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RWE Dea will auf Errichtung weiterer Bohrinseln im Wattenmeer verzichten

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Hamburg: Der WWF begrüßt den Verzicht der RWE Dea AG auf die Errichtung weiterer Öl-Bohrinseln im schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer. Dies hatte ein Konzernsprecher am Samstag gegenüber der WELT angekündigt. „Das ist ein erster Teilerfolg. Aber wir sind noch nicht am Ziel“, so Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF Wattenmeerbüros. Denn der Konzern will grundsätzlich am umstrittenen Ausbau der Ölförderung im Wattenmeer festhalten.
Aus den bekannt gewordenen Erklärungen ergibt sich Ansicht des WWF noch kein genereller Verzicht des Unternehmens auf weitere künstliche Öl-Inseln im Nationalpark. „Wir erwarten, dass RWE Dea alle Pläne für eine Ausweitung der Ölförderung im Nationalpark Wattenmeer und den Bau von neuen Bohr- oder Förderinseln auch für die Zukunft aufgibt“, erklärte Rösner. Dieser Verzicht müsse auch den niedersächsischen Wattenmeer-Nationalpark einschließen, für den der Konzern ebenfalls eine Probebohrung im Gebiet Knechtsand angekündigt hat.
Die geplanten Probebohrungen selbst würden erhebliche Störungen im Nationalpark verursachen, selbst wenn eventuell entdeckte Ölvorkommen später von außerhalb des Nationalparks gefördert würden. Aus diesem Grund seien auch solche Bohrungen nach dem schleswig-holsteinischen Nationalparkgesetz unzulässig, betont der WWF.
Ein von RWE Dea bei der Bergbehörde gestellter Antrag auf neue Öl-Konzessionen im nordfriesischen Teil des Nationalparks Wattenmeer passe nicht zu der Ankündigung des Verzichts auf neue Bohrinseln und müsse ebenfalls zurückgezogen werden, fordert der WWF. „Konsequent wäre es, aus diesem Antrag wenigstens alle im Nationalpark oder in europäischen Schutzgebieten liegenden Flächen herauszunehmen“, so Rösner.
Heftige Kritik üben die Umweltschützer an aktuellen Baumaßnahmen bei der bereits im Wattenmeer liegenden Förderplattform „Mittelplate“. Hier werden wegen der Unsicherheit der Plattform gegenüber natürlichen Veränderungen im Wattenmeer derzeit rund 40.000 Quadratmeter Watt mit Steinschüttungen überbaut. „Dieser Eingriff belegt ein weiteres Mal die Unvereinbarkeit der Ölförderung mit dem Nationalpark Wattenmeer“, so WWF-Experte Rösner. Eine Genehmigung für diesen schwerwiegenden Eingriff in den Nationalpark liege bislang nicht vor, sie soll erst nachträglich eingeholt werden.
Kontakt

Dr. Hans-Ulrich Rösner
Leiter WWF-Wattenmeerbüro Husum
Tel. 0162-2914456; Ralph Kampwirth
WWF-Pressestelle
Tel. 0162-2914473

 

Schlammbehandlung, -verwertung und –beseitigung

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WasserWirtschafts-Kurse M/4
Oktober 2007 in Kassel, 409 Seiten, 139 Abbildungen, 64 Tabellen, broschiert, DIN A5
ISBN 978-3-940173-33-1
Ladenpreis: EUR 52,00 / Fördernde DWA-Mitglieder: EUR 41,60

Nach wie vor steht die geregelte Klärschlammentsorgung in einem Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Regelungen, der Relevanz von schädlichen Inhaltsstoffen sowie Nährstoffen, den gegebenen technischen Möglichkeiten und ökonomischen Gesichtspunkten. Die Einengung der Entsorgungswege infolge der gesetzlichen Vorgaben soll für die Bundesrepublik Deutschland durch verschärfte Grenzwerte für die landwirtschaftliche Verwertung weitergehen. Demgegenüber gilt es, insbesondere im Hinblick auf einen nachhaltigen Umgang mit Klärschlamm für die Zukunft vermehrte Möglichkeiten zur Nährstoffrückgewinnung zu realisieren. In diesem Kontext bietet der Tagungsband neben den klassischen Themen der Schlammbehandlung, -verwertung und -beseitigung vor allem auch die Möglichkeit, sich über neueste Entwicklungen zu informieren.

Energie-Forschungszentrum Niedersachsen erhält Auftrag, energieautarke Kläranlage zu planen

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Goslar/Clausthal-Zellerfeld. Mithilfe von Clausthaler Forschern soll im Landkreis Goslar die erste energieautarke Kläranlage der Region entstehen. Um diesen Beitrag zum Klimaschutz zu verwirklichen, hat die Goslarer Niederlassung der Eurawasser Betriebsführungsgesellschaft eine Studie beim Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) in Auftrag gegeben. Ziel ist es, die Kläranlage so auszubauen, dass sie sich selbst komplett mit Strom und Wärme versorgen kann. „Ein solches Zukunftskonzept zu erstellen, ist eine überaus reizvolle Aufgabe. Es kann beispielgebend für andere Objekte sein“, sagt EFZN-Chef Professor Hans-Peter Beck. Zusammen mit dem Clausthaler Umwelttechnik-Institut (Cutec) und der Firma Inensus könne sehr viel Know-how eingebracht werden.
Diplom-Ingenieur Axel Krause, Geschäftsführer der Eurawasser-Niederlassung in Goslar, will die Energieversorgung der Kläranlage aus zwei Gründen umstellen. „Einerseits gewinnen durch die steigenden Energiepreise und den zu beobachtenden Klimawandel Fragen der Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung.“ Zum anderen macht eine neue Verordnung die landwirtschaftliche Verwertung von Goslarer Klärschlamm künftig schwieriger. Deshalb wird Klärschlamm als Energieträger interessanter.

