarländischen ItN Nanovation AG, einer Beteiligung der Frankfurter Nanostart AG, ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Das Ziel: Produktion und Markteinführung von Abwasseraufbereitungscontainern auf Basis keramischer Flachfiltermembranen. ItN hofft mittelfristig, den gesamten Mittelmeerraum mit der patentierten Technik beliefern zu können.

Erste Muster des Containers sind auf Malta bereits erfolgreich in Betrieb genommen worden. Nun beginnt die Serienproduktion. „Wir müssen noch einige praktische Erprobungen abschließen“, schränkte Lutz Bungeroth, Vorstandsvorsitzender von ItN Nanovation, ein. Bis Ende 2012 aber soll auf Malta eine Serienproduktion mit einer jährlichen Kapazität von rund 100 Containern aufgebaut werden.
Die dezentralen Containerkläranlagen wurden in den vergangenen zwölf Monaten von deutschen und maltesischen Ingenieuren gemeinsam entwickelt. Als Grundgerüst dienen dabei 20-Fuß-Standard-Seefrachtcontainer, die mit mehreren Modulen des patentierten CFM-Systems ausgestattet sind.
Das Filtrationssystem für die biologische Abwasserreinigung und Wasseraufbereitung ist weltweit einzigartig. „Das Besondere an unserer Technologie sind nanotechnologisch aktive keramische Schichten auf herkömmlichen keramischen Körpern“, erläuterte Bungeroth.

Die Verwendung der neu entwickelten keramischen Flachmembran kommt dabei dem Reinigungsprozess zugute. „Die Porengröße ist so gering, dass keine Bakterien oder andere Einzeller mehr durchpassen“, so Bungeroth. Das Material ist hitzebeständig und hat eine längere Lebensdauer als vergleichbare Membranen aus Kunststoff.

Die knapp 100 000 € teuren Abwassercontainer können ohne großen Aufwand auf der gesamten Insel installiert werden. Hotels, öffentliche Einrichtungen und vor allem abgelegene Dörfer sollen davon profitieren.

In den Ortschaften Bahrija und Bidnija wird das Abwasser derzeit noch in Jauchegruben gesammelt und täglich per Tanklaster geleert. „Die neuen Anlagen müssen dagegen nur alle zwei Monate gereinigt werden“, sagte Mark Muscat, Geschäftsführer des maltesischen Wasserkonzerns WSC. Jeder Container könne 45 m³ Abwasser/Tag bearbeiten.
Die Anlagen zur Wasserwiederwendung gelten als wartungsarm, robust und kostengünstig und die Qualität des filtrierten Brauchwassers ist durchaus hoch. „Das Wasser ist zwar theoretisch trinkbar, sollte aber ausschließlich zur Bewässerung sowie zur industriellen Herstellung von Zement benutzt werden“, erklärte der leitende Ingenieur Christof Gränitz.

Die Filtration soll u. a. verhindern, dass das Grund- und Trinkwasser durch ungeklärtes Abwasser kontaminiert wird. „Die Abtrennung der Biomasse und der darin enthaltenen Mikroorganismen ist eine der Hauptaufgaben, die wir mit den Containern erledigen“, so Gränitz. Das gelingt mit einer Kombination aus Festbettreaktoren und Belebtschlammverfahren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der die Wasserversorgung auf Malta betrifft, ist die Meerwasserentsalzung. Drei Umkehrosmoseanlagen bereiten aus Salzwasser Trinkwasser. Eigentlich wäre auch hierfür eine Vorfiltration durch die Keramikmembranen notwendig – doch weil Malta auf Kalksteinfelsen gebaut ist, findet diese auf natürliche Weise statt.

Für ItN Nanovation gibt es an dieser Stelle also keine Absatzmöglichkeiten. Seine Technologien will das Unternehmen aber in einem Joint Venture mit Saudi-Arabien erproben. Geplant ist zunächst eine Anlage zur Trinkwasseraufbereitung, in der 14 000 m³ Brunnenwasser pro Tag mit den Umkehrosmosemembranen vorfiltriert werden. Später ist die Gesamtausstattung der Anlage mit einer wesentlich höheren Kapazität geplant.

