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Mechanische Reinigung feinblasiger Druckbelüftungselemente

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Eine Umfrage im Rahmen der ÖWAV-Kläranlagennachbarschaften im Jahr 2003 hat ergeben, dass von 321 Anlagen mit Druckbelüftungssystemen 117 Anlagen (100%) den Druck messen und notieren. Von diesen 117 Anlagenbetreibern geben 40 (34 %) an Probleme mit steigendem Druck zu haben. Führt man eine Druckberechnung mit den Einblastiefen und auf Basis von Erfahrungswerten durch, zeigt sich, dass bei mindestens 63 Anlagen (54%) erhöhte Druckverluste vorliegen. Details sind in [1] enthalten.

Die Tatsache, dass feinblasige Belüfter aus ,,starrporösem“ Material während der Einsatzdauer einen steigenden Druckverlust aufweisen ist seit langem bekannt [2], [3]. Wie Beobachtungen in den letzten Jahren gezeigt haben, treten auch bei Belüftern aus Elastomeren, zum Teil nach kurzer Betriebszeit (wenige Wochen), deutlich erhöhte Druckverluste auf.

Allgemeine Hinweise für die Messung des Druckverlustes
Auf jeder Anlage mit einem Druckbelüftungssystem sollte zumindest ein mobiles Druckmessgerät (mit einer Auflösung von mindestens 0,1 kPa = 1 hPa = 1 mbar) zur Überprüfung der Druckverhältnisse zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der laufenden Kontrolle der Drücke vorhanden sein. Damit kann die zeitliche Entwicklung des Druckverlustes der Belüfter dokumentiert werden. Diese Daten sind, wenn es Probleme mit steigenden Druckverlusten gibt, für die Beurteilung der Situation und Entscheidungsfindung
für die weitere Vorgangsweise von entscheidender Bedeutung.

Für die Druckmessungen sind im Rohrleitungssystem (bevorzugt an jedem Belüfterfeld) Anschlussstutzen (z.B. ½“) vorzusehen.

Hinweis: Die Druckmessungen sind nur aussagefähig, wenn ein definierter Luftvolumenstrom (z.B. ein Gebläse volle Drehzahl) eingestellt und die Einblastiefe (1mWS entspricht ca. 98 mbar) im Belebungsbecken, ohne Luftbeaufschlagung, gemessen und notiert wurde!

Ursachen für steigenden Druckverlust

Veränderungen des Membranmaterials: Es ist bekannt, dass nach einigen Jahren Betrieb ein Verlust von Inhaltsstoffen (z. B. Weichmacher) und damit Veränderungen der Materialeigenschaften (z.B. Zugfestigkeit, Reißdehnung, IRHD, etc.) auftreten können.

Mikroorganismen – EPS (Extrazelluläre Polymere Substanz): Es wird auch die Theorie verfolgt, dass durch bestimmte Mangelerscheinungen (Sauerstoff, Nährstoffe, ….) vermehrt sogenannter ,,Zwischenraumschleim“ – EPS gebildet wird, der in der Folge die Poren verklebt [4].

Bildung von verstopfenden Ablagerungen in den Poren:
Durch die Verschiebung der des Kalk­Kohlensäure­Gleichgewichts im Bereich der Poren kann die Abscheidung von Kalk auftreten. Neueste Versuchsergebnisse zeigen, dass in den Poren häufig auch Phosphor und Silizium gefunden wird. Es gibt Hinweise, dass für die Bildung dieser mineralischen, nicht kalkhältigen, Verbindungen neben dem Löslichkeitsprodukt der Stoffe auch das Vorhandensein von Abwasserinhaltsstoffen (z.B. Ammonium, Nitrat, Aluminium, Eisen, …) aber auch das Auftreten von elektrischen Ladungen von Bedeutung sind. Hervor- zuheben ist in diesem Zusammenhang auch der Einfluss der Luftfeuchte in den Luftleitungen, speziell beim Austritt aus der Pore. Je trockener die Luft ist, umso stärker werden Abwasserinhaltsstoffe aufkonzentriert und desto eher kommt es zu Ausfällungen. Außerdem treten in Luftströmungen unter ca. 60% relativer Feuchte statische Aufladungen auf, die wiederum die Bildung von verstopfenden Ablagerungen beeinflussen. Details dazu findet man in [5] und [6].

Eine detaillierte Betrachtung der möglichen Ursachen für ansteigende Druckverluste bei
feinblasigen Druckbelüftungssystemen ist z.B. in [7] und [8] zu finden.

Reinigungsmethoden
Grundsätzlich ist zwischen Reinigungsmethoden bei denen das Belebungsbecken außer Betrieb genommen werden muss, und jenen, wo der Anlagenbetrieb aufrechterhalten werden kann, zu unterscheiden. Die Verfahren mit entleertem Becken können weiter aufgetrennt werden in solche, wo die Belüfter ausgebaut werden und solche, wo die Belüfter nicht ausgebaut werden müssen. Häufig angewendete Methoden sind :

•  Säuredosierung (z.B. für Kalkausfällungen).
Dehnung des Membranmaterials.
Mechanische Reinigung
Befüllen der Rohrleitungen und Belüfterelemente mit Reinigungsflüssigkeit

Weiter Informationen über unterschiedliche Reinigungsmethoden findet man in [2] und [9].

Anwendungsbeispiele
Die mechanische Reinigung ist als Wartungsmaßnahme zu sehen. Je nach Geschwindigkeit des Anstieges des Druckverlustes muss entschieden werden, ob eine Reinigung als einzige Maßnahme sinnvoll ist oder nicht. Ist die Zeitspanne zwischen zwei Reinigungen kurz (wenige Monate), so ist langfristig nach anderen Möglichkeiten zur Begrenzung des Druckanstieges zu suchen.

Im Folgenden wir über Erfahrungen und Ergebnisse mit der Reinigung mittels Hochdruckreinigungsgerät berichtet.

In den beschriebenen Anwendungsfällen konnte durch die Reinigung der Druckverlust der Belüfterelemente deutlich reduziert werden. Im laufenden Betrieb wurde über sehr unterschiedliche Zeitspannen wieder ein Anstieg des Druckes beobachtet.

