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Direkte Analyse von nitrifizierenden Bakterien

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Mit mikrobiologischer Kontrolle des Prozesses für Stabilität sorgen
Bakterien gehören zu den wichtigsten Akteuren in biologischen Abwasserreinigungsanlagen. Sie sorgen dafür, dass die eingetragenen Substanzen und Abwasserinhaltsstoffe abgebaut werden und bedingen dadurch die eigentliche Reinigungsleistung der Anlage. Gleichzeitig sind sie aber auch für verschiedene Störungen verantwortlich.

Die Nitrifikation als Achillesferse der biologischen Abwasserbehandlung
Bei der mikrobiologischen Nitrifikation innerhalb der Abwasserreinigung findet die biologische Oxidation von NH4-N statt. Der Prozess erfolgt dabei in zwei wesentlichen Teilschritten. Die sogenannten Ammoniumoxidierer oxidieren in einem ersten Schritt Ammonium zu Nitrit. In einem nachfolgenden Schritt oxidieren die Nitritoxidierer das gebildete Nitrit zu Nitrat, welches in der Denitrifikation zu elementarem Stickstoff reduziert wird.

Für eine stabile Nitrifikation müssen beide Bakteriengruppen in ausreichender Menge im Schlamm vorhanden sein und möglichst vergesellschaftet vorkommen. Voraussetzung hierfür sind eine ausreichende Sauerstoffversorgung der Bakterien sowie die Einhaltung eines Mindestschlammalter, da diese beiden Bakteriengruppen nur verhältnismäßig langsam wachsen. Leider sind diese aeroben Nitrifikationsprozesse sehr empfindlich gegenüber Sauerstofflimitationen, Temperatur- und pH-Wert-Schwankungen sowie toxischen Abwasserinhaltsstoffen. Zusammenbrüche der Nitrifikation oder verminderte Abbauleistungen sind daher keine Seltenheit, so dass die Nitrifikation als die eigentliche „Achillesferse“ der modernen Abwasserreinigung gilt.

Mikrobiologisches Monitoring der Nitrifikation
Die Überwachung und Steuerung dieses wichtigen Prozesses von der mikrobiologischen Seite aus unterliegt mehreren Herausforderungen, die eine robuste, von Kultivierung unabhängige Technologie erfordern. Dies liegt zum einen an der Diversität der Abwasserbiozönose und damit des zu untersuchenden Probenmaterials und zum anderen an den nur schwierig zu kultivierenden Bakterien – rein zu Analysezwecken ist dies kaum möglich. Für eine mikrobiologische Analyse der Nitrifikation eignet sich die VIT®-Gensondentechnologie der vermicon AG geradezu ideal. Sie erfüllt alle Anforderungen und macht ein aussagekräftiges Monitoring des Abwassers möglich.
Bild FW-Labor-Nov-13-Vermicon-2.jpg

Die VIT®-Gensondentechnologie stellt genau die Eigenschaften zur Verfügung, die notwendig sind, um Abwasserproben schnell und zuverlässig auf die gewünschten Mikroorganismen zu analysieren. Bakterien werden mit VIT®-Gensonden beschossen und beginnen unter dem Mikroskop bei Anregung mit energiereichem Licht spezifisch zu leuchten. Für die Nitrifikation hat die vermicon AG den Nachweis Nitri-VIT entwickelt. Damit können die beiden wichtigen Nitrifikantengruppen direkt in der Belebtschlammprobe identifiziert und quantifiziert werden. Durchgeführt wird die Analyse direkt auf der Anlage. Die Handhabung ist einfach und schnell, die Auswertung eindeutig. Alternativ zum Produkt bietet die vermicon AG verschiedene Dienstleistungen für diesen Bereich an:

– Nitri-VIT Schnellanalytik
– Spezifische Nitrifikantenanalyse
– Spezifische Denitrifikantenanalyse

Prozessstörungen können durch eine regelmäßige Kontrolle effektiv vermieden werden. Die Produkte und Dienstleistungen der vermicon AG wurden direkt für die Bedürfnisse von Kläranlagen entwickelt und helfen einen direkten Einblick in die Anlage zu bekommen.

Kontakt:
vermicon AG,
München
www.vermicon.com
 

 

Ursachen für schlecht absetzbare Belebtschlammflocken und was man dagegen tun kann

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(Sie wünschen den folgenden Artikel als pdf-Datei? Schicken Sie einfach eine Mail mit Ihren Kontaktdaten und der Überschrift dieses Artikels an Kontakt@klaerwerk.info)

1. Einleitung
Das Belebtschlammverfahren ist das am weitesten verbreitete Verfahren zur Reinigung kommunaler Abwässer. Die Qualität des Ablaufwassers ist sehr stark von der Effizienz der Fest/ Flüssig-Trennung im Nachklärbecken abhängig. Diese ist nur hoch, wenn die Bildung von Belebtschlammflocken im Belebungsbecken ungestört funktioniert.

Im Zuge der weitergehenden Abwasserreinigung ist auf Kläranlagen die Stickstoff- und Phosphorelimination eingeführt worden. Besonders für die Optimierung der Nitrifikation ist der Parameter „Säurekapazität“ von großer Bedeutung, da die nitrifizierenden Bakterien Säure produzieren. Sofern das Abwasser nicht über eine ausrei-chend hohe Säurekapazität verfügt, kann der pH-Wert dadurch unter 7,0 fallen. In diesem pH-Bereich sind jedoch sowohl die Nitrifikationsleistung als auch die Belebtschlammflockenbildung stark beeinträchtigt.

Doch nicht immer ist eine zu geringe Säurekapazität die alleinige Ursache für kleine, leichte und scherempfindliche Belebtschlammflocken. Fast genau so häufig sind erhöhte Natriumkonzentrationen im Zulauf für schlecht absetzbare Belebtschlammflocken (mit)verantwortlich.

2. Die Entstehung von schlecht absetzbaren Belebtschlammflocken
Ursache für die ungünstige Flockenstruktur ist in der Regel die Aneinanderreihung folgender Umstände:

Niedrige Härtegrade im Einzugsbereich der Kläranlage und/oder ein hoher An-teil an Niederschlagswasser im Zulauf führen zu niedrigen Calciumgehalten im Zulauf der Kläranlage. 
Der Belebtschlamm und das zufließende Abwasser kommen in Kontakt und die Calciumionen im Schlamm und im Wasser verteilen sich gemäß dem Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht auf beide Fraktionen. 
Ist die Calciumkonzentration im Zulauf gering – was bei hohem Niederschlagswasseranteil die Regel ist – wird dem Belebtschlamm viel Calcium entzogen und gelangt in den Vorfluter. Da das Calcium jedoch für den Zusammenhalt der Belebtschlammflocken entscheidend verantwortlich ist, werden die Flocken mit der Zeit immer kleiner, leichter und scherempfindlicher. 
Aufgrund der Nitrifikation, bei der Salpetersäure (HNO3) produziert wird, wird Calcium zur Bildung von Puffersubstanzen (Calciumhydrogencarbonat) benötigt und bei Bedarf aus dem Belebtschlamm herausgelöst. Je mehr nitrifiziert wird, desto mehr Calcium aus dem Schlamm herausgelöst. Das ist vor allem dann der Fall, wenn man Trüb- und Filtratwässer behandelt. 
Bei der Denitrifikation wird Lauge produziert, wodurch die Hälfte der bei der Nitrifikation verbrauchten Säurekapazität zurück gewonnen werden kann. Ist die Denitrifikationsleistung aufgrund von „Futtermangel“ (Mangel an leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen) nur eingeschränkt möglich, wird auch wenig Säure abgepuffert. Der pH-Wert im Ablauf sinkt. 
Bei niedrigen Temperaturen löst sich Sauerstoff im Belebungsbecken wesentlich besser als bei hohen Temperaturen. Deshalb kann die Belüftungsintensität reduziert werden. Infolge dessen wird jedoch auch weniger CO2 aus der Belebung herausgestrippt und bleibt als Kohlensäure im Wasser. Diese Kohlensäure verbindet sich ebenfalls mit Calcium zu Calciumhydrogencarbonat und gelangt in den Vorfluter. 
Reicht das im Zulaufwasser und im Belebtschlamm verfügbare Calcium nicht mehr aus, um sowohl die bei der Nitrifikation entstehende Salpetersäure, als auch die beim C-Abbau entstehende Kohlensäure anzupuffern, sinkt der pH-Wert des Abwassers, wodurch die Nitrifikation deutlich verlangsamt wird, bis sie zum Erliegen kommt. 
Bei einem pH-Wert < 6,8-7,0 im Belebungsbecken ist das Wasser in der Belebung in der Regel „kalkaggressiv“ und löst alle verfügbaren Kalk- bzw. Calciumverbindungen sowohl im Belebtschlamm als auch im Beton der Beckenwände auf. Die gelösten Calciumverbindungen gelangen in den Vorfluter. Mit der Zeit können so erhebliche Schäden am Beton entstehen. 
Ohne Calciumverbindungen im Schlamm gibt es keine vernünftige Belebtschlammflocke. Der Belebtschlamm treibt bei hydraulischer Belastung der Kläranlage in Form von Feinsuspensa ab. Der Ablauf ist trüb, die CSB- und Ges.-P-Gehalte steigen deutlich an. 
Kommt der durch oben genannte negative Einflüsse vorgeschädigte Belebtschlamm mit Natriumionen (aus industriellen Abwässern oder durch Streusalzeinsatz im Einzugsgebiet)in Kontakt, tauschen die Natriumionen die verbleibenden Calciumionen im schlimmsten Fall innerhalb weniger Stunden aus, so dass der Belebtschlamm vollends seine Flockungsfähigkeit verliert.  

