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Schlanke Wärmedämmung

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Dünne und trotzdem leistungsfähige Dämmplatten sind teuer. Als High-end-Produkte werden sie heute in energiesparende Kühlschränke eingebaut. Innovative Komponenten und Produktionsverfahren sollen jetzt die Kosten senken – damit auch Häuslebauer von der neuen Technik profitieren.
Steigende Heizölkosten haben in Deutschland einen Renovierungsboom ausgelöst. Um die Energiekosten zu senken, investieren immer mehr Hausbesitzer in wärmedämmende Fassaden. Die marktüblichen Dämmschichten haben jedoch einen Nachteil: Sie tragen auf. Die etwa 20 Zentimeter dicke Außenhaut verändert die Optik des Gebäudes und kann erhebliche Folgekosten verursachen – neue, tiefere Fensterbretter müssen montiert, mitunter sogar Dächer verlängert werden. Fraunhofer-Forscher entwickeln jetzt Folien für ein Material, mit dem sich Häuser künftig ohne große, zusätzliche Umbaumaßnahmen dämmen lassen: Vakuumisolationspaneele, kurz VIPs. Die Platten sind etwa zwei Zentimeter dick und dennoch genauso leistungsfähig wie eine klassische 15 Zentimeter starke Dämmschicht aus Polyurethanschaum. Das Innenleben der VIPs besteht meist aus pyrogener Kieselsäure. Eine Hightech-Folie hält das Material zusammen – sie sorgt dafür, dass keine Luft nach innen dringt.

Dr. Klaus Noller vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising und Prof. Gerhard Sextl vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg waren an der VIP-Entwicklung von Anfang an beteiligt. Jetzt wollen sie die Platten fit machen für eine kostengünstige Massenproduktion. »Der Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Folien: Sie entscheiden über Qualität, Lebensdauer und Preis«, weiß Noller. »Das derzeit gängige Herstellungsverfahren ist aufwändig und teuer: Drei von fünf Lagen Kunststoff müssen mit Aluminium bedampft und miteinander verklebt werden. Dafür sind sieben Prozessschritte notwendig, das treibt die Preise in die Höhe.« Die teuren VIPs kommen derzeit nur dort zum Einsatz, wo Platzsparen etwas kosten darf: beispielsweise in hochwertigen Kühl- und Gefrierschränken.

Die neue Folie lässt sich einfacher produzieren, denn sie besteht aus nur zwei Kunststofffolien mit drei Barriereschichten: Eine mit Aluminium bedampfte Kunststofffolie wird mit einer Mikrometer dünnen Lage ORMOCER® beschichtet – eine Erfindung des ISC, und dann nochmal mit Aluminium bedampft. ORMOCER®e enthalten ein anorganisches Silizium-Sauerstoff-Netzwerk, das über eine organische Matrix vernetzt ist. Die Mischung macht das Material ungewöhnlich dicht und stabil. »Damit ist es ideal für die Isolation der Dämmplatten«, resümiert Noller. »Gase und Flüssigkeiten können die ORMOCER®-Schicht nur schwer passieren.« Die neuen Isolationsfolien lassen sich in nur fünf Schritten fertigen. Zunächst wird eine Folie bedampft, dann die ORMOCER®-Schicht aufgebracht, ein zweites Mal bedampft, bevor man zum Schluss die Barrierefolie auf einer Siegelfolie fixiert. »Das Endprodukt ist besser und günstiger als die Isolationsfolien, die bisher auf dem Markt sind«, erläutert Sextl.

Auch die Herstellung der VIP-Dämmelemente haben die Forscher optimiert: Am Fraunhofer-Anwendungszentrum für Verarbeitungsmaschinen und Verpackungstechnik AVV in Dresden haben sie ein automatisiertes Verfahren zur automatischen und schonenden Umhüllung der Kieselsäurekerne mit der Hochbarrierefolie entwickelt. Folie und Herstellungsverfahren sind mittlerweile patentiert. Sobald die neuen VIPs in großen Stückzahlen produziert würden, werde der Preis fallen. Dann seien die dünnen Paneele auch für die Bauindustrie interessant, davon sind Sextl und Noller überzeugt.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher den Produktionsprozess noch weiter vereinfachen und Langzeittests durchführen. Bisher mussten die Paneele nur zwölf Jahre durchhalten – das entspricht der mittleren Lebensdauer eines Kühlschranks. Die Baubranche stellt höhere Anforderungen: Fünfzig Jahre sollte eine Fassade halten. Noller und seine Kollegen testen jetzt die Stabilität von Folien und Dämmelementen in Klimakammern, die den jahreszeitlichen Wechsel von Hitze und Frost, Feuchtigkeit und Trockenheit simulieren. Die Ergebnisse sollen schon in wenigen Monaten vorliegen.