Aus Sicht von Experten könnte dies ein positives Zeichen für die Zukunft sein. „Kein Lebensbereich wird in Zukunft von den Auswirkungen der Nanotechnik unberührt bleiben“, prophezeit Wolfgang Heckl, Physik-Professor an der Technischen Universität München. Und gerade im sensiblen Bereich des Trink- und Grundwassers sei es notwendig, auf die modernsten Technologien zu setzen.

HOLGER PAULER

http://www.vdi-nachrichten.de/vdi-nachrichten/aktuelle_ausgabe/akt_ausg_detail.asp?cat=2&id=48444&source=homepage

ENTWICKLUNG DES KANALZUSTANDES IN DEUTSCHLAND UND ANSÄTZE ZUR WIRTSCHAFTLICHEN OPTIMIERUNG DER NOTWENDIGEN NETZSANIERUNG

0

Klaus Hans Pecher

Einleitung  
Wasser ist die Voraussetzung allen menschlichen Lebens. Nur dort, wo Wasser in
ausreichender Menge und Güte zur Verfügung steht, kann menschliches Leben bestehen
und sich weiterentwickeln. Eine funktionierende Wasserver- und Abwasserentsorgung
bildet damit auch die Basis für den in Deutschland erreichten Lebensstandard und
Wohlstand. Dieses Bewusstsein für die elementare Bedeutung der Wasserver- und
Abwasserentsorgung ist in der Bevölkerung allerdings nicht unmittelbar auch so
verankert, was vermutlich daran liegt, dass sowohl hinsichtlich der Menge als auch in
Hinblick auf die Qualität zu jeder Zeit ausreichend von dem Gut Wasser zur Verfügung
steht. Ein entsprechendes Problembewusstsein wurde damit nicht ausgeprägt. Darüber
hinaus ist Wasser auch ein Rohstoff, der durch seine Nutzung (im Gegensatz z.B. zu
fossilen Brennstoffen) nicht verbraucht wird. Es besteht also auch grundsätzlich keine
globale Gefahr, dass auf der Welt insgesamt nicht mehr ausreichend Wasser vorhanden
sein könnte, auch wenn sich lokal große Probleme in der Zukunft abzeichnen. Die
Gefahren für Deutschland sind allerdings überschaubar.
Eine funktionierende Wasserver- und Abwasserentsorgung wird daher von der deutschen
Bevölkerung generell als selbstverständlich angesehen. Eventuelle Preissteigerungen bei
Selbstverständlichkeiten werden dagegen mit umso größeren Unverständnis zur Kenntnis
genommen, da die Gründe für solche Preisanpassungen ohne entsprechendes
Hintergrundwissen nicht unmittelbar ersichtlich sind. Dies spiegelt sich auch in
Diskussionen zur Preisentwicklung bei den Dienstleistungen zur Wasserver- und
Abwasserentsorgung der vergangenen Jahre wider. Insbesondere die Entwicklung der
Abwassergebühren wurde hier vielfach diskutiert.
Die jährliche Belastung der Bürger für die Abwasserentsorgung ist in Bild 1 im Vergleich
zum allgemeinen Verbraucherindex dargestellt. Dabei wird deutlich, dass im Wesentlichen
eine Parallelentwicklung festzustellen ist. Langfristig ist bei den Ausgaben für die…mehr:

http://www.pecher.de/upload/vo_081125_khp_kanalsanierungevs_final.pdf

Planungen unter Unsicherheit – Anforderungen an strategische Entwässerungsplanungen vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen

0

Dr.-Ing. Holger Hoppe und Dr.-Ing. Klaus Hans Pecher
Dr. Pecher AG, Klinkerweg 5, 40699 Erkrath

Ausgangssituation
Der Klimawandel und damit auch die Veränderung des Niederschlags sind ein globales Anliegen geworden und stehen zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit. Belastbare (regionale) Vorhersagen sind mit den heutigen Klimamodellen jedoch nicht möglich (Borsuk und Tomassini, 2005; Ashley et al., 2008). Von den Planern abwassertechnischer Anlagen wird heute vielfach erwartet, neben demographischen Veränderungen mögliche Auswirkungen des Klimawandels „zu berücksichtigen“. Wie können Planer diesen Erwartungen und Herausforderungen an zukunftsfähige Konzepte gerecht werden? Um diese Frage beantworten zu können, muss (im Einzelfall) zunächst geklärt werden, wie sich diese „unsicheren Einflussfaktoren“ auf die Zielgrößen von wasserwirtschaftlichen Planungen auswirken (Harremoës, 2003). Gibt es neben dem Niederschlag, der sich mit dem Klima ändern wird, weitere „unsichere Planungsgrundlagen“, die zukünftig detaillierter berücksichtigt werden müssen?  

