Start Blog Seite 214

Wasserproben konservieren oder nicht? Wann und wie?

0

Im Klärwerkslabor werden in den allermeisten Fällen die Proben zur Eigen/Selbstüberwachungs-kontrolle ohne größeren Zeitverzug untersucht. Deshalb braucht man gar nichts zu tun, ein Kühlschrank genügt zur kurzzeitigen Aufbewahrung.

In der Praxis werden Rückstellproben einfach eingefroren.

Warum gibt es dann eine DIN-Vorschrift?

In besonderen Fällen, beispielsweise bei der Indirekteinleiterüberwachung oder Vergleichsuntersuchungen, kann es ratsam sein, eine DIN -gerechte Vorgehensweise zu wählen.

Aufgrund biologischer oder chemischer Vorgänge in einer Wasserprobe, kann sich der gesuchte Stoff verändern. Deshalb konserviert man und beachtet dabei, dass man das richtige Material für das Probegefäß und das parameterspezifische Konservierungsmittel verwendet.

Worauf muss man besonders achten?

Bei den Gefäßen unterschiedet man zwischen (Borosilikat)-Glasflaschen und (Polyethylen)-Kunststoffflaschen. Die meist verwendeten chemischen Konservierungsmittel sind Schwefelsäure (H2SO4), Salpetersäure (HNO3) und Natronlauge (NaOH).

Es kann also bei dieser Vorgehensweise dazu kommen, dass man mehrere Flaschen mit einer Probe befüllen muss.

Beispielsweise wird für die CSB-Untersuchung Schwefelsäure zugegeben, wenn aber auch auf AOX untersucht werden soll, dann braucht man eine HNO3-konservierte Probe.

Der nachfolgenden Tabelle liegen die Empfehlungen der EN ISO5667-3:1995 zu Grunde.

Befüllen der Flaschen

In das gereinigte Probenahmegefäß füllt man bis zum Flaschenhals die repräsentative Probe ein und gibt 1ml/L Konservierungsmittel zu. Flasche verschließen, gut Schwenken und pH-Wert prüfen. Gegebenenfalls weiteres Konservierungsmittel vorsichtig dosieren. Mit der restlichen Probe die Flasche spundvoll auffüllen und luftblasenfrei verschließen.

Flasche genau kennzeichnen (Probenbezeichnung etc) und am besten noch ein Probenprotokoll mit Datum, Ort, Uhrzeit, Art der Probennahme etc anlegen.

Konservierungsliste

Parameter Gefäß Konservierung Bemerkung
Aluminium PE HNO3 pH < 2
Ammonium Glas H2SO4 pH < 2; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
AOX Glas HNO3 pH < 2; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C Bei Anwesenheit von Oxidationsmitteln die Probe vor Ansäuerung mit überschüssigem Natriumsulfit* versetzen
BSB5 Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Chlor (freies / gesamt) Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Chrom VI Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Chrom gesamt Glas HNO3 pH < 2
CSB Glas H2SO4 pH < 2 kurzzeitige; Lagerung bei2-5 °C
Cyanid, leicht freisetzbar PE NaOH pH > 12; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Eisen PE HNO3 pH < 1,5
Kjeldahl-Stickstoff (TKN) Glas H2SO4 pH < 2; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Kupfer Glas HNO3 pH < 2
Nickel Glas HNO3 pH < 2
Nitrat Glas H2SO4 pH < 2
Nitrit Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Organische Säuren Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Phosphat ortho Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Phosphat gesamt Glas H2SO4 pH ca. 1; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Stickstoff gesamt Glas H2SO4 pH < 2; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Sulfid Glas NaOH pH ca. 10; kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Tenside (anionisch) Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Tenside (kationisch) Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Tenside (nichtionisch) Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
TOC Glas Ohne, kurzzeitige Lagerung bei 2-5 °C
Zink Glas HNO3 pH < 2

AB 3-08

Kanäle „intelligent“ reinigen

0

Hemer: Kanäle „intelligent“ reinigen

Die Stadtentwässerung Hemer (SEH) nimmt am IKT-Forschungsprojekt „Bedarfsorientiertierte Kanalreinigung“ teil. Dabei nutzte Hemer die Gelegenheit seine Kanalreinigungsstrategie zu überprüfen und nach neuesten Erkenntnissen auszurichten. Eine Diplomarbeit im Forschungsprojekt unterstützte die Konzeptentwicklung vor Ort.
Bedarfsorientiert – mit eigenem Personal
Bedarfsorientierte Kanalreinigungsstrategien wurden in kommunal geführten Betrieben mit eigenem Fuhrpark bisher kaum umgesetzt. Die Aufwandsverminderungen im Bereich der flächendeckenden Unterhaltungsreinigung, die durch das Betriebswissen der Mitarbeiter ermöglicht werden sollen, gefährden zunächst auch Arbeitsplätze beim Betriebspersonal. Deswegen gibt es i.d.R. große Probleme mit der Mitarbeitermotivation und Ängsten um den Arbeitsplatz. Belastbare Überwachungsdaten zu dem Ablagerungsaufkommen sind unter diesen Voraussetzungen schwierig zu erhalten. Die Basis für einen erfolgreichen Strategiewechsel sind daher transparente Zielsetzungen und Konzepte mit langfristigen Perspektiven für den Betrieb. An dieser Stelle setzt die im Rahmen des IKT-Forschungsprojektes „Bedarfsorientierte Kanalreinigung“ erarbeitete Diplomarbeit an:

Diplomarbeitsthema:
Umsetzung einer bedarfsorientierten Kanalreinigungsstrategie: Fallbeispiel Kanalbetrieb Hemer

„In dieser Diplomarbeit wurde eine bedarfsorientierte Reinigungsstrategie konkret an einem Fallbeispiel entwickelt und die erste Phase der Umsetzung unterstützt. Sehr interessant war für mich dabei der intensive, praxisnahe Einblick in die Betriebsprozesse vor Ort. Hervorragend war auch die Unterstützung von Stadtentwässerung und Betriebshof in Hemer“

Dipl.-Ing. Sebastian Beck, Fertigstellung 09/2007,
Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik an der Ruhr-Universität Bochum.
Betriebserfahrungen sind der Schlüssel
Die Stadt Hemer, eine mittelgroße Stadt in Nordrhein-Westfalen, reinigte ihr Kanalnetz nach der Präventivstrategie alle zwei Jahre komplett, gebietsweise auch in kürzeren Intervallen. Aufmerksam geworden durch den Erfahrungsaustausch im Rahmen der Workshops zu dem Forschungsprojekt „Bedarfsorientierte Kanalreinigung“ entschloss sich die Stadtentwässerung Hemer (SEH), ihre Kanalreinigungsstrategie überprüfen zu lassen. Bisher reinigte Hemer sein Kanalnetz wie vielerorts üblich nach der Präventivstrategie – alle zwei Jahre komplett durch. Erklärtes Ziel der SEH ist es, Kanäle intelligent zu reinigen. Das heißt, Betriebserfahrungen über die verschiedenen Netzbereiche mit z.B. verstärkter Ablagerungsbildung in die Reinigungsplanung mit einzubeziehen. Selten verschmutzende Haltungen sollen weniger häufig als schnell verschmutzende Haltungen gereinigt werden.

Analyse des Betriebsprofils und Zusammenführung des Betriebswissens
In einem ersten Schritt wurden die betrieblichen Randbedingungen des Kanalbetriebs der Stadt Hemer aufgenommen und analysiert. Hierzu wurden Befragungen der Mitarbeiter, Begleitungen der Kanalreinigung sowie eine Auswertung von vorhandenem Datenmaterial durchgeführt. Im nächsten Schritt wurde die Ablagerungssituation in den Teilbereichen des Kanalnetzes in Hemer erhoben, die nach dem zweijährlichen Turnus zur Reinigung vorgesehen waren. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden Konzepte für die Umsetzung einer an die vorhandene Betriebsstruktur angepassten bedarfsorientierten Reinigungsstrategie erarbeitet und deren Umsetzung begleitet. 

