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Notleitungsrecht analog § 917 BGB zu Recht bejaht

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Das Grundstück der Beklagten hat Durchleitung von Niederschlagswasser …..

Unter Aktenzeichen: V ZR 172/07 / Bundesgerichtshof
Verkündet am:
4. Juli 2008
findet man ein Urteil zum Durchleitungsrecht.

Auszug aus dem Urteil:

Die Klägerin ist Miteigentümerin eines mit einer Tiefgarage bebauten Grundstücks in B. , das von ihr und den übrigen Miteigentümern als Zu-wegung zu den angrenzenden Hausgrundstücken genutzt wird. Ferner verläuft über das Grundstück eine Abwasserleitung, welche die Hausgrundstücke mit der öffentlichen Kanalisation verbindet. Diese Leitung hatte der Voreigentümer des gesamten Geländes, ein Bauträger, vor der Veräußerung des Tiefgaragen-grundstücks und der Hausgrundstücke bis zu einem ihm gehörenden Nachbar-grundstück verlegt, das nicht an einer Straße liegt und über keine andere Ver-bindung zu der öffentlichen Kanalisation verfügt. Die Beklagten erwarben das Nachbargrundstück und bebauten es mit einem Wohnhaus. Sie errichteten eine Sickeranlage für das Niederschlagswasser und schlossen ihr Haus an die über das Tiefgaragengrundstück verlaufende Abwasserleitung an. Seither leiten sie ihr Schmutzwasser durch diese Leitung ab. Eine entsprechende Dienstbarkeit
besteht nicht. Die Miteigentümer des Tiefgaragengrundstücks haben die Mitbe-nutzung ….

Den ganzen Text finden Sie auf der Seite:
http://www.bundesgerichtshof.de/

Klärschlammentsorgung: Interessante Projektaktivitäten

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5 Kommunen in der Region Pfattertal (Bayern) haben sich zu einem europaweit einzigartigen Projekt zusammengeschlossen, um eine gemeinsame, autarke Klärschlammentsorgung zu verwirklichen. Das Konzept basiert auf der thermokatalytischen Niedertemperaturkonvertierung (NTK) von Klärschlamm aus 8 umliegenden Kläranlagen mit einer Kapazität von 65.000 EW. Im Rahmen des Projektes wird ein NTK-Anlagen-Prototyp für die Konvertierung von jährlich 1.400 to getrockneten Klärschlamm (90% TS) gebaut, in dem bei einer Temperatur von ca. 400 °C unter Sauerstoffabschluss wertvolle, weiterverwertbare Endprodukte, hauptsächlich NTK-Kohle, -Öl und -Gas erzeugt werden.

Die NTK-Kohle wird in der Ziegelindustrie als wertvolles Zuschlagmittel für die Porosierung eingesetzt, während die Energie aus dem NTK-Öl und -Gas zur Wärmegewinnung für die integrierte Klärschlammtrocknungsanlage genutzt wird.

Die Projektaktivitäten teilen sich auf in

  • Analyse der projektspezifischen Klärschlammcharakteristik und vorbereitende Tests, um die optimalen NTK-Parameter zu bestimmen.

  • Entwurfsplanung des NTK-Anlagen-Prototyps unter Berücksichtigung der standortspezifischen Bedingungen und der aus den vorbereitenden Tests und der Forschungsarbeit im Vorfeld gewonnenen Erfahrungen.

  • Projektierung und Bau des Anlagenprototyps

  • Inbetriebnahme und Probelauf

  • Kontinuierlicher Betrieb der Anlage unter Nennlast und Optimierung der Betriebsparameter

  • Durchführung von begleitenden Untersuchungen und Tests für die weitere Nutzung der NTK-Endprodukte

  • Bewertung und Verbreitung der Projektergebnisse an Interessenten in ganz Europa

  • Projektmanagement und Berichtswesen für die EU

Quelle: http://www.lotecotec.eu

Verhalten von Prionen in Kläranlagen und im Boden

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Prionen sind infektiöse Eiweißpartikel, die zum Beispiel BSE (Bovine spongiforem Encephalophatie) bei Kühen oder Scrapie (Traberkrankheit) bei Schafen hervorrufen. Wie lange Prionen im Boden überleben, hat das Fraunhofer-Institut in Schmallenberg im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) untersucht. In den Boden eingebrachte Scrapie-Erreger blieben danach unter natürlichen Witterungsbedingungen über 29 Monate infektiös. Eine Gefährdung des Menschen sei hingegen nicht gegeben, denn Rinder scheiden BSE-Prionen natürlicherweise nicht aus. Außerdem seien in Deutschland keine BSE-infizierten Tierkadaver durch Vergraben im Boden entsorgt worden.

