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UDE koordiniert EU-Netzwerk: Gewässer besser analysieren

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Nähr- und Schadstoffe, aber auch der Klimawandel bedrohen die Meere, Seen, Flüsse und das Grundwasser weltweit. Um wirksame Gegenmaßnahmen einleiten zu können, muss man genau wissen, welche Organismen in den Gewässern leben. Schnell, standardisiert und umfassend lässt sich dies über genetische Verfahren erheben. Allerdings wurden sie bisher nur exemplarisch getestet und noch in keinem standardisierten nationalen oder internationalen Programm eingesetzt. Um dies zu ändern, gründete sich kürzlich ein internationales Netzwerk DNAqua-Net mit mehr als 250 Vertretern aus 41 Nationen.

Das DNAqua-Net ist eine EU COST Action (Co-Operation in Science and Technology), in dem sich Vertreter aus Wissenschaft, Verbänden, Behörden, und Industrie zusammengefunden haben. Die EU fördert das Vorhaben an der UDE für vier Jahre. In fünf Arbeitsgruppen erarbeitet das Netzwerk konkrete Vorschläge, wie DNA-basierte Techniken genutzt werden können, um die Biodiversität standardisiert zu erfassen, bewerten und letztendlich in die Monitoringpraxis einzubinden.

Belastete Gewässer beeinträchtigen nicht nur das jeweilige Ökosystem (z.B. Selbstreinigungsfähigkeit, Photosynthese, Biomasseproduktion), sondern wirken sich auch auf den Menschen aus. Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, die Oberflächengewässer bis 2027 in einen guten Zustand zu überführen oder diesen zu halten.

Wie sauber ein Gewässer ist, zeigen verschiedene ökologisch-wichtige Schlüsselarten an (Bioindikatoren): Fische, Wasserpflanzen, Mikroalgen sowie Eintags-, Stein- und Köcherfliegen. Sie werden bestimmt, in Listen eingetragen und mit denen von Referenzgewässern verglichen. Dann wird die ökologische Zustandsklasse ermittelt und bei Bedarf Verbesserungsmaßnahmen konzipiert.

Prof. Leese: „Dieser Prozess ist sehr zeitaufwändig, teuer und oft nicht standardisiert.“ Außerdem sind die kleinen Organismen kaum auseinanderzuhaltenden und werden deshalb oft fehlbestimmt. Bei der genetischen Methode kann das nicht passieren. Die Artengemeinschaften werden anhand ihres Erbguts eindeutig bestimmt (DNA-basierte Bioindikation), selbst dann, wenn nur wenige Bruchstücke der Organismen vorliegen.

Von der Beprobung über die Artenliste von Mikroben bis hin zu höheren Tieren dauert der Prozess nur wenige Tage und kostet kaum mehr als die bislang gängigen Verfahren. Allerdings müssen noch technische und konzeptionelle Fragen geklärt werden, bevor DNA-basierte Techniken im bestehenden Verfahren eingesetzt werden können. Genau diese Probleme greift das DNAqua-Net auf.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Florian Leese, Chair der DNAqua-Net EU COST Action CA15219, Fakultät für Biologie, Aquatische Ökosystemforschung, Tel. 0201/183-4172, florian.leese@uni-due.de,

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, beate.kostka@uni-due.de

Weitere Informationen:
http://dnaqua.net
http://www.cost.eu/COST_Actions/ca/CA15219

Ivan Tolpe Award 2017 für BioEcoSIM-Projekt für beste Neuentwicklung in der Gülleverarbeitung

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Die Fraunhofer-Wissenschaftlerin Dr. Jennifer Bilbao erhielt am 9. Februar 2017 im belgischen Gent den Ivan Tolpe Award für Ihre Arbeiten im Rahmen des EU-Verbundprojekts BioEcoSIM. Darin wurde ein neuer Prozess zur Aufbereitung von Schweinegülle entwickelt, der es ermöglicht, daraus verschiedene Düngemittel und Bodenverbesserer herzustellen. Somit können Reststoffe aus der Landwirtschaft nachhaltig wieder nutzbar gemacht werden. Mehr unter:

http://www.igb.fraunhofer.de/de/presse-medien/presseinformationen/2017/ivan-tolpe-award-2017-fuer-eu-projekt-bioecosim.html