Stichprobenhafte Erhebung des Ablagerungsaufkommens
Im Ergebnis zeigten die Ablagerungsinspektionen, dass in den untersuchten Teilbereichen nach zwei Jahren ohne Kanalreinigung kaum hydraulisch relevante Störungen durch Ablagerungen feststellbar waren. Die vereinzelt angetroffene Bildung von ausgeprägten bleibenden Ablagerungen hatte in der Regel besondere Ursachen: 

• bauliche Mängel: z.B. Unterbögen und ausgeprägte Muffenversätze, Wurzeleinwuchs (ist im Rahmen einer Unterhaltungsreinigung nicht zu beseitigen)
• hydraulische Störungen: z.B. durch Rückstauverhältnisse bei seitlichen Zuläufen und in Drosselbereichen an Regenüberläufen oder bei starken Gefällewechseln (Abstürze) sowie zu geringe Abflussverhältnisse
• unplanmäßiger Feststoffeintrag: z.B. Sand, Kies oder auch Beton aus Baumaßnahmen, Bohrkerne und insbesondere herabgestürzte Schmutzfänger  

Ein funktionaler Zusammenhang von Gefälle, Nennweite und Rohrmaterial auf die Ablagerungssituation konnte nicht nachgewiesen werden.
Im Rahmen der Ablagerungsuntersuchungen kamen verschiedene Inspektionstechniken zum Einsatz, so z.B. die TV-Untersuchung, die Schachtkamera, der Kanalspiegel, die Inaugenscheinnahme von Schachtgerinnen und die Begehung einzelner Haltungen. Der Kanalbetrieb Hemer bewertet die Methode der Kanalspiegelung als pragmatische Methode, um unter günstigen Randbedingungen (Sonnenlicht) Ablagerungskontrollen für Kanalstrecken kostengünstig und mit geringem Zeitaufwand durchzuführen.
Konzeptentwicklung bedarfsorientierte Kanalreinigung
Zur Entwicklung eines an die Betriebsstruktur des Kanalbetriebs in Hemer angepassten Konzeptes wurden verschiedene Vorgehensweisen diskutiert. Kern der von dem Kanalbetrieb der Stadt Hemer bevorzugten Variante ist es, kontinuierlich Betriebswissen über Kanalablagerungen aufzubauen und Maßnahmen im Hinblick auf den Gewässerschutz verstärkt umzusetzen. Damit gewinnen Schachtinspektionen und Ablagerungskontrollen an Bedeutung. Das Kanalnetz soll zunächst in einem Intervall von zwei Jahren im Hinblick auf Ablagerungen überwacht werden, gebietsweise in kürzeren Intervallen. Die Ablagerungsinspektionen dienen dabei als Synergieeffekt mit den Schachtinspektionen, die durch das DWA-Arbeitsblatt 147 Teil 1 gefordert werden.

Gewässerschutz im BlickGewässerschutz im Blick
Die Kanalreinigung soll im Wesentlichen nur noch nach Feststellung von Ablagerungshöhen von mehr als 15 % der Profilhöhe erfolgen. Die Anforderungen der SüwV Kan NRW werden somit erfüllt. Um die Inspektionsergebnisse zu erfassen, ist eine Datenbank eingerichtet worden. Die Datenbank ermöglicht auch die notwendigen Berichte an die Aufsichtsbehörden. Über Jahre soll dadurch kontinuierlich Betriebswissen über Kanalablagerungen aufgebaut werden und unterhaltungsintensive Objekte erkannt werden. Darüber hinaus soll die Reinigung von Drosselkanälen an Regenüberläufen verstärkt werden, um Inbetriebnahmen der Entlastungsbauwerke und daraus resultierende Feststoffeinträge in Gewässer nach Möglichkeit zu minimieren. Mögliche frei werdende Kapazitäten sollen insbesondere für die häufigere Reinigung der Straßeneinläufe sowie für die Wartung der Bachverrohrungen genutzt werden. Dadurch sollen insbesondere eine Verminderung des Eintrags von Schwermetallen infolge von Straßenabtrieb und eine Begrenzung von Überflutungshäufigkeiten erreicht werden.

Piloteinsatz bestätigt den eingeschlagenen Weg
In einem ersten Piloteinsatz wurde der Stadtteil Deilinghofen „bedarfsorientiert gereinigt“. Alle Haltungen und Schachtbauwerke im genannten Stadtteil wurden lückenlos inspiziert. Die Ergebnisse aus den vorangegangenen Untersuchungen wurden dabei bestätigt. Tendenziell wurde geringes Ablagerungsaufkommen festgestellt. Die Abschnitte, die zunächst Ablagerungshöhen > 15 % der Profilhöhe aufwiesen, wurden in einer Wiederholungsinspektion nach Starkregenereignissen ablagerungsfrei vorgefunden. Der Nachweis der Wirtschaftlichkeit der bevorzugten Variante der Kanalreinigungsstrategie gegenüber der herkömmlichen Präventivstrategie muss noch erfolgen. Auf Basis der neu entwickelten Strategie wird die Entwicklung der Ablagerungssituation im Kanalnetz der Stadt Hemer jedoch verstärkt überwacht, so dass insbesondere veränderte Abflussverhältnisse infolge geänderter Gebietsstrukturen und Verbraucherverhalten zukünftig gezielter berücksichtigt werden können.
Das Betriebswissen der Mitarbeiter ist der Schlüssel zum Erfolg. Dies wurde auch von den politischen Gremien und der Tagespresse in Hemer aufmerksam aufgenommen:

 

Vorbildliche Entwässerung in Felsenmeerstadt Hemer
von Paul Kramme
Hemer. „Wir haben eine spannende Unterwelt in Hemer!“. Das war im Betriebsausschuss eine Erkenntnis des Vorsitzenden Bernd Camminadi (SPD).
Wirklich aufschlussreich und informativ war der Bericht des Ingenieurs Sebastian Beck, der dem Gremium seine Diplomarbeit vorstellte: „Entwicklung einer bedarfsgerechten Reinigungsstrategie für eine mittelgroße Stadt in NRW am Beispiel des Kanalnetzes der Stadt Hemer“. Auf der Suche nach dem Thema war Beck an der Ruhr-Universität Bochum auf Hemer aufmerksam geworden. Das Wappen der Felsenmeerstadt lockte, weil er vor acht Jahren hier als Bundeswehrsoldat in der Blücherkaserne stationiert war. Der junge Ingenieur aus Herne arbeitet heute für das renommierte Gelsenkirchener „IKT – Institut für unterirdische Infrastruktur“, das bei Forschungen zu der Erkenntnis gekommen ist, dass Kanäle nur gereinigt werden sollen, wenn das notwendig sei – was man ja wirklich prüfen kann. Und das ist neu!
Da wird das Thema heiß, weil reduzierter Aufwand Personalentlassung zur Folge haben müsste. Dieses heiße Eisen werde in Hemer offen angegangen, weiß man beim IKT, das den Firmen Stadtbetrieb-Bauhof und Stadtentwässerung Hemer eine „bevorzugte Lage“ bescheinigt, weil man das Hemeraner Kanalnetz selber wartet – was von zwei Drittel der NRW Kommunen als Auftrag vergeben werden muss. Die Stadtentwässerung Hemer erhebt und bewertet den Zustand des Kanalnetzes selber: Ein riesiger Erfahrungsschatz, so lobte Sebastian Beck, und ein riesiger Vorteil gegenüber Gemeinden, die ihre Kanalreinigung ausschreiben müssen. „Erst gefilmt und dann gespült“ ist heutzutage die Devise bei den Kanalpflegern im Rathaus im Gegensatz zum früheren „erst Spülen, dann Filmen“. Innerhalb von 15 Jahren wird das gesamte Kanalnetz gefilmt. Inspiziert wird mit der Schachtkamera und auch erfolgreich mit Kanalspiegeln, die mit reflektiertem Sonnenlicht von oben eine Sichtweite von 20 – 50 Meter in der Unterwelt ermöglichen. Beck empfiehlt für die Untersuchung auch die Anschaffung von starken Taschenlampen, um unabhängig von der Sonne arbeiten zu können.
Fett in der Kanalisation ist ein Riesenproblem
Weniger als fünf Prozent des Hemeraner Kanalnetzes ist begehbar: an der Poststraße und Ostenschlahstraße z.B. und der gesamte Hauptsammler von der Amtskreuzung bis zur Kläranlage. Der gewaltigste Kanaldurchmesser (drei Meter) ist an der Siemensstraße in Westig. „Im Kanal sind die tollsten Geschichten zu finden“, weiß Sebastian Beck. Wurzeleinwuchs gehört dazu, nicht zu vergessen wilde Entsorgung: Beton oder Zement, und Fett im Kanal sei „ein Riesenproblem“. Inspektion gewinnt an Bedeutung, gereinigt wird nach Bedarf, resümiert Beck: „Das Personal entscheidet vor Ort, ob Reinigungsbedarf vorliegt oder nicht. Das Betriebswissen verbleibt in Hemer und nicht beim Dienstleister.“
Ingo Nix (CDU) erkundigte sich nach dem Vortrag: „Hemer hat ein gutes Kanalnetz?“ „Im Vergleich zu dem, was ich gesehen habe, ja“, bezog Beck sein überregionales Wissen für die Antwort ein. Klaus Hoffmann (FDP): „Führen die Erkenntnisse zu Kostensenkung?“ Willi Große: „Na klar, selbstverständlich wird weniger gereinigt!“. Wie der Spülwagen alternativ eingesetzt werde, fragte Michael Heilmann (UWG). 