Aber nicht nur das Verfahren zur dezentralen thermischen Verwertung von Klärschlamm soll wissenschaftlich betrachtet werden. Die Forscher werden gemeinsam mit der Betriebsführungsgesellschaft den Einsatz verschiedenster regenerativer Energien ausloten, zum Beispiel von Wasser- und Windkraft, Photovoltaik sowie Biogaserzeugung aus organischen Rest- oder nachwachsenden Rohstoffen. „Es gilt, eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Kombination der unterschiedlichenMöglichkeiten zu entwickeln und wirtschaftlich zu bewerten“, sagt Krause. Denn jedes Energieerzeugungsverfahren für sich genommen sei zwar schon in Kläranlagen umgesetzt worden, aber eine komplexe Systemlösung bedeute hierzulande mit großer Wahrscheinlichkeit ein Novum.

„Deshalb freuen wir uns, dass mit dem Energie-Forschungszentrum ein Partner gefunden worden ist, der dieses bedeutsame Projekt wissenschaftlich begleitet“, betont Krause. Bei der Stadtentwässerung Goslar GmbH, die als kommunaler Partner an der Kläranlage beteiligt ist, stieß die Idee ebenso auf Zustimmung wie beim Mutterkonzern von Eurawasser, der französischen Suez-Gruppe. „Unser Projekt besitzt innerhalb der Gruppe Pilotcharakter und wird aus Paris gefördert“, sagt Krause. Die Ergebnisse der Studie könnten bereits am 23. und 24. September, wenn in Goslar das dritte Eurawasser-Forum „Innovation und Technik“ stattfindet, vorliegen.
Christian Ernst, Pressestelle
Technische Universität Clausthal
18.03.2008
Weitere Informationen:
http://www.efzn.de/
http://goslar.eurawasser.de/

 

Wasserproben konservieren oder nicht? Wann und wie?

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Im Klärwerkslabor werden in den allermeisten Fällen die Proben zur Eigen/Selbstüberwachungs-kontrolle ohne größeren Zeitverzug untersucht. Deshalb braucht man gar nichts zu tun, ein Kühlschrank genügt zur kurzzeitigen Aufbewahrung.

In der Praxis werden Rückstellproben einfach eingefroren.

Warum gibt es dann eine DIN-Vorschrift?

In besonderen Fällen, beispielsweise bei der Indirekteinleiterüberwachung oder Vergleichsuntersuchungen, kann es ratsam sein, eine DIN -gerechte Vorgehensweise zu wählen.

Aufgrund biologischer oder chemischer Vorgänge in einer Wasserprobe, kann sich der gesuchte Stoff verändern. Deshalb konserviert man und beachtet dabei, dass man das richtige Material für das Probegefäß und das parameterspezifische Konservierungsmittel verwendet.

Worauf muss man besonders achten?

Bei den Gefäßen unterschiedet man zwischen (Borosilikat)-Glasflaschen und (Polyethylen)-Kunststoffflaschen. Die meist verwendeten chemischen Konservierungsmittel sind Schwefelsäure (H2SO4), Salpetersäure (HNO3) und Natronlauge (NaOH).

Es kann also bei dieser Vorgehensweise dazu kommen, dass man mehrere Flaschen mit einer Probe befüllen muss.

Beispielsweise wird für die CSB-Untersuchung Schwefelsäure zugegeben, wenn aber auch auf AOX untersucht werden soll, dann braucht man eine HNO3-konservierte Probe.

Der nachfolgenden Tabelle liegen die Empfehlungen der EN ISO5667-3:1995 zu Grunde.

Befüllen der Flaschen

In das gereinigte Probenahmegefäß füllt man bis zum Flaschenhals die repräsentative Probe ein und gibt 1ml/L Konservierungsmittel zu. Flasche verschließen, gut Schwenken und pH-Wert prüfen. Gegebenenfalls weiteres Konservierungsmittel vorsichtig dosieren. Mit der restlichen Probe die Flasche spundvoll auffüllen und luftblasenfrei verschließen.

Flasche genau kennzeichnen (Probenbezeichnung etc) und am besten noch ein Probenprotokoll mit Datum, Ort, Uhrzeit, Art der Probennahme etc anlegen.