 

 

IWW Mülheim: DBU-Projekt MERK´MAL Ruhr minimiert den Eintrag von Röntgenkontrastmitteln in die Ruhr

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Wie kann der Eintrag von Röntgenkontrastmitteln im Einzugsgebiet der Ruhr minimiert werden? Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Forschungsprojekt wird dazu Hndlungsmöglichkeiten untersuchen.
Die zuverlässige Versorgung mit sauberem Trinkwasser, wie wir sie in Deutschland gewohnt sind, ist ein großes Privileg. Mit dem Pilotprojekt MERK´MAL Ruhr startet in Mülheim an der Ruhr ein Pilotprojekt mit den Zielen, den Eintrag von Röntgenkontrastmitteln durch den Menschen zu reduzieren und die hohe Wasserqualität der Ruhr weiter zu verbessern.

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Forschungsprojekt „Minimierung von Röntgenkontrastmitteln im Einzugsgebiet der Ruhr“ mit dem Kurztitel MERK´MAL Ruhr wird unter Federführung des IWW Zentrum Wasser in Kooperation mit dem Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V. (IUTA) und der IKU GmbH durchgeführt. Schirmherr des Projekts ist der Mülheimer Oberbürgermeister Ulrich Scholten.

Lesen Sie hier mehr über das Projekt.
https://iww-online.de/dbu-projekt-merkmal-ruhr-minimiert-den-eintrag-von-roentgenkontrastmitteln-in-die-ruhr/

So kann Gülle zu Dünger und Gas werden

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Der Nitratgehalt im Grundwasser ist zu hoch, weil Landwirte zu viel Gülle auf ihren Feldern verteilen. Doch wohin mit 73 Milliarden Liter Gülle im Jahr?

Deutschland droht auf der Anklagebank zu landen, weil der Nitratgehalt im Grundwasser in weiten Teilen des Landes zu hoch ist. Damit verstößt die Bundesregierung gegen eine Auflage der Europäischen Union. Ursache der Misere sind die Landwirte, vor allem jene, die Gülle auf ihren Feldern verteilen. Die Menge an den Bedarf der angebauten Pflanzen anzupassen ist nicht möglich: Überschüsse werden vom Regen in die nächsten Bäche oder gleich ins Grundwasser gespült. Um der Anklage zu entgehen, bereitet das Landwirtschaftsministerium…mehr:

http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/umwelt-technik/riecht-stark-nach-fortschritt-so-kann-guelle-zu-duenger-und-gas-werden-14943491.html

 

Vom Müllberg bis zum Fluss – Wie Deponiewasser aufbereitet wird

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Längst wird Restmüll in Deutschland verbrannt und alte Deponien werden stillgelegt. Doch das Wasser, das aus ihnen austritt, bleibt über Jahrzehnte .

Es ist braun, trübe und riecht streng: Wasser, das durch eine Müllkippe gesickert ist, steckt voller potenzieller Schadstoffe. Chemische Verbindungen aus dem Abfall haben sich darin gelöst, es enthält beträchtliche Mengen Ammonium-Ionen, die in Seen Algen blühen ließen, und auch schwer abbaubare Kohlenwasserstoffe sind möglicherweise …mehr:

http://www.n-tv.de/wissen/Wie-Deponiewasser-aufbereitet-wird-article19739566.html