Die neue Oberflächengewässerverordnung (OGewV): Strategien und normative Anforderungen

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Zusammenfassung
Die am 25. Juli 2011 in Kraft getretene neue Oberflachengewässerverordnung
(OGewV) regelt bundeseinheitlich grundlegende
Aspekte des Schutzes, der Überwachung und der
Bewertung der Oberflachengewässer entsprechend den Anforderungen
der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Die
Verordnung setzt ferner EU-Vorgaben zu Umweltqualitätsnormen,
zu Qualitätsanforderungen an die Analytik und zur Interkalibrierung
in nationales Recht um. Sie enthält zudem Vorschriften
zur Kategorisierung, Typisierung und Abgrenzung
von Oberflächenwasserkörpern sowie zur Festlegung von Referenzbedingungen.
Sie formuliert unter anderem Maßgaben
an die Bestandsaufnahme der Belastungen und setzt Vorgaben
zum chemischen und zum ökologischen Zustand bzw.
Potenzial, zum Beispiel über die Festlegung flussgebietsspezifischer
Umweltqualitätsnormen (UQN). Normen für 162 Schadstoffe
werden mit der OGewV zum ökologischen Zustand geregelt,
davon sind 13 neu. UQN für weitere Stoffe (darunter drei
Arzneimittel) wurden zurückgestellt, unter anderem weil sie
derzeit im Rahmen von EU-Prioritätsfestsetzungsverfahren auf
Relevanz geprüft werden. 2012 will die EU-Kommission die
UQN-RL novellieren. Diese und andere notwendige Arbeiten
wie die Festlegung von weiteren Werten für allgemeine physikalisch-
chemische Qualitätskomponenten oder die Festlegung
meeresschutzbezogener Umweltqualitätsnormen, wie
sie bei den EU-weit geregelten Stoffen bereits realisiert sind,
werden eine Überarbeitung der OGewV voraussichtlich 2013
erfordern.

Den ganzen Artikel lesen Sie In der Korrespondenz Abwasser Heft 12-2011 ab Seite 1145

Autoren
Dr. Ulrich Irmer, Dr. Anja Duffek, Dr. Andreas Hoffmann, Dagmar
Larws, Dr. Volker Mohaupt, Dieter Schudoma, Anne-Barbara
Walter, Jorg Wellmitz
Abteilung „Wasser und Boden“
Umweltbundesamt

Neue Möglichkeiten zur Behandlung von Faulschlamm

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Ein Verfahren, das sich bereits für die Stickstoff-Düngergewinnung aus Gärresten bewährt hat, wird von österreichischen und deutschen Forschern und Ingenieuren für den Einsatz in Kläranlagen angepasst. Während mit den bekannten Verfahren der Strippung nur das Faulwasser nach der Schlammentwässerung behandelt werden kann, ist mit dem ANAStrip®-Verfahren auch die Behandlung des nicht entwässerten Faulschlamms ohne Zusatz von Säuren, Laugen oder sonstigen Konditionierungsmitteln möglich. Das eröffnet neue Möglichkeiten der ökonomischen Vernetzung von Pro-zessabläufen auf einer Kläranlage mit der Düngergewinnung aus Faulschlamm.

