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Newsticker Oktober2007/4

 

Biogas Nord AG fördert Bioenergieforschung an der Universität Bielefeld

Ingo Lohuis, Informations- und Pressestelle
Universität Bielefeld
30.10.2007

Die Biogas Nord AG engagiert sich im Bereich Bioenergieforschung an der Universität Bielefeld. Das Bielefelder Unternehmen beteiligt sich am Bau eines PhotoBioreaktors zur Produktion von Bio-Wasserstoff aus Mikroalgen. Der Bioreaktor wird in einem Kooperationsprojekt von Professor Dr. Olaf Kruse (AG Algenbiotechnologie der Fakultät für Biologie, Universität Bielefeld) und von Professor Dr. Clemens Posten (Institut für Bio- und Lebensmitteltechnik, Universität Karlsruhe) gebaut.

Das mittelständische Unternehmen Biogas Nord AG ist spezialisiert auf die Konstruktion und den Bau von Biogasanlagen. Es ist einer der führenden Technologieanbieter in Deutschland. Dieses finanzielle Engagement ist die Fortsetzung einer seit 2006 bestehenden Zusammenarbeit zwischen Biogas Nord und Professor Olaf Kruse im Bereich Bioenergieforschung an der Fakultät für Biologie der Universität Bielefeld. In der Arbeitsgruppe Algenbiotechnologie wird seit einigen Jahren intensiv an der Erforschung von Prozessen gearbeitet, um die Energie des Sonnenlichts durch Mikroorganismen einzufangen und so für den Menschen nutzbar zu machen. Der geplante und durch Biogas Nord finanzierte 25 Liter Prototyp-Reaktor soll dazu verwendet werden, um die Rahmenbedingungen für die Konstruktion eines profitablen größeren Reaktortyps zu schaffen. Konstruktion und Bau werden in Zusammenarbeit mit Professor Clemens Posten, Fachmann auf dem Gebiet Bioreaktorbau am Institut für Bio- und Lebensmitteltechnik der Technischen Hochschule Karlsruhe, durchgeführt und sollen bis zum Sommer 2008 abgeschlossen sein.

„Die Herstellung von Bio-Wasserstoff aus Mikroalgen ist ein eleganter Weg der direkten Umwandlung von Sonnenlichtenergie in eine speicherbare Energieform“, so Professor Olaf Kruse. „Mit dieser neuen Form der Energiegewinnung können wir CO2-Emissionen verhindern und haben eventuell eine Alternative zu Erdöl, Kohle und Erdgas. Die Finanzierung dieses Prototyps ist für uns ein wichtiger Meilenstein auf dem langfristigen Weg zur Entwicklung rentabler Photobioreaktoren.“ Der Wissenschaftler erwartet, dass mit Hilfe dieses ersten Prototyps auch die biologischen Parameter der Wasserstoffproduktion in Mikroalgen besser aufgeklärt und weiter optimiert werden können.

Gerrit Holz, Vorstandsvorsitzender der Biogas Nord AG, erläutert seine Motive für die Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld: „Angesichts des aktuellen Klimawandels wird ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Ressourcen zunehmend wichtiger. Wir unterstützen die Forschung, um neue Technologien im Bereich der Erneuerbaren Energien weiter voran zu treiben und somit den weltweiten CO2-Ausstoss zu verringern.“

Über BIOGAS NORD
Die BIOGAS NORD AG ist einer der größten Technologieanbieter im Biogassektor. Die Leistungen des Unternehmens und seiner inzwischen über 160 Mitarbeiter umfassen alle Bereiche der Biogastechnologie, von der Konzeptentwicklung, der Detailplanung, dem Anlagenbau, dem Betrieb bis hin zum Service und der Betreuung. Das Bielefelder Unternehmen ist bereits in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Seit 1995 wurden über 150 Biogasanlagen geplant, gebaut oder entwickelt. Aktuell sind rund 50 weitere Biogasanlagen in Deutschland, Niederlande, Weißrussland, USA, England, Italien, Spanien, Rumänien, Kuba, Indien und Thailand in Bau, in der Genehmigungs- oder Planungsphase. Die installierte elektrische Leistung der BIOGAS NORD Biogasanlagen beträgt mehr als 50 Megawatt (MW), womit fast 70.000 Haushalte mit Strom oder Wärme aus regenerativer Energie versorgt werden können.

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news232968

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Die ersten Entwürfe für ein Umweltgesetzbuch auf dem Prüfstand

Christiane Rathmann, Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. – Institut für angewandte Ökologie
29.10.2007

Gemeinsame Pressemitteilung von Öko-Institut, Deutsche Umwelthilfe und Unabhängigem Institut für Umweltfragen

Konferenz von Öko-Institut, Deutscher Umwelthilfe und Unabhängigem Institut für Umweltfragen in Berlin mit Beiträgen der Parlamentarischen Staatssekretärin Astrid Klug und Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner

Die Koalitionsfraktionen haben vereinbart, in dieser Legislaturperiode ein Umweltgesetzbuch (UGB) zu schaffen. Damit soll das Umweltrecht neu geregelt werden. Das Bundesumweltministerium hat dazu bereits weit fortgeschrittene Entwürfe vorgelegt. Umweltjuristen erhoffen sich von dem Umweltgesetzbuch eine entscheidende Weichenstellung für die deutsche Umweltpolitik.

Auf einer Konferenz in Berlin diskutieren heute und morgen 180 umweltpolitisch Interessierte aus Verbänden, Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über die vorliegenden Entwürfe für das neue Umweltgesetzbuch. Bei einer Pressekonferenz heute Mittag in Berlin äußerten sich die Beteiligten wie folgt:

Astrid Klug, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, sagte: “ Das UGB wird das Fundament für ein modernes, transparentes und praxisgerechtes Umweltrecht. Die bislang auf viele Rechtsgebiete verstreuten Vorschriften des deutschen Umweltrechts werden zusammengeführt, harmonisiert und vereinfacht – ohne Abstriche von anspruchsvollen Umweltstandards. Neue Instrumente wie die integrierte Vorhabengenehmigung werden den Aufwand für Antragsteller und Behörden spürbar verringern. Mit eigenen Büchern zum Emissionshandel, zu den Erneuerbaren Energien und zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung trägt das UGB den neuen umweltpolitischen Herausforderungen Rechnung.“

Nach den Worten von Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner muss ein Umweltgesetzbuch zumindest langfristig gegenüber der derzeit geltenden Rechtslage einen Mehrwert für die vom Umweltrecht betroffenen Bürger und Unternehmen wie auch für die Behörden bringen. „Es darf nicht ein bloßes Zusammenführen bestehender Rechtsnormen sein.“ Die mit dem Umweltgesetzbuch mögliche Integration sollte vielmehr dazu genutzt werden, das Recht zu vereinfachen und transparenter zu gestalten. Ein Absenken von derzeit geltenden Umweltstandards müsse dabei ausgeschlossen bleiben. „Das UGB darf nicht für ein Umweltdumping missbraucht werden.“

