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Im Karst lebt sich’s gut dank Biofilm

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Das Sprichwort «Steter Tropfen höhlt den Stein» stimmt nur bedingt. Wesentlichen Anteil an der Bildung von Spalten und Höhlen im Kalk haben wahrscheinlich auch Mikroorganismen. Anders als bisher vermutet, leben sie jedoch kaum im freien Wasser, sondern wachsen als Biofilme auf dem Gestein. Zudem leisten die Bakterienkolonien wertvolle Dienste, indem sie das Karstwasser reinigen, und ihre Artenzusammensetzung dokumentiert Veränderungen im Einzugsgebiet. Das zeigt eine noch laufende Studie der Eawag. (Artikel aus dem aktuellen Eawag-Newsletter).

Das mikroskopische Leben in Flüssen und Seen ist recht gut untersucht. Bakterien, im Wasser schwebende Algen und das einzellige oder wenige Zellen grosse Zooplankton bestimmen die biochemische Dynamik dieser Gewässer. Dagegen weiss man über die Lebensgemeinschaften im Grundwasser noch herzlich wenig. Dies obwohl nach neuesten Schätzungen Bakterien mehr als die Hälfte…mehr:

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140122/index
 

 

Multitalent: Bio-Kläranlage, Lebensraum und Baumaterial

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Rohrkolben mit DBU-Förderung für nachhaltige Landwirtschaft und ökologisches Bauen entdeckt

Die Erfolgsgeschichte der Sumpfpflanze Rohrkolben begann vor 18 Jahren mit ihrem Anbau in Niedermooren. Gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) offenbarte ein Modellprojekt die Ökovorteile der Pflanze: Da für ihren Anbau hohe Wasserstände nötig sind, können sich die seit Jahrhunderten für die Landwirtschaft trockengelegten Niedermoore wieder erholen. Außerdem reinigt sie das Wasser und speichert große Mengen Kohlendioxid. Dabei wurde die Pflanze eigentlich für das Herstellen von Baumaterial aus nachwachsenden Rohstoffen angebaut. Auch dies ist nun in einem an den Rohrkolbenanbau anknüpfenden DBU-Projekt gelungen. Das Büro für Denkmalpflege und Baustoffentwicklung aus Postmünster entwickelte aus der Wasserpflanze ein zugleich dämmendes und tragendes Baumaterial, das sich besonders für die Sanierung historischer Fachwerkhäuser sehr gut eignet. „Wenn sich aus einem Naturschutzprojekt Perspektiven für weitere Entwicklungen etwa im ökologischen Bauen ergeben, ist das der Idealfall einer erfolgreichen Förderung“, sagte DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann.

Die Rohrkolben funktionierten wie eine natürliche Kläranlage, erläuterte DBU-Referent Dr. Reinhard Stock. Sie kämen sehr gut mit teils aus der Landwirtschaft stammendem nährstoffbelastetem Wasser zurecht und reinigten es. „Zudem binden die Pflanzen Kohlendioxid, die vernässten Anbauflächen verhindern die Freisetzung von Treibhausgasen und sind gleichzeitig Lebensraum für daran angepasste Tier- und Pflanzenarten“, so Stock. Aufbauend auf dem 1996 begonnenen DBU-Projekt von Werner Theuerkorn vom Büro für Denkmalpflege und Baustoffentwicklung sowie der Technischen Universität München zur schonenden Wiedervernässung von Mooren im bayerischen Donaumoos liege nun das Endergebnis vor: Baustoffplatten aus Rohrkolben für das Ausfüllen von Fachwerkgefügen. Besonders die energiearme Produktion des Baustoffs und die Tatsache, dass das Produkt wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden könne, sprechen für die neuartigen Platten.

„Wir haben zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Bauphysik aus den Blättern von Rohrkolben ein massives Dämmmaterial hergestellt, das auch bei schlanker Bauweise die Vorgaben der Energieeinsparverordnung von 2009 erfüllen und den Anforderungen beim energetischen Sanieren von Altbauten gerecht werden kann“, so Projektleiter Theuerkorn. Bei der Dämmung im Gefach mit zusätzlicher Innendämmung konnte trotz einer relativ geringen Wandstärke von 20 Zentimetern mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 0,35 (Watt pro Quadratmeter und Kelvin) ein Dämmstandard wie bei einem durchschnittlichen Wandaufbau mit konventionellen Dämmstoffen erreicht werden. Theuerkorn: „Wenn man die Fachwerk-Fassade erhalten oder freilegen möchte, kann man nur nach innen dämmen und verliert so wertvollen Platz. Durch den schlanken Baustoff aus Rohrkolben hat man dieses Problem in deutlich geringerem Umfang.“

Außerdem überzeuge die Verträglichkeit mit den historischen Materialien Holz, Flechtwerk und Lehm. Dadurch könne möglichst viel der originalen Bausubstanz erhalten werden. Die biologisch abbaubaren Rohrkolben-Platten leiteten auch sehr gut die Feuchtigkeit ab und seien durch die enthaltenen Gerbstoffe schimmelresistent, was chemische Zusätze überflüssig mache. Mit knapp 75.000 Euro förderte die DBU das Erproben des neuen Baustoffs an einem denkmalgeschützten Haus in Nürnberg, das im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt und dessen Fachwerkfassade im späten 17. Jahrhundert erbaut wurde.

Gleichwohl stelle sich zurzeit noch das „Henne-Ei-Problem“, so Theuerkorn: Eine erfolgreiche Vermarktung funktioniere nur, wenn die Landwirtschaft die Rohrkolben anbaue. Doch dafür brauche sie eine Kauf-Garantie von Produzenten und Handel. Gefragt sei der schlanke, ökologische und denkmalgerechte Baustoff allemal: „Die Firma Typha Technik und Naturbaustoffe konnte einen Naturbaustoff entwickeln, der eine denkmalgerechte und nachhaltige Gebäudesanierung ermöglicht. Damit wurde die Vereinbarkeit von Denkmalschutz und energetischer Nachrüstung nachgewiesen“, betonte Dr. Paul Bellendorf, DBU-Referent für Umwelt und Kulturgüter.