Einsparpotenzial durch Stickstoffrückgewinnung aus Faulschlamm
Die in Kläranlagen gelangenden Stickstofffrachten werden mit konventionellen Verfahren biologisch zu Luftstickstoff umgewandelt und sind somit für den Wirtschaftskreislauf verloren. Gewinnt man den Ammonium-Stickstoff aus dem Faulschlamm als Dünger zurück, kann man die Stickstofffracht im Ablauf der Kläranlage um ca. 20 bis 30 % reduzieren. So wird die Belastung für die Gewässer vermindert und gleichzeitig ein mineralischer Stickstoffdünger produziert. Die Stickstoffrückgewinnung auf Kläranlagen führt zu einem erheblichen Einsparungspotential. Nach deutschem Abwasserabgabengesetz besteht die Möglichkeit der Verrechnung von Schmutzwasserabgaben mit den Investitionskosten bei einer Frachtreduzierung. Zusätzlich zur Senkung der Stickstofffracht im Ablauf der Kläranlage kann durch die Reduktion der Stickstoff-Rückbelastung aus dem Klärschlamm im Belebungsbecken Belüftungsenergie eingespart werden.

Vorteile der direkten Faulschlammbehandlung
Im ANAStrip®-Verfahren System GNS erfolgt die Behandlung des nicht entwässerten Faulschlamms bei ca. 70°C unter leichtem Unterdruck ohne Zusatz von Konditionierungsmitteln, Säuren oder Laugen, wobei die Anlagentechnik robust und verschmutzungsunempfindlich ist. Der gestrippte Faulschlamm ist von Ammonium weitgehend befreit. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist, dass auf teure Schwefelsäure verzichtet werden kann und die Bindung des Ammoniumstickstoffs mit preisgünstigem REA-Gips erfolgt. Als Düngeprodukt wird nicht nur die klassische Ammoniumsulfatlösung sondern auch kohlensaurer Kalk gewonnen. Letzterer kann zur Düngung aber auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden. Bei Preisen um 700 €/t Stickstoff und 25 €/t Kalk und darüber sind die Produkte wirtschaftlich interessant.

Darüber hinaus bietet das Verfahren zusätzliche Vorteile:

Deutliche Reduktion an Konditionierungsmitteln für die Schlammentwässerung. Im GNS-Forschungslabor, wurden Reduktionen um 20 % und darüber beim Einsatz von Polymeren oder Eisen(III)chlorid und Kalk als Fällmittel gefunden.  
Fast vollständige Phosphatausfällung, was bei Polymerkonditionierung letztlich eine Fällmitteleinsparung für die P-Elimination bringt.  
Verbesserung des Abbaus im Faulturm, wenn ein Teil des gestrippten Faulschlamms in den Faulturm zurückgeführt wird. In Laborgärtests wurde mit dem gestrippten Faulschlamm 50 bis 70 % mehr Methanertrag als mit dem unbehandelten Faulschlamm gemessen. Bezogen auf den Gesamtgasertrag im Faulturm ist eine Steigerung um ca. 10 % realistisch.  

Simulationstool zur ökonomischen Variantenprüfung
Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien, Department IFA Tulln und dem Ingenieurbüro DI Hitzfelder & DI Pillichshammer Ziviltechniker GmbH, Vöcklabruck, wurden Bilanzen für mehrere Klärwerke erstellt und die Wirkung der Einbindung des Verfahrens unter verschiedenen Randbedingungen geprüft. Da das ANAStrip®-Verfahren die Wärme aus dem BHKW nutzt, wurden Lösungen zur umfassenden Optimierung des Wärmekonzeptes entwickelt. Das Ingenieurbüro SSM – Technology in Nauen hat aus verschiedenen verfahrenstechnischen Möglichkeiten die geeigneten Varianten ermittelt. Mit einem umfassenden Simulationsmodell können verschiedene Varianten der Kombination des ANAStrip®-Verfahrens mit Kläranlagen geprüft, und die sich ergebenden Betriebskosten, die Wärmevernetzung und Erlösmöglichkeiten für einen spezifischen Anwendungsfall dargestellt werden.

Projekt „ANAKlär“ lädt Partner für Test einer Pilotanlage ein
Durch die AIM Technical Solutions GmbH, Timelkam, als Anlagenbauunternehmen werden die konstruktiven und wirtschaftlichen Details für die Anpassung des ANAStrip®-Verfahrens erarbeitet. Im Projekt „ANAKlär“, das durch die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft gefördert wird, ist als nächster Schritt die Konzeption und Realisierung einer Pilotanlage geplant. Hierfür werden interessierte Klärwerke als Kooperationspartner angesprochen. Mit der Errichtung und der wissenschaftlichen Begleitung des Betriebes einer Pilotanlage sollen die ökonomischen Vorteile des Verfahrens unter praxisnahen Bedingungen gezeigt und optimiert werden. Interessenten sind eingeladen, sich bei dem nachstehend genannten Ansprechpartner von AIM Technical Solutions GmbH zu melden.  

