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Vom Bund 2014

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Zu den Gesetzen und Verordnungen zum Thema Abwasser auf Bundesebene gehts hier:
www.klaerwerk.info/Nuetzliche-Links/Gesetze#Bund

November 2014
17.11.2014 Fast 2 Millionen Beschäftigte im Umweltschutz 
17.11.2014 Gefährliche Substanz in Freizeithäfen
Juli 2014
22.08.2014 Was die Landwirtschaft gegen ihre Ammoniakemissionen tun könnte 
Juni 2014
04.06.2014 Wider die Verschwendung 
04.06.2014 Vermüllung der Meere noch lange ein Problem 
April 2014
06.04.2014 Artenschwund auf dem Acker 
06.04.2014 Bestnoten für norddeutsche Seen 

Fast 2 Millionen Beschäftigte im Umweltschutz

Gebäudesanierung verspricht mehr grüne Jobs
Fast 2 Millionen Beschäftigte im Umweltschutz

Im Jahr 2010 verdankten fast 2 Millionen Beschäftigte ihren Arbeitsplatz dem Umweltschutz. Dies sind 4,8 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. Umweltschutz ist damit ein wichtiger Faktor für den Arbeitsmarkt. Gegenüber dem Jahr 2008 nahm die Umweltschutzbeschäftigung leicht um 18.000 Personen zu. Dieser Anstieg geht jedoch fast ausschließlich auf die zunehmende Auslandsnachfrage zurück. „Die Zahl der Umweltschutzbeschäftigten stagniert, wenn auch auf hohem Niveau. Zum Glück gibt es noch Luft nach oben: Etwa bei der energetischen Sanierung von Gebäuden. Falls die Bundesregierung das Ziel umsetzt, die Sanierungsrate für Gebäude von derzeit jährlich weniger als 1 Prozent der Gebäude auf 2 Prozent zu verdoppeln, würde dies die Zahl der Arbeitsplätze kräftig erhöhen. Vor allem die Baustoff-Industrie und das Handwerk profitieren.“, sagte Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA). Das Aktionsprogramm Klimaschutz, das die Bundesregierung Anfang Dezember 2014 beschließen will, könne hier wichtige Impulse setzen.
Investitionen für die Wärmedämmung in Gebäuden hatten im Jahr 2010 mit rund 93.000 Beschäftigten einen fast ebenso hohen Stellenwert für die Umweltschutzbeschäftigung wie die Umweltschutzinvestitionen von Staat und Unternehmen in den „klassischen Umweltschutz“, also Abfallbeseitigung, Gewässerschutz, Lärmbekämpfung oder Luftreinhaltung.

Auch der weltweit steigende Bedarf an Umwelt- und Klimaschutztechniken entwickelt sich weiter zum Jobmotor: Dem Export von Umweltschutzgütern ließen sich im Jahr 2006 rund 49.000 Arbeitsplätze zurechnen, im Jahr 2010 waren es bereits rund 78.000 Arbeitsplätze. Diese positive Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen, falls Deutschland seine starke Wettbewerbsposition behauptet. „Der Konkurrenzdruck wird stärker, denn viele andere Länder sehen zunehmend die wirtschaftlichen Chancen des Umwelt- und Klimaschutzes. Deutschland benötigt daher eine Umweltpolitik, die Innovationen antreibt und ambitionierte Umweltziele verfolgt.“ so Maria Krautzberger.

Während sich die Gesamtzahl der Umweltschutzbeschäftigten mangels aktuellerer Daten derzeit nur für das Jahr 2010 ermitteln lässt, liegen für die erneuerbaren Energien bereits Schätzungen bis 2013 vor. Danach sank in diesem Bereich 2013 erstmals die Beschäftigtenzahl, und zwar um rund 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies ist fast ausschließlich auf den Rückgang bei der Solarenergie zurückzuführen. Trotz dieses Rückgangs waren 2013 rund 371.000 Menschen bei den erneuerbaren Energien beschäftigt – mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren.

Die Schätzungen zur Höhe der Umweltbeschäftigung stammen aus einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Berlin. Sie wurden im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes erstellt. Maria Krautzberger: „Die Zahl von nahezu zwei Millionen Umweltschutzbeschäftigten ist eine Untergrenze. Tatsächlich arbeiten in Deutschland noch mehr Menschen für den Umweltschutz. Denn etliche Bereiche – wie Ökotourismus, umweltorientierte Versicherungswirtschaft und produktintegrierter Umweltschutz – sind wegen mangelnder Datengrundlagen nach wie vor nicht oder nur unzureichend enthalten.“

Publikationen
Beschäftigungswirkungen des Umweltschutzes in Deutschland im Jahr 2010
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/beschaeftigungswirkungen-des-umweltschutzes-in-1
Beschäftigung im Umweltschutz 2010
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/beschaeftigung-im-umweltschutz-2010

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Gefährliche Substanz in Freizeithäfen

Antifouling für Sportboote belastet Gewässer
Bootsanstriche belasten durch enthaltene Biozide das Wasser in Yachthäfen

Das Wasser in deutschen Freizeithäfen ist teilweise stark belastet und gefährdet die natürliche Flora und Fauna der Gewässer. Auffällig sind die Schadstoffkonzentrationen so genannter Antifouling-Wirkstoffe. Diese übersteigen laut Stichproben des Umweltbundesamts (UBA) vielfach die Umweltqualitätsnorm der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Die Antifouling-Wirkstoffe stammen im Wesentlichen aus den Schutzanstrichen für Sport- und Freizeitboote, die den Aufwuchs kleiner Tiere und Algen auf den Bootsrümpfen verhindern sollen. Die Stoffe können von der Schiffshaut ins Wasser übergehen und dort weiter auf Wasserpflanzen und -tiere einwirken. Das Umweltbundesamt rät dazu, Anstriche mit Antifouling-Wirkstoffen, insbesondere im Süßwasser, möglichst ganz zu vermeiden. Auf dem Ratzeburger See dürfen bereits seit Jahren Sportboote mit Antifouling-Anstrichen nicht mehr fahren. Mit seiner Untersuchung legt das Umweltbundesamt erstmalig eine gesamtdeutsche Übersicht zu Sport- und Freizeithäfen vor.
Antifouling-Wirkstoffe werden in den Beschichtungen für Sportbootrümpfe vielfach eingesetzt. Sie wirken wie ein Pestizid und verhindern bei Booten den Aufwuchs von Algen, kleinen Muscheln und Krebsen. In der Regel sind diese Beschichtungen im ein- bis zwei-jährigen Rhythmus zu erneuern, da sich die Wirkstoffe mit der Zeit auswaschen. Eine besonders große Menge an Wirkstoffen gelangt in die Hafenbecken, wenn frisch gestrichene Bootskörper zu Wasser gelassen werden. Antifouling-Wirkstoffe können sich auch außerhalb der Sportboothäfen anreichern und die Fauna und Flora der Gewässer direkt schädigen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist in Deutschland hoch, denn fast 80 Prozent der deutschen Binnensportboothäfen sind zum angrenzenden Gewässer offen bzw. sind Bestandteil desselben.

Das UBA ließ daher 50 Sportboothäfen von Flensburg bis zum Bodensee auf alle derzeit erlaubten Antifouling-Wirkstoffe stichprobenartig untersuchen. Im Visier stand dabei der Wirkstoff Cybutryn, der unter dem Handelsnamen Irgarol bekannt ist. In Antifouling-Anstrichen kommt er häufig vor. Irgarol ist ein Biozid kann unter anderem die Photosynthese von Pflanzen hemmen. Da sich Irgarol nur sehr langsam in der Umwelt abbaut, ist es in Gewässern lange wirksam.
Bei der einmaligen Messung im Sommer 2013 lagen die Konzentrationen von Irgarol an 35 von 50 Sportboothäfen über der Umweltqualitätsnorm, den die EU-Wasserrahmenrichtlinie für diesen Stoff vorsieht. Der darin festgelegte Wert von 0,0025 Mikrogramm pro Liter darf im Jahresdurch-schnitt nicht überschritten werden. An fünf Standorten lagen die Messwerte sogar über der zulässigen Höchstkonzentration der Umweltqualitätsnorm für Irgarol. Diese beträgt 0,016 Mikrogramm pro Liter und darf nie überschritten werden. Ein Fünftel der untersuchten Standorte wies zudem erhöhte Kupfer- und Zinkkonzentrationen auf.

