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Mehr Kokain im Abwasser denn je

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68 Städte weltweit, die meisten in Europa, haben sich 2017 erneut an einer grossangelegten Studie beteiligt, in welcher Drogen im Abwasser gemessen werden. Heute hat die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) die Resultate von 2017 publiziert.

Besonders auffällig dabei: Die Werte für Benzoylecgonin als Nachweis für konsumiertes Kokain sind in nahezu sämtlichen Städten stark angestiegen. Unter den 17 Städten, die seit 2011 an den Erhebungen mitmachen im Durchschnitt um 30%. Der Anstieg stimmt überein mit Studien, welche den Kokainkonsum aus anderen Daten rekonstruieren, z.B. aus Befragungen an Partys oder den von der Polizei sichergestellten Drogenmengen …mehr:

http://www.eawag.ch/de/news-agenda/news-plattform/news/news/mehr-kokain-im-abwasser-denn-je/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=40cae98efa7cf39d4e6de8a94a24ff59

Das neue Energiehandbuch NRW ist da!

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Die Abwasserbeseitigung ist wichtiger Bestandteil des Gewässerschutzes in NRW. Basierend auf zusammengetragenen Erkenntnissen von Forschungseinrichtungen, Ingenieurbüros und Betreibern liegt jetzt eine komplett überarbeitete 2. Auflage des Energiehandbuches NRW vor, die praktische Anleitungen und Hinweise zur systematischen Vorgehensweise bei der Energieeffizienzoptimierung beinhaltet.

Link zur Broschürenbestellseite:
http://www.umwelt.nrw.de/extern/broschuerenbestellung/#10288
(Maximal 1 Stück bestellbar)

PDF-Download:
https://www.umwelt.nrw.de/fileadmin/redaktion/Broschueren/energie_abwasseranlagen.pdf

Quelle: www.setacon.de

Fachkraft für Abwassertechnik unter der digitalen Lupe

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BIBB-BMBF-Onlinebefragung zu Berufsbildung und Digitalisierung
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) führen ein Berufescreening durch, bei dem die Auswirkungen der Digitalisierung auf ausgewählte Ausbildungsberufe untersucht werden. 

Die Online-Befragung hat zum Ziel, derzeitige und absehbare, insbesondere durch die Digitalisierung ausgelöste Veränderungen im Arbeits- und Ausbildungskontext der Berufe zu erfassen, um Schlussfolgerungen für die künftige Aus- und Weiterbildung zu ziehen.  

Zur Befragung: https://uzbonn.de/uzIWeb/?I.Project=bibb_40

Neues Forschungsprojekt an der Ostfalia: Sauerstoffeintrag in Belebungsbecken

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Die Fakultät Bau-Wasser-Boden am Campus Suderburg der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und der Abwasserzweckverband Uelzen haben ein neues Forschungsprojekt zum Sauerstoffeintrag in Belebungsbecken gestartet.

Projektleiter Prof. Dr. Artur Mennerich von der Ostfalia erläutert dazu: „Auf unseren Kläranlagen wird das Abwasser sehr weitgehend gereinigt. Dabei ist der biologische Abbau der im Abwasser enthaltenen Schmutzstoffe durch den Belebtschlamm, einer Mischung aus in der Natur vorkommenden Mikroorganismen, der entscheidende Schritt. Damit das funktioniert, gibt es am Boden der Belebungsbecken Belüftungselemente, durch die Luft eingetragen wird – ähnlich wie in einem Aquarium, nur dass die Luftmengen und die dafür benötigten Gebläse auf einer Kläranlage viel größer sind.“

Dietmar Kahrs, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Uelzen, sagt: „Auf der Kläranlage Uelzen gibt es dafür sechs große Gebläse, deren Elektromotoren eine Antriebsleistung von jeweils 50 Kilowatt haben. Da verwundert es nicht, dass diese Belüftung der Belebungsbecken der größte Energieverbraucher auf der Kläranlage ist. Obwohl es sich um hocheffiziente Technik handelt, wurden dazu im letzten Jahr etwa 800.000 Kilowattstunden verbraucht. Das ist ungefähr so viel wie 160 Haushalte mit vier Personen benötigen.“

Mennerich sieht auf den Kläranlagen noch Optimierungspotential: „Ein Ansatz liegt darin, die Auslegung der Belüftungseinrichtungen und die Regelungstechnik besser an die sich ständig ändernde Atmung der Mikroorganismen anzupassen. Aber auch räumlich sind innerhalb der Becken Unterschiede vorhanden, über die man bisher wenig weiß.“

