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Biokunststoffe aus der Kläranlage

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Eine Quelle für biologisch abbaubare Kunststoffe sind Bakterien im Primärschlamm. Kläranlagen mit entsprechend ausgelegten Reaktoren könnten den Bedarf an Biokunststoffen decken, ohne auf nachwachsende Rohstoffe zuzugreifen. Wie die Bakterien im Klärschlamm die Biokunststoffe herstellen und welches Potenzial somit in Deutschlands kommunalen Kläranlagen steckt, steht in den „Nachrichten aus der Chemie“.

Kunststoffe aus Erdöl tragen zu Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung bei. Um die Abhängigkeit vom Rohstoff Erdöl zu reduzieren, sind Recycling und die Entwicklung umwelt- und ressourcenschonender Herstellungsverfahren für Kunststoffe entscheidend.

Primärschlamm aus kommunalen Kläranlagen eignet sich als Rohstoff für Biokunststoffe. Bakterien im Schlamm synthetisieren biologisch Polyhydroxyalkanoate (PHAs). Die Synthese verläuft in zwei Stufen: Zunächst werden kurzkettige Fettsäuren erzeugt, die dann nach Anreicherung bestimmter Bakterien im Klärschlamm zu PHAs polymerisieren. Die Bakterien nutzen diese kurz- oder mittelkettigen Polymere überwiegend als Energie- und Kohlenstoffspeicher. Die meisten Materialeigenschaften der kurzkettigen PHAs ähneln denen von Polypropylen und könnten dieses in vielen Anwendungen ersetzen.

Die Produktion von PHAs kann im Bypass zur Abwasserreinigung ablaufen, ohne die Reinigungsleistung der Kläranlage zu beeinflussen. Allein in Deutschland ließen sich mit passenden Reaktoren so in kommunalen Kläranlagen zurzeit etwa 157.000 Tonnen PHAs herstellen – das entspricht etwa 20 Prozent der im Jahr 2015 weltweit produzierten Biopolymere.

Umweltschutztechnik-Ingenieur Timo Pittmann erläutert in den „Nachrichten aus der Chemie“ die Schritte und Rahmenbedingungen der PHA-Herstellung und analysiert das Potenzial kommunaler Kläranlagen zur Biokunststoffproduktion. Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie“ unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 60.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten“ über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte sowie das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen.

Weitere Informationen:
http://www.nachrichtenausderchemie.de

MULTI-ReUse – Neues Forschungsprojekt zur Abwassernutzung

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Gereinigtes Abwasser immer wieder einzusetzen, statt es wie bisher in den Fluss einzuleiten, ist Ziel des Forschungsprojekts MULTI-ReUse am Mülheimer IWW Zentrum Wasser, einem An-Institut der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Im Mittelpunkt steht ein modulares Abwasseraufbereitungssystem, um Brauchwasser in unterschiedlichen Qualitäten und wechselnden Mengen zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten zu können. Das Vorhaben wird in den nächsten drei Jahren vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert.

Gereinigtes Abwasser kann zwar problemlos in Flüsse eingeleitet werden, allerdings sind dann die Einsatzbereiche eingeschränkt. Genau hier setzt das MULTI-ReUse-Projekt an. „Es hat dann zwar nicht unbedingt Trinkwasserqualität, eignet sich aber nach einer weiteren Reinigung durchaus für industrielle oder landwirtschaftliche Zwecke“, betont Projektkoordinatorin Barbara Zimmermann. „Es kann auch dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, weil mit ihm unter anderem das Grundwasser oder die Trinkwasserproduktion im Ausland angereichert werden kann.“

Insgesamt neun Projektpartner, darunter auch das Biofilm Centre der UDE, entwickeln in den nächsten drei Jahren entsprechende Techniken und Methoden für den Testbetrieb einer Pilotanlage in Norddeutschland. Dazu gehören auch zuverlässige Verfahren zur Qualitätskontrolle des Wassers, ein Bewertungstool und Konzepte, wie die Ergebnisse weltweit vermarktet werden können.