Umweltrechts-Expertin Regine Barth, Koordinatorin des Institutsbereichs Umweltrecht im Öko-Institut und Leiterin des UGB-Projekts sagte: „Der Entwurf wird an vielen Stellen den Anforderungen an eine Neuordnung des Umweltrechts bereits gerecht. Aber es gibt auch noch massive Defizite. Viel zu zögerlich greift der Entwurf Innovationspotenziale auf. Er konzentriert sich stattdessen auf eine reine Konsolidierung des bestehenden Rechts, das insbesondere zum Schutz des Klimas unzureichend ist. Hemmend wirkt sich auch aus, dass aus Prinzip nicht über EU-Standards hinausgegangen werden soll – und damit die in der Vergangenheit so erfolgreich praktizierte Front-Runner-Stellung Deutschlands im globalen Zukunftsmarkt Umweltschutz verspielt wird.“

Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutsche Umwelthilfe e.V. hob hervor, dass das UGB angemessene Antworten auf aktuelle umweltpolitische Herausforderungen geben muss. „Ein reformiertes Anlagenzulassungsrecht muss in Zeiten des sich beschleunigenden Klimawandels die Rahmenbedingungen für Kraftwerke so setzen, dass Deutschland seine Klimaziele einhalten kann. Konkret bedeutet dies: Wir brauchen CO2 – Grenzwerte für neue Kraftwerke, die sicherstellen, dass Kohlekraftwerke in Zukunft nur noch mit CO2 -Abscheidung gebaut werden können. Und wir brauchen für bestehende Kohlekraftwerke mit besonders schlechten Wirkungsgraden Nachrüstungspflichten mit dem Ziel einer erheblich verbesserten Brennstoffausnutzung. Andernfalls kann die Bundesregierung ihr Ziel, die CO2 – Emissionen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, nicht erreichen.“

Michael Zschiesche, Geschäftsführer des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen e.V. wies auf die Bedeutung der Beteiligung von Bürgern und Verbänden für die Umwelt hin. Er sagte: „Der Erörterungstermin als Herzstück der Öffentlichkeitsbeteiligung muss erhalten bleiben. Dieser steht massiv unter Beschuss, obwohl Erfahrungen deutlich gemacht haben, dass der Termin sach- und umweltgerechte Lösungen fördert.“ Seiner Meinung nach kommen bei dem Erörterungstermin sich widersprechende Interessen zur Sprache und Konflikte können im Vorfeld gelöst werden. Fazit: „Das nützt der Industrie, den Bürgern und den Behörden. Der Erörterungstermin gehört somit als obligatorischer Bestandteil in das UGB.“

Weitere Informationen können Sie hier herunterladen: http://www.umweltgesetzbuch.org

Ansprechpartnerin

Christiane Rathmann
Pressesprecherin im Öko-Institut e.V.
Telefon 0761/452 95-22, Mobil 0160/5 33 33 55
E-Mail c.rathmann@oeko.de

Inhaltliche Rückfragen
Ass. jur. Regine Barth
Koordinatorin Bereich Umweltrecht & Governance, Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon 06151/8191-30
E-Mail r.barth@oeko.de

Rainer Baake
Bundesgeschäftsführer, Deutsche Umwelthilfe
Telefon 030/258986-0
E-Mail baake@duh.de

Dorothee Dick
Unabhängiges Institut für Umweltfragen
Telefon 030/428499332
E-Mail dorothee.dick@ufu.de

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Rückenschulen laufen ins Leere: Bekehrte werden missioniert

Meike Drießen, Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)
27.10.2007

Rückenschmerz kostet pro Patient 1200 Euro im Jahr

Rückenschulen bringen nichts. Denn sie werden genau von denen besucht, die sie am wenigsten nötig hätten: Gut situierte Angehörige höherer Statusgruppen, die sowieso aktiv und gesund leben. Die Hochrisikogruppe sind aber Arbeiter aus den klassischen manuellen Berufen. Sie sind wesentlich häufiger von Rückenschmerzen betroffen. Psychische und soziale Barrieren halten sie aber von Rückenschulen fern. Das haben Wissenschaftler vom Mannheimer Institut für Public Health um den Präventionsforscher PD Dr. Sven Schneider beim Deutschen Schmerzkongress berichtet. Sie forderten innovative Angebote wie Rückenschulen direkt am Arbeitsplatz, in der Pause oder als bezahlte Arbeitszeit. Denn Rückenschmerzen sorgen für 15 % aller Krankentage in Deutschland und sind der Grund für 18 % der Frühberentungen. Die jährlichen Kosten pro Patient und Jahr durch Rückenschmerzen betragen rund 1200 Euro. Das ermittelten Gesundheitsökonomen am GSF- Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit auf Basis der Daten des Deutschen Forschungsverbunds Rückenschmerz (DFRS), der vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

Arbeitsbelastung ist nicht der einzige Grund für Rückenschmerz

Arbeiter sind deutlich häufiger von Rückenschmerzen betroffen als Angestellte. Fast jeder zweite gab in Befragungen an, in der vorangegangenen Woche daran gelitten zu haben, 70 Prozent im vo-rangegangenen Jahr. Dagegen hatte nur jeder vierte Angestellte in der zurückliegenden Woche Rückenschmerzen, aufs Jahr gesehen etwa jeder zweite. Die Gründe dafür liegen nicht nur in der stärkeren körperlichen Belastung am Arbeitsplatz: Für die Entstehung von Rückenschmerzen sind viele verschiedene Faktoren bedeutsam. Dazu gehören u.a. Begleiterkrankungen und kognitive Bewertungsprozesse der Schmerzen. Ein entscheidender Faktor für die Erklärung sozialer Unterschiede bei der Häufigkeit von Rückenschmerzen liegt in der fehlenden Nutzung von Präventionsangeboten. Psychische Barrieren und soziale Schließungsprozesse halten Hochrisikogruppen wie Arbeiter von den Kursen fern.

Bewegte Pause und der Therapeut am Fließband

„Das Erreichen dieser Risikogruppen ist das eigentliche Problem“, erklärte Dr. Schneider. „Wir plädieren für sehr intensive, langfristige, arbeitsplatznahe Interventionen. Das bedeutet, der Therapeut steht neben dem Arbeitnehmer z.B. am Fließband und zeigt optimale Haltung und Bewegungsabläufe. Zudem zeigt er ausgleichende Kräftigungsübungen in Kurzpausen.“ Dabei spielt die Einbettung in den konkreten Arbeitsalltag nach Ansicht der Experten eine wichtige Rolle. Dies sei z.B. möglich als bewegte Pause oder durch die Anrechnung als Arbeitszeit, um die Teilnehmerrate zu erhöhen. Viele Unternehmen haben solche Modelle schon erfolgreich implementiert. Dagegen ist die klassische Rückenschule in ihrer aktuellen Form nicht effizient, wie auch der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen ebenfalls jüngst konstatierte. „Wir sprechen dabei von ‚preaching to the converted'“, bringt es Dr. Schneider auf den Punkt.

