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Entwicklungen des Phoshprrecyclings

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Dokumentation DPP-FORUM 2018
Am 19.09.2018 trafen sich knapp 120 Branchenkenner und Interessierte, um sich im Rahmen des nunmehr zum fünften Mal stattfindenden DPP-FORUMs in Frankfurt über die neuesten Entwicklungen des Phoshprrecyclings zu informieren. Dieses Jahr stand die Veranstaltung ganz im Zeichen der von der Phosphorrückgewinnung betroffenen Stoffströme, sowie den Lösungsansätzen, wie ein Phosphorrecycling flächendeckend umgesetzt werden kann. Mehr:

https://www.deutsche-phosphor-plattform.de/dokumentation-dpp-forum-2018/

Die Vorträge und eine Teilnehmerliste können Sie auf unserer Internetseite herunterladen.

Gegen Straßenschmutz im Regenwasser

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Autos verschmutzen nicht nur die Luft, sondern auch die Straßen, auf denen sie fahren. Abrieb von Reifen und Bremsen oder Verlust von Öl – wenn es regnet, gelangen Schadstoffe von den Straßen ins Abwasser. Wie dieses bestmöglich gereinigt werden kann, erforschen Wissenschaftler der Hochschule OWL im Rahmen eines vom NRW-Umweltministerium geförderten Projektes. Die Untersuchungen finden an der Bundesstraße 64 in Höxter statt.

Wenn Regen auf versiegelte Flächen fällt, wäscht er von diesen Verunreinigungen ab, bevor er im Abflusssystem verschwindet. Auf Straßen handelt es sich bei den Verunreinigungen nicht nur um Laub oder Staub, sondern auch um Partikel, die nicht natürlichen Ursprungs sind: Abrieb von Bremsen oder von Reifen, Öl oder metallische Teilchen, die beispielsweise von rostenden Leitplanken stammen. All diese Partikel gelangen mit dem Regenwasser in den Straßenablauf. Dort wird versucht, sie mit Filtern oder durch Einrichtungen, in denen sie sich absetzen, aus dem Wasser zu eliminieren – bisher sind die Ergebnisse jedoch nicht zufriedenstellend: „Wir haben in einem inzwischen abgeschlossenen Forschungsprojekt Abscheider untersucht, mit denen das Wasser behandelt wird. Dazu haben wir Messungen in Straßenabläufen durchgeführt und mit Labordaten verglichen. Dabei fällt auf, dass die Abscheider im Einsatz an der Straße nicht so gut arbeiten wie sich aus dem Verhalten im Labor erwarten ließ“, sagt Professor Joachim Fettig vom Fachgebiet Wassertechnologie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

Er und sein Team bearbeiten jetzt ein Folgeprojekt mit dem Titel „Erfassung und weitergehende Charakterisierung der Fraktion AFS-fein im Zu- und Ablauf von dezentralen Anlagen zur Behandlung des Niederschlagswassers von Verkehrsflächen“. Dabei geht es darum, die Eigenschaften der Schmutz-Partikel genauer zu verstehen, um diese besser als bisher aus dem Wasser abscheiden zu können. Das Projekt wird seit Mai 2018 für zwei Jahre mit 160.000 Euro vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Die Wissenschaftler arbeiten an einem Versuchsstand an der Bundesstraße 64 im Stadtgebiet Höxter. Dort entnehmen sie bei Regen automatisiert Proben aus dem abfließenden Wasser. „Die vorhandenen Partikel analysieren wir anschließend mit unterschiedlichen Messmethoden, beispielsweise hinsichtlich ihrer Größe und Dichte“, so Fettig, der auch Sprecher des Forschungsschwerpunktes „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz“ der Hochschule OWL ist. Die betrachteten Partikel, die im Projektnamen als „Fraktion AFS-fein“ benannt sind, sind abfilterbare Stoffe (AFS), die kleiner als 63 Tausendstel eines Millimeter sind.

Die Forscher sammeln über einen Zeitraum von zwei Jahren Daten bei mehreren Dutzend Regengüssen. Neben Metallen und organischen Verunreinigungen steht dabei auch das Thema Mikroplastik im Fokus. „Mikroplastik wird aktuell stark diskutiert, allerdings vor allem im Bereich der Kläranlagen. Der Nachweis im Straßenwasser ist nicht nur für uns neu, sondern allgemein Pionierarbeit“, sagt Fettig. Die Wissenschaftler der Hochschule OWL kooperieren in diesem Gebiet mit der Hochschule Rhein-Main, in deren Labors die Mikroplastik-Analysen stattfinden. Das Projekt in Höxter zeichnet sich zudem durch zwei weitere Besonderheiten aus: Zum einen verfolgt es den zeitlichen Verlauf des Regens und geht damit der Frage nach, ob bzw. inwieweit das am Anfang eines Regengusses fallende Wasser am stärksten verschmutzt wird. Zum anderen bringen die Wissenschaftler die Wasserverunreinigungen mit Verkehrsdaten in Verbindung. Hierzu haben sie ein Messsystem installiert, das erfasst, wie viele Fahrzeuge – getrennt nach PKW, LKW und Bussen – den Versuchsstand passieren.

Forschungsschwerpunkt „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz“
Der Forschungsschwerpunkt „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz“ der Hochschule OWL befasst sich mit der Gewässerreinhaltung und Gewässergütebestimmung, der Wassermengenwirtschaft, der Gewässer- und Auenökologie sowie der Gewässerentwicklung. Zusätzlich berücksichtigen die Forscherinnen und Forscher wasserwirtschaftliche Aspekte der Geotechnik, Abfallwirtschaft und Deponietechnik. Dabei kommen Methoden der Modelltechnik und der modernen Datenverarbeitung zur Anwendung. Ein Schwerpunkt liegt auf der interdisziplinären Forschung. Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Fachgebieten der beiden Höxteraner Fachbereiche Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik sowie Landschaftsarchitektur und Umweltplanung. www.hs-owl.de/fb8/forschung

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Kontakt: Professor Dr. Joachim Fettig, Telefon 05271 687-7851, E-Mail joachim.fettig@hs-owl.de

Solarfaltdach ARA Chur offiziell eingeweiht

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Die komplette Überdachung der Kläranlage (Abwasserreinigungsanlage = ARA) Chur mit dem weltweit ersten Solarfaltdach Horizon ist abgeschlossen. Die IBC Energie Wasser Chur (IBC) investierte als Bauherrin insgesamt 1.65 Mio. CHF.

Der produzierte Ökostrom wird direkt vor Ort in der ARA Chur gebraucht, wo er rund 20% des Gesamtbedarfs oder den Strombedarf von rund 120 Haushaltungen abdeckt.
Zusammen mit der dhp technology aus Landquart realisierte die IBC in den letzten zwei Jahren das Solarkraftwerk Horizon mit dem weltweit ersten Solarfaltdach.

Leichtbauweise
Das Solarfaltdach ist ein konsequenter Leichtbau, dadurch wird aufgrund des großen Stützenrasters der Betrieb der Kläranlage nicht eingeschränkt und die Doppelnutzung der Fläche ermöglicht. Weiter wird untersucht, ob die 4.150 m2 Solarmodulfläche die Algenbildung reduzieren und somit die Wartungskosten der Klärbecken senken.

Solarmodule werden in Garage gefahren
Herkömmliche, fest installierte Solarmodule müssen Sturm, Hagel und Schneefall trotzen. Anders das Solarfaltdach: Die Solarmodule werden je nach Wetterlage vollautomatisch in eine Garage ein- und ausgefahren. Die Steuerung berücksichtigt lokale Wetterdaten und externe Wetterprognosen. Durch die Schutzfunktion wird auch im Winter kein Produktionstag durch schneebedeckte Module verschwendet.

