Mittwoch, Juli 28, 2021
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Entwicklung eines zeiteffizienten, reproduzierbaren biologischen Abbautests für Industrieabwasser

Aus den Befragungen im Rahmen des Projekts «Übersichtsstudie zum Einsatz von Biotests zur Beurteilung von Abwässern aus Industrie und Gewerbe» hat sich ergeben, dass seitens der Industrie ein Bedarf besteht für die Entwicklung eines angepassten biologischen Abbautests für Industrieabwasser. Ziel ist die schnelle Identifikation und Beurteilung von Abwasser-strömen mit möglichen problematischen Abwasserinhaltsstoffen. Grosse Betriebe aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie führen heute routinemässig den Zahn-Wellens-Test (OECD 302b) zum Teil in Kombination mit einem Nitrifikationshemmtest (DIN EN ISO 9509) durch, um die biologische Abbaubarkeit ihrer Abwasserströme zu charakterisieren. Unter anderem basierend auf den Resultaten dieser Tests wird die Abwasserbehandlung oder die Entsorgung des jeweiligen Abwasserstroms definiert. Da die meisten Industriebetriebe ihr Abwasser in eine kommunale Abwasserreinigungsanlage einleiten, dienen die Resultate der biologischen Abbautests (i) dem Schutz der ARA vor toxischen Stössen, (ii) der Grundlage für die Prognose der Einhaltung der DOC-Grenzwerte im Ablauf der ARA und (iii) als Vorbehandlung für anschliessend durchzuführende Biotests.

Bei der praktischen Durchführung der Zahn-Wellens-Tests führt die Zeitdauer von 28 Tagen und der daraus resultierende lange Platzbedarf zu einer Herausforderung für die betroffenen Betriebe. Um die Toxizität der Industrie-abwasserproben untersuchen zu können, ist ebenfalls ein schneller biologischer Abbautest notwendig.

Die Arbeitsgruppe Umwelt- und Wassertechnologie der FHNW von Professor Michael Thomann entwickelt daher einen zeiteffizienten, robusten und anwendungs-orientierten Abbautest. Dieser Abbautest soll als Entscheidungsgrundlage bezüglich der Einleitung von Industrieabwasser auf die ARA dienen. Daher muss er breit abgestützt und vergleichbar mit den bisher durchgeführten Tests sein. Dieses Projekt wird im Auftrag des BAFU und in enger Zusammenarbeit mit den Behörden und der Industrie durchgeführt.

Text: M. Thomann, FHNW
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