Sonntag, Juni 16, 2024
StartNützlichesAllgemeine Meldungen und BerichteZEHDENICK: Entwässerungsbetrieb und Technische Uni Cottbus testen Pflanzen für die Klärschlammreinigung

ZEHDENICK: Entwässerungsbetrieb und Technische Uni Cottbus testen Pflanzen für die Klärschlammreinigung

ENTSORGUNG: Kupfergehalt grenzwertig

Das Zehdenicker Abwasser hat einen vergleichsweise hohen Kupfergehalt. Er liegt im Klärschlamm zwar noch unter dem gesetzlich zugelassenen Wert, doch könnte es passieren, dass er diese Marke überschreitet, sagt Stadtwerkechef Uwe Mietrasch. Der Versorger kümmert sich im Auftrag der Stadt um die Geschäfte des Entwässerungsbetriebs.

Wenn der Kupfergehalt im Klärschlamm zu hoch ist, wird es für den Eigenbetrieb Abwasser teuer. Dann kann der Dienstleister die jährlich anfallende Masse nicht mehr zu 100 Prozent an Landwirte abgeben, die ihn als Dünger auf Äckern einsetzen. Die Substanz müsste dann auf anderem Wege entsorgt werden, und das kann teuer werden. Die Kosten dafür würden sich dann auch in den Abwassergebühren widerspiegeln. Deshalb steht der Eigenbetrieb in engem Kontakt mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus, um mit Hilfe eines natürlichen und vor allem preiswerten Verfahrens den Kupfergehalt niedrig zu halten.

In einem ersten Versuch mit der BTU wurden verschiedene Pflanzen getestet. Dabei ging es darum zu ermitteln, inwieweit Kupfer aus dem Klärschlamm gezogen werden kann. Diesen Prozess in großem Umfang angewendet, nennt man Phytosanierung oder Phytoremediation. Damit wird die Sanierung von verunreinigten und kontaminierten Böden oder Grundwassers bezeichnet. Bei dem Versuch der BTU haben sich zwei Pflanzen als besonders geeignet herausgestellt. Eine Forschungsarbeit ist dazu entstanden und jetzt kann dieses Verfahren vor Ort in Zehdenick großflächig im Klärschlamm angewendet werden. „Wasserhyazinthe und Schilf sind besonders verheißungsvoll“, sagt Mietrasch. Die Wasserhyazinthe ist keine einheimische Pflanze, sie ist in den Tropen zu Hause. Sie überlebt deshalb keinen Mitteleuropäischen Winter im Freien. Für die Stadt wäre diese Überbrückungszeit kein Problem. Der Schlamm könnte im Winter gepuffert werden und im Frühjahr wieder mit den Pflanzen besetzt werden.

Die Wasserhyazinthe hat noch einen anderen Vorteil. Sie besitzt eine extrem hohe Resistenz gegen hohe Nährstoffgehalte. Das lässt sie einerseits sehr schnell wachsen, andererseits ist sie durch die hohe Nährstoffaufnahme sehr energiereich. Die könnte demnach sehr gut als Biomasse eingesetzt werden und in einer Biogasanlage zur Gewinnung alternativer Energien genutzt werden. Und hier schließt sich wieder ein Thema an, das in Zehdenick derzeit völlig ausgeblendet wird. Noch Mitte vergangenen Jahres sollte ein Projekt der Stadtwerke vorgestellt werden, das sich mit einer Biogasanlage unmittelbar auf dem Gelände der Kläranlage befasst hat. Die Widerstände in der Havelstadt sind aus unterschiedlichen Motiven heraus zu groß, als dass bisher konkreter darüber gesprochen werden konnte. Die Ängste der Anwohner in der Siedlung II sind verständlich. Sie wollen keine Lärm- und Geruchsbelästigung. Ungeachtet dessen ist aber auch nicht über einen Alternativstandort gesprochen worden.
Die Stadtwerke haben jetzt die Absicht, die Pflanze zu finden, die dem Entwässerungsbetrieb am meisten hilft. Die Wasserhyazinthe wäre eine Herausforderung, weil sie in unseren Breiten nicht natürlich vorkommt und viel Biomasse entwickelt. Schilf ist dagegen vor allem als Reinigungspflanze im Abwasserbereich schon bekannt. Hier bleibt zu beobachten, inwieweit Schilf genügend Kupfer aus dem Klärschlamm ziehen kann. (Von Andreas Röhl)

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11986430/61129/Entwaesserungsbetrieb-und-Technische-Uni-Cottbus-testen-Pflanzen-fuer.html