Dipl.-Ing. Marco Schlüter
Dipl.-Ing. Sebastian Beck
IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH
Exterbruch 1
45886 Gelsenkirchen
Tel.: 0209 17806-31
Fax: 0209 17806-88
E-Mail: info@ikt.de
Internet: www.ikt.de 

 

 

 

Strom aus der Folie

0

Weltweit arbeiten Forscherteams an der Entwicklung organischer Solarzellen. Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE präsentiert vom 13. – 15. Februar auf der nano tech 2008 in Tokio, der weltweit größten Nanotechnologie-Fachmesse, Wege zur industriellen Massenfertigung.

Organische Solarzellen haben gute Zukunftschancen: Sie sind günstig in der Herstellung, denn man kann sie auf dünne Folien auftragen. Bereits etablierte Drucktechniken sollen in Zukunft für die Produktion eingesetzt werden. Dies bedarf sowohl einer speziellen Anpassung der Solarzellenaufbauten als auch der Beschichtungsmaterialien und Substrate. »Da das Verfahren einen hohen Durchsatz erlaubt, fallen vor allem Materialkosten an«, sagt Michael Niggemann vom ISE

Dennoch soll die organische Solarzelle nicht gegen die klassische Siliziumzelle konkurrieren – dafür ist ihr Wirkungsgrad noch viel zu gering. Da sie aber flexibel ist, kann sie neue Anwendungsgebiete erschließen: Kunststoff-Solarzellen könnten zum Beispiel Energie für mobile Kleingeräte wie MP3-Player oder elektronische Skipässe liefern. Denkbar wäre auch, auf einem kleinen Plastikstreifen Solarzellen, Sensoren und Schaltelektronik zu einem energieautarken Mikrosystem zu vereinen.

In Tokio zeigen die Fraunhofer-Experten ein flexibles Solarmodul von der Größe einer Buchseite. Es wurde mit einem Verfahren hergestellt, das sich ohne weiteres auf die Rolle-zu-Rolle-Technologie übertragen lässt – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Massenproduktion.

Auch ein neues Konstruktionsprinzip hilft beim Kostensparen: Für die vordere, der Sonne zugewandten Elektrode verwendete man bisher meist teures Indium-Zinnoxid, weil dieses transparent ist. Doch es geht auch anders: Die Fraunhofer-Crew hat die Verschaltung der Zelle auf die Rückseite verlegt, die durch zahlreiche Löcher mit der Gegenseite verbunden ist. Dieses Bauprinzip hat einen enormen Vorteil: Man kann preiswerte transparente polymere Elektroden verwenden. Die Idee wurde bereits patentiert.

Auf der nano tech 2008 zeigen Fraunhofer-Forscher zusammen mit zwei Unternehmen ihre Entwicklungen. Das Konsortium wurde neben sieben weiteren Initiativen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF ausgewählt, um in der Kampagne »Nanotech Germany« den Stand der deutschen Forschung zu präsentieren.

Kontakt:

Dr. Michael Niggemann
Telefon: +49 761 203-4798
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme
ISE
Heidenhofstraße 2
79110 Freiburg

Internet-Lexikon zur biologischen Vielfalt

0

Internet-Lexikon zur biologischen Vielfalt

Auf der neuen Internetseite www.biodiversitaet.info bieten die Deutsche Umwelthilfe und der Verein BildungsCent fundierte und knappe Einführung in das Thema Biodiversität – das offene Wiki-Lexikon lädt alle Fachkundigen ein, ihr Sachwissen zu veröffentlichen

Berlin/Radolfzell, 29. Februar 2008: Im Vorfeld der UN-Biodiversitätskonferenz im Mai 2008 stellen die Deutsche Umwelthilfe e. V (DUH) und BildungsCent e.V. mit Unterstützung von T-Mobile Deutschland ein Lexikon zur biologischen Vielfalt ins Netz. Auf der Seite www.biodiversitaet.info finden die Nutzer ebenso klassische Sachinformationen zur Biodiversität, den UN-Artenschutzabkommen oder dem deutschen Naturschutzgesetz samt Naturparks und Biosphärenreservaten sowie überraschende Rekorde aus der Tierwelt. So erfahren Wissbegierige, dass die Pfuhlschnepfe (ein Zugvogel) eine vergleichbare Distanz wie eine Boeing 767 in einem Stück zurücklegen kann. Die Nutzer können nicht nur lesen, sondern sind zudem aufgefordert, das Internet-Lexikon zur Biodiversität weiterzuschreiben. Denn das interaktive Portal ist nach dem Wikipedia-Prinzip aufgebaut und lebt von den Beiträgen, Diskussionen und Anregungen der Nutzer. Darüber hinaus stehen unterschiedlichste Downloads sowie Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.

Die DUH und BildungsCent e.V. haben sich bei der Erstellung des Wiki – ein offenes Internet-Lexikon – für das Thema Biodiversität entschieden, da es sich hierbei im wahrsten Sinne um das Wissen über die Grundlage des Lebens handelt. Täglich sterben 120 Tier- und Pflanzenarten weltweit aus und aufgrund der Vernetzung allen Lebens auf der Erde – den Menschen inbegriffen – ist durch das Artensterben die Lebensgrundlage der Menschheit akut bedroht. Diese dramatische Entwicklung macht deutlich, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema sowohl auf internationaler Ebene als auch im ganz lokalen Kontext auseinanderzusetzen. www.biodiversitaet.info bietet die Wissens-Plattform dafür.

Als besonderes Highlight für den Unterricht bietet der BildungsCent e.V. allen Schulklassen der Jahrgangsstufen 8 und 9 an, ihr Wissen im großen OnlineQuiz zur biologischen Vielfalt zu testen. Noch bis zum 29. Februar können sich bundesweit alle interessierten Lehrerinnen und Lehrer auf der Homepage des BildungsCent e.V. anmelden. Ab März finden die Spielrunden statt. Auf der Seite www.biodiversitaet.info finden Sie alle notwendigen Informationen, um erfolgreich am OnlineQuiz teilnehmen zu können.

www.biodiversitaet.info ist ein Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Umwelthilfe und BildungsCent e.V und wird finanziell unterstützt von T-Mobile Deutschland. T-Mobile Deutschland und die Deutsche Umwelthilfe e.V. arbeiten seit acht Jahren im Rahmen einer Umweltpartnerschaft zusammen. Über 300 Umwelt- und Naturschutzprojekte konnten bereits über einen gemeinsamen Umweltfonds unterstützt werden (http://www.t-mobile.de/unternehmen/umwelt).

BildungsCent e.V.