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel35144_335.html

 

 

Pestizidcocktail in Schweizer Flüssen

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Schweizer Fliessgewässer enthalten einen ganzen Cocktail an Pestiziden. Von rund 300 zugelassenen und erfassbaren Wirkstoffen wurden in einem aufwendigen Screening über 100 in Wasserproben gefunden. Jede Probe enthielt im Schnitt 40 unterschiedliche Stoffe. In 78% der Proben lag die aufaddierte Pestizidkonzentration über 1µg/L. Für 31 Substanzen wurde der Grenzwert der Gewässerschutzverordnung verletzt. Eine Beeinträchtigung von Organismen in den Gewässern – namentlich durch Pflanzenschutzmittel – kann nicht ausgeschlossen werden.

So umfassend wurde noch nie nach Pestiziden in Schweizer Gewässern gesucht: Im Auftrag des Bundes hat die Eawag zusammen mit fünf Kantonen in fünf mittelgrossen Flüssen allen löslichen synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Bioziden nachgespürt. Heute hat die Zeitschrift Aqua&Gas die Resultate in ihrer Nr. 3/2014 publiziert. Medienschaffende können den vollständigen Artikel als pdf anfordern unter: medien@eawag.ch.

Vor allem Pflanzenschutzmittel
Hauptziel der Studie an den Flüssen Salmsacher Aach (SG), Furtbach (ZH), Surb (AG), Limpach (SO) und Mentue (VD) war es, herauszufinden, wie viele verschiedene Pestizide in diesen Gewässern vorkommen. Von rund 300 zugelassenen und analytisch nachweisbaren Wirkstoffen wurden 104 in den Flüssen gefunden, 82 davon waren reine Pflanzenschutzmittel. Aufgrund der neuen, umfassenden Daten zeigt sich, dass ein Grossteil der Pestizidbelastung heute den Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft zuzuschreiben ist.

Hohe Summen-Konzentration
Die Summe aller Pestizidkonzentrationen war in 78% der Proben grösser als 1µg/L. Was dies für die Wasserqualität und die Auswirkung auf Organismen im Gewässer bedeutet, kann nicht generell beurteilt werden. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher zogen aber Vergleiche mit dem pauschalen Anforderungswert der Gewässerschutzverordnung (maximal 0,1µg/L pro Einzelstoff) und dem toxikologisch abgestützten Qualitätskriterium für eine chronische Belastung (CQK):
40 Substanzen haben sich als problematisch herausgestellt: 21 Pestizide überschritten den Wert aus der Verordnung, 9 Stoffe das CQK und 10 beide Kriterien. Alle untersuchten – für das Mittelland durchaus typischen – Flüsse waren demnach in der Messperiode von März bis Juli erheblich durch verschiedenste Pestizide belastet. Auswirkungen auf Organismen müssen befürchtet werden.

Problematisch sind dabei vor allem zwei Aspekte:
• Durchschnittlich wurden 40 Stoffen pro Probe nachgewiesen. Selbst wenn die Konzentration jedes einzelnen dieser Stoffe das ökotoxikologische Qualitätskriterium nicht überschreitet, ist eine Beeinträchtigung von Organismen im Wasser durch diese Pestizidmischungen zu befürchten.
• Die nachgewiesenen Konzentrationen pro Stoff lagen mehrfach über 0.1µg/L und vereinzelt sogar über 1µg/L. Das ist hoch, wenn berücksichtigt wird, dass es sich um Mischproben aus zwei Wochen handelte. Die kurzfristigen Spitzenkonzentrationen, so folgern die am Projekt Beteiligten, müssen teils vielfach höher liegen, für einzelne Substanzen wohl über der Grenze, über welcher sie akut toxisch wirken.

Differenzierte Beurteilung und Vorsorge nötig
Prof. Juliane Hollender, Leiterin der Eawag-Abteilung für Umweltchemie und eine der Autorinnen der Studie, war überrascht von den neuen Daten: «Ganz so sauber, wie immer wieder betont, scheinen die Schweizer Gewässer doch nicht zu sein», sagt sie. Doch die Studie mit einer nahezu kompletten Detektion aller Pestizide trage viel dazu bei, den relevantesten Wirkstoffen auf die Spur zu kommen. Diese könnten nun gezielter überwacht oder ihr Einsatz unter Umständen eingeschränkt werden. Zudem werde immer deutlicher, so Hollender, dass neben Tests mit einzelnen Stoffen auch eine Beurteilung der Mischungstoxizität nötig sei.
Text: Andri Bryner

Weitere Auskünfte
• Prof. Juliane Hollender, +41 58 765 5493; juliane.hollender@eawag.ch
• Dr. Christian Stamm, +41 58 765 5565; christian.stamm

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140305/index

 

 

Mehr Kapazität, mehr Umweltschutz bei weniger Energiebedarf – Abschlussarbeit zeigt Möglichkeit für Kläranlage mit 3.000 EW auf

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Idee:
Das Thema meiner Abschlussarbeit im Fachbereich Bioingenieurwesen entstand aus der Idee, durch den Einbau einer Ammonium-Nitrat-Sonde und die dazugehörige Online-Steuerung den Energieverbrauch einer Kläranlage < 5.000 Einwohner zu senken. Allein in Bayern gibt es insgesamt rund 900 Anlagen ähnlicher Kapazität, mit einer Gesamtausbaugröße von insgesamt 2,3 Millionen Einwohnerwerten. Daraus ergibt sich die große Relevanz dieses Untersuchungsprojektes.
Ein schonender Umgang mit Ressourcen wird in Zukunft immer wichtiger. Ständig steigende Energiekosten und die Bereitstellung von Energie sind nur einige Punkte, die in Zukunft dominant werden. Ziel ist, mit Energie möglichst sparsam umzugehen. Kläranlagenbetreiber, die sich bereits heute auf eine Modernisierung einlassen, erreichen frühzeitig Kosteneinsparung und werden in Zukunft immer größeren Nutzen daraus ziehen.

Innovative Anlagen, wie die Kläranlage dieses Untersuchungsprojekts, nehmen eine Vorreiterrolle ein und sollten als Beispiel für Anlagen dieser Ausbaugröße wahrgenommen werden.
Die Anforderungen an die Reinigungsleistung auch kleinerer Kläranlagen werden immer differenzierter und komplexer. Gemeinden werden große Anstrengungen unternehmen müssen, um die Reinigungsleistungen ihrer Kläranlagen den zukünftigen Anforderungen anzupassen. Besonders wichtig ist, dass der optimale Betrieb dieser Anlagen mit minimalem Energieaufwand und umweltschonend erfolgt. Ständige Modernisierungen und permanent kritische Reflexion der Systemabläufe sind hierzu notwendig. Beim Einbau einer Steuerung ist für eine Gemeinde von etwa 3.000 Einwohner im Hinblick auf die zunächst hohen Investitionskosten relevant, ob diese Modernisierung sinnvoll ist und mit welcher Amortisationsdauer der Kosten zu rechen ist. Ferner soll untersucht werden, ob die Innovation mit einer Ammonium-Nitrat-Sonde auch zu höherer Betriebssicherheit und zur Verbesserung der Ablaufwerte führt.

