Freitag, September 30, 2022

Energie aus Speisen

RWZ Kurhessen-Thüringen baut neuartige Biogasanlage in Bebra 

Kassel/Bebra Der Startschuss zum Bau einer großen Biogasanlage auf dem Firmengelände der Raiffeisen-Warenzentrale Kurhessen-Thüringen (RWZ) in Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg) ist gefallen. Am Dienstagabend übergab Regierungspräsident Lutz Klein der RWZ-Geschäftsführung die Baugenehmigung einschließlich der Genehmigung einschließlich der Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Damit steht dem sofortigen Baubeginn nichts mehr im Wege. Die RWZ wird gut drei Millionen Euro in das Projekt investieren. Im August kommenden Jahres soll die Anlage nach Angaben von RWZ-Geschäftsführungsmitglied Detlef Beate in Betrieb genommen werden.

Anlage nimmt fast alles
Die geplante Biogasanlage unterscheidet sich erheblich von anderen in der Region. Denn die Biomasse, die in Bebra zu Methangas vergoren wird, wird nicht aus Pflanzen, sondern aus Speiseresten und Lebensmitteln gewonnen, die verdorben oder verunreinigt sind oder deren Mindesthalbarkeitsdatum überschritten wurde. Ob pflanzliche oder tierische Produkte, ob Milch, Joghurt oder Gemüse, Getränke oder Abfälle aus Großküchen Hotels, Schlachtereien, Molkereien, Lebensmitteleinzelhandel oder von Nahrungsmittelproduzenten – die geplante Anlage nimmt fast alles. und auch in Sachen Verpackungen ist sie nicht sonderlich wählerisch. Ganz gleich ob Kunststoff, Tetrapak, Glas, Dosen oder Pappen, die moderne Anlage entfernt sie alle – vollautomatisch.
In einem geschlossenen Kreislauf wird die Gärmasse zunächst eine Stunde lang gekocht, um mögliche Krankheitserreger abzutöten. Danach wird sie vergoren. Das gewonnene Gas wird in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) in etwa zu gleichen Teilen zu Strom und Wärme verfeuert. Einen Teil der Wärme braucht die Anlage für den Gärprozess. Den Rest verkauft die RWZ an einen benachbarten Betrieb, der damit sein Holz trocknet. Den Strom – jährlich etwa 5,7 Millionen Kilowattstunden, die dem Jahresverbrauch von gut 1600 Drei-Personen-Haushalten entsprechen – speist Raiffeisen ins Netz der Stadtwerke Bebra und kassiert dafür etwa 570 000 Eur im Jahr. Hinzu kommen Einnahmen aus dem Wärmeverkauf sowie für die Entsorgung der angelieferten Abfälle.
Demgegenüber stehen aber erhebliche Kosten für den Betrieb der Anlage, die Abwasserbeseitigung und Entsorgung von Gärresten und Restmüll. Denn beim Gärprozess fällt eine große Menge Abwasser an, das nach einer Vorklärung auf dem RWZ-Gelände in die öffentliche Kanalisation eingeleitet wird. Hinzu kommen der organische Gärrest sowie Verpackungsmittelrückstände, die sachgemäß entsorgt werden müssen.
Beate und der Leiter der RWZ-Recycling-Sparte, Rolf Klapp, haben aber keinen Zweifel, dass die Anlage nach einer Anlaufphase Gewinne abwirft. Beate betonte, dass die geplante Anlage die erste ihrer Art im Umkreis von etwa 150 Kilometern sei. In ganz Deutschland gebe es nur fünf vergleichbare Objekte. Er lobte das Regierungspräsidium für die schnelle Genehmigung. Trotz der Komplexität habe das Verfahren nur viereinhalb Monate gedauert.
Regierungspräsident Lutz Klein lobte das Engagement der RWZ und betonte, dass Nordhessen auf dem Weg zur „Biokraftstoffregion“ sei.

HINTERGRUND
Agrar- , Bau- und Energiespezialist RWZ
Die Raiffeisen-Warenzentrale Kurhessen-Thüringen (RWZ) in Kassel setzte im vergangenen Jahr mit gut 1000 Beschäftigten 506,9 Millionen Euro um. Das waren 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Beim Überschuss legte die RWZ sogar um gut 71 Prozent auf 8,4 Millionen Euro zu. Das Agrar-, Baustoff-, Landtechnik-, Energiehandels- und Recycling Unternehmen ist in Hessen, Thüringen und mit einem Standort auch in Sachsen-Anhalt aktiv. Die Gesellschaft gehört einer Reihe von genossenschaftlichen Banken sowie großen Agrarbetrieben in Hessen und Thüringen an.(jop)
(Quelle: HNA, José Pinto, Wirtschaft, 14. November 2007)

http://www.raiffeisen-kassel.de/presse/archiv/archiv_detail.php?PresseID=139