Mittwoch, Oktober 28, 2020
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Umweltverschmutzer Mikroplastik?

Forschungsprojekte sollen erstmals gesicherte Erkenntnisse liefern

In der Öffentlichkeit wird schon länger über die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll diskutiert. Aktuelle Untersuchungen am Gardasee und an der österreichischen Donau zeigen jetzt, dass Mikroplastik auch in Binnengewässern nachweisbar ist. Bayern lässt nun als erstes Bundesland mögliche Gefahren für die Umwelt und menschliche Gesundheit wissenschaftlich klären.

Warum gibt es Mikroplastik in Gewässern und Meeren?
Als Mikroplastik bezeichnet man Kunststoff-Partikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Die Kunststoffteilchen werden zum Beispiel in Kosmetika wie Duschgel, Peelings oder Zahnpasta verwendet, wo sie für „Peeling“ und bessere Reinigung sorgen. Die Mikroplastik-Kügelchen, sogenannte „Abrasiva“, sind in solchen Produkten oft kleiner als ein halber Millimeter.

Außerdem trägt der Wind unbedacht und unsachgemäß entsorgten Plastikmüll in Gewässer. Das Plastik schrumpft dort durch Abrieb und Zerfall auf Millimetergröße und kann unter Umständen Hunderte von Jahren verbleiben.

Schließlich können beim Waschen ausgeschwemmte Kunststofffasern aus der Kleidung über das Abwasser in die Kläranlagen geschwemmt werden.
Da die Kunststoffpartikel in den Kläranlagen nicht abgebaut werden, gelangen sie von dort entweder in den Klärschlamm oder direkt in die Oberflächengewässer.

Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen Sicherheit für die Menschen schaffen
Bayern geht das Thema Mikroplastik als erstes Bundesland aktiv an. Das Bayerische Umweltministerium hat zwei Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, um schnellstens Klarheit über mögliche Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit von Menschen und Tieren zu schaffen.

Auswirkungen von Mikroplastik auf die bayerischen Flüsse und Seen
Das erste Forschungsvorhaben untersucht das Vorkommen und die möglichen Auswirkungen von Mikroplastik in bayerischen Gewässern. Damit sind eine Arbeitsgruppe um Professor Christian Laforsch von der Universität Bayreuth sowie das Landesamt für Umwelt beauftragt. Durch das Forschungsvorhaben sollen bestehende Kenntnislücken geschlossen, eine bessere Datenbasis geschaffen und eventuelle Risiken abgeschätzt werden.

Die Arbeitsgruppe verfolgt drei Schwerpunkte:
Zunächst ist es notwendig, ein bereits bestehendes Nachweisverfahren so weiterzuentwickeln, dass sich die Partikel schnell und sicher identifizieren und auswerten lassen.

In einem zweiten Schritt werden an repräsentativen Standorten quantitative und qualitative Analysen von Mikroplastik durchgeführt. Standorte sind zum Beispiel Kläranlagenausläufe, Klärschlamm, Seen, Fließgewässer und Sedimente.

Der dritte Teil des Vorhabens beschäftigt sich mit dem Verbleib der Mikroplastikteilchen in den Gewässern. Im Meer wird der Kunststoffmüll von den Tieren aufgenommen. Die Forscher klären, ob dieses Problem auch bei heimischen Wasserorganismen auftritt und wie es sich gegebenenfalls auf die Ökosysteme auswirkt.

Mikroplastik in Lebensmitteln? Mögliche Gesundheitsfolgen ausschließen
Auf der Basis dieser Ergebnisse wird das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) klären, ob sich Mikroplastik in der Umwelt auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Über das Ausmaß und mögliche langfristige Auswirkungen ist bisher zu wenig bekannt, um belastbare Aussagen über ein Gesundheitsrisiko der Bevölkerung treffen zu können. Bisherigen Forschungen zufolge liegen keine Hinweise auf Gesundheitsgefahren vor. Jedoch will Bayern mögliche Risiken für die Verbraucher anhand neuer Forschungsergebnisse fundiert abschätzen.

Vorrangig soll das LGL die Frage der Belastung von Lebensmitteln mit Mikroplastik erforschen. Dabei wird auch die Frage behandelt, wie ein geeignetes Nachweisverfahren für Mikroplastik in die regelmäßig durchgeführten Lebensmitteluntersuchungen integriert werden kann. Ziel ist es, qualitätsgesicherte Daten in der notwendigen Breite zu liefern, die verlässliche Aussagen über die Aufnahme von Mikroplastik beim Menschen ermöglichen.

Ziel ist es, eine Gesamtkonzeption zum Thema Mikroplastik aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes zu erarbeiten und dazu die bereits laufenden Aktivitäten zu bündeln.

Informationen für den Verbraucher
Solange die Forschungen noch laufen, möchte der Freistaat mögliche Risiken für Mensch und Natur bestmöglich verhindern.

Bayern wirbt deshalb insbesondere bei der Industrie für einen freiwilligen Verzicht von Mikroplastikteilchen in den Produkten. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sensibilisiert darüber hinaus die Öffentlichkeit für das Thema.

Was kann man selbst tun?
Sie können auf Produkte verzichten, die Kunststoffe und insbesondere Mikroplastik enthalten. Umwelt- und Verbraucherverbände informieren Sie darüber, welche Produkte betroffen sind. Die internationale Kampagne „Beat the Microbead“ stellt eine kostenlose App für Smartphones zur Verfügung. Per Barcode erkennen Sie so, welche Produkte Plastikteilchen enthalten.

Und Sie können in Ihrem Alltag den Verbrauch von Plastik weiter reduzieren – allein 65 Plastiktüten verbraucht jeder Deutsche rechnerisch pro Jahr. Das ergibt in Deutschland einen Berg von jährlich über 5 Milliarden Stück.

Mikroplastik – Diskutieren Sie mit!
„Schnellstens Klarheit über mögliche Gefahren für Mensch und Umwelt schaffen.“ Der Bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber äußert sich in seinem Blog zum neuen Umweltthema Mikroplastik. Diskutieren Sie mit!

Dr. Marcel Huber zum Thema „Umweltverschmutzer Mikroplastik?“
http://www.stmuv.bayern.de/umwelt/forschung/mikroplastik/index.htm