Der gemeinnützige Verein BildungsCent e.V. – eine Initiative von Herlitz – setzt sich seit seiner Gründung 2003 bundesweit für die nachhaltige Förderung der Lehr- und Lernkultur ein. Der Verein versteht sich als Impulsgeber, der die Schulen bei der Umsetzung notwendiger Veränderungsprozesse und bei der Integration wichtiger Themen in den Schulalltag unterstützt. Basierend auf dem Konzept des SchulCoaches wurden über 230 Projekte in fünf unterschiedlichen Programmen umgesetzt: Schule in Bewegung * Stärken stärken * Klima 2.0 * Partners in Leadership *  Learning by Viewing.

Aktuelle Informationen zur Arbeit des BildungsCent e.V. finden Sie unter www.bildungscent.de

Deutsche Umwelthilfe e.V.

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) ist ein bundesweit tätiger Umwelt-, Naturschutz- und Verbraucherschutzverband. In Zusammenarbeit mit anderen Verbänden initiierte die DUH Projektnetzwerke wie z.B. die Netzwerke „Lebendige Flüsse“ oder „Lebendige Wälder“. Zentraler Bestandteil der Arbeit ist Umweltbildung, die Vermittlung von umweltpolitischen und naturschutzrelevanten Informationen und die Umsetzung von Modellprojekten. Zur biologischen Vielfalt betreibt die DUH unter anderem das Internetportal www.biodive.de für Jugendliche und junge Erwachsene.

Weitere Informationen über die Arbeit der Deutschen Umwelthilfe e.V. finden Sie unter www.duh.de.

Für Rückfragen:

BildungsCent e.V.
Silke Ramelow, Am Borsigturm 100, 13507 Berlin
Tel.: 030 4393 3999, Fax: 030 4393 3070, E-Mail: info@bildungscent.de, www.bildungscent.de

Deutsche Umwelthilfe e.V.
Steffen Holzmann, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell
Tel.: 07732 9995 52, Fax: 07732 9995 77, E-Mail: holzmann@duh.de

Deutsche Umwelthilfe e.V.
Agnes Sauter, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell
Tel.: 07732 99 95 11, Fax: 07732 9995 77, E-Mail: sauter@duh.de;

Erster Erfolg im Streit mit der Ölindustrie

0

RWE Dea will auf Errichtung weiterer Bohrinseln im Wattenmeer verzichten

Hamburg: Der WWF begrüßt den Verzicht der RWE Dea AG auf die Errichtung weiterer Öl-Bohrinseln im schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer. Dies hatte ein Konzernsprecher am Samstag gegenüber der WELT angekündigt. „Das ist ein erster Teilerfolg. Aber wir sind noch nicht am Ziel“, so Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF Wattenmeerbüros. Denn der Konzern will grundsätzlich am umstrittenen Ausbau der Ölförderung im Wattenmeer festhalten.

Aus den bekannt gewordenen Erklärungen ergibt sich Ansicht des WWF noch kein genereller Verzicht des Unternehmens auf weitere künstliche Öl-Inseln im Nationalpark. „Wir erwarten, dass RWE Dea alle Pläne für eine Ausweitung der Ölförderung im Nationalpark Wattenmeer und den Bau von neuen Bohr- oder Förderinseln auch für die Zukunft aufgibt“, erklärte Rösner. Dieser Verzicht müsse auch den niedersächsischen Wattenmeer-Nationalpark einschließen, für den der Konzern ebenfalls eine Probebohrung im Gebiet Knechtsand angekündigt hat.

Die geplanten Probebohrungen selbst würden erhebliche Störungen im Nationalpark verursachen, selbst wenn eventuell entdeckte Ölvorkommen später von außerhalb des Nationalparks gefördert würden. Aus diesem Grund seien auch solche Bohrungen nach dem schleswig-holsteinischen Nationalparkgesetz unzulässig, betont der WWF.

Ein von RWE Dea bei der Bergbehörde gestellter Antrag auf neue Öl-Konzessionen im nordfriesischen Teil des Nationalparks Wattenmeer passe nicht zu der Ankündigung des Verzichts auf neue Bohrinseln und müsse ebenfalls zurückgezogen werden, fordert der WWF. „Konsequent wäre es, aus diesem Antrag wenigstens alle im Nationalpark oder in europäischen Schutzgebieten liegenden Flächen herauszunehmen“, so Rösner.

Heftige Kritik üben die Umweltschützer an aktuellen Baumaßnahmen bei der bereits im Wattenmeer liegenden Förderplattform „Mittelplate“. Hier werden wegen der Unsicherheit der Plattform gegenüber natürlichen Veränderungen im Wattenmeer derzeit rund 40.000 Quadratmeter Watt mit Steinschüttungen überbaut. „Dieser Eingriff belegt ein weiteres Mal die Unvereinbarkeit der Ölförderung mit dem Nationalpark Wattenmeer“, so WWF-Experte Rösner. Eine Genehmigung für diesen schwerwiegenden Eingriff in den Nationalpark liege bislang nicht vor, sie soll erst nachträglich eingeholt werden.

Früchtchen mit weniger Durst

0

WWF startet mit der REWE Group ein Projekt zu Wasser sparenden Erdbeeren

Berlin: Jetzt kommen sie wieder in die Geschäfte: Früh-Erdbeeren aus Spanien. Der WWF will jetzt mit dem Handelskonzern REWE Group dafür sorgen, dass nur noch Früchte auf den Markt kommen, die hohen Umweltstandards genügen. Denn der Anbau der hierzulande heiß begehrten Früchte ist mit erheblichen Belastungen für die Natur verbunden. Für den WWF ist vor allem der enorme Wasserverbrauch ein Problem. Das mehr als 100.000 Hektar große Naturschutzgebiet Doñana in der andalusischen Provinz Huelva, ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung, leidet besonders unter dem Erdbeerboom. Mehr als eine halbe Million Wasservögel überwintern in dem Gebiet. Doch die Landwirtschaft mit Tausenden illegaler Brunnen gräbt dem einmaligen Rast- und Brutgebiet zunehmend das Wasser ab. Es ist vor allem der wachsende Erdbeerhunger vieler Europäer, der die Region reich gemacht hat und zugleich die Natur massiv bedroht.

60 Prozent der Erdbeeren in deutschen Supermärkten stammen aus Spanien. In diesem Jahr kommen von dort erstmals  Erdbeeren auf den Markt, bei denen zumindest sichergestellt ist, dass der illegale Anbau schrittweise aufhört, der Pestizideinsatz auf ein Minimum reduziert wird und die Bewässerung sparsam und nicht aus heimlich gebohrten Brunnen fließt. Die REWE Group hat ab diesem Jahr nur Lieferanten unter Vertrag, die garantieren können, dass sie die vom WWF mitentwickelten Mindeststandards der so genannten „Best Alliance“ einhalten.

Die Naturschützer vom WWF begleiten und überprüfen die Umsetzung der Anforderungen. Ziel ist es, den Wasserverbrauch von Jahr zu Jahr zu senken, indem z.B. auf effiziente Tröpfchenbewässerung umgestellt wird. Illegal angelegte, aber von den Verantwortlichen geduldete Erdbeerfelder müssen schrittweise verlagert werden. „Naturschutzgebiete dürfen nicht nur auf dem Papier existieren, sie müssen für die Landwirtschaft tabu sein“, fordert Martin Geiger. Der Leiter des Bereichs Süßwasser beim WWF Deutschland betont: „Wir sind erst am Anfang. Ziel ist es, den Erdbeeranbau in Südspanien insgesamt nachhaltiger zu gestalten. Die Qualitätskriterien werden nach und nach erhöht und weiter verbessert.“ Das betreffe nicht nur den Wasserverbrauch, sondern auch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. REWE hat zugesichert, grundsätzlich nur noch Obst und Gemüse einzukaufen, das, die gesetzlich zugelassene Höchstmenge an Pestizidrückständen um mindestens 30 Prozent unterschreitet. Diese Verpflichtung gilt auch für die Erdbeeren aus dem Best Alliance-Projekt.

