Montag, Oktober 26, 2020
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Meldungen Arbeitsicherheit November 2008

November 2008
24.11.2008 Gefahrenschwerpunkt „Lastentransport“ 
24.11.2008 DVD: Napo in ‚Schach dem Risiko‘ 
24.11.2008 Arbeitssucht – Die Suche nach Anerkennung
24.11.2008 Überwachungsmaßnahmen nach Stromunfällen
16.11.2008 Arbeitsschutz in der Zeitarbeit verbessern 
02.11.2008 Arbeitssystem Büro gesund gestalten 
02.11.2008 Gesetzliche Unfallversicherung: Sicher arbeiten mit Laserdruckern 

 


Gefahrenschwerpunkt „Lastentransport“

Jeder sechste Arbeitsunfall passiert beim Transport von Lasten
Beim Lastentransport ereignen sich fast 18 Prozent aller Arbeitsunfälle. Darauf weist die Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik hin.

„Durch falsche Haltung, hastige Bewegungen und den Verzicht auf Hilfsmittel wird Sicherheit verspielt. Vielen ist gar nicht klar, dass schon ein kleiner Patzer Auslöser für ein langwieriges Rückenproblem sein kann“, weiß Heiko Kusserow, Fachmann für Ergonomie in der Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik.

„Das Wissen, wie man richtig hebt und trägt“, so Kusserow, „wird oft als selbstverständlich vorausgesetzt. Eine Unterweisung findet nicht statt.“ Gerade Berufsanfängern fehlt deshalb oft das Rüstzeug, das sie vor Verletzungen schützt. Die Folgen erleben die Betroffenen meist erst später, wenn es zu schmerzhaften Erkrankungen oder zu Unfällen kommt.

Fast ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage (23,7 Prozent) geht auf Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes zurück. Der damit einhergehende Produktionsausfall wird bundesweit mit 8,5 Mrd. Euro beziffert.

So bleiben Sie gesund – in die Hocke gehen statt vorbeugen
Richtig heben und tragen heißt:

* Die Knie beugen und mit geradem, möglichst aufrechtem Rücken in die Hocke gehen.
* Lasten körpernah hochheben und transportieren.
* Verdrehungen des Oberkörpers und ruckartige Bewegungen vermeiden.
* Bei schweren Lasten: Hilfsmittel benutzen bzw. Kollegen um Unterstützung bitten.

Die Einstellung ‚Das pack‘ ich schon!‘ ist verbreitet, aber gefährlich! Sie schadet dem Mitarbeiter, der sich überhebt, und dem Betrieb, der den Arbeitsausfall verkraften muss.

Mehr Infos bietet der neue Ergo-Tipp „Lasten bewegen von Hand“ (Bestell-Nr. T 41). Unter folgendem Link kann die Broschüre bestellt (kostenlos für Betriebe der BG Elektro Textil Feinmechanik) oder als PDF heruntergeladen werden: www.bgetf.de/medien, Rubrik: Tipps.

(Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV))

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DVD: Napo in ‚Schach dem Risiko‘

Herstellungsjahr: 2008, Laufzeit: 10:27 Minuten,
Herausgeber: DGUV u.a.

Dieser Napo-Film zum Thema Gefährdungsbeurteilung erklärt den Unterschied zwischen Gefahr und Risiko. Es wird gezeigt, wie Gefahren beseitigt und Risiken verringert werden können. Ziel des Films ist es, anhand von alltäglichen Situationen zu zeigen, wie wichtig es ist, eine Beurteilung von Gefährdungen durchzuführen.
Napo und seine Kollegen wollen Beschäftigte motivieren, sich auch bei ihren Vorgesetzten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz einzusetzen. „Sicherheit mit einem Lächeln“ ist Napos Beitrag zu sichereren, gesünderen und besseren Arbeitsplätzen.
Link: http://www.dguv.de/inhalt/medien/dguv_filme/020_napo_schach/index.jsp

(Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV))

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Arbeitssucht – Die Suche nach Anerkennung

Im Rausch der Arbeit

Wer viel arbeitet, gilt als fleißig, erfolgreich, zielstrebig und leistungsbereit. Alles Eigenschaften, die in unserer Gesellschaft hoch angesehen sind. „Ohne Fleiß kein Preis“, „Arbeit adelt“, „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Im Extremfall führt diese Einstellung zu einem Leben auf der Überholspur. Manche werden dabei reich und glücklich – andere werden krank…
Ursula Riedl über ein Phänomen, das inzwischen immer häufiger auftritt.