Entwässerungsplanungen unter Unsicherheit
Durchgeführte Sensitivitätsuntersuchungen zur Berücksichtigung von möglichen Auswirkungen der Klimaänderung auf das Niederschlagsgeschehen zeigen:
• Die derzeit vorhergesagten Veränderungen der Niederschlagscharakteristik werden einen signifikanten Einfluss auf stadthydrologische Planungen haben.
• Der Einfluss hängt maßgeblich von den betrachteten Zielgrößen (Einleitungsabfluss, überstaute Schächte etc.), der aktuellen hydraulischen Auslastung des Netzes und der Topographie ab.
• Wenn ernsthaft über die Berücksichtigung von Klimaänderungen diskutiert wird, muss gleichzeitig über die grundsätzliche Wirkung der Unsicherheiten der übrigen Eingangsparameter/Grundlagendaten nachgedacht werden (Bild 1).
• Belastbare Aussagen im Rahmen von Planungen sind nur mit Niederschlag-Abfluss-Modellen möglich, die für den aktuellen Zustand mit Messdaten kalibriert wurden.
• Untersuchungen zur Auswirkung der Klimaänderungen sollten niemals pauschal und isoliert, sondern nur im Rahmen von Sensitivitäts- und Risikoanalysen erfolgen. Grundlagendaten, die heute die Basis stadthydrologischer Planungen bilden, können mit Unsicherheiten verbunden sein, deren Auswirkungen – je nach Region – denen der prognostizierten Änderungen des Niederschlags aufgrund des Klimawechsels in den nächsten 50 bis 100 Jahren entsprechen. Ziel muss es daher zukünftig sein, im Rahmen von Mess- und Monitoringkonzepten die aktuelle Funktion der Abwasserableitungssysteme besser zu erfassen, um zunächst Abweichungen zwischen Planung (Modell) und Realität zu reduzieren. Auf einer soliden Datenbasis lassen sich zukünftige Klimaänderungen im Rahmen von Sensitivitäts- und Risikoanalysen berücksichtigen und Investitionsentscheidungen fällen. Werden alle diese Randbedingungen von Planern berücksichtigt, müssen zukunftsfähige Planungen heute bereits so flexibel gestaltet sein, um auf diese Veränderungen reagieren zu können. Die „Reaktionen“ – mit Vorsorgecharakter – werden …mehr: 

Quelle: http://www.pecher.de/upload/hoppe_pecher_080930_dwa_exp.pdf

Entwicklung von Prüfverfahren für Anlagen zur dezentralen Niederschlagswasserbehandlung im Trennverfahren

0

Projektlaufzeit: 1.10.2008-31.05.2010

Bearbeiter:
Prof. Dr.-Ing. Theo G. Schmitt, PD Dr.-Ing. habil. Antje Welker, Dipl.-Ing. Martina Dierschke