Weitere Informationen:
Barbara Zimmermann
IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser
b.zimmermann@iww-online.de

Redaktion: 
beate.kostka@uni-due.de

Weitere Informationen:
https://www.water-multi-reuse.org

 

 

 

Das Bundeskabinett hat „Neuordnung der Klärschlammverwertung“ beschlossen

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Deutschland soll Phosphor aus Klärschlamm gewinnen
Neue Verordnung verpflichtet zur Rückgewinnung von Phosphor

Die Bundesregierung verstärkt das Recycling von Wertstoffen aus kommunalen Abwässern und Klärschlämmen. Dabei soll vor allem Phosphor zurückgewonnen werden, der für Düngemittel verwendet werden kann. Auf Vorschlag von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat das Bundeskabinett gestern eine entsprechende Änderung der Klärschlammverordnung beschlossen. Auf dieser Grundlage können Abwasserbehandlungsanlagen umgerüstet werden, um sie auf das Phosphorrecycling vorzubereiten – ein technisch aufwendiger Prozess, der mehrere Jahre dauern kann.

Bundesumweltministerin Hendricks: „Die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm wird künftig zur Pflicht. Damit leiten wir einen Paradigmenwechsel ein, hin zu einer ökologisch sinnvollen Nutzung wertvoller Bestandteile des Klärschlammes. Das stärkt die Kreislaufwirtschaft und trägt langfristig zur Versorgungssicherheit mit dem Rohstoff Phosphor bei.“

Gegenwärtig werden fast zwei Drittel der kommunalen Klärschlämme verbrannt, ohne den darin enthaltenen Phosphor wiederzugewinnen. Nur noch etwa ein Drittel der Klärschlämme werden derzeit unmittelbar zur Düngung in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau eingesetzt. Der Phosphor kann zur Düngung von Pflanzen genutzt werden. Knapp werdende Rohphosphate lassen sich durch das Phosphorrecycling ersetzen. Deutschland ist – wie fast alle anderen EU- Staaten – bei der Versorgung mit Mineraldüngerphosphat vollständig von Importen abhängig. Diese stammen zum größten Teil aus politisch instabilen Regionen. Bei der Abwasserreinigung fallen jährlich rund 1,8 Millionen Tonnen Klärschlamm an.

Wie Phosphor aus Klärschlämmen zurückgewonnen und Schadstoffe gleichzeitig reduziert werden können, regelt der heute vom Bundeskabinett verabschiedete Entwurf der Klärschlammverordnung (AbfKlärV). Die Neufassung der Verordnung sieht vor, dass nach Ablauf angemessener Übergangsfristen bei größeren Kläranlagen Phosphor aus dem Klärschlamm oder aus Klärschlammverbrennungsaschen zurückgewonnen werden muss.

Nennenswerte Mengen an Phosphor werden heute noch nicht zurückgewonnen. Die Verfahrensentwicklung und die Dauer der Genehmigungsverfahren machen daher lange Übergangsfristen sinnvoll. Die Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor greift gemäß dem Regierungsentwurf daher erst 12 Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung für Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaugröße ab 100.000 Einwohnerwerten und 15 Jahre nach Inkrafttreten für Anlagen mit einer Größe ab 50.000 Einwohnerwerten. Dabei gibt die Verordnung keine bestimmte Technologie zur Phosphorrückgewinnung vor, sondern lässt genügend Spielraum für Einsatz oder Entwicklung innovativer Verfahren. Es wird damit möglich sein, Phosphor aus Klärschlammaschen, direkt aus dem anfallenden Schlamm oder dem Abwasser zurück zu gewinnen. Ausnahmen bestehen für Klärschlämme mit besonders niedrigen Phosphorgehalten.

Für kleinere Abwasserbehandlungsanlagen, die für weniger als 50.000 Einwohner ausgelegt sind, besteht weiterhin die Möglichkeit, kommunale Klärschlämme unmittelbar zu Düngezwecken einzusetzen. Dies trägt den Besonderheiten ländlich geprägter Regionen Rechnung. Für Klärschlamm, der in Zukunft noch bodenbezogen verwertet wird, werden zudem Regelungen für eine Qualitätssicherung geschaffen, die die behördliche Überwachung flankiert. Der Regierungsentwurf bedarf noch der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat.