Mechanische Reinigung mit Dreckfräse
Vor der Reinigung muss das Becken bis zu den Belüftern entleert werden. Vorteilhaft ist, dass für die Reinigung die Belüfter nicht demontiert werden müssen. Wichtig ist, dass mit einer Dreckfräse (rotierender Wasserstrahl) gearbeitet wird. Bei leistungsstarken Hochdruckreinigungsgeräten empfiehlt es sich die Belüfterelemente gering mit Wasser überdeckt zu lassen (z.B. 10cm).

Die Methode kann für Platten und Tellerbelüfter mit nach oben gerichteter Abgasungsfläche eingesetzt werden. Bei Rohrbelüftern ist die Zugänglichkeit an der Unterseite schlecht und die Reinigung mit dem Hochdruckreiniger daher weniger empfehlenswert.

In der Vergangenheit wurden die Belüfterelemente häufig zerlegt und versucht die Membranen von beiden Seiten mit dem Hochdruckreinigungsgerät sauber zu machen. Der Effekt waren blanke Oberflächen, aber die verstopfenden Ablagerungen in den Poren wurden durch diese Vorgangsweise nicht entfernt. Lässt man die Belüfter montiert, beaufschlagt sie gering mit Luft (Falls mehrere Becken mit einem Gebläse beschickt werden, muss die Luft zum entleerten Becken eingedrosselt werden!) und behandelt die abgasenden Flächen mit dem rotierenden Wasserstrahl der Dreckfräse, werden die verstopfenden Ablagerungen aus den Poren herausgewaschen.

In der folgenden Tabelle 1 sind die Daten von Anlagen, auf denen die Methode eingesetzt wurde, zusammengestellt.

Tabelle 1: Anlagendaten – Mechanische Reinigung mit Dreckfräse

  Anlagen-
größe 
Becken-
volumen 
Einblas-
tiefe 
Belüftertype;
Material 
Anzahl
Belüfter 
Belüfter-
fläche 
Industrie-
anteil 
  [EW]  [m³]  [m]      [m²]   
Anlage 1  800.000  4 x 11.000
4 x 12.500
7,1  Platten
0,15 x 4,0 m
Polyurethan
2600  1500  hoch 
Anlage 2  30.000  2 x 1.400  3,8  Teller 300 mm
EPDM
420  30  mittel 
Anlage 3  30.000  2 x 1.300  4,2  Platten
1,0 x 3,6 m
Polyurethan
52  187  gering 

Fallbeispiel Anlage 1
Auf der Anlage 1 ist der Druckverlust innerhalb des ersten Betriebsjahres von ca. 7,0 kPa
auf 14,0 kPa angewachsen. Durch den hohen Druckverlust der Membranen kamen die
Turboverdichter an die Leistungsgrenze (Pumpbetrieb) und die erforderliche Sauerstoffversorgung konnte nicht sichergestellt werden. Um die Anlage betreiben zu können musste daher rasch gehandelt werden. Man entschloss sich die Becken nacheinander zu entleeren und die Belüfter mechanisch, mittels Schmutzfräse, zu reinigen.

Die Entleerung erfolgte bis ca. 10 cm oberhalb der Belüfter. Die Belüfter wurden während
der Reinigung gering mit Luft beaufschlagt. Nun wurde die abgasende Oberfläche der Be-
lüfterplatten mehrmals mit einem rotierenden Hochdruckwasserstrahl (Dreckfräse) über-
strichen.

Bei einer mittleren Luftbeaufschlagung konnte der Druckverlust der Membran von 14.0
kPa vor der Reinigung auf 7.0 kPa nach der Reinigung gesenkt werden. Vom Hersteller
wurde für die gewählte Luftbeaufschlagung der Druckverlust für einen neuen Belüfter mit
ca. 6.5 kPa angegeben. Eine anschließend durchgeführte mikroskopische Untersuchung
an der gereinigten Membran hat gezeigt, dass eine geringe Restverschmutzung verblie-
ben ist. Der Zeitaufwand für die Reinigung der Belüfterplatten eines Beckens (ca. 330
Stück), ohne Entleeren und Befüllen, betrug ca. 5 Tage. 

Fallbeispiel Anlage 2
Auf der Anlage 2 wurde versucht den Unterschied zwischen einer Reinigung mit und ohne
rotierendem Wasserstrahl zu zeigen. Dazu wurde an einem Tellerbelüfter eine Testreini-
gung im ausgebauten Zustand durchgeführt. Die Abbildung 1 zeigt den Druckverlust in
Abhängigkeit des Luftdurchsatzes vor der Reinigung, nach der Reinigung mit ,,normalem
Fächerstrahl“ und nach der zusätzlichen Reinigung mit rotierendem Wasserstrahl. Nach-
dem der Beweis der Wirksamkeit der Methode auch bei EPDM Tellerbelüftern erbracht
war, wurden alle Belüfter in beiden Becken mit rotierendem Wasserstrahl gereinigt. Der
Zeitaufwand für die Reinigung der Belüfterelemente beider Becken, mit Entleeren und Be-
füllen, betrug ca. 2 Tage.

Abbildung 1: Druckverlust einer Membran der Anlage 2 in Abhängigkeit des Luftdurchsatzes durch einen Belüfter
Bild Reinigung-1.jpg

Fallbeispiel Anlage 3
Die Belüfterelemente auf der Anlage 3 waren ca. 10 Jahre im Einsatz und in dieser Zeit 2
mal mit einem Hochdruckreinigungsgerät gereinigt worden. Im Zuge des anstehenden
Ausbaues der Kläranlage wurden die Belüfterplatten getestet. Dazu wurde eine Platte ent-
nommen und über einen externen Seitenkanalverdichter mit Luft versorgt. Der Luftvolu-
menstrom zur Platte wurde mit einem Schwebekörperdurchflussmesser ermittelt. Die Rei-
nigung erfolgte mittels Hochdruckreinigungsgerät mit Dreckfräse (siehe Abbildung 2). Da
mit der Platte noch weitere Untersuchungen angestellt wurden, wurde nur ca. 75% der
abgasenden Fläche gereinigt. Zur Dokumentation der Wirkung wurde der Differenzdruck in
Abhängigkeit des Luftdurchsatzes vor und nach der Reinigung ermittelt (siehe Abbildung
3).

