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Leiter der Allianz Lebensversicherung: „Investitionen in Abwasserkanal bringt deutlich höhere Verzinsung als Staatsanleihen“

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Thomas Wiesemann, Leiter der Allianz Lebensversicherung, erklärte in einem Interview gegenüber Focus-Online, dass sie den neuen Abwasserkanal in London mitfinanzieren. Dies und weitere Investitionen, wie Parkuhren in Chicago, Erneuerbare Energien, Autobahnen, Raststätten und Tankstellen sowie Gaspipelines brächten eine deutlich höhere Verzinsung als Staatsanleihen und das mit einer großen Stabilität.

Die Allianz beteiligt sich in einem Konsortium an Investitionen für die Londoner Kanalisation. Das Konsortium besteht aus Pensionsfonds und anderen langfristigen Investoren, die bis zu 1,275 Milliarden GBP in den Thames Tideway Tunnel investieren.

Quelle und weitere Informationen:
http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/lebensversicherung/allianz-allianz-chef-erklaert-darum-ist-das_id_5851848.html

https://www.allianz.com/de/presse/news/finanzen/beteiligungen/150827_allianz-investiert-in-den-thames-tideway-tunnel.html/
 

 

Mit Amöben gegen Legionellen – Startschuss fürs erste biologische Biozid in Deutschland

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Das Unternehmen Aqua-concept darf das biologische Biozid Biomeba ab sofort deutschlandweit für die Bekämpfung der Mikrobiologie in Verdunstungskühlanlagen und Rückkühlwerken testen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat grünes Licht gegeben.
Lesen Sie, was das Biozid kann.
Gräfelfing – Biomeba ist ein Produkt des französischen Unternehmens Amoeba und hat sich dort bereits seit rund fünf Jahre in der Industrie etabliert, wie zahlreiche französische Referenzprojekte zeigen. Aqua-concept kooperiert seit Dezember 2015 mit Amoeba und hat sich die Exklusivrechte für den deutschlandweiten Testbetrieb

http://www.process.vogel.de/mit-amoeben-gegen-legionellen-startschuss-fuers-erste-biologische-biozid-in-deutschland-a-549345/?cmp=nl-254&uuid=1DC4B9E7-1718-4A70-B3EA-0C6A17F0F654
 

 

Doppelte Ernte auf gleicher Fläche

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In luftiger Höhe fangen Solarpanels Sonnenenergie auf. Darunter gedeiht Gemüse. So gewinnen Forscher doppelten Ertrag von der gleichen Fläche. Ihre Anlage, die erste in Deutschland, startet jetzt am Bodensee

Die Idee, landwirtschaftliche Flächen doppelt zu nutzen, hatte der Gründer des Fraunhofer Instituts für Solarenergie bereits in den 80er Jahren. Damals erschien Anton Goetzbergers Idee utopisch. Photovoltaik wurde lediglich in der Raumfahrt genutzt. Die BMBF-Förderung im FONA-Programm Nachhaltiges Landmanagement lässt seine Idee nun Realität werden. Die erste sogenannte APV-Anlage geht im baden-württembergischen Heggelbach in Betrieb.

Bis zum Jahr 2019 erforschen die Fraunhofer-Wissenschaftler, gemeinsam mit ihren Partnern wie den Landwirten des Demeter-Hofes Heggelbach die gleichzeitige Ernte von Solarenergie und Ackerfrüchten auf einer Fläche. Die Doppelnutzung durch Agrophotovoltaik hat hohen Mehrwert in Sachen Nachhaltigkeit: Die begrenzte Ressource Land wird zweifach genutzt. Zudem ergänzen sich die oft konkurrierenden Landnutzer Energieerzeuger und Landwirtschaft.

25 Meter breit und 136 Meter lang ist das Versuchsfeld. Die Solarmodule in sechs Meter Höhe erzeugen sauberen Strom, der für rund 62 Haushalte reicht. Unter der Anlage können bequem Landmaschinen fahren und die Felder bewirtschaften.

Die Idee, landwirtschaftliche Flächen doppelt zu nutzen, hatte der Gründer des Fraunhofer Instituts für Solarenergie bereits in den 80er Jahren. Damals erschien Anton Goetzbergers Idee utopisch. Photovoltaik wurde lediglich in der Raumfahrt genutzt. Die BMBF-Förderung im FONA-Programm Nachhaltiges Landmanagement lässt seine Idee nun Realität werden. Die erste sogenannte APV-Anlage geht im baden-württembergischen Heggelbach in Betrieb.

Bis zum Jahr 2019 erforschen die Fraunhofer-Wissenschaftler, gemeinsam mit ihren Partnern wie den Landwirten des Demeter-Hofes Heggelbach die gleichzeitige Ernte von Solarenergie und Ackerfrüchten auf einer Fläche. Die Doppelnutzung durch Agrophotovoltaik hat hohen Mehrwert in Sachen Nachhaltigkeit: Die begrenzte Ressource Land wird zweifach genutzt. Zudem ergänzen sich die oft konkurrierenden Landnutzer Energieerzeuger und Landwirtschaft.

25 Meter breit und 136 Meter lang ist das Versuchsfeld. Die Solarmodule in sechs Meter Höhe erzeugen sauberen Strom, der für rund 62 Haushalte reicht. Unter der Anlage können bequem Landmaschinen fahren und die Felder bewirtschaften.

