Stockholm. Ein billiges, umweltverträgliches und „kulturell angepasstes“ Toilettensystem für Slums hat dem Inder Bindeshwar Pathak den Stockholmer Wasserpreis 2009 eingebracht. Wie die schwedischen Juroren mitteilten, erhält der Gründer der Sulabh-Sanitärbewegung die mit 150.000 Dollar (91.500 Euro) dotierte Auszeichnung, weil er „ein verblüffendes Beispiel dafür geliefert hat, wie ein Einzelner das Wohlbefinden von Millionen Menschen erhöhen kann“.
Der 1943 geborene Pathak hat ein simples Toilettensystem für extrem dicht besiedelte Stadtslums entwickelt, das von mehr als zehn Millionen armen Menschen gegen geringe Gebühren in 7000 Stationen an öffentlichen Plätzen genutzt wird. Es ermöglicht neben hygienischem Schutz vor oft lebensbedrohlichen Krankheiten auch die Nutzung von Exkrementen als Biogas zum Heizen, Kochen und der Erzeugung von Elektrizität.
Als einen der wichtigsten Erfolge des Systems hoben die Juroren vom Stockholmer Wasserinstitut heraus, dass Pathak und seine Mitstreiter Betroffene von ihrer bisherigen Nutzung von Eimern als Toiletten abbringen. Deren Inhalt werden in der Regel in offene Latrinen oder einfach irgendwo in der Umgebung entleert.
UN-Organisationen für Entwicklungsländer empfehlen die Verwendung von Pathaks System zum weltweiten Einsatz für insgesamt 2,6 Milliarden Menschen. Der Preis soll dem Inder am 21. August während der Weltwasserwoche in Stockholm (16. – 22. August) von Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreicht werden.
Im letzten Jahr wurde der Brite John Anthony Allan für sein Konzept des „virtuellen Wassers“ ausgezeichnet. Es ermöglicht eine umfassende Ausrechnung von Wasserverbrauch etwa für die Produktion eines Hamburgers.