Strom produzieren, wo er gebraucht wird
Andreas Hügli, Geschäftsführender Partner der dhp freut sich: „Mit unserer Solarfaltdachlö-sung ist es auf Kläranlagen erstmals möglich, moderne Eigenverbrauchslösungen mit Solarstromproduktion im industriellen Maßstab zu realisieren. Wir freuen uns über das grosse Interesse vieler ARA im In- und Ausland den Strom zeitgemäss direkt vor Ort zu produzieren. Die IBC und die Stadt Chur als Innovationspartner haben damit einen wichtigen Grundstein gelegt.“

Quelle:
BC Energy
solarserver.de

Sonderurlaub für Arbeitnehmer – bekomme ich den auch?

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Der Begriff „Sonderurlaub“ bezeichnet die Befreiung des Arbeitnehmers von seiner Pflicht zur Erbringung von Arbeitsleistung außerhalb des ordentlichen Jahresurlaubs.

Dies kann bei voller Bezahlung oder entgeltlos geschehen. Entfällt das Recht auf Lohnfortzahlung für den Arbeitnehmer während dieser Zeit, spricht der Anwalt vom Sonderurlaub im Rechtssinne. Dieser ist nicht im Arbeitsrecht gesichert. Der Arbeitnehmer handelt ihn einzelvertraglich mit seinem Arbeitgeber aus, sofern er nicht durch Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen geregelt ist.

Sonderurlaub bei vollem Lohnausgleich
Unter bestimmten Bedingungen steht Ihnen Sonderurlaub bei voller Lohnfortzahlung zu. Die Voraussetzungen hierzu sind in § 616 BGB geregelt und lauten wie folgt: Der Arbeitnehmer muss für nicht wesentliche Zeit durch Gründe an der Erbringung der Arbeitsleistung gehindert werden, an denen ihn keine Schuld trifft und die in seiner Person liegen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, hat der Arbeitgeber ihn bei voller Lohnfortzahlung von der Arbeit freizustellen. Er ist nach § 616 Satz 2 BGB dazu berechtigt, dem Arbeitnehmer angefallene Unkosten durch Kranken- oder Unfallversicherungen in Rechnung zu stellen. Anerkannte Gründe für den bezahlten Sonder-Urlaub Typische Gründe, die einen Anspruch auf bezahlten (http://www.anwaltarbeitsrecht.com/thema/urlaubsanspruch) Sonderurlaub rechtfertigen, sind die Geburt eines eigenen Kindes sowie seine Pflege im Krankheitsfall. Es gibt noch einige weitere Gründe wie ein Todesfall oder die Beerdigung eines nahen Verwandten. Ebenso viele Ausnahmefälle existieren. Die Länge der Beurlaubung ist gesetzlich nicht geregelt und der Anspruch auf Sonderurlaub im Allgemeinen nach § 616 BGB dispositiv, das heißt, durch einen Arbeitsvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag zu umgehen. Es empfiehlt sich in jedem Fall, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht für Arbeitgeber zu befragen. Unter www.anwaltarbeitsrecht.com finden Sie außerdem viele weitere Tipps zum Arbeitsrecht.

Autorin:
Marlene Keller
http://www.anwaltarbeitsrecht.com/

Mehr Infos zum Thema Sonderurlaub auch unter: https://www.arbeitsrechte.de/sonderurlaub/

Klarwasser in Flüssen: Herausforderung für das Trinkwasser?

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Klarwasser in Flüssen: Herausforderung für das Trinkwasser?

Klarwasser, behandeltes kommunales Abwasser, wird oft in Fließgewässer eingeleitet. Für eine UBA-Studie wurde der Klarwasseranteil in Oberflächengewässern deutschlandweit eingeschätzt und das Risiko für die Trinkwassergewinnung bewertet. Zudem gibt die Studie Handlungsempfehlungen bei Überschreitungen gesundheitlicher Orientierungswerte. Per se besteht für die öffentliche Gesundheit keine Gefahr.

Circa 17 Prozent des Trinkwassers, das über die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland bereitgestellt wird, stammt aus Uferfiltration oder künstlicher Grundwasseranreicherung. Dabei leisten Flüsse und Seen einen wichtigen Beitrag. Neben Regenwasser, landwirtschaftlichen Entwässerungen oder industriellen Direkteinleitern nehmen Flüsse häufig aber auch behandeltes Kommunalabwasser, sogenanntes Klarwasser, aus der Kläranlage und darin enthaltene Schadstoffe und Krankheitserreger auf. Der relative Anteil von Klarwasser in den Flüssen hängt direkt vom Abflussregime des aufnehmenden Gewässers ab.

Die Studie Dynamik der Klarwasseranteile in Oberflächengewässern und mögliche Herausforderungen für die Trinkwassergewinnung in Deutschland erlaubt erstmalig eine deutschlandweite quantitative Einschätzung der Klarwasseranteile in Oberflächengewässern bei unterschiedlichen Abflussbedingungen und eine Abschätzung möglicher Herausforderungen für die Trinkwassergewinnung.

Nach Erkenntnissen dieser Studie liegen die Klarwasseranteile bei mittleren Abflussverhältnissen deutschlandweit in den meisten Oberläufen im Bereich von 0-5 %. Klarwasseranteile von > 5-10 % sowie > 10-20 % dominieren in größeren Teilflusseinzugsgebieten in oder unterhalb von Ballungsräumen (z.B. Havel, Neckar, Niederrhein, Maas, Mittelrhein) sowie in abflussschwachen Gewässern (z.B. Main, Ems, Neckar). Bei Niedrigwasserbedingungen verschiebt sich dieses Bild deutlich. Dann dominieren deutschlandweit Klarwasseranteile von > 10-20 % und liegen in etlichen Teileinzugsgebieten über weite Strecken bei > 20-30 % (z.B. Elbe/Saale, Weser, Mittelrhein). In einigen Flussabschnitten liegen die Klarwasseranteile mit > 30-50 % jedoch deutlich höher (z.B. Abschnitte des Mains, der Ems, der Weser und der Havel), teils sogar bei über 50 % (z.B. Teileinzugsgebiete des Neckars, der Ostsee, des Nieder- und Mittelrheins).

Das Auftreten erhöhter Klarwasseranteile in einem Oberflächengewässer stellt bei einer Trinkwassergewinnung über Uferfiltration und künstliche Grundwasseranreicherung per se kein Risiko für die öffentliche Gesundheit dar. Ausschlaggebend für die Risikobewertung sind standortspezifische hydrobiogeologische Bedingungen der Bodenpassage. Fallbeispiele in der Studie zeigen auf, welche Bedingungen Überschreitungen der Gesundheitlichen Orientierungswerte für chemische Stoffe begünstigen können.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ein umfassendes Verständnisses der Dynamik des gesamten Einzugsgebietes bei einer Wassergewinnung aus Uferfiltration oder künstlicher Grundwasseranreicherung nötig ist – vor allem dort, wo hohe Klarwasseranteile auftreten und die Uferfiltration einen substantiellen Anteil am gewonnenen Rohwasser hat. Eine entsprechende Risikoabschätzung steht bei vielen Landesbehörden und Wasserversorgungsunternehmen noch aus.
Im Zuge des Klimawandels werden Klarwasseranteile in den Oberflächengewässern zunehmen und somit qualitativ sowohl für den ökologischen und chemischen Zustand des Gewässers als auch für die Trinkwasserversorgung eine noch größere Rolle spielen.