Zusammenfassend führen folgende Faktoren zu dem auf Kläranlagen zu schlecht absetzbaren Belebtschlammflocken:

Niedrige Wasserhärte im Trinkwasser des Einzugsgebietes 
Hoher Niederschlagswasseranteil im Zulauf 
Geringe Temperaturen 
Hohe Stickstoffgehalte im Zulauf  
Behandlung von Trüb- und Zentratwässern 
Eingeschränkte Denitrifikation aufgrund von „Futtermangel“ 
Häufiger Schneefall mit Streusalzeinsatz 
Hohe Natriumgehalte im Zulauf 
Problem: Effektive Belüftungssysteme 

Leider treffen alle Faktoren vor allem im Winter, aber teilweise auch im Sommer, zu.
Die einzige Möglichkeit, den oben beschriebenen Teufelskreis zu durchbrechen, ist eine gezielte Calciumzugabe mit Hilfe eines geeigneten calciumhaltigen Produkts. Dafür kommen folgende Kalkprodukte in Frage:

Kreide (CaCO3
Kalkhydrat 
Dolomit (CaCO3+MgCO3

Aus folgenden Gründen empfehlen wir in der Regel den Einsatz von Kreide:

Schnelle Verfügbarkeit (Zugabe aus dem LKW möglich) 
Vorteile beim Handling (kein Risiko für Haut, Augen und Lunge, da pH-neutral) 
Günstiger Preis 
Sehr hohe Säurepufferwirkung 
Geringe Calcium-Verluste über den Ablauf  
Hohe Oberfläche  
Gute Unterstützung vom Hersteller. 

Mit dem Einsatz von Kreide sind folgende Effekte zu erwarten:

Verringerung des Flockenabtriebes aus den Nachklärbecken, 
Erhöhung der Sichttiefen, Verringerung der Trübung und der Gehalte an abfiltrierbaren Stoffen im Ablauf, 
Verringerung der Ammonium-, CSB-, BSB5– und Phosphatkonzentrationen im Ablauf und Vermeidung von Spitzen, 
Verbesserung der Entwässerungseigenschaften des Faulschlammes. 

Die Zugabe der Kreide sollte direkt aus dem Silo in das Belebungsbecken erfolgen. Die Kreide sollte nicht mit Rohabwasser in Kontakt kommen. Die Dosierung ist einfach und unkompliziert und erfolgt trocken.

Zu beachten ist, dass sich durch den Kreideeinsatz der Schlammanfall etwas erhöht. Da die Kreide sich sehr positiv auf die Klärschlammentwässerbarkeit auswirkt, führt der Trockenmassezuwachs in der Regel nicht zu einer Erhöhung der zu entsorgenden Schlammmengen.

Autorin:
Bioserve GmbH
Kirsten Sölter
Carl-Zeiss-Straße 53
55129 Mainz
Tel.: 06131 – 90622 – 68
Fax.: 06131 – 90622- 69
soelter@bioserve-gmbh.de

Literatur:

1. Sölter, K.: Die Bedeutung der Säurekapazität auf Kläranlagen, Anwendungsbericht Ch. No. 77, Hach Lange GmbH (siehe www.hach-lange.de
2. Kara, F. et al: Monovalent cations and their influence on activates sludge floc chemistry , structure and physical characteristics von Kara, F. et. al; Biotechnoloy and Bioengineering Volume 100, No. 2, June 1, 2008, http://www3.interscience.wiley.com/journal/117864364/abstract?CRETRY=1&SRETRY=0 
3. Bever, J. et. al. 1993: Weitergehende Abwasserreinigung, R. Oldenbourg Verlag München, Wien, 2. Auf-lage, ISBN 3-486-26277-7 
4. Hänel, K. 1986: Biologische Abwasserreinigung mit Belebtschlamm, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, ISBN 3-334-00023-0 
5. Kapp, H., 1983: Zur Interpretation der Säurekapazität des Abwassers, gwf wasser/abwasser 124 (1983), H. 3, S. 127 – 130 
6. Tlamicha, J., 1999: Ergebnisse einer Berechnung mit dem dynamischen Simulationssystem der Fa. UAS Messtechnik GmbH, Ruhmannsfelden für den Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e.V., Köln 
7. Sölter, K., 1998: Einsatz von Kalk zur Unterstützung der biologischen Abwasserreinigung, Vortrag an-lässlich der 12. Karlsruher Flockungstage, 14./15. 12.1998 
8. Strohmaier, A. 1996: Fällungschemikalien – Auswahlkriterien und Kosten, Vortrag, ATV-Seminar für die Abwasserpraxis, 6./7. 11. 1996, BITZ 13/96 

 

Klärwerkpreis für Innovation 2014

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Die beste Idee ist 1.000 € wert – im Land der Ideen – plus 3 x 50 € für praxisrelevante, kleinere Ideen

Preise gibt es viele, aber der Klärwerkpreis für Innovation 2014 ist etwas Besonderes, denn Ziel des Preises ist es, Innovationen im Klärwerksbereich zu fördern und Klärwerksmitarbeiter mit neuen Ideen zu unterstützen.

Berücksichtigt werden alle Ideen, die neu sind, d. h. insbesondere noch nicht kommerziell angeboten, veröffentlich oder prämiert worden sind. Das kann ein Gerät sein, ein Steuerungskonzept oder eine selbst entwickelte Strategie.

Der Preisträger 2012 war Hr. Panhans aus Bobingen mit dem Thema „Rohrwärmetauscher mit Zwangsführung“. Eine Anerkennungsprämie erhielt Hr. Brähler aus Fulda mit dem Beitrag „Schmieren in der Höhe oder Tiefe – ohne Leiter“.

Auf der IFAT 2014 werden die von der Firma Bioserve in Zusammenarbeit mit www.klärwerk.info ausgelobten Preise verliehen. Abgabeschluss ist der 31. März 2014.

Teilen Sie Ihre Idee kurz per Mail oder Brief mit, beschreiben Sie sie mit Ihren eigenen Worten und fügen Sie ggf. eine kleine Zeichnung oder einfach ein Foto bei. Die kompletten Teilnahmebedingungen und was Sie sonst noch wissen müssen finden Sie unter:
http://www.klärwerkpreis.de/

Zur Preisverleihung 2012:
Bild Preisverleihung-Klaerwerkpreis-2012.JPG
Der Klärwerkspreis für Innovation 2012 geht nach Bobingen

 

 

Landwirtschaftliche Phosphorrückgewinnung

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Phosphor ist ein wichtiger Pflanzennährstoff, die mineralischen Reserven jedoch begrenzt. Das von der EU geförderte Forschungsprojekt PhosFarm will daher auch organisch gebundenen Phosphor aus landwirtschaftlichen Reststoffen als Quelle für Phosphatdünger erschließen: Mithilfe von immobilisierten Enzymen sollen organische Phosphorverbindungen abgespalten und als Phosphat zurückgewonnen werden.