Hintergrundpapier „TSE-Erreger (Prionen) im Boden: Vorkommen und Infektionsrisiko“:
www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/prionen.pdf

Abschlussbericht „Bewertung des Vorkommens und der Auswirkung von infektiösen Biomolekülen in Böden unter besonderer Berücksichtigung ihrer Persistenz“:
www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3474.pdf

Veröffentlichung in der Fachzeitschrift PLoS ONE, Mai 2007, Nr. 5, e435:
www.umweltbundesamt.de/gesundheit/publikationen/plos.pdf

Mit dem Verhalten von Prionen in Kläranlagen beschäftigt sich eine Veröffentlichung von Joel A. Pedersen et al. (University of Wisconsin, Madison). Die Forscher kommen nach Laboruntersuchungen zum Ergebnis, dass Prionen durch die üblichen Reinigungsverfahren nicht abgebaut werden. Sie räumen allerdings ein, Prionen seien bislang noch nicht in Kläranlagen oder in Klärschlamm gefunden worden.
Veröffentlichung von Pedersen et al. in Environ. Sci. Technol., 2008, 42 (14), 5254 (15. Juli 2008):
DOI 10.1021/es703186e
„Prion Fact Sheet“ der US-amerikanischen Water Environment Federation (WEF):
www.wef.org/ScienceTechnologyResources/Biosolids/PrionFactSheet.htm

Moderne Anlage der HEAG Südhessischen Energie AG (HSE) erzeugt zukünftig in Lorsch Strom und Wärme aus Biogas

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„Die hier entstehende Anlage ist ein hervorragendes Beispiel für eine effiziente Nutzung und Vernetzung regionaler Biomassepotenziale. Das Vorhaben dient unmittelbar der Einsparung fossiler Primärenergie und der CO2-Minderung und leistet einen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung“, erklärte heute der Hessische Umweltminister, Wilhelm Dietzel, bei der Übergabe des Förderbescheids an die HEAG Südhessische Energie AG (HSE) des Landes Hessen in Lorsch.

Zukünftig werden in der Biogasanlage der HSE in Lorsch Einsatzstoffe wie landwirtschaftlicher Wirtschaftsdünger (Rindergülle) und nachwachsende Rohstoffe (vorwiegend Maissilage) in einem Fermenter zu Biogas vergoren, welches in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt wird. Der erzeugte Strom soll in das örtliche Netz der allgemeinen Versorgung eingespeist werden. Die bei der Verstromung des Biogases anfallende Abwärme soll nahezu vollständig genutzt werden. Hierfür ist die Errichtung eines insgesamt etwa 1,2 km langen Nahwärmenetzes erforderlich. Ein Teil der Wärme wird dann für die Beheizung der Fermenter verwendet. Weiter soll eine benachbarte Gärtnerei und die direkt angrenzende örtliche Kläranlage mit Wärme beliefert werden.

Besonders erfreut zeigte sich der Minister darüber, dass die Energie der Anlage zukünftig auf Basis nachwachsender, regional erzeugter Rohstoffe gewonnen werden soll. „Dies steigere die Möglichkeiten der Landwirte, am Wertschöpfungsprozess teilzunehmen“, betonte Minister Dietzel. Nach der Biogasgewinnung finden Mist und Gülle auf den Feldern als hochwertiger und – im Gegensatz zum Ausgangsstoff – geruchsarmer Dünger Verwendung.