Kosten durch Rückenschmerzen

Die Kosten, die Rückenschmerzen im Jahr durchschnittlich verursachen, betragen pro Rückenschmerzpatient rund 1200 Euro. Das haben Forscher auf Basis der Daten einer Langzeitstudie des Deutschen Forschungsverbunds Rückenschmerz (DFRS) ermittelt. An der Studie hatten 9.267 Personen teilgenommen von denen 5.602 angaben, in den vorangegangenen drei Monaten Rückenschmerzen gehabt zu haben. Die Forscher vom GSF-Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen bezogen sowohl die direkten Kosten ein, die durch Arztbesuche, Medikamente und andere medizinische Leistungen entstanden, als auch die indirekten Kosten durch Produktionsausfälle wegen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. Die direkten Kosten machten dabei 54 % der Gesamtkosten aus, die indirekten 46 %. Die direkten Kosten lassen sich wiederum aufgliedern in Arztkosten (19 %), Arzneimittelkosten (6 %), Kosten für Heil- und Hilfsmittel (20 bzw. 5 %), Kosten für stationäre Krankenhausaufenthalte (19 %), Kosten für Reha-Maßnahmen (12 %) und Kosten, die für eigene Maßnahmen zu Linderung und Vorbeugung anfallen (20 %).

Ansprechpartner

Sven Schneider, PD Dr., M.A., Mannheimer Institut für Public Health, Sozial- and Präventivmedizin, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Ludolf-Krehl-Str. 7-11, 68167 Mannheim, Germany, Tel: 0621/383-9917, Fax: 0621/383-9920, E-Mail: sven.schneider@medma.uni-heidelberg.de

Bernd Schweikert, GSF-Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Ingolstädter Landstraße 1, 85764 Neuherberg, Tel.: 089/3187-4445, Fax: 089/3187-3375,
E-Mail: bernd.schweikert@gsf.de

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Wasserbauer der Universität Siegen erforschen mittleren Meeresspiegelanstieg

Kordula Lindner-Jarchow M.A., Presse- und Informationsstelle
Universität Siegen
25.10.2007

Seit dem 01. Oktober 2007 bearbeiten die Wissenschaftler des Forschungsinstitutes Wasser und Umwelt (fwu) an der Universität Siegen unter der Leitung von Professor Dr.-Ing. Jürgen Jensen am Fachbereich Bauingenieurwesen ein Forschungsvorhaben mit dem Titel „Analyse von hochaufgelösten Tidewasserständen und Ermittlung des MSL an der deutschen Nordseeküste (AMSeL)“. Erstmalig wird in Deutschland der mittlere Meeresspiegel (MSL, als Ausgleich der Gezeitenwellen) und dessen Entwicklung über einen längeren Zeitraum an vielen repräsentativen Pegelstandorten der Nordsee untersucht. Hierzu werden hochaufgelöste Tidekurven, die an den deutschen Nordseepegeln bis heute aufgezeichneten wurden, ausgewertet.
Obwohl ein Meeresspiegelanstieg als Folge der letzten Eiszeit ein natürliches Phänomen ist, haben Forscher in den letzten Jahren nachgewiesen, dass er durch einen zusätzlich, von uns Menschen verursachten Klimawandel beschleunigt wird. Vor allem seit der Veröffentlichung des neuen Weltklimaberichtes des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) im Jahr 2007 wird der Thematik eine große Aufmerksamkeit geschenkt und verschiedenste Katastrophenszenarien werden öffentlich diskutiert.
Mit den Ergebnissen von AMSeL wollen die Forscher der Universität Siegen nicht nur wesentlich genauere Aussagen zum zukünftig zu erwartenden Meeresspiegelanstieg treffen, sondern auch bestehende Klimamodelle und die daraus abgeleiteten Prognosen überprüfen sowie zukünftig stärker belastete Küstenabschnitte identifizieren, die es entsprechend zu schützen gilt. „Eine weitere Folge des mittleren Meeresspiegelanstiegs ist die erschwerte Entwässerung von tiefliegenden Gebieten hinter den Deichen, die so genannte Binnenentwässerung“, so der Projektleiter Prof. Jensen. Da die Entwässerung ohne die Unterstützung von Pumpen nur bei entsprechend niedrigen Wasserständen auf der Meeresseite der Deiche möglich ist, müssen in Zukunft unter Umständen größere Speicherräume geschaffen werden, um die anstehenden Wassermengen temporär aufnehmen zu können. Da diese Räume jedoch aufgrund bestehender Nutzungen in vielen Bereichen nicht ohne weiteres zur Verfügung stehen, soll auch diese Problematik in dem neuen Forschungsvorhaben näher untersucht werden.
Die Laufzeit des mit über 300.000 € vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsvorhabens soll drei Jahre betragen. Für die Bearbeitung wurde eigens eine Arbeitsgruppe bestehend aus mehreren Wissenschaftlern am Forschungsinstitut Wasser und Umwelt eingerichtet.
Weitere Informationen:
http://www.uni-siegen.de/fb10/fwu/wb/forschung/projekte/amsel/?lang=de

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Neue Wege für die städtische Wasserwirtschaft der Zukunft

Sybille Wenke-Thiem, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Urbanistik
24.10.2007

Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) und Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) entwickeln gemeinsam mit Partnern des Forschungsverbunds netWORKS Lösungsmöglichkeiten für eine „demografieangepasste“ Stadttechnik | http://www.networks-group.de
Berlin / Frankfurt/Main. Die Netze und Anlagen der kommunalen Wasserversorgung werden bisher zentral organisiert, und diese Zentralität gilt bislang gerade bei mittleren und hohen Siedlungsdichten technisch und ökonomisch als vorteilhaft. Durch die abnehmende Bevölkerungszahl tritt jedoch eine völlig neue Problematik auf: Die Funktionalität der Systeme ist durch Unterauslastung gefährdet. In einigen Städten und Regionen sind Rück- und Umbaumaßnahmen der Netze notwendig, die an die Grenzen des betriebswirtschaftlich Machbaren gehen. In Ergänzung dieser Anpassungsstrategien gilt es, neben dem Rück- und Umbau auch über den Einsatz gänzlich neuer Technologien nachzudenken, außerdem sind Systemalternativen gegenüber dem Weiterbetrieb vorhandener Anlagen abzuwägen.