Das Ergebnis bestätigt andere Untersuchungen, bei denen sich der Stoff sowohl in Küsten- als auch in Binnengewässern bereits in wirkungsrelevanten Konzentrationen nachweisen ließ. Eigene Untersuchungen des UBA haben gezeigt, dass für einen Teil der gemessenen Umweltkonzentrationen bereits negative Folgen für Wasserorganismen eintreten können.

Das UBA rät generell davon ab, im Privatbereich Antifouling-Anstriche zu verwenden. Insbesondere an vielen Süßwasserstandorten können Bootsrümpfe auch ohne Antifouling-Wirkstoffe in einem guten Zustand bleiben. Wer solche Schutzanstriche dennoch verwenden möchte, sollte darauf achten, dass sich die darin enthaltenen Wirkstoffe schnell in der Umwelt abbauen.

Mehrere europäische Länder haben bereits Anwendungsbeschränkungen oder Verbote von irgarolhaltigen Bootsanstrichen durchgesetzt, beziehungsweise ein generelles Anwendungsverbot für biozidhaltige Antifouling-Anstriche in Binnengewässern erlassen. Dazu zählen Dänemark, Schweden und Großbritannien. In Deutschland gelten bisher nur vereinzelt regionale Anwendungsverbote für diese Art von Anstrichen, zum Beispiel in Schleswig-Holstein am Ratzeburger See.

Aktuelle Bestandszahlen von Sportbooten wurden durch das Umweltbundesamt anhand von Luftbildern erhoben. Insgesamt wurde bundesweit ein Gesamtbestand von ca. 206.000 Liegeplätzen in 3091 Sportboothäfen erfasst. Nicht eingerechnet wurden Kleinsthäfen unter sechs Booten und Einzelliegeplätze. Deren Anzahl wird auf max. 20.000 geschätzt.

Weitere Informationen:
Europäische Zulassung der Antifouling-Wirkstoffe:

Die Zulassung von Unterwasserbeschichtungen mit biozidhaltigen Antifouling-Wirkstoffen unterliegt EU-weit der Biozid-Verordnung (EU) Nr. 528/2012. Um solche Produkte zu vermarkten, müssen Hersteller oder Importeure ein zwei-stufiges Zulassungsverfahren erfolgreich abschließen: Erstens muss der im Biozid-Produkt enthaltene Wirkstoff auf EU-Ebene grundsätzlich für die vorgesehene Verwendung zugelassen werden. Zweitens muss das Biozid-Produkt selbst entweder im Mitgliedstaat oder auf Unionsebene zugelassen sein, bevor es in den Verkehr gebracht und verwendet werden darf. In der 1. Stufe ist daher ein umfangreiches Dossier zum Wirkstoff vorzulegen, in dem u.a. Stoffeigenschaften, Verhalten in der Umwelt und Wirkung auf Mensch und Organismen dokumentiert werden. Auf Grundlage dieses Dossiers führt ein EU-Mitgliedsstaat federführend eine Risikobewertung des Wirkstoffs durch. Auf der Grundlage dieser Bewertung entscheidet die EU-Kommission über die Zulassung des Wirkstoffs. Zentraler Bestandteil für den Umweltbereich ist u.a. ein Vergleich der erwarteten Umweltkonzentration im Wasser (z.B. in Sportboothäfen) mit den aus ökotoxikologischen Tests abgeleiteten Wirkungsschwellen an Organismen (z.B. Algen, Wasserflöhe oder Fische). Werden insgesamt die Risiken für Mensch und Umwelt als gering bewertet und erzielt der Wirkstoff seine bestimmungsgemäße Wirkung, so kann er prinzipiell in Antifouling-Produkten eingesetzt werden, die dann in der 2. Stufe national zugelassen werden müssen. Bisher ist noch kein Antifoulingprodukt zugelassen. Alle Antifoulings sind derzeit noch aufgrund von Übergangsregeln ungeprüft auf dem Markt.

Wissenswertes zu Bioziden
http://www.biozid.info/
Stoffbeschreibung Irgarol
http://www.umweltbundesamt.de/search/content/irgarol

Publikationen
Wie viel Antifouling vertragen unsere Gewässer?
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/wie-viel-antifouling-vertragen-unsere-gewaesser
Vom Ersatzstoff zum Problemfall? Der Antifouling-Wirkstoff Irgarol
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/vom-ersatzstoff-problemfall-antifouling-wirkstoff
Wasserwirtschaft in Deutschland – Teil 2
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/wasserwirtschaft-in-deutschland-teil-2

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Was die Landwirtschaft gegen ihre Ammoniakemissionen tun könnte

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger hat auf dem Deutschen Bauerntag im Juni 2014 für mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft geworben. Besonders besorgniserregend sind die immer noch viel zu hohen Stickstoffemissionen, wie etwa Ammoniak aus der Tierhaltung.
Dazu Maria Krautzberger: „Wir brauchen für die Intensivtierhaltung anspruchsvolle, europaweite Standards, die die Stickstoffemissionen deutlich mindern. In der Industrie ist das gängige Praxis – warum nicht in der industriellen Landwirtschaft? Mit Abluftreinigungstechnik lassen sich die Ammoniakemissionen aus Ställen um 70 bis 90 Prozent reduzieren.“ Ammoniakemissionen entstehen aber auch direkt über den Äckern, wenn Dünger ausgebracht wird. UBA-Präsidentin Krautzberger: „Wenn wir beim Düngen stärker auf emissionsarme Verfahren setzen, etwa die bewährten Schleppschläuche – mit denen die Nährstoffe direkt über dem Acker ausgebracht werden -, senkt das die Stickstoffemissionen deutlich.“
Mehr:
http://www.umweltbundesamt.de/themen/was-die-landwirtschaft-gegen-ihre

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Wider die Verschwendung

UBA-Tagung zu konkreten Schritten der Abfallvermeidung
Das weltweite Bevölkerungswachstum und der steigende Rohstoffverbrauch erhöhen den Druck auf die Inanspruchnahme der natürlichen Ressourcen. Trotz vieler Erfolge in der Kreislaufwirtschaft sinken die Abfallmengen in Deutschland nicht nachhaltig. Eine steigende Produktvielfalt, immer kürzer werdende Innovationszyklen, insbesondere bei technischen Geräten, und häufig wechselnde Modetrends führen zu immer kurzlebigeren Produkten und schnellerem Neukauf. „Es ist dringend geboten, zu handeln und wirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Abfällen zu ergreifen. Darüber hinaus muss die getrennte Erfassung wertstoffhaltiger Abfälle in einer Wertstofftonne verbessert werden“, erklärte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger. Das Umweltbundesamt nimmt das Europäische Jahr des Abfalls zum Anlass, um in einer Veranstaltung am 22. Mai 2014 das Thema Abfallvermeidung in den Fokus zu nehmen. Gleichzeitig geht der Ratgeber „Abfälle im Haushalt – Vermeiden, Trennen, Verwerten“ online, der wertvolle Tipps zur Vermeidung und zum umweltschonenden Umgang mit Abfällen bereithält.
Auf der UBA-Fachtagung „Wider die Verschwendung – konkrete Schritte zur Abfallvermeidung“ in Berlin soll mit verschiedenen Akteursgruppen zum Thema „Abfallvermeidung“ ein vertiefender Austausch stattfinden. Es werden aktuelle Fragestellungen insbesondere zur abfallvermeidenden Produktgestaltung aufgegriffen. Themen der Tagung sind Informationen über Best-Practice-Ansätze sowie das Identifizieren und Abbauen von Vermeidungshindernissen. Drei Arbeitsgruppen bieten die Möglichkeit, für einen intensiven Austausch zu Perspektiven und Grenzen ausgewählter Maßnahmen.