Weitere Informationen

REWE Group und WWF
http://www.wwf.de/kooperationen/rewe/

Wasserverschwender Landwirtschaft
http://www.wwf.de/themen/suesswasser/wasserknappheit/wasserverschwender-landwirtschaft/

Kontakt

Martin Geiger
Bereich Süßwasser
WWF Deutschland
Tel.: 069 / 79144-140

Jörn Ehlers
Pressestelle WWF Deutschland
Tel.: 0 30 / 30 87 42-12

Schlichtung im öffentlichen Dienst angelaufen – geheime Verhandlungen

0

Frankfurt/Main (dpa) – Nach mehr als zwei Monaten ergebnisloser Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst und zahlreichen Warnstreiks ist die Schlichtung angelaufen. Das erste Treffen am Samstag in Frankfurt/Main blieb aber ohne inhaltliche Annäherung. Das Gremium sei zunächst «nicht in die Tiefen der Themen eingestiegen», sondern habe sich lediglich auf Formalien und einen Terminplan verständigt, teilten die Schlichter Lothar Späth und Herbert Schmalstieg nach dem Gespräch mit. Beide berichteten übereinstimmend von «großem Einvernehmen» und einer «guten Atmosphäre» des Treffens. Späth kündigte an, die Schlichtungskommission werde künftig an einem geheimen Ort tagen und bis zum Ende des Schlichtungsverfahrens auf öffentliche Stellungnahmen verzichten. Darauf hätten sich die Tarifparteien verständigt. «Wenn alles richtig läuft, sehen wir uns am Ende der Veranstaltung wieder», sagte Späth zu Journalisten. Die Verhandlungen über höhere Einkommen für die rund 1,3 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen waren am 7. März nach fünf Verhandlungsrunden an der Forderung der Arbeitgeber nach längeren Arbeitszeiten gescheitert. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die dbb Tarifunion verlangen acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro im Monat. Die Arbeitgeber boten fünf Prozent, allerdings in drei Schritten für zwei Jahre und verbunden mit längeren Arbeitszeiten, die einheitlich auf 40 Wochenstunden festgesetzt werden sollen. Derzeit arbeiten die Angestellten des Bundes generell 39 Stunden, die kommunalen Angestellten im Westen in der Regel 38,5 Stunden. Im Tarifgebiet Ost der Kommunen gilt bereits die 40-Stunden- Woche. Der frühere baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Späth war von der Arbeitgeberseite zum Vorsitzenden der Schlichtungskommission ernannt worden, der ehemalige SPD-Oberbürgermeister von Hannover, Schmalstieg, von den Gewerkschaften. Über die Empfehlungen der 24-köpfigen Schlichtungskommission soll am 29. März in Potsdam beraten werden. Für den Fall, dass die Schlichtung scheitert, haben die Gewerkschaften ihre Streikbereitschaft unterstrichen. Während der Schlichtung herrscht Friedenspflicht – reguläre Streiks wären also erst frühestens Ende März möglich.
Pressemitteilung VERDI 17.03.2008

Erneuerbare Energie aus Biogasanlagen

0

Erneuerbare Energie aus Biogasanlagen – Ein Überblick

Dr.-Ing. Jürgen Wiese

Die Erzeugung von Biogas aus tierischen Wirtschaftsdüngern (z.B. Rindergülle), organischen Reststoffen (z.B. Speiseresten) und Energiepflanzen (z.B. Mais) gewinnt seit einigen Jahren weltweit immer mehr an Bedeutung. Dieser Beitrag soll einen allgemeinen Überblick über diese komplexe Thematik geben.
 

Ist Biogas ein neues Thema?
• Prof. Karl Imhoff baut in den 1920er Jahren in Essen den ersten Faulturm zur anaeroben Klärschlammbehandlung → Klärgas
• Prof. Karl Imhoff entwirft im 2. Weltkrieg eine landwirtschaftlichen Biogasanlage (BGA), um die Treibstoffknappheit zu verringern.
• In den 1950er Jahren werden einige landwirtschaftliche BGA gebaut. Weite Verbreitung finden sie aber nicht (im Gegensatz zur Anaerobbehandlung in der Abwassertechnik). Mögliche Ursachen:
• Trend zur Zentralisierung der Energieversorgung („Großkraftwerke“)
• Günstige Primärenergieträger (z.B. Kohle, Öl, Uran)
• In den letzten Jahren steigt die Zahl der Biogasanlagen in Deutschland (und weltweit) stark an, v.a. wegen der Förderung erneuerbarer Energien. 2006 gab es in Deutschland bereits mehr als 3.000 Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von ca. 800 MW!
• Biogas ist international ein Topthema (z.B. Indien: 7 Mio. Hausbiogasanlagen!), da Kohle, Öl und Uran immer knapper und teurer werden bzw. der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden soll.
• Der Trend geht zu größeren BGA (500 kW bis 1,5 MW), da diese besonders wirtschaftlich sind. Sehr große BGA (> 2 MW) konnten sich wegen diverser Probleme (z.B. Logistik) bisher noch nicht durchsetzen.
• Wegen der hohen Energieeffizienz von Blockheizkraftwerken (BHKW) gewinnt die dezentrale Strom- und Wärmeerzeugung (v.a. im ländlichen Raum und Entwicklungsländern) wieder an Bedeutung: z.B. „Bioenergiedorf“ Jühne – Energieautarkes Dorf
• „Vom Landwirt zum Energiewirt“: Seit einigen Jahren schaffen sich immer mehr Landwirte ein zweites Standbein, indem sie ihre Biomasse zur Energieerzeugung nutzen, Dachflächen mit Solarzellen nachrüsten o.ä.

Was ist Biogas?
• Biogas ist ein Gemisch aus Methan (CH4: 50 – 75 Vol.-%), Kohlendioxid (CO2: 25 – 50 Vol.-%), Wasser
(H20: 2 – 7 Vol.-%), Schwefelwasserstoff (H2S: 20 – 20.000 ppm), Stickstoff (N2: < 2 Vol.-%), Wasserstoff (H2: < 1 Vol.-%) und Sauerstoff (O2: < 1 Vol.-%).
• Heizwert: Biogas (ca. 6,4 kWh/Nm3) vs. Erdgas (ca. 10 kWh/Nm3)
• Biogas entsteht
• im anaeroben Milieu (d.h. Sauerstoffmangel, Sauerstofffreiheit)
• bei Temperaturen von 30 bis 40 °C (mesophiler Bereich ) oder 50 bis 60 °C (thermophiler Bereich)
• bei langen Aufenthaltszeiten des Substrats (i.d.R. >> 30 Tage)
• in einem vierstufigen Prozess
• im pH-Wert-Bereich von 7 bis 7,7 (bei simultanem Betrieb)

Wie entsteht Biogas?
Bild FW-Gas-2-Wiese-1.jpg

Welche Stoffe kann man vergären? z.B. Nachwachsende Rohstoffe (NAWARO)

Bild FW-Gas-2-Wiese-2-1.jpg

• Wirtschaftsdünger von Rindern, Schweinen und Hühnern: Gülle, Mist, Trockenkot
• Getreide: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais
• Ölsaaten: Rapssamen, Sonnenblumenkerne
• Eiweißpflanzen: Erbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen
• Leinpflanzen
• Klee, Gras, Luzerne, Sudangras
• Markstammkohl, Futterrüben, Topinambur
• Knollen 

Bild FW-Gas-2-Wiese-2-2.jpg

Welche Stoffe kann man vergären? z.B. Kofermente

Bild FW-Gas-2-Wiese-3-1.jpg
Bild FW-Gas-2-Wiese-3-2.jpg
• Speisereste (z.B. aus Großküchen)
• Futtermittel-, Gemüse- und Marktabfälle
• Reste der Gelatineproduktion (z.B. Separatorfett)
• Reste der Nahrungsmittelproduktion
• Bleicherde
• Altbrot und Teigabfälle
• Altfrittier- und Flotatfette, Käseabfälle
• Obst- und Rebentrester, Biertreber
• Schlempen aus der Schnapsherstellung
• Glycerin (z.B. aus Biodieselproduktion)
• Teile der Schlachtabfälle

Welche Stoffe kann man vergären? Auf die Mischung kommt es an!

Die Substrateweisen große Unterschiedebezüglich ihres Biogasertrags auf!