Die leitende Position in „seiner“ Firma macht Erich K. richtig Spaß. Er geht gerne ins Büro. Sein Engagement ist überdurchschnittlich – sein Einsatz am Limit. Seine Mitarbeiter allerdings sind weniger begeistert, denn auch von ihnen verlangt er stets 120 Prozent. Nach und nach verliert Erich K. den Blick für das Machbare und überfordert alle mit unrealistischen Zielvorgaben. Er perfektioniert einfach alles – mit fatalen Folgen.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem Erich K. unwichtige Aufgaben von wichtigen nicht mehr unterscheiden kann. Er verliert sich im Detail und kommt zu keinem Ende. Aufgaben zu delegieren fällt ihm zunehmend schwerer. Schließlich macht er die gesamte Arbeit noch einmal. Ohne Termindruck fühlt er sich überflüssig. Zur Entspannung ein Glas Wein, drei bis vier Stunden Schlaf und weiter geht’s.

Doch mit der Zeit lässt die Kraft für diese ungeheuere Anstrengung nach. Es kommt der unvermeidliche Zusammenbruch: Krankenhaus! Viel Zeit zum Nachdenken …

Erich K. ist leider kein Einzelfall. Experten schätzen die Zahl der Arbeitssüchtigen auf rund 200.000, allein in Deutschland. Zudem sei jeder siebte Arbeitnehmer tendenziell gefährdet, arbeitssüchtig zu werden.
Wer ist besonders gefährdet?

Überdurchschnittlich betroffen sind Führungskräfte aller Ebenen, also jene Berufsgruppen, die ihre Arbeitsinhalte und ihre Arbeitszeit selbst bestimmen und gestalten können. Auch Selbstständige und Personen in helfenden Berufen wie zum Beispiel Coaches, Ärzte, Erzieher, Seelsorger sind tendenziell gefährdet. Dank und Anerkennung von Patienten, Klienten und Angehörigen wird als sehr starke Belohnung empfunden, und dieses Gefühl kann süchtig machen.
Süchtiger Extremjobber oder kontrollierter Viel-Arbeiter?

Natürlich ist nicht jedes „viel Arbeiten“ oder „Schwelgen in Arbeit“ schon Sucht. Wird dieses Verhalten jedoch zu einem Dauerzustand, ist es ratsam, die Hintergründe hierfür genau zu betrachten. „Ob jemand arbeitssüchtig ist, ist nicht daran zu erkennen, wie viel er arbeitet, sondern warum er arbeitet“, erläutert Dr. Stefan Poppelreuter. „Entscheidend ist der Kontrollverlust. Wenn der Sonntagsspaziergang zwanghaft am Büro vorbeigeht und selbst im Urlaub am Strand Termine gemacht und Tabellen abgearbeitet werden, ist die Schwelle zur Sucht überschritten.“ Der Psychologe ist einer der renommiertesten Experten für Arbeitssucht in Deutschland und berät Unternehmen, wie sie das Phänomen in den Griff kriegen können. Poppelreuter fordert: „Es muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass Arbeitssucht kein Modeleiden, sondern eine gefährliche Verhaltensstörung ist.“

Auf dem Weg von normalem Verhalten bis hin zur Sucht lassen sich drei Phasen unterscheiden. Die Übergänge sind fließend. Die Einleitungsphase: Betroffene beginnen, ihren Lebensstil im Hinblick auf die Arbeit zu tarnen. Sie arbeiten heimlich, in ihrer Freizeit. Ihr Arbeitsstil wird hastiger. Stress und Hektik vermitteln Rauscherlebnisse. Die Gedanken kreisen mehr und mehr um die Arbeit. Zwischenmenschliche Beziehungen verschlechtern sich. Typische Symptome sind Erschöpfungsgefühle, leichte Depressionen, Konzentrationsstörungen, Kopf- und Magenschmerzen, beginnende Herz-/Kreislaufprobleme.