Konservierungsliste

Parameter Gefäß Konservierung Bemerkung
Aluminium PE HNO3 pH < 2
Ammonium Glas H2SO4 pH < 2; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
AOX Glas HNO3 pH < 2; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C Bei Anwesenheit von Oxidationsmitteln die Probe vor Ansäuerung mit überschüssigem Natriumsulfit* versetzen
BSB5 Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Chlor (freies / gesamt) Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Chrom VI Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Chrom gesamt Glas HNO3 pH < 2
CSB Glas H2SO4 pH < 2 kurzzeitige; Lagerung bei2-5 °C
Cyanid, leicht freisetzbar PE NaOH pH > 12; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Eisen PE HNO3 pH < 1,5
Kjeldahl-Stickstoff (TKN) Glas H2SO4 pH < 2; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Kupfer Glas HNO3 pH < 2
Nickel Glas HNO3 pH < 2
Nitrat Glas H2SO4 pH < 2
Nitrit Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Organische Säuren Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Phosphat ortho Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Phosphat gesamt Glas H2SO4 pH ca. 1; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Stickstoff gesamt Glas H2SO4 pH < 2; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Sulfid Glas NaOH pH ca. 10; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Tenside (anionisch) Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Tenside (kationisch) Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Tenside (nichtionisch) Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
TOC Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Zink Glas HNO3 pH < 2

AB 3-08

Kanäle „intelligent“ reinigen

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Hemer: Kanäle „intelligent“ reinigen

Die Stadtentwässerung Hemer (SEH) nimmt am IKT-Forschungsprojekt „Bedarfsorientiertierte Kanalreinigung“ teil. Dabei nutzte Hemer die Gelegenheit seine Kanalreinigungsstrategie zu überprüfen und nach neuesten Erkenntnissen auszurichten. Eine Diplomarbeit im Forschungsprojekt unterstützte die Konzeptentwicklung vor Ort.
Bedarfsorientiert – mit eigenem Personal
Bedarfsorientierte Kanalreinigungsstrategien wurden in kommunal geführten Betrieben mit eigenem Fuhrpark bisher kaum umgesetzt. Die Aufwandsverminderungen im Bereich der flächendeckenden Unterhaltungsreinigung, die durch das Betriebswissen der Mitarbeiter ermöglicht werden sollen, gefährden zunächst auch Arbeitsplätze beim Betriebspersonal. Deswegen gibt es i.d.R. große Probleme mit der Mitarbeitermotivation und Ängsten um den Arbeitsplatz. Belastbare Überwachungsdaten zu dem Ablagerungsaufkommen sind unter diesen Voraussetzungen schwierig zu erhalten. Die Basis für einen erfolgreichen Strategiewechsel sind daher transparente Zielsetzungen und Konzepte mit langfristigen Perspektiven für den Betrieb. An dieser Stelle setzt die im Rahmen des IKT-Forschungsprojektes „Bedarfsorientierte Kanalreinigung“ erarbeitete Diplomarbeit an:

Diplomarbeitsthema:
Umsetzung einer bedarfsorientierten Kanalreinigungsstrategie: Fallbeispiel Kanalbetrieb Hemer

„In dieser Diplomarbeit wurde eine bedarfsorientierte Reinigungsstrategie konkret an einem Fallbeispiel entwickelt und die erste Phase der Umsetzung unterstützt. Sehr interessant war für mich dabei der intensive, praxisnahe Einblick in die Betriebsprozesse vor Ort. Hervorragend war auch die Unterstützung von Stadtentwässerung und Betriebshof in Hemer“

Dipl.-Ing. Sebastian Beck, Fertigstellung 09/2007,
Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik an der Ruhr-Universität Bochum.
Betriebserfahrungen sind der Schlüssel
Die Stadt Hemer, eine mittelgroße Stadt in Nordrhein-Westfalen, reinigte ihr Kanalnetz nach der Präventivstrategie alle zwei Jahre komplett, gebietsweise auch in kürzeren Intervallen. Aufmerksam geworden durch den Erfahrungsaustausch im Rahmen der Workshops zu dem Forschungsprojekt „Bedarfsorientierte Kanalreinigung“ entschloss sich die Stadtentwässerung Hemer (SEH), ihre Kanalreinigungsstrategie überprüfen zu lassen. Bisher reinigte Hemer sein Kanalnetz wie vielerorts üblich nach der Präventivstrategie – alle zwei Jahre komplett durch. Erklärtes Ziel der SEH ist es, Kanäle intelligent zu reinigen. Das heißt, Betriebserfahrungen über die verschiedenen Netzbereiche mit z.B. verstärkter Ablagerungsbildung in die Reinigungsplanung mit einzubeziehen. Selten verschmutzende Haltungen sollen weniger häufig als schnell verschmutzende Haltungen gereinigt werden.

Analyse des Betriebsprofils und Zusammenführung des Betriebswissens
In einem ersten Schritt wurden die betrieblichen Randbedingungen des Kanalbetriebs der Stadt Hemer aufgenommen und analysiert. Hierzu wurden Befragungen der Mitarbeiter, Begleitungen der Kanalreinigung sowie eine Auswertung von vorhandenem Datenmaterial durchgeführt. Im nächsten Schritt wurde die Ablagerungssituation in den Teilbereichen des Kanalnetzes in Hemer erhoben, die nach dem zweijährlichen Turnus zur Reinigung vorgesehen waren. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden Konzepte für die Umsetzung einer an die vorhandene Betriebsstruktur angepassten bedarfsorientierten Reinigungsstrategie erarbeitet und deren Umsetzung begleitet. 

