Dienstag, Juni 15, 2021
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Adler-TV: Beoachten Sie, wie ein Küken schlüpft!

Die Web-Kamera der Deutschen Wildtier Stiftung zeigt das Brutgeschäft des Schreiadlers live und in Farbe!

Nachdem die Taufe der kleinen Kronprinzessin Estelle von Schweden in der ganzen Welt im Fernsehen verfolgt wurde, können Sie in wenigen Tagen ein ganz anderes freudiges Ereignis am Bildschirm beobachten: Der Nachwuchs der seltenen Schreiadler wird vor laufender Kamera schlüpfen! „Seit fast vier Wochen bebrütet das Schreiadler-Weibchen zwei Eier, während das Männchen emsig Futter für sie heranfliegt“, sagt Dr. Andreas Kinser, Projektleiter der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Schlüpfen eines Schreiadler-Kükens im Internet zu verfolgen, ist nicht nur spannend, sondern auch extrem selten. Über www.DeutscheWildtierStiftung.de kann jeder Adler-TV gucken und einen Blick in die Küken-Kinderstube werfen. Das ist eine einmalige Gelegenheit, denn in Deutschland sieht man den vom Aussterben bedrohten Adler kaum noch. Mit knapp hundert Brutpaaren ist er bei uns sehr selten geworden.

„Es gibt mittlerweile eine feste Fangemeinde, die regelmäßig Adler-TV schaut“, sagt Kinser. Schon im letzten Jahr fieberten zahlreiche Besucher dem Tag entgegen, an dem der Schreiadler-Nachwuchs vor laufender Kamera schlüpft, aufwächst und nach ersten Flugversuchen den Horst verlässt, um im Spätsommer die lange Reise Richtung Afrika anzutreten. Doch 2011 zeigte sich die Natur von ihrer grausamen Seite: Der Jungvogel, der sich bereits prächtig entwickelt hatte, wurde von einem Baummarder gefressen.

Familie Schreiadler, die jetzt per Mausklick beim Brutgeschäft zu beobachten ist, lebt im lettischen Naturreservat Teici. Dr. Andreas Kinser steht in ständigem Kontakt mit Dr. Ugis Bergmanis, dem Kooperationspartner der Deutschen Wildtier Stiftung vor Ort, der auch die Web-Kamera installiert hat. Seit Mitte April bewohnen die Tiere den mit frischen Zweigen ausgepolsterten Horst in 15 Meter Höhe.

Die Aufnahmen der Web-Kamera sind nicht nur spannend, sie geben vor allem Auskunft über das Brutverhalten und die Ernährung der Küken dieses extrem seltenen Greifvogels. „Wie viele andere Arten leidet der Schreiadler besonders unter dem Verlust geeigneter Lebensräume“, sagt Kinser. Deshalb kooperiert die Deutsche Wildtier Stiftung in einem Projekt zum Lebensraumschutz mit Land- und Forstwirten, um gemeinsam eine schreiadlerfreundliche Bewirtschaftungsweise zu finden. Darüber hinaus sollen die Flächen in Mecklenburg-Vorpommern, die die Deutsche Wildtier Stiftung aus dem „Nationalen Naturerbe“ übertragen bekommen hat, wieder zu Brutgebieten des Schreiadlers werden. „Durch die Web-Kamera in Lettland erhalten wir unter anderem Informationen über die Zusammensetzung der Beutetiere für die Aufzucht der Schreiadler-Küken“, erklärt Dr. Andreas Kinser. In Deutschland untersucht die Deutsche Wildtier Stiftung gemeinsam mit ihren Projektpartnern, durch welche Maßnahmen sich die Dichte der Beutetiere in den Lebensräumen der Schreiadler erhöhen lässt. Gefördert wird das Projekt zum Lebensraumschutz durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN).

In Lettland wird hoffentlich bald ein gesundes Küken aus dem Ei schlüpfen. Im September wird dann aus diesem Doku-Star ein Langstreckenflieger. Kaum flügge geworden, macht sich der Jungvogel nämlich schon in die 10 000 km entfernten Winterquartiere in Afrika auf.

Informationen über das Schutzprogramm sind ebenfalls auf der Website der Deutschen Wildtier Stiftung (www.DeutscheWildtierStiftung.de) erhältlich.