Kontakt:  AIM Technical Solutions GmbH 
  Martin Hubweber (MBA) 
  A-4850 Timelkam, Atterseestraße 56 
  Tel.: +43 (0) 76 72 92 550 – 0, e-mail: m.hubweber@aim-gmbh.at, www.aim-gmbh.at 
   
  GNS – Gesellschaft für Nachhaltige Stoffnutzung mbH 
  Dr. Ute Bauermeister 
  D-06120 Halle/Saale, Weinbergweg 23 
  Tel.: +49 (0) 345 5583 754, e-mail: u.bauermeister@gns-halle.de, www.gns-halle.de  
   
  Univ. f. Bodenkultur, Dept. IFA-Tulln 
  Prof. Dr. Werner Fuchs 
  A-3430 Tulln, Konrad Lorenz Strasse 20 
  Tel.: +43 (0) 2272 66280 -502, e-mail: werner.fuchs@boku.ac.at, www.ifa-tulln.ac.at  

Bild 1: Außenansicht einer ANAStrip®-Anlage
Bild FW-Schlamm-Jan-12-GNS-a.jpg

Bild 2: Wärmeflussschema einer in das Klärwerk eingebundenen ANAStrip®-Anlage
Bild FW-Schlamm-Jan-12-GNS-b.jpg

Rabenau: In Teilen Verstoß gegen Abgabengerechtigkeit

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Die Abwasser-Beitragssatzung der Gemeinde Rabenau verstößt teilweise gegen die Abgabengerechtigkeit. Zu diesem Urteil kam der fünfte Senat des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs. Die Gemeinde hatte bei der Sanierung der Kläranlage die Bürger auch an den Sanierungskosten für die Kanäle beteiligen wollen.
Dies wies der VGH zurück. Der Verwaltungsgerichtshof hatte gestern in mehreren Verfahren, in denen sich Anlieger der Gemeinde Rabenau gegen die Erhebung von Vorausleistungen auf Erneuerungs-/Erweiterungsbeiträge wandten, die Berufungen der beklagten Gemeinde gegen die Urteile des Verwaltungsgerichts Gießen zurückgewiesen. Das Verwaltungsgericht hatte die angefochtenen Vorausleistungsbescheide aufgehoben.

Die Gemeinde, so der VGH, erneuerte und erweiterte in einem von ihr so bezeichneten »Bauprogramm bis 2010« ihre Abwasseranlage, indem sie ihre beiden Kläranlagen sowie Teile des Kanalnetzes saniert …mehr:

http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Kreis/Staedte-und-Gemeinden/Rabenau/Artikel,-Rabenau-In-Teilen-Verstoss-gegen-Abgabengerechtigkeit-_arid,301204_regid,1_puid,1_pageid,59.html

Das Urteil lesen Sie unter:
https://portal.hessen.de/irj/VGH_Kassel_Internet?uid=59d20df7-9401-aa11-aeb6-df197ccf4e69

Bankräuber krabbeln aus Gully in die Arme der Polizei

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Maselheim. Dunkel, dreckig, feucht, stinkig – wer in die Welt der Kanalsysteme eintaucht, darf nicht sonderlich empfindlich sein. Und wer auf der Flucht vor der Polizei in dieser Unterwelt Zuflucht sucht, muss Gestank, Ratten und manches andere aushalten können. Denn wer zu früh den Kanaldeckel von unten lüpft und den Kopf ins Freie steckt, muss mit einem plötzlichen Klick von Handschellen rechnen. So haben es zwei Bankräuber erlebt, die in Maselheim ein Finanzinstitut überfallen und dann im Kanalsystem…

http://www.pz-news.de/baden-wuerttemberg_artikel,-Bankraeuber-krabbeln-aus-Gully-in-die-Arme-der-Polizei-_arid,306520.html