Die kritische Phase: Versuche einer besseren Zeitplanung misslingen. Betroffene sichern sich immer einen Arbeitsvorrat. Ohne einen gewissen Termindruck kommen sie sich überflüssig vor und sind daher ständig auf der Suche nach Arbeitsmöglichkeiten. Ausreden, nur um weiterarbeiten zu können, häufen sich. Werden „Vielarbeiter“ gar vom Umfeld wegen ihres Arbeitspensums bedauert, dämpft das eventuell bereits vorhandene Schuldgefühle und wirkt wie ein Freibrief weiterzumachen.
Wie können Vorgesetzte helfen?

Vorgesetzte können dazu beitragen, gefährdete Vielarbeiter vor einem Abrutschen in die Sucht zu bewahren, indem sie suchtfördernde Aspekte erkennen und ihnen entgegenwirken.

* Sorgen Sie dafür, dass sich in Ihrem Bereich Überstunden und nicht genommener Urlaub nicht dauerhaft anhäufen.
* Thematisieren Sie das Problem und sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter.
* Sprechen Sie bei konkreten Hinweisen den Betroffenen direkt an.
* Berücksichtigen Sie nach Möglichkeit die persönlichen Fähigkeiten des Betroffenen, damit er den Arbeitsanforderungen gerecht werden kann. Bieten Sie ihm zum Beispiel Weiterbildungsangebote in Zeitmanagement und Stressbewältigung an.
* Führen Sie Gespräche mit Extrem-Arbeitern über Aufgabenverteilung und Zeitmanagement, statt den exzessiven Arbeitseinsatz zu loben und zu belohnen.

Wenn Arbeit zur Sucht wird …

Alkohol, Zigaretten oder Medikamente sorgen nicht selten für die nötige Entspannung. Es besteht die Gefahr, eine Zweitsucht zu entwickeln, die dann in den Vordergrund rückt und das eigentliche Problem, die Arbeitssucht, überdeckt. In dieser kritischen Phase entscheidet sich, ob es bei Missbrauch bleibt oder Arbeit zur krankhaften Sucht wird. Typische Symptome in dieser Phase sind Bluthochdruck, Magengeschwüre, Depressionen.

Die chronische Phase: Die Betroffenen arbeiten ohne Ende, auch abends und am Wochenende. Sie übernehmen immer mehr Aufgaben und stellen extrem hohe Ansprüche an sich selbst. Zudem sind sie hart und ungerecht gegenüber Kollegen mit einem anderen Arbeitsstil.

Die völlige Aufgabe des privaten Bereichs führt zu weiterer Isolation. Schlafmangel verlangsamt die Wahrnehmung, Denk- und Konzentrationsschwäche folgen. Um das hohe Arbeitspensum zu schaffen, werden immer häufiger Aufputsch- und Beruhigungsmittel zu festen Begleitern. Die dauernde Überlastung führt zwangsläufig zu schweren organischen Krankheiten, wie Herzinfarkt, Nervenzusammenbrüchen, Magendurchbrüchen, Hörsturz. In dieser Endphase sind Betroffene völlig ausgebrannt. Schwerste Depressionen bis hin zu Selbstmordversuchen können die Folge sein. Workaholics gehen oft schon Mitte 50 in Rente oder sterben früh.
Nicht jeder Viel-Arbeiter ist auch ein guter Arbeiter