Eisenbahn mit besonderer Fracht

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Unser Leser Gottfried Bartsch aus der Oberlausitz ist nach vielen Jahrzehnten verschiedener wasserwirtschaftlicher Berufstätigkeit im verdienten Vorruhestand und kann sich nun in seiner Freizeit als begeisterter Freund von Modelleisenbahnen mehr denn je seinem Hobby widmen. Als Mitglied eines einschlägigen Clubs gilt sein besonderes Interesse auch alten Wagenmodellen. Dabei ist er auf abwassertechnische Spuren gestoßen, die man so ohne Weiteres nicht vermutet. Vor etwa 135 Jahren beschafften die damaligen Königlich- Sächsischen Staatseisenbahnen offiziell sogenannte „Düngertransportwagen“. Mit diesen Wagen wurden Fäkalien aus den Städten abgefahren, vermutlich in die landwirtschaftlichen Gebiete der Lommatzscher Pflege. In den großen sächsischen Städten, die damals rasant wuchsen, war um 1880 das Kanalnetz erst im Aufbau. So bildete sich in Dresden eine „Dünger- Exportgesellschaft“, die Fäkalien verkaufte. Recherchierbar war, dass zwischen 1885 und 1898 zwölf solcher Wagen, zum Beispiel für das sächsische Schmalspurnetz (fast einheitlich 750 mm Spurweite), als genietete „Einfasswagen“ mit jeweils 5 t „Ladegewicht“ im Einsatz waren. Wie viele Fäkalientrans- portwagen für die Normalspur…..

Den ganzen Artikel lesen sie unter:
https://klaerwerk.info/DWA-Informationen/KA-Betriebs-Infos
Betriebsinfo Informationen für das Betriebspersonal von Abwasseranlagen Heft 1-2017

Besteht der Wunsch nach weiteren Informationen oder gibt es eigene Erkenntnisse bitte an E-Mail bargott@t-online.de wenden.

Energie aus der Toilette

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Abwasser steht im Geruch, zu nichts Nutze zu sein – zu Unrecht! Waschwasser ist durchschnittlich 30 Grad warm. Aus Toilettenwasser könnten nicht nur Biogas und Dünger sondern auch wertvolle Ressourcen gewonnen werden, die ungenutzt den Bach runtergehen. Schlimmer: An Durchfallerkrankungen durch falschen Umgang mit Abwasser sterben jährlich über zwei Millionen Menschen. Wie diesen Missständen begegnet werden kann, daran forschen die Experten der „Wasser-Energie-Gruppe“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Obwohl etwa 72 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, eignet sich nur 0,3 Prozent davon als Trinkwasser. „Angesichts dessen ist Abwasser kein Abfall. Es enthält thermische Energie, chemische Energie in Form von Kohlenstoffverbindungen und wertvolle Pflanzennährstoffe. Jetzt gilt es, Verfahren zu entwickeln, die es erlauben, diese Ressourcen zu nutzen“, sagt Helmut Lehn vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS). Die Abwärme häuslichen Abwassers könne zum Beispiel mittels Wärmetauschern in Kanalrohren verwertet werden. „Noch effektiver ist es, das warme Abwasser aus Waschmaschine und Bad direkt im Haus zu nutzen, um etwa frisches Wasser zum Duschen vorzuwärmen“, ergänzt Witold Poganietz, der gemeinsam mit Lehn die Forschungsgruppe leitet. Eine solche Anlage sei in einem Berliner Wohnblock bereits in Betrieb.

Eine Grundvoraussetzung, um die Ressource Abwasser intelligent auszuschöpfen, sei die Trennung der Abwasserströme aus Toilette (Schwarzwasser) und Bad sowie Küche (Grauwasser), erläutert Lehn. Würden Exkremente separat und unverdünnt abtransportiert – zum Beispiel durch Vakuumtoiletten wie im Flugzeug oder ICE – ließen sich aus einem Liter Abwasser drei Liter Biogas gewinnen. „Durch die Zugabe von Biomüll könnte die Energieausbeute sogar noch gesteigert und die Biotonne im Haushalt eingespart werden“, sagt Lehn. Darüber hinaus sei „Urin ein idealer Pflanzendünger. Denn es enthält Stickstoff, Kalium und Phosphor.“ Da Letzteres als nicht-erneuerbare Ressource gilt, die im Übrigen vermutlich noch vor Kohle und Erdöl zur Neige gehe, werde intensiv daran geforscht, es aus kommunalem Abwasser und Klärschlamm zurückzugewinnen. So ließe sich auch die Nachfrage nach Kunstdünger, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist, vermindern.