Arbeitsgruppe 1 widmet sich den Lebenszyklusstufen „Design“ und „Herstellung“ von Produkten, insbesondere den abfallvermeidenden Aspekten der beiden Produkteigenschaften „technische Lebensdauer“ und „Reparierbarkeit“.

In Arbeitsgruppe 2 werden relevante Fragen der geeigneten Erfassung und funktionsfähigen Aufarbeitung von Altprodukten als wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Wiederverwendung vertiefend diskutiert.

Arbeitsgruppe 3 beschäftigt sich mit dem Gebrauchtwarenhandel und wird darüber diskutieren, wie die Nachfrage nach gebrauchten Produkten gesteigert werden kann und welche Rahmenbedingungen der Gebrauchtwarenhandel benötigt, um sich erfolgreich zu etablieren.

Weitere Informationen zur Wertstofftonne
http://www.umweltbundesamt.de/presse/presseinformationen/aus-muell-mehr-metall-kunststoff-wiedergewinnen

Publikationen
Ratgeber: Abfälle im Haushalt
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/ratgeber-abfaelle-im-haushalt
Analyse und Fortentwicklung der Verwertungsquoten für Wertstoffe
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/analyse-fortentwicklung-verwertungsquoten-fuer

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Vermüllung der Meere noch lange ein Problem

Aktionspläne sollen Abfalleinträge verhindern und vorhandene Mengen verringern
Pressemitteilung zum Europäischen Tag der Meere

Zukünftig sollen deutlich weniger Abfallmengen ins Meer gelangen als bisher. Dieses Ziel verfolgen die regionalen Aktionspläne der Meeresschutz-Übereinkommen gegen Meeresmüll für die Nord- und die Ostsee sowie das Mittelmeer. Die Aktionspläne sehen unter anderem Maßnahmen gegen den Verlust von Fischfanggeräten in die Meeresumwelt vor und empfehlen, Mikroplastik in Hygiene- und Kosmetikprodukten zu vermeiden. Das Umweltbundesamt ist maßgeblich an der fachlichen Ausarbeitung der Pläne für die Nord- und Ostsee beteiligt und betreibt umfangreiche Forschung, um die Art der Abfallmengen und deren Auswirkungen besser bestimmen zu können. Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA: „Das Müllproblem im Meer werden wir heute und morgen nicht lösen können. Wir haben es mit riesigen Ansammlungen von Abfällen zu tun. Wir müssen darum unverzüglich Lösungen auf den Weg bringen, um die Abfalleinträge erheblich zu reduzieren. Die regionalen Aktionspläne der internationalen Meeresschutz-Übereinkommen bilden dafür eine erste wichtige Grundlage.“

Den größten Anteil bei den Abfällen bilden die Reste von Kunststoffprodukten, darunter viele Verpackungsmaterialien, sowie die Reste von Fischernetzen. Die Abfälle wirken sich zunehmend auf die Meerestiere aus. Laut Berechnungen der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) kamen 2012 schon 663 Meerestierarten regelmäßig in Kontakt mit Abfällen. 1997 waren es nur 247 Arten. Vor allem mit Netzresten können sich Tiere nachweislich strangulieren. Verschlucken sie die Plastikteilchen, kann dies zu inneren Verletzungen oder Verhungern führen. Besonders betroffen sind Seevögel und Fische. Neue Auswertungen des Umweltbundesamtes für die Nordsee zeigen, dass sich dort pro Quadratkilometer Meeresboden durchschnittlich elf Kilogramm Abfall befinden. Für die Ostsee werden derzeit Daten zur Abfallbelastung erhoben.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Um die 450 Jahre dauert es, bis sich ein Produkt aus Plastik in der Umwelt zersetzt. Auch danach ist es noch nicht weg. In der Form winziger Partikel mit gesundheitsschädlichen Zusatzstoffen wie Weichmachern kann es von Muscheln und Plankton aufgenommen werden und so in den Anfang der Nahrungskette gelangen. Größere Plastikteile stellen für viele Meerestierarten eine große Gefahr da. Das betrifft insbesondere die Reste von Plastiktüten, die bei Abfalluntersuchungen an Stränden und Meeren regelmäßig gefunden werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher weiterhin, eine Bezahlpflicht für Plastiktüten einzuführen.“

Erst seit kurzem stehen die Funde von Mikroplastik in Meereswirbeln, an Stränden und in Meereslebewesen im Fokus des marinen Umweltschutzes. Dabei handelt es sich um Kunststoffreste, deren Durchmesser weniger als fünf Millimeter beträgt. Sie entstehen einerseits bei der Zersetzung von Kunststoffabfällen. Andererseits werden damit Kunststoffpartikel bezeichnet, die in mikroskopischer Größe hergestellt und in Kosmetika und Reinigungsmitteln zum Einsatz kommen. Es gibt darüber hinaus Hinweise, dass Mikroplastik durch die Abwasserbehandlung nicht vollständig zurückgehalten wird und so in Gewässer gelangen kann.

Maria Krautzberger: „Bei Mikroplastik sind noch viele Fragen offen. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf.“ Das UBA lässt verschiedene Abfallquellen derzeit untersuchen. In einem Monitoring deutscher Meeres- und Küstengewässer werden die Eintrags- und Verbreitungspfade der Meeresabfälle sowie deren biologische Auswirkungen erhoben. Das UBA erfasst auch die Einsatzmengen industriell hergestellter Mikroplastikpartikel und lässt deren ökologische Auswirkungen, wie die Aufnahme dieser Partikel durch Vögel und Fische, erforschen. In einem weiteren Projekt sollen Trinkwasser, Regenwasser und behandeltes Abwasser auf den Gehalt von Mikroplastik untersucht werden.

Um die Abfalleinträge in die Meere zu verringern, werden im Rahmen der europäischen Meeresschutz-Übereinkommen OSPAR und HELCOM sogenannte regionale Aktionspläne entwickelt. Für das Mittelmeer ist ein solcher Aktionsplan 2013 in Kraft getreten. Die Pläne sehen unter anderem vor, den Verlust von Fischernetzen sowie deren illegale Entsorgung in die Meeresumwelt zu verhindern. Vorgeschlagen werden auch verbesserte Kunststoffprodukte, um deren Nutzungsdauer zu verlängern, Schadstoffe zu vermeiden und ihre Recyclingfähigkeit zu erhöhen. Der Eintrag von Mikroplastikpartikeln, die zum Beispiel in kosmetischen Produkten oder in Reinigungsstrahlern auf Werften enthalten sind, soll verhindert werden. Angedacht sind auch Reinigungsmaßnahmen von Stränden, des Meeresbodens und des Meerwassers. Das UBA betreut die fachliche Entwicklung der regionalen Aktionspläne für den Nordostatlantik und die Ostsee innerhalb der entsprechenden Regionalen Meeresschutzkonventionen.

Weitere Informationen
Die Abfallmengen in den Meeren werden derzeit auf über 100 Millionen Tonnen geschätzt. Etwa Dreiviertel davon bestehen aus Kunststoffen. Jährlich kommen derzeit bis zu 6,4 Millionen Tonnen hinzu. Etwa 70 Prozent der Abfälle sinken zu Boden, der Rest wird entweder an Strände gespült, treibt an der Wasseroberfläche oder in tieferen Meeresschichten. Durchschnittlich 13.000 Plastikmüllpartikel treiben mittlerweile auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. In der Nordsee sollen sich allein 600.000 Kubikmeter Abfälle befinden.

