Dienstag, Oktober 27, 2020
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Praxis der Sauerstoffzufuhrmessung an Abwasserbelüftern

Einleitung
Die Bestimmung der Sauerstoffzufuhr von Abwasser-Belüftungssystemen erfolgt
heute in der weit überwiegenden Zahl der Fälle nach einer „instationären“ Methode.
„Instationär“ bedeutet, dass der Sauerstoffeintrag aus der zeitlichen Veränderung
des Sauerstoffgehaltes berechnet wird. Um eine solche Veränderung einzuleiten,
muss die Sauerstoffkonzentration vor Beginn der eigentlichen Messung unter den
jeweiligen Sättigungswert gesenkt („Absorptionsmessung“) oder über den
Sättigungswert hinaus erhöht werden („Desorptionsmessung“). Die instationäre
Methode hat den Vorteil des weiten Anwendungsbereiches: sie kann bei praktisch
jedem Belüftungssystem und sowohl in Reinwasser als auch in Belebtschlamm
angewendet werden.

Eine alternative Messmethode, die allerdings nur bei Druckbelüftungssystemen und
für Messungen in Belebtschlamm in Betracht kommt, ist die so genannte
„Abluftmethode“, die auf einer Gasphasen-Massenbilanz der zugeführten und der
aus dem Belebungsbecken austretenden Luft basiert. Gegenüber der instationären
Methode hat das Abluftverfahren zwei wichtige Vorteile: es sind damit auch
kontinuierliche Messungen über einen längeren Zeitraum möglich und es ist keine
Änderung der Betriebsbedingungen des untersuchten Beckens erforderlich.
Um eine einheitliche und nachvollziehbare Vorgehensweise sicherzustellen,
existieren Normen und Richtlinien für die Durchführung von Sauerstoffzufuhrversuchen.
In Deutschland beispielsweise ist die einschlägige Richtlinie das ATVDVWK-
Merkblatt M-209 /1/, künftig die EN 12255-15, in den USA ist die US-Norm /2/
maßgebend. Durch internationale Zusammenarbeit sind diese Normen und
Richtlinien im Laufe der letzten 20 Jahre zunehmend einander angeglichen worden.
In der Praxis lässt sich allerdings immer wieder feststellen, dass es zur korrekten
Durchführung von Sauerstoffzufuhrversuchen nicht genügt, die einschlägigen
Normen und Richtlinien wie ein Kochrezept anzuwenden, sondern dass neben
fundiertem Grundlagenwissen sehr viel Erfahrung erforderlich ist, um anlagenspezifische
Probleme sowie mögliche Fehlerquellen bereits im Vorfeld zu erkennen
und Fehler bzw. Unzulänglichkeiten bei der Vorbereitung, Durchführung und
Auswertung zu vermeiden. Die Messung selbst liefert auch bei fehlerhafter
Vorgehensweise ein Ergebnis, dessen Unzuverlässigkeit allerdings bei
oberflächlicher Betrachtung und ohne zusätzliche Informationen oft nicht zu
erkennen ist. In vielen Fällen hat sich gezeigt, dass die Stellen, denen die Bewertung
und Prüfung der Vorgehensweise und der Ergebnisse obliegt (z:B. Planungsbüros,
Überwachungsbehörden), auf Grund fehlenden Fachwissens oder auch
unzureichender Dokumentation nicht in der Lage sind, diese Bewertung und Prüfung
auch tatsächlich vorzunehmen. So werden in der Folge falsche Resultate akzeptiert
und es besteht sogar die Gefahr, dass diese Resultate als Grundlage nachfolgender
Planungen verwendet werden.
Mit diesem Beitrag sollen vorrangig Aspekte der praktischen Umsetzung der Richtlinien…mehr:

http://www.ibfo.de/OC_Praxis.pdf
Autor: G. Fröse, Braunschweig