In Deutschland wurden in den letzten beiden Jahrzehnten bereits beachtliche Innovationen im Bereich alternativer Wasserver- und Abwasserentsorgungstechnologien entwickelt, die jedoch bisher ausschließlich im Rahmen weniger kleiner Modellprojekte umgesetzt wurden. Die Pilotvorhaben zeigten, dass Stofftrennung und neuartige Kombinationen von Ab- und Frischwasser prinzipiell möglich sind. Da es sich um flexible und nachhaltige Lösungen handelt, mit denen die Schließung von Nährstoffkreisläufen sowie die energetische Verwertung von Abwasser angestrebt wird, sind die Verfahren – angesichts der steigenden Energiepreise – auch volkswirtschaftlich interessant: Intelligente Systemlösungen zeichnen sich durch Stoffstromreduktion (Ökoeffizienz), höhere Flexibilität und teils kürzere Leitungswege aus und lassen langfristig eine ökonomische Effizienzanhebung (Energieverwertung) erwarten.

Nun gilt es herauszufinden, ob eine breitere Anwendung dieser Technologien sowie die Kombination mit vorhandenen Anlagen und Netzen auch in größerem Maßstab sinnvoll sind. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) und das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) untersuchen daher – gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und in Kooperation mit weiteren Forschungs- und Praxispartnern – praxistaugliche Umwandlungsmöglichkeiten der stadttechnischen Systeme. Der interdisziplinär arbeitende „Forschungsverbund netWORKS“ entwickelt gemeinsam mit Ver- und Entsorgungsunternehmen aus sechs Untersuchungskommunen mit unterschiedlicher Bevölkerungsentwicklung langfristig tragfähige Angebots- und Infrastrukturkonzepte.

Einen Untersuchungsschwerpunkt bildet die Frage, ob und inwieweit semi- und dezentrale Lösungen ökonomisch und ökologisch effizienter sind und wie diese im existierenden betrieblichen Rahmen sukzessive angewandt werden könnten. Berücksichtigt wird dabei, dass Strukturanpassungen der Anlagen im Einklang mit den unternehmerischen Erfordernissen erfolgen müssen. Auch werden die Infrastruktur- und Stadtentwicklungsplanung integriert betrachtet und der Stand der Technik berücksichtigt.

Erste Ergebnisse sind Ende 2008 zu erwarten. Sie werden als Publikation veröffentlicht und als Beratungsinstrument auch auf der Homepage des Forschungsverbunds zu finden sein.

Nähere Informationen zum Forschungsverbund und zum Projekt „Transformationsmanagement für eine nachhaltige Wasserwirtschaft“ sind im Internet unter www.networks-group.de/ zu finden.

Weitere Informationen/Projektleitung:

Dipl.-Sozial-Ökonom Jens Libbe
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu), Berlin,
Telefon: 030/39001-115, E-Mail: libbe@difu.de

PD Dr. Thomas Kluge,
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt/M.,
Telefon: 069/707691918, E-Mail: kluge@isoe.de

Internet: www.networks-group.de

Hintergrund: Der Forschungsverbund netWORKS …
… entwickelt konzeptionell innovative und nachhaltige Lösungen für die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Praxisbezogen erarbeitet netWORKS Entscheidungshilfen für Kommunen als Verantwortliche für die Festlegung und Erbringung von Leistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge sowie für die diese Leistungen ausführenden (kommunalen) Ver- und Entsorgungsunternehmen bzw. -betriebe.

Initiiert vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) und dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) wird die Forschungsgruppe von verschiedenen Forschungseinrichtungen getragen (kooperierende Institute: Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung (ARSU), Oldenburg, Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU), Institut für Städtebau und Landschaftsplanung, Lehrstuhl für Stadttechnik, Cottbus, COOPERATIVE Infrastruktur und Umwelt, Darmstadt, IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung gGMBH, Mühlheim a.d. Ruhr). Das Projekt „Sozial-ökologische Regulation netzgebundener Infrastruktursysteme“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkts „Sozial-ökologische Forschung“ gefördert. Im Forschungsverbund arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Ökonomie, Soziologie, Recht, Raumwissenschaft, Stadttechnik und Ökologie – je nach Projekt in unterschiedlicher institutioneller und fachlicher Zusammensetzung: www.networks-group.de.

Kurzinfo: Deutsches Institut für Urbanistik
Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), Berlin, ist als größtes Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum die Forschungs-, Fortbildungs- und Informationseinrichtung für Städte, Kommunalverbände und Planungsgemeinschaften. Ob Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftspolitik, Städtebau, Soziale Themen, Umwelt, Verkehr, Kultur, Recht, Verwaltungsthemen oder Kommunalfinanzen: Das 1973 gegründete unabhängige Institut bearbeitet ein umfangreiches Themenspektrum und beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Ebene mit allen Aufgaben- und Problemstellungen, die die Kommunen heute und in Zukunft zu bewältigen haben. Rechtsträger ist der Verein für Kommunalwissenschaften e.V., der zur Sicherung und Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung durch Förderung der Kommunalwissenschaften gegründet wurde.

Pressekontakte:
Sybille Wenke-Thiem
Ltg. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
Ernst-Reuter-Haus, Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin,
wenke-thiem@difu.de, www.difu.de
Telefon: 030/39001-209/-208, Telefax: 030/39001-130
Weitere Informationen:
http://www.difu.de
http://www.networks-group.de
http://www.kommunalweb.de

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Ein Bach voller unentdeckter Bakterien

Dipl.-Biol. Milena Wozniczka , Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
22.10.2007

Wissenschaftler der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig haben in Niedersachsen neue Bakterienarten entdeckt. Die sieben Neuisolate stammen aus dem Westerhöfer Bach im Harz und gehören den Gattungen Flavobacterium und Pedobacter an.
Der Westerhöfer Bach im Harz war schon im Frühjahr Fundstätte einer neuen Bakteriengattung: vor einem halben Jahr haben die Braunschweiger Biologen dort Deefgea rivuli entdeckt.
Bemerkenswert ist der hohe Gehalt des Westerhöfer Bachs an Calcium und Magnesium, die ausfallenden Mineralsalze führen zur Bildung von Kalktuffgestein.
Untersuchungen zeigten, dass das Wasser unmittelbar an der Quelle mit seinen sehr geringen Keimzahlen nahezu steril ist. Im weiteren Verlauf des Fließgewässers finden sich zunehmend Bakterien, die vermutlich aus dem Uferbereich eingeschleppt werden. Prof. Dr. Erko Stackebrandt, wissenschaftlicher Geschäftsführer der DSMZ erklärt: „Dabei sehen wir in unseren Kulturschalen immer nur eine kleine Auswahl der tatsächlich vorhandenen bakteriellen Vielfalt. Bislang ist nur etwa ein Prozent aller Bakterien im Labor kultivierbar.“

Flavobakterien sind häufig gelblich gefärbt. Ihr natürliches Habitat ist weit gefächert, meist findet man sie in aquatischen Gebieten. So auch die neuen Bakterien: Flavobacterium aquidurense und Flavobacterium hercynium. Der Artname „aquidurense“ bezieht sich auf die Widerstandfähigkeit des Bakteriums gegenüber dem besonders harten Wasser des Bachs, „hercynium“ ist die lateinische Form des Harzgebirges. F. aquidurense wurde direkt von der Quelle isoliert, F. hercynium gegen Ende des 320 Meter langen Bachlaufs.