Bankräuber krabbeln aus Gully in die Arme der Polizei

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Maselheim. Dunkel, dreckig, feucht, stinkig – wer in die Welt der Kanalsysteme eintaucht, darf nicht sonderlich empfindlich sein. Und wer auf der Flucht vor der Polizei in dieser Unterwelt Zuflucht sucht, muss Gestank, Ratten und manches andere aushalten können. Denn wer zu früh den Kanaldeckel von unten lüpft und den Kopf ins Freie steckt, muss mit einem plötzlichen Klick von Handschellen rechnen. So haben es zwei Bankräuber erlebt, die in Maselheim ein Finanzinstitut überfallen und dann im Kanalsystem…

http://www.pz-news.de/baden-wuerttemberg_artikel,-Bankraeuber-krabbeln-aus-Gully-in-die-Arme-der-Polizei-_arid,306520.html

Auch intakte Gewässer produzieren Methan

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Übernutzte, nährstoffreiche Gewässer gelten als bedeutende Quelle für das klimaschädliche Gas Methan. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) fanden nun heraus, dass auch in Seen mit viel Sauerstoff und intakter Nährstoffbilanz Methan gebildet wird und in die Atmosphäre entweichen kann.
Binnengewässer blieben als Quelle von Treibhausgasen bislang eher unbeachtet. Forscher gehen aber davon aus, dass 70 Prozent des natürlichen Methangehalts der Atmosphäre aus Flüssen und stehenden Gewässern stammt. Bisher war wissenschaftlicher Tenor, dass hauptsächlich in nährstoffreichen und sauerstoffarmen Seen viel Methan produziert wird. Die Arbeitsgruppe von Hans-Peter Grossart vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei konnte nun in einer in PNAS publizierten Studie erstmals nachweisen, dass auch in nährstoffarmen und sauerstoffreichen Seen Methan gebildet wird.
Im Schlamm am Grunde eines Sees dringt der Sauerstoff nur wenige Millimeter tief ein. Sauerstoffmeidende (anaerobe) Bakterien zersetzen dort die sedimentierten Stoffe. Dabei können unter anderem Methan und Kohlendioxid entstehen. Diese Gase werden im Freiwasser von anderen Mikroorganismen genutzt, aber ein gewisser Anteil entweicht in die Atmosphäre. Je nach Nährstoffgehalt des Gewässers (Grad der Eutrophierung) unterscheidet sich die Aktivität der dort vorkommenden Bakteriengemeinschaften und damit die Menge an produziertem Methan und Kohlendioxid.
Am IGB forschen Wissenschaftler der Abteilung „Limnologie Geschichteter Seen“ daran, methanbildende und -verbrauchende Bakterien in Gewässern zu identifizieren. Im Stechlinsee, einem nährstoffarmen See, wiesen die Forscher in den gut durchlüfteten oberen zehn Metern Wassersäule eine Anreicherung von Methan nach. Die maximale Methanproduktion fand in sechs Metern Tiefe statt, wo die Sauerstoffkonzentrationen sogar übersättigt waren. „Der Grund für die erhöhten Methankonzentrationen ist, dass auch in den sauerstoffhaltigen Zonen des Sees Methan produziert wird und gleichzeitig die Produktion und die Oxidation von Methan räumlich getrennt stattfinden. In den Sommermonaten sind Seen wie der Stechlin stark geschichtet, so dass die methanoxidierenden Bakterien das in den gut durchlüfteten oberen Schichten des Sees gebildete Methan nicht abbauen können und dort daher erhöhte Methankonzentrationen auftreten“, erklärt Grossart.
Diese Freilandbeobachtungen ließen sich auch im Labor mit Seewasser und den entsprechenden Bakterien nachweisen. Die Methanproduktion wurde durch die Zugabe von Phosphor als Nährstoff nicht beeinflusst. Diese Ergebnisse zeigen, dass unabhängig vom Sauerstoffgehalt Methan in Seen gebildet werden kann. Die Wissenschaftler vermuten, dass die hierfür verantwortlichen Bakterien, potenziell methanbildende Archaeen sind (früher auch Urbakterien genannt), die in enger Assoziation mit bestimmten Algenarten vorkommen.
Durch die enge Kopplung der Mikroorganismen ist der direkte Transfer von molekularem Wasserstoff und organischen Verbindungen zu den Archaeen möglich, ohne dass der freie Sauerstoff die Methanbildung beeinflusst. Dies steht im krassen Widerspruch zu der langjährigen wissenschaftlichen Meinung, dass Methan nur in sauerstofffreiem Milieu gebildet werden kann. Die Umwandlung von Wasserstoff zu Methan in Anwesenheit von Sauerstoff bietet interessante biotechnologische Möglichkeiten.
„Darüber hinaus tut die Klimaforschung gut daran, die Rolle der Binnengewässer für den Ausstoß von Klimagasen stärker zu berücksichtigen“, so Grossart. Kollegen aus seiner Abteilung hatten in einer früheren Studie berechnet, dass im Sommer pro Hektar Wasserfläche eines nährstoffreichen, sauerstoffarmen Sees täglich 12.000 Liter klimarelevantes Gas entweicht und die Luft mit 6,2 Kilogramm Kohlenstoff belastet. „Angesichts einer Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometern, die Binnengewässer weltweit einnehmen, wird die Dimension des Problems klar“ meint Grossart. Auch wenn in einem intakten Gewässer wie dem Stechlinsee eine Methanbildung nachgewiesen werden konnte, sind vor allem stark mit Nährstoffen belastete Gewässer eine Quelle für klimarelevante Gase wie Methan und Kohlendioxid. „Den ökologischen Zustand von Gewässern zu verbessern ist demnach auch ein Beitrag zum Klimaschutz“, so Grossart.