In dem Forschungsvorhaben sollen nun in umfangreichen Messkampagnen genau diese Veränderungen messtechnisch bestimmt werden. „Natürlich gibt es Abschätzungen, in welchem Rahmen diese Änderungen liegen. Aber die Mühe, dazu wirklich Messungen zu machen, haben sich bisher nur Wenige gemacht. Wir wollen das jetzt systematisch angehen und sind froh, dass wir mit dem Abwasserzweckverband einen Partner haben, der dafür seine Anlage zur Verfügung stellt“, sagt Mennerich.

Die Ergebnisse sollen in die Modellansätze einfließen, mit denen Ingenieure biologische Kläranlagen planen und dimensionieren. Dadurch sind genauer an den Bedarf angepasste Becken und Belüftungseinrichtungen möglich. Weiter sollen die Erkenntnisse auch genutzt werden, um Mess- und Regelungsstrategien so zu programmieren, dass der Stromverbrauch so klein wie möglich ist und trotzdem gute Reinigungsergebnisse erreicht werden.

Das Projekt wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und einer Co-Finanzierung des Landes Niedersachsen in Höhe von insgesamt 319.550 Euro gefördert. Weiterer Partner in dem anwendungsorientierten Projekt sind die Dr. Born-Dr. Ermel Ingenieure GmbH, Achim.

Quelle: https://idw-online.de/de/news690912

Östrogene im Wasser – Screening und Risikobewertung für Europa

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In einem internationalen Projekt wurden europäische Wasserproben mit verschiedenen biologischen und chemischen Methoden auf Östrogene untersucht. Es zeigte sich, dass Biotests auf der Basis von Zellkulturen sehr gut geeignet sind, um die Stoffe nachzuweisen, die europaweit überwacht werden sollen.

Hormonaktive Stoffe können zur Verweiblichung von Fischen führen, ihr Immunsystem beeinträchtigen und auch andere empfindliche Wassertiere negativ beeinflussen: Dies haben zahlreiche wissenschaftliche Studien gezeigt. Besonders potent sind die steroidalen Östrogene wie die Hormone 17β-Estradiol (E2) und 17α-Ethinyl-Estradiol (EE2) und das Transformationsprodukt Estron (E1). Während E1 und E2 natürlich von Menschen und Tieren gebildet werden, wird das Hormon EE2 synthetisch hergestellt und zur Empfängnisverhütung eingesetzt. Da diese Stoffe kontinuierlich über Abwasser in Flüsse eingetragen werden und E2 und EE2 eine hohe biologische Aktivität haben, können schon sehr kleine Konzentrationen ganze Populationen negativ beeinflussen. Daher hat die EU alle drei Substanzen in die sogenannte „Watch List“ für potentiell schädliche Stoffe aufgenommen. Die Umweltkonzentrationen dieser Stoffe sollen regelmässig gemessen werden, damit ihr Umweltrisiko zukünftig besser beurteilt und reguliert werden kann.

Niedrige Nachweisgrenze notwendig
Die chemische Analyse der Stoffe ist zur Zeit noch eine Herausforderung und erreicht oft nicht die sehr niedrigen geforderten Nachweisgrenzen. Diese sollten nämlich wenigstens den jeweiligen vorgeschlagenen ökotoxikologischen Grenzwert (environmental quality standard, EQS) für chronische Belastungen erreichen, da ab dieser Konzentration ein Risiko für schädliche Effekte bei Organismen besteht: Die dafür vorgeschlagenen Werte liegen in der EU für E1 bei 3600 pg/L, für E2 bei 400 pg/L und für EE2 bei 35 pg/L.

„Biologische Methoden sind in der Lage, die Stoffe schon in sehr geringen Konzentrationen nachzuweisen“, sagt Projektkoordinator Robert Kase vom Oekotoxzentrum. „Sie könnten also für ein Screening eingesetzt werden und die chemische Analytik beim Monitoring ergänzen.“ Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass Biotests kein Vorwissen über die Stoffe in einer Probe erfordern, und sie die biologische Antwort auf Mischungen auch unbekannter Substanzen mit der gleichen Wirkung analysieren können.