Mehr:
https://www.fona.de/

 

 

 

Fokus Phosphor-Problematik: Internationale IPW8-Konferenz in Rostock zeigt Lösungen auf

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Vom 12. bis 16. September 2016 fand in Rostock der 8. Internationale Phosphor-Workshop (IPW8) mit dem Titel „Phosphor 2020: Herausforderungen für Synthese, Landwirtschaft und Ökosysteme“ statt. 230 Wissenschaftler aus aller Welt diskutierten mögliche Lösungen, die die aktuelle Forschung für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem begrenzt verfügbaren Rohstoff Phosphor anzubieten hat. Dabei gilt es, zum einen gravierende Umweltschäden wie Gewässerüberdüngung zu vermeiden und zum anderen die für die Welternährung essenzielle Phosphorversorgung durch nachhaltige Nutzung auch in Zukunft sicherzustellen.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Phosphorforschung der letzten Jahre zählen nach Auffassung der IPW8-Teilnehmer folgende Aspekte:

1. Phosphor-Düngung und Eintrag in Gewässer:
Auch die aktuellsten Forschungsergebnisse belegen, dass nach wie vor zu große Mengen Phosphor in die Gewässer gelangen. In Richtlinien verbindlich festgelegte Gewässerschutzziele werden da-her nicht erreicht. Als wichtige Ursachen hierfür identifizierten die Forscher, dass Phosphor in der intensiven Landwirtschaft immer noch zu ineffizient eingesetzt wird und die traditionellen Tests der landwirtschaftlichen Bodenuntersuchung auf pflanzenverfügbaren Phosphor das Austragsrisiko von Phosphor nicht adäquat anzeigen können. Zudem konnte nach-gewiesen werden, dass etablierte Gewässerschutzmaßnahmen (z.B. reduzierte Düngung) mitunter in den Gewässern noch keine Erfolge zeigen, weil es lange Verzögerungszeiten gibt, bis der Phosphor aus den Böden in die Gewässer ge-langt. Auch zeigte sich, dass durch Klimawandel bedingte häufigere Extremniederschläge die Mobilisierung und Auswaschung von Phosphor fördern.

2. Verbesserung der Untersuchungsmethoden:
In den letzten Jahren konnten zahlreiche Analysemethoden so verfeinert werden, dass nun eine Vielzahl von Phosphorverbindungen, beispielsweise der Unkrautvernichter Glyphosat, in der Umwelt nachgewiesen und ihre Umsetzung nachvollzogen werden können. In der Forschung werden bereits sehr anspruchsvolle spektroskopische Methoden, Isotopentechniken sowie auch Teilchenbeschleuniger für viele Fragestellungen eingesetzt, um Phosphor-Verbindungen und -umsetzungen mit größter Detailliertheit zu erforschen.

3. Phosphor-Recycling und -Synthese:
Erstmals wurden im Rahmen eines IPW verschiedene Technologien für Phosphor-Recycling und chemische Katalyse mit Phosphorverbindungen als zukunftsweisende Strategie für einen nach-haltigen Umgang mit Phosphor diskutiert. Dabei wurden sowohl grundlegende neue Reaktionswege und Verbindungen als auch eine Vielzahl an-wendungsreifer Technologien vorgestellt, die insbesondere auf die Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlämmen, Schlachtabfällen oder Gärresten aus Biogasanlagen abzielen.

4. Forschungsansatz Genetik:
Da die genetischen Grundlagen der Phosphornutzung durch Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere zunehmend besser verstanden sind, eröffnen sich neue Möglichkeiten, Prozesse rings um die Phosphoraufnahme, -nutzung und -ausscheidung zu optimieren. Beispiele sind die Identifizierung von Genvarianten für die Züchtungen von Schweinen, die Phosphor im Futter effektiver verwerten können, oder neue Futterergänzungsmittel und Fütterungsregime, die die Verdaulichkeit und Ver-wertung von Phosphor-Verbindungen durch Tiere verbessern.

Als wichtigsten Forschungs- und Handlungsbedarf arbeiteten die IPW8-Teilnehmer folgende Aspekte heraus:

1.System-Zusammenhänge konsequent erforschen:
Bislang ist zu wenig darüber bekannt, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede Phosphor-Umsetzungsprozesse in verschiedenen Umweltsystemen – etwa im Wasser oder auf dem Land – aufweisen und wie sie mit anderen Stoffkreisläufen – etwa Kohlenstoff und Stickstoff – im gesamten Erdsystem gekoppelt sind. Zudem gibt es kaum integrierte Forschung, die Zusammenhänge zwischen Phosphor-Umsetzungen auf unterschiedlichen Größenskalen betrachtet, an-gefangen bei einzelnen Zellen über Organismen bis hin zu ganzen Ökosys-temen. Dies ist aber wichtig, da die meisten Vorgänge in Ökosystemen mit-einander gekoppelt sind und daher auch nur durch einen ganzheitlichen Ansatz richtig verstanden werden.

2. Innovative Technik konsequent in die Anwendung überführen:
Sowohl im Bereich der Phosphorrückgewinnung als auch bei den Untersuchungsmethoden zum Nachweis pflanzenverfügbaren Phosphors in Ackerböden, die eine wichtige Voraussetzung für effizienten Düngemitteleinsatz sind, wurden große wissenschaftliche und technologische Fortschritte erzielt. Dennoch mangelt es bisher an einer breiten Anwendungspraxis dieser Technologien. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich: Entweder fehlt noch die praxisorientierte Anwendungsreife oder es gibt gesetzliche Hindernisse wie Richtlinien und Verordnungen, die keinen Raum für die Anwendung bestimmter Verfahren bieten. Probleme liegen zum Teil in unklaren politischen Rahmenbedingungen begründet, wie z. B. der Novellierung der Klärschlammverordnung in Deutschland und Anforderungen an Recyclingdünger europaweit. Hier sehen die IPW8-Forscher sowohl Handlungsbedarf in der Forschung als auch in der Politik.