Stichprobenhafte Erhebung des Ablagerungsaufkommens
Im Ergebnis zeigten die Ablagerungsinspektionen, dass in den untersuchten Teilbereichen nach zwei Jahren ohne Kanalreinigung kaum hydraulisch relevante Störungen durch Ablagerungen feststellbar waren. Die vereinzelt angetroffene Bildung von ausgeprägten bleibenden Ablagerungen hatte in der Regel besondere Ursachen: 

• bauliche Mängel: z.B. Unterbögen und ausgeprägte Muffenversätze, Wurzeleinwuchs (ist im Rahmen einer Unterhaltungsreinigung nicht zu beseitigen)
• hydraulische Störungen: z.B. durch Rückstauverhältnisse bei seitlichen Zuläufen und in Drosselbereichen an Regenüberläufen oder bei starken Gefällewechseln (Abstürze) sowie zu geringe Abflussverhältnisse
• unplanmäßiger Feststoffeintrag: z.B. Sand, Kies oder auch Beton aus Baumaßnahmen, Bohrkerne und insbesondere herabgestürzte Schmutzfänger  

Ein funktionaler Zusammenhang von Gefälle, Nennweite und Rohrmaterial auf die Ablagerungssituation konnte nicht nachgewiesen werden.
Im Rahmen der Ablagerungsuntersuchungen kamen verschiedene Inspektionstechniken zum Einsatz, so z.B. die TV-Untersuchung, die Schachtkamera, der Kanalspiegel, die Inaugenscheinnahme von Schachtgerinnen und die Begehung einzelner Haltungen. Der Kanalbetrieb Hemer bewertet die Methode der Kanalspiegelung als pragmatische Methode, um unter günstigen Randbedingungen (Sonnenlicht) Ablagerungskontrollen für Kanalstrecken kostengünstig und mit geringem Zeitaufwand durchzuführen.
Konzeptentwicklung bedarfsorientierte Kanalreinigung
Zur Entwicklung eines an die Betriebsstruktur des Kanalbetriebs in Hemer angepassten Konzeptes wurden verschiedene Vorgehensweisen diskutiert. Kern der von dem Kanalbetrieb der Stadt Hemer bevorzugten Variante ist es, kontinuierlich Betriebswissen über Kanalablagerungen aufzubauen und Maßnahmen im Hinblick auf den Gewässerschutz verstärkt umzusetzen. Damit gewinnen Schachtinspektionen und Ablagerungskontrollen an Bedeutung. Das Kanalnetz soll zunächst in einem Intervall von zwei Jahren im Hinblick auf Ablagerungen überwacht werden, gebietsweise in kürzeren Intervallen. Die Ablagerungsinspektionen dienen dabei als Synergieeffekt mit den Schachtinspektionen, die durch das DWA-Arbeitsblatt 147 Teil 1 gefordert werden.

Gewässerschutz im BlickGewässerschutz im Blick
Die Kanalreinigung soll im Wesentlichen nur noch nach Feststellung von Ablagerungshöhen von mehr als 15 % der Profilhöhe erfolgen. Die Anforderungen der SüwV Kan NRW werden somit erfüllt. Um die Inspektionsergebnisse zu erfassen, ist eine Datenbank eingerichtet worden. Die Datenbank ermöglicht auch die notwendigen Berichte an die Aufsichtsbehörden. Über Jahre soll dadurch kontinuierlich Betriebswissen über Kanalablagerungen aufgebaut werden und unterhaltungsintensive Objekte erkannt werden. Darüber hinaus soll die Reinigung von Drosselkanälen an Regenüberläufen verstärkt werden, um Inbetriebnahmen der Entlastungsbauwerke und daraus resultierende Feststoffeinträge in Gewässer nach Möglichkeit zu minimieren. Mögliche frei werdende Kapazitäten sollen insbesondere für die häufigere Reinigung der Straßeneinläufe sowie für die Wartung der Bachverrohrungen genutzt werden. Dadurch sollen insbesondere eine Verminderung des Eintrags von Schwermetallen infolge von Straßenabtrieb und eine Begrenzung von Überflutungshäufigkeiten erreicht werden.

Piloteinsatz bestätigt den eingeschlagenen Weg
In einem ersten Piloteinsatz wurde der Stadtteil Deilinghofen „bedarfsorientiert gereinigt“. Alle Haltungen und Schachtbauwerke im genannten Stadtteil wurden lückenlos inspiziert. Die Ergebnisse aus den vorangegangenen Untersuchungen wurden dabei bestätigt. Tendenziell wurde geringes Ablagerungsaufkommen festgestellt. Die Abschnitte, die zunächst Ablagerungshöhen > 15 % der Profilhöhe aufwiesen, wurden in einer Wiederholungsinspektion nach Starkregenereignissen ablagerungsfrei vorgefunden. Der Nachweis der Wirtschaftlichkeit der bevorzugten Variante der Kanalreinigungsstrategie gegenüber der herkömmlichen Präventivstrategie muss noch erfolgen. Auf Basis der neu entwickelten Strategie wird die Entwicklung der Ablagerungssituation im Kanalnetz der Stadt Hemer jedoch verstärkt überwacht, so dass insbesondere veränderte Abflussverhältnisse infolge geänderter Gebietsstrukturen und Verbraucherverhalten zukünftig gezielter berücksichtigt werden können.
Das Betriebswissen der Mitarbeiter ist der Schlüssel zum Erfolg. Dies wurde auch von den politischen Gremien und der Tagespresse in Hemer aufmerksam aufgenommen:

 