Untersuchungsobjekt:
Als Untersuchungsobjekt diente eine Kläranlage circa 50 Kilometer nordwestlich von München. Bei dem eingeleiteten Abwasser in die Kläranlage handelt es sich überwiegend um kommunales Schmutzwasser. Die Anlage wird als Schreiber-Gegenstromanlage mit aerober Schlammstabilisierung betrieben und hielt schon zu Projektbeginn die Grenzwerte prozessstabil ein. Die Belüftung der biologischen Reinigung soll in Zukunft so gesteuert werden, dass Nitrifikation und Denitrifikation automatisiert ablaufen. Bei Belastungsspitzen im Zulauf, insbesondere beim Parameter Ammonium- Stickstoff soll die Belüftungszeit und somit die Nitrifikationszeit automatisch verlängert werden.
Der Einbau sowie die Inbetriebnahme der Ammonium-Nitrat-Sonde fand Ende November 2011 statt. Für die neue Steuerungstechnik ist eine genaue Bestimmung der Sauerstoffkonzentration im Belebungsbecken von großer Bedeutung, deshalb wurde im Rahmen der Modernisierung, auch die Sauerstoffsonde ersetzt. So bilden die Sonden zur Ermittlung der relevanten Onlineparameter NH4-N, NO3-N und O2 eine Einheit, um mit der erneuerten Steuerungstechnik einen möglichst optimalen O2-Eintrag in die biologische Reinigungsstufe sicherzustellen, ähnlich der Kläranlagen großer Städte.

Ergebnisse:

Bild AWT-Mar-12-Optimierung-04-RF.JPG

Abbildung 1: Ammonium-, Nitrat-, Nitrit-Stickstoff im Ablauf

Die Versuchskläranlage ist vom Wasserwirtschaftsamt verpflichtet, die nötigen Ablaufanalysen einmal im Monat durchzuführen. Dieser Rhythmus ist bei Anlagen dieser Ausbaugröße durchaus üblich. Um eine zur Beurteilung repräsentativere Datenmenge zu erhalten, wurde der Rhythmus der Analysen im Ablauf der Kläranlage ab September 2011 auf zweimal pro Woche angehoben.
Die durch den Einbau der Ammonium-Nitrat-Sonde und der dazugehörigen Steuerungstechnik eingeleitete Veränderung der Bedingungen im Belebungsbecken sorgte für eine Verbesserung der gemessenen Ablaufwerte in Bezug auf den abwasserabgabenrelevanten Parameter Nges. Dies hat positive Auswirkungen auf den Vorfluter und ist ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz. Darüber hinaus kann auch mit einer Senkung der Abgaben nach dem Abwasserabgabengesetz für den Parameter Nges. gerechnet werden.
Bild AWT-Mar-12-Optimierung-01-RF.JPG

Abbildung 2: Kilowattstunden Gebläseanteil in Bezug auf die Vergleichsmonate der letzten fünf Jahre

Nach dem Einbau der Ammonium-Nitrat-Sonde und der dazugehörigen Steuerungstechnik konnte der Stromverbrauch für den Betrieb der Gebläse der biologischen Reinigungsstufe der Kläranlage in erfreulichem Umfang reduziert werden. Zur Hochrechnung der Energieersparnis dienten als Basis zum Untersuchungszeitraum Dezember 2011 bis Februar 2012 analog die Monate Dezember bis Februar der fünf vorangegangen Jahre.

Fazit:

Die im Rahmen des Untersuchungsprojekts durchgeführte Modernisierung der Kläranlage (3.000 EW) ist ein großer Erfolg für den Umweltschutz. Sie führt zu einer deutlichen Entlastung des Vorfluters und vergrößert die Kapazität der Anlage. Unter ökonomischen Gesichtspunkten ist die Optimierung der Anlage, allein im Hinblick auf die Energieersparnis, eine rentable Investition. Darüber hinaus ist auf Grund der Verringerung des Parameters Nges. im Ablauf der Kläranlage mit zukünftigen Einsparungen an Abgabekosten nach dem Abwasserabgabegesetz zu rechnen.

Sollten Sie Interesse an dieser Abschlussarbeit (Note 1,0) haben und diesen Erfahrungsbericht über den Verlauf sowie die detaillierten Ergebnisse des Projekts kennenlernen wollen, so stehe ich gerne zur Verfügung. Es kann auch ein Exemplar gegen Aufwandsentschädigung erworben werden.
Vielen Dank für Ihr Interesse.

Autor:
Ralf Feuchtenberger, cand. Bioingenieur (FH)

Kontaktmöglichkeit:
klaeranlagenoptimierung@gmx.de

Das Beste aus zwei Toilettenwelten vereint

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Die vom Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag und dem Wiener Designbüro EOOS entwickelte «Blue Diversion»-Toilette wird von der Internationalen Wasserorganisation IWA mit dem Innovationspreis für die beste angewandte Forschung ausgezeichnet. Jetzt sucht das Team einen Industriepartner und Investoren, damit die Blue Diversion in grösserer Stückzahl hergestellt werden kann.

Die International Water Association (IWA) wählt die Blue Diversion im Sektor Europa/Westasien zum innovativsten Projekt in der Kategorie Angewandte Forschung. Damit ist das Projekt qualifiziert für den weltweiten Wettbewerb der IWA, dessen Preise im September am Weltwasserkongress in Portugal verliehen werden. Die Innovationspreise werden alle zwei Jahre vergeben. Die IWA will damit besonders nachhaltige Ansätze im Wassermanagement auszeichnen.