3. Problembewusstsein und Umdenken konsequent fördern:
Eine für die IPW neue Sichtweise war die Einbeziehung der ethischen, umweltrechtlichen und umweltpolitischen Aspekte beim Einsatz von Phosphor. Verschiedene Aspekte, wie die Vorteile einer ausgewogenen Ernährung vor dem Hintergrund der Phosphorverfügbarkeit und -belastung oder die Möglichkeit, durch Anreize oder Verbote effektiv den Phosphor-Einsatz zu steuern, wurden auf der Konferenz lebhaft diskutiert. Es wurde deutlich, dass die bisher fast ausschließlich betriebenen natur- und agrarwissenschaftlichen Forschungsansätze durch entsprechende gesellschaftswissenschaftliche Ansätze ergänzt werden müssen, um eine nachhaltige Nutzung und Wiedergewinnung der Ressource Phosphor bei schonendem Umgang mit der Umwelt tatsächlich in akzeptierte Praxis umzusetzen.

Fazit:
Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass nur eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen „im Konzert“, wie züchterische Fortschritte, verbesserte landwirtschaftliche Untersuchungs- und Bewirtschaftungsmaßnahmen, neue Techniken und Technologien der Phosphor-Ersparnis und -Rückgewinnung, ein gesellschaftlicher Normen- und Bewusstseinswandel des Konsumverhaltens und flankierende politische Maßnahmen gemeinsam die Phosphor-Problematik lösen können. Hierzu ist auch die Entwicklung von neuen akademischen Strukturen notwendig, wie z. B. Leibniz-WissenschaftsCampi, die Transfer von Technologie, Methodik und Ideen unterstützen.

Der Internationale Phosphor-Workshop (IPW) findet alle drei Jahre in wechselnden europäischen Ländern statt und gehört zu den wichtigsten Veranstaltungen auf dem Gebiet der Phosphorforschung in Europa. In diesem Jahr war zum ersten Mal Deutschland der Gastgeber und konnte eine Rekordteilnehmerzahl willkommen heißen. Veranstalter war der Leibniz-WissenschaftsCampus Phosphorforschung Rostock, ein Zusammenschluss von fünf Leibniz-Instituten und der Universität Rostock.

*IPW8-Vorsitz:

Prof. Dr. Ulrich Bathmann, Sprecher des Leibniz-WissenschaftsCampus Phosphorforschung Rostock

Prof. Dr. Peter Leinweber, Sprecher der Universität für den Leibniz-WissenschaftsCampus Phosphorforschung Rostock

*Kontakt:
Dr. Inga Krämer, Koordinatorin des Leibniz-WissenschaftsCampus Phosphorforschung Rostock | 0381 5197-3471 | inga.kraemer@io-warnemuende.de

*Leibniz-WissenschaftsCampus Phosphorforschung Rostock
Aufgrund der zentralen Bedeutung von Phosphor in einer Vielzahl von Produktions- und Umweltsystemen ist ein interdisziplinärer Forschungsansatz notwendig. Deshalb haben sich fünf Leibniz-Institute und die Universität Rostock in einem Netzwerk zusammengeschlossen, um die Zusammenarbeit und Forschung rund um dieses essentielle Element und sein nachhaltiges Management zu intensivieren. Der Leibniz-WissenschaftsCampus Phosphorforschung Rostock fördert im Rahmen seiner strategischen Forschung die Interdisziplinarität in Themen, Projekten und Methoden. Die bestehenden Expertisen in verschiedensten Aspekten der Erforschung des essentiellen Elementes Phosphor, seiner vielfältigen chemischen Verbindungen und spezifischen Wirkungsweisen in Agrar- und Umweltsystemen wie auch in technischen und industriellen Prozessen werden in dem WissenschaftsCampus zusammengeführt. Der WissenschaftsCampus wird durch die Leibniz-Gemeinschaft und das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV gefördert.

Gemeinsame Pressemitteilung:
Leibniz-WissenschaftsCampus Phosphorforschung Rostock
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde
Universität Rostock

 

Abwasser mittels naturnaher Systeme reinigen

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Deutsch-israelisches Verbundvorhaben gestartet: Es untersucht, wie naturnahe technische Systeme – wie technische Feuchtgebiete (z. B. Pflanzenkläranlagen) oder Sandfilter – die Belastung des gereinigten Abwassers mit Arzneistoffen, Haushaltschemikalien, Krankheitserregern und antibiotika-resistenten Bakterien verringern können.

Am 30. und 31. August fand in der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz die Kick-off-Veranstaltung zum deutsch-israelischen Verbundforschungsprojekt „OPTI“ statt. Vier Institutionen aus Deutschland und Israel werden im Rahmen dieser Forschungsinitiative eng zusammenarbeiten, um die Eliminierung von Arzneistoffen, Haushaltschemikalien, Krankheitserregern und antibiotika-resistenten Bakterien in naturnahen technischen Systemen zur Nachbehandlung von gereinigtem Abwasser zu untersuchen. Ziel der Nachbehandlung ist die Verbesserung der Wasserqualität für eine direkte landwirtschaftliche Nutzung des Abwassers.

Das auf drei Jahre ausgelegte Verbundprojekt „Optimization of subsurface treatment units based on novel indicators (OPTI)“ wird im Rahmen der deutsch-israelischen Kooperation in der Wassertechnologieforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie vom israelischen Wissenschaftsministerium (MOST) gefördert. Koordiniert wird das Projekt von der BfG durch Prof. Dr. Thomas Ternes und Dr. Ann-Kathrin Ghattas. Weitere Partner sind das Technologiezentrum Wasser aus Karlsruhe, die Münchner Firma vermicon AG sowie die israelische Galilee Society.