Substrat  Biogasertrag (m3Gas/tSubstrat)
Rindergülle  25
Schweinegülle  36
Molke  55 
Rübenschnitzel  75
Biertreber  75
Dickschlempe  80 
Grünabfall  110 
Bioabfall  120 
Silomais  200 
Flotatfett  400 
Altfett  800 

Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Was sind die Vorteile von Biogas?

Aus Biogas gewonnene Energie schont die fossilen Rohstoffreserven und schützt das Klima durch die Verminderung von Treibhausgasen.
• Biogas fällt kontinuierlich an, sodass es auch kontinuierlich verstromt
werden kann
→Keine Lastschwankungen wie z.B. bei Wind- oder Solarenergie!
o einfacher für Netzbetreiber
o (weitgehend) autarke Strom-/Wärmeversorgung im ländlichen Raum
→ Noch erhebliches ungenutztes Potenzial in Deutschland!
• Biogas ist mit Erzeugungskosten von 8 bis 10 ct/kWh (Kofermente) bereits heute recht nahe an den Gestehungskosten von Energie aus fossilen Energieträger. Dies gilt besonders dann, wenn auch die Wärme genutzt werden kann.

Biogasgülle ist ein effektiver Wirtschaftsdünger und besitzt gegenüber normaler Gülle/Mist zahlreiche Vorteile:

• Verminderung der pflanzenschädigenden Ätzwirkung der Gülle
• Umwandlung des organischen Stickstoffs in Ammonium, das für Pflanzen leichter verfügbar ist.
• Verringerung flüchtiger, geruchsintensiver Stoffe (z.B. Buttersäure)
• Verbesserung der Fließeigenschaften
• Volumenreduzierung
• Reduzierung der Gefahr für das Grundwasser 
 

Biogas ist effizienter als andere Biokraftstoffe!

Bild FW-Gas-2-Wiese-5.jpg

Wie hoch ist das Potenzial für Biogas?

Deutschland
• ca. 800 MW elektrische Leistung sind zurzeit auf Biogasanlagen in
Deutschland installiert, das Potenzial liegt jedoch bei 15.000 MWel.
• Bis 2020 könnten jährlich aus Biogas ca. 76 Mrd. kWh Strom in
Grundlast und Spitzenlast produziert werden. D.h. 15 % des
Energiebedarfs könnten durch Biogas gedeckt werden.

Europa (EU-25)
• 75 % der derzeitigen russischen Erdgasförderung!
Quelle: Fachverband Biogas, EU

Zum Vergleich:
Die energieverbrauchsbedingten CO2- Emissionen in Deutschland betrugen 2006 ca. 800 Mio. t.
Bild FW-Gas-2-Wiese-6.jpg

Wie funktioniert eine NAWARO-BGA?
Bild FW-Gas-2-Wiese-7.jpg

Wie funktioniert eine Co-Fermente-BGA?
Bild FW-Gas-2-Wiese-8.jpg

Wie wird das Biogas genutzt?
• Verbrennung in Gasmotoren → wird zur Regel!
• Verbrennung in Zündstrahlmotoren → stark rückläufig!
• Verbrennung in Gasturbinen → in Deutschland nur Einzelfälle!
• Heizkessel → z.B. in Indien/China
• Biogas-Tankstellen für Autos, Busse und Züge
→ in Schweden weit verbreitet
→ die erste Biogastankstelle in Deutschland ging 2006 in Betrieb!
• Brennstoffzellen → noch Prototypenstatus
• Biogasreinigung mit anschließender Einspeisung in Erdgasnetze
→ in Schweden üblich, aber auch erste Anlagen in Deutschland!
• Sonstiges: Stirling-Motoren, ORC-Prozess, …

Tab.: Energieflüsse bei der reinen Stromerzeugung sowie der zentralen und dezentralen Kraftwärmekopplung (Quelle: ASUE)

Primärenergie  Umwandlungsverluste  Übertragungsverluste  Nutzung 
100 %; z.B.:
Kohle, Öl, Uran 
Kondensationskraftwerk:
62 % 
Strom: 2 %  Strom: 36 % 
100 %; z.B.:
Gas, Kohle,
Müll 
Zentrales Heizkraftwerk:
15 % 
Strom: 1 %
Fernwärme: 5 % 
Strom: 29 %
Wärme: 50 %
Gesamt: 79 % 
100 %; z.B.:
Holz, Erdgas,
Biogas 
Dezentrales Blockheizkraftwerk:
10 % 
Strom: 1 %
Nahwärme: 2 % 
Strom: 36 %
Wärme: 51 %
Gesamt: 87 % 

Die Kraft-Wärme-Kopplung ist energetisch sehr effizient!

Wie wird das Biogas genutzt? – Wärmenutzung
Eigenbedarf:
• Betriebsgebäude der Biogasanlage
• ggf. thermische Hygienisierung
• Aufheizung der Fermenter und Nachgärer
Nahwärmenetze:
• Öffentliche Gebäude (z.B. Schule, Rathaus)
• Büro- und Wohngebäude
Wärmespeicher:
• Mobile Latentwärmespeicher
Gartenbaubetriebe:
• Gewächshäuser
Hofeinrichtungen:
• Ställe
• Wohngebäude
Trocknung:
• Getreide
• Holzhackschnitzel/-pellets
• Gärreste und Klärschlamm
Kälte:
• Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung
Sonstiges:
• Stirling-Motoren
• ORC-Prozess

Wie wird Biogas vergütet?
Das novellierte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) regelt auch die Einspeisevergütungen für
Strom aus Biomasseanlagen. Dabei hängt die Vergütung von der installierten Leistung der
Anlage ab. Folgende Vergütungen sind vom EEG vorgesehen (alle Angaben in ct/kWhel):

Anlage  Grundvergütung*  Brennstoffbonus  KWK-Bonus  Technologiebonus 
bis 150 kW  10,98  6,0  2,0  2,0 
bis 500 kW  9,45  6,0  2,0  2,0 
501 – 5.000 kW 8,50  4,0  2,0  2,0 

Den Brennstoffbonus erhalten Anlagen, wenn der Strom ausschließlich aus Pflanzen- und
Pflanzenbestandteilen im Sinne der Biomasseverordnung und/oder aus Gülle gewonnen wird.
Der Bonus für KWK-Anlagen wird gewährt, soweit es sich um Strom im Sinne des Kraft-Wärme-
Kopplungs-Gesetzes handelt. Den Technologiebonus erhalten Anlagen, die auch in Kraft-
Wärme-Kopplung betrieben werden und die Biomasse mittels innovativer Techniken umwandeln
(z.B.: Brennstoffzellen, Gasturbinen, Organic-Rankine-Anlagen).
Beispiel einer NaWaRo-Biogasanlage mit einer Leistung von 500 kWel (2007):
Grundvergütung 150/500 x 10,98 ct + 350/500 x 9,45 ct = 9,91 ct
Brennstoffbonus (NAWARO) 6,00 ct
Gesamtvergütung ohne KWK- und Technologiebonus 15,91 ct
*Für das Jahr 2007; Degression für alle folgenden Jahre von 1,5 % pro Jahr

Biogas als Spitzentechnologie
• Deutschland ist Technologie- und Weltmarktführer im Bereich „Biogasanlagen“→ große Exportchancen!
• Der Branchenumsatz 2005 betrug 450 Mio. €. Für 2020 wird für Deutschland ein Branchenumsatz von 7,5 Mrd. € prognostiziert.
• 2005 arbeiteten in Deutschland ca. 8.000 Menschen im Biogassektor, 2020 sollen es bereits 85.000 Arbeitsplätze sein.
• Das mittlere Branchenwachstum in Deutschland dürfte bis 2010 bei 40 % pro Jahr liegen.
• Biogas ist eine Mittelstandstechnologie:
• Über 270 Unternehmen sind im Fachverband Biogas organisiert.
• 2/3 des Umsatzes bleiben in der Region
Quelle: Fachverband Biogas, 2005

Praxisbeispiel: SBW Biogas Lelbach
Bild FW-Gas-2-Wiese-9.jpg

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Übersicht
Bild FW-Gas-2-Wiese-10.jpg

Bild FW-Gas-2-Wiese-11.jpg

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Eingangsstoffe

Bild FW-Gas-2-Wiese-12.jpg
Fahrsilo für Feststoffe

Bild FW-Gas-2-Wiese-12-2.jpg
Vorgrube

Breites Stoffspektrum, um Fruchtfolgegesetze zu beachten und Marktchancen zu nutzen:

• Rindergülle (≈ 15 t/d)
• Mais- und Grünroggensilage (25 bis 30 t/d)
• Sudangras (< 1 t/d)
• Hühnertrockenkot (< 1 t/d)
• Getreideschrot (Mischung) (i.d.R. < 1 t/d)
• Roggen
• Dinkel
• Corn-Crop-Mix (Mais)
• Raps
• Zuckerrüben 1
• Futterrüben 1

1 Saisonal als Substitut für Silagen bzw. Getreideschrot

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Feststoffdosierer

Bild FW-Gas-2-Wiese-13-1.jpg

Bild FW-Gas-2-Wiese-13-2.jpg

Dosierer für Silagen, Trockenkot und Getreide 

• Automatisierte Beschickung der Biogasanlage
• Container (68 m3) mit Schubboden
• Vertikale und horizontale Rohrförderschnecken
• Wägezellen 

Wasch- und Zerkleinerungsanlage für Rüben o.ä. 