Die UBA-Empfehlungen zur Reduzierung von Mikroverunreinigungen in den Gewässern leisten dahingehend einen Beitrag.

Darüber hinaus sollten die vorliegenden Ergebnisse über Klarwasseranteile in deutschen Oberflächengewässern auch im Hinblick auf andere Nutzungen aus Oberflächengewässern, zum Beispiel landwirtschaftliche Bewässerung, berücksichtigt werden. Vor allem bei Niedrigwasserbedingungen kann die Belastung mit abwasserbürtigen Schadstoffen und Krankheitserregern hoch sein und eine weitere Aufbereitung erforderlich machen, um mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken zu vermeiden. Dies sollte auch im Zuge der aktuellen Diskussion zu Wasserwiederverwendung („Water reuse“) bedacht werden. Ohne eine Risikoabschätzung können Oberflächengewässer bei einem Vergleich mit aufbereitetem Abwasser nicht grundsätzlich als unbelastet bzw. besser geeignet angenommen werden.
Es braucht einen ganzheitlichen Blick, um sicherzustellen, dass Oberflächengewässern den verschiedenen relevanten Nutzungen und Ansprüchen von Ökologie, über Trinkwassergewinnung via Uferfiltrat/ Grundwasseranreicherung zu landwirtschaftlicher Bewässerung gerecht werden.

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klarwasser-in-fluessen-herausforderung-fuer-das

Energetische Kennfelder in der Abwasser- und Schlammbehandlung

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Dr.-Ing. Gerhard Seibert-Erling, Frechen

1 VOM EINFACHEN MESSWERT ZUM ONLINE-KENNWERT

Die Energie auf Kläranlagen hat sich als eigenständiger Bereich neben den traditionellen Gewerken Verfahrens-, Maschinen- und Elektrotechnik sowie Instandhaltung etabliert. Mit dem Arbeitsblatt DWA-A 216 [1] wurden die methodischen Grundlagen für eine einheitliche Bewertung der energetischen Situation geschaffen. Mit der überarbeiteten Version des Handbuchs Energie und Abwasser NRW (2017) [2] liegt ein umfassendes Nachschlagewerk für alle energetischen Fragestellungen vor. In zukünftig erscheinenden Ausgaben des technischen Regelwerkes werden die energetischen Aspekte wesentlich mehr Raum einnehmen. Das gilt insbesondere für das im laufenden Jahr erscheinende Merkblatt DWA-M 229 Teil 1 und Teil 2 [3] über Systeme zur Belüftung und Durchmischung von Belebungsanlagen.

Bei den im Arbeitsblatt DWA-A 216 beschriebenen Kennzahlen handelt es sich um statistische Verbrauchswerte (auf die Einwohnerbelastung bezogene Jahreswerte) zur energetischen Einordnung der Kläranlage und ihrer wichtigsten Teilbereiche (Belüftung). Damit lassen sich einfach erkennbare Einsparpotenziale (zu hohe Sauerstoffgehalte, unnötig hohe Förderleistung von Pumpen) identifizieren.

Zur Erschließung der großen und bisher kaum genutzten Potenziale durch Effizienzsteigerung werden jedoch ursachenbezogene Kennwerte benötigt. Die Einwohnerbelastung ist dafür nicht geeignet, weil sie durch zeitliche Mittelung, mindestens über mehrere Tage, aus mehreren Einzelbelastungsgrößen ermittelt wird und deshalb als Bezugswert für eine direkte elektrische Leistungsmessung nicht geeignet ist. Die Unschärfe der Ergebnisse würde keine belastbaren Schlussfolgerungen für die optimierte Betriebsweise eines Aggregates zulassen. Es ist deshalb sinnvoll, die wesentlichen verfahrenstechnischen Prozesse nach dem Ursache- Wirkungs-Prinzip in verkettete Teilschritte zu zerlegen, um darauf aufbauend die Voraussetzungen für eine systematische Effizienzsteigerung zu schaffen.

Es ist allerdings noch eine Entwicklungsphase erforderlich. Am besten auf mehreren Anlagen und bei unterschiedlichen Betriebsbedingungen, um Erfahrungen mit der Anwendbarkeit und Zuverlässigkeit der Methoden und der Übertragbarkeit der ermittelten Kennwerte zu gewinnen.

Wenn es gelingt, stabile Kennwerte zu definieren und diese sogar online im Leitsystem oder in der Steuerung der Aggregate anzuzeigen, dann ist das ein wichtiger Baustein der energetischen Optimierung. Zugleich wird das Betriebspersonal bei der Überwachung der Anlage entlastet, weil durch den Blick auf die Kennwerte die Betrachtung der zugrunde liegenden Einzelkurven nur noch dann erforderlich ist, wenn die Kennwerte bzw. deren Verläufe die vorgegebene Bandbreite verlassen oder sonstige Auffälligkeiten zeigen.

2 KENNWERTE DES BELÜFTUNGSSYSTEMS

Für die energieintensive Belüftung liegen zwischenzeitlich Erfahrungswerte aus unterschiedlichen Regelwerken, Reihenuntersuchungen und Einzelanalysen vor (Bild 1). Wenn sich als Ergebnis einer Energieanalyse ein höherer Wert als 13 kWh/(EW a) ergibt, lässt sich zwar formal ein Einsparpotenzial feststellen, welches durchaus auch größer als die Differenz zu dem Idealwert des Handbuchs sein kann. Wie hoch dieses sein wird und welche Maßnahmen zum Ziel führen, lässt sich bisher nur aufgrund von Erfahrungswerten abschätzen. Eine belastbare Prognose ist jedoch ohne eine energetische Einzelbewertung der Anlagentechnik (Verdichter, Luftverteilung, Belüfter) schwierig. 

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Bild 1: Spezifischer Stromverbrauch der Belüftung

Erst durch Zerlegung des Belüftungssystems in die Drucklufterzeugung, die Luftverteilung und den Sauerstoffeintrag in den Belebungsbecken lassen sich ursachenbezogene energetische Werte festlegen. Im Bild 2 sind die beim Belüftungssystem üblichen Messgrößen, die physikalischen Kenngrößen und die Bemessungswerte einer Druckbelüftung dargestellt. Die Kreisstruktur verdeutlicht, dass die drei wesentlichen Elemente über Koppelgrößen voneinander abhängen, sodass zwar für jede Stufe Kenngrößen definiert werden können; entscheidend ist aber das Verhalten des Gesamtsystems. Beispielsweise kann durch eine vergleichsweise feine Lochung der Belüfter eine hoher Sauerstoffeintrag bezogen auf die benötigte Luftmenge erzielt werden. Wenn das jedoch zu einem höheren Gegendruck der Belüfter führt, dann schlägt sich das wiederum in einem höheren Stromverbrauch der Verdichter nieder. 

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Bild 2: Messgrößen, physikalische und energetische Kenngrößen des Belüftungssystems

3 KENNZAHLEN UND KENNZAHLENSYSTEM

Nach einer allgemeinen Definition dienen Kennzahlen (Bild 3) dazu, quantitativ erfassbare Sachverhalte in komprimierter Form wiedergeben zu können [4]. Der praktische Nutzen von Kennzahlen stellt sich jedoch nur dann ein, wenn sie leicht verständlich, einfach zu erheben und selbst beeinflussbar (nicht manipulierbar!) sind. Weitere Erfolgsfaktoren sind die Aktualität und die Richtigkeit. Richtigkeit steht hier für eine möglichst gute Übereinstimmung einer Kennzahl mit der Realität in dem Sinne, dass sie dem Adressaten oder Nutzer unter Berücksichtigung des Informationsbedarfs ein zutreffendes Bild der Wirklichkeit liefert. 