Zur Reduzierung der Umweltbelastungen aus Niederschlagsabflüssen sollen mit einem Anhang Niederschlagswasser zur Abwasserverordnung bundeseinheitliche Anforderungen zur Behandlung verschmutzter Niederschlagsabflüsse vor Einleitung ins Grundwasser (Versickerung) oder in oberirdische Gewässer formuliert werden. Neuere Untersuchungen zur Aufschlüsselung der Eintragspfade umweltrelevanter Schmutz- und Schadstoffe weisen sämtlich einen erheblichen Anteil der Niederschlagsabflüsse aus Siedlungen aus. Die derzeit im Entwurf vorliegenden Anforderungen beziehen sich auf entwässerungstechnisch neu zu erschließende Gebiete und weisen als übergeordnete Zielsetzung den weitgehenden Erhalt des lokalen Wasserhaushalts aus. Damit kommt dezentral ausgerichteten Konzepten der Regenwasserbewirtschaftung mit ortsnahem Rückhalt und – soweit erforderlich – Behandlung der Niederschlagsabflüsse vor Ort eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der besonderen Gegebenheiten der mit Niederschlagsabflüssen beschickten dezentralen Anlagen ist keine Überwachung von Ablaufwerten der Behandlungsanlagen im Betrieb vorgesehen. Zur Sicherstellung ihrer Wirksamkeit entsprechend den geltenden Anforderungen soll für standardisierbare Behandlungsanlagen eine bauaufsichtliche Zulassung erteilt werden. Die Entwicklung von Prüfverfahren als Grundlage zur bauaufsichtlichen Zulassung für standardisierbare Anlagen ist Gegenstand des Vorhabens. Es umfasst die Konzeption der Prüfverfahren für unterschiedliche Anlagen, Wirkmechanismen, Herkunft der Niederschlagsabflüsse und Zielpunkte der Einleitung (Grundwasser, oberirdische Gewässer) Für die Prüfung werden geeignete Stoffparameter ausgewählt sowie repräsentative Belastungsspektren zur Beschickung der Anlagen definiert. Weitere Bestandteile des Vorhabens sind Vorgaben zur Gestaltung des Prüfstandes, zur Vorbereitung des Beschickungswassers, zur Durchführung der Beschickungen und Messungen, zur Qualitätssicherung des Prüfvorgangs, u.a. zur Reproduzierbarkeit der Prüfergebnisse, sowie Hinweise für Planung, Bau und Betrieb der Anlagen. Die Verifizierung der hier erarbeiteten Prüfverfahren an eigens zu entwickelnden Laborprüfständen soll in einer zweiten Projektphase erfolgen.

Finanzierende Institution(en): Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück
Partner-Institution(en): FH Münster, Labor für Wasserbau und Wasserwirtschaft, Institut für Wasserforschung GmbH, Dortmund

Quelle: http://gandalf.arubi.uni-kl.de/index.php?link=projekte&parea=1&pid=0154

RISA – RegenInfraStrukturAnpassung Hamburg – Zukunftsweisender Umgang mit Regenwasser

0

Projektlaufzeit: 09/2009-12/2012

Bearbeiter:
Prof. Dr.-Ing. Theo G. Schmitt, Dipl.-Ing. Christian Scheid

Veranlassung
Aufgrund des sich vollziehenden Klimawandels werden für die Region Hamburg zukünftig zunehmende Starkregen prognostiziert. Gleichzeitig hält in der wachsenden Metropolregion der Freien und Hansestadt Hamburg der Trend zur Inanspruchnahme von Freiflächen mit entsprechender Oberflächenversiegelung in den nächsten Jahrzehnten ungebremst an. Beide Teilaspekte bedeuten zukünftig gesteigerte Herausforderungen an die gesamte Entwässerungsinfrastruktur und damit einhergehend eine zunehmende negative Beeinträchtigung des lokalen Wasserhaushalts sowie eine stärkere Belastung der Gewässer, was letztlich auch die erfolgreiche Umsetzung der EG-WRRL erschwert.
Vor diesem Hintergrund wurde im Herbst 2009 von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) und HAMBURG WASSER das Gemeinschaftsprojekt RegenInfraStrukturAnpassung (RISA) für die Freie und Hansestadt Hamburg initiiert.