Abbildung 2: Plattenreinigung auf der Anlage 3
Bild Reinigung-2.jpg

Abbildung 3: Druckverlust der Belüfterplatte vor und nach der Reinigung von 75 % der Oberfläche
Bild Reinigung-3.jpg

Vom Hersteller wurde für den Neuzustand bei einer Luftbeaufschlagung von 10 mN³/m²/h
ein Druckverlust von 5,5 kPa angegeben.

Wirtschaftliche Betrachtungen
Bei Problemen mit verstopften Belüftern empfiehlt es sich jedenfalls die Kosten für die ge-
planten Maßnahmen abzuschätzen und dem Nutzen gegenüberzustellen.

In der Regel am einfachsten und schnellsten ist der Austausch der Belüftermembranen
durchzuführen. Diese Maßnahme ist jedoch nur dann empfehlenswert, wenn die Belüfter
beschädigt sind, bereits ein gewisses Alter (z.B. 3 Jahre) haben oder nur geringen Stück-
zahlen benötigt werden. Außerdem sollte sichergestellt sein , dass das vorhandene Prob-
lem damit gelöst werden kann und nicht in kurzer Zeit, auch mit den getauschten Belüf-
tern, wieder auftritt.

Der Nutzen der aus der Reduktion des Druckverlustes zu ziehen ist, liegt in geringeren
Energiekosten für die Belüftung, in der geringeren Beanspruchung der Gebläse aber ganz
wesentlich im Gewinn an Betriebssicherheit (kein Ausfall der Gebläse durch Überlast;
keine beschädigten Belüfter).

Die Energiekostenersparnis ist näherungsweise gleich dem prozentuellen Anteil der
Druckerhöhung im Gesamtsystem. Am Beispiel der Anlage 2 wurde durch die Reinigung
eine Reduktion des Systemdrucks von 46,2 auf 42,5 kPa erreicht. Daraus ergibt sich eine
Reduktion von ca. 9 %, dementsprechend geht auch der Energieverbrauch der Belüftung
um ca. 9% zurück.

Literatur 

[1]  W. Frey: Fragebogen Belüftungssysteme – Ergebnisse der Umfrage Frühjahr 2003, In-
formationsreihe Betriebspersonal Abwasseranlagen
, KAN Folge 11, 2003 
[2] EPA: Design Manual ,,Fine Pore Aeration Systems“, Environment Protection
Agency
, EPA/625/1-89/023, 1989 
[3] U. Keller: Langzeitversuche mit verschiedenen Druckbelüftern und mit
Luftmengenregulierung der ARA Altenrhein; Verbandsbericht Nr.: 216, 1982,
Verband Schweizer Abwasserfachleute 
[4] M. Wagner: Neue Tendenzen bei der Belüftungstechnik; WAR Schriftenreihe Band
134; Seite 1-29, 2001 
[5] US Patent (1954): Method and Apparatus for Preventing the Clogging of Diffuser
Media. United States Patent 2,689,714 
[6] Österreichisches Patent: Luftbefeuchtung bei Druckbelüftungssystemen, Nr.:
411.252, 2003 
[7] W. Frey: Betriebserfahrungen mit Belüftungssystemen, Informationsreihe
Betriebspersonal Abwasseranlagen; KAN Folge 10, 2002 
[8] W. Frey, C. Thonhauser: Betriebsprobleme mit Druckbelüftungssystemen; Wiener
Mitteilungen Band 183; 2003 
[9] U. Bretscher, W.H. Hager: Die Reinigung von Abwasserbelüftern, gwf 124, 1983,
Heft 6 

Dipl.-Ing. Dr. Wilhelm Frey
Ingenieurkonsulent für Maschinenbau
Abwassertechnische Ausbildung und Beratung
Leobendorf / Hofgartenstraße 4/2
A-2100 Korneuburg
Telefon : ++43 (0) 2262 68 173
Fax: ++43 (0) 2262 66 385
e-mail: aab.frey@aon.at 

Das Hirn des Torwarts beim Elfmeter: Spickzettel half Jens Lehmann tatsächlich

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Wie man seine Reaktion verbessern kann

Blitzschnell hechtete Jens Lehmann, Torwart der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 2006, genau in die richtige Ecke und hielt zwei von vier Elfmeterschüssen der Argentinier auf sein Tor – Argentinien war besiegt, Lehmann ein Star. Welche Rolle hat dabei der Spickzettel gespielt, auf den Lehmann zwischen den Torschüssen immer mal wieder blickte? Hat es geholfen, zu lesen, dass Cruz häufig nach rechts schießt und Ayala nach links unten? Diese Frage versuchen Neurobiologen der Ruhr-Universität um Prof. Dr. Klaus-Peter Hoffmann zu beantworten. Sie untersuchen den Zusammenhang zwischen Vorhersagbarkeit und der Reaktionszeit bestimmter Bewegungen steuernder Nervenzellen im Gehirn.

Ein Affe blickt auf den springenden Punkt

Wichtige Hirnstruktur für die Verarbeitung von visuellen Informationen und die Steuerung von Bewegungen ist der Colliculus Superior. Er liegt wie ein Hügelchen auf dem Dach des Mittehirns und setzt eingehende Sinneseindrücke in Bewegungen der Augen, des Kopfes, der Arme und des Rumpfs um. Unter anderem werden hier die Blicksprünge (Sakkaden) gesteuert, die wir etwa dreimal pro Sekunde ausführen. Um die Auswirkungen von Vorbereitung auf die Reaktionszeit der Nervenzellen im Colliculus Superior zu untersuchen, trainierten die Forscher einen Rhesusaffen auf ein einfaches Experiment: Er sollte einen kleinen Punkt auf einem Monitor vor ihm mit den Augen fixieren und ihm mit den Augen folgen. Der Punkt wechselte zweimal seine Position: In einer Phase sprang er immer an dieselbe, vorhersagbare Stelle, in einer Phase sprang er an wechselnde, unvorhersagbare Orte.