Wasserspülung ist nicht das Ein und Alles
Das WC – die wassergespülte Toilette – hat sich in den Industrieländern etabliert. Doch die vordergründig elegante Lösung aller sanitären Probleme trügt: Vielerorts ist kein Leitungsnetz oder gar nicht ausreichend Wasser zum Spülen vorhanden, ganz zu schweigen von einer aufwändigen Kanalisation und zentralen Abwasserreinigungsanlagen. Umgekehrt wurde die Grubenlatrine seit 200 Jahren kaum weiterentwickelt. Die Folgen davon: 2.5 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu einer anständigen Toilette. Urin und Fäkalien belasten Hygiene und Umwelt, statt dass die darin enthaltenen Wertstoffe wiederverwendet werden.

Trockentoilette -aber doch etwas Wasser
Im Rahmen der Reinvent The Toilet Challenge (RTTC), ausgeschrieben von der Bill & Melinda Gates Foundation, hat jetzt ein Team aus Schweizer Wasserforschenden und Designern aus Österreich eine komplett neue Toilette entwickelt, die Blue Diversion. Basis der Idee ist eine Trockentoilette mit separater Sammlung des Urins. Weil existierende Modelle weder hygienisch befriedigen, noch bei den Benutzerinnen und Benutzern beliebt sind, hat das Team die Toilette ergänzt mit einem eigenständigen Wasserkreislauf: So ist Wasser vorhanden, um die Schüssel sauber zu halten, um sich die Hände zu waschen und (über eine Duschbrause) auch für die Analhygiene, wie sie z.B. in vielen asiatischen Ländern betrieben wird. Das Wasser wird an Ort biologisch behandelt und über eine Schwerkraft betriebene Membran von krankheitserregenden Keimen befreit. Ein solar betriebene Elektrolyse verhindert dank der Produktion von Chlor das erneute Aufwachsen unerwünschter Bakterien im rezyklierten Wasser.

High- und Low-tech kombiniert

Blue Diversion verlässt damit sowohl herkömmliche low-tech Lösungen als auch alle auf Kanalisations- und Wasseranschluss angewiesenen Systeme. Dank des frühzeitigen Einbezugs von Designern und der breiten Abstützung sowohl an der Eawag als auch international ist ein Produkt am Entstehen, das die Bedürfnisse der Nutzer sehr gezielt erfüllt. Statt high- und low-tech Ansätze gegeneinander auszuspielen, kombiniert Blue Diversion die Vorteile aus beiden Bereichen, was eine zuverlässige und nachhaltige Funktion ermöglicht. Dies auch deshalb, weil von Anfang an darauf geachtet wurde, dass die Toilette industriell einfach produziert werden kann. Die Unterstützung der Firma Tribecraft (ursprünglich ein ETH spin-off) ist dabei sehr wertvoll gewesen. Gleichzeitig stellt ein Geschäftsmodell sicher, dass Blue Diversion auch in strukturschwachen Ländern ohne Subventionen funktionieren wird: Dazu zählen u.a. ein Sammelsystem für Urin und Fäkalien sowie semizentrale Verwertungsanlagen, die Dünger und Biogas produzieren.

Erste Praxistests sind mit einem «Null-Modell» in Uganda erfolgreich durchgeführt worden. Weitere Tests mit echten Prototypen sowie Optimierungen in der Produktion und beim Energieverbrauch laufen zur Zeit. Noch diesen Monat wird die Bill & Melinda Gates Foundation entscheiden, ob sie das Projekt im Rahmen der RTTC weiter fördert. Unabhängig davon sucht das Forscher- und Entwicklerteam der Blue Diversion nun Industriepartner und Investoren, um eine grössere Stückzahl der genialen Toilette produzieren und weitere Erfahrungen sammeln zu können.

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140311/index

 

 

Zuverlässige Ausbreitungs-Prognosen mit erweitertem Modell

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Die Frage, wie schnell Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen neue Gebiete besiedeln können, beschäftigt nicht nur Ökologen -die Ausbreitung von standortfremden Arten kann auch ökonomische Konsequenzen nach sich ziehen, beispielsweise in der Landwirtschaft. Wissenschafter der Eawag und der EPF Lausanne haben jetzt ein bestehendes Modell verbessert und erstmals mit Laborexperimenten verifiziert. Es kann die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Lebewesen berechnen.

In unserer globalisierten Welt reisen nicht nur Menschen und Waren rund um den Erdball- auch Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen erreichen innerhalb kurzer Zeit (fast) jeden Ort auf der Welt und können so tausende Kilometer von ihrem Ursprungsort entfernt neue Lebensräume erobern. Um zur richtigen Zeit am richtigen Ort Gegenmassnahmen treffen zu können müssen Geschwindigkeit und Muster der Ausbreitung bekannt sein.

Betagtes Modell, bewährter Ansatz
Ein 1937 vom Biologen Ronald Aylmer Fisher und vom Mathematiker Andrei Nikolajewitsch Kolmogorow entwickeltes mathematisches Modell erlaubt es den Ökologen, Prognosen über die durchschnittliche Ausbreitungsgeschwindigkeit von Lebewesen zu machen. Der dem Modell zugrundeliegende Ansatz von …mehr:

http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20140116/index
 

 

„WaterMakes Money“ erhält Kant-Weltbürger-Preis 2014

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Der Film „WaterMakes Money“ erhält den Kant-Weltbürger-Preis 2014.

Der Kant-Weltbürgerpreis wird seit 2004 vergeben. Die Stiftung will damit gesellschaftliches Engagement, das sich in besonderer Weise dem freien Wort, der offenen Information und der Zivilcourage handelnder Bürger verpflichtet weiß, anerkennen und auszeichnen.

Die Entscheidung wird damit begründet: „Der Film „WaterMakes Money“ von Leslie Franke undHerdolor Lorenz ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine strategisch und strukturell bedeutsame kritische Aufklärung zugunsten eines selbstbestimmteren Europas. Er hat mit seiner kritischen Aufklärung über die Folgen der fortschreitenden Privatisierung unserer Lebensgrundlage Wasser maßgeblich zum Erfolg der ersten EU-weiten Bürgerinitiative „right2water“ beigetragen. Mehr als 1,6 MillionenBürgerInnen aus 11 Ländern hatten mit ihrer Unterschrift dagegen protestiert, dass mit dem Zwang der Ausschreibung die Privatisierung der kommunalen Wasserversorgung eingeleitet wird. Nun verzichtet die EU auf die Konzessionsrichtlinie für Wasser. Dies ist ein bemerkenswerter Erfolg der Demokratie in der EU. Die deutschen Regisseure und französischen Protagonisten des Films wurden vor allem für die Aufdeckung von Korruption seitens der privaten Wasserkonzerne juristisch verfolgt“.