Vertreter der Gattung Pedobacter sind beweglich, meist unpigmentiert und erscheinen als Laborkultur durchscheinend weißlich. Mikroskopisch sind winzig kleinen Stäbchen von etwa 2 mal 0,8 µm (Millionstel Meter) zu erkennen. Die fünf neu entdeckten Arten tragen die Namen P. westerhofensis (aus Westerhof stammend), P. hartonius (zum Harz gehörig), P. duraquae (aus hartem Wasser), P. metabolipauper (mit dürftigem Stoffwechsel), und P. steynii (zu Ehren des Mikrobiologen P.L. Steyn, der die Gattung erstmals beschrieben hat).

Im Rahmen von „Braunschweig – Stadt der Wissenschaft 2007“ haben die ForschungRegion Braunschweig e.V. und die NORD/LB eine Praktikantenbörse für herausragende Abiturienten organisiert. An der DSMZ hat Anique Herling unter der Leitung von Dr. Sabine Gronow ein mikrobiologisches Praktikum absolviert. Gemeinsam haben sie ebenfalls den Westerhöfer Bach im Harz erkundet und dort Wasser- und Bodenproben entnommen. Ziel des dreiwöchigen Praktikums waren die „Feinde“ der Flavobakterien. „Es gibt Viren, die bestimmte Bakteriengruppen gezielt befallen. Diese so genannten Bakteriophagen haben wir untersucht“, erklärt die Biochemikerin Gronow. „Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, aber wir arbeiten zurzeit an sechs Isolaten. Mit etwas Glück findet sich auch dort etwas Neues.“ Forscher müssen also gar nicht in die Tropen, um neue Arten zu entdecken. In Niedersachsen ist das auch vor der eigenen Haustür möglich.
Weitere Informationen:
http://www.dsmz.de – Informationen zur DSMZ in Braunschweig

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Problem Flächenversiegelung & Grundwasser – Einzigartige Langzeitstudie über die Landnutzung im Stadtgebiet von Leipzig

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
19.10.2007

Leipzig. Der seit Jahren enorme Flächenverbrauch in Deutschland hat dramatische Konsequenzen für den Grundwasserspiegel. Durch die zunehmende Versiegelung gelangt immer weniger Regenwasser in den Boden und das Hochwasserrisiko steigt. In Leipzig verdreifachte sich seit 1940 fast die Menge des abfließenden Wassers – dagegen sank die Menge des versickerten Wasser beinahe um ein Fünftel. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in einer Fallstudie. Dazu werteten sie Daten über Landnutzung, Klima, Wasserhaushalt, Relief, Vegetation und Boden in Leipzig aus den Jahren 1870, 1940, 1985, 1997 und 2003 aus.
Zu Spitzenzeiten war Leipzig Deutschlands viertgrößte Stadt. Über 700.000 Menschen lebten Anfang der dreißiger Jahre in der Messe- und Industriestadt. Obwohl die Bevölkerung seit dem deutlich gesunken ist und inzwischen nur noch rund 500.000 beträgt, wucherte die Stadt weiter ins Umland. Die bebaute Fläche nahm allein seit der Wende um 10 Quadratkilometer zu. Für ihre Untersuchung werteten die UFZ-Wissenschaftler historisches und aktuelles Kartenmaterial aus. Diese Daten ergänzten sie mit Satellitenbildern und eigenen Kartierungen. So entstand eine einzigartige Langzeitstudie über die Landnutzung im Stadtgebiet von Leipzig. Dabei zeigte sich, dass Änderungen in der Flächennutzung zwangsläufig auch zu Änderungen im Wasserhaushalt führen. Entsiegelungsmaßnahmen und eine möglichst naturnahe Gestaltung der Bodenoberfläche in städtischen Bereichen können die Situation dagegen erheblich verbessern.

Zwar ist der anhaltende Flächenverbrauch unter Fachleuten und Planern mittlerweile zum Thema geworden. Umweltprobleme wie die Auswirkungen der Flächenversiegelung auf den Wasserhaushalt spielen dabei jedoch nur eine geringe Rolle. Die fachübergreifende Untersuchung dieser Probleme zeigte die Ursachen hierfür auf. Sie liegen vor allem darin, dass es sich bei ihnen um einen schleichenden Prozess handelt, der im Alltag nicht wahrnehmbar ist und dort auch keine unmittelbaren Gefährdungen mit sich bringt. Langfristig können sich aber Ökosysteme auf diese Weise instabil werden. Um Ansatzpunkte dafür aufzuzeigen, wie sich schleichende Prozesse wie die Veränderung des Wasserhaushalts in den Griff bekommen lassen, ist daher die interdisziplinäre Zusammenarbeit Sozialwissenschaften-Landschaftsökologie-Hydrologie hilfreich. Sie verknüpft naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse mit Erkenntnissen darüber, wie die Gesellschaft auf die untersuchten Phänomene reagiert und welche Instrumente der Einflussnahme zur Verfügung stehen. Erste praktische Ergebnisse dieser Kooperation gibt es bereits. Die von den UFZ-Wissenschaftlern erarbeiteten Daten werden durch das Amt für Umweltschutz der Stadt Leipzig bei der Erstellung eines neuen Landschaftsplanes genutzt.

Publikation:
Haase, D., Nuissl, H. (2007):
Does urban sprawl drive changes in the water balance and policy? The case of Leipzig (Germany) 1870-2003
Landscape and Urban Planning 80 (1-2), 1-13
http://dx.doi.org/10.1016/j.landurbplan.2006.03.011

Links:
Stadt Leipzig: Stadtentwicklung
http://www.leipzig.de/de/buerger/stadtentw/lsp/schutz/daten/
http://www.leipzig.de/de/buerger/stadtentw/lsp/ergebnis/

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Dagmar Haase
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-3950
http://www.ufz.de/index.php?de=4576
und
PD Dr. Henning Nuissl
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-2696
http://www.ufz.de/index.php?de=1657
oder über:
Doris Böhme / Tilo Arnhold
Pressestelle Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-2278
E-mail: presse@ufz.de

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ wurde 1991 gegründet und beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle/S. und Magdeburg rund 830 Mitarbeiter. Es erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften, insbesondere dicht besiedelten städtischen und industriellen Ballungsräumen sowie naturnahen Landschaften. Die Wissenschaftler des UFZ entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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Tumoren in’s Schwitzen bringen – Wie Hitzeschockproteine bei der Immunabwehr helfen