Reaktionszeit verkürzt sich deutlich

Die Forscher beobachteten während dieses Experiments die Augenbewegungen des Affen und maßen die Aktivität seiner Hirnzellen im Colliculus Superior. Es zeigte sich, dass die Zeitverzögerung, mit der das Auge dem Punkt folgt, bei vorhersagbaren Sprüngen deutlich kürzer war als bei unvorhersagbaren: Sie verkürzte sich von durchschnittlich 223 auf 165 Millisekunden. Wenn der Affe sowohl wusste, wohin, als auch wann der Punkt springen würde, war die Reaktionszeit besonders kurz, und auch die Nervenzellaktivität im Colliculus Superior unterschied sich deutlich von der bei unvorhersagbaren Sprüngen. Fazit: Die Vorbereitung durchs Spicken hat Jens Lehmann also tatsächlich helfen können.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Klaus-Peter Hoffmann, Fakultät für Biologie der Ruhr-Universität Bochum, 447780 Bochum, Tel. 0234/32-24363, E-Mail: kph@neurobiologie.rub.de
Über das Projekt berichtet auch das aktuelle Wissenschaftsmagazin RUBIN: http://www.rub.de/rubin

Weitere Informationen:

http://www.rub.de/rubin

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news239346

Forscher entdecken Rauchergen

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Ein EU-finanziertes Forschungsprojekt hat ein mutiertes Gen identifiziert, das zu Nikotinabhängigkeit führt. Dabei handelt es sich um die bestimmte Variante eines menschlichen Gens, das als Nikotinrezeptor funktioniert und sich auf das Rauchverhalten auswirkt. Etwa die Hälfte der Menschen mit europäischer Abstammung trägt mindestens eine Kopie dieser genetischen Variante in sich. Zwar spielt sie keine Rolle, ob jemand mit dem Rauchen anfängt – jedoch erschwert sie das Aufhören. Das europäische Projekt namens GENADDICT (Genomik, Mechanismen und Behandlung von Sucht) wurde vom 6. EU-Rahmenprogramm für Forschung und vom U.S. National Institutes of Health mit 8,1 Millionen Euro gefördert. Auch eine deutsche Arbeitsgruppe beteiligt sich an der integrierten, multidisziplinären Forschergemeinschaft.
EU-Forschungskommissar Janez Potočnik sagte: „Dieser Durchbruch ist dem Fachwissen und dem Engagement der europäischen Wissenschaftler zu verdanken, aber auch deren zunehmender Zusammenarbeit. Die Europäische Union unterstützt die Gesundheitsforschung seit über 20 Jahren und wir sehen jetzt klar den Nutzen dieser Zusammenarbeit. Dadurch werden weitere entsprechende Maßnahmen in diesem Zusammenhang ergänzt, die von der Europäischen Kommission im Bereich der öffentlichen Gesundheit gefördert werden“.
Bislang war weitgehend unbekannt, weshalb manche Menschen leichter nikotinabhängig werden und somit unter anderem ein um 30 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko und andere Krankheiten riskieren. Die Ergebnisse gelten als Meilenstein für die Identifizierung genetischer Risikofaktoren und der Gene, die an Sucherkrankungen beteiligt sind. GENADDICT führt bei der Identifizierung der für diese und andere Suchterkrankungen verantwortlichen Gene die Arbeit von führenden öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen in Europa zusammen. In dem Projekt arbeiten zwölf Arbeitsgruppen aus sieben europäischen Ländern. Die beteiligte deutsche Arbeitsgruppe gehört der Organisation „Life&Brain GmbH“ an.
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http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/index_7699_de.htm

Klärgasgewinnung und Energieerzeugung aus Klärgas

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Ein Viertel der Kläranlagen Baden-Württembergs gewinnt bei der Klärschlammbehandlung Klärgas. Während die Anzahl dieser Klärwerke in den letzten 10 Jahren relativ stabil blieb, stieg die Zahl der Kläranlagen mit eigener Stromerzeugung deutlich. Dabei wird das Klärgas mehrheitlich am Standort der Kläranlage zur Energieerzeugung eingesetzt und die erzeugte Energie überwiegend selbst verbraucht. Die erzeugte Strommenge stieg seit 1998 in Baden-Württemberg stärker als in Deutschland insgesamt. Im Ortenaukreis befinden sich die meisten Kläranlagen mit Klärgasgewinnung und Stromerzeugung im Land. Wenn in Baden-Württemberg von erneuerbaren Energien die Rede ist, denken viele zunächst an die Wasserkraft, die bei der Stromerzeugung mit 60 % den größten Anteil an den erneuerbaren Energien stellt. Auch die Sonnen- und Windkraftenergie haben in der Öffentlichkeit einen relativ hohen Bekanntheitsgrad. Weniger präsent ist hingegen die Strom- und Wärmeerzeugung aus Klärgas, welche überwiegend in den Kläranlagen selbst erfolgt. In Kläranlagen fällt im Abwasserreinigungsprozess Schlamm an. Wird die Behandlung dieses Rohschlamms unter Ausschluss von Sauerstoff (sogenannte anaerobe Stabilisierung) vorgenommen1, entsteht in den Faulbehältern Klärgas. Es enthält als energetisch wichtigste Komponente das Methangas, außerdem Kohlendioxid, Wasserstoff und einige Spurengase. Der Methangasanteil liegt in den baden-württembergischen Kläranlagen im Mittel bei 65 %. Für die Energieerzeugung kann es zum Beispiel in Heizwerken oder Blockheizkraftwerken eingesetzt werden. Aufgrund des hohen Methangehaltes ist Klärgas besonders klimaschädlich und darf nicht in die Atmosphäre entlassen werden.