Die festliche Preisverleihung findet am Europatag, dem 9. Mai 2014 in Freiburg statt (Näheres unten).

Quelle:
Freiburger Kant-Stiftung

http://www.kantstiftung.de/index.php?page=pressemitteilung-2014
 

 

Netzwerk „Wasser&Technik“ sucht Verstärkung

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Das ttz Bremerhaven baut ein Innovations-Netzwerk für Wasser- und Abwassertechnik auf. Interessierte Unternehmen und Kommunen können dem Netzwerk ab sofort beitreten.

Bremerhaven, März 2014. Thales von Milet lehrte, der Ursprung aller Dinge sei das Wasser. Darüber kann man streiten. Unbestreitbar hingegen ist, dass das nasse Element Ausgangspunkt für das Netzwerk Wasser&Technik ist. Denn die technische Beherrschung von Wasser wirft Fragen auf, die nur im Verbund gelöst werden können. Das unabhängige Forschungsinstitut ttz Bremerhaven bildet deshalb ein Konsortium aus Unternehmen und Kommunen, das bereits im April 2014 die Arbeit aufnehmen soll. Für weitere Teilnehmer ist das Netzwerk offen.

Das Wasser&Technik-Netzwerk wird sich inhaltlich mit verschiedenen Themen der Wasseraufbereitung in unterschiedlichen Branchen auseinandersetzen. In thematischen Arbeitsgruppen sollen aktuelle Fragestellungen diskutiert und konkrete Lösungen für maritime Akteure, die Aquakulturbranche, Städte und Kommunen, die Lebensmittelindustrie und Energiewirtschaft sowie für landwirtschaftliche Endnutzer erarbeitet werden. Die Gründungsmitglieder kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, die Netzwerkleitung wird das ttz Bremerhaven übernehmen.

Das Netzwerk ist grundsätzlich für Unternehmen jeder Größe offen und lebt von der Heterogenität seiner Mitglieder. Durch den Zusammenschluss verschiedener Kompetenzbereiche und Unternehmensphilosophien unter einer Dachorganisation können Schnittstellen zwischen den beteiligten Unternehmen und ihren Arbeitsbereichen optimal genutzt werden. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stellt Ressourcenmangel in Bezug auf Kapital, Personal und Infrastruktur eine große Hürde hinsichtlich der Durchführung eigener Forschungs- und Entwicklungs-Leistungen dar. KMU sollen deshalb durch die Einbindung in ein Kompetenz-Netzwerk gezielt unterstützt werden.

Im Februar fand bereits ein erstes Treffen mit einem Großteil der zukünftigen Mitgliedsunternehmen statt; ein weiteres Treffen ist für Ende Mai geplant. Mit Wasser&Technik stellt das ttz Bremerhaven seine aktuellen Netzwerk-Aktivitäten im Rahmen einer Langfrist-Strategie auf eine deutlich breitere Basis. Das Fundament bilden dabei vor allem die in den vergangenen Jahren in den Netzwerken MS INNOVATION (http://www.ms-innovation.net) und AQUZENTE (http://www.aquzente.net) gewonnenen Erfahrungen.

Zur Co-Finanzierung der Aktivitäten werden derzeit Fördermittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) beantragt.

Das ttz Bremerhaven ist ein unabhängiges Forschungsinstitut und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt und Gesundheit. Seit mehr als 25 Jahren begleitet es Unternehmen jeder Größenordnung bei der Planung und Durchführung von Innovationsvorhaben und der Akquisition entsprechender Fördermittel auf nationaler und europäischer Ebene. http://www.ttz-bremerhaven.de

Fachliche und organisatorische Fragen zum Netzwerk Wasser&Technik beantwortet gerne:

Dipl.-Wi.-Ing. Birte Ostwald
Teamleiterin Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement
ttz Bremerhaven
Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement
An der Karlstadt 6
D-27568 Bremerhaven (Germany)
Phone: +49 (0)471 80934 103
Mobil: +49 (0)175 1866 260
FAX: +49 (0)471 80934 199
bostwald@ttz-bremerhaven.de

http://www.ttz-bremerhaven.de
http://www.facebook.com/ttzBremerhaven
http://www.twitter.com/ttzBremerhaven
http://www.xing.com/companies/ttzbremerhaven

 

 

Ein Fluss im Visier der Forscher

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Bodenseekreis – Das Projekt „Schussen aktivplus“ läuft noch bis Ende 2014. Die Argen als Vergleichsgewässer ist weit weniger mit Chemikalien belastet.

Noch bis Ende 2014 untersucht ein Team von Wissenschaftlern, welche und wie viele Keime und Mikroverunreinigungen über das Abwasser in die Schussen gelangen und wie diese Schadstoffe auf Fische und Organismen wirkt. Erforscht wird auch, wie effektiv zusätzliche Reinigungsstufen in den Kläranlagen Langwiese, Eriskirch und Merklingen sowie in zwei Regenwasser-Behandlungsanlagen sind. Rita Triebskorn berichtete im Institut für Seenforschung in Langenargen unter dem Titel „Munter wie ein Fisch im Wasser?“ über das Projekt „Schussen aktivplus“, ein Vorhaben, an dem sich Bund und Land beteiligen sowie Universitäten, Unternehmen, die Kommunen Eriskirch, Tettnang, Ravensburg und der Abwasserverband Unteres Schussental.

„Das Besondere am Projekt ist nicht nur die große Zahl der untersuchten Stoffe, sondern es sind auch die vielfältigen Untersuchungsmethoden“, erläuterte …mehr:

http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/bodenseekreis/Ein-Fluss-im-Visier-der-Forscher;art410936,6648329

 

 

Hygiene im Bodden – Deutsche Seuchenforschung gut geklärt

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Die Insel Riems ist Standort bundeseigener Tierseuchenforschung. Im Zug umfangreicher Erweiterungen musste das veraltete Institutsklärwerk einem Neubau Platz machen – ein sensibles Vorhaben, das nach sicherer Prozesstechnik verlangt. Denn die Behandlung der Abwässer aus unterschiedlicher Herkunft mit teilweise sehr hohen Frachten erfolgt inmitten der Bade- und Erholungsregion Greifswalder Bodden in direkter Nachbarschaft zu Rügen.