doi: 10.1073/pnas.1110716108

Kontakt:
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Wissenschaftler:
Dr. Hans-Peter Grossart
Abteilung 3 Limnologie Geschichteter Seen,
Alte Fischerhütte2, 16775 Stechlin/OT Neuglobsow
033082 699 91
hgrossart@igb-berlin.de
Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.

Auch intakte Gewässer produzieren Methan

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Übernutzte, nährstoffreiche Gewässer gelten als bedeutende Quelle für das klimaschädliche Gas Methan. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) fanden nun heraus, dass auch in Seen mit viel Sauerstoff und intakter Nährstoffbilanz Methan gebildet wird und in die Atmosphäre entweichen kann.
Binnengewässer blieben als Quelle von Treibhausgasen bislang eher unbeachtet. Forscher gehen aber davon aus, dass 70 Prozent des natürlichen Methangehalts der Atmosphäre aus Flüssen und stehenden Gewässern stammt. Bisher war wissenschaftlicher Tenor, dass hauptsächlich in nährstoffreichen und sauerstoffarmen Seen viel Methan produziert wird. Die Arbeitsgruppe von Hans-Peter Grossart vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei konnte nun in einer in PNAS publizierten Studie erstmals nachweisen, dass auch in nährstoffarmen und sauerstoffreichen Seen Methan gebildet wird.
Im Schlamm am Grunde eines Sees dringt der Sauerstoff nur wenige Millimeter tief ein. Sauerstoffmeidende (anaerobe) Bakterien zersetzen dort die sedimentierten Stoffe. Dabei können unter anderem Methan und Kohlendioxid entstehen. Diese Gase werden im Freiwasser von anderen Mikroorganismen genutzt, aber ein gewisser Anteil entweicht in die Atmosphäre. Je nach Nährstoffgehalt des Gewässers (Grad der Eutrophierung) unterscheidet sich die Aktivität der dort vorkommenden Bakteriengemeinschaften und damit die Menge an produziertem Methan und Kohlendioxid.
Am IGB forschen Wissenschaftler der Abteilung „Limnologie Geschichteter Seen“ daran, methanbildende und -verbrauchende Bakterien in Gewässern zu identifizieren. Im Stechlinsee, einem nährstoffarmen See, wiesen die Forscher in den gut durchlüfteten oberen zehn Metern Wassersäule eine Anreicherung von Methan nach. Die maximale Methanproduktion fand in sechs Metern Tiefe statt, wo die Sauerstoffkonzentrationen sogar übersättigt waren. „Der Grund für die erhöhten Methankonzentrationen ist, dass auch in den sauerstoffhaltigen Zonen des Sees Methan produziert wird und gleichzeitig die Produktion und die Oxidation von Methan räumlich getrennt stattfinden. In den Sommermonaten sind Seen wie der Stechlin stark geschichtet, so dass die methanoxidierenden Bakterien das in den gut durchlüfteten oberen Schichten des Sees gebildete Methan nicht abbauen können und dort daher erhöhte Methankonzentrationen auftreten“, erklärt Grossart.
Diese Freilandbeobachtungen ließen sich auch im Labor mit Seewasser und den entsprechenden Bakterien nachweisen. Die Methanproduktion wurde durch die Zugabe von Phosphor als Nährstoff nicht beeinflusst. Diese Ergebnisse zeigen, dass unabhängig vom Sauerstoffgehalt Methan in Seen gebildet werden kann. Die Wissenschaftler vermuten, dass die hierfür verantwortlichen Bakterien, potenziell methanbildende Archaeen sind (früher auch Urbakterien genannt), die in enger Assoziation mit bestimmten Algenarten vorkommen.
Durch die enge Kopplung der Mikroorganismen ist der direkte Transfer von molekularem Wasserstoff und organischen Verbindungen zu den Archaeen möglich, ohne dass der freie Sauerstoff die Methanbildung beeinflusst. Dies steht im krassen Widerspruch zu der langjährigen wissenschaftlichen Meinung, dass Methan nur in sauerstofffreiem Milieu gebildet werden kann. Die Umwandlung von Wasserstoff zu Methan in Anwesenheit von Sauerstoff bietet interessante biotechnologische Möglichkeiten.
„Darüber hinaus tut die Klimaforschung gut daran, die Rolle der Binnengewässer für den Ausstoß von Klimagasen stärker zu berücksichtigen“, so Grossart. Kollegen aus seiner Abteilung hatten in einer früheren Studie berechnet, dass im Sommer pro Hektar Wasserfläche eines nährstoffreichen, sauerstoffarmen Sees täglich 12.000 Liter klimarelevantes Gas entweicht und die Luft mit 6,2 Kilogramm Kohlenstoff belastet. „Angesichts einer Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometern, die Binnengewässer weltweit einnehmen, wird die Dimension des Problems klar“ meint Grossart. Auch wenn in einem intakten Gewässer wie dem Stechlinsee eine Methanbildung nachgewiesen werden konnte, sind vor allem stark mit Nährstoffen belastete Gewässer eine Quelle für klimarelevante Gase wie Methan und Kohlendioxid. „Den ökologischen Zustand von Gewässern zu verbessern ist demnach auch ein Beitrag zum Klimaschutz“, so Grossart.