Phosphor ist ein elementarer Pflanzennährstoff für die Landwirtschaft. Um eine wachsende Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln sowie biobasierten Kraft- und Rohstoffen zu versorgen, wird der Bedarf an Düngemitteln weiter steigen. Im Jahr 2008 wurden allein in der EU ca. 1,4 Millionen Tonnen Phosphor für synthetisch hergestellte Phosphatdünger verbraucht. Dabei sind die Vorkommen an Rohphosphaten endlich und auf nur wenige Länder, darunter China, Marokko, Tunesien und die USA, begrenzt. Dies macht andere Länder abhängig von Importen. Neue Technologien, um gelöstes anorganisches Phosphat aus kommunalem Abwasser als Düngesalze zurückzugewinnen, stehen bereits zur Verfügung. Eine weitere, bisher weitgehend ungenutzte Phosphatquelle stellen Reststoffe wie Gülle aus der Tierhaltung oder Gärreste aus Biogasanlagen dar. Während in der wässrigen Flüssigphase dieser Reststoffe Phosphor – wie im Abwasser – als Phosphat gelöst ist, liegt Phosphor im Feststoffanteil dieser Reststoffe gebunden in biochemischen Molekülen wie Phospholipiden, Nukleotiden und Nukleinsäuren vor.
Landwirtschaftliche Reststoffe stellen ein enormes Reservoir für die Phosphorrückgewinnung dar: So fallen in der EU jährlich mehr als 1800 Millionen Tonnen Gülle an und das Aufkommen an Gärresten aus Biogasanlagen wächst. Vor allem Gülle aus der Geflügel- und Schweinezucht enthält rund die Hälfte des Gesamtphosphors in organisch gebundener Form. Im Projekt PhosFarm sollen auch diese organischen Reststoffe als Phosphatquelle erschlossen werden. Hierzu will das Projektkonsortium unter der Koordination des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB einen nachhaltigen Prozess entwickeln und in Form eines integrierten Anlagenkonzepts realisieren, in dem – vor allem durch eine enzymatische Mobilisierung des organisch gebundenen Phosphors – bis zu 90 Prozent des Gesamtphosphors zurückgewonnen werden.
Für diesen neuen Ansatz sollen Phosphat hydrolysierende Enzyme an geeigneten Trägern immobilisiert werden. »Wir konnten bereits in vorausgehenden Versuchen am Fraunhofer IGB zeigen, dass diese Enzyme in der Lage sind, anorganisches Phosphat aus Modellverbindungen abzuspalten«, erläutert Jennifer Bilbao, die das Projekt am IGB leitet. »Nach Abtrennung der festen Phase kann das gelöste Phosphat aus der flüssigen Fraktion als Magnesiumammoniumphosphat oder Calciumphosphat gefällt werden. Diese Salze sind gut pflanzenverfügbar und direkt als Dünger einsetzbar«, erklärt Bilbao.
Die verbleibende entwässerte feste Phase wird mit einem energieeffizienten Trocknungsprozess, der mit überhitztem Wasserdampf anstelle heißer Luft arbeitet, getrocknet und als organisches Substrat für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit aufgearbeitet. Je nach Bedarf, das heißt abgestimmt auf die Pflanzenart und Bodenbeschaffenheit, können diese Bodenverbesserer mit den zurückgewonnenen mineralischen Düngesalzen zu einem Substrat mit definiertem N/P-Verhältnis vermischt werden.
»Mit den gewonnenen mineralischen Phosphatdüngern und den organischen Bodenverbesserern können synthetische Phosphatdünger eingespart und eine Überdüngung durch das direkte Ausbringen von Gülle vermieden werden«, beschreibt Bilbao die Vorteile des neuen Konzepts. »Durch den Erlös aus dem Verkauf der Produkte verbinden wir zudem die wirtschaftliche Wertschöpfung aus einem Reststoff mit einem umweltfreundlichen Kreislaufprozess für Phosphor.«
Seit September 2013 wird das Projekt »PhosFarm – Process for sustainable phosphorus recovery from agricultural residues by enzymatic process to enable a service business for the benefit of European farm community« im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU gefördert (Grant Agreement No. 605771). Das Projektkonsortium umfasst neben dem Fraunhofer IGB als weitere Forschungspartner VITO (Belgien) und die Schwedische Universität für Agrarwissenschaft (SLU, Schweden) sowie die Firmen Chiral Vision (Niederlande), Geltz Umwelttechnologie GmbH (Deutschland), Heckmann Maschinenbau und Verfahrenstechnik GmbH (Deutschland), Purines Almazan, S.L. (Spanien), Agroenergie Hohenlohe GmbH (Deutschland), ASB Grünland Helmut Aurenz GmbH (Deutschland) und Servimed Almazan, S.L. (Spanien).

http://www.igb.fraunhofer.de/de/presse-medien/presseinformationen/2013/phosfarm-landwirtschaftliche-phosphorrueckgewinnung-.html

 

 

Intelligente Kopplung von Regenwasser- und Abwassermanagement

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TU Berlin- Ein Beitrag zur Verbesserung der Gewässerqualität und des Stadtklimas

Mit dem Verbundforschungsprojekt KURAS soll am Fallbeispiel Berlin gezeigt werden, wie durch intelligent gekoppeltes Regenwasser- und Abwassermanagement die zukünftige Abwasserentsorgung, die Gewässerqualität, das Stadtklima und die Lebensqualität in der Stadt verbessert werden kann. Das Projekt hat ein Volumen von 4,5 Millionen Euro und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Projektkoordination übernehmen die TU Berlin und das Kompetenzzentrum Wasser Berlin. Das Projekt startete im Oktober 2013.

Die in der Berliner Innenstadt über 140 Jahre gewachsene Mischwasser-Kanalisation garantiert einen hohen Hygienestandard und schützt die Stadt vor Überschwemmungen. Bei heftigen Regenfällen kommt sie aber immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen mit der Folge, dass mit Regen verdünntes Schmutzwasser direkt in die Gewässer abgeleitet werden muss und deren Qualität sich dadurch verschlechtert. Sinkender Trinkwasserverbrauch und seltene Regenfälle sorgen hingegen dafür, dass Kanäle ungespült bleiben und es zu Störungen in Abwasserpumpwerken, Verstopfungen und Korrosion in Kanälen und Geruchsbelästigungen aus Gullys kommt.

Vor dem Hintergrund globaler Veränderungen durch den Klimawandel müssen nachhaltige Planungs- und Baukonzepte entwickelt werden, die den Anforderungen kommender Generationen gerecht werden.
Die KURAS-Strategie heißt intelligente Netzbewirtschaftung: Viele kleine im Stadtgebiet verteilte dezentrale Maßnahmen der gebäude- bzw. grundstücksbezogenen Regenwasserbewirtschaftung wie Gründächer, Versickerungsmulden, Teiche und auch klassische Regenspeicher sollen dafür sorgen, dass die Aufnahmekapazität der Kanalisation seltener an ihre Grenzen stößt. Zudem können solche dezentralen Lösungen die städtische Wohn- und Freiraumqualität verbessern: Sie bringen Kühlung im Sommer und neue Grün- und Wasserflächen für Mensch und Natur.

Berlin verfügt bereits heute über ein Pumpwerksleitsystem, um das Abwasser optimal auf sechs Klärwerke zu verteilen. Die Innovation des Projekts KURAS liegt darin, das Zusammenspiel neuer, dezentraler Lösungen mit der bestehenden Abwasserentsorgung zu untersuchen, zu bewerten und mit weiteren Themen zu vernetzen.

Das Projekt KURAS soll vor allem Antworten auf zwei Fragen liefern: Welche Konsequenzen hat die Bewirtschaftung des Abwasserkanalnetzes vor dem Hintergrund immer länger werdender Perioden von Unterlast, aber auch der gleichzeitigen Verschärfung von Überlastphasen bei Starkregen? Und wie kann in dichten Siedlungsräumen ein Umgang mit Regenwasser organisiert werden, der die Abwasserbewirtschaftung unterstützt und den Nutzen für Bewohner und Umwelt optimiert?

Ziele von KURAS:
– Für Abwasserentsorger und kommunale Kanalnetze, die wie Berlin ein geringes Gefälle aufweisen, werden Handlungsoptionen zur Anpassung der Abwasserinfrastruktur an den Klimawandel und deren Folgen erarbeitet. Diese sollen Empfehlungen liefern für Maßnahmen, mit denen diese Infrastruktur vor dem Hintergrund der erwarteten Veränderungen langfristig und zukunftsorientiert weiter betrieben, angepasst und ausgebaut werden kann.
– Parallel dazu sollen verschiedene Möglichkeiten der Vernetzung von Konzepten der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung entwickelt und hinsichtlich ihrer Effekte auf Umwelt, Stadtklima, Bauphysik und Wirtschaftlichkeit verglichen werden. So werden bereits realisierte Berliner Modellvorhaben detailliert ausgewertet und Erkenntnisse und Empfehlungen für künftige Projekte dokumentiert.
– Betreiber von Abwasserinfrastrukturen sollen mit Prognosen, die durch Modellierung und Simulation des bestehenden Abwassersystems erarbeitet werden, Unterstützung dabei erhalten, das Kanalnetz trotz vermehrter Extremwettersituationen (Zunahme langer Trockenperioden, aber auch von Starkregen) zukunftssicher zu bewirtschaften.
– Mit diesen Prognosemodellen sollen die Effekte der Maßnahmenvorschläge zur Vermeidung von Problemen im Kanalnetz nach langen Trockenwetterphasen sowie von Mischwassereinleitungen in Gewässer bei Starkregen überprüft werden.
– Entwicklung von Vorschlägen für zukunftsfähige Finanzierungsmodelle und ordnungsrechtliche Maßnahmen zur Förderung dezentraler Regenwasserbewirtschaftungsmaßnahmen.
– Simulation vernetzter Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung und des Abwassermanagements in realen Berliner Modellgebieten.

Stefanie Terp
Stabsstelle Presse,
Öffentlichkeitsarbeit und Alumni
Technische Universität Berlin

 

 

Nitratbelastung des Wassers: Ergebnisse eines 24 Jahre andauernden Experiments

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In Frankreich wird das meiste Trinkwasser aus dem Grundwasser gewonnen, dessen Nitratbelastung auf lange Sicht zu einem Problem werden könnte. Für seine Studie nutzte das INRA (Institut für Agrarforschung) ein einzigartiges Testgelände: das Wassereinzugsgebiet in Bruyeres-et-Montbérault (Departement Aisne). Dieses Plateau umfasst 187 Hektar, auf dem 137 Feldkulturen (Weizen, Zuckerrüben, Raps, Erbsen etc.) angebaut werden. Am 4. Oktober 2013 veröffentlichte das INRA die wissenschaftlichen und technischen Ergebnisse seines 24 Jahre andauernden Experiments in diesem Gebiet.

1989 starteten das INRA, die Landwirte, der Gemeinderat und die Landwirtschaftskammer von Aisne ein partnerschaftliches Experiment, um den Nitratgehalt im Wassereinzugsgebiet zu reduzieren. Auf den einzelnen Parzellen wurden dafür bewährte landwirtschaftliche Methoden überprüft, insbesondere die Stickstoffdüngung. So wurde beispielsweise mit Hilfe der Simulationssoftware ″Azobil″ die zur Düngung verwendete Stickstoffmenge bei verschiedenen Kulturen getestet. Untersucht wurde auch der Anbau von stickstoffbindenden Zwischenfrüchten. Es wurde auch empfohlen, die Ausfallpflanzen auf den Feldern zu belassen und das Stroh unterzupflügen.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich mit den bewährten landwirtschaftlichen Methoden die Stickstoff-Belastung verringern lässt. Heute liegt der Nitratgehalt bei der Wassergewinnung bei einem stabilen Wert von etwa 50 mg pro Liter (Grenzwert laut Trinkwasserverordnung). Im Vergleich dazu lag dieser Wert 1990 noch bei über 60 mg pro Liter.