Für den Nachweis von Östrogenen werden meist zellbasierte Rezeptortests genutzt, in denen die Bindung von Substanzen an den menschlichen Östrogenrezeptor über ein gekoppeltes Reportergen sichtbar gemacht werden kann. Dafür werden Hefezellen, menschliche Zellen oder andere Säugetierzellen eingesetzt. „Die Systeme sind sehr gut geeignet, um die geringen Östrogenkonzentrationen in Oberflächengewässern zu bestimmen“, erklärt Robert Kase. „Dennoch empfehlen die EU-Behörden die Verfahren noch nicht für die Anwendung in den Monitoring-Programmen der Wasserrahmenrichtlinie. Das liegt daran, dass es nicht genügend systematische Daten zu ihrer Anwendbarkeit als Monitoring- und Screeningmethoden gibt.“

Europaweite Probenahme und Zusammenarbeit
Daher hat das Oekotoxzentrum – zusammen mit dem Istituto Superiore di Sanità (IT) und der EU Komission – ein internationales Projekt koordiniert. In dem Projekt wurde der Nutzen von zellbasierten Biotests für den Nachweis von EE2, E2 und E1 in Fliessgewässern und Abwasser evaluiert. Dazu verglichen Wissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland, Italien, Frankreich, Tschechien und den Niederlanden neue Daten aus der chemischen und der biologischen Analyse von insgesamt 16 Fliessgewässerproben und 17 Abwasserproben aus ganz Europa. Drei Labors analysierten die Proben chemisch mit hochauflösender Flüssigchromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (LC-MS/MS) und Elektrosprayionisation. Fünf Labors setzten verschiedene zellbasierte Rezeptortests zum Nachweis östrogen aktiver Substanzen ein: Dies waren die kommerziellen ER-CALUX und ER-GeneBLAzer Systeme, und die nicht-kommerziellen MELN, HeLa-9903 und pYES Tests. Für den pYES Test werden Hefezellen verwendet, für die anderen dagegen menschliche Zellkulturen.

„Mit chemischen Analysen konnten die potenteren Östrogene E2 und EE2 nur in einem Teil der Proben gut quantifiziert werden“, berichtet Robert Kase. „Der Grund dafür war, dass die Nachweisgrenzen zu hoch lagen.“ E2 konnte in 4% der Oberflächengewässerproben nicht in den geforderten Konzentrationen detektiert werden, für EE2 waren es 44% der Proben. Dies war bei den Abwasserproben noch stärker ausgeprägt, da diese mehr Verunreinigungen enthalten, die die Analytik behindern. Die biologischen Rezeptortests waren in der Lage, die Hormone in Konzentrationen nachzuweisen, die ungefähr zehnfach unterhalb der chemischen Bestimmungsgrenze lagen. Ansonsten war die Übereinstimmung zwischen den gemessenen Konzentrationen in der chemischen und der biologischen Analytik hoch. Die Ergebnisse der verschiedenen Rezeptortests waren ebenfalls gut vergleichbar.

Chemisches Mischungsrisiko
Welche Methoden sind nun am besten für die Beurteilung der Gewässerqualität geeignet? Um diese Frage zu beantworten, bestimmten die Forschenden zunächst das Risiko für Populationen von Wasserorganismen (siehe Kasten). Für die chemische Analytik verglichen sie dazu die gemessenen Konzentrationen der Einzelstoffe EE2, E2 und E1 mit dem jeweiligen EQS-Vorschlag der Substanz und berechneten für jede Substanz den Risikoquotienten. Ist die Konzentration eines Einzelstoffes grösser als ihr EQS, so ist das Risiko für schädliche Wirkungen auf Organismen nicht akzeptabel. Das gleiche gilt für die Mischungseffekte von Substanzen mit gleichem Wirkmechanismus: So addierten die Wissenschaftler die Risikoquotienten für EE2, E2 und E1. Überschreitet diese Summe der Risikoquotienten 1, so besteht ein nicht akzeptables Risiko für die Mischung. Das war für 44% der Oberflächenwasserproben und 53% der Abwasserproben der Fall, wobei nur die quantifizierten Messungen berücksichtigt wurden.
Bei der Analytik mit Biotests wird die Aktivität der östrogenen Substanzen im Wasser als diejenige Konzentration des Hormons 17β-Estradiol ausgedrückt, die ebenso potent wirkt wie die unbekannte Mischung: Die Konzentration der Stoffe wird dabei in Form von 17β-Estradiol-Äquivalenten (EEQ) angegeben. Die EEQ aus der biologischen Analytik korrelierten gut mit den Summen-Risikoquotienten aus der chemischen Analytik. Dies zeigt, dass die effektbasierten Methoden dafür geeignet sind, den chemischen Status von Gewässern zu bestimmen oder belastete Proben zu identifizieren.