doi: 10.1073/pnas.1110716108

Kontakt:
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Wissenschaftler:
Dr. Hans-Peter Grossart
Abteilung 3 Limnologie Geschichteter Seen,
Alte Fischerhütte2, 16775 Stechlin/OT Neuglobsow
033082 699 91
hgrossart@igb-berlin.de
Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.

Buchenhofen: “Drachengebrüll” sorgte für nächtliche Notruf-Flut

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In den frühen Morgenstunden des 1. Dezember 2011 gingen bei der Polizeileitstelle Wuppertal insgesamt 65 Notrufe aus dem Wuppertaler Westen ein. In der Zeit ab 02.15 Uhr berichteten die besorgten Anrufer von undefinierbaren Geräuschen, die Palette der Mutmaßungen reichten dabei von Explosionen über Drachengebrüll bis hin zu Elefanten-Tröten…

http://www.cronenberger-woche.de/?p=15760

Aachener Verfahren revolutionieren die Kanalsanierung

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RWTH-Institut entwickelt seit 25 Jahren kostengünstige, zeitsparende und praktikable Lösungen zum Rohrleitungbau
„Inzwischen kann sich jeder Immobilienbesitzer eine Kanalsanierung oder -erneuerung leisten.“ Dr.-Ing. Joachim Beyert vom Institut für Baumaschinen und Baubetrieb (ibb) der RWTH Aachen weiß wovon er spricht. Das ibb hat als einziges deutsches Hochschulinstitut in den letzten 25 Jahren zahlreiche Verfahren zur kostengünstigen Sanierung von Kanälen und Hausanschlüssen entwickelt und über Firmenausgründungen in die Praxis überführt. Den zahlreichen Innovationen ist eins gemeinsam: Es werden keine Gräben aufgeworfen, keine Vorgärten umgegraben, keine Erdschollen bewegt – die Kanalsanierung nach Aachener Muster geschieht unterirdisch. Damit ist sie preiswerter und sauberer als herkömmliche Verfahren.