Aufgrund des rapiden weltweiten Bevölkerungswachstums und des zunehmenden Wasserverbrauchs von Landwirtschaft und Industrie sowie infolge des Klimawandels schrumpfen die nutzbaren Wasserressourcen. Gereinigtes Abwasser wird dadurch zu einer wertvollen erneuerbaren Ressource, u. a. um den Wasserbedarf in der Landwirtschaft arider Gebiete zu stützen. Die Nutzung dieser Ressource setzt allerdings eine ausreichende Wasserqualität voraus, welche jedoch durch die vermehrte Einleitung chemischer und biologischer Verunreinigungen – wie Arzneistoffe und Haushaltschemikalien („neuartige Schadstoffe“) sowie Pathogene und antibiotika-resistente Bakterien – beeinträchtigt wird.

Innerhalb des Forschungsprojekts OPTI werden naturnahe Systeme (technische Feuchtgebiete und Sandfilter) zur Nachbehandlung kommunal gereinigten Abwassers auf ihre landwirtschaftliche Nutzbarkeit in Gebieten mit Wasserknappheit untersucht. Im Fokus der Untersuchungen stehen außerdem sogenannte Retentionsbodenfilter, die zur Behandlung von überschüssigem Schmutzwasser bei Starkregenereignissen einsetzbar sind. OPTI untersucht die Aspekte:

• Entfernung neuartiger Schadstoffe in Abhängigkeit von unterschiedlichen
Behandlungsverfahren und Betriebsbedingungen
• Aufklärung und Nachweis der entstandenen Transformations- bzw.
Abbauprodukte der neuartigen Schadstoffe
• Aufklärung der am Abbau beteiligten mikrobiellen Gemeinschaften und
enzymatischen Prozesse
• Inaktivierung von Krankheitserregern und Entfernung antibiotika-resistenter
Bakterien.

Das eingehende Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Betriebsbedingungen, der Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft und der Entfernung chemischer und biologischer Verunreinigungen wird genutzt, um Optimierungsstrategien und neuartige Bewertungskonzepte hinsichtlich der Entfernung chemischer und biologischer Verunreinigungen zu entwickeln.

Weitere fachliche Informationen: Prof. Dr. Thomas Ternes, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Am Mainzer Tor 1, 56068 Koblenz, Fon: 0261/1306 5560, Mail: ternes@bafg.de.

kontakt: Dr. Sebastian Kofalk, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Am Mainzer Tor 1, 56068 Koblenz, Fon: 0261/1306 5330, Mail: kofalk@bafg.de

 

 

 

Nanopelz gegen die Ölpest

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Materialforscher lernen von Schwimmfarnen: Haarige Pflanzenblätter sind stark ölaufnehmend / Veröffentlichung im Fachjournal Bioinspiration & Biomimetics / Video zeigt Saugfähigkeit

Einige Schwimmfarne können in kurzer Zeit große Mengen Öl aufnehmen, denn ihre Blätter sind zugleich stark wasserabstoßend und in hohem Maße ölabsorbierend. Eine Forschergruppe des KIT hat gemeinsam mit Kollegen der Universität Bonn herausgefunden, dass die Wasserpflanze die ölbindende Eigenschaft der haarähnlichen Mikrostruktur ihrer Blattoberfläche verdankt. Sie dient nun als Vorbild, um das Material Nanofur weiterzuentwickeln, das Ölverschmutzungen umweltfreundlich beseitigen soll.

Beschädigte Pipelines, Tankerhavarien und Unfälle auf Förderplattformen können Wasserflächen mit Roh- oder Mineralöl verschmutzen. Herkömmliche Verfahren zum Entfernen der Ölpest haben spezifische Nachteile: Das Verbrennen von Öl…mehrunter:

http://www.kit.edu/kit/20339.php

 

 

Umweltstress verstärkt die Wirkung von Schadstoffen

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Wissenschaftler entwickeln ein Modell zur Vorhersage
Jeder Organismus auf der Erde ist dem Einfluss verschiedener Umweltbedingungen und anderer Lebewesen ausgesetzt. Diese Faktoren können Stress auslösen und das Lebewesen so anfälliger für weitere Einwirkungen von außen machen. Ein Team unter der Leitung von UFZ- Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern konnte nun am Beispiel von Gewässerlebewesen zeigen, dass die Anwesenheit von Umweltstress die Wirkung von Schadstoffen auf Organismen um ein Vielfaches erhöht. Zudem entwickelten sie ein Modell, das es ermöglicht, ausgehend von der Stärke des Umweltstresses die erhöhte Schadstoffwirkung vorherzusagen. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin Scientific Reports.

Die Wissenschaftler des UFZ in Leipzig nutzen eine Experimentalanlage aus 47 Fließrinnen, um die Effekte von Pflanzenschutzmitteln auf naturnahe Ökosysteme zu quantifizieren und ihre Modelle zur Risikobewertung zu validieren.

Tiere und Pflanzen sind gleichzeitig einer Vielzahl von natürlichen und vom Menschen gemachten, sogenannten anthropogenen Stressoren ausgesetzt. Das kann zum Beispiel der Mangel an Wasser sein, der einher geht mit einer Konkurrenzsituation um Nahrung, dem Befall durch einen Parasiten oder der Konfrontation mit Umweltchemikalien, zum Beispiel Pestiziden. Aus allen Bereichen der Ökologie ist bekannt, dass solche gleichzeitigen Wirkungen von Stressoren unterschiedlichster Art große Folgen für Pflanzen und Tiere eines Ökosystems haben können, obwohl die Stressoren einzeln betrachtet kaum wahrnehmbare Wirkungen auslösen.