Vorbildliche Entwässerung in Felsenmeerstadt Hemer
von Paul Kramme
Hemer. „Wir haben eine spannende Unterwelt in Hemer!“. Das war im Betriebsausschuss eine Erkenntnis des Vorsitzenden Bernd Camminadi (SPD).
Wirklich aufschlussreich und informativ war der Bericht des Ingenieurs Sebastian Beck, der dem Gremium seine Diplomarbeit vorstellte: „Entwicklung einer bedarfsgerechten Reinigungsstrategie für eine mittelgroße Stadt in NRW am Beispiel des Kanalnetzes der Stadt Hemer“. Auf der Suche nach dem Thema war Beck an der Ruhr-Universität Bochum auf Hemer aufmerksam geworden. Das Wappen der Felsenmeerstadt lockte, weil er vor acht Jahren hier als Bundeswehrsoldat in der Blücherkaserne stationiert war. Der junge Ingenieur aus Herne arbeitet heute für das renommierte Gelsenkirchener „IKT – Institut für unterirdische Infrastruktur“, das bei Forschungen zu der Erkenntnis gekommen ist, dass Kanäle nur gereinigt werden sollen, wenn das notwendig sei – was man ja wirklich prüfen kann. Und das ist neu!
Da wird das Thema heiß, weil reduzierter Aufwand Personalentlassung zur Folge haben müsste. Dieses heiße Eisen werde in Hemer offen angegangen, weiß man beim IKT, das den Firmen Stadtbetrieb-Bauhof und Stadtentwässerung Hemer eine „bevorzugte Lage“ bescheinigt, weil man das Hemeraner Kanalnetz selber wartet – was von zwei Drittel der NRW Kommunen als Auftrag vergeben werden muss. Die Stadtentwässerung Hemer erhebt und bewertet den Zustand des Kanalnetzes selber: Ein riesiger Erfahrungsschatz, so lobte Sebastian Beck, und ein riesiger Vorteil gegenüber Gemeinden, die ihre Kanalreinigung ausschreiben müssen. „Erst gefilmt und dann gespült“ ist heutzutage die Devise bei den Kanalpflegern im Rathaus im Gegensatz zum früheren „erst Spülen, dann Filmen“. Innerhalb von 15 Jahren wird das gesamte Kanalnetz gefilmt. Inspiziert wird mit der Schachtkamera und auch erfolgreich mit Kanalspiegeln, die mit reflektiertem Sonnenlicht von oben eine Sichtweite von 20 – 50 Meter in der Unterwelt ermöglichen. Beck empfiehlt für die Untersuchung auch die Anschaffung von starken Taschenlampen, um unabhängig von der Sonne arbeiten zu können.
Fett in der Kanalisation ist ein Riesenproblem
Weniger als fünf Prozent des Hemeraner Kanalnetzes ist begehbar: an der Poststraße und Ostenschlahstraße z.B. und der gesamte Hauptsammler von der Amtskreuzung bis zur Kläranlage. Der gewaltigste Kanaldurchmesser (drei Meter) ist an der Siemensstraße in Westig. „Im Kanal sind die tollsten Geschichten zu finden“, weiß Sebastian Beck. Wurzeleinwuchs gehört dazu, nicht zu vergessen wilde Entsorgung: Beton oder Zement, und Fett im Kanal sei „ein Riesenproblem“. Inspektion gewinnt an Bedeutung, gereinigt wird nach Bedarf, resümiert Beck: „Das Personal entscheidet vor Ort, ob Reinigungsbedarf vorliegt oder nicht. Das Betriebswissen verbleibt in Hemer und nicht beim Dienstleister.“
Ingo Nix (CDU) erkundigte sich nach dem Vortrag: „Hemer hat ein gutes Kanalnetz?“ „Im Vergleich zu dem, was ich gesehen habe, ja“, bezog Beck sein überregionales Wissen für die Antwort ein. Klaus Hoffmann (FDP): „Führen die Erkenntnisse zu Kostensenkung?“ Willi Große: „Na klar, selbstverständlich wird weniger gereinigt!“. Wie der Spülwagen alternativ eingesetzt werde, fragte Michael Heilmann (UWG). 

Dipl.-Ing. Marco Schlüter
Dipl.-Ing. Sebastian Beck
IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH
Exterbruch 1
45886 Gelsenkirchen
Tel.: 0209 17806-31
Fax: 0209 17806-88
E-Mail: info@ikt.de
Internet: www.ikt.de 

 

 

 

Strom aus der Folie

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Weltweit arbeiten Forscherteams an der Entwicklung organischer Solarzellen. Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE präsentiert vom 13. – 15. Februar auf der nano tech 2008 in Tokio, der weltweit größten Nanotechnologie-Fachmesse, Wege zur industriellen Massenfertigung.

Organische Solarzellen haben gute Zukunftschancen: Sie sind günstig in der Herstellung, denn man kann sie auf dünne Folien auftragen. Bereits etablierte Drucktechniken sollen in Zukunft für die Produktion eingesetzt werden. Dies bedarf sowohl einer speziellen Anpassung der Solarzellenaufbauten als auch der Beschichtungsmaterialien und Substrate. »Da das Verfahren einen hohen Durchsatz erlaubt, fallen vor allem Materialkosten an«, sagt Michael Niggemann vom ISE

Dennoch soll die organische Solarzelle nicht gegen die klassische Siliziumzelle konkurrieren – dafür ist ihr Wirkungsgrad noch viel zu gering. Da sie aber flexibel ist, kann sie neue Anwendungsgebiete erschließen: Kunststoff-Solarzellen könnten zum Beispiel Energie für mobile Kleingeräte wie MP3-Player oder elektronische Skipässe liefern. Denkbar wäre auch, auf einem kleinen Plastikstreifen Solarzellen, Sensoren und Schaltelektronik zu einem energieautarken Mikrosystem zu vereinen.