Arbeitssüchtige schaden dem Unternehmen. Das belegt die Studie „Die Droge Arbeit“ von Dr. Ulrike Emma Meißner, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität Bremen. Sie hat im Jahr 2005 nachgewiesen, dass ein Arbeitssüchtiger ein Unternehmen im Schnitt 200.000 Euro kostet. Befragt wurden 125 Großunternehmen. Größter Kostenfaktor ist der unvermeidbare krankheitsbedingte Ausfall der Betroffenen, zum Beispiel wegen Magengeschwüren, Depressionen oder Herzinfarkt. Außerdem steigt die Personalfluktuation im Dunstkreis eines Arbeitssüchtigen, was die personalwirtschaftlichen Kosten ebenfalls in die Höhe treibt. Ein echter Workaholic ist nämlich permanent unzufrieden und verbreitet schlechte Stimmung. Ganz im Gegensatz zum kontrollierten Viel-Arbeiter, der mit Lust und Laune mehrere Projekte gleichzeitig meistert.
Das Dilemma Arbeitssucht

Manche Beschäftigte sind mit ihrer Arbeit verheiratet: spät Feierabend, kaum ein freies Wochenende, selten Urlaub. Ein Workaholic erlebt es subjektiv als unmöglich, nicht zu arbeiten. Für ihn ist Arbeit wie eine Droge. Identität und Selbstachtung ergeben sich für ihn ausschließlich aus dem Beruf. Der Wunsch nach materiellem Profit spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Arbeit wird zum Selbstzweck.

Arbeitsschutz-Experten und Gewerkschaften warnen schon lange vor einem programmierten Burn-Out. Anders als bei den meisten anderen Süchten ist der Suchtstoff „Arbeit“ permanent verfügbar. Keiner kann ihm entfliehen – man kann nicht „Nicht-Arbeiten“. Ziel muss es also sein, einen ausgeglichenen Lebensstil mit einem ausgewogenen Verhältnis von Arbeits- und Erholungsphasen (wieder)zufinden.

Aus dem Dilemma Arbeitssucht auszubrechen ist nicht einfach. Workaholics müssen lernen, zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu unterscheiden. Nicht das Vermeiden von Arbeit ist zielführend, sondern das Erlernen eines bewussten Umgangs mit der Arbeit.
Karoshi

Japan gilt als das Mutterland der Arbeitssucht. Der Tod durch Überarbeitung wird dort Karoshi genannt. Der rasante wirtschaftliche Aufstieg Japans nach dem Zweiten Weltkrieg führte dazu, dass Arbeitnehmer über Jahre hinweg an sechs bis sieben Tagen pro Woche bis zu zwölf Stunden arbeiteten. Den jährlich rund 10 000 Karoshi-Toten stehen inzwischen rund 350 Behandlungszentren für Arbeitssüchtige gegenüber.

Das ist leichter gesagt als getan. In der modernen Arbeitswelt kann dank Laptop und Handy überall gearbeitet werden, auch auf Zugfahrten und am Flughafen. Tele-Arbeitsplätze und die Einführung der Vertrauensarbeitszeit verschärfen zusätzlich das Problem.

Bei vielen Tätigkeiten zählt heute ausschließlich das Ergebnis. Feste Arbeitszeiten und ein räumlich festgelegter Arbeitsplatz sind oft unnötig. Bei solch projektorientiertem Arbeiten verschmelzen Arbeit und Freizeit zunehmend. Hier ist zunächst einmal jeder persönlich gefordert, es nicht erst so weit kommen zu lassen.

Sobald Betroffene allerdings merken, dass sie alleine nicht weiterkommen und immer wieder in die Arbeitsspirale geraten, sollten sie sich Unterstützung und Hilfe holen. In leichteren Fällen kann es ausreichen, gemeinsam mit einem Trainer ein Zeit- und Selbstmanagement zu entwickeln.