Quelle: bmub

Weiter Infos:
www.bmub.bund.de/N53917/
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2017/01/2017-01-18-klaerschlamm-phosphor.html
http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Forschungsdatenbank/fkz_3713_26_301_phosphorrueckgewinnung_bf.pdf

 

Meldungen zur Maschinentechnik 2013

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2013
Wartung von Abwasserpumpstationen in ländlichen Gebieten 

Wartung von Abwasserpumpstationen in ländlichen Gebieten

Einleitung
Eine Freispiegelkanalisation erschwert die Abwasserentsorgung in ländlichen Gebieten, die meistens eine flache oder hügelige Geomorphologie und eventuell einen hohen Grundwasserstand aufweisen. Die Druckentwässerung bietet dagegen eine Möglichkeit, die Abwasserentsorgung in diesen Gebieten optimal zu gewährleisten. Gerade in zersiedelten Gebieten spielen die Investitionskosten der Abwasserentsorgung eine wesentliche Rolle. Abbildung 1 zeigt die unterschiedlichen Investitionskosten einer Freispiegelkanalisation und einer Druckentwässerung in Abhängigkeit von der Entfernung zur Kläranlage. Zu erkennen ist hier, dass unter bestimmten Annahmen eine Druckentwässerung ab einer Entfernung von ca. 500 m Vorteile gegenüber dem Freispiegelkanal aufweist.

Mehr: https://klaerwerk.info/DWA-Informationen/KA-Betriebs-Infos
KA-Betriebs-Info Heft 2 – 2013

Autor
Dipl.-Ing. Hanns Plihal
BOKU – Universität für Bodenkultur Wien Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz
Muthgasse 18,
1190 Wien,
Österreich
E-Mail: hanns.plihal@boku.ac.at  

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Meldungen zur Maschinentechnik 2014

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2014
Umbau einer Rückschlagklappe zur Steinentnahme  

Umbau einer Rückschlagklappe zur Steinentnahme

Zum Wasserverband Süderdithmarschen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gehören drei größere Kläranlagen zwischen 8000 und 90 000 EW. Dazu kommen vier belüftete Teichanlagen und 13 unbelüftete Teichanlagen sowie ein Dorf mit zwei Vakuumstationen und ca. 300 Vakuumhausanschlüssen. Im gesamten Verbandsbereich gibt es 180 Pumpwerke. Dass Kiesel, Steine und Betonteile im Abwasser mit bewegt werden, kennt jeder, der im Kanalisationsbereich tätig ist. Besondere Probleme entstehen dadurch in den Pumpwerken. Um die Pumpen vor diesen Grobstoffen zu schützen, gibt es Hebeanlagen mit sogenannten Fäkalsammelbehältern, wie zum Beispiel… den ganzen Artikel lesen Sie unter:

https://klaerwerk.info/DWA-Informationen/KA-Betriebs-Infos#2014-1

Autor
Waldemar Herzberg, Abwassermeister
Wasserverband Süderdithmarschen
Siebenbrückenweg,
25704 Meldorf,
Deutschland
Tel. + 49(0) 48 32/5 50 64
E-Mail: waldemar.herzberg@wv-suederdithmarschen.de

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Meldungen zur Maschinentechnik 2015

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2015
Kabelschaden am Nachklärbeckenräumer 

Kabelschaden am Nachklärbeckenräumer

In einer Märznacht im Jahr 2011 wurde der Bereitschaftsdienst der Kläranlage Schmalkalden durch einen Alarm geweckt. Der ZV Schmalkaden und Umgebung liegt am Rhön-Rennsteig im süd-westlichen Thüringen.
Nach Ankunft auf der Kläranlage stellte der Verantwortliche fest, dass ein Räumer der beiden Nachklärbecken seinen Dienst eingestellt hatte. Auch nach dem Quittieren der Störung war der Räumer nicht zum Laufen zu bringen. Am nächsten Morgen entdeckte dann der Betriebselektriker die Ursache, nämlich einen Kabelschaden.
Zu unserem Glück hatten wir ein Jahr zuvor beim Rückbau einer dezentralen Containerkläranlage ein 6-kW-Notstromaggregat sichergestellt und auf der Kläranlage Niederschmalkalden eingelagert. Schnell war das Notstromaggregat auf die Räumerbrücke gehoben, und der Betrieb konnte erstmal weiter gehen. Damit aber war das Problem nicht gelöst. Der schwierigere Teil stand uns noch bevor. Die Frage war, wie…