Luise Dirscherl, Referat Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München
19.10.2007

Der Name „Hitzeschockproteine“ wird dem Aufgabenspektrum dieser Multitalente schon lange nicht mehr gerecht. Zwar schützen Vertreter dieser Gruppe viele Proteine bei Hitze und in anderen Stresssituationen. Sie können aber auch das Tumorwachstum in Mäusen verhindern oder verzögern, wie Experimente in den 80er Jahren zeigten. Die immunstimulierende Wirkung der Hitzeschockproteine wurden später allerdings in Zweifel gezogen, weil andere aktive Komponenten in den Präparaten nachgewiesen wurden, so dass die Effekte nicht zweifelsfrei den Hitzeschockproteinen zugeschrieben werden konnten. Ein Forscherteam, dem auch Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München angehören, führte jetzt unter der Leitung von Privatdozentin Elfriede Nößner, GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, ähnliche Versuche durch – allerdings mit hochreinen Präparaten. Wie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Biological Chemistry“ berichtet, zeigte sich dabei, dass das menschliche Hitzeschockprotein Hsp70 an der Stimulation von Immunzellen beteiligt ist. Weitere Experimente sollen nun eine mögliche therapeutische Nutzung dieser immunaktivierenden Eigenschaften der Hitzeschockproteine prüfen.
Proteine können ihre vielfältigen Aufgaben nur erfüllen, wenn sie in einer jeweils spezifischen dreidimensionalen Struktur vorliegen. So genannte Hitzeschockproteine überwachen die korrekte Faltung neu produzierter Proteine und stabilisieren die Struktur von Proteinen, wenn die Zelle in Stress gerät. „Bei den Experimenten in den 80er Jahren wurde Hsp70 geimpft, das man aus Tumoren isoliert hatte“, berichtet Nößner. „Für den dann beobachteten tumorinhibierenden Effekt waren T-Zellen und so genannte Antigen-präsentierende Zellen verantwortlich.“ T-Zellen sind weiße Blutkörperchen und Teil der Immunabwehr. Sie werden mit Hilfe Antigen-präsentierender Zellen, vor allem der dendritischen Zellen, aktiviert. Denn diese nehmen Bestandteile von infizierten Zellen und Tumorzellen auf und präsentieren die Fremdstoffe (Antigene) auf der Zelloberfläche, wo sie von T-Zellen erkannt werden. In den aktuellen Experimenten stellten die Forscher eigene Präparationen des menschlichen Hsp70 her und entfernten alle bereits bekannten immunwirksamen Komponenten sowie alle potentiell aktiven chemischen Beiprodukte. „Unsere Versuche sind die ersten mit hochreinem humanen Hsp70-Protein“, so Nößner. „Wir haben menschliches Protein verwendet, weil Hsp70 aus anderen Organismen nicht notwendigerweise dieselben Funktionen erfüllt.

Nach derzeitigem immunologischem Kenntnisstand hängt die Effektivität der T-Zellstimulation in entscheidendem Maße davon ab, wieviel Antigen von den dendritischen Zellen präsentiert wird und in welchem Differenzierungszustand sich die dendritischen Zellen befinden. Die Forscher fanden Hinweise, dass Hitzeschockproteine diese beiden Parameter positiv beeinflussen. Die neuen Ergebnisse mit hochreinem Protein zeigten nun, dass humanes Hsp70 die dendritischen Zellen nicht aktiviert – und trotzdem die T-Zellstimulation verbessert. Das Protein erhöht die Reaktivität der CD8-T-Zellen, weil es mit dem Antigen einen Komplex bildet, der dann besser von dendritischen Zellen aufgenommen werden kann. Der erhöhte Antigenspiegel in den dendritischen Zellen führt dann dazu, dass T-Zellen stärker stimuliert werden. „Wir konnten dieses Prinzip für zwei Tumorantigene, Tyrosinase und Melan-A/MART-1, bestätigen“, berichtet Nößner. „Beide werden in Melanomen, also bei Hautkrebs, verstärkt gefunden. Durch eine bislang einzigartige Verknüpfung immunologischer und biochemischer Methoden konnten wir den direkten Zusammenhang zwischen Hsp70-Antigenkomplexierung und T-Zellaktivierung nachweisen.“

Mit den neuen Erkenntnissen wird eine klinische Nutzung des humanen Hsp70 wieder interessant. „Es ist denkbar, dass man die immunaktivierenden Eigenschaften des humanen Hsp70 zur Induktion oder Verbesserung der antitumoralen Immunität klinisch einsetzen kann“, so Nößner. Dazu soll nun weiterführend untersucht werden, ob Hsp70 auch auf die Entwicklung eines immunologischen Gedächtnisses positiven Einfluss nimmt. Ein solches Gedächtnis ist wichtig, damit Tumorzellen oder Virusinfektionen auch später, etwa wenn sich Metastasen ausbilden, erkannt und abgetötet werden. Damit sich Gedächtniszellen bilden, muss man CD4-T-Zellen aktivieren, also eine weitere Gruppe weißer Blutkörperchen. Die Aktivierung von CD4-T-Zellen ist bei Tumorpatienten, aber auch bei Patienten mit schweren chronischen Virusinfektionen gestört“, berichtet Nößner. „Möglicherweise ist dies der Grund, warum in vielen Fällen die Immunantwort nicht alle bösartigen oder infizierten Zellen beseitigen kann.“ Die geplanten Experimente sollen zeigen, ob Hsp70 auch die Aktivierung von CD4-T-Zellen verbessert und so zur Bildung eines immunologischen Gedächtnisses beitragen kann.

Publikation:
„Human heat shock protein 70 enhances tumor antigen presentation through complex formation and intracellular antigen delivery without innate immune signalling“
Henriette Bendz, Sibylle C. Ruhland, Maya J. Pandya, Otmar Hainzl, Stefan Riegelsberger, Christoph Bräuchle, Matthias P. Mayer, Johannes Buchner, Rolf D. Issels, Elfriede Nößner
Journal of Biological Chemistry, 26. Oktober 2007

Ansprechpartner:
PD Dr. Elfriede Nößner
GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Tel.: 089 / 7099-303
Fax: 089 / 7099-300
E-Mail: noessner@gsf.de

Professor Dr. Rolf Issels
Department für Innere Medizin des Klinikums Großhadern der LMU und
GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Tel.: 089 / 7095-4768
Fax: 089 / 7095-4776
E-Mail: Rolf.Issels@med.uni-muenchen.de

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Der schnellste Kontinent

Dipl.Met. Franz Ossing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
GeoForschungsZentrum Potsdam
17.10.2007

Indien besonders schnell wegen halbierter Lithosphärenwurzel
Sperrfrist: 17. 10. 2007, 19:00 Uhr
Der schnellste Kontinent
Indiens halbierte Lithosphärenwurzel