Während bei bestehender Infrastruktur die gemischten Abwässer wohl weiterhin aufwendig gereinigt werden müssten, biete sich die Trennung der Abwasserströme bei Neubaugebieten an, meint Franka Steiner vom ITAS. Gleiches gelte für die immer weiter wachsenden Ballungsräume in Schwellen- und Entwicklungsländern. „Denn hier gibt es oft überhaupt noch keine Sanitärsysteme“, sagt die Geoökologin, die wie Lehn weltweit unterwegs ist, um Akteure wie Stadtverwaltungen bei der Planung von Abwassersystemen zu beraten. Ein Trennsystem, das sowohl Energie als auch Nährstoffe aus dem Abwasser mehrerer tausend Einwohner gewinnt, erprobe zur Zeit die Stadt Hamburg in einem Konversionsgebiet. Ein Projekt, das die ITAS-Forscher mit großem Interesse verfolgen.

UN-Weltwassertag erinnert an Millionen Tote durch falschen Umgang mit Schmutzwasser
Um auf die weltweite Abwasserproblematik aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den alljährlichen „United Nations World Water Day“ („Tag des Wassers“), der seit 1993 immer am 22. März begangen wird, diesmal unter das Motto „Wastewater“ also Abwasser gestellt. Mit gutem Grund: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verursachen Durchfallerkrankungen, die mit dem unsachgemäßen Umgang mit Abwasser in Verbindung gebracht werden, vier Prozent aller Todesfälle weltweit – Tendenz steigend
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Viele der über zwei Millionen Opfer pro Jahr seien Kinder, die in Entwicklungsländern leben, sagt Lehn. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 starben rund 440.000 Menschen an Malaria (halb so viele wie 15 Jahre zuvor) und 1,1 Millionen Menschen an AIDS. Einen Grund für den Anstieg der tödlichen Durchfallerkrankungen sieht ITAS-Forscher Lehn in der fortschreitenden Urbanisierung mit immer mehr Menschen, die in städtischen Slums eng gedrängt und ohne hygienische Abwasserbehandlung leben.

ITAS informiert wie Bürger Abwasser schon heute nutzen können
Aus erster Hand über die Nutzungsmöglichkeiten von Abwasser informieren können sich Besucher am Donnerstag, 11. Mai, von 18 bis 21 Uhr, im ITAS-Gebäude (Karlstraße 11, 76021 Karlsruhe). Es sprechen Experten der „Wasser-Energie-Gruppe“ sowie Praktiker der Abwasserwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit. „Bürger können hier selbst eine Einschätzung gewinnen, wie es um unser derzeitiges Abwasserbehandlungssystem bestellt ist, welche Nutzungsmöglichkeiten alternativer Abwassersysteme jedem Einzelnen schon heute offenstehen und welche ein gemeinsames Vorgehen von Hausbesitzern und Kommunen erfordern, sagt Helmut Lehn.

Zusammenhänge zwischen Wasser, Energie und Abfall: ITAS-Planspiel auf der Weltwasserwoche
Auf der World-Water-Week in Stockholm vom 27. August bis 1. September 2017, zu der unter dem Motto „Water and waste – reduce and reuse“ mehr als 3.000 Besucher aus aller Welt erwartet werden, präsentiert die Wasser-Energie-Gruppe des ITAS ein Planspiel. „Dabei sollen technoökonomische sowie soziokulturelle und ökologische Zusammenhänge zwischen Wasser, Energie und Abfall beleuchtet und Konzepte für unterschiedliche urbane Kontexte entworfen werden“, sagt Jasmin Friedrich, die zum Thema Wasser-Energie-Nexus forscht.