„Als vor über zwei Jahrzehnten der vielfach erneuerungsbedürftige Zustand der Abwasserkanäle in den Blick der Forschung geriet, begannen wir mit namhaften Firmen Methoden der Überprüfung und Sanierung zu entwickeln“, erinnert sich Dr. Beyert. Als Microtunneling bezeichnet man heute die Bohrtechnik, mit der damals begonnen wurde, Abwasserkanäle und Hausanschlüssen unterirdisch zu verlegen. Heute ist man dabei bei großen Querschnitten angelangt, wie sie zum Beispiel beim Umbau des Emschersystems von einem offenen Abwassersammler zu einem unterirdischen Abwassersystem benötigt werden.

Oft sind die Rohrleitungen aber noch intakt, nur die Rohrverbindungen defekt, sodass Abwasser austritt oder Grundwasser eintritt. Auch für diesen Fall haben die Aachener Bauingenieure ein Patentrezept entwickelt: Im Rahmen eines Projekts des NRW-Umweltministeriums entstand eine Methode, bei der die undichten Stellen mittels eines mineralischen Mörtels abgedichtet werden. Die Sanierung kommunaler Abwassernetze gestaltet sich damit erheblich preisgünstiger. Wenn zum Beispiel beim Kölner Kanalnetz mit einer Länge von 2.300 Kilometern alte Leitungen statt kostspielig erneuert, auf diese Weise kostengünstig repariert würden, lassen sich leicht Millionenbeträge einsparen.

Um wesentlich kleinere Größenordnungen geht es, wenn Hausanschlüsse defekt sind, hier aber trifft es den Eigentümer direkt. Statt einer neuen Rohrleitung können so genannte Schlauchliner eingebracht werden. Dabei handelt es sich um flexible Faserverbundleitungen, die die vorhandene Kanalisation auskleiden. Beim Schlauchrelining wird ein mit Kunstharz getränkter Faserschlauch in den Hausanschluss eingebracht und mit Druckluft bis zum Kanal vorgetrieben. Dann wird das Kunstharz ausgehärtet. Nur bei sorgfältiger Ausführung vor Ort erfüllt das Rohr im Rohr die entsprechenden Qualitätsanforderungen. Die Kosten liegen bei rund 250 bis 300 Euro pro Meter plus Baustelleneinrichtungskosten.

Kostengünstiger ist das jüngste Verfahren des Instituts für Baumaschinen und Baubetrieb. Hier wird ein vorgefertigtes, flexibles Kunststoffrohr mit 140 Millimeter Außendurchmesser, das damit in die herkömmlichen Abflussleitungen der Hausanschlüsse passt, eingebaut. Mit Hilfe einer Erdrakete – einem zylindrischen Stahlkörper mit Schlaghammer an der Spitze – wird das Kunststoffrohr vom Revisionsschacht bis zum Kanal vorgetrieben. Dieses Verfahren erweist sich als noch sicherer, zeitsparender und praktischer. Abhängig von der Länge des Hausanschlusses liegt der Finanzaufwand für diese Kanalsanierung bei 150 bis 200 Euro pro Meter plus Baustelleneinrichtungskosten. Im Eifeldorf Lammerdorf werden vom ibb derzeit 400 Grundstücksentwässerungsanlagen und die dazugehörigen Kanäle in einem ersten Schritt untersucht mit dem Ziel, im kommenden Jahr die erforderlichen Sanierungen mit diesen neuentwickelten Verfahren vorzunehmen. „Unsere Forschung verfügt insofern über einen extrem hohen Praxisbezug mit positiven Auswirkungen auf die Umwelt und den Geldbeutel der Betroffenen“, fasst Dr.-Ing. Joachim Beyert zusammen.

Toni Wimmer

Weitere Informationen erhalten Sie bei
Dr.-Ing. Joachim Beyert, Akademischer Direktor
Lehrstuhl für Baumaschinen und Baubetrieb (Ibb) der RWTH Aachen
Mies-van-der-Rohe-Straße 1
52074 Aachen
Tel.: 0241/80-251-46 oder -40
Fax: 0241/80-22290
mailto:beyert@ibb.rwth-aachen.de
Thomas von Salzen