„Die Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung ist ein Schwerpunkt der hessischen Umweltpolitik“, erklärte der Hessische Umweltminister und weiter: „Die Energieerzeugung aus Biorohstoffen leisten einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen Stärkung des ländlichen Raumes. Wertschöpfung in der Region durch neue Investitionen wie beispielsweise Biogasanlagen stärken die Wirtschaftskreisläufe und geben wirtschaftliche Impulse in Industrie, Mittelstand, Handwerk, Handel und vor allem der Land- und Forstwirtschaft neue Geschäftsfelder und damit Einkommensalternativen für die Landwirte.“

Die hier geplante Anlage soll künftig mit einer Leistung von rund 364 Kilowattstunden arbeiten. Mit der Anlage werden dann jährlich 2,5 Millionen Kilowattstunden Strom produziert und in das Netz eingespeist. „Somit können durchschnittlich etwa 550 4-Personen Haushalte jährlich mit Energie versorgt werden. Auch der Umwelt bringt die Biogasnutzung große Vorteile. Durch die Erzeugung von Biogas zur gekoppelten Strom- und Wärmenutzung wird ein Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emmissionen und zur Einsparung von fossiler Primärenergie geleistet. Mit dieser Anlage werden dann jährlich rund 216.000 Liter Heizöl und 1.380 Tonnen CO2 eingespart werden!“, hob der Minister abschließend hervor.

Die Biogasnutzung sei eine rundum sinnvolle Sache, fand der Hessische Umweltminister und stellte abschließend fest: „Die Strom- und Wärmegewinnung mit Biogas und damit aus einem nachwachsenden Rohstoff stellt eine zukunftsgerichtete Energieversorgung dar. Aus diesem Grund unterstützt das Land Hessen den Bau der rund 1,9 Millionen Euro teuren Anlage mit 75.000 Euro Fördermitteln sowie weiteren 100.000 Euro für das Nahwärmenetz.“ 

Pressestelle: Umweltministerium
Pressesprecher: Torsten Volkert
Telefon: (0611) 815 10 20, Fax: (0611) 815 19 43
E-Mail: pressestelle@hmulv.hessen.de

25.08.2008 – Pressemitteilung

Altanschließer siegten vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald

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Zweckverband muß Beitragsbescheide bei 220 VDGN-Mitgliedern aus Teterow und Umgebung zurücknehmen

220 Grundstückseigentümer aus Teterow und Umgebung siegten jetzt vor dem für Mecklenburg-Vorpommern zuständigen Oberverwaltungsgericht (OVG) Greifswald in einem Prozeß um Herstellungsbeiträge für Anschlüsse an die Kanalisation, die schon zu DDR-Zeiten geschaffen worden sind. Die Greifswalder Richter wiesen mit einer Entscheidung vom 27. August die Zulassung einer Berufung ab, die der zuständige Zweckverband Wasser/Abwasser Mecklenburgische Schweiz beantragt hatte. Damit sind die Beitragsbescheide, die den 220 Mitgliedern des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) Ende des Jahres 2004 für ihre Altanschlüsse zugestellt worden waren, rechtswidrig und müssen aufgehoben werden.

Vier Jahre lang hatten die betroffenen Altanschließer mit Unterstützung des VDGN gegen die Beitragsbescheide gekämpft. Der jetzigen Greifswalder Entscheidung waren zwei Musterverfahren vor dem Verwaltungsgericht Schwerin vorausgegangen, in denen der Zweckverband unterlag und seine Satzung für nichtig erklärt wurde.

VDGN-Präsident Eckhart Beleites erklärt zum Ausgang dieses Prozesses:

„Dieser Erfolg vor dem OVG Greifswald ist ein wichtiger Markstein im Kampf gegen Altanschließerbeiträge. Wir werten ihn als Signal, im Kampf gegen Altanschließer- und horrende Wasser-/Abwasserbeiträge nicht nachzulassen. Das gilt für Mecklenburg-Vorpommern wie für Brandenburg.

Es zeigt sich hier, daß es sich auch bei Beiträgen für Altanschlüsse lohnt, die Satzungen und Verfahrensweisen der Zweckverbände und anderen auf diesem Gebiet tätigen Körperschaften juristsich überprüfen zu lassen. Mit dem Zusammenschluß der Betroffenen in einer Klägergemeinschaft, die sich auf die Kompetenz und jahrelange Erfahrung des VDGN in verwaltungsrechtlichen Auseinandersetzungen stützen kann, haben wir den richtigen Weg beschritten. Das mindert das Kostenrisiko für den Einzelnen erheblich, und es stärkt die Solidarität. Denn bei ungerechtfertigten Forderungen der Wasser- und Abwasserzweckverbände heißt es: Gemeinsam gegenhalten!“

Die Grundstückseigentümer aus Teterow und Umgebung wurden in dem Verfahren von VDGN-Vertaruensanwalt Dr. Volker Hennig (Berlin) vertreten.