Oslo-Paris-Kommission zum Schutz des Nordostatlantiks
http://www.ospar.org/content/content.asp?menu=01441000000000_000000_000000
Helsinki-Kommission zum Schutz des Ostseeraums
http://www.helcom.fi/
Themenseite Müll im Meer http://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/muell-im-meer
Aktion zum Europäischen Tag des Meeres im OZEANEUM Stralsund
http://www.ozeaneum.de/news/aktuelles/news-detail/datum/2014/05/13/20-mai-europaeischer-tag-der-meere.html

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Artenschwund auf dem Acker

Pflanzenschutzmittel gefährden Feldvögel

Der großflächige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft gefährdet zunehmend Vögel auf Feldern. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA). Vor allem Rebhuhn und Feldlerche finden durch den Chemikalieneinsatz weniger Nahrung, weil mit den Schädlingen auch Futtertiere wie Schmetterlingsraupen und andere Insekten getötet werden. Herbizide beseitigen außerdem Wildkräuter auf den Äckern, von denen die Insekten leben. So wird die Nahrungskette nachhaltig gestört. Dabei wäre es möglich, die Artenvielfalt auf Äckern, Feldern und Wiesen zu schützen. Thomas Holzmann, derzeit amtierender Präsident des Umweltbundesamtes: „Wir brauchen einen Mindestanteil von Flächen, auf denen nicht gespritzt wird. Auf solchen Blühstreifen und Brachen fänden Feldvögel, Schmetterlinge, und Bienen dann genügend Nahrung.“

Vor allem bei Feldvogelarten, die für die Aufzucht ihrer Jungen auf den Feldern nach Insekten suchen, führt der Einsatz eines Insektenvernichtungsmittels während der Aufzucht oft zum Verhungern der Jungtiere und zur Gefährdung der Art. Bei Rebhuhn, Goldammer und Feldlerche sind solche indirekten Gefährdungen durch Pflanzenschutzmittel nach überwiegender wissenschaftlicher Auffassung weitgehend gesichert. Alle Vogelarten, die am Boden brüten, leiden zudem darunter, dass Getreide durch den Einsatz von Pilzbekämpfungsmitteln (Fungiziden) immer dichter angepflanzt werden kann. Den Vögeln bleibt so zu wenig Raum und Nahrung, um ihre Nachkommen aufzuziehen. Für die aktuelle Studie haben Forscher und Forscherinnen die Ergebnisse zahlreicher anderer Studien zur Gefährdung von Beständen ausgewertet, bei insgesamt 27 Vogel- und 22 Säugetierarten. Sie wollten wissen, welche Ursachen es für den an vielen Orten beobachteten Artenrückgang gibt.

Da mit der intensiven Landwirtschaft ein generelles Verbot chemischer Pflanzenschutzmittel nicht vereinbar ist, sind Ausgleichsmaßnahmen notwendig: „Mit Blühstreifen, Brachflächen und unbehandelten Dünnsaaten lässt sich auch in der modernen, intensiven Landwirtschaft die Artenvielfalt auf den Äckern schützen. Vieles davon ist bereits Bestandteil von den Agrarumweltprogrammen der Bundesländer, wir haben also gute Praxiserfahrungen damit. Die negativen Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln lassen sich so deutlich mindern, ohne die Erträge zu gefährden.“, sagte Thomas Holzmann. Langfristig müsse die Abhängigkeit der Landwirtschaft von chemischen Pflanzenschutzmitteln ohnehin verringert werden. Das sei auch der klare Auftrag der EG-Rahmenrichtlinie zur nachhaltigen Verwendung von Pestiziden an die Mitgliedstaaten. „Der Ökolandbau zeigt schon heute, dass es möglich ist, weitgehend ohne chemische Pflanzenschutzmittel auszukommen. Bislang hat der Ökolandbau in Deutschland allerdings nur einen Flächenanteil von 6 Prozent – und verfehlt damit das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von mindestens 20 Prozent Ökolandbau. Hier kann und muss mehr passieren.“, so Thomas Holzmann.

Hintergrund
In Deutschland werden pro Jahr fast 100.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel auf Äckern, Wiesen, Wein- und Obstkulturen eingesetzt. Die Mittel unterliegen einer strengen Zulassung, an der auch das UBA beteiligt ist. Pflanzenschutzmittel dürfen nur nach guter fachlicher Praxis angewendet werden und sich nicht unvertretbar auf die biologische Vielfalt auswirken. Im Zulassungsverfahren prüft das UBA umfassend die Umweltverträglichkeit eines Pflanzenschutzmittels und macht Vorschläge für ein Risikomanagement.

Weitere Informationen und Links
Veröffentlichung des Umweltbundesamtes „Protection of biodiversity of free living birds and mammals in respect of the effects of pesticides“:

http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/protection-of-biodiversity-of-free-living-birds

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Bestnoten für norddeutsche Seen

Gewässertyp des Jahres 2014: Der tiefe nährstoffarme See Norddeutschlands

Über die Hälfte der tiefen und nährstoffarmen Seen Norddeutschlands sind in einem guten ökologischen Zustand und erfüllen damit bereits heute die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Fast alle Seen dieses Typs sind frei von Schadstoffen und weisen daher einen guten chemischen Zustand auf. Sie eignen sich hervorragend zum Baden und Tauchen. Bekannte Seen dieses Typs sind der Große Stechlinsee und der Wandlitzsee in Brandenburg sowie der Plöner See in Schleswig-Holstein. Aufgrund dieser guten Bewertung kürt das Umweltbundesamt anlässlich des Internationalen Tag des Wassers den „tiefen, nährstoffarmen See Norddeutschlands“ zum „Gewässertyp des Jahres“ 2014. Er kommt im Norddeutschen Tiefland, östlich der Elbe in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein vor.

Bundesweit erreichen nur knapp 40 Prozent aller Seen die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese Ziele gelten dann als erfüllt, wenn sich in einem See, die für ihn typischen, natürlicherweise vorkommenden Gemeinschaften von Fischen, Pflanzen und Kleinstlebewesen ausbilden. Diesen Zustand bezeichnet die Richtlinie als gut oder sehr gut. 52 Prozent der tiefen, nährstoffarmen Seen Norddeutschlands erreichen diesen Zustand bereits heute. Von allen anderen in Norddeutschland vorkommenden Seentypen kann keiner so gut bewertet werden. Dessen positives Gesamtbild wird durch einen guten chemischen Zustand und eine – im Vergleich zu anderen Seen – geringe Nährstoffbelastung abgerundet. Dass dieser Seentyp im Verhältnis zu anderen Seen überdurchschnittlich gut abschneidet, ist dem günstigen Verhältnis zwischen Einzugsgebietsgröße, Wasservolumen, Kalkgehalt und Seebeckentiefe geschuldet. Nährstoffe werden dadurch weniger stark eingetragen. Gelangen sie dennoch in den See, wird zwar das Wachstum von kleinsten Algen, dem Phytoplankton, angestoßen. Dessen Masse bleibt aber so gering, dass ihr Abbau den Sauerstoffgehalt des Wassers nicht übermäßig beansprucht. Phytoplankton und Nährstoffe werden dann zusammen am Gewässerboden abgelagert und damit dem Nährstoffkreislauf entzogen. Wenn dieser effektive Selbstreinigungsprozess funktioniert, bildet sich eine typische Tier- und Pflanzengemeinschaft mit Armleuchteralgen, Wasserinsekten und Fischen, wie Kleine Maräne, Barsch und Hecht.

Aufgrund der guten Wasserqualität sind viele dieser Seen auch ideal zum Baden und Tauchen. Aber auch Freizeitschiffer fahren hier mit Kanus und Kleinmotorbooten und nutzen, dass viele der branden- und mecklenburgischen Seen über Oder, Havel und Elbe schiffbare Verbindungen zu Ost- und Nordsee haben.