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Bild 3: Einleitung der Kennzahlen

Die Richtigkeit im Sinne des Informationsziels ist insofern das wichtigste Kriterium für die erfolgreiche Arbeit mit Kennzahlen. Falsche Kennzahlen sind schlechte Ratgeber. Fehlerhafte Kennzahlen können entstehen durch falsche Berechnungen oder durch Mängel bei der Konstruktion mathematischer Operationen, was häufig bei relativen Kennzahlen vorkommt. Fehler lassen sich vermeiden, wenn vor allem das beabsichtigte Informationsziel klar beschrieben ist und dem Informationsbedarf des Adressaten entspricht. Eine verbreitete Unsitte im informationstechnischen Zeitalter ist die Erzeugung einer Kennzahleninflation. Es werden zu viele Kennzahlen gebildet, deren Aussagekraft im Verhältnis zum Aufwand für ihre Ermittlungen letztlich zu gering ist und schon von anderen Kennzahlen abgedeckt wird. Die Problematik der Kennzahlendefinition und – anwendung ist daher nicht zu unterschätzen.

4 KENNZAHLEN VON DRUCKLUFTERZEUGERN

Ein ursachenbezogener energetischer Kennwert von Verdichtern ist die spezifische Leistung; das ist die auf die Fördermenge und die Druckdifferenz bezogene elektrische Leistung. Von den Herstellern der Aggregate werden diese Werte im Zuge einer Werksabnahme auf Prüfständen ermittelt. Weil aber für unterschiedliche Bauarten (Drehkolbengebläse/Turboverdichter) auch unterschiedliche Prüfnormen gelten, ist die Vergleichbarkeit eingeschränkt. Eine Überprüfung der von den Herstellern angegebenen Leistungsdaten ist unter Betriebsbedingungen faktisch nicht mehr möglich, weil die Systemabgrenzung im eingebauten Zustand in der Regel nicht mehr mit den Bedingungen auf einem Prüfstand vergleichbar ist. Zudem erfolgt die Prüfung von Aggregaten beim Hersteller stets bei stationären Bedingungen für ausgewählte Betriebspunkte. Hingegen sind gerade auf Kläranlagen die Betriebsbedingungen aufgrund der wechselnden Belastung instationär und mit einer sehr hohen Bandbreite von 1:10 und höher. Die ursachenbezogene energetische Bewertung von Aggregategruppen (Verdichterstation mit Aggregaten unterschiedlicher Bauart) oder von Teilanlagen (Belüftung von Belebungsbecken) ist unter diesen Voraussetzungen eine äußert komplexe Aufgabenstellung. Das soll nachfolgend durch die unterschiedlichen Sichten auf das gleiche System verdeutlicht werden:

Die wissenschaftlich korrekte Sichtweise
Die energetische Effizienz eines Drucklufterzeugers wird durch die spezifische Leistung beschrieben, wobei die einzusetzenden Größen zunächst allgemein beschrieben sind. Im Sinne des Ursache-Wirkungs-Prinzips führt die elektrische Leistung (Ursache) zu einem Volumenstrom mit einem erhöhten Druck (Wirkung) [5]. Diese mathematisch und physikalisch vollständig erscheinende Definition ist jedoch unter praktischen Gesichtspunkten unvollständig, weil für ein reales Aggregat und dessen Überprüfung zunächst weder eine eindeutige Systemabgrenzung noch eine Festlegung der Mess- und Betriebsbedingungen angegeben ist. Für die Leistung stehen beispielsweise die Kupplungsleistung der Verdichterstufe, die Leistungsaufnahme des Elektromotors oder die Leistung am Abgang der Sammelschiene und somit unter Einbeziehung eines Frequenzumformers zur Drehzahlverstellung zur Auswahl. 

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Aus der Sicht des Herstellers
Betrachtet man ein Einzelaggregat aus der Sicht des Herstellers, dann lässt sich die Effizienz durch die Festlegung der Größen hinreichend genau beschreiben. Vor allem können auf dieser Grundlage Aggregate untereinander verglichen werden. Das gilt allerdings zunächst nur dann, wenn die Betriebszustände (Leistung, Luftmenge, Druck) der zu vergleichenden Aggregate ähnlich sind. Vor allem beim Druck ist zu beachten, dass dieser in einem deutlich nichtlinearen Verhältnis zur Leistung stehen kann und in diesem Fall nur Aggregate bei gleichen Druckdifferenzen verglichen werden dürfen.

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Aus der Sicht des Betreibers
Aus der Sicht eines Betreibers ist ein Vergleich von Aggregaten aufgrund von Prüfstandswerten bei stationären Bedingungen nur von akademischem Interesse. Ausschlaggebend für den praktischen Einsatz ist das Verhalten am Einsatzort und unter wechselnden Betriebsbedingungen. Maßgebend für die Bewertung ist hier in erster Linie der erforderliche(!) Druck in der Sammelleitung. Wenn Aggregate für einen zu hohen Druck ausgelegt sind, kann das dazu führen, dass sich zwar für den Auslegungsdruck eine hohe energetische Effizienz ergibt, nicht jedoch für den tatsächlich benötigten Druck im Anwendungsfall. Beispielsweise sind Niederdruck – Schraubenverdichter deutlich effizienter als Drehkolbengebläse, allerdings erst ab einer Druckdifferenz von 450 mbar. Wenn beispielsweise für eine Sandfangbelüftung ein Druck von nur 200 mbar benötigt wird, dann sind Drehkolbengebläse bezogen auf den benötigten Druck effizienter. Beim Einsatz eines Schraubenverdichters mit innerer Verdichtung würde die Druckluft das Aggregat mit einem unnötig hohen Druck von ca. 500 mbar verlassen und sich unter großem Energieverlust unmittelbar entspannen. 

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5 PRAXISBEISPIELE

5.1 KW Darmstadt-Süd (Eberstadt): Energetische Online-Kennzahlen

Auf dem Klärwerk Darmstadt-Süd wurden die Verdichter erneuert. Bei den gegebenen Druckverhältnissen bot sich aus Gründen der energetischen Effizienz ein Wechsel von Drehkolbengebläsen auf Niederdruck-Schraubenverdichter an. Weil sich mit den zuvor eingesetzten vier baugleichen Drehkolbengebläsen im unteren Lastbereich eine ungünstige Staffelung mit der Folge häufiger Schaltvorgänge ergab, wurden Schraubenverdichter mit unterschiedlichen Baugrößen beschafft. Die Kennlinien der neuen Schraubenverdichter haben eine sehr große Überdeckung. Außerdem lösen sie sich mit fast gleicher energetischer Effizienz ab, sodass sich sehr günstige Voraussetzungen für die Regelung ergeben. Die für die Auslegung der Verdichter ermittelten Kennlinien bzw. Kennfelder werden unter Betriebsbedingungen eingehalten (Bild 4). Die Analyse der Abweichungen im Übergangsbereich ergab, dass noch Probleme bei der Regelung vorhanden waren, die behoben wurden. Die aus den vollständig übertragenen Daten der Verdichter (Leistung, Drücke, Temperaturen, etc.) nachträglich ermittelten Kennwerte decken sich weitgehend mit den Auslegungsdaten. Die mathematischen Formeln zur Berechnung der Kennwerte wurden zwischenzeitlich im Leitsystem der Kläranlage implementiert, sodass die Kennwerte jetzt online angezeigt und aufgezeichnet werden (Bild 5). 