Die Daten bestätigen ebenfalls eine starke zeitliche Trägheit. Diese ist darauf zurückzuführen, dass das Nitrat mehrere Jahrzehnte benötigt, um ins Grundwasser zu gelangen. Aus diesem Grund gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Nitratgehalt in den kommenden 30 Jahren weiter sinken wird.

Das Experiment zeigt auch deutlich, dass sich die Nitratbelastung nur durch eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den Gebietskörperschaften, Landwirten, Transfer- und Forschungseinrichtungen beherrschen lässt.

Quelle:
Pressemitteilung des INRA
http://presse.inra.fr/Ressources/Communiques-de-presse/pollution_nitrique_Bruyer…
Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Redakteur:
Clément Guyot, clement.guyot@diplomatie.gouv.fr

 

 

Exkursion: „Verfahrenstechnik Mikroverunreinigungen“

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Das Kompetenzzentrum Baden-Württemberg – KomS-BW – und die Plattform „Verfahrenstechnik Mikroverunreinigungen“ des VSA (CH) führen am 6./7. November gemeinsam eine Fachexkursion zu vier in Bau und im Betrieb befindlichen Kläranlagen mit Pulveraktivkohlebehandlung in Baden-Württemberg durch.
Mit einem Flyer möchten wir Sie auf die gemeinsame Veranstaltung hinweisen. Bitte beachten Sie, dass nur 25 Personen aus Baden-Württemberg teilnehmen können.
http://www.geanetz-bw.de/koms/pulsepro/data/img/uploads/Flyer_Exkursion.pdf

Es zählt das Datum des Posteingangs.
http://www.koms-bw.de/aktuelles/news/
 

 

Säurekapazität auf Kläranlagen – ein Wieso – Warum -Thema

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Säurekapazität auf Kläranlagen

Originalfassung von Kirsten Sölter, Norbert Weber (August 2000) [1]
Aktualisierung vom Juli 2012 (Kirsten Sölter)

Keywords: Säurekapazität, Ks4,3, Kläranlagen, Nitrifikation, pH-Wert, Suspensaabtrieb, Betonkorrosion, Fadenbakterien, Microthrix parvicella, Kreide, Kalk, Dolomit

1. Einleitung

Im Zuge der weitergehenden Abwasserreinigung ist in den letzten 20 Jahren auf Kläranlagen die gezielte Stickstoff- und Phosphorelimination eingeführt worden. Besonders für die Optimierung der Nitrifikation ist der Parameter „Säurekapazität“ von großer Bedeutung, da die nitrifizierenden Bakterien Säure produzieren. Sofern das Abwasser nicht über eine ausreichend hohe Säurekapazität verfügt, kann der pH-Wert im Belebungsbecken unter 7,0 fallen. In diesem pH-Bereich sind jedoch sowohl die Nitrifikationsleistung als auch die Flockenbildung stark beeinträchtigt [2,3]

Im Vorfluter wirken sich Säurekapazitätsdefizite ebenfalls sehr negativ aus. Die Versäuerung der Gewässer kann so weit gehen, dass ein Großteil der Fischnährtiere fehlt. Im Steinbach (Fichtelgebirge) wurden pH-Werte von nur 2,9 festgestellt. Insgesamt sind aber die Vorfluter aller Mittelgebirge mit überwiegend weichem Trinkwasser (ca. 38 % der Fläche Deutschlands) betroffen [4].

Säurekapazitätsdefizite sind auch für den Kläranlagenbetreiber selbst problematisch, weil sie zu erheblicher Betonkorrosion in den Belebungs- und Nachklärbecken führen können [5].

Im folgenden Bericht wird auf die Ursachen, die Vorhersage, die Bestimmung und die Beseitigung von Säurekapazitätsdefiziten eingegangen.

2. Definition

Die Säurekapazität ist definiert als diejenige Menge an Salzsäure (in ml), die pro 100 ml an Abwasser zugegeben werden kann, bis ein pH-Wert von 4,3 erreicht ist (häufige Abkürzung: Ks4,3).

3. Ursachen für Säurekapazitätsdefizite auf Kläranlagen

Im Verlauf des Klärprozesses werden organische kohlenstoff-, stickstoff- und phosphathaltige Abwasserinhaltsstoffe fast vollständig mineralisiert. Bei allen Abbauvorgängen entstehen Säuren:
• bei der Nitrifikation entsteht Salpetersäure (HNO3).
• bei der Denitrifikation und beim Kohlenstoffabbau entsteht Kohlensäure.

Säurekapazitätsverluste bei der Nitrifikation
Die Nitrifikation verläuft (stark vereinfacht) nach folgenden Gleichungen ab [6]:

Gleichung 1: NH4+ + 1,5 O2 → NO2 + 2 H+ + H2
Gleichung 2: NO2 + 0,5 O2 → NO3 
Gesamt:  NH4+ + 2 O2 → NO3 + 2 H+ + H2

Dieser Prozess verläuft zweistufig vom NH4+ über NO2 zum NO3. Die Nitritbildung bzw. Ammonifikation erfolgt durch Ammoniumoxidierer (z.B. Nitrosomonas) und die anschließende Nitratbildung wird von Nitritoxidierern (z.B. Nitrospira) durchgeführt. Voraussetzung für hohe Umsatzgeschwindigkeiten der Nitrifikation ist, dass die gebildeten Säure-Ionen (H+-Ionen) vom Hydrogencarbonatpuffer des Abwassers schnell abgefangen werden.

Gleichung 3:  H+ + HCO3 → CO2 + H2

Pro mg abgebautem NH4-N werden 0,14 mmol Säurekapazität verbraucht. Wird bei der Nitrifikation die entstehende Salpetersäure nicht sofort von Puffersubstanzen in Abwasser gebunden, sinkt der pH-Wert schnell auf Werte unter 7,0. Das Leistungsoptimum der Nitrifikanten liegt aber im pH-Bereich von 7,2-8,0 [6].

Um möglichst effektiv zusammenarbeiten zu können, sitzen Ammonium- und Nitritoxidierer am liebsten eng beieinander und, wenn vorhanden, in der Nähe alkalischer Partikel (z.B. Kreidepartikel).

Säurekapazitätsbildung durch Denitrifikation
Bei der Denitrifikation wird das durch die Nitrifikanten gebildete Nitrat zu elementarem Stickstoff abgebaut:

Gleichung 4: 2 NO3 + 2 H+ + 2,5 Corganisch → N2 + H2O + 2,5 CO2 

Im Gegensatz zur Nitrifikation werden bei der Denitrifikation Säure-Ionen (H+) verbraucht. Theoretisch liefert die Denitrifikation 50 % der zuvor in der Nitrifikation verbrauchten Säurekapazität zurück. Pro mg abgebautem NO3-N werden 0,07 mmol/l Säurekapazität gewonnen.

Anreicherung von CO2 durch den Einsatz effektiver Belüftungssysteme bei niedrigen Temperaturen
Aufgrund immer effektiverer Belüftungseinrichtungen in modernen Kläranlagen (oder bei Belüftung mit technischem Sauerstoff) kann im Zuge gestiegener Sauerstoffausnutzungsgrade die Strippung des CO2 vermindert sein, so dass CO2 im Abwassersystem angereichert wird und der pH-Wert sinkt. Dies gilt insbesondere in der kalten Jahreszeit, weil bei niedrigen Temperaturen die Sauerstofflöslichkeit in Wasser besonders gut ist und dementsprechend weniger belüftet werden muss.

Säurekapazitätsverbrauch durch den Einsatz saurer Fällmittel (Metallsalze)
Bei der Phosphatelimination bilden überschüssige Eisen- und Aluminiumionen Hydroxide, dabei werden H+-Ionen freigesetzt, die ein Absinken des pH-Wertes bewirken können.
Je nach eingesetztem, saurem Fällmittel beträgt der Säurekapazitätsverbrauch [7] in mmol/l

• für Fe3+: 0,06* Konzentration Fe3+ in mg/l
• für Fe2+: 0,04* Konzentration Fe2+ in mg/l
• für Al3+: 0,11 * Konzentration Al3+ in mg/l
• zzgl. 0,03* Pgefällt in mg/l

Beispiel:
Pgefällt = P-Konz.Zulauf – P-Konz.Ablauf = 7 mg P/l
Fällmittelzugabe: 15 mg Fe3+/l (reine Wirksubstanz)
Säurekapazitätsverbrauch = 0,06*15 + 0,03*7 = 1,1 mmol/l

Einsatz alkalischer Fällmittel
Natronlaugehaltige Fällmittel (z. B. Natriumaluminat) liefern in der Regel Säurekapazität [7]:

Gleichung 5:  Na2Al2O4 + 2 PO43- + 6 H+ → 2 AlPO4 + 2 NaOH + 2 H2

Der Säurekapazitätsgewinn beträgt pro 100 mg/l dosiertes Aluminat 0,6 mmol/l.