Triggerwerte zur Bestimmung des ökotoxikologischen Risikos
Um auch für die Biotest-Ergebnisse das Umweltrisiko zu beurteilen, benötigt man einen Schwellenwert, mit dem man die im Biotest bestimmte Gesamtkonzentration der EEQ für östrogen wirksame Stoffe vergleichen kann. Dafür können für Substanzen mit demselben Wirkmechanismus aus den vorhandenen Toxizitätsdaten sogenannte effekt-basierte Triggerwerte abgeleitet werden. Diese Werte sind derzeit nicht regulatorisch gültig. Ähnlich wie bei der konventionellen Risikobewertung mit chemischen Analysedaten und EQS zeigt die Überschreitung von Triggerwerten durch im Biotest gemessene Äquivalenzkonzentrationen ein nicht akzeptables Risiko für einen spezifischen Wirkmechanismus an (siehe Kasten). Die Ergebnisse der chemischen und ökotoxikologischen Risikobewertung war insgesamt gut vergleichbar. Je nach Biotest variierten die ökotoxikologischen Risikoquotienten etwas: So bestand für 31-50% der Oberflächengewässerproben und für 53-71% der Abwasserproben ein nicht akzeptables Risiko. Im Vergleich zu den chemischen Risikoquotienten wurde für 11% zusätzliche Proben ein nicht akzeptables Risiko identifiziert. Dies liegt zum grössten Teil daran, dass die Hormone EE2 und E2 in einem Teil der Proben chemisch nicht empfindlich genug analysiert werden konnten und so das Risiko unterschätzt wurde. Desweiteren beschränken sich die Biotests nicht auf den Nachweis von steroidalen Östrogenen, sondern weisen auch andere Chemikalien mit einer östrogenen Aktivität nach.
Rezeptortests als Screeningmethoden

Für ungefähr 15% der Gewässerproben und 41% der Abwasserproben konnten die Resultate der chemischen Analysen nicht für eine Bestimmung der Gewässerqualität verwendet werden, da mindestens eine Nachweisgrenze zu hoch lag. Die Nachweisgrenzen der ökotoxikologischen Tests lagen für alle fünf Methoden unterhalb des vorgeschlagenen Triggerwerts. Zellbasierte Rezeptortests sind daher sehr gut dafür geeignet, Wasserproben im Umweltmonitoring auf steroidale Östrogene zu screenen und die chemische Analytik zu ergänzen.

Die Rezeptortests haben folgende Vorteile: a) sie sind genügend sensitiv, um steroidale Östrogene in Oberflächen- und Abwasser zu quantifizieren, b) sie sind in der Lage, die kombinierte Wirkung von Östrogenmischungen zu erfassen, einschliesslich die Wirkung unbekannter Chemikalien, die den Östrogenrezeptor aktivieren und c) sie erlauben es, den ökotoxikologische Status zu bestimmen, indem mit Hilfe von Triggerwerten Risikoquotienten berechnet werden können. Dieser Ansatz ähnelt dem, der für die regulatorische Umwelt-Risikobewertung eingesetzt wird, erlaubt aber eine integrierte Mischungsbewertung. Zu einigen Rezeptortests werden im kommenden Jahr ISO-Standards in Kraft treten.

Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurde im Herbst ein Folgeprojekt begonnen: 14 EU-Mitgliedstaaten und 4 Schweizer Kantone werden dafür über 80 Oberflächengewässerproben zur Verfügung stellen, die mit Biotests auf Östrogene und bestimmte Schmerzmittel (Cox-Inhibitoren) untersucht werden sollen. Ausserdem koordiniert das Oekotoxzentrum zusammen mit dem EU Joint Research Center, Schweden und Italien eine Arbeitsgruppe, die eine Empfehlung für die Anwendbarkeit der Biotest-Methoden in der Wasserrahmenrichtlinie der EU vorbereitet.

http://www.oekotoxzentrum.ch/news-publikationen/news/oestrogene-im-wasser-screening-und-risikobewertung-fuer-europa/

Der tödlichen Fischkrankheit PKD auf der Spur

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In der Schweiz, aber auch in ganz Europa und in der USA, befällt ein Parasit Süsswasserfische, vor allem die Forellen. Er ist im Sommer aktiv, wenn das Wasser warm ist, und „schläft“ im Winter. Eine Gruppe Forschender von EPFL, Eawag und Universität Bern haben nun ein mathematisches Modell entwickelt, das Ausbrüche der von diesem Parasiten ausgelösten Nierenkrankheit vorhersagt.