Auf dem winzigen Eiland Riems, wenige Kilometer südlich der turbulenten Ferienhochburg Rügen, betreibt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI, s. Kasten) seit über 100 Jahren Tierseuchenforschung in der dafür erforderlichen Abgeschiedenheit. Seit 2006 wird der Standort umfangreich ausgebaut. Bei laufendem FLI-Betrieb ist die Ostseeinsel Schauplatz der größten zivilen Bundesbaumaßnahme außerhalb Berlins. Knapp 300 Millionen Euro investiert der Bund in sein Riemser Forschungsinstitut für Tiergesundheit. Mit bereits fertiggestellten Labor- und Tierversuchsgebäuden können FLI-Wissenschaftler bis zum höchsten Biosicherheitslevel S4 an Großtieren forschen. Diese Neuerung reiht Riems in die Weltelite der Tierseuchenforschung ein.

Bild 1:
Das bundeseigene Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems ist nach umfangreicher Erweiterung eines der weltweit modernsten Zentren für Nutztier- und Tierseuchenforschung. Im Vordergrund die Kläranlage während der Bauphase.
Bild AWT-Mar-12-Insel-Riems-1.jpg

Bestand anachronistisch

Der sechsjährige Umbaumarathon hat auch vor der FLI-eigenen Kläranlage nicht Halt gemacht. Das alte Klärwerk war mit einer Ausbaugröße von 1.000 Einwohnerwerten (EW) seit 1990 in Betrieb. Es bestand aus einer mechanisch-physikalischen und einer biologischen Aufbereitungsstufe mit Belebungs- und Nachklärbecken. Eine Nachfällung sowie Schlammfaul- und Schlammentwässerungsbecken komplettierten die Anlage.

Die Abwässer des gesamten FLI-Komplexes sowie des Wohngebiets der Insel wurden entsprechend ihrer Belastung über zwei separate Entwässerungssysteme erfasst. Eine höher belastete Abwasserfraktion gelangte nach thermischer Vorbehandlung in zwischengeschaltete Speicherbecken und von dort weiter ins Belebungsbecken. Das nur haushaltsüblich belastete Abwasser durchlief die mechanische Vorreinigung, bevor es den gleichen Speicherbecken mit der anschließenden Biologie zugeführt wurde.

Zwischen Anlagenbestand und Stand der Technik klaffte schon seit langem eine deutliche Lücke. So mussten beispielsweise in der mechanischen Vorreinigung Stabrechen und Sandfang per Hand geräumt und das Rechengut mit Schubkarren abtransportiert werden. An den rückständigen Betriebsbedingungen hatte auch eine Anlagenertüchtigung im Jahr 2003 nichts geändert. Sie beschränkte sich auf die Einrichtung einer zweiten Nachfällung mit Eisensalzen und war notwendig geworden, weil sich durch Inbetriebnahme eines Quarantänestalls sowohl Abwasseranfall als auch Zulauffrachten und in Folge dessen die Anforderungen an die behördlich vorgegebene Reinigungsleistung erheblich erhöht hatten.

Neubau unumgänglich

In Anbetracht der aktuellen Institutserweiterungen und der damit erneut steigenden Anforderungen an die Abwasserreinigung war eine nochmalige Ertüchtigung des Anlagenbestands nicht mehr darstellbar. Deshalb erfolgte im November 2007 die Ausschreibung zum Neubau einer Kläranlage. Sie sollte bei laufendem Betrieb neben dem Standort der alten Anlage errichtet werden und musste den beiden Fraktionen eines herkömmlich belasteten Kommunal- sowie unterschiedlich belasteter Industrieabwässer Rechnung tragen. Einzelne Bauteile aus dem Bestand sollten nach Möglichkeit in den Neubau übernommen, alle übrigen nach dessen Fertigstellung abgerissen werden.

Der Zuschlag durch die Dach-ARGE, die beim FLI-Ausbau als Generalunternehmer fungiert, ging an die Mall GmbH (www.mall.info) mit Stammsitz in Donaueschingen. Bei deren Zweigniederlassung in Coswig/Anhalt lag die gesamte Auftragsabwicklung in einer Hand. Der Planungsstab konzipierte ein filigranes Ensemble von bedarfsweise variabel ineinander greifenden klärtechnischen Komponenten und Funktionen, und nach 22 Monaten Bauzeit sowie dreimonatigem Probebetrieb verfügt das FLI nun seit September 2011 über eine hochmoderne Kläranlage, die auf die besonderen Anforderungen des Standorts genau zugeschnitten ist.

Bild 2:
Das neue FLI-Klärwerk im Überblick: Vorne die abgedeckten Becken der membranbiologischen Behandlungsstufe, mittig das neue Betriebsgebäude und dahinter die ovalen Quarantäne- sowie die runden Zwischenspeicher.
Bild AWT-Mar-12-Insel-Riems-2.jpg

Reinigungsziel anspruchsvoll

Die als ‚industriell‘ apostrophierte Abwasserfraktion fällt bei der Forschung an Tierseuchen an. Herkunftsorte sind in erster Linie die Tierversuchsgebäude der unterschiedlichen Sicherheitsstufen, der Quarantänestall und zahlreiche Forschungslabors. Hinzu kommen beispielsweise auch Abwässer, die bei den Prozessen der Tierkörperbeseitigung sowie in einer Desinfektionsstation für LKW entstehen. Entsprechend seiner unterschiedlichen Herkunft handelt es sich somit um einen sehr diffizilen Abwasserstrom, der abwassertechnisch zuverlässig gereinigt werden muss, bevor er das Institutsgelände verlässt. Alles Abwasser aus den verschiedenen Sicherheitsstufen der Tierversuchs- und Laborgebäude wird, bevor es den jeweiligen Bereich verlässt, einer thermischen Desinfektion unterzogen. Dabei wird jeder Tropfen Abwasser über eine festgelegte Zeit auf mindestens 121 °C und in besonderen Fällen auf 136 °C erhitzt. Erst dann gelangt das nun seuchenhygienisch unbedenkliche Abwasser zur Kläranlage. Das ‚kommunale‘ Abwasser stammt aus Wohn-, Verwaltungs- und Sozialbereichen.