Den ganzen Bericht lesen Sie unter: http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Monatshefte/PDF/Beitrag08_03_11.pdf#search=%22stromerzeugung%22

Bundesländerspezifische Potenziale von Blockheizkraftwerken und Brennstoffzellen auf Kläranlagen in Deutschland

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Dr. Markus Blesl, Michael Ohl

Klärgas, ein Nebenprodukt kommunaler Kläranlagen, kann zur Produktion von Strom und Wärme genutzt werden. Derzeit werden dafür deutschlandweit mehr als 700 Blockheizkraftwerke eingesetzt. Im Folgenden wird das technische Potenzial der Klärgasverstromung durch Brennstoffzellen bzw. Blockheizkraftwerke (BHKW) in Deutschland ermittelt. Das technische Potenzial umfasst die bei gegebenem Klärgasaufkommen auf Kläranlagen in Deutschland maximal installierbaren Kapazitäten der verschiedenen Technologien zur Klärgasverstromung und die damit gewinnbaren Strommengen. Beispielsweise können mit dem aktuellen Klärgasaufkommen in Deutschland1 durch den Einsatz von Brennstoffzellen pro Jahr 1,23 TWh Strom erzeugt werden, wodurch die Emissionen um mehr als 700 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr (CO2/a) gesenkt werden könnten. Die vorliegende Untersuchung ist ein Projekt der Universität Stuttgart, durchgeführt im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg im Rahmen des Forschungsdatenzentrums. Klärgasnutzung und Stromerzeugung in Deutschland In über 1 100 kommunalen Kläranlagen in Deutschland fielen im Jahr 2004 insgesamt mehr als 4 400 GWh Klärgas an. Dieses Nebenprodukt der Abwasserreinigung kann zur Produktion von Strom und Wärme genutzt werden, womit der Energiebedarf von Kläranlagen zumindest teilweise gedeckt werden kann. Hierzu werden derzeit auf mehr als 700 Kläranlagen motorische Blockheizkraftwerke (BHKW) eingesetzt, mit denen 2004 eine kumulierte Stromproduktion von 865 GWh ermöglicht wurde. Mit der Brennstoffzelle schickt sich nun eine neue Technologie an, den BHKW Konkurrenz zu machen. Im nachfolgenden Beitrag werden die technischen Potenziale des Brennstoffzelleneinsatzes auf deutschen Kläranlagen für einzelne Bundesländer ermittelt. Gleichzeitig wird auch die Frage behandelt, welche Spielräume der etablierten BHKW-Technologie bleiben bzw. welche Möglichkeiten des BHKW-Einsatzes bisher ungenutzt blieben. Um das vorhandene Potenzial der Nutzung von Klärgas2 in Brennstoffzellen abzuschätzen, werden alle Kläranlagen mit anaerober, das heißt sauerstoffloser, Schlammstabilisierung erfasst, da nur diese Klärgas produzieren. Kläranlagen werden größenmäßig nach Einwohnerwerten (EW) kategorisiert. Die EW-Zahl besteht aus der Einwohnerzahl des Einzugsgebiets und den Einwohnergleichwerten, die unter anderem das Abwasseraufkommen aus der Industrie beziffern. Die Kläranlagen werden in Größenklassen von 1 (unter 1 000 EW) bis 5 (über 100 000 EW) eingeteilt. Zur besseren Einordnung wurde die Größenklasse 4 (10 000 bis 100 000 EW) für die Potenzialbestimmung in die Unterklassen 4a (10 000 bis 50 000 EW) und 4bc (über 50 000 bis 100 000 EW) differenziert. Da kleinere Kläranlagen überwiegend den Schlamm aerob, das heißt unter Sauerstoffeinsatz und damit ohne Klärgasanfall, stabilisieren, kommen in Deutschland nur 1 156 von insgesamt ca. 6 600 Kläranlagen für die Potenzialabschätzung infrage. Auf diesen Kläranlagen werden jährlich rund 4 400 GWh Klärgas produziert (Tabelle 1). Der größte Anteil der Klärgasproduktion (64 %), der installierten BHKW-Leistung und der erzeugten Strommengen entfällt auf die Kläranlagen der Klasse 5. Die Klasse 4a besitzt aufgrund der höheren Anlagenzahl eine höhere kumulierte Klärgasproduktion als Klasse 4bc.

1 Die Werte beziehen sich auf das Jahr 2004.
2 Angaben aus der Klärgasstatistik in Verbindung mit der Statistik der öffentlichen Abwasserbehandlung 2004. Statistische Ämter des Bundes und der Länder; Forschungsdatenzentren, Stuttgart, 2006.

Dr.-Ing. Markus Blesl ist Leiter der Fachgruppe „Energiesystem- und Technikanalyse“ am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart.
Dipl.-Ing. Michael Ohl ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am gleichen Institut.

Bei den ersten Demonstrationsprojekten mit der neuen Technologie Brennstoffzelle standen noch grundsätzliche technische Fragen im Mittelpunkt. Mittlerweile wurden in diesen Punkten Fortschritte erzielt, sodass nun auch die Nutzung biogener Brennstoffe untersucht wird. Den Anfang machte bereits im Jahr 2000 eine PAFC (phosphoric acid fuel cell, Phosphorsäurebrennstoffzelle), die auf einem Kölner Klärwerk installiert wurde. In den Folgejahren wurden vor allem MCFC (molten carbonate fuel cell, Schmelzkarbonatbrennstoffzelle) zur Nutzung biogener Gase installiert, zuletzt 2007 auf einer Stuttgarter Kläranlage.