4. Auswirkungen von Säurekapazitätsdefiziten auf den Klärprozess

Auswirkungen auf die Nitrifikation
Bei der Nitrifikation entsteht Salpetersäure, die sofort nach ihrer Entstehung vom Säurepuffersystem des Abwassers gebunden werden sollte. Wie wichtig eine ausreichende Säurekapazität im Abwasser für die Nitrifikationsleistung ist, zeigt die folgende Tabelle:

Abwasserwerte in der Belebung Beispiel 1 Beispiel 2 Beispiel 3
pH-Wert 6,4 6,6 7,0
Abwassertemperatur 8°C 8°C  8°C 
O2-Gehalt Belebung 1 mg/l 2 mg/l  1 mg/l 
Nges im Zulauf Belebung 40 mg/l  40 mg/l  40 mg/l 
NH4-N im Ablauf 12,9 mg/l 5,2 mg/l 1,2 mg/l

Tabelle 1: Abhängigkeit des Nitrifikationsprozesses vom pH-Wert

Bei konstanten Temperaturen und konstanten NH4-N-Frachten ist im optimalen pH-Wert-Bereich eine viel weitgehendere Nitrifikation möglich als bei pH-Werten < 7, und das bei relativ geringen Sauerstoffgehalten. Das bedeutet, dass die Nitrifikationsrate und die Sauerstoffausnutzung der Nitrifikanten im pH-Optimum deutlich höher ist als bei pH-Werten < 7 [8]. Auswirkungen auf die Belebtschlammbeschaffenheit
Auf Kläranlagen, die an einem Mangel an Säurekapazität leiden, kommt es sehr häufig zu Problemen mit Schlammantrieb vor allem bei hydraulischen Stößen (starker Regen, Schneeschmelze etc.). Bei der Betrachtung des Belebtschlammes unter dem Mikroskop fällt auf, dass der Schlamm aus vielen kleinen und leichten Flocken besteht, die demzufolge schon bei geringen Turbulenzen mitgerissen werden können. Die Ursache für die ungünstige Schlammstruktur ist das Herauslösen von Calciumcarbonatpartikeln aus dem Belebtschlamm, auf denen vor allem die Nitrifikanten gern aufwachsen.

Trotz dieser Problematik ist der Schlammindex der betreffenden Schlämme oft sehr niedrig, denn die Bestimmung des Schlammvolumens erfolgt in einem Absetzzylinder, in dem es keine Turbulenzen gibt. Trotz des guten Schlammindex` kann im Nachklärbecken vor allem bei hohen Durchflussmengen aufgrund der Strömungsverhältnisse eine Störung des Absetzvorganges auftreten. Dies hat häufig zur Folge, dass aufgrund des Suspensaabtriebs eine erhebliche Anzahl an Nitrifikanten verloren geht (Schlammalter sinkt), so dass im Zusammenwirken mit einer zu geringen Säurekapazität die Nitrifikation zum Erliegen kommen kann.

Betonkorrosion
Bei einem ständigen oder zeitweiligen Mangel an Säurekapazität im Belebungsbecken, d.h. bei Werten < 1,5 mmol/l im Kläranlagenablauf, kann eine erhebliche Betonkorrosion im Belebungsbecken stattfinden, die bis zum Zusammenbrechen ganzer Beckenteile führen kann [5].

5. Beseitigung der Säurekapazitätsdefizite

Als Abhilfe gegen Säurekapazitätsdefizite sind folgende Maßnahmen möglich:
• Optimierung der Denitrifikation (ggf. durch Verkleinerung der Vorklärung, Zugabe externer C-Quellen, Abdeckung der Becken etc).
• Verminderung oder Vergleichmäßigung des zu nitrifizierenden Stickstoffes.
• Dosierung alkalischer Hilfsstoffe.

Eine Verminderung des zu nitrifizierenden Stickstoffs ist z. B. durch die separate Behandlung der Prozesswässer aus der Schlammbehandlung möglich (Strippung, Deammonifikation, Nitritation/Denitritation etc.). Eine Vergleichmäßigung sollte immer über 24 h/Tag erfolgen. Die Zugabe der Prozesswässer in der Nacht ist wegen des Fehlens von leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen für die Denitrifikation problematisch.

Sind alle internen verfahrenstechnischen Möglichkeiten ausgeschöpft, kann es immer noch notwendig sein, alkalische Hilfsstoffe einzusetzen. Die gängigsten sind:
• natronlaugehaltige Fällmittel (Natriumaluminat),
• Kreide [9, 10, 11],
• Weißkalkhydrat [12, 13, 14],
• Dolomit,
• Wasserkalkhydrat,
• Natronlauge,
• Soda.

Pro mol Säurekapazität müssen ca.
• 166 g Natriumaluminat
• 30 g Kreide oder
• 40 g Kalkhydrat
• 50 g Wasserkalkhydrat
eingesetzt werden.

Bei den angegebenen Dosierraten für Kreide und für Kalkhydrate kommt es zu keinem in der Praxis messbaren Schlammmehranfall. Der Einsatz von Natriumaluminat allein zur Säurekapazitätsanhebung ist unwirtschaftlich [7].

Anzustreben ist eine Mindestsäurekapazität im Kläranlagenablauf bei Trockenwetter von mindestens
2,5 mmol/l.

Natronlauge und Soda sind aus Kostengründen und wegen des hohen Natriumgehaltes nicht zu empfehlen, weil ein ungünstiges Calcium-/Natrium-Verhältnis die Flockenstruktur von Belebtschlamm schädigt [15].

Die günstigsten Auswirkungen auf die Säurekapazität und die Flockenstruktur haben Kreide und Wasserkalkhydrat.

6. Prognose von Säurekapazitätsdefiziten

Für die Abschätzung des zu erwartenden Säurekapazitätsverbrauches (∆ Ks) im Verlauf des Klärprozesses kann folgende Formel angewendet werden [16].

∆ Ks = 0,035 • (NH4-N Zul. BB – Ges.-N Abl. NKB) + 0,14 (Ges.-PZul. BB – ortho-PAbl. NKB) mmol/l 

Beispiel:

Säurekapazität im Zulauf: 4 mmol/l (entspricht weichem bis mittelhartem Wasser) 
NH4-N-Zulauf BB: 50 mg N/l 
Ges.-N Abl. NKB 5,25 mg N/l (Nitrit, Nitrat, Ammonium, org.N) 
Gesamt-P Zul.BB: 8 mg P/l 
ortho-P Abl.NKB:   1 mg/l 
Einsetzen obige Gleichung: ∆ Ks = 0,035 • (50 – 5,25) + 0,14 • (8 – 1) = 2,5 mmol/l 

Bei einer Säurekapazität im Zulauf von beispielsweise 4 mmol/l bei Trockenwetter und einem Säurekapazitätsverbrauch von 2,5 mmol/l resultiert eine Restsäurekapazität von nur 1,5 mmol/l. Somit ist zumindest zeitweise mit Problemen in der Belebung (pH-Wert-Abfall, verringerte Nitrifikationsleistung, schlechte Schlammstruktur) zu rechnen.

7. Möglichkeiten zur Bestimmung der Säurekapazität

Titration
Zu 100 ml Abwasserprobe (Zulaufproben werden über Faltenfilter filtriert und danach sofort bearbeitet) wird tropfenweise Salzsäure (HCl, 0,1 mol/l bzw. 0,1 n) zugegeben, bis entweder
• der mittels pH-Elektrode gemessene pH-Wert den Wert 4,3 erreicht hat oder
• bis das zuvor zugegebene Methylorange von orange nach orange-rot umgeschlagen ist oder
• bis der „Mischindikator 4,5 nach Mortimer“ (sehr zu empfehlen) von blau nach orange umgeschlagen ist.
Die Menge an zugegebener Salzsäure in ml wird festgehalten. Der ermittelte Zahlenwert entspricht der Säurekapazität in mmol HCO3 /l. 

Beispiel:
Im Ablaufwasser einer Kläranlage wird die Säurekapazität titriert. Es werden 3 ml 0,1 molare Salzsäure bis zum Farbumschlag des Mischindikators verbraucht. Der entsprechende Säurekapazitätswert beträgt somit 3 mmol HCO3/l.

Küvetten-Test

Die Bestimmung der Säurekapazität kann auch mit einem Küvetten-Test (z.B. Hach Lange LCK362 oder vergleichbaren Tests) erfolgen. Auch hier sind die Filtration von Zulaufproben (Faltenfilter) und die sofortige Weiterbearbeitung zu empfehlen. Das Prinzip des Küvetten-Tests basiert auf einem Indikator, der seine Farbe mit steigender Säurekapazität verändert. Die resultierende Farbintensität wird photometrisch ausgewertet.

Zeitpunkt der Messung
In der Regel gibt es selbst in Weichwassergebieten bei Trockenwetter kaum Probleme mit der Nitrifikation und Suspensaabtrieb.

In der kalten Jahreszeit, bei Niederschlägen, Schneeschmelze, weichem Fremdwasser etc. ist nicht nur die hydraulische Belastung der Kläranlagen besonders hoch, sondern auch die Säurekapazität am niedrigsten. Dann sollte unbedingt gemessen und ggf. Kreide o.ä. dosiert werden. Ein Absinken des pH-Wertes im Ablauf auf Werte < 7,0 ist immer ein guter Grund, die Säurekapazität im Ablauf zu überprüfen. Optimal sind Werte bei Trockenwetter um 2,5-3,0 mmol/l und bei Regenwetter nicht unter 1 mmol/l.