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Bild 4: Auslegungsdaten und Betriebsdaten im Vergleich 

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Bild 5: Prozessbild mit den Online-Kennwerten der Verdichter 

5.2 GKW Köln-Stammheim: Vergleich von Turboverdichtern

Auf dem GKW Köln-Stammheim wurde die Druckluftversorgung der Hochlastbelebung modernisiert. Von der ursprünglich vier bau- und typgleichen Turboverdichtern mit fester Antriebsdrehzahl und Luftmengenverstellung mittels Diffusor und Leitrad wird ein Aggregat weiterbetrieben. Zusätzlich wurden zwei neue drehzahlverstellbare Turboverdichter mit Magnet- bzw. Luftlagerung und Hochgeschwindigkeitsmotor aufgestellt. Alle Verdichter laufen nun unter gleichen Betriebsbedingungen. Die Leistungsaufnahme jedes Verdichters wird im Sammelschienenabgang als Wirkleistung erfasst. In der Sammelleitung sind zwei Druckmessungen (redundant) eingebaut. Auf der Verbraucherseite sind Luftmengenmessungen (Hitzdrahtanemometer) eingebaut. Eine noch vorhandene Undichtigkeit in der Druckleitung wurde identifiziert, jedoch konnte die Leckage noch nicht geortet werden. Deshalb wurden die Werte der Luftmenge entsprechend korrigiert.

Im Vergleich (Bild 6) zeigt sich, dass die Kennlinien der drehzahlverstellbaren Turboverdichter (TV1 und TV2) eine ausgeprägte Parabelform besitzen und nur im mittleren Bereich energieeffizient arbeiten. Bei der klassischen Bauweise (TV3) verläuft die Kennlinie flacher und die größte Effizienz wird bei Volllast erreicht. Nur einer der beiden neuen Turboverdichter liegt mit dem alten Turboverdichter etwa gleichauf.

Zu Ungunsten der alten Turboverdichter ist allerdings zu werten, dass die automatische Regelung des Vorleitrades nach dem vom Hersteller ermittelten Kennfeld eine wesentliche Voraussetzung für den energieeffizienten Betrieb ist. In der Praxis stellt man leider zu oft fest, dass die Regelung des Vorleitrades unzureichend funktioniert, was zu einem um 15 – 20% höheren Stromverbrauch führt. 

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Bild 6: Kennlinien unterschiedlicher Bauarten von Turboverdichtern 

7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

Die energetischen Potenziale durch Steigerung der Energieeffizienz von Aggregaten (Pumpen, Verdichter, etc.) sind bislang kaum erschlossen. Wenn es gelingt, die Aggregate bei wechselnder Belastung überwiegend in dem meist engen Bereich ihres höchsten Wirkungsgrades zu betreiben, dann ist durchaus noch eine Einsparung von bis zu 20% möglich. Dazu müssen jedoch Planung, Betrieb und Instandhaltung konsequent auf diese Forderungen ausgerichtet werden.

Die Einführung standardisierter Kennzahlen in Handbüchern und Regelwerken ist ein wichtiger Schritt in dieser Richtung. Die für Verdichter vorgestellten Kennwerte haben sich bereits in der Praxis bewährt. Mit der Visualisierung als Online-Wert über der Zeit wird dem Betriebspersonal ein wichtiges Instrument zur Überwachung der Aggregate zur Verfügung gestellt. Man muss dem mit realen Messdaten vertrauten Betriebspersonal allerdings Zeit geben, sich an die neuen abstrakten Kennwerte und deren Verhalten bei unterschiedlichen Betriebsbedingungen zu gewöhnen.

Die x-y-Darstellung des Kennwertes über der maßgeblichen Prozessgröße (bei Pumpen die Fördermenge, bei Verdichtern die Luftmenge) als Kennfeld ist aus energetischer Sicht interessant und kann außerdem wertvolle Hinweise für die Instandhaltung geben. 

8 LITERATUR 

[1] DWA-Regelwerk des DWA-Arbeitsblattes: Energiecheck und Energieanalyse – Instrumente zur Energieoptimierung von Abwasseranlagen, Hrsg.: DWA, Dezember 2015 
[2] Pinnekamp J., Gredigk-Hoffmann S., Riße H., Miethig S., Loderhose M., Wöffen B., Genzowsky K., Bolle F-W., Schröder M., Gramlich E., Schmitz M., Koenen S., Seibert-Erling G.: Energie in Abwasseranlagen, Hrsg.: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2017 (unveröffentlich)
[3] DWA-Regelwerk des DWA-Merkblattes: Systeme zur Belüftung und Durchmischung von Belebungsanlagen Teil 2: Betrieb Hrsg.: DWA, Juni 2016 (unveröffentlicht) 
[4] Seibert-Erling, G.: Energetische Kennzahlen für den Betrieb von Kläranlagen und Kanalnetzen, Beitrag zum 31. Bochumer Workshop Siedlungswasserwirtschaft „Klimaschutz und Energiewende – Welchen Beitrag liefert der Abwassersektor?“ , Bochum, 2013 
[5] Frey, W.: Messwerte und Kennzahlen der maschinellen Ausrüstung auf Kläranlagen, Band 224, Wiener Mitteilungen, 2011 

 

Kläranlagen fordern Abschaffung von Ökostrom-Umlage

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Die Betreiber der Kläranlagen in Hessen und Rheinland-Pfalz dringen auf eine Abschaffung der Ökostrom-Umlage, die auch bei einer Eigennutzung von Klärgas zur Stromerzeugung gezahlt werden muss. Auf dem Abwassertag des Landesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz (LDEW) sprach dessen Geschäftsführer Horst Meierhofer am Freitag in Mainz von einer „unsinnigen Regelung“. Die EEG-Umlage sei für die Bemühungen der Abwasserbetriebe um eine möglichst hohe Energieeffizienz wenig förderlich.

Meierhofer sprach außerdem von einem Zielkonflikt zwischen möglichst sparsamem Stromverbrauch und der Forderung, „auch noch den letzten nachweisbaren Spurenstoff aus dem Abwasser …mehr:

https://www.t-online.de/nachrichten/id_84372272/klaeranlagen-fordern-abschaffung-von-oekostrom-umlage.html

Frauen in der Wasser- und Abfallwirtschaft/Umfrage

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Ihre Wünsche sind uns wichtig!
Die DWA möchte Frauen in der Wasser- und Abfallwirtschaft Raum für Entwicklung bieten und zwar in den Bereichen, die sie benötigen oder vermissen. Also, was wünschen sich Frauen von der DWA?

Frauen in der Wasserwirtschaft
Mit dieser Umfrage möchten wir erfahren, was die Frauen der Wasserwirtschaft sich von der DWA wünschen, um darauf basierend die Aktivitäten der DWA zu entwickeln.

Liebe Teilnehmende,
wir freuen uns, dass Sie bei unserer Umfrage mitmachen.
Wir haben auch nur wenige Fragen für Sie vorbereitet und freuen uns auf Ihre Antworten. Daraus möchten wir Aktivitäten entwickeln, die uns unseren Zielen näherbringen.

Wir möchten:
Zu neuem Denken einladen und dazu anregen, neue Aspekte in unserer fachlichen Arbeitswelt zu sehen, zu begreifen und zu fühlen, die in unserer derzeitigen Arbeitswelten kein Gehör finden, nicht gesehen und nicht erfasst werden.
• Sichtbarkeit von Frauen erhöhen,
• Mut machen, verantwortungsvolle Positionen zu besetzen,
• Netzwerke zu gründen, um neue Kontakte zu knüpfen, uns auszutauschen und uns gegenseitig zu stärken,
• Erfahrungen über unser Berufsleben austauschen.,
• Kontakte über den eigenen Arbeitsplatz hinaus schaffen,
• Seminare und Vorträge entwickeln, die Spaß machen und zur fachübergreifenden Weiterbildung beitragen,
• Frauen eine Stimme geben,
• Nicht gegen Männer, sondern für Frauenbelange in der Wasserwirtschaft, und zwar durch Zusammenwirkung der Frauen.