 Quelle: http://www.vdgnev.de/menue/info/presse/presse020908.html

Pressemitteilung vom 2. September 2008 Verband deutscher Grundstücknutzer

 

 

Symposium mit Al Gore : Eine Welt – unser Wasser

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AÖW Symposium 2008: Zwei Nobelpreisträger zur Wasserwirtschaft im Spannungsfeld globaler Veränderungen

Gleich zwei Nobelpreisträger diskutieren über die Auswirkungen der weltweiten Megatrends auf Demographie, Klima und Wasserhaushalt: Al Gore und Prof. Joseph Stiglitz kommen zum AöW-Symposium nach München.

„Die Entwicklungen einer immer enger zusammenrückenden Welt stellen uns vor neue Herausforderungen. Wir wollen diese Megatrends rechtzeitig erkennen und analysieren. Mit dem AÖW-Symposium 2008 schaffen wir eine dynamische Wissens- und Kontaktplattform für unsere Branche“, so Dr. Jochen Stemplewski, Präsident der AÖW.

Am 11. September 2008 und am 17. Oktober treffen sich auf dem AÖW-Symposium internationale Wissenschaftler, Praktiker und Politiker um über die Megatrends zu diskutieren. Das Symposium wird eröffnet durch den Wirtschafts-Nobelpreisträger Prof. Joseph Stiglitz. Der erste Tag widmet sich vor allem den Herausforderungen in einer globalisierten Welt durch den Klimawandel, das zunehmende Bevölkerungs¬wachstum und die wachsende Rohstoffverknappung. Weitere Referenten werden unter anderem die amerikanische Soziologieprofessorin Saskia Sassen und der Klimaspezialist Thomas Loster sein.

Am zweiten Tag des Symposiums am 17. Oktober werden Friedensnobelpreisträger Al Gore gemeinsam mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sowie dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München und Präsident des Deutschen Städtetags Christian Ude über ökologische Strategien für das 21. Jahrhundert sprechen.

Das AÖW Symposium 2008 wendet sich vor allem an Entscheider in der öffentlichen und privaten Wasserwirtschaft, auf Bundes- und Länderebene, in Kommunen und Gemeinden, sowie an Fachleute und Entscheidungsträger aus Industrie, Bauunternehmen für das Wasserwesen, Behörden und Planungsstellen.

Kombitickets für beide Tages des AÖW Symposium 2008, 11. September 2008 und 17. Oktober 2008, einschließlich der Tickets für die abendlichen Get Together sind zum Preis von 2.000,00 Euro (zzgl. Mwst.) ab sofort unter www.aoew-symposium.de erhältlich. Ermäßigungen erhalten Beschäftigte von Unternehmen, die Mitglied der Allianz der Öffentlichen Wasserwirtschaft e.V. sind und Beschäftigte in Kommunen und wissenschaftlichen Einrichtungen.
Mehr Informationen unter www.aoew.de und www.aoew-symposium.de.

Quelle: http://www.aoew.de/

 

 

 

Pilotprojekt für Klärschlammverbrennung

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Für ein Pilotprojekt in Baden-Württemberg zur umwelt- und klimafreundlichen Entsorgung von Klärschlamm stellt das Bundesumweltministerium (BMU) über zwei Millionen Euro zur Verfügung. Am Standort Albstadt wird mit der geplanten Anlage ein neuer Entsorgungspfad für Klärschlamm aus elf Kläranlagen im Zollern-Alb-Kreis aufgezeigt. Zugleich sollen die Energieeffizienz steigen und der CO2-Ausstoß der Klärschlammentsorgung um über 6000 Tonnen pro Jahr sinken. Die Förderung aus dem Umweltinnovationsprogramm ist Teil der BMU-Klimaschutzinitiative, die aus dem CO2-Emissionshandel finanziert wird. In dem Pilotprojekt wird ein neues Verfahren angewandt, bei dem der Klärschlamm mit Niedertemperaturwärme aus einem holzbefeuerten Kraftwerk getrocknet wird. Damit lässt er sich als Ersatzbrennstoff für Kraftwerke und Zementwerke einsetzen und ersetzt dort fossile Brennstoffe. Die im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe werden sicher gebunden. Als Brennstoff für das Trocknungsverfahren kommt ausschließlich naturbelassenes Holz aus der Landschaftspflege zum Einsatz. Neben der zur Trocknung erforderlichen Wärme wird durch Kraft-Wärme-Kopplung auch Strom produziert, der ins öffentliche Netz eingespeist wird.
www.bmu.de/foerderprogramme/pilotprojekte_inland/doc/2330.php