KIT bildet Spezialisten im nachhaltigen Umgang mit Wasser aus
Einen weiteren Beitrag zur Lösung der weltweiten Wasserprobleme leistet das KIT mit dem Masterstudiengang „Water, Science & Engineering“. Das KIT bietet hier eine interdisziplinäre, forschungsorientierte Ausbildung an der Schnittstelle wasserbezogener Ingenieur- und Naturwissenschaften. Das Studium vermittelt fundierte Fachkenntnisse in wasserbezogenen Ingenieur- und Naturwissenschaften. Dazu gehören Wassertechnologie und Siedlungswasserwirtschaft, Wasserbau und Hydraulik sowie Umweltsystemwissenschaft und Wasserressourcenmanagement. Der Studiengang ist international ausgerichtet und ein großer Teil des Lehrangebots ist englischsprachig. Absolventinnen und Absolventen qualifizieren sich für eine verantwortungsvolle Tätigkeit in Planungs- und Ingenieurbüros, Industrieunternehmen, im Öffentlichen Dienst, der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der Wissenschaft.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.
KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

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Forscher geben Empfehlungen für die Überarbeitung der EU-Wasserrahmenrichtlinie

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) soll bis zum Jahr 2019 überarbeitet werden. Bereits jetzt ist der Arbeitsprozess dafür in vollem Gange. Wichtiger Input kommt auch aus der Wissenschaft. In einer aktuellen Studie etwa, die unter Federführung des UFZ entstand, hat ein internationales Forscherteam Empfehlungen formuliert, die die Überwachung, Bewertung und das Management von Schadstoffen verbessern sollen. Veröffentlicht wurde die Studie kürzlich im Fachmagazin Science of the Total Environment.

Wie erreichen wir, dass Europas Gewässer möglichst nur geringfügig durch Schadstoffe belastet werden und Pflanzen und Tieren einen naturnahen Lebensraum bieten?

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie ist seit dem Jahr 2000 in Kraft. Ziel der Richtlinie ist es, dass Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser spätestens bis zum Jahr 2027 einen „guten Zustand“ erreicht haben: Die Gewässer sollen möglichst nur geringfügig durch Schadstoffe belastet sein und Pflanzen und Tieren einen naturnahen Lebensraum bieten. Das Besondere an der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist, dass die Gewässer länderübergreifend – bei Flüssen von der Quelle bis zur Mündung – betrachtet werden. „Das ist in dieser Form weltweit einmalig. Von vielen Ländern wird die Europäische Wasserrahmenrichtlinie deshalb als Vorbild angesehen“, sagt Umweltchemiker Dr. Werner Brack vom UFZ.

Von der Erreichung des Ziels ist Europa jedoch noch weit entfernt. Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur, zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Oberflächengewässern sowie zur Reduzierung des Eintrags von Nähr- und Schadstoffen, müssten vielerorts wesentlich konsequenter als bislang umgesetzt werden. „Aber auch das Regelwerk selbst hat Schwächen und soll deshalb bis 2019 überarbeitet werden“, sagt Werner Brack. Unter seiner Leitung haben Wissenschaftler des europäischen Forschungsprojekts SOLUTIONS sowie des Europäischen Forschungsnetzwerks NORMAN diese Schwächen genauer unter die Lupe genommen und leiten daraus Empfehlungen für ein verbessertes Schadstoff-Monitoring und Gewässermanagement ab.

Überwachung verbessern
Derzeit sind in der Wasserrahmenrichtlinie 45 Schadstoffe, sogenannte prioritäre Schadstoffe, gelistet. Sie dürfen in einem Gewässer mit guter Wasserqualität nicht oder nur in geringem Maße vorkommen. Demgegenüber stehen allerdings mehr als 100.000 verschiedene chemische Substanzen, die wir täglich benutzen und die in unsere Umwelt und Gewässer gelangen. Die meisten Substanzen werden bei der Bewertung der Gewässerqualität nach der derzeitigen EU-Wasserrahmenrichtlinie also gar nicht berücksichtigt. „Das auf einzelne Schadstoffe orientierte Monitoring ist teuer, ignoriert den größten Teil der Schadstoffe und läuft den eigentlichen Problemen hinterher. Denn die meisten prioritären Schadstoffe sind längst vom Markt und durch andere sehr ähnlich wirkende chemische Substanzen ersetzt. Neue Stoffe auf die Liste zu bekommen, ist ein langwieriger politischer Prozess“, kritisiert Brack.

