Mittwoch, Oktober 28, 2020
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Eine kleine Gemeinde weiß sich zu helfen

Erfolgreiche Trockenlegung
In Oberösterreich im Innviertel liegt unsere Gemeinde Gurten.
Bis zum Jahr 2004 betrieben wir eine Kläranlage mit
Emscherbecken, Scheibentauchkörper und Nachklärbecken.
Der Klärschlamm wurde nass in der Landwirtschaft verwertet.
Im Jahr 2005/06 planten wir einen weitgehenden Umbau
der Kläranlage für 2000 EW. Im Zuge der Ausschreibung
(Funktionalausschreibung) wurde ein Belebungsverfahren
gefordert. Für den Klärschlamm sollte eine Lagerkapazität
für einen halben Jahresanfall geschaffen werden. Dafür war
der Bau eines zusätzlichen Schlammsilos oder einer
Klärschlammlagerhalle für Pressschlamm vorgesehen.
Ebenso wurde eine Klärschlammtrocknung nicht ausgeschlossen. Die Wirtschaftlichkeit prüfte das zuständige Ingenieurbüro.
Dabei stellte sich bei der Klärschlammbehandlung die solare
Trocknung als die wirtschaftlichste Lösung heraus. Hier
kam ein Verfahren mit dem Namen „SchlammFIT“ zum Zug,
das von der ortsansässigen Firma Rothmaier GmbH & Co
KG entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um eine
Klärschlammfiltration mit integrierter Trocknung.
Bei diesem Verfahren wird der Klärschlamm im ersten Schritt
filtriert, also über Schwerkraft entwässert, und anschließend
unter Ausnutzung der natürlichen Sonneneinstrahlung getrocknet.
Insgesamt werden dafür etwa 1,5 bis 2 kWh elektrischer
Energie pro Kubikmeter Nassschlamm verbraucht.
Das Filtratwasser läuft regelmäßig und kontrolliert in dieKläranlage zurück und führt dort zu keiner Überlastung oder anderen Betriebsproblemen.

Verfahrensablauf
Zuerst wird der Klärschlamm mit Polyelektrolyten (Polymeren)
versetzt, um eine große Schlammflocke zu erzeugen.
Dies geschieht in der Rohrleitung auf dem Weg zur
Trocknungshalle. In der solaren Trocknungshalle ist eine
Entwässerungsrinne mit einem Filtertuch eingebaut
Ähnlich einer Laborfiltration läuft der Klärschlamm
in die Rinne. Der Schlamm wird zurückgehalten, das Wasser
läuft durch das Tuch und wird wieder in den Zulauf zur
Kläranlage zurückgeführt. Der Befüllvorgang dauert ca. 2 h.
Der Klärschlamm bleibt dann bis zum nächsten Arbeitstag
in der Rinne. Am nächsten Arbeitstag wird die Rinne über
die gesamte Hallenbreite ausgekippt .Der Klärschlamm hat dann etwa 12 bis 15 % Feststoffanteil. Die
Rinne kann anschließend wieder befüllt werden. Ein- bis
zweimal pro Woche ist es erforderlich, das Filtertuch zu reinigen.
Dabei wird es mit einem Schlauch kurz abgespritzt.
Um den Zeitaufwand für das Personal zu beschreiben, ist
der gesamte Betriebsablauf zu sehen. Zu Beginn ist es erforderlich, die SchlammFIT®-Rinne zu entleeren. Dieser…mehr:

http://www.kan.at/upload/medialibrary/KA-Betriebs-Info4-2010.pdf

Autor
Walter Lengauer
Gemeinde Gurten
4942 Gurten, Österreich

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