Klärschlamm auf Feldern als „schwere Hypothek“

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Die Klärschlammdüngung birgt nach Meinung des bayerischen Umweltministeriums für Landwirte und Lebensmittelproduzenten „weitaus mehr Risiken als Chancen und stellt langfristig eine schwere Hypothek dar.“ Bayern fordert deshalb zum einen ein Ausbringungsverbot und zeigt gleichzeitig alternative Verwertungsmöglichkeiten auf. Dies erklärte der bayerische Umweltminister Otmar Bernhard am 30. Juni 2008 beim Internationalen Klärschlammsymposium, das sein Ministerium gemeinsam mit einer Reihe weiterer Partner in Fürstenfeldbruck ausgerichtet hat. Bernhard: „Die 16 Jahre alte deutsche Verordnung deckt längst nicht mehr das gesamte Risikopotenzial des Klärschlamms ab. Was hilft‘s, wenn die Schwermetallgehalte ordentlich gemessen und die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden, im Klärschlamm enthaltene organische Schadstoffe wie Weichmacher, Tenside und Desinfektionsmittel hingegen nach Gesetz gar nicht analysiert werden müssen?“ Daher gehe auch die vom Bund geplante Novelle der deutschen Klärschlammverordnung nicht weit genug. Denn sie erlaubt weiterhin die Ausbringung, wenn auch mit schärferen Grenzwerten. Bernhard hat daher EU-Umweltkommissar Dimas aufgefordert, die Klärschlammaufbringung europaweit zu verbieten oder zumindest den einzelnen EU-Staaten eine nationale Verbots-Möglichkeit einzuräumen. Zudem forciert Bayern den Ausbau der thermischen Klärschlamm-Verwertung, um Kommunen Alternativen zum „Schlamm gedüngten Acker“ aufzuzeigen.

In Bayern wird Klärschlamm bereits in sechs Müllheizkraftwerken, einem Kohlekraftwerk und vier Monoverbrennungsanlagen energetisch verwertet. So konnte die landwirtschaftliche Verwertung von 55 Prozent im Jahr 1997 auf heute rund 20 Prozent zurückgeführt werden. Durch den Bau von Kleinverbrennungsanlagen bei bestehenden Kläranlagen kann dem Minister zufolge diese Quote weiter gesenkt werden.
http://www.umweltpakt.bayern.de

Neue Ergebnisse des PFT-Untersuchungsprogramms: Trotz Verbesserungen weist immer noch jede fünfte Klärschlammprobe erhöhte Werte der Industriechemikalien auf

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Gönner sieht sich bestätigt: Was mit viel Aufwand aus Abwässern an Schadstoffen entfernt wird, gehört nicht auf Äcker und Böden

Umweltministerin Gönner sieht sich im Werben für einen Ausstieg aus der so genannten Klärschlammdüngung durch die aktuellen Ergebnisse eines vor zwei Jahren in Baden-Württemberg angelaufenen Umweltuntersuchungsprogramms bestätigt: Von in diesem Jahr insgesamt untersuchten 300 Klärschlämmen wurden in 64 Fällen erhöhte Konzentrationen der Industriechemikalie PFT (Perfluorierte Tenside) ermittelt. Aus Gründen des vorbeugenden Boden- und Gesundheitsschutzes ist in Baden-Württemberg bei Werten von mehr als 100 Mikrogramm (ein zehntausendstel Gramm) der gesundheitsschädlichen Industriechemikalien pro Kilogramm Klärschlamm im Trockengewicht die Ausbringung des Klärschlamms auf Böden untersagt, so Gönner.