Umwelt, Verkehr, Tourismus
Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 3/2008 49 Die Klassen 1 bis 3 spielen wegen der geringen Anzahl an Anlagen und des geringen Klärgasaufkommens keine nennenswerte Rolle bei der Klärgasverstromung. Die sich aus diesen Daten ergebenden Potenziale für den Neubau und die kapazitive Optimierung bereits bestehender Stromerzeugungsanlagen auf Kläranlagen werden in den folgenden Abschnitten thematisiert. Bestimmung des technischen Neubaupotenzials von Anlagen zur Klärgasverstromung Obwohl ein Betrieb von BHKW auf Kläranlagen wirtschaftlich möglich ist, wird heute noch in 430 der betrachteten 1 156 Kläranlagen das Klärgas höchstens zur Wärmeerzeugung in Kesseln genutzt. Bei der Ermittlung des technischen Neubaupotenzials werden alle Kläranlagen ohne eigene Stromerzeugung berücksichtigt. Als Untergrenze für die BHKW-Leistung werden 25 kW zugrunde gelegt. Bei einer entsprechenden Auslegung kann eine Jahresnutzung von 7 500 Volllaststunden erreicht werden. Unter diesen Rahmenbedingungen beträgt das Neubaupotenzial von BHKW 34,8 MW mit einer Stromproduktion von 261 GWh/a (Tabelle 2). Ein besonders hohes technisches Neubaupotenzial für BHKW ergibt sich mit 221 zusätzlichen Anlagen für die Klasse 4a. Trotz der geringeren Anzahl von 33 Anlagen entfällt jedoch das größte Neubaupotenzial auf die Klasse 5 mit einer elektrischen Leistung von 16,6 MW und einer möglichen Stromerzeugung von 122 GWh/a. Brennstoffzellen haben zwar einen höheren elektrischen Wirkungsgrad als BHKW, erreichen aber wegen der höheren Mindestanlagengröße (250 kW) nur ein ähnlich großes Neubaupotenzial wie BHKW-Anlagen. 26 Kläranlagen ohne Kennzahlen klärgasproduzierender Kläranlagen in Deutschland 2004 T1 nach Größenklassen Größenklasse EW-Bereich Ausbau-EW Anlagen Davon mit BHKW Klärgasproduktion Inst. BHKWKapazität.  

http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Monatshefte/PDF/Beitrag08_03_12.pdf#search=%22stromerzeugung%22

Mehr Gas, weniger Schlamm

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Neues Homogenisator/Dekanter-Verfahren optimiert Biogasgewinnung

Westfalia Separator biogasplus erhöht die Biogasausbeute um 25 Prozent und senkt die Schlammmenge um den gleichen Wert. Die intelligente Kombination von Homogenisatoren und Dekanterzentrifugen öffnet der Klärschlamm-Aufbereitung eine neue Dimension der Wirtschaftlichkeit. Das neue Kombinationsverfahren Westfalia Separator biogasplus verknüpft Niederdruck-Homogenisatoren von GEA Niro Soavi und Dekanter der Westfalia Separator Umwelttechnik zu einer effizienten Prozesslinie ohne Schnittstellen. Der gesamte Prozess liegt in den Händen von Westfalia Separator Umwelttechnik. Der Kunde erhält damit sowohl seine individuelle Lösung als auch alle Komponenten der bewährten Plug and Play-Funktionseinheiten aus einer Hand. Westfalia Separator biogasplus lässt sich einfach durch die Installation eines externen Kreislaufs am Faulbehälter realisieren. Bevor der Dekanter den Faulschlamm optimal entwässert, wird der Faulschlamm mit dem Niederdruck-Homogenisator aufbereitet. Der Schlamm wird dabei unter Druck durch ein Homogenisier-Ventil geführt, um die Agglomerate aufzuspalten und die Mikroorganismen wieder zu vereinzeln, d.h. zu homogenisieren. Auf diese Weise vergrößert sich die Reaktionsfläche, was wiederum zu einer erhöhten Gas-Produktion und einer verminderten Schlamm-Menge führt. Der Druck wird bei diesem Verfahren so gewählt, dass die Zellen intakt bleiben, nicht aufgeschlossen oder desintegriert werden. Die Faulzeiten sind geringer, bei der Entwässerung werden weniger Flockungshilfsmittel benötigt und es gibt keine erhöhte CSB-Rückbelastung. Westfalia Separator biogasplus reduziert zudem schlammstrukturbedingte Betriebsstörungen wie Schwimm- und Blähschlamm oder ein Schäumen des Faulbehälters nachhaltig. Bei einem Neubau minimieren sich die Kosten um bis zu 25 Prozent durch das geringer benötigte Faulbehälter-Volumen. Auch bei der Nachrüstung bestehender Anlagen ergeben sich kurze Amortisationszeiten. Dabei wird das Westfalia Separator biogasplus-Konzept optimal an die Gegebenheiten vor Ort angepasst.

News und Presseinformationen
15.04.2008

Editing:
Westfalia Separator GmbH
PR/Media
Tel: +49 2522 77-2172

Der gezähmte Drache

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Forscher der TU Berlin entwarfen umweltgerechtes Konzept zum Wasser-Recycling im Olympischen Park von Peking

„Grün“ sollen die Spiele in Peking werden, das haben sich die Chinesen fest vorgenommen. Kein einfaches Ziel angesichts der extrem umweltbelasteten chinesischen Metropole. Die Luftqualität wird mithilfe kurzfristiger Einschränkungen und Verordnungen verbessert. Für das Wasser bedurfte es schon einer längerfristigen Anstrengung. Wasserforscher der TU Berlin haben einen großen Anteil daran. Nach mehrjährigen Pilotversuchen in Pekinger Klärwerken wird nun das wiederaufbereitete Abwasser in den 75 Hektar großen „Drachensee“ auf dem olympischen Gelände eingelassen. An der Umsetzung des Recycling-Konzepts waren die TU-Forscher beteiligt.

„Wasser ist schon länger knapp in Peking“, erläutert der TU-Wasserreinhaltungsexperte Prof. Dr. Martin Jekel. „Die Stadt ist in den letzten Jahren dynamisch gewachsen. Bei den relativ geringen Niederschlägen und hohen Förderraten sind die Grundwasserpegel seit 1980 um jährlich ein bis zwei Meter gefallen.“ Zur Olympiade will Peking aber mit großzügigen Grün- und Wasserflächen beeindrucken, ohne die Grundwasserressourcen weiter zu belasten. Da musste ein nachhaltiges Recycling-Konzept her.