Den ganzen Artikel lesen Sie in:
Betriebsinfo Informationen für das Betriebspersonal von Abwasseranlagen Heft 31-2015 ab Seite 2315

Autor
Volkhardt Ralf, Abwassermeister
Gespring-Wasser Schmalkalden (GEWAS)
Gothaer Straße 2a, 98574 Schmalkalden, Deutschland
Tel. +49 (0)3 68 48/39 40
E-Mail: ralf-volkhardt@t-online.de

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P05 – Probennahmeringversuch – Abwasser

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Sehr geehrte Damen und Herren,
im Zeitraum vom 03.04.17 bis 07.04.2017 werden wir erneut einen Ringversuch zur Probennahme von Abwasser am Lehr- und Forschungsklärwerk des Instituts für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart anbieten. Die Teilnahme an diesem Ringversuch wird verbunden sein mit einer Begutachtung der Abwasserprobennahme nach Fachmodul Wasser und in Anlehnung an die Regeln der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS). Wir laden Sie hiermit ein, an diesem Ringversuch teilzunehmen.

Sie haben für die Teilnahme zwei Optionen:
Option A: PN-Ringversuch mit Kurzaudit

Sie führen die Probennahme entsprechend der von uns gestellten Aufgabe durch (Aufgabenbeschreibung siehe unten) und analysieren die Proben auf die von uns vorgegebenen Parameter. Die Begutachtung durch unseren Auditor beschränkt sich auf die Beobachtung der eigentlichen Probennahme, Probenhandhabung, Homogenisierung und Vor-Ort-Analytik. Sie erhalten eine Bewertung, eine Teilnahmebescheinigung und einen Kurzbericht.
Zeitbedarf: 1 h
Kosten: 440 € (zzgl. Umsatzsteuer)

Option B: PN-Ringversuch mit Audit in Anlehnung an die Regeln der DAkkS zur Verwendung als internes Audit
Zusätzlich zur Option A begutachten wir in Anlehnung an die Regeln der DAkkS:
o Standardarbeitsanweisungen
o Vollständigkeit der Ausrüstung
o Dokumentation
o Probennahmeplan
o Gerätebücher
o Dokumentation der Kalibrierung
o Entnahmeprotokoll

AQS Baden-Württemberg
Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft
AQS Baden-Württemberg
Ansprechpartner/in
Dr. Frank Baumeister
Kontakt
Bandtäle 2
70569 Stuttgart
T 0711 685-65446
F 0711 685-53769
info@aqsbw.de
www.aqsbw.de

Guten Start ins Neue Jahr 2017!

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Das Team von klärwerk.info wünscht allen Lesern einen Guten Rutsch ins neue Jahr.
Für das neue Jahr wünschen wir Ihnen Gesundheit, Glück und Erfolg.

Denen, die an diesem Tag des Jahresübergangs im Schichtdienst auf den Anlagen arbeiten oder Rufbereitschaft haben, wünschen wir entspanntes Arbeiten und wenig Einsätze.

Das Team von klärwerk.info

Katwarn: Hochwasser-Test geht schief – Stadt Mainz benutzt Warn-App Nina

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Na, das war aber nix: Am Montag sollte eigentlich ein landesweiter Test mit der Warn-App Katwarn Hochwasser-Warnmeldungen auf die Smartphones der App-Benutzer verschicken, doch das ging offenbar schief. Der Katwarn-Probealarm habe „nicht reibungslos funktioniert“, räumte das Mainzer Innenministerium am Dienstag ein. Nur etwa die Hälfte der Nutzer habe die entsprechende Warnmeldung mit akustischem Signal erhalten. Das ist eine echte Pleite, soll doch Katwarn gerade im Katastrophenfall die Benutzer zuverlässig auf Probleme aufmerksam machen. Derweil mussten wir feststellen: Katwarn ist gar nicht die einzige Warn-App – die Stadt Mainz benutzt stattdessen die App Nina.

