Die Abwasserentsorgung an Bergbauten und Herbergen gewinnt durch den steigenden Stellenwert von Freizeiteinrichtungen fernab urbaner Siedlungsstrukturen sowie aufgrund der umweltrechtlichen Anforderungen in ökologisch sensiblen Gebieten zunehmend an Bedeutung. Deren zentrale abwassertechnische Erschließung ist aus wirtschaftlichen Gründen hingegen selten realisierbar. Zudem ergibt sich eine besondere Herausforderung aus dem hohen Stickstoffanteil durch Urin im Abwasser. Der Abwasseranfall an Ausflugszielen im Zusammenhang mit wassersparender Sanitärtechnik führt zu einer außergewöhnlichen Abwasserzusammensetzung, sodass eine konventionelle biologische Reinigung an Grenzen stößt.
Für diese Sondersituation hat sich eine Vielzahl von Verfahren mit jeweils standortspezifischen Vorteilen durchaus bewährt. Aufgrund verschiedener Nachteile erscheinen diese allerdings nicht immer geeignet.
Daniel Meyer hat in seiner Dissertation „Umgang mit stickstoffbelasteten Abwässern an Ausflugszielen in exponierter Lage“ einen Optimierungsansatz entwickelt, der es erlaubt, hinreichende Empfehlungen für eine Technologieauswahl abzuleiten und damit die jeweiligen Stoffströme auf biologischem, physikalischem und chemischem Wege so aufzubereiten, dass sie einer umweltgerechten Entsorgung genügen. Den Kern der Arbeit bilden kleintechnische Versuche im Labormaßstab zu den drei Einzelkomponenten modulare Tropfkörperanlage, Ammoniakluftstrippung sowie die Klärschlammhydrolyse. Der Versuchsbetrieb verlief unter stetiger Frachterhöhung durch Zugabe extern gesammelten Urins, um die Abwassercharakteristik infolge Tagesgästen nachzubilden. Als Leistungsgrenze zeigte der Einfluss abnehmender Pufferkapazität auf die Leistungsfähigkeit der biologischen Abwasserbehandlung und führte zu Untersuchungen einer Vorbehandlung des stickstoffbelasteten Urins sowie zu Überlegungen, die Pufferkapazität im Ablauf durch eine möglichst weitegehende Denitrifikation zu stabilisieren.
Die im Rahmen der Untersuchungen ermittelten Zusammenhänge bilden eine zentrale Voraussetzung für das Aufstellen einer Abwasserentsorgungsstrategie mit dem Ziel des Zusammenwirkens der vorgestellten Komponenten für eine dezentrale Behandlung aller anfallenden Abwasserströme.
Die dokumentierten Ergebnisse der Dissertation ermutigen zu der Aussage, dass der Praxis ein weiteres zuverlässiges Behandlungsverfahren für hohe Stickstoffeliminationsleistungen zur Verfügung gestellt werden kann und damit die Palette bestehender technischer Lösungen erweitert ist.
Die Dissertation „Umgang mit stickstoffbelasteten Abwässern an Ausflugszielen in exponierter Lage“, ist als Band 28 der Schriftenreihe des Bauhaus-Instituts für zukunftsweisende Infrastruktursysteme (b.is) der Bauhaus-Universität Weimar erschienen (ISBN 978-3-944101-28-6).