Professionelle Hilfe finden Arbeitssüchtige außerdem bei Therapeuten und Suchtberatungsstellen. In einigen Städten gibt es Selbsthilfegruppen von Anonymen Arbeitssüchtigen (AAS). Ihr Programm entstand in Anlehnung an das Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker. Bei den regelmäßigen Meetings haben Betroffene Gelegenheit, über ihr Problem zu reden. Es gibt keine Mitgliedsbeiträge, niemand muss seine Identität offenlegen.

(Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV))

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Überwachungsmaßnahmen nach Stromunfällen

Im Vergleich zur Gesamtzahl aller Arbeitsunfälle sind Stromunfälle selten. Allerdings beinhalten sie ein wesentlich größeres Risiko, einen tödlichen Ausgang zu nehmen. Die Auswirkungen eines Stromkontaktes auf den menschlichen Körper sind oft zunächst nicht sichtbar. Deshalb sind viele Ersthelfer, aber auch Ärzte unsicher, welche Überwachungsmaßnahmen nach einem Stromunfall notwendig und sinnvoll sind. Oft herrscht die Vorstellung, dass in jedem Fall eine 24-stündige intensivmedizinische Überwachung erforderlich ist. Aber stimmt das wirklich?

Auszug aus einem Durchgangsarztbericht:
„Der Versicherte stand auf einer Leiter in 3 m Höhe. Er war mit dem Prüfen von Stromleitungen beschäftigt. Aus Versehen geriet er an einen Stromleiter (230 Volt) und fiel von der Leiter. Nach einigen Stunden suchte er sicherheitshalber den D-Arzt auf. „

Der Durchgangsarzt stellte eine Stromeintrittsmarke am rechten Zeigefinger fest, eine Stromaustrittsmarke war nicht auszumachen. Sämtliche durchgeführten Untersuchungen waren unauffällig, insbesondere gab es keine Auffälligkeiten im EKG. Aus dem Sturz resultierten keine Verletzungen. Der Versicherte wurde 24 Stunden stationär zur weiteren Überwachung des EKGs aufgenommen.

Auswirkungen des Stroms auf den Körper
Grundsätzlich werden 2 Spannungsbereiche unterschieden: Niederspannungsbereich bis 1000 V und Hochspannungsbereich ab 1 kV.

Faktoren, die das Ausmaß der Schädigung beim Stromunfall bestimmen sind:

* Stromstärke
* Stromart (Wechsel- oder Gleichstrom: Wechselstrom ist in seinen Gesundheitsgefährdungen gravierender und wegen seiner Auswirkungen auf das Herz gefürchtet)
* Frequenz
* Körperwiderstand
* Dauer des Stromflusses
* Stromweg durch den Körper
* Größe der Kontaktfläche

 

Niederspannungsbereich
Unfälle im Niederspannungsbereich sind häufig. Bei sehr kurzem Kontakt mit der Spannungsquelle sprechen Elektrofachkräfte von „Wischern“. Sekundärunfälle, wie ein Sturz von der Leiter, können die Folge sein. Bei höheren Stromstärken ist ein „Klebenbleiben“ an der Spannungsquelle möglich. Darunter versteht man die Verkrampfung der Muskulatur, die es unmöglich macht, sich aus eigener Kraft vom elektrischen Leiter zu lösen. Hierdurch verlängert sich die Kontaktzeit, die Folgen des Stromflusses werden gravierender.

Besonders gefürchtet bei einem Stromweg über den Brustbereich sind Atemstörungen sowie lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern. Diese Störungen treten unmittelbar mit der Körperdurchströmung auf. Sie sind die Hauptursache für tödliche Stromunfälle im Niederspannungsbereich. Das Ausmaß der Schädigung am Herzen hängt wesentlich von der Dauer des Stromflusses ab.

Der Stromweg durch den Körper kann häufig anhand der Strommarken, die Ein- und Austrittsstelle markieren, nachvollzogen werden. Großflächige Verbrennungen durch Störlichtbogen sind auch beim Niederspannungsunfall möglich.