In Tokio zeigen die Fraunhofer-Experten ein flexibles Solarmodul von der Größe einer Buchseite. Es wurde mit einem Verfahren hergestellt, das sich ohne weiteres auf die Rolle-zu-Rolle-Technologie übertragen lässt – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Massenproduktion.

Auch ein neues Konstruktionsprinzip hilft beim Kostensparen: Für die vordere, der Sonne zugewandten Elektrode verwendete man bisher meist teures Indium-Zinnoxid, weil dieses transparent ist. Doch es geht auch anders: Die Fraunhofer-Crew hat die Verschaltung der Zelle auf die Rückseite verlegt, die durch zahlreiche Löcher mit der Gegenseite verbunden ist. Dieses Bauprinzip hat einen enormen Vorteil: Man kann preiswerte transparente polymere Elektroden verwenden. Die Idee wurde bereits patentiert.

Auf der nano tech 2008 zeigen Fraunhofer-Forscher zusammen mit zwei Unternehmen ihre Entwicklungen. Das Konsortium wurde neben sieben weiteren Initiativen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF ausgewählt, um in der Kampagne »Nanotech Germany« den Stand der deutschen Forschung zu präsentieren.

Kontakt:

Dr. Michael Niggemann
Telefon: +49 761 203-4798
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme
ISE
Heidenhofstraße 2
79110 Freiburg

Internet-Lexikon zur biologischen Vielfalt

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Internet-Lexikon zur biologischen Vielfalt

Auf der neuen Internetseite www.biodiversitaet.info bieten die Deutsche Umwelthilfe und der Verein BildungsCent fundierte und knappe Einführung in das Thema Biodiversität – das offene Wiki-Lexikon lädt alle Fachkundigen ein, ihr Sachwissen zu veröffentlichen

Berlin/Radolfzell, 29. Februar 2008: Im Vorfeld der UN-Biodiversitätskonferenz im Mai 2008 stellen die Deutsche Umwelthilfe e. V (DUH) und BildungsCent e.V. mit Unterstützung von T-Mobile Deutschland ein Lexikon zur biologischen Vielfalt ins Netz. Auf der Seite www.biodiversitaet.info finden die Nutzer ebenso klassische Sachinformationen zur Biodiversität, den UN-Artenschutzabkommen oder dem deutschen Naturschutzgesetz samt Naturparks und Biosphärenreservaten sowie überraschende Rekorde aus der Tierwelt. So erfahren Wissbegierige, dass die Pfuhlschnepfe (ein Zugvogel) eine vergleichbare Distanz wie eine Boeing 767 in einem Stück zurücklegen kann. Die Nutzer können nicht nur lesen, sondern sind zudem aufgefordert, das Internet-Lexikon zur Biodiversität weiterzuschreiben. Denn das interaktive Portal ist nach dem Wikipedia-Prinzip aufgebaut und lebt von den Beiträgen, Diskussionen und Anregungen der Nutzer. Darüber hinaus stehen unterschiedlichste Downloads sowie Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.

Die DUH und BildungsCent e.V. haben sich bei der Erstellung des Wiki – ein offenes Internet-Lexikon – für das Thema Biodiversität entschieden, da es sich hierbei im wahrsten Sinne um das Wissen über die Grundlage des Lebens handelt. Täglich sterben 120 Tier- und Pflanzenarten weltweit aus und aufgrund der Vernetzung allen Lebens auf der Erde – den Menschen inbegriffen – ist durch das Artensterben die Lebensgrundlage der Menschheit akut bedroht. Diese dramatische Entwicklung macht deutlich, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema sowohl auf internationaler Ebene als auch im ganz lokalen Kontext auseinanderzusetzen. www.biodiversitaet.info bietet die Wissens-Plattform dafür.

Als besonderes Highlight für den Unterricht bietet der BildungsCent e.V. allen Schulklassen der Jahrgangsstufen 8 und 9 an, ihr Wissen im großen OnlineQuiz zur biologischen Vielfalt zu testen. Noch bis zum 29. Februar können sich bundesweit alle interessierten Lehrerinnen und Lehrer auf der Homepage des BildungsCent e.V. anmelden. Ab März finden die Spielrunden statt. Auf der Seite www.biodiversitaet.info finden Sie alle notwendigen Informationen, um erfolgreich am OnlineQuiz teilnehmen zu können.

www.biodiversitaet.info ist ein Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Umwelthilfe und BildungsCent e.V und wird finanziell unterstützt von T-Mobile Deutschland. T-Mobile Deutschland und die Deutsche Umwelthilfe e.V. arbeiten seit acht Jahren im Rahmen einer Umweltpartnerschaft zusammen. Über 300 Umwelt- und Naturschutzprojekte konnten bereits über einen gemeinsamen Umweltfonds unterstützt werden (http://www.t-mobile.de/unternehmen/umwelt).

BildungsCent e.V.