Süsswasserfische sind vom Parasiten Tetracapsuloides bryosalmonae bedroht. Dieser hat keine Auswirkungen auf den Menschen, verursacht aber bei den Fischen die Nierenkrankheit PKD (proliferative kidney disease). Sie ist hochansteckend und kann ganze Fischpopulationen auslöschen. In der Schweiz sind vor allem Saiblings- und Forellenarten betroffen. PKD gilt als einer der Hauptgründe für den Fischrückgang in den letzten Jahrzehnten.
Forschende der EPFL, der Eawag und vom Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern haben drei Jahre lang den Fluss Wigger in den Kantonen Luzern und Aargau untersucht. Anhand der Daten konnten sie ein mathematisches Modell entwickeln, um die Verbreitung des Parasiten zu modellieren und Ausbrüche vorherzusagen. Davon berichteten sie jetzt im Journal „PNAS“.

Komplexer Lebenszyklus
Für ihr epidemologisches Modell mussten die Wissenschaftler den komplizierten Lebenszyklus des Parasiten berücksichtigen: Zunächst befällt der Erreger nämlich Moostierchen (Bryozoa), die an Steinen im Flussbett haften. Sporen des Parasiten gelangen dann in Kiemen und Schleimhäute der Fische, wo die Krankheit ausbricht bevor sie die Nieren befällt. Mutierte Sporen wandern über den Harn der Fische wieder ins Wasser und infizieren erneut Kolonien von Moostierchen.
Der Erreger führt erst bei erhöhten Temperaturen zu Symptomen. Bleiben die Wassertemperaturen mehrere Wochen lang über 15 Grad Celsius, wird die Krankheit tödlich für die Fische, und zwar für wild lebende oder Zuchtfische. Infizierte Tiere, die überleben, können noch über mehrere Sommer Sporen ausscheiden. Das macht das Verständnis und die Modellierung der Krankheit noch komplexer.

Eigene und bereits vorhandene Daten
Von mehreren Abschnitten der Wigger wurden Proben von Fischen genommen, über DNA-Analysen die Dichte der Moostierchen und der Parasiten analysiert sowie hydrologische und geomorphologische Grössen berechnet. Gemäss Luca Carraro vom Ecohydrology-Lab der EPFL scheint sich der Parasit vor allem dort wohl zu fühlen, wo er von der Strömung geschützt ist, in Zwischenräumen im kiesigen Flussschotter – ein Befund, der nun noch an anderen Flüssen überprüft werden soll. Neben den selbst erhobenen Daten berücksichtigt die Modellierung auch zahlreiche vorhandene Daten, etwa zum Klimawandel oder zu den Wassertemperaturen.
Obwohl eine Bekämpfung von PKD zur Zeit nicht möglich ist, erlaubt das nun erstellte Modell eine Vorhersage, wie sich die Parasiten verbreiten und welche DNA-Konzentrationen

http://www.eawag.ch/de/news-agenda/news-plattform/news/news/der-toedlichen-fischkrankheit-pkd-auf-der-spur/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=bdf553dcbc0d59997d9e9ef9be875da0

Schadstoffe im Wasser abbauen: Chemiker der Uni Halle verbessern Verfahren

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Wie sich hartnäckige Schadstoffe im Wasser einfach und kostengünstig abbauen lassen, haben Chemiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) herausgefunden. Dafür benötigen die Forscher lediglich eine grüne LED-Leuchte, einen Katalysator und Vitamin C. So können sie eine spezielle Art von Elektronen herstellen, die die Schadstoffe im Wasser zuverlässig zerlegen. Bisher waren dafür komplexe Lasersysteme nötig. Die Studie wurde kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ veröffentlicht.