Hochspannungsbereich
Bei Unfällen im Hochspannungsbereich wird unterschieden zwischen Verletzungen mit direktem Stromdurchfluss und Lichtbogenverletzungen mit oder ohne Körperdurchströmung. Bei Lichtbogenverletzungen entsteht durch die hohen Temperaturen (3000 -20000 ˚C) ein zunächst äußerer thermischer Schaden. Der direkte Stromdurchfluss kann zur Zerstörung sämtlicher im Durchfluss liegender Gewebe führen: Schädigungen am Herzen bis hin zum Herzstillstand, Störungen des Nervensystems mit neurologischen Ausfällen und Verwirrtheitszuständen, Gefäßschäden sowie ausgedehnte Muskeldefekte sind möglich.

Vorgehen bei Unfällen mit elektrischem Strom:
Wichtig ist der Eigenschutz der Ersthelfer! Im Niederspannungsbereich heißt dies: Ausschalten der Stromkreise, Abschalten des Gerätes, Ziehen des Netzsteckers, alternativ Isolieren des Verunglückten durch geeignetes isolierendes Material!

Die anerkannten Regeln der Erste -Hilfe -Maßnahmen gelten auch für den Stromunfall. Darüber hinaus gilt es aber folgendes zu beachten: Eine möglichst zeitnahe ärztliche Kontrolle bei Verdacht auf eine Körperdurchströmung ist notwendig. Diese Untersuchung sollte die Durchführung eines 12-Kanal-EKGs mit Rhythmusanalyse sowie eine eingehende Anamnese mit körperlicher Untersuchung einschließen. Hierbei ist zu achten auf: Strommarken, Verbrennungen, neurologische Störungen sowie auf krankhafte Befunde an Herz und Lunge.

Ergibt sich hierbei ein unauffälliges Bild, ist eine routinemäßige 24 stündige Überwachung wie im eingangs erwähnten Fallbericht nicht notwendig.

Die letztendliche Entscheidung über das weitere Vorgehen nach einem Stromunfall liegt beim behandelnden Arzt.

Im Hochspannungsbereich ist grundsätzlich ein Notruf abzusetzen. Hier muss als Schutzmaßnahme ein Sicherheitsabstand entsprechend der Spannungshöhe zum Verunfallten eingehalten werden, bis der Bereich durch Fachpersonal frei geschaltet und freigegeben ist. Erst dann können Maßnahmen der Ersten Hilfe eingeleitet werden.

Nach Hochspannungsunfällen ist immer mit thermischen Wirkungen auf den Körper zu rechnen, die sich auch oft erst nach einigen Tagen bemerkbar machen. Das Risiko, an einem Hochspannungsunfall zu sterben, ist ungleich höher als bei Niederspannung. Deshalb muss der Verunglückte sofort medizinisch versorgt, umgehend stationär aufgenommen und engmaschig überwacht werden.

Dr. Ingeborg Eisenacher-Abelein

Diesen Artikel lesen Sie auch in Brücke 5/2008, die Sie hier herunterladen können.
http://www.bgetf.de/aktuell/ap_bruecke.html

(Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV))

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Arbeitsschutz in der Zeitarbeit verbessern

Auftaktveranstaltung zum Förderschwerpunkt 2008

Ständig wechselnde Arbeitsplätze in wechselnden Unternehmen, kurze Einsatzzyklen sowie häufig sich ändernde Arbeitsanforderungen und Arbeitsabläufe kennzeichnen die Tätigkeiten vieler Zeitarbeitnehmer. Für eine Einweisung in den Arbeitsplatz, die Arbeitsaufgaben sowie den Arbeits- und Gesundheitsschutz bleibt wenig, häufig keine Zeit. Nicht umsonst tragen Beschäftigte in der Zeitarbeit ein überdurchschnittliches Unfallrisiko.