Der gemeinnützige Verein BildungsCent e.V. – eine Initiative von Herlitz – setzt sich seit seiner Gründung 2003 bundesweit für die nachhaltige Förderung der Lehr- und Lernkultur ein. Der Verein versteht sich als Impulsgeber, der die Schulen bei der Umsetzung notwendiger Veränderungsprozesse und bei der Integration wichtiger Themen in den Schulalltag unterstützt. Basierend auf dem Konzept des SchulCoaches wurden über 230 Projekte in fünf unterschiedlichen Programmen umgesetzt: Schule in Bewegung * Stärken stärken * Klima 2.0 * Partners in Leadership *  Learning by Viewing.

Aktuelle Informationen zur Arbeit des BildungsCent e.V. finden Sie unter www.bildungscent.de

Deutsche Umwelthilfe e.V.

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) ist ein bundesweit tätiger Umwelt-, Naturschutz- und Verbraucherschutzverband. In Zusammenarbeit mit anderen Verbänden initiierte die DUH Projektnetzwerke wie z.B. die Netzwerke „Lebendige Flüsse“ oder „Lebendige Wälder“. Zentraler Bestandteil der Arbeit ist Umweltbildung, die Vermittlung von umweltpolitischen und naturschutzrelevanten Informationen und die Umsetzung von Modellprojekten. Zur biologischen Vielfalt betreibt die DUH unter anderem das Internetportal www.biodive.de für Jugendliche und junge Erwachsene.

Weitere Informationen über die Arbeit der Deutschen Umwelthilfe e.V. finden Sie unter www.duh.de.

Für Rückfragen:

BildungsCent e.V.
Silke Ramelow, Am Borsigturm 100, 13507 Berlin
Tel.: 030 4393 3999, Fax: 030 4393 3070, E-Mail: info@bildungscent.de, www.bildungscent.de

Deutsche Umwelthilfe e.V.
Steffen Holzmann, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell
Tel.: 07732 9995 52, Fax: 07732 9995 77, E-Mail: holzmann@duh.de

Deutsche Umwelthilfe e.V.
Agnes Sauter, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell
Tel.: 07732 99 95 11, Fax: 07732 9995 77, E-Mail: sauter@duh.de;

Erster Erfolg im Streit mit der Ölindustrie

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RWE Dea will auf Errichtung weiterer Bohrinseln im Wattenmeer verzichten

Hamburg: Der WWF begrüßt den Verzicht der RWE Dea AG auf die Errichtung weiterer Öl-Bohrinseln im schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer. Dies hatte ein Konzernsprecher am Samstag gegenüber der WELT angekündigt. „Das ist ein erster Teilerfolg. Aber wir sind noch nicht am Ziel“, so Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF Wattenmeerbüros. Denn der Konzern will grundsätzlich am umstrittenen Ausbau der Ölförderung im Wattenmeer festhalten.

Aus den bekannt gewordenen Erklärungen ergibt sich Ansicht des WWF noch kein genereller Verzicht des Unternehmens auf weitere künstliche Öl-Inseln im Nationalpark. „Wir erwarten, dass RWE Dea alle Pläne für eine Ausweitung der Ölförderung im Nationalpark Wattenmeer und den Bau von neuen Bohr- oder Förderinseln auch für die Zukunft aufgibt“, erklärte Rösner. Dieser Verzicht müsse auch den niedersächsischen Wattenmeer-Nationalpark einschließen, für den der Konzern ebenfalls eine Probebohrung im Gebiet Knechtsand angekündigt hat.

Die geplanten Probebohrungen selbst würden erhebliche Störungen im Nationalpark verursachen, selbst wenn eventuell entdeckte Ölvorkommen später von außerhalb des Nationalparks gefördert würden. Aus diesem Grund seien auch solche Bohrungen nach dem schleswig-holsteinischen Nationalparkgesetz unzulässig, betont der WWF.

Ein von RWE Dea bei der Bergbehörde gestellter Antrag auf neue Öl-Konzessionen im nordfriesischen Teil des Nationalparks Wattenmeer passe nicht zu der Ankündigung des Verzichts auf neue Bohrinseln und müsse ebenfalls zurückgezogen werden, fordert der WWF. „Konsequent wäre es, aus diesem Antrag wenigstens alle im Nationalpark oder in europäischen Schutzgebieten liegenden Flächen herauszunehmen“, so Rösner.

Heftige Kritik üben die Umweltschützer an aktuellen Baumaßnahmen bei der bereits im Wattenmeer liegenden Förderplattform „Mittelplate“. Hier werden wegen der Unsicherheit der Plattform gegenüber natürlichen Veränderungen im Wattenmeer derzeit rund 40.000 Quadratmeter Watt mit Steinschüttungen überbaut. „Dieser Eingriff belegt ein weiteres Mal die Unvereinbarkeit der Ölförderung mit dem Nationalpark Wattenmeer“, so WWF-Experte Rösner. Eine Genehmigung für diesen schwerwiegenden Eingriff in den Nationalpark liege bislang nicht vor, sie soll erst nachträglich eingeholt werden.