• Semi-automatisch
• Einsetzbar für Zucker- und
• Futterrüben, Kartoffeln o.ä.

Bild FW-Gas-2-Wiese-13-3.jpg

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Fermenter/Nachgärer

Bild FW-Gas-2-Wiese-14-1.jpg

Bild FW-Gas-2-Wiese-14-2.jpg

• 1 x Tauchmotorrührwerk
• 1 x Großflügelrührwerk
• Messgeräte:
• Füllstand (Flüssgkeit)
• Füllstand (Gas)
• Überfüll-/Schaumwächter
• Temperaturmessungen
• Energieverbrauch 

Bild FW-Gas-2-Wiese-14-3.jpg

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Pumpstation 

Bild FW-Gas-2-Wiese-15-1.jpg

Bild FW-Gas-2-Wiese-15-2.jpg 

• voll automatisiert
• Messgeräte:
• Durchfluss (MID)
• pH-Sonde
• Redox-Sonde
• TS-Sonde
• …
• „Spinne“: Durch Nutzung dieser Konstruktion kann jeder Reaktionsraum mit nur einem Satz Messgeräte mehrmals am Tag überwacht werden. 

Bild FW-Gas-2-Wiese-15-3.jpg 

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Gärrestlager

Bild FW-Gas-2-Wiese-16-1.jpg

Bild FW-Gas-2-Wiese-16-2.jpg 

• Im Winterhalbjahr wird der Gärrest im
Gärrestlager gespeichert.
• Der Gärrest wird von März bis Oktober
auf die Felder ausgebracht!
Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Gärrestlager
• Beliebter Wirtschaftsdünger in der
Region (Beispiel)
• 6,68 % TS
• 3,88 kg Nges/t
• 1,71 kg P2O5/t
• 4,40 kg K2O/t
• 0,32 kg S/t 

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Gasanalyse

Bild FW-Gas-2-Wiese-17-1.jpg

Bild FW-Gas-2-Wiese-17-2.jpg 

• Gasdurchfluss
• Gasanalyse
• Methan (CH4) (IR)
• Kohlenstoffdioxid (CO2) (IR)
• Sauerstoff (O2) (EC)
• Schwefelwasserstoff (H2S) (EC)
• Ex-Zonen-Überwachung 

EC = Elektrochemisch
IR = Infrarot Absorption 

Bild FW-Gas-2-Wiese-17-3.jpg 

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Energieproduktion

Bild FW-Gas-2-Wiese-18-1.jpg

Bild FW-Gas-2-Wiese-18-2.jpg 

Energieerzeugung
Elektrische Leistung (Opt.): 500 kW
Elektrische Leistung (Max.): 530 kW
Thermische Leistung: 623 kW
Wärmenutzungskonzept
• Latent-Wärmespeicher
(„Wärmetankstelle Biogasanlage“)
• Holzhackschnitzeltrocknung
• Holzscheittrocknung
• > 400 kW 

 

Bild FW-Gas-2-Wiese-18-3.jpg 

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Automation

Bild FW-Gas-2-Wiese-19.jpg  • State-of-the-art Prozessleitsystem (WinCC 6.0)
• Leistungsfähige Speicherprogrammierbare Steuerung (S7)
• Digitaler Prozessbus (PROFIBUS-DP)
• High-Level Automation
• Fernwirktechnik und Störmeldekonzepte
• Internetbasierte Lösungen sind möglich
Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Automation
Fernziel:
Viele Biogasanlagen zu einem virtuellen Großkraftwerk
verbinden, um Grund- und Spitzenlast zur
Verfügung zu stellen! 

Beispiel: Betriebslabor
Ergebnisse von Vergleichsmessungen auf der Kofermente-BGA Leese (Wiese u. König, 2006)

Bild FW-Gas-2-Wiese-20.jpg  Bild FW-Gas-2-Wiese-20-1.jpg 

Beispiel: SBW Biogas Lelbach – Betriebsergebnisse
Bild FW-Gas-2-Wiese-21.jpg

Zusammenfassung und Fazit

• Biogas ist eine ökologisch verträgliche Form der Energieerzeugung.
• Biogas ist eine wirtschaftliche Form der Erneuerbaren Energien.
• Biogas gibt der Landwirtschaft eine Zukunftsperspektive („Vom Landwirt zum Energiewirt“) und erhöht die regionale Wertschöpfung.
• Das ungenutzte Potenzial für Biogas ist weltweit noch sehr groß!
• Der Trend geht zur mittleren bis größeren Biogasanlagen (d.h. 300 bis 1.500 kW), da diese besonders wirtschaftlich sind.
• Moderne Biogasanlagen erzielen hohe Anlagenverfügbarkeiten und Auslastungsgrade (> 90 %) und sind damit Grund- und Spitzenlastfähig.
• Die zunehmend Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung macht die Biogasnutzung immer interessanter.
• In den nächsten Jahren wird die Einspeisung von Biogas in Erdgasnetze (und ggf. auch die Nutzung von Biogas für Brennstoffzellen) stark an Bedeutung gewinnen.

Autor:
Dr.-Ing. Jürgen Wiese
GKU
Gesellschaft für kommunale Umwelttechnik mbH
Heinrichstraße 17/19
36037 Fulda

Tel.: 0661/12-408
Fax: 0661/12-409
URL: http://www.gku-fulda.de
E-Mail: juergen.wiese@uewag.de

Energiesparen durch druckgeregelte Heizungspumpen

0

Bundesweit wird der Energieverbrauch für Heizungsumwälzpumpen auf 20 GW/a angenommen. Dies entspricht ca. 3 bis 4% des gesamten Strombedarfs in Deutschland. Auf der Kläranlage werden Heizungsumwälzpumpen für die Wärmeversorgung von beheizten Faulbehältern eingesetzt. Im Winter müssen zusätzlich die Betriebsgebäude beheizt werden. Sehr oft werden dazu ungeregelte Pumpen eingesetzt. Die Pumpen werden dabei mit einer konstanten Drehzahl betrieben. Durch den Einsatz von geregelten Umwälzpumpen kann beträchtlich Strom eingespart werden. Nach dem Entwurf der Energieeinsparverordnung müssen in neuen oder umgebauten Zentralheizungen mit mehr als 25 KW geregelte Umwälzpumpen eingebaut werden.

Geregelte Pumpen passen ihre Drehzahlen dem benötigten Förderstrom an. Es wird prinzipiell zwischen Konstantdruckregelung und Proportionaldruckregelung unterschieden. Bei der Konstantdruckregelung wird versucht den Differenzdruck der Pumpe konstant zu halten. Der Differenzdruck wird entweder über je einen Drucksensor auf der Saug- und der Druckseite der Pumpe gemessen oder aus der Stromaufnahme der Pumpe mittels Kennlinienfunktion berechnet. Der einzustellende Konstantdruck muss auf das Heizungssystem abgestimmt sein. Heizungsumwälzpumpen mit integrierter Regelung haben etliche Kennlinien zum Anpassen eingebaut.