China definiert Standards

Es wurden zwischen 2000 und 2007 also 17 neue Klärwerke in der Umgebung gebaut, die das kommunale Abwasser sammeln und zur Wiederverwendung aufbereiten sollen. Dadurch konnte das städtische Abwasser, das 1998 nur zu 22 Prozent behandelt wurde, nun zu 90 Prozent behandelt werden. Davon sollen nun 50 Prozent in verschiedenen Bereichen der Stadt wiederverwendet werden, zum Beispiel in Springbrunnen. Auch definierten die chinesischen Behörden inzwischen Qualitätsstandards für das aufbereitete Abwasser, die beispielsweise bei den Grenzwerten für koliforme Bakterien nur geringfügig über den US-Standards liegen.

Das Projekt „Nachhaltiges Wasserkonzept und dessen Anwendung für den Olympischen Park 2008“, koordiniert von der DHI-Wasy GmbH, führte die TU Berlin in Zusammenarbeit mit den Pekinger Abwasserbetrieben (Beijing Drainage Group), der Tsinghua University und dem Brandenburger Institut für angewandte Gewässerökologie durch, gleichermaßen gefördert vom deutschen (BMBF) und vom chinesischen Forschungsministerium (MOST).
Bedacht werden musste, dass das Wasser im See, der nur ein bis zwei Meter tief ist, sich zeitweilig auf bis zu 30 Grad Celsius aufheizt. Der nördliche begrünte und bewaldete Teil des Parks soll neben den Seen ebenfalls mit Recyclingwasser bewässert werden. Außerdem wird das recycelte Wasser im zentralen Bereich der Spielstätten und Sportlerunterkünfte für Toilettenspülungen sowie als Springbrunnenwasser eingesetzt. Mit einem Membranbioreaktorverfahren (MBR) werden nun Kohlenstoff, Stickstoffverbindungen und Phosphat biologisch entfernt. Nach dem Passieren der Membran ist das Filtrat praktisch partikelfrei und kann für die Bewässerung eingesetzt werden. Für die Seen muss allerdings mehr Phosphat entfernt werden, um Algenwachstum zu vermeiden. „Das erreichen wir durch ein speziell von uns entwickeltes Material auf Basis von granuliertem Eisenhydroxid, abgekürzt GEH“, erklärt Martin Jekel.

Spezial-Uferfiltrat für die Drachenseen

Das GEH wird inzwischen durch eine Unternehmensausgründung bereits weltweit zur Trinkwasseraufbereitung und Arsenentfernung vertrieben. Für die Pekinger Drachenseen wurde weiterhin ein spezielles Uferfiltrat-Verfahren zur Entfernung von Partikeln, Bakterien und organischen Verbindungen vorgeschlagen. Das Phosphatverfahren wird den Chinesen noch viele Jahre umweltgerechtes Wirtschaften ermöglichen. Das mit Phosphaten aufgeladene GEH-Material kann nämlich nach entsprechender Regeneration der Rückstände zu Dünger aufbereitet werden. Und auch die TU-Wasserforscher bleiben dran: Ein Folgeprojekt steht in den Startlöchern.

Dr. Kristina R. Zerges, Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin
26.05.2008

Weiterführende Links:
Homepage des Projektes „Nachhaltiges Wasserkonzept und dessen Anwendung für die Olympischen Spiele 2008 – TP 4: Abwasserbehandlung und -wiederverwendung“: itu107.ut.tu-berlin.de/peking08/

Homepage des Projektes Nachhaltiges Wasserkonzept für den Olympischen Park, Beijing 2008: www.olympic-water.com:
www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.itu107.ut.tu-berlin.de/peking08/
http://www.olympic-water.com

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Rente mit 67? Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen fühlen sich fit genug!

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58 Prozent der Arbeitnehmerinnen in Deutschland glauben, Ihrer Arbeit auch mit 67 Jahren noch gewachsen sein zu können, 42 Prozent sehen dabei Schwierigkeiten – das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Instituts für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund im Auftrag von INQA. Befragt wurden insgesamt 1.800 weibliche Arbeitskräfte der Jahrgänge 1947 bis 1964. Das Ziel der Studie „Rente mit 67 – Voraussetzungen zur Weiterarbeitsfähigkeit älterer Arbeitnehmerinnen“: Frühzeitig mögliche Problembereiche zu identifizieren, um Personal-verantwortlichen aber auch den Beschäftigten selbst Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Dass die Studie nur die weiblichen Beschäftigten in den Mittelpunkt stellt, kommt nicht von ungefähr: Frauen haben nach wie vor geringere Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten als Männer, sie verdienen weniger und sind vielfach in der Situation, Kindererziehung bzw. Pflegearbeit und Beruf zu vereinbaren. Frauen arbeiten außerdem eher in Teilzeit oder in zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnissen und sind in der Regel schlechter gegen soziale Risiken abgesichert. „Gelingt es nicht, Frauen ausreichend beim Erreichen der neuen Altersgrenze von 67 Jahren zu unterstützen, droht nicht nur ein unzureichendes Alterseinkommen für die Betroffenen, auch der Wirtschaft insgesamt gehen dringend benötigte Arbeitskräfte verloren“, erläuterte INQA-Sprecher Dr. Rainer Thiehoff am Montag bei der Vorstellung der Studie, deren Idee und Projektbegleitung auf den INQA-Initiativkreis „30, 40, 50plus – Älterwerden in Beschäftigung“ zurückgeht.
Als besondere Hindernisse bei der Rente mit 67 sehen die Befragten ihre gesundheitlichen Voraussetzungen, vorherrschende Arbeits-bedingungen, die persönliche bzw. familiäre Situation sowie die Qualifikation. Auch wenn sich die Beschäftigten selbst in der Pflicht sehen, aktiv zu werden: von den Unternehmen erwarten sie vor allem Maßnahmen im Bereich der Gesundheitsförderung und Qualifizierung. Weitere interessante Ergebnisse der Studie beziehen sich auf die Aktivitäten, denen Arbeitnehmerinnen schon heute nachkommen, um ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten sowie Unterschiede zwischen Branchen und Statusgruppen. „INQA wird die Studie zum Anlass nehmen, den Wissenstransfer im Bereich der Beschäftigungsfähigkeit zu forcieren und passgenaue Informationsangebote zu machen“, so Thiehoff.