Früchtchen mit weniger Durst

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WWF startet mit der REWE Group ein Projekt zu Wasser sparenden Erdbeeren

Berlin: Jetzt kommen sie wieder in die Geschäfte: Früh-Erdbeeren aus Spanien. Der WWF will jetzt mit dem Handelskonzern REWE Group dafür sorgen, dass nur noch Früchte auf den Markt kommen, die hohen Umweltstandards genügen. Denn der Anbau der hierzulande heiß begehrten Früchte ist mit erheblichen Belastungen für die Natur verbunden. Für den WWF ist vor allem der enorme Wasserverbrauch ein Problem. Das mehr als 100.000 Hektar große Naturschutzgebiet Doñana in der andalusischen Provinz Huelva, ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung, leidet besonders unter dem Erdbeerboom. Mehr als eine halbe Million Wasservögel überwintern in dem Gebiet. Doch die Landwirtschaft mit Tausenden illegaler Brunnen gräbt dem einmaligen Rast- und Brutgebiet zunehmend das Wasser ab. Es ist vor allem der wachsende Erdbeerhunger vieler Europäer, der die Region reich gemacht hat und zugleich die Natur massiv bedroht.

60 Prozent der Erdbeeren in deutschen Supermärkten stammen aus Spanien. In diesem Jahr kommen von dort erstmals  Erdbeeren auf den Markt, bei denen zumindest sichergestellt ist, dass der illegale Anbau schrittweise aufhört, der Pestizideinsatz auf ein Minimum reduziert wird und die Bewässerung sparsam und nicht aus heimlich gebohrten Brunnen fließt. Die REWE Group hat ab diesem Jahr nur Lieferanten unter Vertrag, die garantieren können, dass sie die vom WWF mitentwickelten Mindeststandards der so genannten „Best Alliance“ einhalten.

Die Naturschützer vom WWF begleiten und überprüfen die Umsetzung der Anforderungen. Ziel ist es, den Wasserverbrauch von Jahr zu Jahr zu senken, indem z.B. auf effiziente Tröpfchenbewässerung umgestellt wird. Illegal angelegte, aber von den Verantwortlichen geduldete Erdbeerfelder müssen schrittweise verlagert werden. „Naturschutzgebiete dürfen nicht nur auf dem Papier existieren, sie müssen für die Landwirtschaft tabu sein“, fordert Martin Geiger. Der Leiter des Bereichs Süßwasser beim WWF Deutschland betont: „Wir sind erst am Anfang. Ziel ist es, den Erdbeeranbau in Südspanien insgesamt nachhaltiger zu gestalten. Die Qualitätskriterien werden nach und nach erhöht und weiter verbessert.“ Das betreffe nicht nur den Wasserverbrauch, sondern auch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. REWE hat zugesichert, grundsätzlich nur noch Obst und Gemüse einzukaufen, das, die gesetzlich zugelassene Höchstmenge an Pestizidrückständen um mindestens 30 Prozent unterschreitet. Diese Verpflichtung gilt auch für die Erdbeeren aus dem Best Alliance-Projekt.

Weitere Informationen

REWE Group und WWF
http://www.wwf.de/kooperationen/rewe/

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Schlichtung im öffentlichen Dienst angelaufen – geheime Verhandlungen

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Frankfurt/Main (dpa) – Nach mehr als zwei Monaten ergebnisloser Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst und zahlreichen Warnstreiks ist die Schlichtung angelaufen. Das erste Treffen am Samstag in Frankfurt/Main blieb aber ohne inhaltliche Annäherung. Das Gremium sei zunächst «nicht in die Tiefen der Themen eingestiegen», sondern habe sich lediglich auf Formalien und einen Terminplan verständigt, teilten die Schlichter Lothar Späth und Herbert Schmalstieg nach dem Gespräch mit. Beide berichteten übereinstimmend von «großem Einvernehmen» und einer «guten Atmosphäre» des Treffens. Späth kündigte an, die Schlichtungskommission werde künftig an einem geheimen Ort tagen und bis zum Ende des Schlichtungsverfahrens auf öffentliche Stellungnahmen verzichten. Darauf hätten sich die Tarifparteien verständigt. «Wenn alles richtig läuft, sehen wir uns am Ende der Veranstaltung wieder», sagte Späth zu Journalisten. Die Verhandlungen über höhere Einkommen für die rund 1,3 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen waren am 7. März nach fünf Verhandlungsrunden an der Forderung der Arbeitgeber nach längeren Arbeitszeiten gescheitert. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die dbb Tarifunion verlangen acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro im Monat. Die Arbeitgeber boten fünf Prozent, allerdings in drei Schritten für zwei Jahre und verbunden mit längeren Arbeitszeiten, die einheitlich auf 40 Wochenstunden festgesetzt werden sollen. Derzeit arbeiten die Angestellten des Bundes generell 39 Stunden, die kommunalen Angestellten im Westen in der Regel 38,5 Stunden. Im Tarifgebiet Ost der Kommunen gilt bereits die 40-Stunden- Woche. Der frühere baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Späth war von der Arbeitgeberseite zum Vorsitzenden der Schlichtungskommission ernannt worden, der ehemalige SPD-Oberbürgermeister von Hannover, Schmalstieg, von den Gewerkschaften. Über die Empfehlungen der 24-köpfigen Schlichtungskommission soll am 29. März in Potsdam beraten werden. Für den Fall, dass die Schlichtung scheitert, haben die Gewerkschaften ihre Streikbereitschaft unterstrichen. Während der Schlichtung herrscht Friedenspflicht – reguläre Streiks wären also erst frühestens Ende März möglich.
Pressemitteilung VERDI 17.03.2008