Vor diesem Hintergrund lautet der Förderschwerpunkt 2008 des Modellprogramms zur Bekämpfung arbeitsbedingter Erkrankungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS): „Zeitarbeit – neue Herausforderungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz“. Die Auftaktveranstaltung des von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fachlich begleiteten Förderschwerpunkts findet am Donnerstag, 4. Dezember 2008, von 11.00 Uhr bis 15.30 Uhr im Museum der Eintracht Frankfurt (Commerzbank Arena, Mörfelder Landstraße 362, Frankfurt Main) statt. Dabei stellen sich die beiden geförderten Projekte GEZA, Gesunde Zeitarbeit – Arbeits- und Gesundheitsschutz mit System. Entwicklung und Erprobung eines integrierten Gesundheitsmanagements für die Zeitarbeitsbranche, und GRAziL, Gestaltung, Umsetzung und Transfer von Instrumenten zum Ressourcenmanagement und zum Arbeitsschutz im Rahmen eines zielgruppenbezogenen Ansatzes für Leiharbeitnehmer in Entleihunternehmen, vor.

Beide Projekte werden praxistaugliche Konzepte entwickeln, erproben und umsetzen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz für die Beschäftigten in der Zeitarbeitsbranche zu verbessern. Während GEZA bei den Zeitarbeitsunternehmen ansetzt, erarbeitet GRAziL Lösungen aus der Perspektive der Entleihunternehmen. Beide Projekte präsentieren ihre Ansätze und Konzepte sowie die geplante Vorgehensweise bei der Auftaktveranstaltung.

Die Veranstaltung richtet sich an Vertreter von Zeitarbeitsunternehmen, Verbänden, Krankenkassen und der gesetzlichen Unfallversicherung sowie Arbeitswissenschaftler, Arbeitspsychologen, Arbeitsmediziner und Wissenschaftler sowie an die interessierte Öffentlichkeit.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch bis zum 28. November 2008 erforderlich. Das Programm der Veranstaltung, eine Anfahrtsbeschreibung und das Anmeldeformular befinden sich auf der BAuA-Homepage.

Weitere Informationen und Anmeldungen bei

Manpower GmbH & Co. KG, Nürnberger Straße 10, D-63450 Hanau, Claudia Strelau, Tel.: 069.9 63 76 47 21, Fax: 06181.92 320 13, E-Mail: StrelauClaudia@Manpower.de.

(Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA))

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Arbeitssystem Büro gesund gestalten

Chancen und Risiken der Informationstechnologie im Büro

Die Zeiten lärmender Schreibbüros, in denen Dutzende von Datentypistinnen auf ihre Maschinen hämmerten, sind vorbei. Der Ruf zum Diktat aus der Tür zum Chefzimmer ist lange verhallt. Die Entwicklung neuer Informationstechnologie hat die Büroarbeit grundlegend verändert. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Immer schnellere und leistungsfähigere Multimediageräte eröffnen neue Anwendungsmöglichkeiten, stellen aber auch neue Anforderungen an die Nutzer. Mit ihrer neuen Broschüre „Technologien im Büro“ beleuchtet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Chancen und Risiken im Umgang mit PC, E-Mail & Co.

Das Kontor, in dem der Kommis die Bücher am Stehpult mit der Schreibfeder führte, hat schon lange vor Blackberry und Wireless-LAN kapituliert. Doch befreit vom Zwangskorsett fester Büroordnungen erlebt der moderne Büronomade die Entgrenzung von Arbeitszeit und Arbeitsort. Beide Extreme der Arbeitsgestaltung fördern weder die Gesundheit der Beschäftigten, noch deren Produktivität.

Die Broschüre greift deshalb die verschiedenen Aspekte moderner Büroarbeit auf und erläutert deren Risiken und Chancen aus arbeitswissenschaftlicher Perspektive. Dabei belässt sie es nicht mit einem Problemanriss, sondern gibt vertiefende Informationen und weist auf weiterführende Handlungshilfen hin.