Die Situation habe sich gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich verbessert, erläuterte Gönner. Im Vorjahr war noch in jeder dritten von seinerzeit 157 untersuchten Klärschlammproben eine zu hohe PFT-Belastung gefunden worden. „Vor allem bei den im vergangenen Jahr gemessenen Spitzenbelastungen von über 5.000 Mikrogramm PFT sind die Werte zurückgegangen.“ Vereinzelt sei jedoch auch ein Anstieg der PFT-Werte zu verzeichnen gewesen. „Die Tendenz weist in die Richtung einer verringerten Belastung. Es gibt jedoch kein einheitliches Bild.“ Deshalb müsse auch künftig der thermischen Verwertung der Klärschlämme der Vorrang vor einer Ausbringung in der Landwirtschaft oder im Landschaftsbau gegeben werden. „Schadstoffe, die mit viel Aufwand aus Abwässern entfernt werden, gehören danach nicht auf Äcker und auch nicht auf sonstige Böden“, so Gönner.

Entwarnung für das Grundwasser – PFT-Quellen identifiziert:

Entwarnung könne weiterhin für das Grundwasser gegeben werden. Dort sei PFT zwar erneut vereinzelt gefunden worden, jedoch seien PFT kein flächen-deckendes Problem für das Grundwasser. Die punktuellen Belastungen würden weiter beobachtet und den möglichen Ursachen nachgegangen, kündigte Gönner an. „Durch die Erstuntersuchungen im vergangenen Jahr konnten bereits in einigen Fällen die Quellen der Schadstoffeinleitung identifiziert werden“, so Gönner. Dadurch sei es gelungen den PFT-Eintrag im Abwasser gezielt anzugehen. Die betroffenen Betriebe wie auch die Kommunen als Kläranlagenbetreiber zeigten sich kooperativ und wirkten meist konstruktiv an Alternativen zur Vermeidung von PFT-Einleitungen mit, lobte Gönner. „Erste Erfolge sind erkennbar. Jetzt ist es wichtig, weiter dran zu bleiben und Möglichkeiten zu finden, den Schadstoffeintrag weiter zu vermindern.“ Die örtlichen Umweltbehörden seien dazu im Kontakt mit den Unternehmen, die PFT in Produktionsprozessen vor allem in der Papier- und der Metallindustrie einsetzten. In einem Galvanikbetrieb (Firma Hansgrohe AG Schiltach) laufe außerdem derzeit mit Unterstützung des Umweltministeriums ein Pilotprojekt zur weiteren Verringerung des Eintrags der Chemikalien. „Es ist zu begrüßen, dass das Unternehmen sich so engagiert einbringt“, so Gönner.

Untersuchungsprogramm wird fortgeführt:

Die gesamte Situation sei nicht dramatisch, betonte Umweltministerin Gönner. „Die weite Verbreitung der Industriechemikalie in der Umwelt war jedoch auch für die Fachleute unerwartet.“ Das Umweltuntersuchungsprogramm werde deshalb weiter fortgeführt. „Es geht darum etwaige Veränderungen feststellen und entsprechend reagieren zu können. Auch wenn es noch keine konkrete Gefährdung gibt, ist es das Ziel, einer weiteren Verbreitung der Industriechemikalie in der Umwelt und in den Naturkreisläufen vorzubeugen“, so Gönner.

Der Umweltuntersuchungsbericht Perfluorierte Tenside im Klärschlamm – August 2008 ist im Internet als Anhang zur Pressemitteilung eingestellt: www.um.baden-wuerttemberg.de

Quelle: Umweltministerium Baden-Württemberg

 

Bärtierchen überleben Spaziergang im All

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Stuttgarter Biologen lassen Bärtierchen in den Weltraum fliegen – „Current Biology“ berichtet über Ergebnisse

Können Tiere unter den extremen Bedingungen im Weltraum wie extremer Kälte, dem Vakuum, ionisierender und kosmischer Strahlung überleben?
Um diese Frage ging es bei der FOTON-M3 Mission im September 2007. Als Versuchstiere hatten sich der Zoologe Dr. Ralph O. Schill von der Universität Stuttgart und sein schwedischer Kollege Dr. Ingemar Jönsson zwei Arten von Bärtierchen ausgesucht. Das von der Europäischen Weltraumagentur ESA zur Verfügung gestellte BIOPAN-6-Modul transportierte die nur ein Millimeter großen Überlebenskünstler ins All. An dem Weltraumexperiment waren auch Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln sowie der Universität in Stockholm beteiligt. Inzwischen liegen die Untersuchungsergebnisse vor, die am 9. September erstmals in der Zeitschrift „Current Biology“ vorgestellt werden*).
Schlechte Umweltbedingungen auf der Erde wie Kälte oder Trockenheit überstehen die Winzlinge ohne Schaden, indem sie den Stoffwechsel einstellen und tonnenförmig einschrumpfen. Sobald die Umweltbedingungen besser werden, können die Tiere innerhalb einer halben Stunde zum aktiven Leben übergehen. Im getrockneten Zustand, der so genannten Kryptobiose, umkreisten die Tierchen zehn Tage lang in einer Höhe von rund 270 Kilometern die Erde und waren direkt dem Vakuum und je nach Experiment verschiedenen Strahlungen ausgesetzt.