Die Ergebnisse dieser Umfrage werden wir veröffentlichen.

Datenschutz:
Die Angabe Ihrer E-Mail-Adresse ist freiwillig. Wir brauchen Ihre E-Mail-Adresse nur, wenn Sie über die Ergebnisse der Umfrage oder über die weiteren Aktivitäten der DWA zu diesem Thema informiert werden möchten.
Sie können selbst auswählen, welche Informationen Sie wünschen.
Nur dafür werden wir Ihre Adresse dann nutzen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht mit den Antworten der Umfrage verknüpft werden, sondern gesondert nur für das Versenden der gewünschten Informationen gespeichert werden.
Sie können uns jederzeit Bescheid geben, wenn Sie keine weiteren Informationen wünschen oder wir Ihre Adresse löschen sollen. Das tun wir dann umgehend.

Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie hier (https://de.dwa.de/de/datenschutz.html).

Und los geht es!

       Link zur Umfrage        

(http://umfragen.dwa.de/index.php/399728?newtest=Y&lang=de)  
Diese Umfrage enthält 12 Fragen.

Eine Bemerkung zum Datenschutz
Dies ist eine anonyme Umfrage.
In den Umfrageantworten werden keine persönlichen Informationen über Sie gespeichert, es sei denn, in einer Frage wird explizit danach gefragt. Wenn Sie für diese Umfrage einen Zugangsschlüssel benutzt haben, so können Sie sicher sein, dass der Zugangsschlüssel nicht zusammen mit den Daten abgespeichert wurde. Er wird in einer getrennten Datenbank aufbewahrt und nur aktualisiert, um zu speichern, ob Sie diese Umfrage abgeschlossen haben oder nicht. Es gibt keinen Weg, die Zugangsschlüssel mit den Umfrageergebnissen zusammenzuführen.

Kontaktlinsen im Klo runterspülen? Warum das keine gute Idee ist

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Wohin mit Tageslinsen, wenn sie abends aus dem Auge müssen? Am einfachsten ist es, sie im Klo runterzuspülen. Doch Wissenschaftler warnen vor der weit verbreiteten Praxis.
Morgens ins Auge und abends wieder raus: Tageslinsen sind praktisch. Die runden Sehhilfen müssen nicht gereinigt und auch nicht aufbewahrt werden. Nach ein paar Stunden Tragezeit werden sie einfach weggeschmissen…mehr:

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Belüftung auf Abwasserreinigungsanlagen

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Einfluss der Auslegung und Abstufung der Gebläse auf die Effizienz der Belüftungseinrichtung

G. Seibert-Erling 

1. Einleitung
Vor etwa 10 Jahren konnte man überschlägig davon ausgehen, dass die jährlichen Energiekosten für ein Drehkolbengebläse im Dauerbetrieb etwa so hoch sind wie die einmaligen Anschaffungskosten. Bei einer realistisch angenommenen Lebensdauer von rd. 40.000 Bh setzen sich dann die Lebenszykluskosten vereinfacht aus 15 % Investitions- und 85 % Energiekosten zusammen. Nachdem sich die Stromkosten (in Deutschland) verdoppelt haben, liegt der Anteil der Energiekosten mittlerweile bei über 90 %.

Die Auslegung von Gebläsen und Belüftungseinrichtungen für Kläranlagen erfolgt vorrangig nach den gültigen Bemessungsregeln (DWA-A 131). Hinzu kommen die üblichen hohen Anforderungen an die Betriebssicherheit und der Wunsch nach einer möglichst einfachen Instandhaltung. Am Ende einer solchen Planung stehen dann die bekannten (schlechten) Lösungen mit gleich großen Gebläsen nach dem n+1- Prinzip, die sich durch eine sehr große Gesamtluftmenge, zu knappe Übergänge an den Schaltpunkten und eine fehlende Abdeckung kleiner Luftmengen bei schwacher Belastung auszeichnen. Obwohl das Problem der „großzügigen“ Dimensionierung in der Fachwelt seit Jahren hinlänglich bekannt ist, werden bei fälligen Modernisierungen mit dem Verweis auf die genehmigungsrechtliche Situation nicht selten die Gebläse durch modernere Aggregate, jedoch in der gleichen Anzahl, Größe und Abstufung ersetzt. Zur Behebung der bekannten betrieblichen Nachteile wird gerne eine möglichst komplexe Regelung implementiert. Im ungünstigsten Fall wird dann eine Menge Geld in neue energieeffiziente Aggregate investiert; die alten Probleme sind am Ende trotzdem nicht behoben. Vor allem tritt die erwartete Energieeinsparung nicht ein, weil die Aggregate nach wie vor in einem ungünstigen Bereich des energetischen Kennfeldes laufen.

2. Auswahl von Drucklufterzeugungsaggregaten
Drucklufterzeugungsaggregate lassen sich nach dem thermodynamischen Arbeitsprinzip einteilen in Verdrängermaschinen und Strömungsmaschinen. Für die bei der Abwasserreinigung eingesetzten Aggregate (Bild 1) ergibt sich folgende Situation:

•  Bei Verdrängermaschinen ohne innere Verdichtung (Drehkolbengebläse) wird der Druck erst in dem am Druckstutzen angeschlossenen System aufgebaut, während bei Aggregaten mit innerer Verdichtung (Schraubenverdichter) die Luft am Ausgangsstutzen schon mit dem vorgesehenen Druck bereitgestellt wird. 
Strömungsmaschinen (Turboverdichter) konventioneller Bauart werden mit fester Drehzahl betrieben. Die Verstellung der Luftmenge erfolgt durch einen Diffusor (Nachleitapparat). Mit einem verstellbaren Vorleitgitter kann der Drall auf das Laufrad in Abhängigkeit von Ansaugdruck und -temperatur angepasst werden, was eine Energieeinsparung bis zu 25 % bringt. Seit Mitte der 90er Jahre sind schnelllaufende drehzahlverstellbare Aggregate in Kompaktbau- weise am Markt verfügbar, die sich vor allem durch eine verschleißfreie Lagerung (Magnetlagerung, Luftlagerung) auszeichnen. 

Bild Akt-Aug-17-Belueftung-01.jpg
Das vielfältigere Angebot macht die Auswahl und Beschaffung neuer Aggregate allerdings nicht einfacher. Zwar kann anhand der Luftmenge und des erforderlichen Druckes für die aktuelle Marktsituation eine grobe Vorauswahl für Einzelaggregate getroffen werden (Bild 2). Auf die energetischen Kennwerte und das Betriebsverhalten der unterschiedlichen Aggregate wird später noch detailliert eingegangen.

Bild Akt-Aug-17-Belueftung-02-a.jpg 

Wenn die Energiekosten weiter in den Vordergrund rücken, dann ist insgesamt ein Paradigmenwechsel angesagt. Dann müssen nicht nur die bisherigen Kriterien für die Verfügbarkeit und die Instandhaltung auf den Prüfstand, sondern es ist auch die Einhaltung der genehmigungsrechtlichen Werte für die Luftmenge zu diskutieren. Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden:

Die Vorgaben aus der bestehenden Genehmigungsplanung werden in der Summe erfüllt; es ändert sich lediglich die Staffelung der Aggregate. In diesem Falle ist die Änderung als unwesentlich einzustufen.
Von den Vorgaben aus der Genehmigung wird nach unten abgewichen. Dann muss schon eine entsprechende Begründung geliefert werden. An dieser Stelle sind nicht nur die Kompetenz und Erfahrung des Planers gefragt, sondern der Betreiber muss diese Entscheidung auch mittragen und gegenüber der Aufsichtsbehörde verantworten. 