Wie die Forschungsergebnisse des Wissenschaftlerteams vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), der Universität Koblenz-Landau und der Universität der Bundeswehr München nun zeigen, kann die Anwesenheit von Umweltstress die Wirkung von Schadstoffen um einen Faktor von bis zu 100 erhöhen.

Um die Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt effektiver und zielgenauer gestalten zu können, ist es also in jedem Fall wichtig vorhersagen zu können, wie sich die Kombination der verschiedenen Stressoren auf einzelne Populationen auswirkt.

Erstaunlicherweise existiert trotz einer Vielzahl an Forschungsarbeiten in diesem Themenbereich und der Kenntnis über die Wirkungen einzelner Stressoren bisher kein universeller Ansatz für eine solche Vorhersage der Wirkungen in ihrer Gesamtheit.

Mit den jetzt vorgelegten Forschungsergebnissen ist diese Vorhersage nun möglich, bestätigt Studienleiter Prof. Dr. Matthias Liess vom UFZ: „Wir haben ein Modell entwickelt, mit dem wir den quantitativen Gesamtstress berechnen können, der auf ein Lebewesen einwirkt. Und zwar indem wir die einzelnen Stressoren miteinander in Beziehung bringen und dabei auch die individuelle Stresskapazität berücksichtigen.“ Denn diese unterscheidet sich zwischen den Organismen einer Population erheblich: Die meisten haben eine mittlere Stresskapazität, Wenige sind schon kleinen Belastungen nicht gewachsen, Andere halten problemlos großen Belastungen stand.

Die Studie beruht auf Daten aus wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten 15 Jahre, die sich mit der kombinierten Wirkung von Schadstoffen wie Pestiziden und Schwermetallen befassen oder untersucht haben, wie Umweltstressoren – zum Beispiel Nahrungsmangel, Räuberdruck und UV-B-Strahlung – auf Lebewesen wirken. Auf dieser Basis gelang es den Forschern in den letzten drei Jahren, allgemeingültige Muster der Kombinationswirkungen auf Wirbel- und wirbellose Tierein aquatischen Systemen zu identifizieren und in einem Modell zu formalisieren. Dieses Modell (SAM – Stress Addition Model) macht es nun erstmals möglich, die kombinierte Wirkung von Stressoren auf Populationen von Insekten, Krebsen und Amphibien vorherzusagen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwarten, dass sie ihr Modell in den kommenden Jahren so weiterentwickeln können, dass es künftig für alle Stressor-Kombinationen anwendbar ist. Außerdem ist eine Ausweitung seines Gültigkeitsbereiches über den bislang betrachteten aquatischen Lebensraum hinaus für Matthias Liess keine Utopie: „Der Zusammenhang zwischen der Stärke des Umweltstresses und der Schadstoffwirkung scheint derart universell zu sein, dass er wahrscheinlich auch für terrestrische Systeme und den Menschen gilt“.

Publikation:
Matthias Liess, Kaarina Foit, Saskia Knillmann, Ralf B. Schäfer & Hans-Dieter Liess; Predicting the synergy of multiple stress effects. Sci. Rep. 6, 32965 (2016).
http://dx.doi.org/10.1038/srep32965
http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=36/2016

Umweltministerium und U.A.N. starten bundesweiten Wettbewerb „Abwasser 21“

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Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat den Wettbewerb „Abwasser 21 – Wettbewerb für innovative Abwasserbeseitigungskonzepte“ eröffnet. Träger des Wettbewerbs ist die Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N. mit finanzieller Unterstützung der Landesregierung.
„Die Modernisierung der Abwasserbehandlung im ländlichen Raum kann ein wichtiger Beitrag für mehr und besseren Ressourcen- und Gewässerschutz sein. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs stehen dabei technische und organisatorische Lösungen, die helfen, Ressourcen zu schonen und flexibel auf zukünftige Herausforderungen reagieren zu können“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel in Hannover.

„Wir wollen, dass die abwasserbeseitigungspflichtigen Kommunen durch den Wettbewerb frühzeitig mit dieser aktuellen Thematik konfrontiert werden und somit über innovative zukunftsfähige Alternativen zur derzeitigen Abwasserbeseitigung nachdenken. Innovative Organisationsstrukturen sowie neuartige Sanitärsysteme (NASS) könnten beispielsweise die etablierten Strukturen und Verfahren ergänzen“, so Dr. Marco Trips, Sprecher der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N.
Die sich verändernden Randbedingungen im ländlichen Raum durch Bevölkerungsrückgang, Klimawandel, Anforderungen des Gewässerschutzes und Umgang mit Ressourcenknappheit stellen die Siedlungswasserwirtschaft in der Zukunft vor anspruchsvolle technische und wirtschaftliche Herausforderungen. Doch sie können auch Impulsgeber und Motor für innovative Lösungen der Abwasserbeseitigung sein.

Ein Beispiel für neue Organisationskonzepte ist der zentrale Betrieb dezentraler Anlagen, der eine neue und flexible Option für die Umsetzung der Abwasserbeseitigung im ländlichen Raum in Gebieten mit abnehmenden Bevölkerungszahlen und hohem Sanierungsbedarf des Kanalnetzes in der Zukunft darstellen könnte.

Am 11. Mai 2017 werden die besten Wettbewerbsbeiträge im Rahmen einer öffentlichen Fachveranstaltung vom niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel ausgezeichnet. Zudem haben die Preisträger dann die Möglichkeit, ihren Beitrag Kommunen, Vertretern aus Wissenschaft und Forschung, Ingenieurbüros und Hochschulen zu präsentieren. Eine im Anschluss an die Fachveranstaltung erstellte Internetplattform fasst die Beiträge zusammen und wird somit Kommunen und Firmen als Ideen- und Kontaktbörse dienen.