Bei der klärtechnischen Bemessung war zu berücksichtigen, dass der Zulauf hinsichtlich Mengen und Frachten hohen Schwankungen unterliegt. In den Jahren vor dem Neubau waren Zulaufextrema von 19 und knapp 200 m3 pro Tag ermittelt worden. Deshalb wurden, um den Zulauf zu vergleichmäßigen, engsprechende Speicherkapazitäten eingeplant, und somit ließ sich – anhand gemittelter Werte und unter Berücksichtigung der zusätzlichen Abwassermengen in Folge der Institutserweiterungen – ein Auslegungswert von 205 m3 pro Tag für den maximalen Abwasserzulauf ermitteln. Gemäß üblicher Berechnungsroutine ergeben sich daraus 1.368 EW als hydraulische Ausbaugröße. Hinsichtlich der Schmutzfrachten beträgt die Auslegungskapazität CSB-bezogen rund 3.500 EW.

Vorflut der Kläranlage ist der als Badegewässer und Erholungsgebiet genutzte Greifswalder Bodden. Um der hiermit gegebenen Sensibilität des naturräumlichen Umfelds Rechnung zu tragen, hat die zuständige Genehmigungsbehörde im Zug der wasserrechtlichen Erlaubnis anspruchsvolle Überwachungswerte festgesetzt: 90 mg/l CSB, 20 mg/l BSB5, 18 mg/l Gesamtstickstoff organisch, 10 mg/l Ammoniumstickstoff und 2 mg/l Gesamtphosphor. Damit darüber hinaus ein zusätzlicher Sicherheitspuffer entsteht, wurden die vorgegebenen Werte bei der Bemessung der Kläranlage um rund zehn Prozent niedriger angesetzt. Die sichere Verwirklichung dieser Reinigungstiefe leistet nunmehr eine 8-stufige Behandlungsanlage mit abschließender Membranfiltration.

Bild 3:
Anhand der grafischen Darstellung entschlüsseln sich die Komponenten, Funktionen und Kombinationsmöglichkeiten der Anlagenkonfiguration. Erläuterungen im Text.
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Anlagendesign komplex

Die Membranbiologie bildet das reinigungsrelevante Herzstück der neuen Anlage. Sie besteht aus zwei hintereinander geschalteten Belebungsbecken. Dem ersten Becken sind Phosphatfällung und Kohlenstoffdosierung beigeordnet. Das zweite Becken enthält die getauchte Membraneinheit, die aus fünf Filterblöcken zu jeweils 36 Mikrofiltrationsmodulen mit 0,2 mm Porenweite besteht. Wie für membranbiologische Systeme charakteristisch, wird die Anlage mit einer hohen Belebtschlammkonzentration von 12-15 g/l Trockensubstanzgehalt gefahren. Dieser gegenüber konventionellen Anlagen drei bis vier Mal höhere Schlammgehalt steigert die Reinigungswirkung und hat in Folge dessen eine deutliche Volumenreduktion bei der Dimensionierung der Biorektoren möglich gemacht. Überschüssige Schlammanteile werden kontinuierlich in einen Schlammspeicher abgepumpt.

Die Membranmodule halten aufgrund ihrer feinporigen Struktur den Schlamm im Belebungsbecken und ziehen Klarwasser ab, das nunmehr in Brauchwasserqualität vorliegt. Ein Pumpwerk fördert dieses feststofffreie Filtrat zunächst in einen Schacht, aus dem etwa 20 m3 pro Tag entnommen werden, um Anlagenteile der mechanischen Vorreinigung zu spülen und zu reinigen. Das restliche Filtrat passiert eine Mengenmessung und einen Probenahmeschacht, bevor es schließlich die Anlage über ein Auslaufbauwerk in Richtung Bodden verlässt.

Vor der Belebungseinheit ist eine unterschiedlich kombinierbare Vorstufenkonfiguration angeordnet. Sie gewährleistet durch einfachen Wechsel der Funktionsgruppen einerseits hohe Flexibilität im Anlagendurchlauf bei Regelbetrieb und schafft andererseits zusätzlichen Zeit- und Volumen-Puffer für Zulaufspitzen, Havariefälle und Reparaturmaßnahmen. Am Anfang steht die Erfassung des Zulaufs der einzelnen Abwasserteilströme, die gegenüber der Altanlage einer veränderten Anordnung folgt.

Multipel gepuffert

Zwei Quarantänespeicher, die alternierend beschickt werden und Pufferfunktion haben, sammeln die Abwässer der Quarantänestallungen. Nach 10- bis 15-tägiger Zwischenspeicherung mit Umwälzung gelangt diese Fraktion über einen Schieberschacht in den zweiten von zwei Zwischenspeichern (ZS 2), dessen Inhalt je nach hydraulischer Gesamtbelastung der Anlage direkt in die Biologie dosiert oder zum ersten Zwischenspeicher (ZS 1) gepumpt wird. Alle übrigen Abwässer gelangen im Regelbetrieb teilweise über den erwähnten Schieberschacht oder direkt in den ZS 1.

Beide Zwischenspeicher werden als Aufstaureaktoren nach dem SBR-Prinzip (s. Kasten) betrieben. Dabei dient der ZS 1 für alle Abwasserteilströme als zentrale Annahmestation. Hier wird das Rohabwasser zwischengespeichert, homogenisiert und vorbelüftet. Eine umfangreiche Sensorik überwacht kritische Parameter wie Sauerstoffgehalt, pH-Wert, Temperatur und Redoxpotential.

An den ZS 1 schließen die Aggregate der mechanisch-physikalischen Vorreinigung an: ein Siebrechen zum Rückhalt von grobem Rechengut, ein Sandfang, ein Feinrechen, der Borsten, Haare und ähnliche Partikel abtrennt sowie eine Hochdruckentspannungsflotation für die Fettabscheidung. Per Pumpwerk und über einen weiteren Schieberschacht erreicht das vorgereinigte Abwasser schließlich den wiederum puffernden Vorlagespeicher der Membranbiologie, wo es unter Umwälzung erneut gespeichert und dann dem ersten der beiden Belebungsbecken zugeleitet wird.

