Mittwoch, November 25, 2020
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Abwasseraufbereitung in Handwerksdörfern in Vietnam

In Vietnam haben Handwerksdörfer eine lange Tradition, die darauf zurückgeht, dass in den Zeiten zwischen den Reisernten in den Dörfern handwerkliche Tätigkeiten ausgeübt wurden, um diese dann auf regionalen Märkten zum Kauf anzubieten. Zu den Produkten zählten Nahrungsmittel wie Nudeln oder Tofu, aber auch Kunsthandwerk, wie Seide oder Töpfereiprodukte.

Seit Einführung der Erneuerungspolitik „Doi Moi“ im Jahre 1986 kann in Vietnam ein stabiles Wirtschaftswachstum und damit eine zunehmende Industrialisierung verzeichnet werden. Viele der ehemals traditionell arbeitenden Handwerksdörfer passten ihre Produktion den neuen Bedürfnissen an und wandelten sich zu regelrechten kleinen Industriezonen in denen jedoch jede Art von Umwelt- und Arbeitsschutz eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Die Gründe hierfür sind zum Teil in der mangelhaften Ausbildung der Betriebsverantwortlichen und Mitarbeiter zu suchen, aber auch in den unzureichenden verwendeten Technologien, als auch in den fehlenden rechtlichen Vorgaben.

Die Probleme, die mit der Produktion in den Handwerksdörfern einhergehen, sind seit geraumer Zeit in das Visier der vietnamesischen Öffentlichkeit und Regierung geraten und es wird zunehmend nach angepassten Lösungen gesucht. Das Institut für Abfallwirtschaft und Altlasten der TU Dresden arbeitet seit 2003 eng mit vietnamesischen Forschungseinrichtungen und Umweltbehörden zusammen. Diese bildet die Grundlage für das binationale vom BMBF geförderte Verbundvorhaben mit dem Titel: INHAND – Integriertes Wasserwirtschaftskonzept für Handwerksdörfer am Beispiel eines Dorfes in Vietnam, das im Januar 2011 angelaufen ist. Bei dem Dorf handelt es sich um ein reis- und maniokverarbeitendes Dorf, dessen Abwässer unbehandelt in die umliegenden Reisfelder fließen. Das in der Gegend natürlich vorkommende und im Sediment gebundene Arsen (V) wird dadurch gelöst und als Arsen (III) freigesetzt, welches für Mensch und Tier giftig ist – das oberflächennahe Grundwasser wird so stark verunreinigt. Die anfallenden organischen Abfälle bilden ein weiteres Problem, für das nach Lösungen gesucht wird.

Die Basis des Vorhabens bildet die Entwicklung einer dreistufigen Pilotanlage. Zur Abwasserbehandlung ist eine aerobe Durchflussanlage vorgesehen, die organischen Abfälle werden einer Biogasanlage zugeführt und so energetisch genutzt. Die Gärreste sollen in einer Niederenergiegärresteaufbereitungsanlage behandelt werden. Großen Wert wird zudem auf die Aus- und Weiterbildung von Technikern und Betriebsverantwortlichen gelegt. Hierzu werden während der gesamten Projektlaufzeit von dreieinhalb Jahren Trainingsmodule durchgeführt.

Die TU ist Koordinator des Verbundvorhabens, übernimmt aber Forschungsaufgaben im Bereich der Wasser- und Landnutzung und der Überwachung des Grundwassers. Das Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Leibniz-Universität Hannover erarbeitet das Stoff- und Energiestrom-Management, die Berliner Firmen Herbst Umwelttechnik GmbH und VIS International GmbH entwickeln die Anlage.