Vor 50 Millionen Jahren prallte der indische Subkontinent mit einer Geschwindigkeit von rund 20 Zentimetern pro Jahr auf den riesigen eurasischen Kontinent. Mit dieser Geschwindigkeit ist Indien im plattentektonischen Wettbewerb der schnellste Kontinent, wie ein Team von Wissenschaftlern des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) und des indischen National Geophysical Research Institute in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Nature“ vom 18.10.2007 berichtet. Die durch diese Kollision entstandene Knautschzone heisst heute Himalya, das mächtigste Gebirge der Erde. Auch das sich nördlich vom Himalaya anschließende, riesige Tibetanische Hochplateau ist Resultat dieses Zusammenstoßes bei hoher Geschwindigkeit.
Indien war bis vor ca. 140 Millionen Jahren Teil des Superkontinents Gondwanaland. Gondwana zerbrach, seine verschiedenen Teile drifteten mit verschiedenen Geschwindigkeiten auseinander und heißen heute Indien, Afrika, Australien, Antarktika und Südamerika.
Aber warum war Indien so viel schneller und bewegte sich weiter als die anderen Teile von Gondwanaland? Eine neue, am GFZ Potsdam entwickelte seismische Methode ermöglicht die Messung der Mächtigkeit der heutigen Lithosphärenplatten mit großer Genauigkeit. Dabei fiel auf, daß die Indische Platte nur etwa 100 Kilometer mächtig ist, während die anderen Restplatten von Gondwana eine doppelte Dicke von rund 200 Kilometern aufweisen. Die Ursache für das Aufbrechen von Gondwana wird in einer riesigen heißen Gesteinsblase gesehen, die von unten den Superkontinent aufheizte und zerbrechen ließ. Dieser Vulkan ließ die untere Hälfte des indischen Subkontinentes wegschmelzen, deshalb konnte Indien schneller und weiter verschoben werden.
Kontakt: Prof. Dr. Rainer Kind, GFZ Potsdam
e-mail: kind@gfz-potsdam.de
phone: ++49 (0)331 – 288 1240

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Mit einer Tasse Kaffee zu neuen Wirkstoffen

Christian Möls, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Bergakademie Freiberg
18.10.2007

Um Ausgangsstoffe für pharmazeutische Wirkstoffe herzustellen, werden in der modernen Biotechnologie lebende Zellen als kleine Fabriken eingesetzt. Leider liefern die Zellen die gewünschten Stoffe nicht immer in der geforderten Reinheit: Zellstress ist hierbei die Ursache, dass unerwünschte Nebenprodukte gebildet werden. Der Forschergruppe um Martin Bertau vom Institut für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg gelang zusammen mit Kollegen der TU Dresden nun eine Lösung dieses Problems. Die Zugabe von Coffein schaltet gezielt stressgeschädigte Zellen aus.
Die Natur als chemische Fabrik nutzen. Dies ist das Ziel der „weißen“ Biotechnologie. Anwendung findet dieser Ansatz unter anderem bei der Herstellung von Vorstufen für Medikamente. Hierbei setzen Chemiker lebende Mikroorganismen ein, deren Enzyme sie gezielt zur Erzeugung von Vorstufen für Pharmawirkstoffe nutzen. „Einer dieser Organismen ist die Bäckerhefe. Ihre Enzyme arbeiten wie in einem Großraumbüro zusammen“, erklärt Martin Bertau vom Institut für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg. „Die Prozesse sind genau aufeinander abgestimmt, so dass sie sich nicht gegenseitig behindern. Regen wir nun ein Enzym an, für uns einen Stoff zu erzeugen und damit eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen, wird der gesamte Ablauf in der Zelle gestört. Dies kann zu so genanntem Zellstress führen. Dadurch erzeugt die Zelle auch Stoffe, die das Endprodukt verunreinigen.“

Wollte man bisher die von der Zelle gebildete chemische Verbindung weiterverarbeiten, mussten die nicht gewünschten Bestandteile mit hohem Aufwand abgetrennt werden. Denn an Ausgangsstoffe für Medikamente werden hohe Anforderungen an die Reinheit gestellt. In einem dreijährigen Forschungsprojekt konnten die Wissenschaftler um Martin Bertau nun zeigen, wie sich die Produktion unerwünschter Stoffe bereits in der Zelle unterbinden läßt. Die Zugabe von Coffein brachte die Lösung. Es verhindert, dass stark stressgeschädigte Zellen in den Produktionsprozess eingreifen, indem diese dazu veranlasst werden, den programmierten Zelltod einzuleiten. Ihr neuartiges Verfahren haben sich die Freiberger Wissenschaftler patentieren lassen. Erste Industriepartner interessieren sich bereits für dessen Umsetzung.

Diese Ergebnisse sind auch von großer Bedeutung für die Aufnahme von Medikamenten im menschlichen Darm. Welche Auswirkungen eine einfache Tasse Kaffee auf die dort vorkommenden Mikroorganismen hat, untersucht die Arbeitsgruppe daran anknüpfend im Rahmen eines europäischen Exzellenznetzwerkes (BioSim).

Kontakt:
PD Dr. Martin Bertau
Institut für Technische Chemie
Technische Universität Bergakademie Freiberg
Tel.: 03731/39 23 84
E-Mail: martin.bertau@chemie.tu-freiberg.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news231058

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Umweltfreundlicher Strom aus Synthesegasen

Ursula Zitzler, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart
17.10.2007

Forschungsprojekt für variable Brenngase gestartet

Den überwiegenden Teil an der Stromproduktion werden in den nächsten 30 bis 50 Jahren auch weiterhin fossile Energieträger wie Kohle und Erdgas übernehmen müssen. Eine energieeffiziente und Klima schonende Alternative sehen Experten in der Vergasung von Kohle oder Biomasse zu Synthesegasen und in der CO2-Abscheidung. Die Grundlagen dafür untersuchen jetzt das Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen der Universität Stuttgart (IVD), das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) in Stuttgart gemeinsam mit Partnern aus der Industrie in einem neu gestarteten Forschungsprojekt.
Das Vorhaben „Brennstoffflexibilisierung für Kombi-Kraftwerke mit der Option eines CO2-freien Betriebs“ mit einem Volumen von 3,85 Millionen Euro wird in etwa zu gleichen Teilen durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg und die Industriepartner Alstom und die EnBW Energie Baden-Württemberg AG finanziert. Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg dazu: „Wollen wir unsere Wirtschaftskraft erhalten, wird Baden-Württemberg weiterhin von fossilen Energieträgern abhängig sein. Durch dieses innovative Verfahren können die wertvollen Ressourcen besonders effizient und umweltverträglicher genutzt werden.“

Bei dem alternativen Verfahren werden feste Energieträger wie Kohle, Holz oder andere Biomasse in ein brennbares Gas umgewandelt. Dieses Synthesegas, das hauptsächlich aus den gasförmigen Komponenten Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H2) besteht, wird dann verbrannt und treibt eine Gasturbine eines Gas- und Dampf-Kraftwerks an, deren heiße Abgase nochmals für einen Dampfprozess genutzt werden. Bei dem Forschungsprojekt geht es zum einen um die Entwicklung eines Verfahrens, das wasserstoffreiche Synthesegase bereitstellt, die zuverlässig und schadstoffarm verbrannt werden können. Zum anderen untersuchen die beteiligten Forscher, wie Gasturbinen-Brennkammern auf die besonderen Verbrennungseigenschaften dieser neuen Synthesegase hin ausgelegt werden müssen.