Außerdem beschränkt sich die Wasserrahmenrichtlinie bislang nur auf die Prüfung von Einzelstoffen. Schadstoffe wirken in der Umwelt aber nicht einzeln, sondern zusammen und können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. „Nicht das Vorkommen eines Schadstoffes ist ausschlaggebend, sondern seine Wirkung im Gewässer“, sagt Brack. Deshalb empfehlen die Wissenschaftler, die Überwachung der Gewässerqualität von der chemischen Analytik einzelner Schadstoffe wo immer möglich auf effektbasierte Methoden – wie etwa biologische Wirkungstests – umzustellen. So würden alle Stoffe mit derselben Wirkung erfasst, auch Stoffgemische. Und teure chemische Analytik wäre nur noch erforderlich, falls bestimmte Wirkschwellen überschritten werden.

Bewertung verbessern
Überarbeitungsbedarf sehen die Forscher auch bei der Bewertung der Gewässerqualität. Bislang ist immer die schlechteste Teilkomponente maßgeblich dafür, ob ein Gewässer in einen guten chemischen oder ökologischen Zustand eingestuft wird – selbst wenn diese wie im Falle von Schadstoffen aus Verbrennungsprozessen durch das Gewässermanagement kaum zu beeinflussen ist. Das führt dazu, dass viele Gewässer auch bei signifikanten Verbesserungen wesentlicher Komponenten die Bewirtschaftungsziele nicht erreichen können. Brack: „Die derzeitige Regelung gibt zu wenig Anreize, Probleme zu beheben und führt in vielen Fällen zu Untätigkeit. Wir schlagen deshalb vor, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität künftig durch eine differenziertere Bewertung belohnt werden.“ Das schließt auch die Schaffung von Anreizen für gutes Monitoring ein. Denn derzeit scheitern viele Mitgliedsländer bereits daran, Schadstoffe regelmäßig zu messen und zu analysieren, deren Überwachung eigentlich vorgeschrieben ist. Und sie werden dafür noch belohnt, denn je weniger sie messen, je seltener sie messen, je schlechter die Analytik ist, desto geringer ist das abgeleitete Risiko und damit der Handlungsbedarf für Reduzierungsmaßnahmen. Die Wissenschaftler schlagen für die neue Wasserrahmenrichtlinie deshalb eine umgekehrte Beweisführung vor: Dort, wo durch unzureichendes Monitoring keine Daten erhoben werden, könnten für die Gewässerbewertung Modellwerte herangezogen werden. So müssten die „Säumigen“ dann mit Messungen nachweisen, dass der tatsächliche Gewässerzustand besser ist als der Vorhergesagte.

Management verbessern
Alleiniges Messen und Bewerten der Gewässerqualität reicht aber nicht aus, um den Zustand eines Gewässers zu verbessern – dem Monitoring müssen entsprechende Maßnahmen folgen. „In unserer aktuellen Studie geben wir Empfehlungen für ein stärker lösungsorientiertes Gewässermanagement, bei dem Überwachung, Bewertung und mögliche Maßnahmen von Anfang an viel enger miteinander verzahnt sein sollten, als dies heute der Fall ist“, sagt Brack.

So stellen beispielsweise Kläranlagenabläufe eine wichtige und vergleichsweise vorhersagbare Quelle von Belastungen in Bächen und Flüssen dar, die zur Überschreitung von Wirkschwellen führen können. Die Autoren schlagen vor, in einem ersten Schritt zu prüfen, inwieweit eine gefundene Schadwirkung des Flusswassers dem entspricht, was aufgrund des Abwasseranteils und des Reinigungsgrades zu erwarten ist. Dann ist eine verbesserte Abwasserbehandlung in der Kläranlage das Mittel der Wahl, um Qualitätsziele zu erreichen. Für den Fall, dass beobachtete Schadwirkungen die Erwartungen übersteigen, empfehlen die Autoren verschiedene Ansätze, um spezifische Schadstoffe und ihre Quellen zu identifizieren und möglichst vor dem Erreichen der Kläranlage zu eliminieren. Dabei sollte der Schwerpunkt darauf liegen, mögliche Alternativen zur Verbesserung der Qualität zu untersuchen, anstatt bei der Festlegung des Gewässerstatus zu verharren. „Dies hilft auch, Lösungsansätze zu finden, mit denen man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann“, meint Brack. „So können ausreichend breite und mit Büschen bestandene Randstreifen nicht nur dazu beitragen, den Eintrag an Pflanzenschutzmitteln ins Gewässer zu reduzieren, sondern auch dabei helfen, eine Überdüngung oder zu hohe Temperaturen im Gewässer zu vermeiden. Und sie bieten obendrein ein wertvolles Habitat für viele Tiere und Pflanzen.“