NINA steht für „Notfall-Informations- und Nachrichten- App“ und ist ein Produkt des Bundes. Nina funktioniert offenbar ganz ähnlich wie Katwarn und soll die Bevölkerung ebenfalls flächendeckend bei nationalen Gefahrenlagen warnen. Technische Grundlage ist hier das Modulare Warnsystem (Mowas) des Bundes, das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe betrieben wird. Und während das rheinland-pfälzische Innenministerium in den vergangenen Monaten eifrig und ständig für die Nutzung von Katwarn warb, blieb Nina weitgehend unbekannt. Das aber ist ein Problem: Manche Kommunen oder Landkreise in Rheinland-Pfalz nutzen nämlich statt Katwarn lieber Nina – man braucht also eigentlich beide Apps, will man flächendeckend gewarnt werden.

Bei der Stadt Mainz jedenfalls heißt es, man habe sich aus Kostengründen für Nina und gegen Katwarn entschieden. „Nina ist lizenzkostenfrei, uns entstehen keine Kosten“, erklärt Stadtsprecher Marc André Glöckner, bei Katwarn dagegen fielen regelmäßige Gebühren an. Nach Informationen von SWR-Online muss bei Katwarn ein Landkreis einmalig rund 15.000 Euro für das Programm bezahlen, dazu wird eine Jahresgebühr von 3.000 Euro fällig – und jede verschickte Warn-SMS koste auch noch ein paar Cent. Bei Nina hingegen, heißt es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz, müsse eine Rettungsleitstelle an das System Mowas angeschlossen werden, für 20.000 Euro kaufe man die entsprechende Sendestation. Die App Nina und deren Nutzung sei dann aber kostenlos.

Quelle: http://www.mainzund.de/katwarn-hochwasser-test-geht-schief-stadt-mainz-warnt-mit-nina/
 

 

Bäume pflanzen beim Radeln

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Mit einem Smartphone-Spiel erstrampeln sich Radfahrer virtuelle Bäume, die später gegen echte getauscht werden können. Der Wettbewerb ist Teil eines Projekts, mit dem Forscher von Siemens Corporate Technology umweltfreundliche Verkehrsmittel fördern.

Das EU-Projekt Streetlife will mit Hilfe moderner Kommunikationstechnik den CO2-Ausstoß im Stadtverkehr der Pilotstädte: Berlin, Tampere, Finnland und Rovereto, Italien reduzieren. In Berlin entwickelten die Partner die App Streetlife, einen intermodalen Routenplaner, der alle Verkehrsmittel kombiniert – Fahrrad, Bus oder Bahn, Auto sowie Fußwege. Die Nutzer bekommen für jede Variante jeweils Zeit, Weglänge, Kosten, aber auch CO2-Emissionen angezeigt. Die Vorschläge berücksichtigen zudem das aktuelle Wetter und informieren erstmals auch über Gefahrenstellen für Fahrradfahrer. Grundlage letzterer Information sind Unfallstatistiken und Befragungen von Radfahrern.

Der Siemens-Beitrag: Die Vernunft attraktiv machen
Siemens ist an Streetlife in dreifacher Weise beteiligt: Die Siemens-Tochter VMZ Berlin ermittelt die intermodalen Routen. Die City Intelligence Platform (CIP), eine Entwicklung von Corporate Technology (CT) mit smarter Datenanalytik an Bord, wickelt alle Services in Hintergrund ab. Als Informations- und Datenplattform für Städte organisiert die CIP die Kommunikation zwischen den verschiedenen Systemkomponenten, verwaltet die Nutzerdaten und wertet sie aus. „Eine solche Auswertung wäre beispielsweise die Frage, ob an bestimmten Tagen besonders viele oder besonders wenige Fahrradkilometer gesammelt wurden, und warum“, sagt CT-Forscher Christian Schwingenschlögl. Um die App, die eher an die Vernunft appelliert, spielerischer und damit attraktiver zu machen, entwickelten er und Astrid Kellermann von der Business Unit Verkehrstechnik bei Mobility Management (MO MM ITS), die Idee für den Wettbewerb BikeRider.