Im ersten Teil des Forschungsprojektes entwickeln die Projektpartner am IVD sowie vom ZSW ein Verfahren für die Herstellung eines für Gasmotoren und Gasturbinen geeigneten Produktgases in einer streng definierten, gleich bleibenden Qualität. Dieses Verfahren soll dann in einer Pilotanlage im 150 Kilowatt Maßstab am IVD getestet werden. Im zweiten Teil des Forschungsvorhabens untersucht das Institut für Verbrennungstechnik beim DLR die detaillierten Verbrennungseigenschaften des erzeugten Synthesegases. Diese stellen erhöhte Anforderungen an einen sicheren und emissionsarmen Betrieb der Gasturbine. Für die Untersuchungen steht mit dem Hochdruck-Brennkammer-Prüfstand eine ideale Großforschungsanlage im DLR in Stuttgart zur Verfügung. Parallel dazu beschäftigen sich Wissenschaftler am Institut für Thermodynamik in der Luft- und Raumfahrt (ITLR) an der Universität Stuttgart mit Fragen zur Brennkammerkühlung.

Ansprechpartner
Prof. Dr. techn. Günter Scheffknecht
Universität Stuttgart
Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen (IVD)
Tel.: +49 711 685 63487
Fax: +49 711 685 63491

Prof. Dr.-Ing. Manfred Aigner
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für Verbrennungstechnik
Tel.: +49 711 6862 309
Fax: +49 711 6862 578

DLR – Institut für Verbrennungstechnik http://www.dlr.de/vt
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg http://www.mwk.baden-wuerttemberg.de
Alstom Power AG http://www.alstom.de
EnBW Energie Baden-Württemberg AG
ZSW http://www.zsw-bw.de
IVD http://www.ivd.uni-stuttgart.de
ITLR http://www.uni-stuttgart.de/itlr

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Klimawandel kann zur Verbreitung von Krankheitsüberträgern führen

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)
17.10.2007

Europäische Fachleute raten zur verstärkten Beobachtung, um frühzeitig Gefahren zu erkennen und handeln zu können
Das Klima ist wesentlich für das Überleben und die Verbreitung von Krankheitserregern mit verantwortlich – auch für die Anzahl der im Freiland lebenden Überträger (Vektoren), beispielsweise Mücken, Zecken oder Nagetiere. So lautet das zentrale Ergebnis einer internationalen Tagung mit rund 140 Fachleuten, die das Umweltbundesamt (UBA) mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in Berlin organisierte. Für die menschliche Gesundheit haben von Tieren übertragene Krankheiten eine besondere Bedeutung, weil im Freiland lebende Überträger unmittelbar auf klimatische Veränderungen reagieren. Mit dem Klimawandel steigt das Risiko, dass neue und teilweise gefährlichere Krankheiten in Deutschland heimisch werden könnten. Im Freiland lebende Überträger werden zudem über globale Transportwege in entfernte Regionen verschleppt. Treffen beispielsweise Mücken, Zecken oder Nagetiere am Ankunftsort auf für sie passende klimatische Bedingungen, Biotope und Wirte, so können sich die Überträger vermehren und verbreiten. Daher ist es nach Meinung der Expertinnen und Experten wichtig, auch in Deutschland systematisch im Freiland lebende Überträger zu überwachen (Vektorüberwachung). Nur so lassen sich mögliche Gefahren frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen entwickeln.

Es gibt Anzeichen, dass einheimische Mücken- und Zeckenarten bereits auf die sich ändernden klimatischen Bedingungen reagieren. So verkürzen Zecken, die unter anderem Borreliose sowie Hirnhaut- und Gehirnentzündungen übertragen, regional ihre Winterruhephase. Infolge des letzten, milden Winters gab es dieses Jahr in Deutschland mehr Zecken. Mücken konnten zeitiger im Frühjahr erscheinen oder schneller ihre Entwicklung abschließen. Regional kam es diesen Sommer häufiger zu Mückenplagen. Eine in Deutschland neuerdings vereinzelt nachgewiesene Schmetterlingsmückenart überträgt die ursprünglich im Mittelmeerraum heimische Leishmaniose. In Deutschland erworbene Leishmanioseerkrankungen bei einem Kind und bei einigen Hunden zeigen, was geschehen kann, wenn bisher hier nicht heimische Vektoren und Krankheitserreger klimatisch passende Bedingungen vorfinden.
Auch für die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit bei Wiederkäuern, hat der beobachtete Klimawandel eine wichtige Bedeutung bei der Ausbreitung von Nordafrika nach Süd- und Südwesteuropa. Die Temperaturabhängigkeit der Erreger sowie Verschleppungen, die mit Tiertransporten entstehen, gelten als wesentliche Ursachen dafür, dass sich die Erreger seit dem letzten Jahr in Belgien, den Niederlanden, in Deutschland und in England verbreiteten.
Um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen entwickeln zu können, halten es Klima- und Insektenforscher, Zoologen sowie Mediziner aus 14 europäischen Ländern für notwendig, die Vektorvorkommen systematisch zu überwachen. Die nationalen Überwachungsprogramme für übertragbare Krankheiten befassen sich bisher überwiegend mit den Erkrankungen des Menschen. Überwachungsprogramme für Überträger – wie Mücken oder Zecken – gibt es nur in einzelnen europäischen Ländern. In Deutschland fehlen sie. Sie sind aber nach Meinung der Fachleute erforderlich, um Gegenmaßnahmen frühzeitig mit Infektionsschutz und dem Umweltschutz in Einklang zu konzipieren und bei Bedarf anwenden zu können.
Ausführlichere Informationen zur Tagung „Vector-borne diseases: Impact of climate change on vectors and rodent reservoirs“ finden Sie im Internet unter: http://www.adelphi-consult.com/climate-and-vectors. Die Zusammenfassungen der Tagungsergebnisse stehen in Kürze auf der UBA-Homepage.
Informationen zum Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung am Umweltbundesamt (KOMPASS) finden Sie unter: http://www.anpassung.net/netzwerk/

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