Wie Untersuchungen im EU-Projekt SOLUTIONS zeigen, erfordert die Verbesserung der Wasserqualität in manchen Fällen auch eine Harmonisierung der vielen Regelwerke zur Umweltqualität und Chemikaliensicherheit auf europäischer und nationaler Ebene mit der Wasserrahmenrichtlinie. Die Wissenschaftler hoffen, dass sie mit ihren Forschungsergebnissen aus SOLUTIONS und NORMAN weitere Lösungsansätze für die Überarbeitung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie liefern – und dadurch einer nachhaltigeren Wassernutzung in Europa den Weg bereiten können.

Das EU-Projekt SOLUTIONS vereinigt 39 Partner aus weltweit 17 Ländern. Es wird bis zum Jahr 2018 mit insgesamt 12 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert. Ziel ist es, Werkzeuge und Modelle zu entwickeln, um den Chemikaliencocktail in Gewässern hinsichtlich seines Risikos zu bewerten. SOLUTIONS entwickelt Methoden, um vorrangig zu behandelnde Stoffe zu erkennen und schlägt Lösungen zu deren Verminderung vor.

Das europäische Forschungsnetzwerk NORMAN fördert die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen Forscherteams verschiedener Länder hinsichtlich der Überwachung von bisher nicht regulierten Stoffen in der Umwelt.

Publikation
Brack W, Dulio V, A?gerstrand M, Allan I, Altenburger R, Brinkmann M, Bunke D, Burgess RM, Cousins I, Escher BI, Herna?ndez FJ, Hewitt LM, Hilscherova? K, Hollender J, Hollert H, Kase R, Klauer B, Lindim C, Lo?pez Herra?ez D, Mie?ge C, Munthe J, O’Toole S, Posthuma L, Ru?del H, Scha?fer RB, Sengl M, Smedes F, van de Meent D, van den Brink PJ, van Gils J, van Wezel AP, Vethaak AD, Vermeirssen E, von der Ohe PC, Vrana B (2017) Towards the review of the European Union Water Framework Directive: Recommendations for more efficient assessment and management of chemical contamination in European surface water resources. Science of the Total Environment. DOI 10.1016/j.scitotenv.2016.10.104 http://dx.doi.org/10.1016/j.scitotenv.2016.10.104

Weitere Informationen:
Die Wasserrahmenrichtlinie – Deutschlands Gewässer 2015:
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/die-wasserrahmenrichtlinie-deutschlands-gewaesser
EU-Projekt SOLUTIONS: www.solutions-project.eu
SOLUTIONS-Film: www.youtube.com/UFZde
Forschungsnetzwerk NORMAN: http://www.norman-network.net/

Kennen sie ihre kleinsten Mitarbeiter?

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Es lohnt sich, regelmäßig nachzusehen ob die Richtigen alle da sind und zu prüfen ob es ihnen auch gut geht.
Das regelmäßige mikroskopische Bild erfreut sich meist keiner allzu großen Begeisterung. Ein gerade erschienenes Buch bietet wertvolle Unterstützung, klar gegliedert in die Kapitel:

• Biologie des Belebtschlamms
• Mikroskopische Belebtschlammanalyse
• Praktische Fadenbakterienbestimmung
• Umfassende Belebtschlammuntersuchung und Schlussfolgerungen

Auf 146 übersichtlichen Tafeln werden die einzelnen Mikroorganismen mit charakteristischen Fotos und detaillierten Beschreibungen dargestellt, so dass man sie leicht und eindeutig bestimmen kann. Die Auswirkungen der unterschiedlichen Mikroorganismen auf den Belebtschlamm sind praxisnah beschrieben.