Bei rund der Hälfte der „tiefen und nährstoffarmen Seen“ besteht aber weiter Handlungsbedarf. Zum Beispiel dort, wo die günstigen naturräumlichen Gegebenheiten nicht mehr ausreichen, einen übermäßig hohen Nährstoffeintrag aus dem Einzugsgebiet zu kompensieren. In dessen Folge starkes Wachstum von Algen auftritt und das Wasser getrübt wird. Nährstoffeinträge aus kommunalen Abwässern und Landwirtschaftsbetrieben können jedoch wirkungsvoll durch Kläranlagen und Ringkanalisationen um die Seen gemindert werden. Problematisch können auch bauliche Veränderungen natürlicher Ufer zum Beispiel für Promenaden, Badestellen und Bootsanleger sein.

Bekannte Vertreter dieses Seentyps sind zum Beispiel der Große Stechlinsee, der Wandlitzsee und der Werbellinsee in Brandenburg, der Breite und der Schmale Luzin sowie der Schweriner See in Mecklenburg-Vorpommern, der Schöhsee und der Plöner See in Schleswig Holstein sowie der Arendsee in Sachsen-Anhalt.

Weitere Informationen zur Aktion Gewässertyp des Jahres samt interaktiver Karte: http://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaessertyp-des-jahres

Artikel zum Gewässertyp des Jahres 2014: https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaessertyp-des-jahres/gewaessertyp-2014-tiefer-naehrstoffarmer-see

Flyer: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/gewaessertyp-des-jahres-2014

Poster: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/poster-gewaessertyp-des-jahres-2014

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Spurenelemente aus Tessiner Sumpf

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Dass Feuchtgebiete für einen Teil der weltweiten Methanemissionen verantwortlich sind, ist mittlerweile bekannt. Hingegen ist bisher kaum untersucht worden, wie aus Mooren und Sümpfen über biologische Prozesse auch Spurenelemente freigesetzt werden. Nun zeigt eine Studie, die unter der Leitung der Eawag gemeinsam mit vier weiteren Instituten im Tessin durchgeführt wurde, dass die Raten, in denen gasförmiges Selen, Schwefel und Arsen aus einem Hochmoor entweichen, beträchtlich sein können. Besonders Selen scheint über Pflanzen effizient mobilisierbar, über 40mal besser als Arsen und über 100mal besser als Schwefel. In absoluten Zahlen sind die freigesetzten Mengen dieser Elemente klein: Für Selen liegen sie im Durchschnitt bei 0.1 Mikrogramm pro Quadratmeter Moorfläche und Tag.

Mehr:
http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140108/index
 

 

Im Karst lebt sich’s gut dank Biofilm

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Das Sprichwort «Steter Tropfen höhlt den Stein» stimmt nur bedingt. Wesentlichen Anteil an der Bildung von Spalten und Höhlen im Kalk haben wahrscheinlich auch Mikroorganismen. Anders als bisher vermutet, leben sie jedoch kaum im freien Wasser, sondern wachsen als Biofilme auf dem Gestein. Zudem leisten die Bakterienkolonien wertvolle Dienste, indem sie das Karstwasser reinigen, und ihre Artenzusammensetzung dokumentiert Veränderungen im Einzugsgebiet. Das zeigt eine noch laufende Studie der Eawag. (Artikel aus dem aktuellen Eawag-Newsletter).

Das mikroskopische Leben in Flüssen und Seen ist recht gut untersucht. Bakterien, im Wasser schwebende Algen und das einzellige oder wenige Zellen grosse Zooplankton bestimmen die biochemische Dynamik dieser Gewässer. Dagegen weiss man über die Lebensgemeinschaften im Grundwasser noch herzlich wenig. Dies obwohl nach neuesten Schätzungen Bakterien mehr als die Hälfte…mehr:

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140122/index
 

 

Multitalent: Bio-Kläranlage, Lebensraum und Baumaterial

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Rohrkolben mit DBU-Förderung für nachhaltige Landwirtschaft und ökologisches Bauen entdeckt

Die Erfolgsgeschichte der Sumpfpflanze Rohrkolben begann vor 18 Jahren mit ihrem Anbau in Niedermooren. Gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) offenbarte ein Modellprojekt die Ökovorteile der Pflanze: Da für ihren Anbau hohe Wasserstände nötig sind, können sich die seit Jahrhunderten für die Landwirtschaft trockengelegten Niedermoore wieder erholen. Außerdem reinigt sie das Wasser und speichert große Mengen Kohlendioxid. Dabei wurde die Pflanze eigentlich für das Herstellen von Baumaterial aus nachwachsenden Rohstoffen angebaut. Auch dies ist nun in einem an den Rohrkolbenanbau anknüpfenden DBU-Projekt gelungen. Das Büro für Denkmalpflege und Baustoffentwicklung aus Postmünster entwickelte aus der Wasserpflanze ein zugleich dämmendes und tragendes Baumaterial, das sich besonders für die Sanierung historischer Fachwerkhäuser sehr gut eignet. „Wenn sich aus einem Naturschutzprojekt Perspektiven für weitere Entwicklungen etwa im ökologischen Bauen ergeben, ist das der Idealfall einer erfolgreichen Förderung“, sagte DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann.

Die Rohrkolben funktionierten wie eine natürliche Kläranlage, erläuterte DBU-Referent Dr. Reinhard Stock. Sie kämen sehr gut mit teils aus der Landwirtschaft stammendem nährstoffbelastetem Wasser zurecht und reinigten es. „Zudem binden die Pflanzen Kohlendioxid, die vernässten Anbauflächen verhindern die Freisetzung von Treibhausgasen und sind gleichzeitig Lebensraum für daran angepasste Tier- und Pflanzenarten“, so Stock. Aufbauend auf dem 1996 begonnenen DBU-Projekt von Werner Theuerkorn vom Büro für Denkmalpflege und Baustoffentwicklung sowie der Technischen Universität München zur schonenden Wiedervernässung von Mooren im bayerischen Donaumoos liege nun das Endergebnis vor: Baustoffplatten aus Rohrkolben für das Ausfüllen von Fachwerkgefügen. Besonders die energiearme Produktion des Baustoffs und die Tatsache, dass das Produkt wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden könne, sprechen für die neuartigen Platten.

„Wir haben zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Bauphysik aus den Blättern von Rohrkolben ein massives Dämmmaterial hergestellt, das auch bei schlanker Bauweise die Vorgaben der Energieeinsparverordnung von 2009 erfüllen und den Anforderungen beim energetischen Sanieren von Altbauten gerecht werden kann“, so Projektleiter Theuerkorn. Bei der Dämmung im Gefach mit zusätzlicher Innendämmung konnte trotz einer relativ geringen Wandstärke von 20 Zentimetern mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 0,35 (Watt pro Quadratmeter und Kelvin) ein Dämmstandard wie bei einem durchschnittlichen Wandaufbau mit konventionellen Dämmstoffen erreicht werden. Theuerkorn: „Wenn man die Fachwerk-Fassade erhalten oder freilegen möchte, kann man nur nach innen dämmen und verliert so wertvollen Platz. Durch den schlanken Baustoff aus Rohrkolben hat man dieses Problem in deutlich geringerem Umfang.“

Außerdem überzeuge die Verträglichkeit mit den historischen Materialien Holz, Flechtwerk und Lehm. Dadurch könne möglichst viel der originalen Bausubstanz erhalten werden. Die biologisch abbaubaren Rohrkolben-Platten leiteten auch sehr gut die Feuchtigkeit ab und seien durch die enthaltenen Gerbstoffe schimmelresistent, was chemische Zusätze überflüssig mache. Mit knapp 75.000 Euro förderte die DBU das Erproben des neuen Baustoffs an einem denkmalgeschützten Haus in Nürnberg, das im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt und dessen Fachwerkfassade im späten 17. Jahrhundert erbaut wurde.

Gleichwohl stelle sich zurzeit noch das „Henne-Ei-Problem“, so Theuerkorn: Eine erfolgreiche Vermarktung funktioniere nur, wenn die Landwirtschaft die Rohrkolben anbaue. Doch dafür brauche sie eine Kauf-Garantie von Produzenten und Handel. Gefragt sei der schlanke, ökologische und denkmalgerechte Baustoff allemal: „Die Firma Typha Technik und Naturbaustoffe konnte einen Naturbaustoff entwickeln, der eine denkmalgerechte und nachhaltige Gebäudesanierung ermöglicht. Damit wurde die Vereinbarkeit von Denkmalschutz und energetischer Nachrüstung nachgewiesen“, betonte Dr. Paul Bellendorf, DBU-Referent für Umwelt und Kulturgüter.