In der Photochemie arbeiten Forscher an der Frage, wie sich mit Licht chemische Reaktionen starten lassen. „Die Idee ist, dass das Licht in ein Molekül eindringt und dort eine Reaktion auslöst“, sagt Chemiker Prof. Dr. Martin Goez von der MLU, dessen Arbeitsgruppe das neue Verfahren entwickelt hat. Von besonderem Interesse sind dabei Elektronen, die durch die Lichtenergie aus ihrer Molekülverbindung im Vitamin C gelöst werden und dann frei im Wasser vorliegen. „Diese sogenannten hydratisierten Elektronen sind extrem reaktionsfreudig und können zum Beispiel dabei helfen Schadstoffe abzubauen. Der Vorteil gegenüber anderen Stoffen ist, dass die Elektronen nach der Reaktion vollständig verschwunden sind, also keine schädlichen Reste zurücklassen“, so Goez weiter. Diese speziellen Elektronen können sogar mit sehr stabilen Stoffen reagieren und diese in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen.

Bisher waren teure und komplexe Hochleistungslaser nötig, um diese Art der Elektronen zu erzeugen. Der Einsatz der Anlagen ist auch an strenge Sicherheitsvorkehrungen geknüpft. Die neue Entwicklung der halleschen Chemiker ist dagegen deutlich einfacher und kostengünstiger: „Unser System besteht aus einer handelsüblichen grünen Leuchtdiode, Spuren eines Metallkomplexes als Katalysator und Vitamin C. Dieses Verfahren können Studierende zum Beispiel schon im Anfängerpraktikum umsetzen“, sagt der Chemiker Goez. Die Arbeitsgruppe testete die neue Methode an der Chloressigsäure, einer extrem giftigen und sehr stabilen Substanz. Mit ihrem System konnten die Forscher die Verbindung in ihre unschädlichen Bestandteile zerlegen. Dabei zeigte sich, dass die kostengünstige Alternative der Hallenser genauso viele Elektronen erzeugen konnte wie ein Hochleistungslaser.

Die Entwicklung der Arbeitsgruppe an der MLU eignet sich nicht nur dazu, um etwa schädliche Chloride oder Fluoride abzubauen. Der Ansatz lässt sich auf viele weitere photochemische Reaktionen übertragen, die mit anderen Mitteln nur schwer in Gang zu setzen sind.

Zur Publikation:
R. Naumann, F. Lehmann, M. Goez, Generating Hydrated Electrons for Chemical Syntheses by Using a Green Light-Emitting Diode (LED). Angew. Chem. Int. Ed. 2018, 57, 1078. DOI: 10.1002/anie.201711692
http://pressemitteilungen.pr.uni-halle.de/index.php?modus=pmanzeige&pm_id=2832
 

 

Der Artnachweis aus der Wasserflasche

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Mit der Umwelt-DNA-Analyse werden Gewässerlebewesen nachweisbar, ohne dass sie gefangen werden müssen. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat erstmals systematisch untersucht, wie verschiedene Umweltfaktoren auf Umwelt-DNA-Analysen wirken. Die Wissenschaftler schaffen damit eine wichtige Grundlage zur standardisierten Verwendung der Methode im Gewässermonitoring.

Beim Erstellen einer Umwelt-DNA-Analyse (eDNA) werden winzige Mengen an DNA, die Organismen ins Wasser abgeben mit modernsten …mehr:

https://www.myscience.de/news/2018/der_artnachweis_aus_der_wasserflasche-2018-tum
 

 

Kennen sie ihre kleinsten Mitarbeiter?

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Es lohnt sich, regelmäßig nachzusehen ob die Richtigen alle da sind und zu prüfen ob es ihnen auch gut geht.
Das regelmäßige mikroskopische Bild erfreut sich meist keiner allzu großen Begeisterung. Ein gerade erschienenes Buch bietet wertvolle Unterstützung, klar gegliedert in die Kapitel:

• Biologie des Belebtschlamms
• Mikroskopische Belebtschlammanalyse
• Praktische Fadenbakterienbestimmung
• Umfassende Belebtschlammuntersuchung und Schlussfolgerungen

Auf 146 übersichtlichen Tafeln werden die einzelnen Mikroorganismen mit charakteristischen Fotos und detaillierten Beschreibungen dargestellt, so dass man sie leicht und eindeutig bestimmen kann. Die Auswirkungen der unterschiedlichen Mikroorganismen auf den Belebtschlamm sind praxisnah beschrieben.

Eine interaktive CD veranschaulicht mit umfangreichem Bild- und Videomaterial die charakteristischen Eigenschaften der im Buch beschriebenen Mikroorganismen. Dadurch wird die Bestimmung sehr viel leichter und einfacher.