Eine interaktive CD veranschaulicht mit umfangreichem Bild- und Videomaterial die charakteristischen Eigenschaften der im Buch beschriebenen Mikroorganismen. Dadurch wird die Bestimmung sehr viel leichter und einfacher.

Hier finden Sie weitere Informationen.  

Zukunftsperspektiven für Klärschlamm entwickeln: EWL plant interkommunale Zusammenarbeit

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Jährlich fallen in Landaus Kläranlage rund 4.000 Tonnen Klärschlamm an. Darin schlummern eine Menge wertvoller Rohstoffe, z. B. ca. 70 Tonnen Phosphor – aber auch unerwünschte Bestandteile. Um beides künftig sinnvoll managen zu können, prüft der Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL) eine Beteiligung an einer interkommunalen Verwertungsgesellschaft. „Mehrere Kommunen aus Rheinland-Pfalz wollen gemeinsam die Herausforderungen der immer strengeren Rahmenbedingungen bewältigen. Deshalb werden wir zeitnah Gespräche über eine mögliche Beteiligung des EWL führen“, erläutert Bürgermeister Dr. Maximilian Ingenthron als EWL-Verwaltungsratsvorsitzender. Geplant ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) zur Klärschlammverwertung.

Gesetzeskonform handeln
Hintergrund für die Überlegungen sind das Düngegesetz und eine ganze Reihe an Verordnungen, die die Handhabung von Nährstoffen in der Umwelt regeln. Unter Nährstoffen versteht man neben mineralischen und organischen Düngemitteln auch Klärschlamm, der heute bereits nur unter bestimmten Auflagen in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden darf. Belastungen mit Schwermetallen oder Halogenverbindungen führen zwingend zur Verbrennung des Klärschlamms. „Im vergangenen Jahr mussten wir genau aus diesem Grund nahezu den kompletten Landauer Klärschlamm verbrennen“, berichtet EWL-Vorstandsvorsitzender Bernhard Eck. Kapazitäten dafür sind in der Region aber rar, weshalb die Stadt Mainz derzeit eine spezielle Verbrennungsanlage errichtet. Diese wird dann auch der neuen Klärschlammverordnung gerecht, die das Bundeskabinett Mitte Januar auf den Weg gebracht hat. „Wenn der EWL-Verwaltungsrat in seiner nächsten Sitzung die interkommunale Zusammenarbeit befürwortet, können wir die künftige Ausgestaltung mitbestimmen“, hält Bernhard Eck fest. Eine Beteiligung an der neuen Gesellschaft sei dann ein weiterer Schritt.

Phosphat-Trennung ab 2029
Ebenfalls Einfluss auf die Überlegungen hat die Verpflichtung zur Phosphatseparierung aus den Klärschlämmen. Das Element Phosphor brauchen Pflanzen zum Wachsen, weshalb es Bestandteil von Düngemitteln ist. Gelangt es aber als Phosphatverbindung unkontrolliert in die Umwelt, kann es dort Probleme verursachen. Die Separierung muss bis zum Jahr 2029 in Landau umgesetzt werden, nur kleinere Kläranlagen können mit einer verlängerten Übergangsfrist rechnen. Die interkommunale Zusammenarbeit könnte dann sowohl die Trennung der Phosphate aus dem Klärschlamm als auch die Vermarktung als Pflanzennährstoff übernehmen. „Das ist ein wichtiger Punkt, denn weltweit schwinden die Ressourcen. Hier gilt es auch im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu handeln und Verantwortung übernehmen“, so Dr. Maximilian Ingenthron.

http://www.ew-landau.de/index.phtml?object=tx|1804.834.1&ModID=255&FID=