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel35144_335.html

 

 

Pestizidcocktail in Schweizer Flüssen

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Schweizer Fliessgewässer enthalten einen ganzen Cocktail an Pestiziden. Von rund 300 zugelassenen und erfassbaren Wirkstoffen wurden in einem aufwendigen Screening über 100 in Wasserproben gefunden. Jede Probe enthielt im Schnitt 40 unterschiedliche Stoffe. In 78% der Proben lag die aufaddierte Pestizidkonzentration über 1µg/L. Für 31 Substanzen wurde der Grenzwert der Gewässerschutzverordnung verletzt. Eine Beeinträchtigung von Organismen in den Gewässern – namentlich durch Pflanzenschutzmittel – kann nicht ausgeschlossen werden.

So umfassend wurde noch nie nach Pestiziden in Schweizer Gewässern gesucht: Im Auftrag des Bundes hat die Eawag zusammen mit fünf Kantonen in fünf mittelgrossen Flüssen allen löslichen synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Bioziden nachgespürt. Heute hat die Zeitschrift Aqua&Gas die Resultate in ihrer Nr. 3/2014 publiziert. Medienschaffende können den vollständigen Artikel als pdf anfordern unter: medien@eawag.ch.

Vor allem Pflanzenschutzmittel
Hauptziel der Studie an den Flüssen Salmsacher Aach (SG), Furtbach (ZH), Surb (AG), Limpach (SO) und Mentue (VD) war es, herauszufinden, wie viele verschiedene Pestizide in diesen Gewässern vorkommen. Von rund 300 zugelassenen und analytisch nachweisbaren Wirkstoffen wurden 104 in den Flüssen gefunden, 82 davon waren reine Pflanzenschutzmittel. Aufgrund der neuen, umfassenden Daten zeigt sich, dass ein Grossteil der Pestizidbelastung heute den Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft zuzuschreiben ist.

Hohe Summen-Konzentration
Die Summe aller Pestizidkonzentrationen war in 78% der Proben grösser als 1µg/L. Was dies für die Wasserqualität und die Auswirkung auf Organismen im Gewässer bedeutet, kann nicht generell beurteilt werden. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher zogen aber Vergleiche mit dem pauschalen Anforderungswert der Gewässerschutzverordnung (maximal 0,1µg/L pro Einzelstoff) und dem toxikologisch abgestützten Qualitätskriterium für eine chronische Belastung (CQK):
40 Substanzen haben sich als problematisch herausgestellt: 21 Pestizide überschritten den Wert aus der Verordnung, 9 Stoffe das CQK und 10 beide Kriterien. Alle untersuchten – für das Mittelland durchaus typischen – Flüsse waren demnach in der Messperiode von März bis Juli erheblich durch verschiedenste Pestizide belastet. Auswirkungen auf Organismen müssen befürchtet werden.

Problematisch sind dabei vor allem zwei Aspekte:
• Durchschnittlich wurden 40 Stoffen pro Probe nachgewiesen. Selbst wenn die Konzentration jedes einzelnen dieser Stoffe das ökotoxikologische Qualitätskriterium nicht überschreitet, ist eine Beeinträchtigung von Organismen im Wasser durch diese Pestizidmischungen zu befürchten.
• Die nachgewiesenen Konzentrationen pro Stoff lagen mehrfach über 0.1µg/L und vereinzelt sogar über 1µg/L. Das ist hoch, wenn berücksichtigt wird, dass es sich um Mischproben aus zwei Wochen handelte. Die kurzfristigen Spitzenkonzentrationen, so folgern die am Projekt Beteiligten, müssen teils vielfach höher liegen, für einzelne Substanzen wohl über der Grenze, über welcher sie akut toxisch wirken.

Differenzierte Beurteilung und Vorsorge nötig
Prof. Juliane Hollender, Leiterin der Eawag-Abteilung für Umweltchemie und eine der Autorinnen der Studie, war überrascht von den neuen Daten: «Ganz so sauber, wie immer wieder betont, scheinen die Schweizer Gewässer doch nicht zu sein», sagt sie. Doch die Studie mit einer nahezu kompletten Detektion aller Pestizide trage viel dazu bei, den relevantesten Wirkstoffen auf die Spur zu kommen. Diese könnten nun gezielter überwacht oder ihr Einsatz unter Umständen eingeschränkt werden. Zudem werde immer deutlicher, so Hollender, dass neben Tests mit einzelnen Stoffen auch eine Beurteilung der Mischungstoxizität nötig sei.
Text: Andri Bryner

Weitere Auskünfte
• Prof. Juliane Hollender, +41 58 765 5493; juliane.hollender@eawag.ch
• Dr. Christian Stamm, +41 58 765 5565; christian.stamm

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140305/index

 

 

Mehr Kapazität, mehr Umweltschutz bei weniger Energiebedarf – Abschlussarbeit zeigt Möglichkeit für Kläranlage mit 3.000 EW auf

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Idee:
Das Thema meiner Abschlussarbeit im Fachbereich Bioingenieurwesen entstand aus der Idee, durch den Einbau einer Ammonium-Nitrat-Sonde und die dazugehörige Online-Steuerung den Energieverbrauch einer Kläranlage < 5.000 Einwohner zu senken. Allein in Bayern gibt es insgesamt rund 900 Anlagen ähnlicher Kapazität, mit einer Gesamtausbaugröße von insgesamt 2,3 Millionen Einwohnerwerten. Daraus ergibt sich die große Relevanz dieses Untersuchungsprojektes.
Ein schonender Umgang mit Ressourcen wird in Zukunft immer wichtiger. Ständig steigende Energiekosten und die Bereitstellung von Energie sind nur einige Punkte, die in Zukunft dominant werden. Ziel ist, mit Energie möglichst sparsam umzugehen. Kläranlagenbetreiber, die sich bereits heute auf eine Modernisierung einlassen, erreichen frühzeitig Kosteneinsparung und werden in Zukunft immer größeren Nutzen daraus ziehen.

Innovative Anlagen, wie die Kläranlage dieses Untersuchungsprojekts, nehmen eine Vorreiterrolle ein und sollten als Beispiel für Anlagen dieser Ausbaugröße wahrgenommen werden.
Die Anforderungen an die Reinigungsleistung auch kleinerer Kläranlagen werden immer differenzierter und komplexer. Gemeinden werden große Anstrengungen unternehmen müssen, um die Reinigungsleistungen ihrer Kläranlagen den zukünftigen Anforderungen anzupassen. Besonders wichtig ist, dass der optimale Betrieb dieser Anlagen mit minimalem Energieaufwand und umweltschonend erfolgt. Ständige Modernisierungen und permanent kritische Reflexion der Systemabläufe sind hierzu notwendig. Beim Einbau einer Steuerung ist für eine Gemeinde von etwa 3.000 Einwohner im Hinblick auf die zunächst hohen Investitionskosten relevant, ob diese Modernisierung sinnvoll ist und mit welcher Amortisationsdauer der Kosten zu rechen ist. Ferner soll untersucht werden, ob die Innovation mit einer Ammonium-Nitrat-Sonde auch zu höherer Betriebssicherheit und zur Verbesserung der Ablaufwerte führt.