Auch die Kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens, die DWA-Nord und das Norddeutsche Wasserzentrum e. V. als Kooperationspartner des Wettbewerbs werden dazu beitragen, die Siegerbeiträge zu verbreiten.
Die Teilnahmeunterlagen können ab sofort bei der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N. als Geschäftsstelle des Wettbewerbs unter der E-Mail-Adresse panckow@uan.de oder telefonisch unter der 0511/30285-63 angefordert werden. Teilnahmeschluss ist der 31. Januar 2017

http://www.umwelt.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/umweltministerium-und-uan-starten-bundesweiten-wettbewerb-abwasser-21–146518.html
 

 

„DAS KLO IST KEIN MÜLLEIMER“

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Knetfiguren klären das!

Freche Plakate für mehr Achtsamkeit

PR-Kampagne der Stadtentwässerung Hannover
Ab 15. November startet die Stadtentwässerung Hannover die PR-Kampagne „Das Klo ist kein Mülleimer“. Humorvoll, schräg und frech werben die drei Knetfiguren Spaghetti-Monster, Wattestäbchen und Kondom für mehr Achtsamkeit unter den Bürgern der Stadt. Denn täglich gelangen dreieinhalb Tonnen Müll ins Klärwerk. Durch das Wassersparen bleibt zusätzlich ein großer Teil auf dem Kanalboden liegen.

Doch Müll gehört definitiv nicht in die Toilette. Essensreste nähren Ratten, die wiederum aufwendig bekämpft werden müssen. Anderer Müll wie Plastikteile, Zahnbürsten, Glas und Hygieneartikel lagern sich aufgrund geringer Fließgeschwindigkeit in den Kanälen ab. Um den Dreck zu entsorgen, müssen Kanalarbeiter der Stadtentwässerung hinabsteigen und den Unrat per Hand entfernen.

Alles was über die Toilette entsorgt wird, muss wieder raus!
Überzeugungsarbeit leisten nun die drei Knetfiguren in einer Kampagne gegen den Müll im Klo. Mit Charme und witzigen Sprüchen verbreiten sie einfach, unterhaltsam und plakativ ihre Botschaft durch Stadtbahn-, Bus- und Plakatwerbung. Lokus-Pokus-Werbung und CityCards werden in mehreren Locations zu sehen sein: „Bin voll im Eimer. Nicht in der Schüssel!“, wirbt beispielsweise das Kondom. Ein Spot im Fahrgastfernsehen rundet die Kampagne ab, die von den Ratspolitikern im zuständigen Betriebsausschuss Stadtentwässerung als „witzig“ und „gelungen“ bezeichnet wurde und volle Zustimmung fand. Essensabfälle, Wattestäbchen und Kondome sind allerdings bei weitem nicht die einzigen Problemfälle. Auch Pinselreiniger, Altöl, Medikamentenreste und andere Chemikalien werden durch die Toilette entsorgt. Manchmal treten Kanalarbeiter beim Aussaugen der Kanäle sogar auf Spritzen und Rasierklingen. Doch in die Toilette gehören nur Körperflüssigkeiten und Toilettenpapier. Die Knetfiguren der Stadtentwässerung Hannover sind sich daher einig: Leisten auch Sie Ihren Beitrag und entsorgen Sie Ihren Müll im Mülleimer, nicht in der Toilette!

http://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Umwelt/Wasser-Abwasser/Abwasser/Stadtentwässerung-Hannover/Presse/Knetfiguren-klären-das

 

 

DIFU: Wasserver- und -entsorgung zukunftsfest ausrichten

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Ergebnisse aus 13 Forschungsprojekten veröffentlicht: Für den Erhalt der gewohnt hohen Leistungen der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung sind Umdenken und die Umsetzung von Innovationen erforderlich

Berlin. Die Versorgung mit Trinkwasser und Entsorgung von Abwasser werden in Deutschland von den meisten Menschen als selbstverständlich angesehen. Doch demografische Veränderungen, die Auswirkungen des Klimawandels, die Anforderungen der Energiewende und weitere aktuelle Tendenzen stellen die Wasserinfrastrukturen in Deutschland vor erhebliche Herausforderungen. Die Anpassungsfähigkeit der teilweise veralteten Systeme muss verbessert werden. Damit die gewohnt hohen Leistungen der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung erhalten bleiben, sind ein Umdenken und die Umsetzung von Innovationen erforderlich.

Um den Handlungsbedarf in diesem wichtigen Zukunftsfeld zu erkennen und darauf frühzeitig reagieren zu können, wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Fördermaßnahme „Intelligente und multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ (INIS) mit insgesamt 33 Millionen Euro finanziert. Die Fördermaßnahme INIS ist im Förderschwerpunkt „Nachhaltiges Wassermanagement“ (NaWaM) verankert. In 13 Forschungsprojekten wurden innovative technische Systemlösungen zur Optimierung bestehender Anlagen und deren Betrieb sowie zur sektorübergreifenden Erschließung von Energie- und Ressourcenpotenzialen entwickelt. Darüber hinaus wurden Management- und Planungsansätze sowie Modelle zur Organisation, Struktur und Steuerung künftiger Infrastrukturplanung erarbeitet, die eine langfristige Transformation der Systeme möglich machen.

Begleitet wird die Fördermaßnahme durch das Vernetzungs- und Transfervorhaben INISnet. INISnet wird vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), von der DVGW-Forschungsstelle TUHH, Technischen Universität Hamburg-Harburg, und von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) gemeinsam durchgeführt.