Die Proportionaldruckregelung berücksichtigt die steigenden Widerstände der Rohre und Armaturen bei höheren Durchflüssen. Die Pumpe regelt den Druck abhängig von der Durchflussmenge bis auf 50% des maximalen Drucks der jeweiligen Kennlinie. Dadurch kann bei geringeren Fördermengen zusätzlich Energie eingespart werden.

Grafiken: Leistung einer Heizungspumpe mit und ohne Druckregelung

Bild FW-EnE-Heizungspumpen-1.JPG

Bild FW-EnE-Heizungspumpen-2.JPG

Der Strombedarf von Heizungsumwälzpumpen ist in aller Regel zwar nicht sehr hoch, jedoch sind je nach Anlagenstruktur sehr viele Umwälzpumpen im Einsatz um die Verbraucher mit Wärme zu versorgen. Zusätzlich zum eingesparten Strom können bei Wärmerückgewinnungsanlagen aus Verbrennung, Trocknung oder Blockheizkraftwerken oft die Temperaturdifferenzen zwischen Vorlauf und Rücklauf erhöht werden. Meist wird bei diesen Anlagen mit Überströmventilen gearbeitet, um Druckdifferenzen zwischen Vorlauf und Rücklauf auszugleichen. Dies führt zu einer Temperaturanhebung im Rücklauf und zu einem schlechteren Wirkungsgrad der Wärmetauscher der Rückgewinnungsanlagen. Mit geregelten Heizungspumpen sind diese Überstromregelungen hinfällig. Die erhöhte Temperaturdifferenz steigert den Wirkungsgrad der Wärmetauscher bei gleicher Förderleistung.

Die Entscheidung ob ungeregelte Pumpen selbst, mit Frequenzumformer und Druckmessungen, umgebaut werden oder ob sich Pumpen mit integrierter Druckreglung lohnen hängt von den betrieblichen Gegebenheiten ab.

Das Einsparpotential ist bei großen Schwankungen von Fördermengen besonders groß. Die Stromersparnis beträgt je nach Pumpe und den Randbedingungen bis 30%. Der Umbau oder ein Ersatz durch geregelte Pumpen rechnet sich schon nach wenigen Jahren. Auch im privaten Haus kann es sich lohnen nachzusehen ob noch eine ungeregelte Pumpe für die Heizungsumwälzung im Einsatz ist. Für den Privatbereich wird mit Ersparnissen bis 70% geworben.

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel haben, dann freuen wir uns auf Ihre E-Mail an Fachwissen@klaerwerk.info

Autor: CS

Private Entsorger provozieren Abwasserverteuerung in Höhe von 800 Mio. € pro Jahr

0

AöW: Bundesregierung muss BDE-Beschwerde wegen Versteuerung öffentlicher Abwasserdienstleistungen zurückweisen

Die AöW fordert die Bundesregierung auf, mit einer eindeutigen Stellungnahme zur EU-Beschwerde des Bundesverbandes der privaten Entsorgungswirtschaft (BDE) und dessen Forderung nach einer Versteuerung öffentlicher Abwasserdienstleistungen eine sinnlose Verteuerung des deutschen Abwassers zu verhindern. Untersuchungen, die auch im Auftrag der Bundesregierung durchgeführt wurden, zeigen nämlich, dass die Einführung solch einer Steuerpflicht die Kosten der Abwasserbeseitigung um voraussichtlich mehr als 10 % verteuern würden.

Dazu erklärt der Präsident der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft, Dr. Jochen Stemplewski: „Dem BDE geht es mit seiner Beschwerde im Kern um Privatisierung durch dieHintertür – nicht um Steuergerechtigkeit oder günstigere Leistungen für die Bürger! Der BDEwill lukrative private Abwassergeschäfte ermöglichen, auch um den Preis neuer zusätzlicherSteuerlasten. Und höhere Steuern zahlt bekannter Weise am Ende doch immer der Bürger! Als hoheitliche und damit nicht auf Markt- und Gewinnerzielung ausgerichtete Aufgabe kann die Abwasserbeseitigung nicht der Mehrwertsteuer unterliegen. Im Interesse einer sicheren und kostengünstigen Leistung für die Bürger muss es weiter uneingeschränkt möglich sein, dass die Gemeinden, öffentliche Zweckverbände und sondergesetzliche Wasserwirtschaftsverbände diese öffentliche Aufgabe ohne zusätzliche Steuerlasten ausüben. Deshalb sollte die Bundesregierung gegenüber der EU klar und eindeutig Stellung gegen die Beschwerde beziehen.“

Die Abwasserbeseitigung ist nach dem Recht des Bundes und der Länder eine hoheitliche Aufgabe, die grundsätzlich von Körperschaften öffentlichen Rechts wie den Kommunen als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge wahrzunehmen ist. Dies geht zurück auf das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes und auf das grundgesetzlich verbriefte Selbstverwaltungsrecht der Kommunen, die eigenen Verhältnisse zu regeln. Es ist zugleich mit der Pflicht verbunden, überall und jederzeit Garant der ordnungsgemäßen Erfüllung dieser Aufgabe im jeweiligen Einzugsgebiet zu sein

Kommunen und andere zuständige Körperschaften öffentlichen Rechts sind bei der Durchführung dieser hoheitlichen und damit nicht etwa auf Gewinnerzielung ausgerichteten Aufgabe nicht steuerpflichtig.

Der BDE will nun mit seiner Beschwerde erreichen, dass die Gemeinden und andere öffentliche Träger der Abwasserbehandlung umsatzsteuerpflichtig werden. Zur Begründung führen die privaten Entsorger an, die Nichtbesteuerung der Leistung öffentlicher Einrichtungen führe zu Wettbewerbsverzerrungen zum Nachteil privater Unternehmer, die auch auf dem Feld der Abwasserbeseitigung tätig werden wollten. Nach der gesetzlichen Regelung im Wasserrecht gibt es aber einen Wettbewerb nicht; denn die gesetzlichen und öffentlichen Aufgabenträger konkurrien weder untereinander noch mit Privatunternehmen.

Das trägt der Tatsache Rechnung, dass es sich dabei um ein sensiblen Infrastrukturbereich und eine Aufgabenstellung von großer öffentlicher Bedeutung handelt, was insbesondere mit den großen Gefahren beim Versagen der Systeme zusammenhängt. Zudem sind Abwasserbeseitigung und Wasserversorgung jeweils auf ein Gebiet festgelegt („natürliches Monopol“). Die Bürger können schon strukturell nicht die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern, d.h. konkurrierenden Leitungssystemen, vor ihrer Haustür haben. Alles andere wäre betriebswirtschaftlich und volkswirtschaftlich unsinnig.

Daher ist es sachlich begründet und vernünftig, dass die Abwasserbeseitigungspflicht insbesondere auch den Gemeinden übertragen ist, die diese Aufgabe zum Teil selbst, durch Eigenbetriebe, Anstalten öffentlichen Rechts oder Mitwirkung in Zweckverbänden oder sondergesetzlichen Wasserwirtschaftsverbänden als juristische Person des öffentlichen Rechtes wahrnehmen. Allerdings bedienen sich die öffentlichen Körperschaften zur praktischen Durchführung dieser Aufgabe in vielen Fällen privater Unternehmen als Dienstleister. Nach aktuellen Erhebungen münden mehr als 70 % des mit der Abwasserentsorgung verbundenen Aufwandes der zuständigen öffentlichen Körperschaften in Aufträge an Privatunternehmen, etwa im Bereich der Bauleistungen, aber auch bei vielen Unterhaltungsaufgaben. Private wirken also heute schon vielfältig bei der praktischen Abwicklung der Abwasserentsorgung mit. Aus der Sicht der AÖW will der BDE deshalb mit seiner Beschwerde nicht etwa einen Lückenschluss im Steuerrecht oder im Wettbewerbsrecht erreichen. Ihm geht es vielmehr um die Übernahme von Abwasseraufgaben als neuem Geschäftsfeld für seine Unternehmen. Deshalb stören sich seine Mitglieder an kommunalen Gestaltungsspielräumen.