Untersuchungsobjekt:
Als Untersuchungsobjekt diente eine Kläranlage circa 50 Kilometer nordwestlich von München. Bei dem eingeleiteten Abwasser in die Kläranlage handelt es sich überwiegend um kommunales Schmutzwasser. Die Anlage wird als Schreiber-Gegenstromanlage mit aerober Schlammstabilisierung betrieben und hielt schon zu Projektbeginn die Grenzwerte prozessstabil ein. Die Belüftung der biologischen Reinigung soll in Zukunft so gesteuert werden, dass Nitrifikation und Denitrifikation automatisiert ablaufen. Bei Belastungsspitzen im Zulauf, insbesondere beim Parameter Ammonium- Stickstoff soll die Belüftungszeit und somit die Nitrifikationszeit automatisch verlängert werden.
Der Einbau sowie die Inbetriebnahme der Ammonium-Nitrat-Sonde fand Ende November 2011 statt. Für die neue Steuerungstechnik ist eine genaue Bestimmung der Sauerstoffkonzentration im Belebungsbecken von großer Bedeutung, deshalb wurde im Rahmen der Modernisierung, auch die Sauerstoffsonde ersetzt. So bilden die Sonden zur Ermittlung der relevanten Onlineparameter NH4-N, NO3-N und O2 eine Einheit, um mit der erneuerten Steuerungstechnik einen möglichst optimalen O2-Eintrag in die biologische Reinigungsstufe sicherzustellen, ähnlich der Kläranlagen großer Städte.

Ergebnisse:

Bild AWT-Mar-12-Optimierung-04-RF.JPG

Abbildung 1: Ammonium-, Nitrat-, Nitrit-Stickstoff im Ablauf

Die Versuchskläranlage ist vom Wasserwirtschaftsamt verpflichtet, die nötigen Ablaufanalysen einmal im Monat durchzuführen. Dieser Rhythmus ist bei Anlagen dieser Ausbaugröße durchaus üblich. Um eine zur Beurteilung repräsentativere Datenmenge zu erhalten, wurde der Rhythmus der Analysen im Ablauf der Kläranlage ab September 2011 auf zweimal pro Woche angehoben.
Die durch den Einbau der Ammonium-Nitrat-Sonde und der dazugehörigen Steuerungstechnik eingeleitete Veränderung der Bedingungen im Belebungsbecken sorgte für eine Verbesserung der gemessenen Ablaufwerte in Bezug auf den abwasserabgabenrelevanten Parameter Nges. Dies hat positive Auswirkungen auf den Vorfluter und ist ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz. Darüber hinaus kann auch mit einer Senkung der Abgaben nach dem Abwasserabgabengesetz für den Parameter Nges. gerechnet werden.
Bild AWT-Mar-12-Optimierung-01-RF.JPG

Abbildung 2: Kilowattstunden Gebläseanteil in Bezug auf die Vergleichsmonate der letzten fünf Jahre

Nach dem Einbau der Ammonium-Nitrat-Sonde und der dazugehörigen Steuerungstechnik konnte der Stromverbrauch für den Betrieb der Gebläse der biologischen Reinigungsstufe der Kläranlage in erfreulichem Umfang reduziert werden. Zur Hochrechnung der Energieersparnis dienten als Basis zum Untersuchungszeitraum Dezember 2011 bis Februar 2012 analog die Monate Dezember bis Februar der fünf vorangegangen Jahre.

Fazit:

Die im Rahmen des Untersuchungsprojekts durchgeführte Modernisierung der Kläranlage (3.000 EW) ist ein großer Erfolg für den Umweltschutz. Sie führt zu einer deutlichen Entlastung des Vorfluters und vergrößert die Kapazität der Anlage. Unter ökonomischen Gesichtspunkten ist die Optimierung der Anlage, allein im Hinblick auf die Energieersparnis, eine rentable Investition. Darüber hinaus ist auf Grund der Verringerung des Parameters Nges. im Ablauf der Kläranlage mit zukünftigen Einsparungen an Abgabekosten nach dem Abwasserabgabegesetz zu rechnen.

Sollten Sie Interesse an dieser Abschlussarbeit (Note 1,0) haben und diesen Erfahrungsbericht über den Verlauf sowie die detaillierten Ergebnisse des Projekts kennenlernen wollen, so stehe ich gerne zur Verfügung. Es kann auch ein Exemplar gegen Aufwandsentschädigung erworben werden.
Vielen Dank für Ihr Interesse.

Autor:
Ralf Feuchtenberger, cand. Bioingenieur (FH)

Kontaktmöglichkeit:
klaeranlagenoptimierung@gmx.de

Das Beste aus zwei Toilettenwelten vereint

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Die vom Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag und dem Wiener Designbüro EOOS entwickelte «Blue Diversion»-Toilette wird von der Internationalen Wasserorganisation IWA mit dem Innovationspreis für die beste angewandte Forschung ausgezeichnet. Jetzt sucht das Team einen Industriepartner und Investoren, damit die Blue Diversion in grösserer Stückzahl hergestellt werden kann.

Die International Water Association (IWA) wählt die Blue Diversion im Sektor Europa/Westasien zum innovativsten Projekt in der Kategorie Angewandte Forschung. Damit ist das Projekt qualifiziert für den weltweiten Wettbewerb der IWA, dessen Preise im September am Weltwasserkongress in Portugal verliehen werden. Die Innovationspreise werden alle zwei Jahre vergeben. Die IWA will damit besonders nachhaltige Ansätze im Wassermanagement auszeichnen.

Wasserspülung ist nicht das Ein und Alles
Das WC – die wassergespülte Toilette – hat sich in den Industrieländern etabliert. Doch die vordergründig elegante Lösung aller sanitären Probleme trügt: Vielerorts ist kein Leitungsnetz oder gar nicht ausreichend Wasser zum Spülen vorhanden, ganz zu schweigen von einer aufwändigen Kanalisation und zentralen Abwasserreinigungsanlagen. Umgekehrt wurde die Grubenlatrine seit 200 Jahren kaum weiterentwickelt. Die Folgen davon: 2.5 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu einer anständigen Toilette. Urin und Fäkalien belasten Hygiene und Umwelt, statt dass die darin enthaltenen Wertstoffe wiederverwendet werden.

Trockentoilette -aber doch etwas Wasser
Im Rahmen der Reinvent The Toilet Challenge (RTTC), ausgeschrieben von der Bill & Melinda Gates Foundation, hat jetzt ein Team aus Schweizer Wasserforschenden und Designern aus Österreich eine komplett neue Toilette entwickelt, die Blue Diversion. Basis der Idee ist eine Trockentoilette mit separater Sammlung des Urins. Weil existierende Modelle weder hygienisch befriedigen, noch bei den Benutzerinnen und Benutzern beliebt sind, hat das Team die Toilette ergänzt mit einem eigenständigen Wasserkreislauf: So ist Wasser vorhanden, um die Schüssel sauber zu halten, um sich die Hände zu waschen und (über eine Duschbrause) auch für die Analhygiene, wie sie z.B. in vielen asiatischen Ländern betrieben wird. Das Wasser wird an Ort biologisch behandelt und über eine Schwerkraft betriebene Membran von krankheitserregenden Keimen befreit. Ein solar betriebene Elektrolyse verhindert dank der Produktion von Chlor das erneute Aufwachsen unerwünschter Bakterien im rezyklierten Wasser.

High- und Low-tech kombiniert

Blue Diversion verlässt damit sowohl herkömmliche low-tech Lösungen als auch alle auf Kanalisations- und Wasseranschluss angewiesenen Systeme. Dank des frühzeitigen Einbezugs von Designern und der breiten Abstützung sowohl an der Eawag als auch international ist ein Produkt am Entstehen, das die Bedürfnisse der Nutzer sehr gezielt erfüllt. Statt high- und low-tech Ansätze gegeneinander auszuspielen, kombiniert Blue Diversion die Vorteile aus beiden Bereichen, was eine zuverlässige und nachhaltige Funktion ermöglicht. Dies auch deshalb, weil von Anfang an darauf geachtet wurde, dass die Toilette industriell einfach produziert werden kann. Die Unterstützung der Firma Tribecraft (ursprünglich ein ETH spin-off) ist dabei sehr wertvoll gewesen. Gleichzeitig stellt ein Geschäftsmodell sicher, dass Blue Diversion auch in strukturschwachen Ländern ohne Subventionen funktionieren wird: Dazu zählen u.a. ein Sammelsystem für Urin und Fäkalien sowie semizentrale Verwertungsanlagen, die Dünger und Biogas produzieren.