Der Wettbewerb macht den Unterschied
„Das war der entscheidende Dreh, um möglichst viele Nutzer zu gewinnen“, erzählt Kellermann. „Es gibt ja schon einige kommerzielle Apps, in Berlin beispielsweise von der BVG, und wir befürchteten, zu wenige Nutzer zu finden. So kam uns die Idee mit dem Wettbewerb, und das hat wirklich etwas gebracht.“ Mit BikeRider sammeln die Spieler für jeden gefahrenen Fahrradkilometer 10 Blätter. Haben sie 500 Blätter oder 50 Radkilometer beisammen, können sie auf dem virtuellen Stadtplan Berlins einen Baum pflanzen. „Zuerst zeigte die App nur den CO2-Footprint in Form von Blättern an. Nachdem wir den Wettbewerb mit den Bäumen eingeführt hatten, gingen die Nutzerzahlen deutlich nach oben“, sagt Kellermann. Gespielt wird in drei Runden á einem Monat, gestartet ist BikeRider Anfang März. Für jeden Monat werden jeweils die Teilnehmer mit den meisten Fahrradkilometern ermittelt. Die Fahrer auf den ersten beiden Plätzen gewinnen einen echten Baum, der von Siemens gesponsert und von der Berliner Stadtbauminitiative gepflanzt wird.

Mitte April gab es 180 registrierte BikeRider-Teilnehmer, die insgesamt bereits knapp 7000 Kilometer geradelt waren. Die App selbst wurde bis dahin über 900 Mal heruntergeladen. „Es ist schön, zu sehen wie die Community wächst. Ich sehe ganz viele virtuelle Bäume auf unserer Karte“, freut sich Kellermann. Auch die beiden Gewinner für März stehen jetzt fest. Trotz der frühen Jahreszeit haben sie in diesem Monat 460 beziehungsweise fast 400 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt.

GPS-Daten liefern die Fahrradkilometer
Um das Spiel umzusetzen, mussten die Forscher BikeRider zuerst auf der City Intelligence Platform (CIP) implementieren. „Die Berechnung der Fahrradkilometer, die Erstellung des High-Scores, der gesamte Wettbewerb läuft auf der Plattform“, erklärt Schwingenschlögl. Die Spieler übermitteln an sie die GPS-Daten ihres Smartphones. Ein von den Forschern entwickelter Algorithmus ermittelt dann, ob der Teilnehmer zum jeweiligen Zeitpunkt radelt, geht oder Bus fährt. Daraus ergibt sich die Grundlage des Spiels – nämlich die von jedem Spieler mit dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer.

In dem EU-Projekt wird nun untersucht, wie die App das Verhalten beeinflusst. Nutzer – die ansonsten anonym radeln – werden gefragt, warum sie vorgeschlagene Routen verwenden oder nicht. Diese Erhebungen macht das Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), die App selbst stammt vom Projektpartner DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz). Anhand der Ergebnisse soll modelliert werden, wie sich die App bei einer großflächigen Umsetzung insgesamt auf den Berliner Verkehr auswirken würde.

Ausweitung auf andere Städte
Streetlife endet im Herbst 2016. „Wir überlegen, an andere Städte mit der Idee heranzutreten, BikeRider als Motivation fürs Radfahren einzusetzen“, berichtet Kellermann. „Eine Routen-App gibt es fast in jeder Stadt, in München zum Beispiel von der MVG. Darauf kann BikeRider aufbauen.“ Die City Intelligence Platform, die die Trackingdaten verarbeitet, sei ebenfalls für die jeweilige Stadt einfach aufzusetzen. Erste Anfragen gibt es bereits. Derweil überlegen die Forscher, das Spiel weiter auszubauen, beispielsweise um Teams gegeneinander antreten zu lassen. Das gäbe den Städten die Möglichkeit, einen groß angelegten Wettbewerb zu starten oder das Spiel in Zusammenhang mit Großereignissen umzusetzen und so Mobilität nachhaltig zu organisieren.

Kontakt:
Herr Dr Norbert Aschenbrenner
Redaktion
Siemens AG
norbert.aschenbrenner@siemens.com

Originalartikel im Internet:
https://www.siemens.com/innovation/de/home/pictures-of-the-future/mobilitaet-uns…