Donnerstag, November 26, 2020

Teures Dilemma

Bild FW-KAN-Dilemma-J.jpg Gemeinden, die voll Ehrgeiz planen ihr öffentliches und privates Kanalnetz zu sanieren, können böse überrascht werden. Und zwar dann, wenn hierdurch das Grundwasser steigt und bisher trockene Keller plötzlich feucht werden.

In einem Pilotprojekt in Billerbeck haben Bürger und Stadt das Problem einvernehmlich gelöst.

Die Stadt Billerbeck im Landkreis Coesfeld will ihr rund 70 Kilometer langes Abwasser-Kanalnetz sanieren. Ein Grund ist auch, dass das auf 20.000 EW ausgelegte Klärwerk mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Eigentlich ging man von 450.000 Kubikmeter Abwasser pro Jahr aus, tatsächlich strömen sogar bei Trockenwetter mehr als die dreifache Menge Richtung Kläranlage. Damit steigt die Rückstau-Gefahr für das Kanalnetz, die Behandlung von Niederschlagswasser wird erschwert und die Reinigungsleistung beeinträchtigt. Erhöhte Schadstofffrachten bei der Einleitung in den Vorfluter sind die Folge.

 Deshalb wurde bereits im Jahr 2000 das Kanalnetz vollständig inspiziert und bis 2003 wurden über  2 Millionen € in die Abdichtung der öffentlichen Kanäle investiert. Mit Ernüchterung musste festgestellt werden, dass das Fremdwasser weiterhin unvermindert floss. Es stellte sich heraus, dass die Quellen auf privaten Grund lagen, einmal in Form schadhafter Hausanschlussleitungen oder privater  Drainageanschlüsse ans Mischwassernetz. Nun ist zwar jeder Hauseigentümer gesetzlich selbst dazu verpflichtet, seine Abwasserleitungen dicht zu halten und muss das nach Nordrhein- westfälischer Bauordnung bis 2015 durch eine Dichtheitsprüfung nachweisen. Folge der Abdichtung wäre jedoch vielerorts ein erhöhtes Risiko, dass auf Grund des zu erwartenden Anstiegs des Grundwassers die Grundmauern der Häuser durchfeuchten. Grundsätzlich ist zwar jeder Eigentümer selbst dafür verantwortlich, dass sein Keller trocken bleibt und muss gegebenenfalls selbst Maßnahmen gegen drückendes Grundwasser ergreifen, ein teures Unterfangen.

Deshalb hat das Umweltministerium ein Pilotprojekt unterstützt, das in mehrere Arbeitsschwerpunkte unterteilt wurde.

Man kam letztlich  zu dem Schluss, dass es prinzipiell mehre technische Alternativen gibt. Zum Beispiel Ertüchtigung und Ausbau des Klärwerks, aktive Grundwasser-Bewirtschaftung oder Umbau des bestehenden Mischsystems in ein Trennsystem. Zum Tragen kam schließlich eine so genannte “ Schwerpunktlösung Drainagesystem „. Es  wurden zunächst rund € 230.000,- investiert. Um dieses System im Untersuchungsgebiet flächendeckend anzubieten, müssen allerdings im öffentlichen Raum noch weitere € 350.000,- investiert werden.

Den Schlussbericht des Pilotprojektes “ Dränagewasser von Privatgrundstücken- umweltgerecht Sammeln und Ableiten “ gibt es im Internet unter www.ikt.de