Eine geringere Gesamtluftmenge lässt sich durchaus mit einer Analyse von Betriebsdaten aus den zurückliegenden Jahren begründen. Eine absehbar geringere Einwohnerbelastung unterhalb der Ausbaugröße ist ebenfalls ein Argument. Darüber hinaus können Platzreserven oder Aufrüstungsmöglichkeiten mit der Behörde abgestimmt werden. Allerdings sollten die genannten Möglichkeiten möglichst flexibel gehalten werden. Es ist vor allem nicht mehr erforderlich, den Luftbedarf rechnerisch exakt zu bestimmen und dann die Gebläse punktgenau darauf auszulegen. Viel wichtiger ist dagegen die Ermittlung des Luftbedarfs für auftretende geringe Belastungen bezogen auf den Istzustand. Erfahrungsgemäß bereitet gerade dieser Betriebszustand immer wieder verfahrenstechnische Probleme (Denitrifikation) und kann bei falscher Gebläseauslegung nur energetisch uneffizient abgedeckt werden. Die nachfolgend beschriebene Vorgehensweise hat sich bei der Modernisierung von Kläranlagen bewährt. Damit werden die Forderungen nach hoher Verfügbarkeit, ruhigem Betriebsverhalten (Überdeckung) und flexibler Ausbaureserve erfüllt. Zugleich werden die Grundsteine für einen energieeffizienten Betrieb und gute Regelungseigenschaften gelegt.

Der Belastungszustand (Luftmenge) wird anhand der Betriebsdaten aus den zurückliegenden Jahren analysiert unter der Voraussetzung, dass die erzielte Reinigungsleistung und der Energieverbrauch in einem üblichen Rahmen liegen. 
Es ist dann zu prüfen, ob sich die ermittelten Auslegungsdaten durch weitere Optimierungen (Austausch von Belüftern, Veränderung von Sollwerten, neue Gebläse/Verdichter, geänderte Belastung, etc.) verschieben.
Die Dimensionierung erfolgt dann so, dass die mit der größten Häufigkeit auftretenden Belastungswerte mit einem einzigen möglichst energieeffizienten Aggregat abgedeckt werden („Rennpferd“). 
Für die seltener auftretenden Betriebszustände wird die Aggregategruppe so ergänzt, dass alle sonstigen Forderungen erfüllt werden. Jedoch nicht zwingend mit (teuren) effizienten Aggregaten, sondern mit einer Kombination, wel- che den Forderungen nach Verfügbarkeit, ausreichender Überdeckung an den Umschaltpunkten und robustem Betrieb gerecht wird („ Arbeitspferde“). 

Das kann durchaus dazu führen, dass Aggregate unterschiedlicher Baugrößen, Typen und sogar von unterschiedlichen Herstellern kombiniert werden. Die sich daraus ergebenden zusätzlichen Anforderungen an die Regelung, die Bedienung und den Betrieb von Nebenaggregaten muss man akzeptieren. Die Umsetzung der veränderten Anforderungen sollte bei der Verwendung neuer elektrotechnischer Bauteile und bei einer strukturierten Programmierung kein Problem sein. Außerdem ist absehbar, dass sich diese „Baustelle“ mittelfristig aufgrund der erkennbaren technischen Entwicklung auflöst. Der Trend bei Drucklufterzeugungsaggregaten geht zu Kompaktgeräten mit integrierter elektrotechnischer Ausrüstung (Schaltgeräte, Frequenzumrichter, Modulsteuerung, etc.). Dieser Trend zur Mechatronik ist bei Schieberantrieben, Pumpen, BHKWs und anderen typischen maschinentechnischen Ausrüstungsteilen von Kläranlagen ebenfalls zu beobachten. Bei den neuartigen schnelllaufenden Turboverdichtern ist diese technische Integration zwingend, weil ein solches Aggregat ohne zugehörige komplexe Steuerung und Regelung nicht betriebsfähig wäre. Eine früher übliche getrennte Aufstellung von Maschine und Steuerung aufgrund der Wärme- und Geräuschentwicklung ist heute beherrschbar; gleichwohl gibt es hier zwischen den einzelnen Fabrikaten noch markante Unterschiede.

3. Kennwerte für die energetische Effizienz
Energetische Kennwerte von Drucklufterzeugungsaggregaten sind in technischen Regelwerken festgelegt, nach denen Abnahmen und Leistungsversuche durchgeführt werden. Unterschieden wird zwischen der Bestimmung des Leistungsbedarfs durch thermodynamische Bilanzierung (DIN 1945, ISO 5389) und der Bestimmung der mechanischen Leistungsaufnahme unter definierten Betriebsbedingungen bei geforderten Werten für Luftmenge und Druck (ISO 1217). Die Hersteller verfügen in ihren Werken über entsprechend zertifizierte Prüfstände mit geeichten Messgeräten (Bild 3). Weil die Vorhaltung und der Betrieb der Prüfstände sehr kostenaufwändig sind, werden bei der Werksprüfung nicht unbedingt die vorgegebenen Betriebszustände eingestellt, sondern die Prüfbedingungen werden so eingestellt, dass die Messwerte in einem geeichten Bereich liegen. Die gemessenen Werte werden dann auf die geforderten Prüfbedingungen umgerechnet. Diese Prüfmethoden sind üblich und zulässig, sie entsprechen der angegebenen Normung. 

Der Aufbau eines Prüfstandes unterscheidet sich signifikant von den Einsatzbedingungen eines Aggregates auf einer Kläranlage (Bild 4). Abgesehen von der Anordnung der Messgeräte und den Ansprüchen an die Genauigkeit der Messwerte ist schon die saug- und druckseitige Einbindung nicht vergleichbar. Vor allem aber ist es unter laufenden Betriebsbedingungen nur sehr schwierig oder gar nicht möglich, vorgegebene konstante Betriebsbedingungen (Druck, Luftmenge) einzustellen. 

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Die Verwendung energetischer Kennwerte von Drucklufterzeugungsaggregaten für die Auslegung kompletter Stationen oder für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erfordert daher entsprechende Fachkenntnisse. Vergleichende Betrachtungen für Aggregate unterschiedlicher Hersteller sind bei der Verwendung einheitlicher Prüfverfahren zulässig. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Prüfbedingungen (Ansaugtemperatur, Enddruck, etc.) und die Systemgrenzen (mit/ohne Rückschlagklappe, etc.) gleich sind.

Eine Reproduktion der Prüfergebnisse einer Werksabnahme nach der Inbetriebnahme eines Aggregates im laufenden Betrieb bleibt nach derzeitigem Kenntnisstand trotz vielfältiger Bemühungen noch Wunschdenken. An Lösungen oder Anordnungen, die für Hersteller und Betreiber zu akzeptablen Werten und Ergebnissen führen, wird gleichwohl an mehreren Stellen gearbeitet.