Projektziele
Die übergeordneten Projektziele von RISA sind der Überflutungsschutz, der Gewässerschutz und die Erreichung eines möglichst naturnahen Wasserhaushalts in Hamburg.
Das Projekt RISA strebt danach, frühzeitig geeignete und ganzheitliche Lösungsansätze zu entwickeln, damit Überflutungen von Kellern, Straßen und Grundstücken sowie zusätzliche Gewässerbelastungen verhindert werden können. Inhaltlich konzentriert sich RISA darauf, die technischen Grundlagen zu ermitteln und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ein zukunftsweisender und nachhaltiger Umgang mit Regenwasser ermöglicht wird. Ziel ist es, den Entwässerungskomfort bei sich ändernden Rahmenbedingungen beizubehalten, Gewässer- und Binnenhochwasserschutz zu wahren und zu verbessern. Weiterhin sieht das Projekt vor, wasserwirtschaftliche Maßnahmen in die Stadt- und Raumplanung zu integrieren und institutionelle Rahmenbedingungen an die gegebenen Veränderungen anzupassen.
Die Ergebnisse sollen in einen „Strukturplan Regenwasser Hamburg“ münden, der für die kommenden Jahre Leitlinie für das Handeln von Verwaltung, Fachleuten und Grundstückseigentümern für ein neues Regenwassermanagement in Hamburg sein wird. Die Leitlinien des Strukturplans Regenwasser werden darüber hinaus anhand ausgewählter Pilotprojekte im Rahmen von RISA methodisch entwickelt und erprobt. Das Projekt RISA wird damit auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutzkonzept und zur Anpassungsstrategie an den Klimawandel des Hamburger Senats leisten.
Beitrag des Fachbebiets
Die Mitwirkung des Fachgebiets Siedlungswasserwirtschaft umfasst u. a. folgende Teilleistungen und Schwerpunkte:
• Fachliche Beratung und Begleitung der Projektleitung RISA in allen Belangen „Regenwasser“
• Mitarbeit in der AG Siedlungswasserwirtschaft
• Externe Beratung der AG Siedlungswasserwirtschaft und der Querthemen „Technische Grundlagen“ sowie „Kosten & Finanzierung“
• Erstellung des Strukturplans Regenwasser Hamburg

Finanzierende Institution(en): Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) der Freien und Hansestadt Hamburg
Partner-Institution(en): Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) der Freien und Hansestadt Hamburg, HAMBURG WASSER

Quelle: http://gandalf.arubi.uni-kl.de/index.php?link=projekte&parea=1&pid=0155

Neubewertung von Abwasserreinigungsanlagen mit anaerober Schlammbehandlung vor dem Hintergrund der energetischen Rahmenbedingungen und der abwassertechnischen Situation in Rheinland-Pfalz