Bild 4:
Die gesamte Vorreinigungsstrecke – hier eine Teilansicht – ist im Betriebsgebäude untergebracht.
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Abweichend von dieser Regelfahrweise ermöglicht der Schieberschacht am Ende der Vorreinigung jedoch auch die Rezirkulation des Abwasserstroms zum ZS 1 oder ZS 2 – eine nochmalige Möglichkeit, Zulaufspitzen abzupuffern. Weitere Verschaltungen erfüllen Sonderfunktionen, zu denen auch die Bereitstellung spezieller Havariekapazitäten gehört, oder sie gewährleisten Systemfunktionen wie beispielsweise die Schlammrückführung. In der Summe ergibt sich aus dem Fassungsvermögen beider Quarantänespeicher, der ZS 1 und 2 sowie des Vorlagespeichers der Biologie ein Speicher- und damit Puffervolumen von 1.900 m3, das je nach Bedarfslage unterschiedlich aktiviert werden kann. Hinzu kommen die beiden Belebungsbecken mit jeweils 144 m3.

Wartungsaufwand minimal

Für gleichbleibende Schlammkonzentration in der biologischen Stufe sorgt im Zusammenspiel mit entsprechender Messtechnik die Automatiksteuerung der Anlage, die darüber hinaus auch alle Füllstände überwacht. Die Reinigung der Membranen in den Mikrofiltrationsmodulen erfolgt über eine CIP-Station (clean in placement) bei laufendem Betrieb und ohne jegliche Demontage. Andererseits kann aber im Bedarfsfall die gesamte Ausrüstungstechnik ohne Beckenentleerung – wiederum also bei laufendem Betrieb – für Wartungs- und Reparaturarbeiten demontiert werden.

Um die Membranbiologie von Feststoffeinträgen wie Laub oder Sand frei zu halten, sind die beiden Belebungsbecken, deren Vorlagespeicher sowie der Schlammspeicher abgedeckt. Neben der Steuer- und Regeltechnik ist die gesamte mechanische Vorreinigung in einem neuen Betriebsgebäude untergebracht und damit ebenfalls gegen Außeneinflüsse geschützt. Die beiden Becken der ehemaligen Schlammbehandlung wurden beibehalten und für die Rohwasserannahme sowie als Zwischenspeicher ins neue Design integriert. Die übrigen Teile der Altanlage gingen den Weg alles Vergänglichen, nachdem der Neubau vollendet war.

Bild 5:
Mit einer modernen Leitwarte und übersichtlicher Steuer- und Überwachungstechnik lässt sich die Fahrweise der Anlage bedarfsgerecht modulieren.
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Bild 6:

Abdeckungen bewahren die Membranbiologie vor Schmutzeinträgen. Der schwarze Behälter ist die Dosierstation der zur Phosphatfällung eingesetzten Metallsalze.
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KASTEN 1

FLI – Tierseuchenforschung seit 1910
Südlich von Rügen liegt der Riems. Die Ostseeinsel im Greifswalder Bodden misst keine anderthalb Kilometer in der Länge und an ihrer bauchigsten Stelle 350 Meter in der Breite. Sie beherbergt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI, www.fli.bund.de), das als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit eine selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) ist. Die Gesundheit landwirtschaftlicher Nutztiere und der Schutz des Menschen vor Zoonosen – von Tieren auf Menschen übertragbare Infektionen – bilden den wesentlichen Arbeitsschwerpunkt des FLI.
Der Mediziner, Hygieniker und Bakteriologe Friedrich Loeffler (1852-1915) gilt als einer der Mitbegründer der Virologie. Mit der Beschreibung des Erregers der Maul- und Klauenseuche hatte er 1898 das erste tierpathogene Virus identifiziert und 1910 auf der Insel Riems das weltweit erste virologische Forschungsinstitut gegründet. Es erhielt 1952 anlässlich Loefflers 100. Geburtstags dessen Namen.
Das Friedrich-Loeffler-Institut startete 1992 mit einer Neugründung als Teil der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere zu seiner heutigen Bedeutung. Wesentliche Schritte auf diesem Weg waren im Jahr 2000 ein Ausbau der Forschungskapazitäten in Zusammenhang mit BSE, 2008 die Eingliederung weiterer Institute in das FLI im Zug einer Neuordnung des Ressorts Nutztierforschung beim BMELV sowie umfangreiche Sanierungs-, Umbau- und Neubaumaßnahmen, die seit 2006 in drei Baustufen realisiert und 2013 abgeschlossen werden.
Mittlerweile ist das bundeseigene FLI das dritte Forschungsinstitut weltweit – neben schon bestehenden in Kanada und Australien -, das in Laboratorien der international höchsten Sicherheitsstufe L4/S4 auch mit Großtieren arbeiten kann. Ein hermetisch abgeschirmter Biosicherheitstrakt ermöglicht Untersuchungen mit hochansteckenden Viren wie beispielsweise Ebola und SARS. Derzeit beschäftigt das FLI rund 420 Mitarbeiter auf Riems. 

KASTEN 2

SBR – ausgleichend, flexibel, effizient
Unter den Verfahren biologischer Abwasserreinigung gilt die SBR-Technologie (SBR: sequencing batch reactor) als wirksamstes, zuverlässigstes und zugleich flexibelstes Prozessdesign. Das Leistungsprofil von SBR-Anlagen lässt sich genau auf den jeweiligen Bedarf zuschneiden und über haushaltsübliche Abwasserzusammensetzung hinaus auch für höher belastete Abwässer aus Gewerbe und Industrie konfigurieren.
SBR-Anlagen reinigen das Abwasser im Aufstaubetrieb chargenweise – sequencing batch – und können auf diese Weise selbst starke Zulaufschwankungen ausgleichen. Sie arbeiten somit stets am Optimum; insbesondere auch dann, wenn es an Abwassernachschub fehlt – eine Situation, auf die andere Systeme mit Leistungsabfall reagieren. Außerdem sind SBR-Systeme vergleichsweise wirtschaftlicher, weil sie nur bei Abwasseranfall in Aktion treten und ansonsten im Pausenmodus ruhen.
In preiswerten Basisausführungen erfüllen SBR-Anlagen zuverlässig die behördlichen Mindestanforderung bezüglich der Ablaufqualität. Ausbaumodelle erreichen mit Denitrifikation und Phosphatelimination größtmögliche Reinigungstiefe. Mittels integrierter Membrankomponente oder nachgeordneter UV-Desinfektion lassen sich Brauch- und Badewasserqualität als Reinigungsziele verwirklichen. Je nach Abwasseranfall und angestrebter Betriebssicherheit lässt sich das SBR-Prinzip in ein- und mehrstraßige Anlagenkonfigurationen umsetzen. 

Autor:
Tom Kionka
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