Auf der Abschlusskonferenz zur INIS-Fördermaßnahme am 20. und 21. April 2016 in Berlin werden die Ergebnisse aus den 13 Forschungsprojekten den Teilnehmenden aus Wasserwirtschaft, Stadtentwicklung, Politik und Forschung vorgestellt. Die Ergebnisse sollen Impulse für eine zukunftsfähige Gestaltung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung geben.

In der vom BMBF angestoßenen Forschung sind anwendungsreife Lösungen für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung entwickelt worden. Allerdings reicht der Erkenntnisgewinn allein nicht aus, um die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen. Der Abstand zwischen den vorliegenden Erkenntnissen und der tatsächlichen Umsetzung muss deutlich verringert werden. Gesellschaft, Medien und insbesondere die Politik sind gefordert, nun auch die Umsetzung voranzutreiben.

Aus der Gesamtschau der INIS-Ergebnisse lässt sich folgender Status quo-Bericht mit zehn daraus folgenden Botschaften ableiten:

Wasserversorgung und Abwasserentsorgung unter Veränderungsdruck
Die Wasserwirtschaft ist in einem hoch urbanisierten und industrialisierten Land wie Deutschland ein essenzieller Teil der Daseinsvorsorge. Die Infrastrukturen der Wasserwirtschaft sorgen im Spannungsfeld zwischen Umwelteinflüssen und anthropogenen Eingriffen für die sichere Versorgung mit Trinkwasser, für hygienische Verhältnisse in Siedlungen, für Überflutungsschutz und für den Schutz der Umwelt. Sie ermöglichen erst eine Vielzahl von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten und sind dadurch eine Säule unseres Wohlstands.

Die deutsche Wasserversorgung und Abwasserentsorgung befinden sich europa- und weltweit im Vergleich aktuell auf einem hohen Stand. Die dazu gehörigen Infrastrukturen stellen ein großes Anlagenvermögen dar, deren Erhalt und Erneuerung erheblicher Aufwendungen bedarf. Laut den Aussagen der großen Fachverbände der Wasserwirtschaft werden jährlich sechs bis sieben Milliarden Euro in Anlagen und Netze investiert. Mit Blick auf die aktuellen Netzerneuerungsraten wird vielfach argumentiert, dass der eigentliche Investitionsbedarf rund zweimal so hoch liegt. Parallelen zum Investitionsstau bei Straßen, Brücken und Schienennetzen liegen auf der Hand, sind allerdings nur selten sichtbar, denn die Infrastrukturen liegen größtenteils wortwörtlich im Sand vergraben.

Zum hohen Investitionsbedarf hinzu kommt ein wachsender Veränderungsdruck auf die Infrastrukturen der Wasserver- und Abwasserentsorgung. Einige der zentralen Stichworte sind hier: Klimawandel, demografische Veränderungen, Spurenstoffe und Energiewende. Innerstädtische Überflutungen und gewässerschädliche Mischwasserüberläufe infolge von überlasteten Kanälen bei Starkregen sind heute bereits weitverbreitete und ernsthafte Probleme. Wasserarme Regionen hingegen kämpfen mit saisonalen Knappheitsproblemen und Qualitätsbeeinträchtigungen und suchen die Lösung, etwa im Ausbau teurer Regional- und Fernversorgungssysteme. Andernorts führt eine sinkende Wassernachfrage, zum Beispiel aufgrund abnehmender Bevölkerungszahlen, zu Unterauslastungen von Netzen und Anlagen. Die zunehmende und flächendeckende Belastung von Gewässern mit anthropogenen Spurenstoffen wie Arzneimitteln, Industriechemikalien oder Pflanzenschutzmitteln stellt gesteigerte Anforderungen an die Behandlungsverfahren für Trinkwasser und Abwasser zugleich. Und nicht zuletzt ist die ressourcenintensive Wasserwirtschaft dazu aufgefordert, ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten.

Die Anpassung der Wasserver- und Abwasserentsorgungssysteme an diese sich überlagernden und zum Teil widerstreitenden Herausforderungen erfordern Innovationen und Umdenken auf allen Ebenen: von neuen technischen Lösungen und ihrer Integration in der Stadtentwicklung über Management – und Finanzierungsansätze bis hin zum regulativen Rahmen und Verbraucherverhalten. Nur so können die hohen Leistungen der Wasserwirtschaft bei weiterhin bezahlbaren Preisen in Zukunft gesichert werden.

Zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung – zehn Botschaften an Politik und Praxis:

Technische Systeme: Anlagen und Betrieb optimieren
1. Der Weg in die Zukunft führt über eine Optimierung des Bestands. Herkömmliche Planungsprozesse mit langen Zeithorizonten haben statische Lösungen und vielfach überdimensionierte Anlagen hervorgebracht. Die Systeme verursachen hohe Fixkosten für Unterhalt und Betrieb und weisen deshalb große Optimierungspotentiale auf. Die Herausforderung liegt darin, die Leistungsfähigkeit des Systems unter verschiedenen Belastungssituationen zu sichern.

2. Robuste und flexible Lösungen ermöglichen eine zukunftsfähige Gestaltung des urbanen Wasserhaushalts. Vor dem Hintergrund zu erwartender Prognoseunsicherheiten werden robuste Systeme benötigt, die auch bei unerwarteten Extremereignissen nicht vollständig versagen und zugleich kosteneffizient sowie rückbau- und erweiterungsfähig konstruiert sind. Dezentrale Komponenten können die Anpassungsfähigkeit der Systeme erhöhen. Flexible Planungsprozesse und Betriebsweisen sind erforderlich, um kurz- und mittelfristig bzw. stufenweise auf unvorhersehbare Entwicklungen reagieren zu können.

