Mittwoch, Dezember 2, 2020
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Thermische Klärschlammhydrolyse auf der Kläranlage Geiselbullach, Amperverband

Wir sind ein kommunaler Zweckverband im Westen Münchens mit 10 Mitgliedsgemeinden
aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Starnberg. Unsere Hauptaufgabe besteht in der
Entsorgung des gesamten anfallenden Schmutzwassers von rund 150.000 Bürgern. Unsere
Kläranlage ist für 247.000 Einwohnerwerte ausgelegt und damit eine der größten und modernsten
Anlagen in Bayern. Darüber hinaus haben wir die Betriebsführerschaft eines Wasserzweckverbandes
übernommen und versorgen in dessen Namen rund 70.000 Personen
mit Trinkwasser.

Bei dem Betrieb einer Kläranlage fallen an etlichen Punkten Reststoffe an, die direkt oder
indirekt mit der Reinigung der Abwässer in Zusammenhang stehen. Zwei wesentliche Quellen
sind dabei die Primär- sowie die Überschussschlämme.
Als Primärschlamm werden dabei die Stoffe zusammengefasst, die sich in der Vorklärung
der Kläranlage aufgrund unterschiedlicher Dichte als suspendierte feste Stoffe vom Wasser
abtrennen lassen und sedimentieren. Beim Überschussschlamm handelt es sich um überschüssige
Mikroorganismen aus den aeroben Klärbecken der Anlage.
In der Regel halten sich die Mengen der beiden Schlammarten in etwa die Waage. Stand der
Technik auf deutschen Kläranlagen ist es dabei seit vielen Jahren, dass diese Schlämme
gemeinsam in einen sogenannten Faul- bzw. Anaerobreaktor gegeben werden. Hier werden
die Schlämme in Aufenthaltszeiten von rund 20 Tagen ausgefault.
Auf der Kläranlage Geiselbullach wurde nun die bundesweit erste Anlage zur Aufbereitung
des Überschussschlammes vor der Faulung installiert und in Betrieb genommen. Hierbei
wird der Überschussschlamm mittels Dampfzugabe auf 165°C erhitzt und anschließend
schlagartig entspannt. Die Biozellen des Überschussschlammes werden dabei aufgebrochen
und chemisch in ihre Einzelteile zerlegt, bevor der Schlamm mit dem vergleichsweise gut
faulbaren Primärschlamm dem Faulreaktor zugeführt wird. Vereinfacht kann dieser Prozess
mit dem Aufkochen unserer Nahrung vor dem Verzehr verglichen werden: Auch hierdurch
können wir deutlich mehr Energie aus der Nahrung gewinnen, als dies bei einem Verzehr
roher Nährstoffe der Fall wäre.

Durch diesen Prozess kann die Biogasgewinnung aus dem Faulprozess um insgesamt rd.
20% gesteigert werden. Zudem lässt sich der Faulschlamm nach der Hydrolyse deutlich
besser entwässern. Das heißt, die Kläranlage imitiert durch den optimierten Wasserentzug
deutlich weniger entsorgungspflichtige Schlämme. Dies spart Transporte und verbessert die
Möglichkeiten bei der thermischen Verwertung. Durch geschickte Wärmerückgewinnung und
Nutzung der Abwärme bei der Verstromung kann das Verfahren quasi ohne Zusatzenergie
auskommen.
Durch die sehr deutliche Verbesserung der Entwässerung kann …mehr:

http://bayern-innovativ.de/ib/site/documents/media/6a4ad30d-c4b2-edef-73d5-8fda7870ed1f.pdf/5_Amperverband_Pressestatement-mit-Bildlegend.pdf