Nach einer Einführung über die historische Entwicklung der modernen Büroarbeit widmet sie sich den ergonomischen Anforderungen an die Ausstattung moderner Büroeinrichtungen. Dabei lautet die Devise „Einfach nutzen, schafft mehr Nutzen“. Entsprechend sollten Gestaltungsanforderungen wie Verständlichkeit, einfache Handhabung, Fehlertoleranz und flexible Einsatzmöglichkeiten bei der Anschaffung und beim Einsatz von Software, Arbeitsmitteln und Möbeln berücksichtigt werden. Dies gilt auch insbesondere für häusliche und mobile Arbeitsplätze.

Anschließend geht der Ratgeber auf Faktoren ein, die die Gesundheit der Beschäftigen beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise das Klima, die Beleuchtung, die richtige Haltung aber auch die Arbeitsorganisation. Tipps zeigen beispielsweise Wege zum belastungsgünstigen Umgang mit der Informationsflut durch E-Mail und das Internet auf.

Zu guter Letzt beschäftigt sich die Broschüre mit dem „Faktor“ Mensch. Dabei macht sie deutlich, dass Qualifikation und Fortbildung der Beschäftigten der Schlüssel zu einem erfolgreichen Einsatz von neuer Technologie ist. Aller Virtualität zum Trotz bleibt die direkte Kommunikation ein zentraler Faktor, damit Projekte gelingen und das Betriebsklima stimmt.

Mit den Hintergrundinformationen, Übersichten und Anregungen der Broschüre „Technologien im Büro“ lässt sich moderne Büroarbeit menschengerecht gestalten.

Die kostenlose Broschüre „Technologien im Büro“ kann bezogen werden über das Informationszentrum der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund, Telefon 0231 9071-2071, Fax 0231 9071-2070, E-Mail: info-zentrum@baua.bund.de. Auf der BAuA-Homepage befindet sich eine Version im PDF-Format zum Herunterladen im Bereich Publikationen.

(Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA))

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Gesetzliche Unfallversicherung: Sicher arbeiten mit Laserdruckern

Internetportal des BGIA gibt praktische Tipps und Hintergrundinformationen

Ausdünstungen aus Laserdruckern stehen immer wieder im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Studienergebnisse zum Thema sind für den Nutzer oft schwer verständlich und widersprüchlich. Das Institut für Arbeitsschutz (BGIA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hat daher zu diesem Thema ein neues Internetangebot veröffentlicht. Es enthält leicht verständliche Hintergrundinformationen sowie praktische Tipps, wie sich mögliche Gefährdungen bei der Arbeit mit Laserdruckern vermeiden lassen und woran man schadstoffarme Geräte erkennt. Unter www.dguv.de/bgia/laserdrucker kann sich jeder kostenlos und umfassend informieren, der beruflich oder privat Laserdrucker nutzt.

„Ein klarer Zusammenhang zwischen Geräteausdünstungen und Gesundheitsproblemen ist heute in der Fachwelt noch umstritten“, sagt Dr. Horst Kleine, Gefahrstoffexperte im BGIA. „Solange keine Klarheit besteht, raten wir dazu, nur geprüfte, schadstoffarme Drucker zu verwenden.“ Eine entsprechende Liste ist im neuen Internetangebot verlinkt. Daneben gibt es eine Reihe einfacher Regeln zum sicheren Umgang mit Laserdruckern, die jeder kennen sollte. Auch sie findet der Nutzer im Netz. Neben den konkreten Hilfen liefert das Portal umfassende Hintergrundinformationen: Dazu zählen aktuelle Studienergebnisse, Untersuchungsergebnisse zu Gefahrstoffen in Tonern und Kriterien für die Prüfung von Tonerpulvern.
Kleine: „Wir wollen mit diesem Informationsangebot mehr Sicherheit schaffen; wir wollen aber auch dazu beitragen, die Diskussion zum Thema zu versachlichen und die Nutzer über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung aufklären.“

(Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV))

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