Erste Praxistests sind mit einem «Null-Modell» in Uganda erfolgreich durchgeführt worden. Weitere Tests mit echten Prototypen sowie Optimierungen in der Produktion und beim Energieverbrauch laufen zur Zeit. Noch diesen Monat wird die Bill & Melinda Gates Foundation entscheiden, ob sie das Projekt im Rahmen der RTTC weiter fördert. Unabhängig davon sucht das Forscher- und Entwicklerteam der Blue Diversion nun Industriepartner und Investoren, um eine grössere Stückzahl der genialen Toilette produzieren und weitere Erfahrungen sammeln zu können.

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140311/index

 

 

Zuverlässige Ausbreitungs-Prognosen mit erweitertem Modell

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Die Frage, wie schnell Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen neue Gebiete besiedeln können, beschäftigt nicht nur Ökologen -die Ausbreitung von standortfremden Arten kann auch ökonomische Konsequenzen nach sich ziehen, beispielsweise in der Landwirtschaft. Wissenschafter der Eawag und der EPF Lausanne haben jetzt ein bestehendes Modell verbessert und erstmals mit Laborexperimenten verifiziert. Es kann die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Lebewesen berechnen.

In unserer globalisierten Welt reisen nicht nur Menschen und Waren rund um den Erdball- auch Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen erreichen innerhalb kurzer Zeit (fast) jeden Ort auf der Welt und können so tausende Kilometer von ihrem Ursprungsort entfernt neue Lebensräume erobern. Um zur richtigen Zeit am richtigen Ort Gegenmassnahmen treffen zu können müssen Geschwindigkeit und Muster der Ausbreitung bekannt sein.

Betagtes Modell, bewährter Ansatz
Ein 1937 vom Biologen Ronald Aylmer Fisher und vom Mathematiker Andrei Nikolajewitsch Kolmogorow entwickeltes mathematisches Modell erlaubt es den Ökologen, Prognosen über die durchschnittliche Ausbreitungsgeschwindigkeit von Lebewesen zu machen. Der dem Modell zugrundeliegende Ansatz von …mehr:

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140116/index
 

 

„WaterMakes Money“ erhält Kant-Weltbürger-Preis 2014

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Der Film „WaterMakes Money“ erhält den Kant-Weltbürger-Preis 2014.

Der Kant-Weltbürgerpreis wird seit 2004 vergeben. Die Stiftung will damit gesellschaftliches Engagement, das sich in besonderer Weise dem freien Wort, der offenen Information und der Zivilcourage handelnder Bürger verpflichtet weiß, anerkennen und auszeichnen.

Die Entscheidung wird damit begründet: „Der Film „WaterMakes Money“ von Leslie Franke undHerdolor Lorenz ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine strategisch und strukturell bedeutsame kritische Aufklärung zugunsten eines selbstbestimmteren Europas. Er hat mit seiner kritischen Aufklärung über die Folgen der fortschreitenden Privatisierung unserer Lebensgrundlage Wasser maßgeblich zum Erfolg der ersten EU-weiten Bürgerinitiative „right2water“ beigetragen. Mehr als 1,6 MillionenBürgerInnen aus 11 Ländern hatten mit ihrer Unterschrift dagegen protestiert, dass mit dem Zwang der Ausschreibung die Privatisierung der kommunalen Wasserversorgung eingeleitet wird. Nun verzichtet die EU auf die Konzessionsrichtlinie für Wasser. Dies ist ein bemerkenswerter Erfolg der Demokratie in der EU. Die deutschen Regisseure und französischen Protagonisten des Films wurden vor allem für die Aufdeckung von Korruption seitens der privaten Wasserkonzerne juristisch verfolgt“.

Die festliche Preisverleihung findet am Europatag, dem 9. Mai 2014 in Freiburg statt (Näheres unten).

Quelle:
Freiburger Kant-Stiftung

http://www.kantstiftung.de/index.php?page=pressemitteilung-2014
 

 

Netzwerk „Wasser&Technik“ sucht Verstärkung

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Das ttz Bremerhaven baut ein Innovations-Netzwerk für Wasser- und Abwassertechnik auf. Interessierte Unternehmen und Kommunen können dem Netzwerk ab sofort beitreten.

Bremerhaven, März 2014. Thales von Milet lehrte, der Ursprung aller Dinge sei das Wasser. Darüber kann man streiten. Unbestreitbar hingegen ist, dass das nasse Element Ausgangspunkt für das Netzwerk Wasser&Technik ist. Denn die technische Beherrschung von Wasser wirft Fragen auf, die nur im Verbund gelöst werden können. Das unabhängige Forschungsinstitut ttz Bremerhaven bildet deshalb ein Konsortium aus Unternehmen und Kommunen, das bereits im April 2014 die Arbeit aufnehmen soll. Für weitere Teilnehmer ist das Netzwerk offen.

Das Wasser&Technik-Netzwerk wird sich inhaltlich mit verschiedenen Themen der Wasseraufbereitung in unterschiedlichen Branchen auseinandersetzen. In thematischen Arbeitsgruppen sollen aktuelle Fragestellungen diskutiert und konkrete Lösungen für maritime Akteure, die Aquakulturbranche, Städte und Kommunen, die Lebensmittelindustrie und Energiewirtschaft sowie für landwirtschaftliche Endnutzer erarbeitet werden. Die Gründungsmitglieder kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, die Netzwerkleitung wird das ttz Bremerhaven übernehmen.

Das Netzwerk ist grundsätzlich für Unternehmen jeder Größe offen und lebt von der Heterogenität seiner Mitglieder. Durch den Zusammenschluss verschiedener Kompetenzbereiche und Unternehmensphilosophien unter einer Dachorganisation können Schnittstellen zwischen den beteiligten Unternehmen und ihren Arbeitsbereichen optimal genutzt werden. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stellt Ressourcenmangel in Bezug auf Kapital, Personal und Infrastruktur eine große Hürde hinsichtlich der Durchführung eigener Forschungs- und Entwicklungs-Leistungen dar. KMU sollen deshalb durch die Einbindung in ein Kompetenz-Netzwerk gezielt unterstützt werden.

Im Februar fand bereits ein erstes Treffen mit einem Großteil der zukünftigen Mitgliedsunternehmen statt; ein weiteres Treffen ist für Ende Mai geplant. Mit Wasser&Technik stellt das ttz Bremerhaven seine aktuellen Netzwerk-Aktivitäten im Rahmen einer Langfrist-Strategie auf eine deutlich breitere Basis. Das Fundament bilden dabei vor allem die in den vergangenen Jahren in den Netzwerken MS INNOVATION (http://www.ms-innovation.net) und AQUZENTE (http://www.aquzente.net) gewonnenen Erfahrungen.

Zur Co-Finanzierung der Aktivitäten werden derzeit Fördermittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) beantragt.

Das ttz Bremerhaven ist ein unabhängiges Forschungsinstitut und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt und Gesundheit. Seit mehr als 25 Jahren begleitet es Unternehmen jeder Größenordnung bei der Planung und Durchführung von Innovationsvorhaben und der Akquisition entsprechender Fördermittel auf nationaler und europäischer Ebene. http://www.ttz-bremerhaven.de

Fachliche und organisatorische Fragen zum Netzwerk Wasser&Technik beantwortet gerne:

Dipl.-Wi.-Ing. Birte Ostwald
Teamleiterin Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement
ttz Bremerhaven
Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement
An der Karlstadt 6
D-27568 Bremerhaven (Germany)
Phone: +49 (0)471 80934 103
Mobil: +49 (0)175 1866 260
FAX: +49 (0)471 80934 199
bostwald@ttz-bremerhaven.de

http://www.ttz-bremerhaven.de
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