Mittwoch, Januar 27, 2021
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Erneute Auszeichnung für Verfahren zur Düngerherstellung aus Klärschlammasche

Für die Düngerherstellung aus Klärschlammasche sind die Recophos Consult GmbH sowie ihre wissenschaftlichen Partner, die TH Mittelhessen und die TU Bergakademie Freiberg mit dem diesjährigen IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ausgezeichnet worden. Mit der bereits zweiten überregionalen Auszeichnung nach dem Deutschen Rohstoff-Effizienzpreis auf der Habenseite sollen nun Geldgeber für die erste eigene Produktionsanlage für die Dünge-Pellets gesucht werden. In einer Testproduktion wurden bereits 4000 Tonnen Phosphordünger gewonnen, die reißenden Absatz fanden.

Schließlich ist Phosphor ein wichtiger Grundstoff für Pflanzendünger. Er wird derzeit aus Mineralen, also Erzeugnissen des Bergbaus gewonnen. Doch diese werden auf lange Sicht knapp. Der neue Dünger aus Klärschlammasche sei da eine Alternative mit großem Potenzial, betont Prof. Martin Bertau vom Institut für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg: „Mit der Rückgewinnung von Phosphor bei der thermischen Verwertung von Klärschlammasche könnten wir mittelfristig die Hälfte des heimischen Phosphat-Bedarfs abdecken.“ Ein mindestens ebenso wichtiges Argument für das neue Düngemittel: Bei der Gewinnung des Phosphors aus der Asche werden giftige Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber abgeschieden. „Die Pflanzen bekommen genau das, was sie brauchen, weil der Dünger aus ihnen selbst ist“, erläutert Prof. Bertau von der Ressourcenuniversität. Das ist beim mineralischen Dünger anders. Er gibt zum Beispiel das radioaktive Metall Uran in den Boden ab, das damit quasi über die Nahrungsmittel auf den Tellern der Verbraucher landet.

Das nächste Ziel der beteiligten Wissenschaftler ist es nun, das Verfahren zur Produktion des Recycling-Düngers im großen Stil umzusetzen. So plant die Recophos Consult GmbH eine Anlage in Schönebeck (Sachsen-Anhalt), für die noch Geldgeber für die geschätzten 12 Millionen Euro Investitionskosten gesucht werden. Prof. Bertau wird dabei weiter an dem Projekt mitwirken und sein Zero-Waste-Konzept beim Klärschlammdünger noch weiter verfeinern. Schließlich sollen bei der Herstellung nicht nur Dünger-Pellets entstehen, sondern auch die übriggebliebenen Schwermetalle weiter verarbeitet werden. Am Ende soll somit ein 100-prozentiges Recycling erreicht sein, ohne vom Klärschlamm auch nur einen Gramm Abfall zu hinterlassen.

Zum Hintergrund: Mit dem Verfahren der Recophos Consult GmbH aus Gardelegen (Sachsen-Anhalt), das gemeinsam mit Wissenschaftlern der TH Mittelhessen und der TU Bergakademie Freiberg entwickelt wurde, lässt sich aus Aschen, die bei der Verbrennung von Klärschlämmen aus herkömmlichen Kläranlagen entstehen, der darin enthaltene Phosphor zu fast 100 Prozent recyceln. Dazu wird der Klärschlamm mineralisiert. Aus der Asche kann unter Beimischung von Chemikalien dann der Phosphor gewonnen werden. Der für den Pflanzenanbau wichtige Nährstoff ist elementarer Bestandteil von Düngemitteln und lässt sich bislang nicht künstlich ersetzen. Der IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ging in diesem Jahr sowohl als Gesamtpreis sowie als Clusterpreis Chemie/Kunststoffe an das Konsortium von Recophos Consult GmbH, TH Mittelhessen und TU Bergakademie Freiberg. Der Hauptpreis wird dabei von den drei Industrie- und Handelskammern aus Halle-Dessau, Leipzig und Ostthüringen gesponsert. Der Clusterpreis wurde in diesem Jahr erstmals gemeinschaftlich von der Dow Olefineverbund GmbH und der Styron Deutschland GmbH ausgelobt.

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