Hier finden Sie weitere Informationen. 

Innsbrucker Abfall-und Ressourcentag 2018

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Zum bereits dritten Mal veranstaltete der ÖWAV am 8. Februar 2018, in Kooperation mit der Universität Innsbruck und dem Land Tirol, den Innsbrucker Abfall-und Ressourcentag. Im fachlichen Austausch mit der Leiterin des Instituts für Infrastruktur und Vizerektorin der Universität Innsbruck, Frau Univ.-Prof. Anke Bockreis, wurden zahlreiche interessante Projekte aus den Fachgebieten Abfallbehandlung und Ressourcenmanagement der Universität Innsbruck im Laufe des Tages vorgestellt.

Bereits bei den begrüßenden Worten durch DI Rudolf Neurauter (Land Tirol) und DI Reinhard Oberguggenberger (IKB) wurden die kommenden Herausforderungen einer modernen Recyclingwirtschaft aufgezeigt und auf die Leitthemen der diesjährigen Tagung – Klärschlammstrategien unterschiedlicher Regionen, Entwicklungen zur Phosphorrückgewinnung sowie Erfahrungen zur Co-Vergärung – verwiesen.

Der erste Tagungsblock stand ganz im Zeichen der Phosphorrückgewinnung aus kommunalem Klärschlamm. Einen guten Überblick hierzu bot ein umfassender Vortrag zur möglichen Nutzung vorhandener Phosphorquellen im kommunalen Abwasser. In diesem Vortrag wurden nicht nur unterschiedlichste Verfahren der Phosphorrückgewinnung kurz dargestellt, sondern vor allem auch auf aktuelle Aktivitäten, Entwicklungen und Plattformen zum Phosphorrecycling (https://phosphorusplatform.eu/espp-members) hingewiesen. Interessant war auch der Folgevortrag über das Potenzial des Klärschlamms für die Düngemittelherstellung, welcher nicht nur einen aktuellen Ausblick lieferte, sondern auch erste Versuche und Überlegungen der Düngemittelindustrie zur Nutzung kommunaler Klärschlämme in den 90er Jahren beleuchtete. Bei einem Blick über die Bundesgrenzen hinaus konnte seitens des Bayrischen Landesamtes für Umwelt die Klärschlammstrategie in Bayern dargestellt werden. Gestützt von der kürzlich kundgemachten deutschen Klärschlammverordnung wird hier bereits ein dreistufiges Klärschlammkonzept bis 2030 umgesetzt. Bereits jetzt werden rund 25% der kommunalen Klärschlämme in Bayern in Mono-Verbrennungsanlagen behandelt. Ergänzend zu diesem Block wurde auch die Möglichkeit der Klärschlammpyrolyse als dezentrales Verwertungskonzept vorgestellt und beleuchtet.

Im Anschluss wurde in einem informativen Vortrag des Abwasserverbandes Hall in Tirol – Fritzens zu den Praxiserfahrungen mit Co-Vergärung übergeleitet. In diesem Zusammenhang folgte die Vorstellung aktueller Projekte der Universität Innsbruck, wie z.B. ARAFERM – Aufbereitung von Substraten und Abtrennung von Störstoffen, aber auch die intensive Auseinandersetzung mit und die Optimierung von Hydrozyklonen zur verbesserten und selektiven Störstoffabscheidung bei der Co-Vergärung, mit erheblichen Verbesserungen in deren Effizienz bei ersten großtechnischen Versuchen.

In einem Vergleich unterschiedlicher Verfahren zur Rückgewinnung von Bioenergie aus Speisefetten (Veresterung zu Biodiesel, Verstromung in einem BHKW oder Vergärung als Co-Substrat in einer Biogasanlage) wurde nicht nur die notwendige und unabdingliche Nutzung von Altspeisefetten als Energiequelle hervorgehoben, sondern in diesem Zusammenhang auch auf die Wichtigkeit einer Verbesserung der Wartung von Fettabscheidern hingewiesen. Auch der letzte Block des diesjährigen Innsbrucker Abfall- und Ressourcentages stand ganz im Zeichen der Energiewirtschaft und der bedarfsgerechten Energiebereitstellung durch Co-Vergärung. So wurden unterschiedlichste Strategien und Entwicklungen aufgezeigt und eine flexible Methan- und Wasserstofferzeugung durch Co-Vergärung im Detail besprochen.

https://www.oewav.at/Page.aspx?target=308869