3. Ein Schlüssel für die Optimierung liegt im intelligenten Betrieb. Während in allen wesentlichen Infrastrukturbereichen die intelligente, IT-basierte Steuerung bereits Standard ist, sind die städtischen Wasserinfrastrukturen größtenteils immer noch auf dem Stand der Technik des 19. und 20. Jahrhunderts. Durch den Einsatz von Mess-, Steuer- und Datentechnik lassen sich Kontaminationen schneller erkennen und erhebliche Reserven in den bestehenden Entwässerungssystemen aktivieren.

Sektorübergreifende Lösungen: Erschließung ungenutzter Potenziale
4. Abwasser ist eine Ressource, kein Abfall. Technologien und Konzepte zur energetischen und stofflichen Wiederverwendung bzw. Nutzung von Abwasser sind erarbeitet und können umgesetzt werden. Mehr noch: alternative dezentrale Wasseraufbereitungstechnologien können zu innovativen Lebensmittelanbaumethoden beitragen, bedürfen in dieser Hinsicht allerdings noch der Weiterentwicklung.

5.„Energieeffizienz“ der Wasserinfrastrukturen muss begrifflich weiterentwickelt werden. Die Erweiterung der Wasserinfrastruktursysteme um Funktionen der Energieerzeugung als Beitrag zur Energiewende schlägt sich bislang nicht in der Bewertung der „Energieeffizienz“ solcher Anlagen nieder. Eine alleinige Quantifizierung über den Bedarf an Jahreskilowattstunden (kWh/a) pro Leistungseinheit (m3 Trinkwasserversorgung bzw. gereinigtes Abwasser) erfasst den Beitrag der Wasserinfrastrukturen zur Energiewende nicht sachgerecht.

Wasser in der Stadt: Integration von Stadt- und Infrastrukturentwicklung
6. Wassersensitive Stadtentwicklung setzt integrierende Planungsprozesse voraus. Die Hauptaufgaben der Siedlungsentwässerung, der Schutz von Menschen und deren Eigentum einerseits und der Gewässerschutz andererseits, lassen sich allein durch konventionelle unterirdische Systeme nur begrenzt erfüllen. Optimale Lösungen, die z.B. auch einen positiven Beitrag zur Stadtklima- oder Freiraumqualität leisten können, lassen sich nur durch eine verbesserte räumliche Organisation der Stadt erzielen. Dazu müssen verstärkt multifunktionale Flächennutzungen für den Rückhalt, die Versickerung und die Verdunstung von Niederschlagswasser in den Stadtraum integriert werden.

Entscheiden und Kommunizieren: zum Umgang mit Komplexität
7. Eine Unsicherheitsbetrachtung muss zum Standardwerkzeug der Planer werden. Das Konzept der Unsicherheitsbetrachtung muss fest in den Köpfen von Planern, Betreibern und Entscheidungsträgern verankert werden. Die Auswirkungen der erheblichen Ungewissheiten zukünftiger Entwicklungen können über die fundierte Erstellung von Szenarien und deren Bewertung, z.B. durch Simulationsmodelle, aufgezeigt und so die Komplexität und Ungewissheit reduziert werden. Nur über eine interdisziplinäre und ressortübergreifende Bearbeitung können Wasserinfrastrukturen sicher und zukunftsfähig geplant werden.

8. Multifunktionelle Infrastrukturen erfordern eine ganzheitliche Bewertung. Die angestrebte Multifunktionalität neuartiger Infrastrukturen, aber auch die vielfältigen Wechselwirkungen von Teilsystemen und -prozessen, erfordern zwingend eine integrierte Bewertung der Ziele und Wirkungen von Maßnahmen und Entscheidungen. Auch die indirekten Wirkungen von Infrastruktursystemen sind entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu berücksichtigen.

Transformation: Akteure, Strategien und Institutionen
9. Es liegt im Interesse der Kommunen, den Transformationsprozess zu koordinieren. Bei der Implementierung von multifunktionellen und differenzierten Systemlösungen für Wasser-, Energie- und Ressourcenmanagement auf Stadt-, Quartiers- und Gebäudeebene werden Leistungen und Anlagen teilweise dezentralisiert oder in den privaten Raum verlagert. Es Bedarf neuer Kooperationsformen zwischen Ver- und Entsorgungsträgern und mit den Bürgern. Der Kommune obliegt die kommunale Daseinsvorsorge. Sie ist dem örtlichen Gemeinwohl verpflichtet und prädestiniert, diesen Transformationsprozess im Gemeinwohlinteresse zu koordinieren. In der operativen Umsetzung und im Betrieb können dabei vielfältige unternehmerische Strategieoptionen sinnvoll sein.

10. Demonstrationsprojekte sind der notwendige nächste Schritt, um Umsetzungshemmnisse zu erkennen und abzubauen. Die Transformation bestehender Wasserinfrastrukturen auf Gebäude- wie auch Quartiersebene ist technisch und organisatorisch möglich und wird zur Verbesserung der Zukunftsfähigkeit bestehender Systeme als sinnvoll und erforderlich erachtet. In Hinblick auf den rechtlichen Regulierungsrahmen und finanzielle Anreizsysteme sind derzeit viele Fragen offen. Diese wirken sich als Umsetzungshemmnisse aus. Vor diesem Hintergrund sollten Demonstrationsprojekte forciert werden.

Kontakt:
Dr. Jens Libbe
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
Vernetzungs- und Transfervorhaben INISnet
E-Mail: libbe@difu.de
Telefon: 030/39001-115

Weitere Informationen:
http://www.bmbf.nawam-inis.de