0

Projektlaufzeit: 01/2010-12/2010

Bearbeiter:
Dipl.-Ing. Oliver Gretzschel

Abwasser und der bei der Abwasserbehandlung anfallende Klärschlamm stellen in vielen Fällen ein noch ungenutztes Energiepotenzial dar. Die Wirtschaftlichkeit abwassertechnischer Anlagen wird wesentlich von der Energieeffizienz und den Klärschlammverwertungs- bzw. -entsorgungskosten beeinflusst. Ein wirksames Stoffstrommanagement auf der Kläranlage ist daher gefordert, um die energetischen Res-sourcen des Abwassers bzw. des Klärschlammes zu nutzen und die zu entsorgenden Klärschlammmen-gen zu reduzieren, ohne jedoch die Ablaufqualität des behandelten Abwassers negativ zu beeinflussen. Der hierfür entscheidende Verfahrensschritt in kommunalen Abwasserreinigungsanlagen ist die Stabilisierung des Klärschlamms. Hier unterscheidet man im Wesentlichen zwei grundsätzliche Möglichkeiten: Bei der simultanen aeroben Schlammstabilisierung erfolgt die Stabilisierung im Verlauf der Abwas-serreinigung. Den Belebtschlammorganismen wird durch die Bemessung der Belebungsbecken auf ein hohes Schlammalter (t = 25 d) sowie eine geringe Schlammbelastung (<=0,05 kg BSB5/kg TS/d) nur wenig Nahrung in Form von BSB zur Verfügung gestellt. Die Belebtschlammorganismen veratmen zum Überleben ihre eigene Zellsubstanz. Die organische Substanz im Klärschlamm wird aufgezehrt und der resultierende Schlamm weist nach der Stabilisierung eine organische Trockensubstanz oTS von ca. 50 bis 55 % auf. Bei Bemessung der Anla-gen auf eine gemeinsame aerobe Stabilisierung sind große spezifische Beckenvolumina (i. d. R. 300 l/E) erforderlich. Das Verfahren der anaeroben Schlammstabilisierung (Faulung) beruht hingegen darauf, dass den Belebtschlammorganismen durch die Bemessung der Anlagen auf ein Schlammalter von ca. 10 bis 12 d resp. eine Schlammbelastung von 0,15 kg BSB5/kg TS/d relativ viel organische Substanz als Nahrung zugeführt wird. Hierdurch enthält der abgezogene Überschussschlamm noch einen hohen Anteil an organischer Substanz; in der Regel ca. 70 %. Der abgezogene Überschussschlamm wird dann (meist nach einer Voreindickung) zusammen mit dem Schlamm aus der Vorklärung (Primärschlamm) einem Faulbe-hälter zugeführt. Hier entsteht in einem 4-stufigen Prozess Biogas (Faulgas). Dieses kann dann z. B. über ein Blockheizkraftwerk mit einem elektrischen Wirkungsgrad von 30 bis 35 % verstromt werden. Die hie-raus resultierende Wärme kann z. B. zur Aufheizung des Schlammes und des Faulturms genutzt werden. In der Ingenieurpraxis gab es in der Vergangenheit relativ klare Grenzen, wann das Verfahren der aeroben Schlammstabilisierung und wann eine Schlammfaulung zu realisieren ist. Diese Grenzen ergaben sich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wobei hierbei aufgrund der in der Vergangenheit niedrigen Energiekosten vorwiegend die Investitionskosten, sowie verfahrenstechnische Aspekten betrachtet wur-den. Der Einsatzbereich der anaeroben Schlammstabilisierung in Abhängigkeit von der Anschlussgröße kann Bild 1 entnommen werden. Die Abbildung verdeutlicht, dass bei Anlagengrößen von < 20 000 EW in der Vergangenheit fast aus-schließlich Anlagen mit simultaner aerober Schlammstabilisierung konzipiert wurden, während der Einsatzbereich für Faulungsanlagen erst bei Ausbaugrößen von mehr als 30 000 EW begann. Die in den vergangenen Jahren eingetretenen Entwicklungen - insbesondere die steigenden Energiepreise, veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen sowie technische Neuentwicklungen im Zusammenhang mit Biogasanlagen - haben zu einer Verschiebung dieser vorge-nannten Grenzen geführt und machen somit eine Neubewertung der Einsatzbereiche für die Schlamm-faulung erforderlich. Dies gilt insbesondere für Rheinland-Pfalz, wo ca. 681 Kläranlagen mit Anschluss-größen < 30 000 EW betrieben werden, davon liegen 440 Anlagen bei einer Anschlussgröße von mehr als 1 000 EW. Hierbei ist auch die Fragestellung zu behandeln, wie Anlagen mit Klärschlammfaulung inkl. der erforderlichen Infrastruktur wie Faulbehälter, Gasspeicher, gegebenenfalls Prozesswasserbehandlung usw. im Bereich einer Ausbaugröße von 10 000 bis 30 000 EW kostengünstig, aber dennoch betriebssicher, um-gesetzt werden können. Ziel dieser Studie ist es, das in Rheinland-Pfalz tatsächlich vorhandene und nutzbare Optimierungspotenzial bei Umstellung von Kläranlagen mit gemeinsamer aerober Schlammstabilisierung auf Anlagen mit anaerober Schlammfaulung im Sinne eines integrativen Ansatzes betreffend Energieeffizienz, Wasser-wirtschaft / Gewässerschutz (Ablaufqualität), Abfallwirtschaft (Klärschlammmenge) und Wirtschaftlichkeit aufzuzeigen. Das Projekt besteht aus zwei Modulen. Der vorliegende Bericht umfasst Modul 1, das grundlegende Untersuchungen beinhaltet. Modul 2 widmet sich anschließend weitergehenden Untersuchungen, die u. a. eine Analyse und Beschreibung unterschiedlicher Bau- und Betriebsformen, eine Konzeptentwicklung zur Umstellung auf Faulungsbetrieb, eine Prüfungsmethodik zur Umstellung sowie die Untersuchung einer Modellanlage umfassen. Finanzierende Institution(en): Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz Partner-Institution(en): Universität Luxemburg, Siedlungswasserwirtschaft und Wasserbau, Prof. Dr.-Ing. Jo Hansen, Ingenieurgesellschaft Dr. Sickmann + Partner GmbH Quelle: http://gandalf.arubi.uni-kl.de/index.php?link=projekte&parea=2&pid=0156