8. Fazit:

Wird die Säurekapazität nicht überwacht, können folgende Problem eintreten:
• Einbruch der Nitrifikation mit erhöhten Ammonium- oder Nitritgehalten im Ablauf
• Feinsuspensaabtrieb oder milchige Trübung (Gefahr des Verlustes von Nitrifikanten v.a. im Winter erheblich!!) mit erhöhten CSB- und P-Werten im Ablauf
• Verschlechterung der Entwässerbarkeit von Überschussschlamm und Faulschlamm mit erheblichem Mehrverbrauch an Flockungshilfsmitteln
• Mehrverbrauch an Fällmitteln, um den erhöhten P-Werten entgegen zu wirken (sehr gefährlich, weil die meisten Fällmittel sauer sind und zusätzlich Säurekapazität verbrauchen!!)
• Wachstum von Fadenbakterien, z.B. Microthrix parvicella aufgrund der Lockerung der Belebtschlammflocken und der höheren Ammoniumwerte.
• Betonkorrosion an Belebungs- und Nachklärbecken
• Schädigung des Vorfluters durch Versauerung

In der Praxis werden die Kosten für die alkalischen Additive wie Kreide, Dolomit oder Kalk durch Einsparungen aufgrund der Vermeidung der oben angegebenen Probleme mehr als aufgewogen.

9. Literatur 

1. Sölter, K., Weber, N.: Die Bedeutung der Säurekapazität auf Kläranlagen; Hach-Lange Anwendungsbericht Ch. No. 77; http://www.dolomitreaktor.de/attachments/File/Lc_OTQ.pdf 
2. Bever, J. et. al. 1993: Weitergehende Abwasserreinigung, R. Oldenbourg Verlag München, Wien, 2. Auflage, ISBN 3-486-26277-7 
3. Hänel, K. 1986: Biologische Abwasserreinigung mit Belebtschlamm, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, ISBN 3-334-00023-0 
4. Weber, N., Wecker, A.: Naturprodukt Kalk und die Neuausrichtung des WHG. Sonderdruck aus wwt 6/2003, Seiten 24-27 
5. Rölle, R., Huber, M.: Betonangriff in biologischen Abwasserbehandlungsanlagen, 2009 http://www.goetzelmann-partner.de/deutsch/unternehmen/texte/53.pdf 
6. Mudrack, K., Kunst, S.: Biologie der Abwasserreinigung, Gustav Fischer Verlag, 1994 
7. Baumann, Peter: Phosphatelimination aus Abwasser, Oldenbourg Industrieverlag GmbH, 2003, Seite 93-94. 
8. Tlamicha, J., 1999: Ergebnisse einer Berechnung mit dem dynamischen Simulationssystem der Fa. UAS Messtechnik GmbH, Ruhmannsfelden für den Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e.V., Köln 
9. Denkert, R., Schulte, P.: Aufstockung der Säurekapazität und Einstellung des Kalk-Kohlensäure-Gleichgewichtes durch Kreidedosierung in die biologische Stufe einer Kläranlage, http://www.drdenkert.de 
10. Denkert, R.: Der Einsatz von Kreide auf kommunalen Kläranlagen, Kemira Water Spiegel 2010 
11. Kopp, J.: Einsatz von Kreide; Sonderdruck aus wwt, Heft 5/2006 
12. Kopp, J., Gerke, W. und Reinhardt, T.: Verminderung des Suspensaabtriebs im Ablauf der Nachklärung der Kläranlage Göttingen durch Einsatz von Kalkhydrat, KA Abwasser/ Abfall, Heft 9/2009, Seite 908-915 
13. Schönherr, F., Wecker, A., Günthert, F.W. und Weber, N.: Verbesserung der Nitrifikation durch Stützung der Säurekapazität, GWF Wasser/ Abwasser, Heft 9/2007, Seite 637-644. 
14. Saure, H. Weber, N.: Kalk und Dolomit machen Kläranlagen fit. Umwelt Magazin Heft Juli/August 2005, Seite 56-58 
15. Sölter, K.: https://klaerwerk.info/Abwasserreinigung/Der-Einfluss-von-Natriumionen-auf-das-Absetzverhalten-von-Belebtschlammflocken 
16. Kapp, H., 1983: Zur Interpretation der Säurekapazität des Abwassers, gwf wasser/abwasser 124 (1983), H. 3, S. 127 – 130

 

 

Säurekapazität auf Kläranlagen – ein Wieso – Warum -Thema

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Säurekapazität auf Kläranlagen

Originalfassung von Kirsten Sölter, Norbert Weber (August 2000) [1]
Aktualisierung vom Juli 2012 (Kirsten Sölter)

Keywords: Säurekapazität, Ks4,3, Kläranlagen, Nitrifikation, pH-Wert, Suspensaabtrieb, Betonkorrosion, Fadenbakterien, Microthrix parvicella, Kreide, Kalk, Dolomit

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1. Einleitung

Im Zuge der weitergehenden Abwasserreinigung ist in den letzten 20 Jahren auf Kläranlagen die gezielte Stickstoff- und Phosphorelimination eingeführt worden. Besonders für die Optimierung der Nitrifikation ist der Parameter „Säurekapazität“ von großer Bedeutung, da die nitrifizierenden Bakterien Säure produzieren. Sofern das Abwasser nicht über eine ausreichend hohe Säurekapazität verfügt, kann der pH-Wert im Belebungsbecken unter 7,0 fallen. In diesem pH-Bereich sind jedoch sowohl die Nitrifikationsleistung als auch die Flockenbildung stark beeinträchtigt [2,3]

Im Vorfluter wirken sich Säurekapazitätsdefizite ebenfalls sehr negativ aus. Die Versäuerung der Gewässer kann so weit gehen, dass ein Großteil der Fischnährtiere fehlt. Im Steinbach (Fichtelgebirge) wurden pH-Werte von nur 2,9 festgestellt. Insgesamt sind aber die Vorfluter aller Mittelgebirge mit überwiegend weichem Trinkwasser (ca. 38 % der Fläche Deutschlands) betroffen [4].

Säurekapazitätsdefizite sind auch für den Kläranlagenbetreiber selbst problematisch, weil sie zu erheblicher Betonkorrosion in den Belebungs- und Nachklärbecken führen können [5].

Im folgenden Bericht wird auf die Ursachen, die Vorhersage, die Bestimmung und die Beseitigung von Säurekapazitätsdefiziten eingegangen.

2. Definition

Die Säurekapazität ist definiert als diejenige Menge an Salzsäure (in ml), die pro 100 ml an Abwasser zugegeben werden kann, bis ein pH-Wert von 4,3 erreicht ist (häufige Abkürzung: Ks4,3).

3. Ursachen für Säurekapazitätsdefizite auf Kläranlagen

Im Verlauf des Klärprozesses werden organische kohlenstoff-, stickstoff- und phosphathaltige Abwasserinhaltsstoffe fast vollständig mineralisiert. Bei allen Abbauvorgängen entstehen Säuren:
• bei der Nitrifikation entsteht Salpetersäure (HNO3).
• bei der Denitrifikation und beim Kohlenstoffabbau entsteht Kohlensäure.

Säurekapazitätsverluste bei der Nitrifikation
Die Nitrifikation verläuft (stark vereinfacht) nach folgenden Gleichungen ab [6]:

Gleichung 1: NH4+ + 1,5 O2 → NO2 + 2 H+ + H2
Gleichung 2: NO2 + 0,5 O2 → NO3 
Gesamt:  NH4+ + 2 O2 → NO3 + 2 H+ + H2

Dieser Prozess verläuft zweistufig vom NH4+ über NO2 zum NO3. Die Nitritbildung bzw. Ammonifikation erfolgt durch Ammoniumoxidierer (z.B. Nitrosomonas) und die anschließende Nitratbildung wird von Nitritoxidierern (z.B. Nitrospira) durchgeführt. Voraussetzung für hohe Umsatzgeschwindigkeiten der Nitrifikation ist, dass die gebildeten Säure-Ionen (H+-Ionen) vom Hydrogencarbonatpuffer des Abwassers schnell abgefangen werden.

Gleichung 3:  H+ + HCO3 → CO2 + H2

Pro mg abgebautem NH4-N werden 0,14 mmol Säurekapazität verbraucht. Wird bei der Nitrifikation die entstehende Salpetersäure nicht sofort von Puffersubstanzen in Abwasser gebunden, sinkt der pH-Wert schnell auf Werte unter 7,0. Das Leistungsoptimum der Nitrifikanten liegt aber im pH-Bereich von 7,2-8,0 [6].

Um möglichst effektiv zusammenarbeiten zu können, sitzen Ammonium- und Nitritoxidierer am liebsten eng beieinander und, wenn vorhanden, in der Nähe alkalischer Partikel (z.B. Kreidepartikel).

Säurekapazitätsbildung durch Denitrifikation
Bei der Denitrifikation wird das durch die Nitrifikanten gebildete Nitrat zu elementarem Stickstoff abgebaut:

Gleichung 4: 2 NO3 + 2 H+ + 2,5 Corganisch → N2 + H2O + 2,5 CO2 

Im Gegensatz zur Nitrifikation werden bei der Denitrifikation Säure-Ionen (H+) verbraucht. Theoretisch liefert die Denitrifikation 50 % der zuvor in der Nitrifikation verbrauchten Säurekapazität zurück. Pro mg abgebautem NO3-N werden 0,07 mmol/l Säurekapazität gewonnen.