Wie halten Bärtierchen die Weltraumstrahlung aus?
Beide Bärtierchenarten, Richtersius coronifer aus Schweden und Milnesium tardigradum aus der Zoologie an der Universität Stuttgart, überlebten das Vakuum im Weltraum ohne bedeutsame Verluste im Vergleich zur Kontrollgruppe. Mussten die Tiere zusätzliche Strahlung aushalten, gab es jedoch je nach Strahlungszusammensetzung und auch zwischen den beiden Arten deutliche Unterschiede in der Überlebensrate. Die lebensfeindliche Gesamtstrahlung im Weltraum, die sich aus dem kompletten UV-Spektrum, ionisierender Strahlung und kosmischer Strahlung zusammensetzt, scheint auch an den Bärtierchen nicht spurlos vorüber zu gehen. Trotz hoher Verluste überlebten dennoch über zwei Prozent aller Bärtierchen der Art Milnesium tardigradum aus der Stuttgarter Zoologie. Damit haben erstmals lebende Tiere einen Weltraumspaziergang überlebt. Bisher ist es nur von Flechten und Bakterien bekannt, dass sie das Vakuum und ionisierende sowie kosmische Strahlung überleben können. Wie die Bärtierchen in der Lage sind, solch hohe Strahlungsdosen über einen Zeitraum von zehn Tagen auszuhalten, bleibt aber bis jetzt noch ihr Geheimnis.

Nachwuchs ohne Schäden
Die Bärtierchen, die im Vakuum nur der UV-A und UV-B Strahlung ausgesetzt waren, überlebten um einiges besser. Kaum auf der Erde zurück, den Körper mit Wasser versorgt, zeigten weit über die Hälfte aller Tiere, dass sie das Weltraumabenteuer überlebt haben. In den darauffolgenden Tagen starben noch einige der Winzlinge, die verbleibenden gingen jedoch sofort der Nahrungsaufnahme nach und legten Eier. Aus diesen entwickelten sich ganz normale Bärtierchen – ohne Hinweise auf Schäden durch den Weltraumausflug der Eltern.

Anwendungen in Medizin und Industrie
Ralph Schill kennt das Leben der Moos- und Wasserbewohner schon recht gut. Im Rahmen eines vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt beschäftigt sich seine Stuttgarter Arbeitsgruppe mit den dynamischen Prozessen, die den zähen Winzlingen das Überleben ermöglicht. Von den im Lauf der Jahrtausende optimal an ihren Lebensraum angepassten Bärtierchen und ihren Fähigkeiten können wir viel über die Natur des Lebens lernen“, berichtet der Biologe, „und wir erwarten spannende Erkenntnisse darüber, wie die Tiere ihre Zellen und Zellbestandteile schützen und auch reparieren.“ Diese Mechanismen zu verstehen und nachzuvollziehen wird die Forscher noch eine Weile beschäftigen. „Auf der Basis dieser Erkenntnisse lassen sich dann neue Methoden entwickeln, um Makromoleküle, Zellen und ganze Organismen besser zu konservieren“., erwartet Schill.

*) K. Ingemar Jönsson, Elke Rabbow, Ralph O. Schill, Mats Harms-Ringdahl, Petra Rettberg: Tardigrades survive exposure to space in low Earth orbit, in: Current Biology (Vol 18, No 17) vom 9. September 2008

Weitere Informationen bei
Dr. Ralph O. Schill, Biologisches Institut, Abt. Zoologie, Tel. 0172/7304726,
e-mail: ralph.schill@bio.uni-stuttgart.de,
http://www.funcrypta.de
Pressemitteilung
Ursula Zitzler, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart
04.09.2008