Aus betrieblicher Sicht ist ein Vergleich mit den Ergebnissen einer Werksabnahme zunächst nur von akademischem Interesse. Maßgebend ist das Verhalten an der realen Anlage. Von großem Interesse ist hingegen das Verhalten unterschiedlicher Aggregate unter gleichen Betriebsbedingungen. Hier interessiert zudem weniger die absolute Genauigkeit sondern der relative Unterschied. Das gilt vor allem für die energetische Effizienz. Sofern die für eine energetische Bewertung bestimmenden Größen Leistungsaufnahme, Druck in der Sammelleitung und die Luftmenge erfasst werden, können die vorhandenen Aggregate einzeln nacheinander unter sonst gleichen Bedingungen (Sauerstoffregelung auf Handbetrieb stellen, Schieber öffnen, etc.) überprüft werden. Als möglichst einfach zu ermittelnder betrieblicher Kennwert hat sich die spezifische Leistungsaufnahme bewährt:

Pspez = Pel/(Q p)
mit:
P spez – spezifischer Leistungsbedarf in W/(Nm³/h bar)
P el – elektrische Wirkleistungsaufnahme des Aggregates (NS-Abgang)
Q – Luftmenge, vorzugsweise gemessen auf der Druckseite in Nm³/h
p – Druck in der Drucksammelleitung

Zu kritisieren ist an dieser Formel, dass keine SI-Einheiten verwendet werden, dass eine Division durch den Druck wegen der bekannten Nichtlinearität eigentlich unzulässig ist und dass sie eigentlich nichts anderes als den reziproken Wert des Wirkungsgrades darstellt. Dennoch hat die neue Definition durchaus ihre Berechtigung, weil sie in der Praxis einfach handhabbar ist vor allem den relativen Vergleich unterschiedlicher Aggregate am Einsatzort ermöglicht.

Im Vergleich zu einer Werksabnahme sind das Antriebsaggregat einschließlich eines Frequenzumrichters zur Drehzahlverstellung und eine Rückschlagklappe vor der Sammelleitung in der Betrachtung enthalten. Im Handbetrieb kann durch Vorgabe der Leistung oder Luftmenge dann die Kennlinie punktweise aufgenommen werden (Bild 5).

Und weil die beschriebenen Probleme mit der Vergleichbarkeit von Energiekennwerten nicht nur auf Kläranlagen auftreten, sondern generell bei der Drucklufterzeugung, wird von der Herstellern neuerdings das „Wire to Air“-Prinzip propagiert, welches letztendlich keinen anderen als den beschriebenen Zusammenhang wiederspiegelt. 

Bild Akt-Aug-17-Belueftung-05.jpg

4. (Ungünstige) Staffelung von Aggregaten

Die zuvor dargestellte Kennlinie basiert auf Leistungsmessungen im Rahmen einer Energieanalyse. Zur Überprüfung der Gebläseauslegung wurden weiterhin die Messwerte der Luftmengen über ein volles Betriebsjahr analysiert. Die sich ergebende Häufigkeitsverteilung ist im Bild 6 dargestellt. Der Betriebspunkt mit der größten Häufigkeit liegt bei ca. 3.000 Nm³/h. Die Kennlinie des eingesetzten und überprüften Gebläses erreicht jedoch gerade hier nur eine schlechte Effizienz. Durch die Wahl fünf gleich großer Gebläse liegt außerdem der Umschaltpunkt genau in dem am häufigsten auftretenden Betriebspunkt (unteres Bild), was zu einer großen Schalthäufigkeit führt. 

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5. Praxisbeispiel Großklärwerk Köln-Stammheim
Das Großklärwerk Köln-Stammheim hat eine Ausbaugröße von 1,57 Mio. EW. Die Druckluftversorgung der einzelnen Verfahrensstufen (AB-Verfahren mit Hochlast- und Schwachlastbelebung) erfolgt mit mehreren Verdichterstationen. Die größte Station VG02 dient zur Versorgung der Becken 7-14 der Schwachlastbelebung. Die erzeugte Luftmenge beträgt insgesamt ca. 100.000 Nm³/h. Ausgelöst durch einen nicht vorhersehbaren Ausfall in 2012 war eine zügige Ersatz- beschaffung erforderlich. Allerdings sollte geprüft werden, ob ein 1:1-Ersatz erfolgen sollte oder ob in diesem Zuge eine Modernisierung der gesamten Station sinnvoller war. Aufgrund einer Analyse der Betriebsdaten ergab sich, dass die bisherige Staffelung mit vier baugleichen Turboverdichtern ungünstig war (Bild 7). Einerseits waren ständig bis zu drei Maschinen in Betrieb und andererseits kam es aufgrund der bei gleich großen Aggregaten geringen Überdeckung an den Umschaltpunkten zu häufigen Schaltungen mit ungünstigen Auswirkungen auf das Regelverhalten der insgesamt 40 Regelstrecken der Luftverteilung der Belebungsbecken. 

Bild Akt-Aug-17-Belueftung-08.jpg

Bild 7:

Es wurde entschieden, zwei Aggregate durch gleichartige, jedoch mit der nächsthöheren Baugröße zu ersetzen
(Bild 8). Dadurch werden mehrere erkannte Probleme in einem Zug behoben:

Die Staffelung der Aggregate wird deutlich verbessert. Zwar waren unmittelbar nach der getroffenen Entscheidung die Auslegungsdaten noch nicht exakt bekannt. Die Erwartung, dass zukünftig mit der Kombination 1 großer + 1 kleiner bzw. 2 große Verdichter in ca. 80% der Zeit der Bedarf gedeckt wird, hat sich weitgehend bestätigt (Bild 9, oben) 
Die Schalthäufigkeit hat sich drastisch verringert. Der hohe Überdeckungsgrad erlaubt es im Normalbetrieb sogar, Stufen auszublenden, bei denen mehr als 1 Verdichter geschaltet werden muss. Wegen der bei dieser Leistungsklasse (950 kW) auftretenden An- und Abfahrvorgänge wirkt sich das wiederum günstig auf das Regelverhalten der gesamten Belebung aus (Bild 9, unten) 
Die Druckregelung wurde neu konzipiert und nach weitgehend problemloser Inbetriebnahme optimiert. Die Regelabweichung, die mit der alten Regelung im Bereich von +/- 20 mbar lag, hat sich auf weniger als 3 mbar reduziert. Das ruhige Verhalten der Regelung hat eine unmittelbare Auswirkung auf den Energieverbrauch, weil sich dadurch die interne Vorleitgitterreglung des Verdichters überhaupt erst stabilisieren kann. Bei den „kleinen“ Turboverdichtern mit einer Leistung von 650 kW führt eine nicht funktionierende VLG-Regelung nachweislich zu einer um 170 kW höheren Leistungsaufnahme. 

Bild Akt-Aug-17-Belueftung-09.jpg
Bild Akt-Aug-17-Belueftung-10.jpg

6. Zusammenfassung und Ausblick
Bei der Auswahl von Drucklufterzeugungsaggregaten ist die energetische Effizienz aufgrund der drastisch gestiegenen Strompreise heute das wesentliche Auslegungskriterium. Die Forderungen nach Betriebssicherheit und Verfügbarkeit einer gesamten Gebläsestation lassen sich durch die Kombination unterschiedlicher Aggregate mit einer auf die Lastfälle abgestimmten Staffelung erfüllen. Für die Auslegung einer Station oder Aggregategruppe sollte die Belastung im Istzustand ausschlaggebend sein, um die in der Vergangenheit oft aufgetretene Überdimensionierung zu vermeiden. Stattdessen sollte der Ausbau durch Vorhaltung von Platz- oder Leistungsreserven flexibilisiert werden. Vorrangiges Ziel muss dabei die Abdeckung des Betriebsbereiches mit der größten auftretenden Häufigkeit durch ein in diesem Bereich möglichst energieeffizientes Drucklufterzeugungsaggregat sein.

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