Anreicherung von CO2 durch den Einsatz effektiver Belüftungssysteme bei niedrigen Temperaturen
Aufgrund immer effektiverer Belüftungseinrichtungen in modernen Kläranlagen (oder bei Belüftung mit technischem Sauerstoff) kann im Zuge gestiegener Sauerstoffausnutzungsgrade die Strippung des CO2 vermindert sein, so dass CO2 im Abwassersystem angereichert wird und der pH-Wert sinkt. Dies gilt insbesondere in der kalten Jahreszeit, weil bei niedrigen Temperaturen die Sauerstofflöslichkeit in Wasser besonders gut ist und dementsprechend weniger belüftet werden muss.

Säurekapazitätsverbrauch durch den Einsatz saurer Fällmittel (Metallsalze)
Bei der Phosphatelimination bilden überschüssige Eisen- und Aluminiumionen Hydroxide, dabei werden H+-Ionen freigesetzt, die ein Absinken des pH-Wertes bewirken können.
Je nach eingesetztem, saurem Fällmittel beträgt der Säurekapazitätsverbrauch [7] in mmol/l

• für Fe3+: 0,06* Konzentration Fe3+ in mg/l
• für Fe2+: 0,04* Konzentration Fe2+ in mg/l
• für Al3+: 0,11 * Konzentration Al3+ in mg/l
• zzgl. 0,03* Pgefällt in mg/l

Beispiel:
Pgefällt = P-Konz.Zulauf – P-Konz.Ablauf = 7 mg P/l
Fällmittelzugabe: 15 mg Fe3+/l (reine Wirksubstanz)
Säurekapazitätsverbrauch = 0,06*15 + 0,03*7 = 1,1 mmol/l

Einsatz alkalischer Fällmittel
Natronlaugehaltige Fällmittel (z. B. Natriumaluminat) liefern in der Regel Säurekapazität [7]:

Gleichung 5:  Na2Al2O4 + 2 PO43- + 6 H+ → 2 AlPO4 + 2 NaOH + 2 H2

Der Säurekapazitätsgewinn beträgt pro 100 mg/l dosiertes Aluminat 0,6 mmol/l.

4. Auswirkungen von Säurekapazitätsdefiziten auf den Klärprozess

Auswirkungen auf die Nitrifikation
Bei der Nitrifikation entsteht Salpetersäure, die sofort nach ihrer Entstehung vom Säurepuffersystem des Abwassers gebunden werden sollte. Wie wichtig eine ausreichende Säurekapazität im Abwasser für die Nitrifikationsleistung ist, zeigt die folgende Tabelle:

Abwasserwerte in der Belebung Beispiel 1 Beispiel 2 Beispiel 3
pH-Wert 6,4 6,6 7,0
Abwassertemperatur 8°C 8°C  8°C 
O2-Gehalt Belebung 1 mg/l 2 mg/l  1 mg/l 
Nges im Zulauf Belebung 40 mg/l  40 mg/l  40 mg/l 
NH4-N im Ablauf 12,9 mg/l 5,2 mg/l 1,2 mg/l

Tabelle 1: Abhängigkeit des Nitrifikationsprozesses vom pH-Wert

Bei konstanten Temperaturen und konstanten NH4-N-Frachten ist im optimalen pH-Wert-Bereich eine viel weitgehendere Nitrifikation möglich als bei pH-Werten < 7, und das bei relativ geringen Sauerstoffgehalten. Das bedeutet, dass die Nitrifikationsrate und die Sauerstoffausnutzung der Nitrifikanten im pH-Optimum deutlich höher ist als bei pH-Werten < 7 [8]. Auswirkungen auf die Belebtschlammbeschaffenheit
Auf Kläranlagen, die an einem Mangel an Säurekapazität leiden, kommt es sehr häufig zu Problemen mit Schlammantrieb vor allem bei hydraulischen Stößen (starker Regen, Schneeschmelze etc.). Bei der Betrachtung des Belebtschlammes unter dem Mikroskop fällt auf, dass der Schlamm aus vielen kleinen und leichten Flocken besteht, die demzufolge schon bei geringen Turbulenzen mitgerissen werden können. Die Ursache für die ungünstige Schlammstruktur ist das Herauslösen von Calciumcarbonatpartikeln aus dem Belebtschlamm, auf denen vor allem die Nitrifikanten gern aufwachsen.

Trotz dieser Problematik ist der Schlammindex der betreffenden Schlämme oft sehr niedrig, denn die Bestimmung des Schlammvolumens erfolgt in einem Absetzzylinder, in dem es keine Turbulenzen gibt. Trotz des guten Schlammindex` kann im Nachklärbecken vor allem bei hohen Durchflussmengen aufgrund der Strömungsverhältnisse eine Störung des Absetzvorganges auftreten. Dies hat häufig zur Folge, dass aufgrund des Suspensaabtriebs eine erhebliche Anzahl an Nitrifikanten verloren geht (Schlammalter sinkt), so dass im Zusammenwirken mit einer zu geringen Säurekapazität die Nitrifikation zum Erliegen kommen kann.

Betonkorrosion
Bei einem ständigen oder zeitweiligen Mangel an Säurekapazität im Belebungsbecken, d.h. bei Werten < 1,5 mmol/l im Kläranlagenablauf, kann eine erhebliche Betonkorrosion im Belebungsbecken stattfinden, die bis zum Zusammenbrechen ganzer Beckenteile führen kann [5].

5. Beseitigung der Säurekapazitätsdefizite

Als Abhilfe gegen Säurekapazitätsdefizite sind folgende Maßnahmen möglich:
• Optimierung der Denitrifikation (ggf. durch Verkleinerung der Vorklärung, Zugabe externer C-Quellen, Abdeckung der Becken etc).
• Verminderung oder Vergleichmäßigung des zu nitrifizierenden Stickstoffes.
• Dosierung alkalischer Hilfsstoffe.

Eine Verminderung des zu nitrifizierenden Stickstoffs ist z. B. durch die separate Behandlung der Prozesswässer aus der Schlammbehandlung möglich (Strippung, Deammonifikation, Nitritation/Denitritation etc.). Eine Vergleichmäßigung sollte immer über 24 h/Tag erfolgen. Die Zugabe der Prozesswässer in der Nacht ist wegen des Fehlens von leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen für die Denitrifikation problematisch.

Sind alle internen verfahrenstechnischen Möglichkeiten ausgeschöpft, kann es immer noch notwendig sein, alkalische Hilfsstoffe einzusetzen. Die gängigsten sind:
• natronlaugehaltige Fällmittel (Natriumaluminat),
• Kreide [9, 10, 11],
• Weißkalkhydrat [12, 13, 14],
• Dolomit,
• Wasserkalkhydrat,
• Natronlauge,
• Soda.

Pro mol Säurekapazität müssen ca.
• 166 g Natriumaluminat
• 30 g Kreide oder
• 40 g Kalkhydrat
• 50 g Wasserkalkhydrat
eingesetzt werden.

Bei den angegebenen Dosierraten für Kreide und für Kalkhydrate kommt es zu keinem in der Praxis messbaren Schlammmehranfall. Der Einsatz von Natriumaluminat allein zur Säurekapazitätsanhebung ist unwirtschaftlich [7].

Anzustreben ist eine Mindestsäurekapazität im Kläranlagenablauf bei Trockenwetter von mindestens
2,5 mmol/l.

Natronlauge und Soda sind aus Kostengründen und wegen des hohen Natriumgehaltes nicht zu empfehlen, weil ein ungünstiges Calcium-/Natrium-Verhältnis die Flockenstruktur von Belebtschlamm schädigt [15].

Die günstigsten Auswirkungen auf die Säurekapazität und die Flockenstruktur haben Kreide und Wasserkalkhydrat.

6. Prognose von Säurekapazitätsdefiziten

Für die Abschätzung des zu erwartenden Säurekapazitätsverbrauches (∆ Ks) im Verlauf des Klärprozesses kann folgende Formel angewendet werden [16].

∆ Ks = 0,035 • (NH4-N Zul. BB – Ges.-N Abl. NKB) + 0,14 (Ges.-PZul. BB – ortho-PAbl. NKB) mmol/l 

Beispiel:

Säurekapazität im Zulauf: 4 mmol/l (entspricht weichem bis mittelhartem Wasser) 
NH4-N-Zulauf BB: 50 mg N/l 
Ges.-N Abl. NKB 5,25 mg N/l (Nitrit, Nitrat, Ammonium, org.N) 
Gesamt-P Zul.BB: 8 mg P/l 
ortho-P Abl.NKB:   1 mg/l 
Einsetzen obige Gleichung: ∆ Ks = 0,035 • (50 – 5,25) + 0,14 • (8 – 1) = 2,5 mmol/l 

Bei einer Säurekapazität im Zulauf von beispielsweise 4 mmol/l bei Trockenwetter und einem Säurekapazitätsverbrauch von 2,5 mmol/l resultiert eine Restsäurekapazität von nur 1,5 mmol/l. Somit ist zumindest zeitweise mit Problemen in der Belebung (pH-Wert-Abfall, verringerte Nitrifikationsleistung, schlechte Schlammstruktur) zu rechnen.

7. Möglichkeiten zur Bestimmung der Säurekapazität

Titration
Zu 100 ml Abwasserprobe (Zulaufproben werden über Faltenfilter filtriert und danach sofort bearbeitet) wird tropfenweise Salzsäure (HCl, 0,1 mol/l bzw. 0,1 n) zugegeben, bis entweder
• der mittels pH-Elektrode gemessene pH-Wert den Wert 4,3 erreicht hat oder
• bis das zuvor zugegebene Methylorange von orange nach orange-rot umgeschlagen ist oder
• bis der „Mischindikator 4,5 nach Mortimer“ (sehr zu empfehlen) von blau nach orange umgeschlagen ist.
Die Menge an zugegebener Salzsäure in ml wird festgehalten. Der ermittelte Zahlenwert entspricht der Säurekapazität in mmol HCO3 /l. 