INQA ist ein Zusammenschluss von allen, die in Deutschland für eine neue Qualität der Arbeit eintreten. Beteiligt sind zahlreiche Organisationen – vom Bund und den Ländern bis hin zu Unternehmen, Gewerkschaften, Stiftungen und Sozialversicherungsträgern. Das Motto von INQA lautet: „Wertschöpfung durch Wertschätzung“. Dahinter steckt der Gedanke, dass Deutschland nur dann im globalen Wettbewerb bestehen kann, wenn es effizientes und effektives Wirtschaften mit einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur verbindet. INQA wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiiert und wird operativ von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) begleitet.
Ole Lünnemann, Referat für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Dortmund

Pressemitteilung vom 20.05.2008
Kontakt:
Prof. Dr. Gerhard Naegele, Ruf: 755-2870/-2826

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Tier-Antibiotika: Mit der Gülle auf die Felder

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Mehrere tausend Tonnen Antibiotika werden jedes Jahr in der EU vor allem an landwirtschaftliche Nutztiere wie Schweine, Rinder oder Geflügel verabreicht. Die Tiere scheiden bis zu 90 Prozent davon unverändert wieder aus; mit dem Mist oder der Gülle landen die hochreaktiven Wirkstoffe dann auf den Feldern. Seit 2005 untersuchen deutsche Forscher am Beispiel der weit verbreiteten Tierantibiotika Sulfadiazin und Difloxacin, was mit den Medikamenten danach passiert. Nach ersten Erkenntnissen scheinen die Substanzen aus dem Boden nicht in das Grundwasser zu gelangen. Allerdings beobachteten die Wissenschaftler eine Anreicherung resistenter Mikroorganismen. Das Verbundprojekt unter Federführung der Landwirtschaftlichen Fakultät an der Universität Bonn geht nun in die zweite Runde: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert es für weitere drei Jahre.
Wenn man einen Acker mit Sulfadiazin-belasteter Gülle düngt, verschwindet das Medikament wie von Zauberhand: Schon nach wenigen Tagen lässt sich nur noch die Hälfte der ursprünglich ausgebrachten Substanz mit Wasser aus dem Erdreich herauslösen, nach einem Monat scheint gar kein Sulfadiazin mehr im Boden vorhanden zu sein. Mit anderen Antibiotika sieht das ähnlich aus. Doch wirklich „weg“ sind die Tierarzneien nicht: „Ein kleiner Anteil wird augenscheinlich in mikroskopisch feinen Bodenporen eingeschlossen und kann dort vermutlich viele Jahre überdauern“, erklärt der Bonner Bodenkundler Professor Dr. Wulf Amelung. Biologisch aktiv scheinen die Substanzen in dieser Form nicht mehr zu sein. Die Bonner Wissenschaftler werden nun unter anderem untersuchen, ob Sulfadiazin aus den Bodenporen wieder freigesetzt werden kann und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

Amelung ist der neue Sprecher der Forschergruppe „Tierarzneimittel in Böden“, die von der DFG seit 2005 gefördert wird. Zusammen mit Kollegen aus Aachen, Berlin, Braunschweig, Dortmund, Jülich, München, Osnabrück und Trier und mit praktischer Unterstützung der Lehr- und Forschungsstation Frankenforst untersuchen die Wissenschaftler, ob Sulfadiazin und Difloxacin im Boden Schaden anrichten können. Denn diese Tierantibiotika können Bodenbakterien hemmen bzw. abtöten und damit das natürliche Mikroorganismen-Gleichgewicht und die daran gekoppelten Nährstoffkreisläufe empfindlich stören. Zudem besteht die Gefahr, dass sich im Boden resistente Bakterien anreichern und später vielleicht ihre Resistenzgene an menschliche Krankheitserreger weiter geben. Darüber hinaus könnten Tierantibiotika über den Boden ins Grund- und Trinkwasser gelangen und schließlich vom Menschen direkt aufgenommen werden. „Zumindest für die von uns untersuchten Zielstoffe halten wir diesen Weg allerdings inzwischen für unwahrscheinlich“, betont Amelung.

Was die Resistenzbildung anbelangt, können seine Kollegen und er allerdings keine Entwarnung geben. „Schon mit der Gülle gelangen resistente Bakterien aufs Feld“, sagt er. Dank der Nährstoffe in den Tierexkrementen können sich die Mikroben dort überdies gut vermehren. „Im Oberboden beobachten wir daher eine Anreicherung von Gen-Resistenzen“, erklärt Amelung.

Interessanterweise sorgen bestimmte Boden-Mikroorganismen sogar von sich aus für Sulfadiazin-Nachschub. Weil Rinder und Schweine das Medikament bereits verstoffwechseln, enthält die Gülle neben dem eigentlichen Antibiotikum auch diverse Ab- und Umbauprodukte. Bodenbakterien können daraus wieder funktionsfähiges Sulfadiazin zurückbauen und so vorübergehend seine Konzentration im Boden weiter erhöhen.

Pressemitteilung 29.05.2008
Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Kontakt:
Professor Dr. Wulf Amelung
Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES)
Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2780 oder -81
Email: wulf.amelung@uni-bonn.de

 

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Ein neues und effektives Verfahren zur Regenwasserbehandlung mit hohem Wirkungsgrad zeigen Bayreuther Hydrologen

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Ein neues und effektives Verfahren zur Regenwasserbehandlung mit hohem Wirkungsgrad zeigen Bayreuther Hydrologen
Am Lehrstuhl Hydrologie der Universität Bayreuth wurde in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft ein neuartiges Filtersubstrat konzipiert, das höchste Wirkungsgrade bei der Elimination von Phosphor aus Abwasser und Regenwasserabflüssen aufweist. Grundlage der Phosphatrückhaltung ist ein neuer Prozess der Phosphat-Festlegung Mehr unter

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