Freitag, Juni 18, 2021
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Wohin verschwindet der Reifenabrieb?

Der Frage nach dem Verbleib von Rei­fenabrieb gingen die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und die Bundes­anstalt für Straßenwesen (BASt) gemein­sam in einem Forschungsprojekt des BMVI-Expertennetzwerks nach. Die Er­gebnisse zeigen: Der Großteil des Ab­riebs verbleibt im Boden, circa 12 bis 20 Prozent können in Oberflächengewässer gelangen.

Allein im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 48,5 Millionen Pkw-Reifen abgesetzt – so die aktuelle Schät­zung des Branchenverbands Reifenhan­del. Fahrzeugreifen bestehen etwa zur Hälfte aus vulkanisiertem Naturkaut­schuk oder synthetischem Gummi und enthalten darüber hinaus eine Vielzahl von Füllmitteln und anderen chemischen Zusatzstoffen. Der Abrieb von Autoreifen ist damit eine der größten Mikroplastik­quellen – deutlich vor Faserabrieb, der beim Waschen von Kleidung aus Kunstfa­sern entsteht. Bereits bekannt war, dass ein kleiner Anteil des Reifenabriebs von der Straße in die Luft gelangt (5 bis 10 Prozent), wo er zur Feinstaubbelastung beiträgt. Der Weg des weit größeren An­teils von rund 90 Prozent des Reifenab­riebes war bisher aber nicht im Detail ge­klärt.

Nach Berechnungen von BASt und BfG gelangen jährlich 60 000 bis 70 000 Tonnen Reifenabrieb in den Boden und 8700 bis 20 000 Tonnen in Oberflächen­gewässer. Die Forschungsarbeiten zei­gen, dass es maßgeblich darauf an­kommt, wo der Reifenabrieb entsteht: Auf Straßen in Ortschaften und Städten spült Regen den Reifenabrieb über kurz oder lang in die Kanalisation. Handelt es sich um ein Mischwassersystem mit Klär­anlage, werden dann mehr als 95 Pro­zent des Reifenabriebs zurückgehalten. An Straßen außerorts findet die Versicke­rung der Straßenabflüsse in der Regel über Bankett und Böschung statt. Der größte Teil des Reifenabriebs wird so in den straßennahen Boden eingetragen und von der oberen bewachsenen Bo­denzone zurückgehalten. Circa 12 bis 20 Prozent des Reifenabriebs können in Oberflächengewässern landen. Dort wird ein Teil der Partikel abgebaut bezie­hungsweise lagert sich im Sediment ab – die genauen Anteile sind allerdings noch nicht bestimmbar. In einer Modellstudie für das Einzugsgebiet der Seine und der Schelde fanden andere Autoren heraus, dass etwa 2 Prozent der ursprünglich freigesetzten Reifenabriebmenge in das Meer transportiert wird. Für Flüsse in Deutschland liegen noch keine Modell­rechnungen vor.
https://www.bast.de/BASt_2017/DE/Presse/Mitteilungen/2021/08-2021.html

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