Beispiel:
Im Ablaufwasser einer Kläranlage wird die Säurekapazität titriert. Es werden 3 ml 0,1 molare Salzsäure bis zum Farbumschlag des Mischindikators verbraucht. Der entsprechende Säurekapazitätswert beträgt somit 3 mmol HCO3/l.

Küvetten-Test

Die Bestimmung der Säurekapazität kann auch mit einem Küvetten-Test (z.B. Hach Lange LCK362 oder vergleichbaren Tests) erfolgen. Auch hier sind die Filtration von Zulaufproben (Faltenfilter) und die sofortige Weiterbearbeitung zu empfehlen. Das Prinzip des Küvetten-Tests basiert auf einem Indikator, der seine Farbe mit steigender Säurekapazität verändert. Die resultierende Farbintensität wird photometrisch ausgewertet.

Zeitpunkt der Messung
In der Regel gibt es selbst in Weichwassergebieten bei Trockenwetter kaum Probleme mit der Nitrifikation und Suspensaabtrieb.

In der kalten Jahreszeit, bei Niederschlägen, Schneeschmelze, weichem Fremdwasser etc. ist nicht nur die hydraulische Belastung der Kläranlagen besonders hoch, sondern auch die Säurekapazität am niedrigsten. Dann sollte unbedingt gemessen und ggf. Kreide o.ä. dosiert werden. Ein Absinken des pH-Wertes im Ablauf auf Werte < 7,0 ist immer ein guter Grund, die Säurekapazität im Ablauf zu überprüfen. Optimal sind Werte bei Trockenwetter um 2,5-3,0 mmol/l und bei Regenwetter nicht unter 1 mmol/l.

8. Fazit:

Wird die Säurekapazität nicht überwacht, können folgende Problem eintreten:
• Einbruch der Nitrifikation mit erhöhten Ammonium- oder Nitritgehalten im Ablauf
• Feinsuspensaabtrieb oder milchige Trübung (Gefahr des Verlustes von Nitrifikanten v.a. im Winter erheblich!!) mit erhöhten CSB- und P-Werten im Ablauf
• Verschlechterung der Entwässerbarkeit von Überschussschlamm und Faulschlamm mit erheblichem Mehrverbrauch an Flockungshilfsmitteln
• Mehrverbrauch an Fällmitteln, um den erhöhten P-Werten entgegen zu wirken (sehr gefährlich, weil die meisten Fällmittel sauer sind und zusätzlich Säurekapazität verbrauchen!!)
• Wachstum von Fadenbakterien, z.B. Microthrix parvicella aufgrund der Lockerung der Belebtschlammflocken und der höheren Ammoniumwerte.
• Betonkorrosion an Belebungs- und Nachklärbecken
• Schädigung des Vorfluters durch Versauerung

In der Praxis werden die Kosten für die alkalischen Additive wie Kreide, Dolomit oder Kalk durch Einsparungen aufgrund der Vermeidung der oben angegebenen Probleme mehr als aufgewogen.

9. Literatur 

1. Sölter, K., Weber, N.: Die Bedeutung der Säurekapazität auf Kläranlagen; Hach-Lange Anwendungsbericht Ch. No. 77; http://www.dolomitreaktor.de/attachments/File/Lc_OTQ.pdf 
2. Bever, J. et. al. 1993: Weitergehende Abwasserreinigung, R. Oldenbourg Verlag München, Wien, 2. Auflage, ISBN 3-486-26277-7 
3. Hänel, K. 1986: Biologische Abwasserreinigung mit Belebtschlamm, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, ISBN 3-334-00023-0 
4. Weber, N., Wecker, A.: Naturprodukt Kalk und die Neuausrichtung des WHG. Sonderdruck aus wwt 6/2003, Seiten 24-27 
5. Rölle, R., Huber, M.: Betonangriff in biologischen Abwasserbehandlungsanlagen, 2009 http://www.goetzelmann-partner.de/deutsch/unternehmen/texte/53.pdf 
6. Mudrack, K., Kunst, S.: Biologie der Abwasserreinigung, Gustav Fischer Verlag, 1994 
7. Baumann, Peter: Phosphatelimination aus Abwasser, Oldenbourg Industrieverlag GmbH, 2003, Seite 93-94. 
8. Tlamicha, J., 1999: Ergebnisse einer Berechnung mit dem dynamischen Simulationssystem der Fa. UAS Messtechnik GmbH, Ruhmannsfelden für den Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e.V., Köln 
9. Denkert, R., Schulte, P.: Aufstockung der Säurekapazität und Einstellung des Kalk-Kohlensäure-Gleichgewichtes durch Kreidedosierung in die biologische Stufe einer Kläranlage, http://www.drdenkert.de 
10. Denkert, R.: Der Einsatz von Kreide auf kommunalen Kläranlagen, Kemira Water Spiegel 2010 
11. Kopp, J.: Einsatz von Kreide; Sonderdruck aus wwt, Heft 5/2006 
12. Kopp, J., Gerke, W. und Reinhardt, T.: Verminderung des Suspensaabtriebs im Ablauf der Nachklärung der Kläranlage Göttingen durch Einsatz von Kalkhydrat, KA Abwasser/ Abfall, Heft 9/2009, Seite 908-915 
13. Schönherr, F., Wecker, A., Günthert, F.W. und Weber, N.: Verbesserung der Nitrifikation durch Stützung der Säurekapazität, GWF Wasser/ Abwasser, Heft 9/2007, Seite 637-644. 
14. Saure, H. Weber, N.: Kalk und Dolomit machen Kläranlagen fit. Umwelt Magazin Heft Juli/August 2005, Seite 56-58 
15. Sölter, K.: https://klaerwerk.info/Abwasserreinigung/Der-Einfluss-von-Natriumionen-auf-das-Absetzverhalten-von-Belebtschlammflocken 
16. Kapp, H., 1983: Zur Interpretation der Säurekapazität des Abwassers, gwf wasser/abwasser 124 (1983), H. 3, S. 127 – 130 

 

 

Kanalreinigung wird intelligent – Lemgoer Forscher machen Kanalfahrzeuge fit

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Kanalreinigung – Für jeden Hauseigentümer ein Thema, spätestens seit Dichtheitsprüfungen und Kostenübernahmen zum ersten Mal diskutiert wurden. Denn für defekte Kanäle muss nicht zuletzt er selbst aufkommen. Grund genug für Anbieter von Reinigungsmaschinen, Lösungen für eine gründliche und schonende Kanalreinigung zu finden. Schonend in Bezug auf den Einsatz von Ressourcen und ohne dabei den Kanal zu beschädigen. Forscher der beiden Institute der Hochschule OWL – das Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) und das Institut für wirtschaftliche und technologische Unternehmensführung (IWT) – wollen nun den Kanalfahrzeugen „Intelligenz einhauchen“.

Bei der beschaulichen lippischen Gemeinde Schieder-Schwalenberg denkt man für gewöhnlich an Trachtenfest, Fachwerkhäuser, Feld, Wald und Wiesen, aber gewiss nicht an High-Tech. Ein Irrtum! In Schwalenberg ist der Hauptsitz der Firma Müller Umwelttechnik, Hersteller von Kanalreinigungsfahrzeugen, eine Art Sondermaschinenbau für die Kanalreinigung. Hier entstehen zukünftig intelligente Kanalreinigungsfahrzeuge.

Nicht nur bei Kanalverstopfung und starker Verschmutzung, auch regelmäßig führen Kanalreinigungsfahrzeuge eine Reinigung der Kanäle durch. Diese ist kostspielig durch den Einsatz von Dieselkraftstoff. Die Fahrzeuge pumpen unter hohem Energieaufwand Wasser in den Kanal und saugen dieses wieder an. In der Maschine wird das Schmutzwasser anschließend aufbereitet und wiederverwendet. Die Qualität der Reinigungsleistung und der Verbrauch von Dieselkraftstoff schwanken, je nach Verschmutzungsgrad, Art des Kanals und anderer Einflüsse. Nur eine optimale Bedienung des Reinigungsfahrzeuges garantiert eine gründliche und schonende Reinigung. Aufgrund der hohen Anzahl von zu berücksichtigenden Parametern ist die Bedienung allerdings sehr komplex. Die Institute inIT und IWT versuchen daher gemeinsam mit der Firma Müller Umwelttechnik, den Reinigungsfahrzeugen eine eigene Intelligenz einzuhauchen: Das Fahrzeug soll selbst die Reinigungsleistung verbessern und gleichzeitig den Ressourcenaufwand verringern. „Ein System, welches den Reinigungsvorgang automatisch optimal einstellt und darüber hinaus lernt und sich ständig verbessert“, erklärt Professor Oliver Niggemann vom inIT. Gute Gründe also, warum ein Hersteller von Kanalreinigungsfahrzeugen dieses Thema gemeinsam mit der Forschung aufgreift. Der Meinung ist auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das mit dem eigenen ‘Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)‘ das Projekt mit 500.000 Euro über zwei Jahre fördert.

Quelle:
Julia Wunderlich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Ostwestfalen-Lippe