Montag, Mai 17, 2021

Sorgen mit Nitrit

Unsere Kläranlage der Samtgemeinde Wathlingen liegt in Niedersachsen in der Nähe von Celle; sie hat eine Ausbaugröße von 18 800 EW mit vorgeschalteter Denitrifikation, Nitrifikation und Bio-P-Elimination. Durch den strengen und langen Winter stellte sich nach einigen Wochen eindeutlicher Anstieg von Nitrit in unserer Biologie ein. Dies ist für uns deshalb von Bedeutung, weil wir nach unerem Bescheid einen Grenzwert fürNO2-N von 0,5 mg/l einhalten müssen. Wir leiten nämlich in ein empfindliches Gewässer ein. Innerhalb von nur einem Wochenende war der Nitritwert im Ablauf von 0,02 mg/l auf 0,5mg/l angestiegen. Dieser Wert erhöhte sich in den nächsten Tagen auf 0,95 mg/l, mit einem gemessenen Spitzenwert von 5,2mg/l. Hierdurch wurde unsere Biologie empfindlich beeinträchtigt, denn die Nitrifikation wurde im zweiten Schritt erheblich gestört. Jetzt hieß es für uns zu handeln -aber die Frage war „wie“? Meine Kollegen und ich erinnerten uns an ein DWA-Praxisseminar, das wir am10. September 2009 in Verden/Allerunter der Leitung von Dr.-Ing. Holger Scheer aus Essen besucht haben. Bei dieser Tagung lernte ich Dipl.-Ing.Wilfried Osterloh kennen, der über Strategien zur Vermeidung von Betriebsstörungen auf Kläranlagen referierte. Ein Thema dabei war die Überschreitung der Einleiterwerte. Nun waren wir beim Thema Nitrit und den Maßnahmen, die helfen können. Ich wurde sehrhellhörig und hörte aufmerksam zu, denn schon einmal erlebte ich vor Jahren unruhige Wochen durch hohe Nitritwerte in unsere Anlage. Wilfried Osterloh sprach über einen kurzzeitigen und gezielten Einsatz von Essig-säure. Nun wurden meine Kollegen und ich aktiv. Die Essigsäure für eine Versuchsanlage zu bekommen, war kein Problem. Frau Klostermann von der Firma SKAD versorgte uns sehr schnell mit dem Material. Nun brauchten wir für den Versuch noch eine geeignete Dosieranlage, die auch winter- und wetterfest ist. Da wir selber ausbilden, stand uns ein guter Auszubildender mitgroßem handwerklichem Geschick zur Verfügung. Innerhalb von zwei Tagen hatten wir unsere Dosieranlage mit Dosierpumpe, Vorratsbehälter, Schrankheizung (wichtig!) Thermostat für die Heizung und kälteisoliert fertig (Abbildungen 1und 2).So konnte der Probelauf beginnen. Wird dosierten zwei Liter Essigsäure reinst (min. 99,5 % CH3COOH) in unsere vorgeschaltete Denitrifikation (Volumen der Biologie 2550 m3). Am nächsten Tag stellten wir im Ablauf der Anlage eine Reduzierung von 0,62 mg/l auf0,38 mg/l fest. Nach einer weiteren Woche erreichten wir Werte von 0,02mg/l, dann aber wollte die Essigsäure nicht mehr so, wie wir wollten. Die Säure kristallisierte und an eine Dosierung war nicht mehr zu denken. Wo lag…

Den ganzen Artikel lesen Sie in:
Betriebsinfo Informationen für das Betriebspersonal von Abwasseranlagen Heft 2 – 2011

Autor
Horst Strohmeyer
Samtgemeinde Wathlingen.